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J
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Jahrbuch
für
romanische und englische Sprache
und Literatur.
Begründet im Verein mit Ferdinand Wolf
von
Adolf Ebert.
Herausgegebeu
von
Dr. Ludwig Lemcke,
Professor an der Universität Giessen.
Neue Folge.
II. Band (der ganzen Reihe XIV. Band).
Leipzig,
Druck und Verlag von B. G.* Teubner.
1875.
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Inhalt.
Seite
Die Beispiele aus Geschichte und Dichtung in dem altfranzösischen
Roman von Girart von Rossillon. Von Reinhold Köhler . . 1
Die Legenden von St. Dunstan und St. Christopher. Aus MS.
Laud 108. Von Carl Horstmann .32
Marlowe’s Faust und sein Verhältniss zu den deutschen und eng¬
lischen Faustbüchern. Von E. Schmid .42
Polsies burlesques et satiriques in^dites de Diego Hurtado de
Mendoza. Von A. MorebFatio .63
Englische Lieder und Balladen aus dem 16. Jahrhundert. Von
B. Böddeker . 81
Kritische Anzeigen:
Papanti, Giovanni, Catalogo di Novellieri italiani in prosa;
angezeigt von Reinhold Köhler .106
Zeitschriften.111
Der Troubadour Marcabru. Von Hermann Suchier .119
Die Bibliothek des Barons Seillfcre. Beitrag zur Literatur der
Amadis-Romane. Von Ludwig Braunfels .161
Nachlese auf dem Gebiete romanischer Etymologien. Von Hermann
Rönsch .^.173
Po^sies burlesques et satiriques inddites de Diego Hurtado de
Mendoza. Von A. MorebFatio (Schluss).186
Englische Lieder und Balladen aus dem 16. Jahrhundert. Von
R . Böddeker (Fortsetzung).:.210
Kritische Anzeigen:
La Baronessa di Carini. Leggenda storica popolare del sec.
XVI in poesia italiana. Con discorso e note di Scdvatore
Sdlomone-Marino . Seconda ediz. Palefmo 1873. 8°; an¬
gezeigt von F. Liebrecht .240
Ein Beitrag zur Ueberlieferung der Gregorlegende. Von Dr^
Hugo Bieling. Berlin 1874; angezeigt von W. Mangold 245
Schreiben an den Herausgeber. Von H. Schuchardt .... 246
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IV
Inhalt.
Seite
Beiträge zur Kenntniss der französischen Sprache des XIV. Jahrh.
Von Otto Knauer (Fortsetzung).247
Der Troubadour Marcabru. Von Hermann Suchtet (Schluss) . . 273
Die Alliteration bei Chaucer. Von F. Lindner .811
Nachlese auf dem Gebiete romanischer Etymologien. Von Hermann
Rönsch (Fortsetzung).336
Englische Lieder und Balladen aus dem 16. Jahrhundert. Von
R. Böddeker (Fortsetzung).347
Kritische Anzeigen:
Antikritik. Von K. Bartsch .368
Die Volkslieder des Engadin. Von Alfred von Flugi. Nebst
einem Anhänge engadinischer Volkslieder. Strassburg 1873.
— Ein altladinisches Gedicht in Oberengadiner Mundart.
Herausgegeben, übersetzt und erklärt von A. Rochat.
Zürich 1874; angezeigt von L. 238
Zeitschriften.383
Die Nasalität im Altfranzösischen. Von Albert Mebes .385
Beiträge zur Kenntniss der französischen Sprache des XIV. Jahrh-
hunderts. Von 0 . Knauer (Schluss).401
Kritische Anzeigen:
Dante secondo la tradizione e i novellatori. Richerche di Giov.
Papanti. Ljvorno 1873. 8.; angez. von R. Köhler . . . 421
Le Livre des mestiers. Dialogues fra^ais-flamands composäs
au XIV si&cle etc. Publiä par H. Michelant. Paris 1875;
angez. von A. Schder .436
Bibliographie von A. Ebert } A. Tobler und dem Herausgeber 442
Register.*.483
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Die Beispiele aus Geschichte und Dichtung in dem alt¬
französischen Roman von Girart von Rossilion.*)
In dem französischen Roman vom Herzog Girart von Ros-
sillon finden wir da, wo das tugendhafte Leben und Wirken
des Herzogs und seiner Gemahlin nach ihrer Rückkehr aus
siebenjähriger Verbannung geschildert wird, eine Anzahl Bei¬
spiele aus Geschichte und Dichtung, welche der Herzog befolgt
habe, defien sich ein von der Herzogin befolgtes anreiht. In
derselben Schilderung sind zwei geschichtliche Anekdoten, die
ebenfalls als Beispiele hätten erzählt werden können, auf den
Herzog übertragen. An einer frühem Stelle des Gedichts, wo
das Leben des Herzogs und seiner Gemahlin in der Verban¬
nung beschrieben wird, ist ein kurzes Beispiel aus der römi¬
schen Geschichte und ein längeres aus der Heiligenlegende
eingeflochten. Indem ich, was der Herausgeber des Girart de
Rossilion zu thun unterlassen hat, den Quellen aller dieser Bei¬
spiele und ihrem sonstigen Vorkommen in der mittelalterlichen
Litteratur nachforschte, habe ich gefunden, dass sämmtliche
Beispiele — mit Ausnahme eines einzigen — dem Speculum
majus des Vincenz von Beauvais entnommen sein können. Es
ist freilich möglich, dass der Dichter des Girart de Rossillon
die von Vincenz von Beauvais benutzten Quellen selbst gekannt,
aber ebenso ist es nicht nur möglich, sondern auch sehr wahr-
*) Le roman en vers de tr&s-excellent, puissant et noble homme G. deR.,
jadis duc de Bourgoigne, publik pour la premiöre fois d’apr&s les m&nu-
scrits de Paris, de Sens et de Troyes, avec de nombreuses notes philo-
logiques et neuf dessins dont six Chromolithographie, suivi de l’histoire
des Premiers temps föodaux, par Mignard. Paris, J. Techener 1858, 8°.
Vgl. dazu die zwei trefflichen Artikel E. Litträ’s im Journal des Savants
1860, wieder abgedruckt in seiner Histoire de la langue fra^aise, T. II.
— Aus einer Brüsseler Hs. de Romans hatte schon Mone in seinem An¬
zeiger 1836, S. 208—22, Auszüge gegeben.
Jfthrb. t rom. u. engl. Lit. N. F. II. i
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2 Die Beispiele ans Geschichte und Dichtung
scheinlich, dass er das Werk des Vincenz gekannt und benutzt
hat, und wir werden daher zum mindesten annehmen dürfen,
dass es für manche der Beispiele seine einzige Quelle gewesen ist.
Ich habe nirgends, wo Gelegenheit dazu gewesen wäre,
eine Verweisung auf die Beispiele im Girart de Rossillon
gefunden: er scheint eben sehr wenig bekannt zu sein. Ich
glaube daher nichts überflüssiges zu thun, wenn ich sie mit
den entsprechenden Stellen, welche ihre Quelle sein können*),
hier folgen lasse und mit einigen Anmerkungen begleite.
I.
V. 2733—2749.
Or ouez d’ung grant prince qui out a nom Denise
Qu’estoit vers ses subg6s tirans en toute guise:
D’eulz dommaigier et nuire point ne se consiroit;
Chascungs sa destruance et sa mort desiroit,
Mas c’une poure femme de viellesse tres grande
Qui touz les raains prioit et faceoit s’offerande.
Cilz princes l’aperceut, moult bien s’en dona garde.
Bist lei: Que feis tu cy, truande papelarde?
Celle respont com celle qui n’ousa feit nSer:
Sire doulx, quant j'estoie junette 4 marler,
Nous avolens ung prince mal tirant, non pas sire,
*) Einige Stellen habe ich sowol im Speculum doctrinale, als im
Speculum historiale, eine nur in ersterem, alle übrigen nur in letzterem
gefunden. Es ist aber leicht möglich, dass bei genauerer Durchsicht des
Speculum doctrinale', welches ich nur überflogen habe, noch mehrere
Stellen, die ich bisher nur im Speculum historiale gefunden habe, auch
in jenem sich finden werden. Im Speculum naturale wird schwerlich
eine der Stellen zu finden sein, das Speculum morale aber, welches dem
Vincentius nur untergeschoben ist, durfte ich ganz ausser Acht lassen,
da es erst zwischen 1310 und 1320 verfasst, vielleicht also jünger als
der nach Mignard (S. X) dem Jahr 1316 angehörende Roman ist. Man
sehe wegen des Speculum morale Aloys Vogel, Literär-historische Notizen
über Vincenz von Beauvais, Freiburg 1843, S. 17 ff., nach. — Ich be¬
merke hier noch, dass ich das Speculum historiale in der 1474 in Augs¬
burg in 3 Foliobänden gedruckten Ausgabe — im Besitz der Grossherzog¬
lichen Bibliothek zu Weimar —, das Speculum doctrinale aber im To-
mus II der 1591 zu Venedig erschienenen Ausgabe des ganzen Speculum
majus — im Besitz der Herzoglichen Bibliothek zu Gotha — benutzt
habe. An die Orthographie und Interpuuction' dieser Drucke habe ich
mich nicht gebunden.
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in dem altfranzÖsiBchen Roman von Girart von Rossilion.
3
Moult desirint sa mort: apr&s heumes pire
Qui nous fit encore pis, et nous plus le ha'fmes.
Aprös sa mort h6usmes plus malvais, toi m6ismes,
Et pour tant que de pire havons trop grant paour,
Que Diex tres longue vie te doint, je Ten aour. —
Cilz s’en partit confus et amanda sa vie.
Speculum historiale HI, 73: Hujus Dionysii*) cum omnes
Syracusani interitum optarent, quaedam ultimae senectutis
femina sola quotidie matutino tempore deos orabat, ut inco-
lumis ac sibi superstes esset Quod audiens Dionysius admi-
ratus interrogavit causam. At illa, Puella, inquit, dum essem
et gravem tyrannum haberem, carere eo cupiebam. Successit
pejor, et illo etiam cum carere cuperem, tertium te importunio-
rem ceteris coepimus habere. Timens ergo deteriorem tibi suc-
cedere caput meum pro tua salute devoveo. Tarn facetam
audaciam D on sius punire erubuit. Haec Valerius.
Vincentius hat hier die bekannte Erzählung des Valerius
Maximus VI, 2, ext. 2 mit mancherlei sprachlichen Aende-
rungen wiedergegeben.
Man vgl. auch des Johannes Sarisberiensis Polycraticus VH,
25, pg. 197 der Giles’schen Ausgabe, Jacobus de Cessolis S/83
der italienischen Uebersetzung**), Don Sancho's Castigos e do-
cumentos Cap. 34, Gesta Romanorum Cap. 53, Libro de los
enxemplos Cap. 324. An allen diesen Stellen , ist Valerius
als Quelle genannt. — Auch Busone da Gubbio erzählt in sei¬
nem Fortunatus Siculus ossia Tawenturoso Ciciliano (S. 250 f.
der Nottsehen Ausgabe, und daraus auch in Fr. Zambrini's
Libro di novelle antiche, Bologna 1868, Nr. XXIII) die
Anekdote, aber in freierer Weise. Bei ihm sagt die Alte, so
oft sie den Dionisio bei sich vorübergehen sieht, immer: Sig¬
nore, Dio ti dia vita! und in ihrer Antwort auf des Tyrannen
Frage nennt sie seine Vorgänger mit Namen, nemlich Niccol
*) Der Name ist immer Dyonisius gedruckt.
**) Ich kann leider den Jacobus de Cessolis nicht im Original be¬
nutzen, sondern nur in der italienischen Uebersetzung: Volgarizzamento
del libro de’ costumi e degli offizii de 1 nobili sopra il giuoco degli
scacchi di Frate Jacopo da Cessole, tratto nuovamente da un codice
Magliabechiano. Milano 1829.
1 *
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4 Die Beispiele aus Geschichte und Dichtung
und Pelisso. — Bromyard, Summa praedicantium R, 1, 36:
mulier quaedam sapienter orasse fertur pro vita cujusdam
tyranni, ceteris mortem ejus desiderantibus, a qua cum
tyrannus causam quaereret, respondit: Vidi populum optare
de duobus vel tribus praedecessoribus tuis, de quibus tarnen
pro uno semper mortuo pejor ei successit: quia boc etiam de
successore tuo timeo, ideo pro yita tua oro. — Bei Odo de
Ceringtonia Nr. 3 (in diesem Jahrbuch IX, 129) ist die Ge¬
schichte auf Abt und Mönch übertragen. — Die Citate: Scala
celi 21, Dialogus creaturarum 118, Pithsanus [Tractatus de
oculo morali] 12), 4, welche Oesterley zu Gesta Romanorum
Cap. 53 beibringt, kann ich ihm nur nach schreiben, habe sie
aber nicht selbst vergleichen können.
n.
V. 2756—2766.
Oi avoit [Girart] parier de Tempereur Tite
Qui fut de si grant fame et de si bon merite:
II tenoit grans convives*) joyeux et senz outraige,
Oncques 4 nulz subgez ne fit 4 tort domaige,
Ne les collacions teix com on li devoit
Qui trop grans li sembloient, totes ne recevoit.
Nulz n’aloit de sa court muz ne desesperßs
Que selonc son estat ne fust remuneres,
Et disoit que touz hons se devoit en liesse
Partir de son signeur et non pas en tristesse.
Ung soir dist 4 sa gent ou estoit 4 sejour:
Las! hui ne donnai riens, bien ai perdu cest jour!
Speculum histor. IX, 9: .... Suetonius libro IX .... Con-
vivia [Titus] instituit jocunda magis quam profusa.
Nulli civium quicquam ademit; abstinuit alieno, ac ne con-
cessas quidem aut solitas collationes recepit. Et tarnen nemine
ante se munificentia minor. Natura benevolentissimus in
cunctis hominum desideriis obstinatissime tenuit, ne quem
sine spe dimitteret; quin et admonentibus domesticis, quasi
plura polliceretur quam praestare posset, non oportere, ait>
quenquam a sermone principis tristem discedere, atque etiam
recordatus super coenam, quod nihil cuiquam toto die praesti-
tisset, memorabilem illam meritoque laudatam vocem edidit:
Amici, diem perdidi!
*) So wird statt convines zu lesen sein.
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in dem altfranzößischen Roman von Girart von Rossillon. 5
Vorstehende Worte sind von Vincentius dem 7. und 8. Ca-
pitel des Lebens des Titus von Suetonius entnommen; jedoch
mit einigen Veränderungen. Bei Suetonius lautet die Stelle:
Convivia instituit jucunda magis quam profusa.
Nulli civium quicquam ademit; abstinuit alieno, ut si quis un-
quam; ac ne concessas quidem ac solitas conlationes recepit.
Et tarnen nemine ante se munificentia minor,.[Cap. 8]
Natura autem benivolentissimus .. In ceteris vero
desideriis hominum obstinatissime tenuit etc. etc. (ganz wie
bei Vincentius, nur fehlt bei diesem quondam hinter recor-
datns).
Johannes Sarisberiensis im Polycraticus III; 14 (S. 215
Giles) sagt: Nam de Tito ... quid dicam? qui ... constan-
tissime tenens in moribuS; ne quem postulandi gratia ad se
accedentem sine re vel spe qiiocunque modo dimitteret. Unde
interrogantibus domesticis ; cur plura polliceretur, quam prae-
stare posset, respondit: Non oportet quemquam a sermone prin-
cipis tristem discedere. Idem quoque recordatus super coenam;
quod nihil tota die cuiquam praestitisset; dolens et gemens
dixit: 0 amici, hunc diem perdidi!
Diese ganze Stelle aus dem Polycraticus findet sich im
14. Capitel der Castigos e documentos des Königs Don Sancho
(P. de GayangoS; Escritores in prosa anteriores al siglo XV,
S. 120) übersetzt, mit der Quellenangabe: 'cuenta Valerio[!]
en el tercero libro del Policrato, capitulo nueve* — und noch¬
mals im 42. Capitel (S. 167), mit der Angabe: 'cuenta en el
tercero libro del Policrato, capitulo XTV\ An letzterer Stelle
fehlt der Autor-Name hinter cuenta*) — Auch das Libro de
de los enxemplos Cap. 308, wo jedoch des Titus Aeusserung
über den verlorenen Tag fehlt, hat aus dem Polycraticus geschöpft
(scribe Policrato en el libro tercero, capitulo tercero).
Volgarizzamento del libro di Jacopo da Cessole S. 63: Leg-
giamo che Tito fue tanto liberale uomo, che a tutte le persone
dava o prometteva, et essendo domandato da' piü suoi cari
amici, perchfe piue prometteva che non potea dare, rispuose
cosi: Non si conviene a veruno prencipe d'aecomiätare da se
*) In den folgenden Worten f do dice cuanto piugd* fehlt der Name
Tito.
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Die Beispiele aus Geschichte und Dichtung
veruna persona con tristizia. Onde una volta che non avea
dato nulla, ne promesso in quello die, disse a’ suoi: 0 amici
il die d’oggi abbo io perduto, che non ho fatto bene veruno.
Martini Poloni Chronicon, opera Suffridi Petri, Antverpiae
1574, pg. 144: [Titus] liberalitatis tantae fuit, ut nulli quic-
quam negaret, dicens, nullum tristem ab imperatore debere
discedere, asserens, se illum diem perdidisse, quo nihil dederat.
Oesterley (zu Kirchhoffs Wendunmut 1, 28) verweist auch
auf den Dialogus creaturarum 75.
HI.
V. 2767—70.
Si privßs, si communs*) estoit qu’en fut repris
Et respondit com sires de valeur et de pris:
Telz vuilz estre ä toz celz qui me rendent servise
Com vuilz c’on me feist se j’estoie en leur guise.
Speculum doctrinale Y, 6 und historiale IX, 68: Eutro-
pius [VIII, 5 (2)]: Inter alia dicti Ulpii Criniti Trajani hoc
ipsius fertur egregium. Amicis enim eum**) culpantibus, quod
nimium omnibus esset communis***), respondit, talem se esse
imperatorem privatis, quales sibi esse imperatores privatus
optasset.
Unser Dichter hat auf Titus mit übertragen, was also eigent¬
lich von Trajan erzählt ist. Ygl. auch Jacobus de Cessolis,
S. 56 der italienischen Uebersetzung (si legge di Traiano).
IV.
V. 2775—2818.
H avoit bien apris et mis en sa memore
D’ung roi qui fut jadis plains de mult tres grant glore»
Ung jour qu’ il se faceoit en son chair charoler
Et en grant compaignie banniere de3ploier,
Deux hommes encontra d’ordre maigres et pales.
Mal vestus, mal chacies et ors, ydus et sales.
Il saillit de son chair et moult les honora,
A genouz les encline et Dieu en adoura.
Ung siens freres germains Ten reprit durement
De ce qu’il avoit faite si grant avilement.
*) So ist mit der Handschrift des Arsenals statt r connus’ zu lesen.
**) Eum fehlt bei Eutropius und im Speculum historiale.
***) Circa omneB communis esset, Eutropius.
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in dem altfranzösischen Roman von Girart von Rossilion.
7
Li rois se recommande es freres par savoir
Et leur fist largement donner de son havoir.
Vers Dien et vers les hommes fist ainssin son devoir,
Mas 4 son frere fist son senz apercevoir.
II avoit en sa terre faite une acostumance
Que quant ungs hons devoit pranre mort par sentance,
Dois le soir envoyoit 4 sa porte tromper
D’ une trompe ad ce propre: lors oYssi^s comper:
Cilz sera demain ars ou noyßs ou pendus
Ou mort d’autre mort dure, ja n’en iert deffendus.
Li rois cel soir envoie senz proroguer termine
A la porte son frere tromper celle busine.
Cilz fut desesperes toute nuit de salut
Et mena trop grant deul, mas riens ne li valut:
Morir cuide et n’entent, n’a testament ne lais.
Femme et effenz enmoine au matin au palais,
De pleurs ne de deul faire ne se peulent tenir.
Lors les fist touz li rois par devant li venir.
II leur dist telx paroules: Or me di, biaux doulz frere,
Se tu as grant paour par Tarne de ton pere?
— Li freres respondit: Certes! mon cbier signeur,
Je croi que je, ne autres, n’eusmes oncques grignenr.
— Li roi dist: 0 tres foulz, se tu has ßi grant doubte
De la trompe ton frere, liquelz ne te bet goute,
Et vers cui tu scez bien que tu nas riens meffait,
Comment d6is tu donc moi estre si meffait
Quant en humilite saluai les messaiges
De Dieu qui de la mort nuncent les trehusaiges?
Plus eertain que par trompe sovenir m’ en convient,
Par raison telx messaiges bonorer me convient;
Quar bien sai que mespris ai trop contra mon juge
Qui les faiz et les diz et les pensGes juge.
Biau frere, al6s en paix et plus ne me blam£s;
Le povres membres Dieu ten6s cbier et am6s.
Speculum historiale XV, 10: Quidam rex fuit magnus et
glorio8us. Et factum est, procedente illo in curru deaurato cum
regali obsequio, obviasse illi duos viros attritis et sordidis in-
dutos vestibus, attenuatos macie, et pallidas facies habentes.
Ut ergo rex vidit illos, desiliens confestim de curru et in
terram procidens adoravit et surgens amplexatus est eos et
affectuose osculatus. Magnates vero illius ac proceres de hoc
valde indignati sunt, arbitrantes, eum fecisse indigna regali
gloria: non tarnen ausi in faciem illum reprehendere, germano
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8
Die Beispiele ans Geschichte und Dichtung
fratri ejus suggesserunt, ut ei loqueretur, ne excellentiae diade-
matis tantam inferret contumeliam. Qui cum fratri ista diceret
et ejus liumiliationem reprehenderet, ei rex responsum dedit,
quod tarnen ille non intellexit. Consuetudo autem erat illi
regi, quando sententiam mortis contra aliquem dictabat, prae-
conem suum ante januam illius cum tuba huic officio deputata
mittere, cujus voce cognoscebant omnes, mortis reum illum
existere. Vespere igitur yeniente misit rex bucinam mortis
tubicinare ante januam fratris sui. Quem cum audisset ille,
de salute desperans tota nocte sua disposuit et summo diluculo,
nigris ac lugubribus indutus vestibus, cum uxore et filiis pergit
ad fores palatii, flens et lugens. Quem rex ad se ingredi fecit, *
et videns eum lugentem ait: 0 stulte et insipiens, si tu sic
timuisti praeconem germani fratris tui, adversus quem te nihil
deliquisse cognoscis, quomodo mihi reprehensionem intulisti,
quia in humilitate salutavi et osculatus sum praecones Dei mei,
sonorabilius tuba mortem mihi significantes et terribilem do-
mini occursum, cui multa et magna me ipsum peccasse conscius
sum? Ecce denique tuam arguens insipientiam, isto usus sum
modo: nunc vero ct illorum, qui te ad me submiserunt, repre¬
hensionem stultam arguere curabo. Et ita fratrem instructum
domum remisit.
Wir haben hier die erste Hälfte einer Parabel aus dem
berühmten, ehemals dem Johannes von Damascus beigelegten
geistlichen Roman von Barlaam und Josaphat, den Vincenz
in das Speculum historiale XV, 3—64 auszugsweise aufgenom¬
men hat *)
Da der französische Dichter die andere Hälfte der Parabel,
in welcher der König die Grossen des Hofes beschämt, welche
seinen Bruder angestiftet hatten, ihn zu tadeln, weggelassen
*) Er hat sich dabei bekanntlich der alten lateinischen Uebersetzung
des Barlaam und Josaphat bedient, die früher mit Unrecht dem Georg
von Trapeznnt zugeschrieben wurde und einzeln und in den beiden
Baseler Ausgaben der Werke des Johannes Damascenus von den Jahren
1559 und 1675 gedruckt ist. In ersterer steht die Parabel S. 678 f.,
in letzterer S. 824 f. Den griechischen Urtext der Parabel findet man
Jn den Wiener Jahrbüchern XXVI, 42 f. und in Boissonade’s Ausgabe in
seinen Anecdota graeca IV, 41—44.
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in dem altfranzösischen Roman von Girart von Rossillon. 9
hat*), so ist es nur natürlich, dass bei ihm der Bruder des
Königs diesen aus eignem Antrieb, nicht auf Anstiften der
Grossen des Hofes tadelt.
Der englische Dichter John Gower in seiner Confessio
amantis (I, 110—118 der Pauli'schen Ausgabe) und der mai¬
ländische Klosterbruder Bonvesin dalla Riva in seinem von
L Bekker in den Monatsberichten der Berliner Akademie
1850, S. 438 ff. herausgegebenen Gedichte über das Almosen
V. 986—1054 haben ebenfalls nur den ersten Theil der Parabel
bearbeitet. Dagegen ist Jean de Conde’s 'Dis dou roi et des
hermittes’ (S. 13—19 der Tobler sehen, I, 63—69 der Scheler’-
schen Ausgabe) eine Bearbeitung der ganzen Parabel.
In dem Libro de los enxemplos, Cap. 121, findet sich*
die Parabel auch ohne den zweiten Theil; es ist dies Capitel
übrigens eine blosse Uebersetzung aus dem lateinischen Barlaam,
aber eben nicht der ganzen Parabel.
V.
V. 2831—2852.
Le maistre roi des singes [Girart] ne vout pas ressambler
Qui une fois fist tont son bemaige assambler.
Beus hommes fist venir qui estoient de grant monstre,
Sa paroule leur dist et sa raison leur monstre:
Li ungs estoit flaterres et touz plains de losanges,
Li autres veritables et de mentir estranges.
Au premier demanda: Qui suis je, biaux amis?
Tu vois bien en quel trone toute ma gent m’ a mis.
— Cil dist: Sire, vous estes grans et biaux empereres;
Bien semblßs vaillant prince en trestoutes menieres.
— Qui sunt cilz entour moi? — Sire, ce sont vos conte,
Yos duc, vos Chevalier; mais rien vers vous ne monte.
— Li rois li fist donner robes, our et argent,
Puis demanda ä, l’autre, senz plus aler targent:
Que te semble de moi? — Cil pense en son coraige:
Se tes compains empourte pour mentir si bon gaige,
Tu devras bien avoir deux tens pour dire voir.
Lors dit: Chascungs puet bien tout der apereevoir
Que tu es ungs drois singes et cil sunt tui autel.
N’ y a plus put de toi par le benoit autel.
— Tantost fut assaillis et d’ungles et de dens
Et draps et corps rumpus et dehors et dedans.
*) Wie wir sehen werden, hat er diesen zweitenTheü weiter unten
jals selbstständige Parabel bearbeitet.
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Die Beispiele aus Geschichte und Dichtung
Speculum doctrinale III, 121 und historiale III, 7: Duo
homines, unus fallax et alius verax, cum ambularent, venerunt
in provinciam simiorum. Quos ut vidit unus eorum, qui se
priorem aliis constituerat, jussit homines illos teneri et quid
de ipso dixissent interrogari. Jussit quoque omnes simios sibi
similes ante se ad dextram laevamque astare, sibique sedem
contra parari, sicut yiderat imperatorem aliquando facere.
Jubentur ergo homines illi in medium’ adduci dixitque ille
major simius: Quid sum ego? Fallax ait: Tu es imperator.
Iterumille: Et isti, quos ante me vides, quid sunt? Respondit:
Hi sunt comites tui, primicerii, milites et ceteri officiales. Ille
ergo in mendacio laudatus est et munerari Jussus, quia adu-
latus est et omnes fefellit. Ille autem verax hoc apud se ajebat:
Si iste, qui mendax est, sic est acceptus et muneratus, ego
quid si verum dixero? Interrogatus autem ab illo simio: Die
tu, quid sum ego et isti, quos ante me vides? Ille, qui veri-
tatein amabat, respondit: Tu simius es et hi omnes simii sunt
similes' tibi. Continuo jubetur lacerari dentibus et unguibus,
quia quod verum est dixit. Hoc modo fieri solet a malis ho-
minibus, ut fallacia et malicia ametur et honestas et veritas
laceretur.
Es ist dies eine Fabel des Romulus (IV, 8)*) Ihr Ori¬
ginal findet sich in der Appendix zum Phaedrus, Fab. XXVI.
Sie ist nach Romulus oft im Mittelalter bearbeitet worden, s.
Oesterleys Nachweise zu Pauli’s Schimpf und Ernst 381, denen
man noch hinzuföge: Parabolae vulpium Rabbi Barachiae Nik-
dani, translatae ex Hebraica in linguam Latinam opera M. Hanel,
Prag 1661, pg. 285.**)
VI.
V. 2855—2866.
II [Girart] ensuguist tres bien le bon Cesaire Auguste,
Le vaillant imperere, saige prodomme et juste,
Qui \ftie fois ölst, quant il vint ä theatre
*) Vincentiu8 hat nemlich dieselbe Auswahl von 29 Fabeln des
Romulus sowol ins 3. Buch des Speculum historiale als ins 3. des Spe¬
culum doctrinale aufgenommen. S. Oesterley, Romulus S. XXI f.
**) Man vgl. über diese Fabelsammlung J. Grimm, Reinhart Fuchs
CCLXXXII, Grässe, Literaturgeschichte II, 3, 482, M. Steinschneider in
der Hebräischen Bibliographie 1873, Nr. 76, S. 80—85.
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in dem altfranzösischen Roman von Girarfc von Rossillon. H
V6oir les geux*) de Romme (ce fasoit pour abatre):
Ha! com tres bon signeur!**) Diex li doint bonne vie!
Ainssin soit il! par foi im chascungs Dieu en prie
De euer, de main, de bouiche. Les commenda touz taire.***)
Et tantost fit crier et commandement faire
Que nulz ne le clamast signeur d’or en avant,
Sur perdre son avoir et son corps mettre avant.
Des lors que Diex fust nez pour en la crouix offrir,
C’on l’apalast signeur oneques non vout soffrir.
Suetonius erzählt im 53. Capitel der Lebensbeschreibung
des Augustus: domini appellationem ut maledictum et ob-
probrium semper exhorruit. Cum, spectante eo ludos, pronun-
tiatum esset in mimo: 0 dominum aequum et bonum, et uni-
versi quasi de ipso dictum exiultantes comprobassent, et statim
manu vultuque indecoras adulationes repressit et insequenti
die gravissimo corripuit edicto, dominumque se posthac appel-
lari ne a liberis quidem aut nepotibus suis vel serio vel joco
passus est.
Diese Worte des Suetonius finden sich auch — fast un¬
verändert!) — im Speculum historiale V, 45ff), und zwar
ohne einen Zusatz, der den beiden letzten Versen der Erzäh¬
lung des französischen Dichters entspräche. Der französische
Dichter muss deshalb hier aus einer andern Quelle geschöpft
haben. Diese Quelle wird Orosius gewesen sein, sei es nun,
dass der Dichter unmittelbar aus ihm oder aus einem mir
imbekannten Ausschreiber des Orosius geschöpft hat. Die
Stelle des Orosius (VI, 22) lautet:
*) So wird, dem lateinischen lud ob leiner Quelle gemäss, zu lesen
sein statt lieux.
**) Der Herausgeber hat nach signeur keine Interpunction gesetzt.
***) Wenn diese Zeile nicht verderbt ist, so scheint der Dichter sein
lateinisches Original misverstanden zu haben.
f) Es fehlen nur im Speculum die Worte in mimo, ferner o vor
dominum, et vor statim, vel vor serio, und es steht postea statt
posthac. Wenn der mir vorliegende Druck deß Speculum historiale
ausserdem noch statt domini appellationem hat d'eum apollinem,
so liegt hier offenbar hur die falsche Auflösung der abbreviierten richtigen
Worte der Handschrift vor.
++) V, 43 wird f Suetonius libro II* als Quelle für die folgenden
Nachrichten über Augustus genannt.
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12 Die Beispiele aus Geschichte und Dichtung
[Caesar Augustus] domini appellationem ut homo decli-
navit. Nam cum, eodem spectante ludos, pronuntiatum esset
in quodammimo: 0 dominum aequum et bonum, universique,
quasi de ipso dictum esset, exultantes approbavissent, statim
quidem manu vultuque indecoras adulationes repressit, et in-
sequenti die gravissimo corripuit edicto, dominumque se posthac
appellari ne a liberis quidem aut nepotibus suis vel serio vel
ioco passus est. Igitur eo tempore, id est, eo anno, quo fir-
missimam verissimamque pacem ordinatione Dei Caesar com-
posuit, natus est Christus: cuius adventui pax ista famulata
est, in cuius ortu audientibus hominibus exultantes angeli ce-
cinerunt: Gloria in excelsis Deo, et in terra pax hominibus
bonae voluntatis. Eodemque tempore hic, ad quem rerum
omnium summa concesserat, dominum se hominum appellari
non passus est, imo non ausus, quo yerus dominus totius
generis humani inter homines natus est.
Auf Suetonius, bezüglich Orosius, gründen sich auch fol¬
gende Stellen mittelalterlicher Werke.
Ioannis Sarisberiensis Polycraticus III, 14 (pg. 213 Giles):
Et quantum Nero adulationibus captus est, tantum iste [Augustus]
ab eis aversus est. Unde appellationem domini t U maledictum et
opprobrium semper exhorruit.
Otto von Freisingen, Chronicon III, 5: Augustus, quamyis
jam totius orbis esset dominus, nunquam tarnen serio vel joco
dominum passus est se vocari. Ubi profecto superbiae nostrae
obviatur, qui hoc summopere christiani et sacerdotes exposci-
mus, quod rationis intuitu etiam gentes declinarunt.
Martini Poloni Chronicon, opera Suffridi Petri, Antverpiae
1574, Lib. III, cap. II: Anno ab urbe condita DCCLI Caesar
Augustus ab Oriente in occidentem, a septentrione in meridiem
ao per totum Oceani circulum, cunctis gentibus una pace com-
positis, imperavit: et quum ipsum pro Deo colere vellent Ro¬
mani, prohibuit, nee se dominum appellari permisit. Et eodem
tempore natus est Christus.
Graphia aureae urbis Romae, bei A. F. Ozanam, Docu-
ments in&lits pour servir ä Thistoire litteraire de PItalie S. 165:*)
*) Vgl. Parthey's Ausgabe der Mirabilia Romae S. 87.
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in dem altfranzösisehen Roman von Girart von Rossillon. 13
Senatores, videntes Octavianum tante pulcritudinis, quod nemo
oculos ejus intueri poterat, et tante prosperitatis et pacis, quod
totum mundum sibi tributarium fecerat, dixerunt ei: Te ad-
orare volumus, quia deitas est in te! Qui renuens inducias
postulavit. Et ad se Sibillam Tiburtinam evocans, ea, que se¬
natores dixerant, recitavit. Que spatium trium dierum petiit.
In quibus jejuniis et yigiliis vacans, tertio die dixit imperatori:
Hoc pro certo erit, domine Imperator, quod tibi vaticinor.
Iuditii signum tellus sudore madescet.
E celo rex adveniet per secla futurus;
et cetera que secuntur. Itaque dum Octavianus Sibillam atten-
tius audiret, ilico apertum est celum, et splendor intolerabilis
corruit super eum. Et vidit in celo yirginem inestimabilis
pulcritudinis, stantem super altare, tenentem puerum in brachiis,
et miratus est nimis, vocemque de celo audivit dicentem: Hec
yirgo conceptura est salvatorem mundi. Rursumque aliam vocem
de celo audivit: Hec ara filii Dei est. Et statim procidens in
terram adoravit. Quam visionem dum senatoribus retulisset,
mirati sunt nimis. Alia vero die, dum populus dominum illum
vocare decrevisset, statim manu et vultu repressiv Nec etiam a
ßiis suis dominum se appellari permisit, dicens:
Cum sim mortalis,_dominmn me dicere nolo. *)
m
V. 2871—2896.
D’ung roi li sovenoit qui tenoit si grans marches
Qui fist par bei scens faire quatre petites arches.
D’armes d’our et d’azur fist bien les deux couvrir,
Et les fist bien fermer , c’on nes p6ust ouvrir,
De sarres et de clevs de fin our bien ouvr6es;
Mas ainssois furent plaines de malvaises denr6es,
*) Hier finden wir also die Ueberliefemng, dass Augustus sich nicht
dominus nennen liess, in Verbindung mit der Sage von Augustus und
der Sibylle und der Erscheinung der h. Jungfrau mit dem Christuskinde.
Man sehe in Bezug auf diese Sage Massmann, Kaiserchronik 111,
663 ff. und Piper, Mythologie und Symbolik der christlichen Kunst I, 1,
181 ff. Nach der Version der Sage, die sich in der Legenda aurea,
Cap. VI — S. 44 der Grässe’schen Ausgabe — findet, geschah die Er¬
scheinung am Tag der Geburt Christi. Vgl. auch die Stellen aus Königs¬
hofen und dem Passional bei Massmann S. 654 f. und die Stelle des
Speculum humanae salvationis bei Piper S. 482.
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14
Die Beispiele aus Geschichte und Dichtung
D’os et de charenates corrumpus et puans,
Nulz n’y doignast touchier tant feust poures truans*
Li autres furent rüdes, mal faites et ydeuses,
Ploines furent d’espices, de pierres precieuses.
Ses barons appala et les fist avisier
Lesquelx deus de ces coffres l’on devoit mieux prisier?
Ils priserent trestuit trop mieux les mieux dorties
Et tindrent en vilte les autres mal parees.
Dist li rois: Bien savoie en mon euer senz absconse
Que tuit vo me feries ime teile response.
Lors fist ouvrir les belles; telx puouis en voula
Par pou que les presens n’occit et affoula.
Lors dist li rois ä touz: Or avez la figure
Des faulx euer? desloyaulx soubz belle vesteure.
Les autres fist ouvrir; si grans odours en ist,
De douce souaitume trestouz les replexit.
C’est, dist li rois, semblance des signeurs et des dames
Qui soubz ung poure abit ont grant biautti des ames,
Quant vers Dieu di-je telx et dames et signeurs
II n’est nulz signoraiges qui de telx soit grigneurs.
Speculum historiale XV, 10: [Fortsetzung der oben S. 7 f.
mitgetheilten Stelle]: Praecepit autem fieri de lignis arcellas
quatuor, et duas quidem undique auro coopertas, ossaque
mortuorum putrentia mittens in eis, aureis obfirmavit seris,
alias vero duas pice et bitumine liniens replevit lapidibus
pretiosis et inaestimabilibus margaritis omniumque unguento-
rum odoribus funiculisque cilicinis astrinxit. Deinde accersiri
fecit reprehensores suos, magnates scilicet illos et proceres,
et posuit ante eos ipsas arcellas, ut aestimarent quanto quidem
istae, quanto vero illae pretio sint dignae. Illi itaque deau-
ratas magni pretii judicaverunt. Expedit enim, inquiunt, in
ipsis diademata regalia poni. Quae vero illitae pice, et bitu¬
mine fuerant, vili quodam et exili pretio dignas dixerunt.
Rex autem ad illos: Sciebam et ego, talia vos dicturos,
exterioribus enim oculis exteriora cemitis, et tarnen non ita
oportet facere, sed intemis oculis intrinsecus recondita expedit
videre, sive honorem seu contumeliam. Et mox praecepit,
ut aperirentur arcellae deauratae, ex quibus reseratis dirus
foetor exhalavit et foetidissimus visus est aspectus. Ait ergo
rex: Iste typus est eorum, qui splendidis quidem et gloriosis
induuntur vestimentis, et potentia elati sunt, sed intrinsecus
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in dem altfranzösischen Roman von Girart von Rossilion. 15
mortuis ac foetentibus malignisque operibus referti sunt.
Deinde piceatas bituminatasque praecipiens dissolvi et aperiri,
cunctos, qui aderant, laetificavit eorum, quae intus erant,
splendore et odore. Tune ait ad illos: Scitis, quibus similia
sunt ista? humilibus illis, qui vilibus operti erant vestimentis,
quorum vos exteriorem attendentes habitum, contumeliam
putastis meam ante faciem eorum in terram adorationem. *)
Ego vero intellectualibus oculis reverentiam illorum et decorem
considerans animarum, glorificatus sum quidem horum tactu,
omnique corona et regali universa purpura pretiosiores istos
existimavi. Illos igitur confundens doeuit, ne errarent in his ;
quae foris apparent, sed interna attenderent.
vni.
V. 2899—2904.
Quant aucung li disoient que il partoiit creüst
Ses tretis et ses tailles pour tant que plus heust,
• II disoit: Ce n’est pas li us de bon pastour,
Encontre ses brebis querre ne doit pas tour
Par quoy il les cenviegne escourchier ne eonfondre,
Mas par bonne raison en saison les puet tondre.
Speculum historiale VI, 1: Suetonius in libro tertio ....
Praesidibus onerandas tributo provincias suadentibus rescripsit,
boni pastoris esse tondere pecus, non deglubere.**)
Die hier von Vincentius wörtlich wiedergegebene Stelle
des Suetonius findet sich im 32. Capitel des Lebens des Tiberius.
Vergl. auch Orosius VII, 4.
IX.
Y. 2906—2928.
Ne ses oificiaux [Girart] ne vout sovant müer.
Quant on li demandoit pour quoi ainssin ouvroit,
Il disoit que ses pueples grant preu y recouvroit;
Quar quant telx gens se doubtent d’estre sovant müe,
Happent, praignent et toillent, c’est pilli6, c’est tüe.
Cilz qui viennent novel font pis que li premier:
*) Urtext: an vfisig 16 ixzog OQcövzsg G%r\pct vßQiv jjyijacco&e tr\v
ifjLTjv xazä nQoeconov avxmv inl yrjv nqogxvvriaiv .
**) Der mir vorliegende Druck des Speculum historiale hat fälsch¬
lich: deglutire.
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*16 Die Beispiele aus Geschichte und Dichtung
Ch&scungs scet de ce faire sont trestuit costumier.
Entendes, dit li dus, comment vous le saures:
Devant Tuis d’une eglise gisoit ung hons navr6s,
Pour demander monstroit son mal tout k ouvert:
Li mosche lui maingeoient trestout au descouvert.
Lk vient ung poures hons: n’a de quoi bien li face
Mas que taut que les mouiches dessur ses plaies chace.
Li malades li dist: Tu m’as mis k la mort:
Les mouches qui s’en voulent eles m’avoient ja mort;
Nul mal ne m’en fa^oient, tant estoient ja replenes
Du sanc de mes grans plaies et de chars et de venes:
Or viendront les noveles, moy poindront plus forment.
Dieux te pardoint: tu m’as engrignie mon torment!
— Or pov6s yous bien tuit et savoir et entendre,
Dist li dus, k quel fin cis exemples puet tendre.
Speculum doctrinale VII, 23: Petrus Comestor in Histo-
ria Scholastica [super Actus Apostolorum Cap. 56]. Tiberius,
ut refert Josephus, in omnibus negotiis suis morosus erat,
unde cum statueret procuratores in provineiis, vix autnunquam
mutabat eos. Quod*) cum saepius quaesitum esset ab eo,
quare scilicet non mutaret procuratores, respondit, se in hoc
parcere plebeculae. Scientes enim procuratores, se ad modi-
cum habere procurationem, emungunt usque ad sanguinem,
et tanto dominantur gravius, quanto brevius, et qui recentes
superveniunt, dissipant quicquid inveniunt. Quod ostendit
exemplo **) cujusdam vulnerati qui cum jaceret in via et non
amoveret multitudinem muscarum a vulnere, superveniens
alter putavit, quod hoc omitteret ex imbecillitate, et abegit
muscas, quae operuerant vulnus. Ad quem ille, Male, inquit,
fecisti mihi, quia muscae, quas amovisti, jam plenae erant
sanguine et parcius molestabant me, quae autem supervenient
recentes, acrius pangent me. Sic et procuratores vel officiales
recenter substituti acrius in subjectos desaeviunt. ***)
Dieselbe Stelle findet sich auch im Speculum historiale
VI, 126, welches ganze Capitel dem 56. Capitel der Historia
Scholastica super Actus Apostolorum entspricht. Die Worte
*) Et, Petrus Comestor.
**) eis exemplo, Petrus Comestor.
***) acrius desaeviunt in subdito's, Petrus Comestor.
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in dem altfranzösischen Roman von Girart von Eossillon. 17
'ut refert Josephus* beziehen sich auf des Josephus Antiquitates
Judaicae XVIII, 6, 5.
Des Petrus Comestor Stelle hat auch Bromyard, Summa
praedicantium, M, 8, 8, mit Berufung auf ihn und Josephus*)
wiederholt. Martinus Polonus erzählt in seiner Chronik
in dem Abschnitt über Tiberius: Cum^ ei suaderetur, ut balivos
mutaret, ait: Vidit quidam muscas aegri vulneribus insidentes
et fugavit eas, quem aeger culpavit, quia aliae sitibundae
plus sugerent, quam primae, nam hae tantum locum occupa-
bant, quia plenae erant. Weiter unten sagt Martinus Polonus
dann wieder: Is autem, ut refert Josephus, in Omnibus suis
negotiis morosus erat. Unde quum statueret procuratores in
provinciis, vix alibi unquam mutabat eos. — Nach den Gesta
Romanorum Cap. 51, Jacobus de Cessolis (S. 58 der italieni¬
schen Uebersetzung) und dem Libro de los enxemplos CLV,
obwol sie sich auf Josephus berufen, traf Tiberius selbst
den verwundeten Mann und scheuchte selbst die Mücken von
ihm weg; nach drei Handschriften der Repkauischen Chronik
(bei Massmann, Kaiserchronik IH, 584) trifft zwar Tiberius
auch selbst den Verwundeten, aber nicht er, sondern einer
seiner Ritter verjagt die 'Fliegen*. — Mehrere jedenfalls hier¬
hergehörige Citate, welche Oesterley zu Gesta Romanorum
Cap. 51 beibringt, kann ich leider nicht nachschlagen.**)
X.
V. 2931—2938.
II en prenoit exemple 4 ung grant roi de Perse
Soubz cui ungs juges out fact sentence perverse.
II le fist escourchier pour sa fauce desserte;
De son cuir sa chaiere feut trestoute couverte.
*) Exemplum 'ad hoc recitatur in historia scholastica super Actus
Apoßtolorum de Tiberio Caesare, de quo dicit Josephus, quia in Omnibus
negotiis suis etc.
**) Von Oesterley’s Citaten beziehen sich übrigens manche nicht
auf die Fabel, wie sie Tiberius erzählt und anwendet, sondern auf andere
Formen derselben. Ich bemerke zu diesen Citaten noch Folgendes. Man
lese: 'Plutarch, an seni gerenda 12 (statt 16)’, und tilge das Citat aus
den XL Vezieren, übers, von Behrnauer, S. 115, welches nicht herge¬
hört. Dagegen füge man hinzu: Nikdani, Parabolae vulpium, S. 363
(Parabola mercatoris, latronum et equitis).
Jahtb. f. rom. u. engl. Lit. N. F. II. 2
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Die Beispiele aus Geschichte und Dichtung
Son filz fist apr6s juge et le fist sur s6oir,
Pour tant qu* apr6s p6üt remembrer et v6oir
Le torment de son pere et ouvrast saigement
Et se gardast de faire tout malvais jugement.
Speculum doctrinale IV, 66 und historiale III, 19:
Helinandus XY libro. Cambises adeo severus fuit, ut quendam
injustum judicem excoriari fecerit et super sellam cute ejus
adopertam filium judicis in judicio fecerit sedere, ut timeret
injuste judicare, ne simile judicium pateretur.
Helinands Quelle ist Valerius Maximus VI, 3, ext. 3 ge¬
wesen: JamCambyses inusitatae severitatis, qui mali cujusdam
judicis e corpore pellem detractam sellae intendi in eaque
filium ejus judicaturum considere jussit. Ceterum et rex et
barbarus atroci ac noya poena judicis ne quis postea corrumpi
judex posset providii
Verschiedene mittelalterliche Schriftsteller, welche diese
Geschichte erzählen, führt Oesterley zu Gesta Romanorum
Cap. 29 an. Holkot und die Scala celi nennen, wie Oesterley
in Parenthese hinzufügt, gleich Vincenz den Helinandus als
ihre Quelle. Elimander, Elmando und Elinado in verschie¬
denen Texten des Jacobus de Cessolis (S. 30 der italienischen
Uebersetzung) sind natürlich auch nur Entstellungen von
Helinandus (Elinandus). Das Libro de los enxemplos CLHI
sagt: Cuenta Valerio en el libro VI, capitulo HI; Bromyard
J, 9, 36: Tullius li. VI. Die Gesta Romanorum Cap. 29
nennen keine Quelle. Die sonst noch von Oesterley an¬
geführten mittelalterlichen Schriften kann ich nicht nach-
sehen.
XL
V. 2951-66.
H avoit trop bien mis en sa bone memore
De Zeluche*) ung bon juge dont out veu l’histore.
Telx us iere en sa terre: qui femme forstrayoit,
Les deux yels s’es avoit, par droit Ton li trayoit.
Ses filz qu’il amoit moult fut pris en adortire.
Son pere voult droit faire, combien qu’en h6ust ire;
Trestuit petiz et granz li crierent merci.
*) Var. Reluche.
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in dem altfranzösischen Roman von Girart von Rossillon. ]9
II ne savoit que faire ne comment ouvrer ci.
Pour faveur de nature et pour justice faire,
Ung yeul fist a son filz et lui nng autre traire:
Quant son yeul se fist traire, son filz ass6s puni,
Quar du filz et du pere li corps si sont uni
Par force de nature, par generacion,
Qu’en ces doux n’out, pour voir, c’ugne punicion:
Ainssin fut droituriers doulx et misericors;
Bien se d6ut cliastier par ce Tanne et le corps.
Speculum doctrinale IV, 66 und 162: Valerius VI. Et
Aleucus [Zeleuchus 162], cum filius ejus adulterio damnatus
utroque oculo carere deberet ac tota civitas in honorem patris
aliquamdiu ei repugnaret, ad ultimum victus, ne lex a se
condita violaretur, suo prius, deinde filii eruto oculo, utrisque
usum videndi reliquit.
Die Stelle bei Valerius Maximus VI, 5, ext. 3 lautet:
Zaieucus urbe Locrensium a se saluberrimis atque utilissimis
legibus munita, cum filius ejus adulteri crimine damnatus
secundum jus ab ipso constitutum utroque oculo carere deberet
ac tota civitas in honorem patris necessitatem poenae adule-
scentulo remitteret, aliquamdiu repugnavit. Ad ultimum populi
precibus evictus, suo prius, deinde filii oculo eruto, usum vi¬
dendi utrique reliquit. Ita debitum supplicii modum legi
reddidit, aequitatis admirabili temperamento se inter miseri-
cordem patrem et justum legislatorem partitus.
Mit mannigfaltigen Entstellungen des Namens Zaieucus
findet sich die Geschichte in verschiedenen mittelalterlichen
Schriften — wol meistens mit Berufung auf Valerius — er¬
zählt. Man sehe Oesterley zu Gesta Komanorum Cap. 50 und
Mussafia zu Fra Paolino, Trattato de regimine rectoris Cap.
LXXXI. Enenkel und die Gothaer Handschrift der Repkau-
schen Chronik (bei Massmann, Kaiserchronik III, 755 f.)
erzählen die Geschichte vom Kaiser Trajanus.
XH.
V. 2970—94.
Trop bien li sovenoit de Trajain Temperiere:
Une fois fut montßs pour aler en bataille;
Quar grans besoings estoit, bien le savoit senz faille,
Vist une poure femme vesve vers li venant,
2 *
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Die Beispiele ans Geschichte und Dichtung
Merci criant, le prist par le pie maintenant,
Et dist: Drois emperieres, vainge moi de la mort
D’ung mien Chevalier filz c’ung tiens mortriers m’a mort.*)
Tu m’es sires, mes juges, fei moi tantost droiture:
Li cuers me partira se ne vainges m’iiyure.
Li rois dist: Tres bon droit te ferai au retour.
— Et se tu ne reviens, qui me fera cel tour?
— Mes successors, dist-il, t’ an fera droit avoir.
— Lasse moi tres dolante, ce ne puis je savoir!
Et s’il le faceoit bien, que te profiteroit *
La venjance et le bien c'ungs autres me feroit?
Tu es mes debitors, tu me dois avoier
Si que de bon merite recouvres bon loier.
Tes successors sera pour li propre tenus:
S’il fait b\en envers Dieu, sera tres bien venus,
. Ja droiture d’autrui ne te delivrera:
Qui bien fera ou monde cilz touz biens trovera.
— Quant li rois out odu cheval declma,
La cause de la vesve tres bien examina,
Selonc droit com bons juges sentence rapourta,
La poure bien dolente tres bien reconforta.
Speculum historiale IX, 46: Helinandus. Hic [Trajanus]
aliquando, cum profecturus ad bellum jam equum ascendisset,
vidua quaedam apprehenso pede illius miserabiliter lugens
justitiam sibi fieri de his, qui filium ejus justissimum et
innocentissimum occiderant, poscebat, tu, inquiens, Auguste,
imperas*, et ego tarn atrocem injuriam patior. Ego, ait ille,
satisfaciam tibi, cum rediero. Quid, si non redieris? ait
illa. Successor, inquit, meus satisfaciet tibi. At illa: Quo-
modo hoc sciam? Quid? et si satisfacturus est, quid tibi pro-
derit, si alius bene fecerit? Tu mihi debitor es, secundum
opera tua mercedem recepturus. Fraus autem est, nolle red-
dere, quod debetur. Successor tuus injuriam patientibus vel
passuris pro se tenebitur, te non liberabit justitia aliena.
Bene agetur cum successore tuo, si liberaverit se ipsum. His
verbis motus Trajanus descendit de equo et causam viduae
praesentialiter examinavit et condigna satisfactione viduam con-
solatus est.
*) Es ißt wol zu lesen: D’ung mien filz c'ung tiens Chevaliers mor¬
triers m’a mort.
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in dem altfranzösischen Roman von Girart von Rossillon. 21
Auf diese, seit Johannes Diaconus, Vita Gregorii II, 44*),
und Paulus Diaconus, Vita Gregorii Cap. 26, oft und in ver¬
schiedener Weise erzählte Sage von Kaiser Trajan und der
Witwe näher einzugehen muss ich hier unterlassen uud be¬
merke nur, dass Brunetto Xatini's Erzählung in seinem Werk
Tiore di filosofi e di molti savi* (bei Nannucci, Manuale della
letteratura del primo secolo della lingua italiana, 2 ediz., II,
315) aus Helinandus übersetzt zu sein scheint und auf ihn
wol auch die 69. Novelle des Novellino zurückzuführen ist.
xrn.
V. 3000—12.
En example en avoit l’empereor Romule
Qui disoit qu' & touz juges estoit bien necessaire
Estre sobre meSsme quant il doivent droit faire.
Ung jour fut qu’il suppa chi6s ung sien vaillant prince
Tandes qu'il visitoit une soYe province.
De boire vin 4 table faceoit grant abstinence
Pour tant qu T 4 landemain devoit faire**) sentence.
Li princes dist: Biaus sire, se tuit ainssin buvoient,
Tres grant merchiö de vin tuit et toutes auroient.
Romulus respondit (c’est cilz qui fonda Romme):
Oncques si grant chert6 de vin ne vir ent homme,
Se chascungs, si com je, buvoit 4 velantß:
On n’auroit pas du vin longuement grant plante.
Speculum historiale II, 99: Helinandus. Agellius Lucius
Piso de vita et moribus scribens Romuli dicit, Romulum ad
coenam vocatum non multum bibisse, quia postridie negotium
haberet, dictumque est ei: Romule, si omnes illud facerent,
vinum vilius esset. Imo vero, inquit, carum, si quantum
volet, quisque bibat.
Diese von Vincentius aus Helinand ausgezogene Stelle
gründet sich auf Gellius, Noctes Atticae XI, 14: Simplicissima
suavitate et rei et orationis L. Piso Frugi usus est in primo
annali, quum de Romuli regis vita atque victu scriberet. Ea
verba, quae scripsit, haec sunt: Eumdem Romulum dicunt ad
*) Wenn H. Oesterley in der Einleitung zu seiner Ausgabe des Dolo-
pathos des Johannes de Alta Silva S. XXI sagt, Johannes Diaconus
erzähle zwei Formen der Sage, so ist das unwahr: Johannes Diaconus
erzählt nur eine.
•*) Var. rendre.
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22 Die Beispiele aus Geschichte und Dichtung
coenam vocatum ibi non multum bibisse, quia postridie ne¬
gotium haberet. Ei dicunt: Romule, si istuc omnes homines
faciant, vinum vilius sit. Is respondit: Imo vero carum, si
quantum quisque volet, bibat: nam ego bibi quantum volui.
So erklärt sich der Agellius Lucius Piso als der von A.
Gellius oder, wie man ihn früher nannte, Agellius citirte L.
Piso.
Vgl. Martinus Polonus I, 8: Lucius Piso*) dicit, Romu-
lum ad coenam vocatum non multum bibisse, quia post tri-
duum negotium haberet tractare, dictumque est ei: Romule,
si omnes id facerent, vinum esset vilius. Imo vero, inquit,
carius, si quantum volet, quisque bibat.
Fra Paolino Minorita, Trattato de Regimine Rectoris,
pubblicato da A. Mussafia, Vienna 1868, Cap. LXXTV: nu
lezemo de Romolo ka dredho iij di ello deveva tractar d’un
gran facto, e zä el se vardava si da bever vin ke quelli da
la mensa li dise tello serave gran mercado de vin, se ogno
omo bevesse si co lu, et ello respose: an [=anzi?] seria-lo tropo
caro, se ongn’ omo bevesse cosi a so voler co faseva lu.**)
XIV.
V. 3019—46.
Bien li sovint de ce c’une grans cit6s iere
Dont tuit li eitlen havoient tele meniere:
Chasc’an faceoient un roy novel d’un estrange homme,
Pour ce qu’il ne sceust leurs lois, c'estoit la somme;
Mas pour tonte Fannie havoit tel majestö
Qu’ils et touz lors avoirs havoit en poteste.
Et lorsqu’il cuidoit estre segurs en grans divices,
En pais de euer, de corps et de toutes delices,
Lors estoit en dessote pris de ses cittens,
Qui tout nu le menoient par la ville en Üens.
Lors si le transmetoient en une savaige ile
Ou ne trovoit parent, n’amiz, ne filz, ne file,
Senz robe et senz vlande, en grant fain et douleur,
Estoit en cel exil senz d’eschapper coleur.
Or avint c’une fois lay ung novel roi firent,
*) Piro ist in der mir yorliegenden Ausgabe des Martinus Polonus
von Suffridus Petrus, Antverpiae 1674, gedruckt.
**) Mussafia, der zu den meisten der zahlreichen Citate Fra Paolinos
die Quellen nachgewiesen hat, hat zu dieser Stelle nichts beigebracht.
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in dem altfranzösischen Roman von Girart von Rossillon. 23
Mas leur us ne leur loi teile pas ne li dirent.
Assös tost le cognnt par ung sien consoillier,
Prist s’en 4 esbaYr et 4 merevoillier;
Mas il ovra si bien quant il le sout dezoir,
Que toutes ses richesses et trestouz sui tresoir
Envoya en celle ile par monlt de bons feaux
Cui il trova vers lui prodommes et loyaulx.
Aprös l’an fut men§s 14 pour Tacostumance;
Mas tout aise y vesquit et en grant habundance.
La cites c’est cis mondes, ce me semble de mi;
Li eitlen en sunt li deable enemi;
Cilz qui pourtent les biens en exil sont li pouvre
Cui on donne pour Dieu; n’y a autre recouvre.
Speculum historiale XV, 17: Civitatem quandam didici
fuisse magnam, cujus cives talem habebant consuetudinem
antiquitus, ut assumerent extraneum aliquem et ignotum virum,
nihil legum civitatis suae vel traditionum scientem, et hunc
sibi regem constituebant. Qui omnem potestatem accipiebat
et suarum voluntatum faciendarum facultatem habebat usque
ad completionem unius anni. Deinde eo in omni securitate
manente deliciisque atque suavitatibus sine formidine et regnum
secum permansurum existimante, repente surgentes cives illi
contra eum, regali ablata stola, nudum per totam trahentes
civitatem, exulem transmittebant in magnam et longius re-
motam insulam, in qua neque cibum neque vestimentum in-
veniens in fame et nuditate male atterebatur, praeter spem
concessis sibi deliciis et de gaudio in tristitiam rursus* **) ) praeter
spem omnem et exspectationem transmutatis. Interea ordina-
tus est quidam vir in regno, qui non exiguo mentis intellectu
vigebat. Qui tanta ex improviso accidente*** 5 ) sibi abundantia
non est dissolutus nec ab ea raptus, neque eorum, qui ante
eum regnaverunt et ejecti misere fuerunt, incuriam secutus
est, sed sollicitudinem gerebat et laborabat animo, quomodo
se et sua disponeret. Dum ergo assidua meditatione diligen-
tius ista tractaret, cognovit per quendam sapientissimum con-
siliarium suum consuetudinem civium et locum perennis exilii,
et quomodo semet ipsum oporteret custodire, sine errore edoctus
*) Gedruckt ist cursus.
**) Gedruckt ist accedente.
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24
Die Beispiele aus Geschichte und Dichtung
est. Hoc*) ergo ut agnovit et quia oporteret illum ad in-
sulam applicare et regnum caducum alienigenis dimittere,
apertis thesauris suis, quorum tune habebat liberam facultatem
ex illis quod vellet facere, accepit pecuniarum multitudinem,
auri et argenti et lapidum pretiosorum amplissimum pondus,
et fidelissimis committens famulis in illam praemisit, ad quam
ducendus erat, insulam. Peracto igitur anni termino in se-
ditionem versi cives nudum sicut et ceteros, qui ante eum
fuerant, in exilium transmiserunt. Tune eeteri stulti et tem¬
porales reges fame male cruciabantur, ille vero providus in
abundantia vivens perpetua et delicias infinitas habens
timoreque prorsus incusso infidelibus et malignis civi-
bus**) sapientissimo se ipsum beatificavit consilio. Civitatem
ergo intellige vanum istum et deceptorium mundum, cives
autem principes et potestates daemonum, mundi rectores
tenebrarum seculi hujus, qui illiciunt nos duleedine voluptatum
et suggerunt, ut corruptibilia velut incorruptibilia et mortalia
ceu immortalia et semper nobiscum mansura consideremus.
Sic ergo seductis et nullam sollicitudinem de aetemis et stabi-
libus gerentibus neque aliquid in illa vita recondentibus repente
nobis imminet perditio mortis. Tune jam nudos nos hinc ma-
ligni et amari suscipientes tenebrarum cives, cum quibus ex-
pendimus tempus, ducunt nos in terram tenebrosam et caligi-
nosam, in terram tenebrarum aetemarum, ubi non est lux nec
vita hominum. Consiliarium autem bonum, qui omnia vera
fecit nota et salutaria edoeuit studia sapientem et prudentem
regem, meam aestima parvitatem, qui bonam et rectam viam
veni demonstrare tibi, introducens in aeterna et infinita bona
ibique te omnia reponere consulens.
Auch hier haben wir, wie oben unter No IV und VII,
eine Parabel aus Barlaam und Josaphat***)
*) Gedruckt ist Hic.
**) Urtext: tpoßov xe nuvxuitaow dnooHactpsvos xmv dxdnxav xal
novriQcov noUxwv. Statt dtaxtatv hat eine Wiener Hs. (Wiener Jahrbücher
XXVI, 39) dnCaxaiv.
***) Den griechischen Urtext s. man in den Wiener Jahrbüchern XXVI,
38 und in Boissonade’s Anecdota Graeca IV, 118. Was die oben S. 8, Anm.
angeführten beiden Baseler Ausgaben des Johannes Damascenus anbetrifft,
so steht die Parabel in der ältern S. 596, in der zweiten S. 841.
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in dem altfranzösischen Roman von Girart von Rossillo n. 25
Aus Barlaam und Josaphat ist die Parabel noch in ver¬
schiedene andere mittelalterliche Werke übergegangen, s. Gö-
deke, Every-Man, Homulus und Hekastus S. 205 und Oesterley
zu Gesta ßomanorum Cap. 224, zu deren Nachweisen ausser
unserm Girart de Rossilion auch noch das schon S. 9 er¬
wähnte Gedicht des Fra Bonvesin dalla Riva V. 938—85 nach¬
zutragen ist. Bonvesin wendet die Parabel auf die Menschen
an, welche in diesem Leben viel Almosen spenden und sich
dadurch für jenes Leben einen Schatz erwerben.
XY.
V. 3053—3080.
Von der Herzogin Bertha wird gesagt:
Moult bien li sovenoit de la file 4 la dame
Qui fut 4 mort jugi6 par ung tres grant diffame.
Pour amour du lignaige voult li juges tant faire
Qu’elle morut en chartre senz lei en commun traire;
Mas sur la hart deffent que nulz ne truWon
Qui li port ne li doint dont vivre puiss’on.
Au chartrier vint sa file, au pi6 li vat ch6oir
Que chascun jour sa mere peust une fois veoir:
Doucement li outrie cilz par misericorde;
Mas ne li lait pourter vfande, fer ne corde.
Quant li juges revint de loing ou fut ales,
II cuida que li corps fut j4 touz tresalös;
Par son commandement fut traitte hors la lasse,
Et se soigne 4 mervoille quant la vit bele et crasse.
Li chartriers fut presens, li juges li demande
Que la veritö die, sur son chief li commande.
Cilz dist: Nulz ne la vit puis derriers ne devant,
Mas c’ugne so’fe file. — Fai la venir avant.
— Or me di, belle amie, qu'as tu donnö ta mere,
Se tost ne le me dis, morras de mort amere.
— Celle dist veritG, quar de la mort se doübte:
Certes, sire, oncques puis ne maingia, ne but goute,
Forsque Tai alactie de mes poures memelles.
Anqui out de plorans dames et damoiselles,
Et des hommes auxi: tuit prierent au juge
Pour amour de la file la mere 4 mort ne juge.
Par force de nature cilz se prist au plorer,
Embdeux les en envoie quites senz demorer.
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26
Die Beispiele aus Geschichte und Dichtung
Speculum doctrinale IV, 41 und bistoriale V, 125: Va¬
lerius lib. V *) Sanguinis ingenui mulierem praetor apud tri-
bunal suum capitali crimine damnatam**) in carcere necandam
tradidit. Is autem***), quicustodiaepraeerat, misericordia motus
non eam****) protinus strangulavit. Aditum quoquef) filiae,
sed diligenter excussae, ne quid cibiff) inferret, dedit, futurum
existimans fff), ut inedia consumeretur. Pluribus autem jam
transactis diebusftff), secum ipse quaerens, quidnam esset,
quod tarn diu sustentaretur, curiosius observans*f), animad-
vertit, filiam*ff) exserto ubere famem matris lactis sui
subsidio lenientem. Quae tarn admirabilis spectaculi novi-
tas ad judices prolata *ffj*) remissionem poenae mulieri im-
petravit.
Man vgl. auch Jacobus de Cessolis (S. 53 der italienischen
Uebersetzung: Racconta Valerio), Libro de los enxemplos C
(Cuenta Valerio), Gesta Komanorum Cap. 215 (Refert Valerius)!*),
Seelenstrost in Frommann’s Deutschen Mundarten I, 218.
Noch andere Citate aus mir unzugänglichen mittelalterlichen
Schriftstellern gibt Oesterley zu den Gesta Romanorum.
Dies waren die Beispiele, welche der Dichter des Girart
de Rossilion seiner Schilderung des friedlichen Lebens und
Wirkens des Herzogs und der Herzogin unmittelbar nach der
Heimkehr in ihr Land eingeflochten hat. Es erübrigt nur noch
*) Dies Citat steht nur im Speculum doctrinale. Im Speculum
historiale war es an dieser Stelle nicht nötig, da die vorhergehenden
und nachfolgenden Capitel von Valerius Maximus und seinem Werk
handeln.
**) Bei Valerius selbst (V, 4, 7) steht vor in carcere noch triumviro.
***) Valerius: Quo receptam is.
****) Valerius: non protinus.
t) Valerius: Aditum quoque ad eam.
+t) SM haben die beiden Specula in den mir vorliegenden Ausgaben.
fft) Valerius: existimans futurum.
tfft) Valerius: Cum autem plures jam dies intercederent. Speculum
historiale: Cum autem jam plures dies intercederent.
*+) Valerius: observata flia.
*tf) Valerius: illam.
*+++) Valerius: novitas ab ipso ad triumvirum , a triumviro ad prac-
torem, a praetore ad Consilium judicum perlata.
t*) In dem Capitel 216 ist immer statt praeco zu lesen: praetor .
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in dem altfranzösischen Roman von Girart von Rossillon. 27
die zwei andern Beispiele mitzutheilen, die an einer früheren
Stelle des Gedichts Vorkommen.
XVL
V. 2369—2380.
Die Herzogin Bertha erwarb, während sie mit ihrem Ge¬
mahl im Elend lebte, ihren Lebensunterhalt 'au tailler et au
coudre*.
De ce faire en s’enfance avoit ete aprise,
Bient sout tailler et coudre et braä’es et chemise . . .
S'elle sout tel mestier ce ne fut pas mervoille,
Quar Augustes Cesars fist bien le cas paroille:
II fut vaillans et saiges et regna moult grant piece;
Mas il n’out oncques file ne cosine ne niece
Qu’il ne ftist aprendre ä quelque mestier faire
Pour ce qu’oisivetö ne leur feust contraire.
Speculum historiale V, 46: (Augustus) filiam et nepotes
ita instituit, ut etiam lanificio assuefaceret.
Diese Stelle ist dem 64. Capitel der Lebensbeschreibung
des Augustus von Suetonius entnommen, wo jedoch nicht
nepotes , sondern neptes steht, und so hat wohl auch in der
unserem Dichter vorliegenden Handschrift des Speculum ge¬
standen.
Wahrscheinlich hat unserem Dichter aber auch noch eine
auf Augustus bezügliche Stelle des Speculum historiale vorge¬
schwebt, nemlich folgende (V, 47):
Veste non temere alia quam domestica usus est, a sorore
et uxore et filia confecta.
Auch diese Stelle ist dem Augustus des Suetonius (Cap.
73) entnommen, jedoch steht dort et filia neptibusque.
Auf die beiden Stellen des Suetonius gründet sich offen¬
bar folgende Stelle im Polycraticus des Joannes Sarisberiensis
(VJ, 4):
Filias quoque legitur Augustus sic in lanificio fecisse in-
stitui, ut si praeter spem eas in extremam paupertatem fortuna
projecisset, vitam possent arte deductis facultatibus exhibere.
Nam et nendi, texendi et acum exercendi vestesque formandi,
fingendi, componendi non modo artem, sed usum habebant et
consuetudinem.
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28
Die Beispiele aus Geschichte und Dichtung
Vgl. auch Libro de los enxemplos CCLIX (Cuenta Poli-
crato en el sexto libro, en el cuarto capitulo) und Jacobus
de Cessolis S. 24 der ital. Uebers. (ohne Qellenangabe).
xvn.
V. 2385—2448.
Sur ce mes cuers m’esmet dire, le me convient,
D’une tres bonne dame qui fut, bien m’en sovient.
Elle ot mis 4 son euer sur ce ceste paroule,
C’est que la sapience est envers Dien la foule.*)
Pour tant qu’elle entendit la lettre a scens contraire,
Li estre poure et foule foignit pour ä Dieu plaire.
En convent de nonnains se mist religieuse,
De vrai humilite fut tousiours curieuse.
Elle servoit du tout en toutes officines;
Elle netteoit tout en cambres, en cusines;
Elle estoit si orrible et si abominable,
Jamais ne la laissessent s’ass£oir a leur table.
L’une la deboutoit, Fautre la menassoit,
L’autre la batoit bien, chascugne la chassoit.
La laveure des poz et li relies des tables,
C’estoit trestouz ses vivres: moult li fut delitables;
D’ung vielz torchon cuyroit son chief toute deschauce.
Diex abaisse les halz et les humbles essauce:**)
Ainssin fist il cestei qu'il vout que sa lumiere
Feust sur le candelabre mis en bone maniere.
II envoya son ange visiter ung saint pere
Qui estoit es deserz et li dist: Biaulx doulz frere,
Va a celle abbate de nonnains qui Dieu servent,
Et Fune plus que Fautre la gloire Dieu deservent:
Une en y troveras deschauce et malparee
Qui bien te samblera pour foule et esgar^e:
Toutes la vituperent, et te di de rechief
Qu'elle a tousiours couvert de totiaillon le chief.
Bien saiches celle dame est de plus grant merite
Que tu qui solitaires mene vie d’ermite.
Tousiours est assaillie de si grant multitude,
Ses cuers ne part^de Dieu: quar tout y met s’estude;
Mas tu combien que hermites solitaires,
Tes cuers girovagant va par pluseurs repaires.
— Les suers ala v6oir et les appala toutes;
Mas ne vint pas icelle, si en fut en grans doutes.
*) 1. Corinth. 3, 19:] Sapientia enim hujus mundi stultitia est apud
Deum.
**) Luc. 1, 52: Deposuit potentes de sede et exaltavit humiles.
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in dem altfranzösischen Roman von Girart von Rossilion. 29
A Tabaesse prie que tout face venir,
Toutes les velt v6oir, ne s’en puet contenir.
L’une dist: Nous n’avons plus nonnain ne beguine
C'ugne mecheant foule quest en nostre cusine.
— Faites venir, dist-il, icelle vuilz vßoir.
Quant il vit les ensoignes, au pi6s li va chfeoir,
Et sa benfcisson humblement li deprie.
Celle, de Tautre part, s’est 4 terre eouchie,
Et velt que li saint peres beneisson li doigne.
Quant les autres serors vidrent celle besoigne, .
Si dirent au proudome: Enten nostre paroule,
Ne te chaille de lei, c’est une droite foule.
— De ce vous povßs bien, di li sains hons, taisier:
Je ne vous ne sons digne nes de ses pies baisier;
Elle est saige et vous foule, qui foule Tappel6s:
Li bauz secrtis de Dieu ne vous iert plus celßs.
— Lors leur a recontee la paroule de Tange.
Toutes s’agenoillerent pour Dieu doner louange,
Et le crient merci des molestations
Et des grans batemens et des derisions
Que celes avoient faites 4 la dame tressainte.
Par vräie repcntance ont plorö lärme mainte:
De euer leur perdonna, fort reprist 4 plorer.
Lay denqui en avant ne vout plus demorer;
Quar eile ne povoit la grant gloire suffrir
Que chascune des autres vouloit 4 lui offrir.
En requoi s’en parti c’oncques puis ne revint,
N* elles ne li sains hons ne seurent que devint.
Speculum historiale XVII, 83: Est in civitate Panos*)
monasterium.Fuit in eodem monasterio quaedam virgo,
quae stultam se fecit propter Christum, ut virtutis possit implere
propositum. Cumque se admodum humiliaret atque dejiceret,
adeo omnibus aliis horrori erat, ut nec cibum cum ea caperent.
Ab omnibus caedebatur, omnium odia et maledicta sustinebat,
a coquina vero nunquam recedens, totius illic monasterii **)
tanquam ancilla cunctis obediens officium implebat. Nunquam
ad mensam sedebat, sed micas tantum mensarum detergens
et ollas abluens, his solis alimoniis contenta vivebat. Nunquam
calceamentis utebatur, caput pannis involutum habebat, et sic
*) Gedruckt ist anos. Aber aus Palladius, Historia Lausiaca, ed.
Meursius, pg. 92 (elg Tlavog rrjv noXiv) ergibt sich die richtige Lesung.
**) So ist wol statt Ministerium zu lesen.
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30 Die Beispiele aus Geschichte und Dichtung
Omnibus serviebat, et certe cum ab omnibus pateretur, nulli
unquam injuriam fecit, nulla ipsius murmur audivit. Inter
haec astitit angelus domini sancto Piterio, probatissimo yiro,
semper in desertis viventi, dixitque illi: Cur magnum aliquid
te esse credis, in tuo proposito hujusmodi degens loco? Yade
ad Thabennensiotarum monasterium feminarum, et invenies
unam ex ßis in capite pannum conscissum habentem, ipsamque
cognosce te esse meliorem. Cum enim sola contra tantas
diebus ac noctibus pugnet, cor ejus nunquam a deo recessit,
tu autem in uno loco residens nunquam progrederis et per
omnes urbes animo et (Togitatione yagaris. Statim igitur ad
praedictum monasterium yenit seque ad feminarum habitaculum
transvehi petiih Ingressus autem omnes sorores videre yoluit,
inter quas illam solam, propter quam yenerat, non vidit Ait
ergo: Omnes adducite, nam aliqua videtur hie deesse, quam
mihi angelus ostendit At illae, Omnes, inquiunt, hic sumus,
unam quidem stultam habemus in coquina intrinsecus. Ex-
hibete, ait, mihi eam, ut ipsam quoque videam. Quod cum
fecissent illae, frontem ejus pannis inyolutum cemens projecit
se ad pedes illius dicens: Amma*), id est mater spiritualis,
benedic me. Procidens autem et ipsa dicebat: Tu me benedic,
domine. Omnes itaque obstupuerunt sorores dicentes: Noli
talem injuriam sustinere, abba, nam ista, quam cemis, est
fatua. At ille dixit omnibus: Yos fatuae estis, nam ista melior
est et me et vobis. Deprecor autem Deum, ut in die judicii
dignus ipsa merear inveniri. Tune omnes prociderunt ad sancti
Piterii pedes, singulae propria ei peccata confitentes, quibus
illam sanctissimam contristarant. Et alia quidem dicebat:
Ego eam delusi. Alia: Ego habitum ejus dejectum irrisi.
Alia: Ego eam, cum tacita esset, injuriis affligebam. Alia:
Ego sordes abluens catini statim super eam fundebam. Alia
quoque colaphis eam a se verberatam saepe dicebat, alia nares
~ ^ejus synape impletas a se esse deflebat. Ceterae quoque di-
versas ei se referebant injurias irrogasse. Pro quibus omnibus
ille sanctus una cum eadem sanctissima virgine sua precibus
*) Im Speculum steht irrig amma. Palladius: tvXoyrjaov ps, a/ipcc,
und später: avrrj ydq %al vpwvncd tpov dppag settv. ovta yäq ualovei
rag nvBVfucundg firjziQecg.
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in dem altfranzösischen Roman von Girart von Rossillon. 31
effusis egressus est. Post paucos dies illa non ferens tantam
sui gloriam gravarique se credens satisfactionibus singularuni,
egressa de illo monasterio, quo ierit vel quo fine defecerit,
hactenus ignotum est.
Die Quelle des Vincentius ist nach seiner Angabe in einem
der vorhergehenden Capitel — nemlich im 64. —: Sanctus
Heraclides, vir religiosissimus, qui etiam ipse descripsit ad
Lausum episcopum in uno volumine vitas sanctorum patrum,
quos ipse viderat et quos aliis referentibus audiverat,.... qui
über merito Paradisus vocatur, quia in eo sanctorum virtutes
et conversationes tanquam lignorum paradisi pulcri visii species
describuntur. Mit dem Paradies des Heraclides*) wird die
Historia Lausiaca (rj 7tQog AavG&va tov TtQcuTtoGixov [ötoq(cc)
des Palladios, welche Meursins 1616 zu Leiden zuerst griechisch
herausgegeben hat, — zum Theil jedenfalls — identisch sein,
denn die Erzählung daselbst (pg. 94—97 der Ausgabe von
Meursius) von der Isidora und dem Heiligen IhtrjQOvii erscheint
wie das nur hie und da etwas abgekürzte Original der lateini¬
schen Erzählung im Speculum historiale. Die lateinische Er¬
zählung in den von H. Rosweid herausgegebenen Vitae Patrum
VI, 19, die ich freilich nur aus H. Düntzer* s deutscher Ueber-
setzung kenne **), muss theilweise wörtlich mit der im Spe¬
culum übereinstimmen, sie nennt aber den Bischof Basilius
als ihre Quelle. Man vgl. auch das Libro de los enxemplos
CCCLIH (Cuenta sant Basilio), die Scala caeli im vorletzten
Capitel de virginitate, wo nach Düntzer (Herders Legenden
S. 46) Heraclides als Quelle genannt ist, Geiler von Kaisers¬
berg, Brösamlin H, 81 (Cirillus der schreibt), Pauli, Schimpf
und Emst 690 (Sanctus Cirillus schreibt) und Oesterley's Citate
zu Pauli.
*) Vgl. Fabricii Bibliotheca graeca, ed Harles, X, 117 f.
**) Herder’s Legenden. Erläutert von H. Düntzer. Wenigen-Jena
1860. S. 43—46.
Weimar, Januar 1874.
Reinhold Köhler.
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Die Legenden von St. Dunstan und St. Cristopher.
Aus Ms. Laud 108.
Von
Carl Horstmaim.
Die nachfolgenden beiden Legenden sind bereits aus Ms.
Harl. 2277 in FumivalTs Early English Poems and Lives of
Saints Berlin 1862 mitgetheilt und daraus in MätznePs Altengl.
Sprachproben I p. 170 aufgenommen. In der reichen, aus der
ersten Hälfte des 14ten Jahrhunderts stammenden Legenden¬
sammlung des Ms. Laud 108 bilden sie die 4te und 35te Legende.
Die Legende von St. Dunstan ist leider ein Fragment und schliesst
mit V. 106 ab. Sprachlich weichen die Legenden vielfach von Ms.
Harl. ab; auch fehlen mehrere Stellen des Ms. Harl., besonders in
St. Dunstan (so Y. 21—25, 45—57,60—92 des Ms. Harl.). Wahr¬
scheinlich steht die hier folgende Fassung der ursprünglichen Redak¬
tion näher. — Die ebenfalls aus Harl. 2277 von Osw. Cockayne
London 1866 herausgegebene und in MätznePs altengl. Spr. auf¬
genommene Legende von der h. Margarethe fehlt in Ms. Laud.
I. Die. Legende von St, Dunstan.
FoL 39. b. SEint Dunston was of enguelonde : i come of guode more
Miracle ore louerd dude for him : |>e juyt he was un bore
For J>o he was in his moder wombe : In a candel masse day
|>at folk was muche at churche : ase hit to f>e tyme lay
As huy stoden alle with heore lijt: ri^t also men stondeth juit nou 5
Heore lijt queincte ouer al : J>at no man nuste hou
Here J>at lijt bamde swif>e wel : and here it was al oute
|>at folk stod al in gret wonder : and weren in grete doute
And bi speken ech to of>ur in jwuche manere it wer©
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Die Legenden von St. Dunstan und St. Cristopher. 33
|>at it queinte so sodeinliche : al £at lijt £at huy bere 10
Also huy stoden and £ar of speken : in gret wonder ech on
Seint Dunstones moder taper : a fuyre werth a non
f>at heo huld in hire hond : heo nuste jwannes it cam
f>at folk stod and J>at bi huld : and gret wonder £ar of it nam
No man nuste fro jwannes it cam : bote £oru ore louerdes grace is
|>ar of huy tenden alle heore lijt : J>at weren in f>e place
fol so. a. gwat was t>at: |>at ore louerd crist: fram heouene £at lijt sende
And f)at folk £at f>are stod a bonte : heore taperes £ar of tende
Bote |>at of {mlke holi child : £at was in hire wombe |>ere
Al enguelond scholde beo i lijt : bet £ane hit euer er were 20
|>o Jris child was i bore : his freond nomen |>er to hede
Huy leten hit do to Glastingburi : to norischci and to fede
And to techen him his bi leue al so : his pater noster and crede
f>at child wax and wel i J)evj : ase it moste nede
To £e' world he nam luyte jeme : for to alle godnesse he drouj 25
Ech man J>at heorde of him speke : hadde of him ioye i nov$
|>o £e cou£e mannes wit : to his vncle he gan go
j>e Erchebischop of caunterburi : Aldelm £at was £0
With him he maude ioye i novj : and euere J)e leng J>e more
|>o he i sei of his guodnesse : and of his wise lore so#
For gret deinte J>at he hadde of him : he dude him sone bringue
To f>e prince of Engelond : A^elston J>e kyngue
j>e king him maude ioye i nou$ : and grauntede al his bone
Of ywat Jring Jmt he wolde him bidde : , jif it were to done
Seint Dunston him bad ane place : £are he was forth i broujt 35
In J>e toun of Glastingburi : £at he ne wernde him noujt
f>e king grauntede him is bone a non : and after him al so
Edmund is bro^er £0 he was king : and in his power ido
To Glastingburi he wende sone : |>e guode man seint Dunston
f>o boJ>e J>e kingues geue him leue : Eadmund and Athelston 40
A fair Abbeye he let J>are a rere : ase men i seoth |>are juyt stonde
Of blake Monekes £at was a rerd : £e fürste of Enguelonde
For ech Abbeie of Enguelonde: |>at of blake Monekes is
Of J>e hous of Glastingburi : furst sprong and cam i wis
Him sulf he nam £e Abite £ere : and Monek formest bi cam 45
Sone he was Abbot of £e hous : and gret couent to him nam
He makede Jjare godes seruise : studefast and stable i novj
{>at couent £at £are inne was : to alle guod nesse drouj
J>is holi Abbod seint Dunston : hadde gret power
V. 19. holi übergeschr.* Nach V. 20 fehlen hier V. 21—26 des Mg.
Harl. V. 41 hier weicht Ms. Harl, ganz ab, statt V. 41—44 steht dortV.
46—67 eine Geschichte des Klosters, die wahrscheinlich später zu der
ursprünglichen Redaktion des Ged. hinzugefügt ist. Weiterhin fehlt
in uns. Ged. Vers 60—92 des Ms. Harl.
Jfthrb. f. rom. u. engl. Lit. N. F. II. 3
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34
Hobstmanx
ßo With £e king Eadmund £o he was king : he was is conseiller
After |>e king Eadmundes def>e : a guode jwyle it was a gon
f>at Edwyne is sone was king i maud: ake noujt rijt sone after a non
f>is Edwyne hadde ful vuel red : and f>are aftur he drovj
With seint Dunston he was wroth : and with wel gret wovj
56 Of his Abbeye he drof him out : and dude him schäme i novj
J>e more schäme Jmt he him dude : J>e more £e guode man lovj
He let driue him out of Enguelonde : and let crien him fleme
f>is guode man wende out wel glad : ne tok he none jeme
To |>e Abbeie of seint Amaunt : bi jeonde se he drouj
60 And soriomede |>are longue : and ladde guod lijf i novj
{>o £e king Edwyne was ded : Edgar £at was is brof>er
Fol. 30. b. After him was king J maud : for he was ner Jjane ani ojmr
Swy£e guod man he bi cam : and louede wel holi churche
And ech man £at him to guode radde : aftur him he gan wurche *
es Men tolden him of seint Dunston : f>at is brofier drof out of londe
With vnrijtht for is guodnesse : and he bi gan him ynderstonde
After him he sende a non : £at he come a jen sone
And with him bi leue is conseiler : of |>at he hadde to done
Seint Dunston cam hom a jen : and faire was vnder fongue
• 70 And hadde his Abbeye al in pays : fram jwuche he hadde i beo longue
Swyfie wel he was with £e king : and al his conseiller
Men speken muche of his guodnesse : wel wide feor and ner
Hit bi fei £at J>e Bischop : of wyrecestre was ded
J>e kyng and |>e Erchebischop Eode : £ar of nomen heore red
75 And Jene holie Abbod seint Dunston : Bischop huy maden ftere
For he scholde beo herre in godes lawe : {>ei it a jein is wille were
Borne men axeden at |>e Erchebischope : of Caunterburi sire Ode
gware fore £at he him Bischop maude: and jwy his graces weren so guode
For he schal seide f>is guode Man : aftur me here bee
so Erchebischop of Caunterburi : and £at Men schullen i see
gwat wostjiou J>is o£ere seiden : f>ou spext folliche i wis
|>ou nost non more f>ane fti fot : op on göd al it is
Mine leue frend seide £is holie Man : je ne dorre me blamie noujt
For ich wot wel jwat ore louerd crist : in mi Mouth hat hibroujt
85 And ho so with seith oujt of Jmlke £inge : f>at ich eoy habbe i sed
{>e so£e he mai seo jif he liueth : after £at ich am ded
BJschop he was of londone : seint Dunston sethfie al so
Of londone sind of wyrecestre : and heold boJ>e to
Hit bi fei f>at f)e Erchebischop : of Caunterburi was ded
90 {>e pope and f>e king Edgar : J>ar of nomen heore red
And mauden |>ane guode man seint Dunstan : Erchebischop |>ere
Guode Men fiat him i knewen : wel glade J>ar of were
j>e cristindom of Enguelonde : to guod stat he drovj
And |>e rijtes of holi churche : he heold up faste i novj
95 He fourmede fioruj al enguelond : J>at ech person scholde cheose
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Die Legenden von St. Dunstan nnd St. Cristopher. 35
To witien him chaste fram lecherie : ofcur his churche leose
Seint Athelwold was fculke tyme : Bischop of winchestre
And Oswold fce guode man : Bischop of wurecestre
|>eos twei Bischopes with seint Dunston : weren al at one rede
And Edgar f>e guode king : to done fcat guode dede 100
f>eos fcreo Bischopes wenden a boute : fcoruj al Enguelonde
And euerech lufcer person casten out: heom ne mijhte non atstonde
Heore churchene and heore ofcer guod : clanliche heom bi nome
And bi setten as on guode men : fcoru j fce popes graunt of rome
Eyjhte an fourti Abbeies : of Monekes and of noones 105
Of fcat tresur huy a rerden in Enguelonde : fcat of persones was so i wonne
Hier bricht das Gedicht ab; das folgende Blatt ist aasgerissen
bis auf einen schmalen Streifen, worauf noch die Anfänge einzelner
Verse zu lesen sind, nämlich: He sat (V. 175 des St. Dunstan
nach Ms. Harl. 2277) . . His h(arpe) . . Heo gan . . Al so it
o . . Al bi hire . . fcat men s(ingefc) . . Halewene s(oule) .. fcat
siweden .. Heore blöd for . . And kingues be . . fce Antenene fca
. . . fce harpe song a .. Faire graee ore lo(uerd) .. Scholde so
singue . .. Louerd i hered beo . . fcat woldest for .. fco fcis holie
ma . . . And is endedai.. An holi fcoresdai . . He liet him clep
.. His men fcat h . ..
II. Vita sei Oristofori.
So der Titel in rother Schrift rechts am Rande.
Foi. i 2 i. b. SEint Cristofre was a saracen : in fce londe of canaan
In none stude bi is daie : nas so gret a man
Foure and twenti fet he was long : and fcicke and brod i noug
A scwuch bote he were strong: me fcinchez it were wouj
Al a contreie fcare he were : for him wolde fleo . 5
f>are fore him fcoujte fcat noman : Ajen him scholde beo
He seide he nolde with no man bi leue : bote with on fcat were
Hext louerd ouer alle men : and onder non ofcur nere
Swuch a Man he wente to seche : and so fcat men him tolde
Of fce hexte manne fcat on eorfce was: and of mest power i holde io
Y. 104 as vertritt hier das pron. pers. heom, wie öfter im Fragm. d. Leb.
Jesu: 64 ho so wole is soule sauui he as mot allinge forleose; ebenso ib.
185. 529. 549. 645. 866. 872. V. 4. Im Ms. ist wahrscheinlicha scwuch
zu lesen; ebenso V. 15 Ms. swuch (mit übergeschr. y); auf den ersten
Blick scheint es Aftwuch zu heissen.
3*
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36
Horstmann
Seint Cristofre sougte feor : and atfie laste he cam him to
f>e king axede him a non gwat he were : and gwat he sougte also
Cristofre him seide gwat he was : and J>at he serui wolde
|>ene hexte Man fiat ougwere were : and fiat non ofiur abouwie ne scholde
*5 gif he migte ani scwych finde : f>is king to him sede
|>at he ne heold of no man : ne a bouwie he nolde ne drede
Eiflur was of ofiur glad : Cristofre him seruede longue
j>e kyng lonede muche Melodie : of fiedle and of songue
So fiat iß Jugelour a day : bi fore him pleide faste
80 And nemde in is ryme and in is song : fiene denel atfie laste
Anon so fie kyng fiat i heorde : he blessede him a non
Seint Cristofre* nam wel guode gerne : and nolde ane fot feor gön
Are he wüste gwi it were : fie king was ful loth to teile
Cristofre seide bote fiou me segge : no leng serui fie J nelle
85 J>o fie kyng ne i saig non ofiur : leoue Cristofre he sede
Ich blessede me fio ich heorde him nemme: for ichhabbe of him gretdrede
|>anne he is quath Cristofre : herre Maister fiane fiou
|>at ne may ich quath fie kyng : for sofie for sake nov
Haue guod day quat Cristofre fio : Jnelle neuereft with fie beo
so Jchulle seche fiane deuel and serui him : gif ich him owere iseo
f>e kyng was sori and alle his : fiat huy ne mieten him make a bide
Foi. 122 . a. Forth he wende {jene deuel to seche : ake natheles nougt wel wide
For fie schrewe wole euere a redi beo : to heom fiat beoth to him i nome
{>o Cristofre cam with oute toun : gret folk he saig come
35 Wel on horse with grete nobleye : swyfie fierce and proute
Cristofre heom mette we baldeliche : he nadde of heom no doute
j>e maister fiers with alle : cam and mette with him a non
Beu sire he seide gwat art |>ou : and gwodere fienxt |>ou gon
Ich am a ma opon mi seruiz : and noman serui i nelle
40 Bote mi louerd fiat ich seche : {>e heige deuel of helle
Beu frere quath f>e o{>ur ich it am : wel come ar f>ov to me
|>e beste seruiz {)at {>ou wolt cheose : man schal deliueri {>e
Cristofre saij is grete folk : and {>at he was of gret pouwer
Of swuch a louerd he was wel glad: and al so of fiat grete mester
45 f>e Maister heijte al is folk a wei : bote heom seoluen tweie
To teche him is mester priueliche : ase huy wenden bi fie weie
Ase huy wenden talejinde forth : of f)is ludere seruise
In {>e wei heo iseien one croiz stonde : {>e deuel gan Jiarof a grise
His wei in breres and in {lornes: wel feor bi side he nam
50 J>o heo f>e croiz i passede hadden : a jein to {>e weie he cam
Cristofre him Axede jwi it were : and him was loth to teile
V. 30 Mb. J chulle seche }>ane feond, am Rande ist nebengeschrieben
deuel. V. 36 Ms. we st. wel; 39 a ma st. m’an; 41 ar {>ou st. art.
V. 46 Ms. wendeth mit übergeschr. n. V. 54 Ms. mi; jedenfalls in l>i zu
andern.
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Die Legenden von St. Dnnstan und St. Cristopher.
37
Certes he seide bote b ou me segge : no leng serui J>e i nelle
Cristofre mi leoue freont quath b 0 deuel : ichulle f)e teile fayu
With {>at bou serui me after ward : b 0 betere with al mi mayn
With a swuch croiz ase we f>are i seien : b 0 heie god bat was here 05
Ouer cam and in soruwe brou^te : me and alle mine fere
f>anne is he herre quath Cristofre : and hath power more
f>atne mayich noujt for sake befeond seide: and bat me for binchez sore
Dabeit banne Cristofre seide : bat leng beo in bin 0 seruise
gif ich of bane heie manne may 05 t iwite : in anie kunneswise eo
Forth he wende and soujte ore louerd : wel wide he gan gon
Atbe laste he fond ane hermite : to him he wende a non
He tolde him clanliche al hou it was: and hou he a swych man soujte
ge seide be heremite ihered he beo : bat b e in swyche wille broujte
Lene brober seide be heremite he is bi louerd: for to manne hebe wroujte 65
And with is owene flechs and is blöd : wel deore he b e a boujte
j>ou most sum jwat soffri for him : and festen eche friday
Ine faste neuere seide Cristofre : ne certes geot Ine may
|>ou most seide be heremite to churche gon: and \>me beden bidde also
I not seide Cristofre jwat it is : ne i ne can hit noujt do. 70
No seide b e heremite b ou art strong : and here is a water bi side
|>at no man may bare ouer come : bote he be herre ride
|>ou most in lesnesse of bin 0 sunnes : habbe bine wonejingue b 0 re
Andjwane ani man to b 0 neode hath : bare ouer b° u most him bere
In furjiuenesse of bine misdedes : he grauntede bat a non 75
|>e heremite gaf him cristine dom : and het him budere gon
Foi. 122 . b. CRistofre bi side bai^e watere : one hole hö made him b 0 re
In his hond a long perche he bar : is staf as b 0 i it were
gwane any man wolde ouer bat watur : opon is rüg he him caste
And tok is perche and bar him ouer : he stap hardeliche and faste 80
For he was bobe strong and long : bare ne cam so heui non
f>at Cristofre ouer b 0 ä 0 ope watere : ne bar heom ouer ech on
A nigt in b e °& ur half of b 0 watur : a uoiz bare cam and gradde
Haie hale to seint Cristofre : bat he him bare ouer ladde
Cristofre a ros him op a non : is perche on honde he nam 85
And wod ouer b e watur and ne fond no man : bo he to londe cam
He nas bote i come hom a gen : bat on ne gradde eft sone b 0r
Cristofre wod ouer and ne migte finde : non more bane he dude er
Zuyt it gradde b 0 b 1 ^^ 0 tyme : b° he cam hom to londe
And with is rodde wod a jen : a luyte ehild he fond bare stonde &o
|>at child bad him par charite : ouer b 0 watere him lede
Cum forth jif b ou wolt here ouer : cristofre to him sede
Swybe lijtliehe bat child he nam : and in is Armes it caste
Euere ase he was ouer ward : it gan to heuegy faste
And bat watur wax al so : bat Cristofre sore agaste »5
To a drenche bat child bat was so heui: vnnebe he stod atbe last§
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38
Horstmahn
Neuere so clene he nas ouer come: at eche stape he grünte and blaste
And laste J>at child hadde a dreint: he ne dorste it a doun caste
{>o he was to londe i come : ase him Jjoujte ful longue er
100 J>at child he sette a doun to grounde : and stod op to reste him f>er
gwat art J>ou £at art so luyte : and so heui bi come
So heui J>at ich was ope £e poyinte : to habbe a dreint i lome
J>ei al f>e world hadde ope me i leie : me f)inchez so heui it nere
No wonder cristofre seide f>at child : {>ei it heuiore were
los |>ane al J>e world for ich more : and no wonder it nis
* For ich made al £e world of noujt : and al ofrnr J>in f>at is
And for |>ou schalt £e softe i seo : ftine staf piche in fte grounde
And he schal bere lef and blowe : and fruyt bere in luyte stounde
With ftis word ftat child wende forth : Cristofre is staf nam
uo And pijte hit in fte grounde a morewe : and rijt soth it ftare bi cam
f>o was he sikerore ftane he was er : and ore louerd he louede more
Forth he wend to siwi him : and forto prechi Ls lore
He heorde teile jware Cristine men : In torment weren ibroujt
To conforti heom he wende pudere : ftat heo ne scholden flechchie noujt
n5 Beoth hardie he seide and studefaste : and doth as ich ou lere
f>e Justise sturte forth a non : and smot him vnder J>e Ere
Artftou he seide on of ftulke : ftou it schalt a corie sore
Site ftou wel stille Cristofre seide : and ne smijt ftou me non more
For jif ich a cristine man nere : Ich me wolde a wreke a non
120 Ze bi leuez on ouwer Maumates he seide : I maket of treo and ston
pat none Miracles ne mouwen do : non more ftane a treo
Foi. 123. *. Sumof J>e power ftatmi louerd hath: bi mi staf ftou schalt i seo
His rodde he pigte in fte grounde : and heo bi gan a non
To leui and blowe and bere fruyt : bi fore heom euerech on
125 On Bwuch a god je schullen bi leue : J>at swuch Miracle mai do
j>e Justise ne dorste for he was muche : a bold word segge him to
For fte faire Miracle of is staf : and for is prechingue al so
To god heo torneden in fte place seuen ftousende and tao *
Toward a maner wildernesse : seint Cristofre wende
130 In godes seruise to lede is l\jf : ase ore louerd him grace sende
£e Justise tolde f>e kyngue fore : of swych a man £at he i seij
Turne f>at folk and he ne dorste : for strenge come him neij
f>e king het sone to hundret knijtes : seche forto heo him founde
And J>at huy scholden him nimen and leden: bi fore him faste i bounde
V. 98 Harl. were .. adreynt. V. 106 Harl. f>e| ic heuyere were hau
al J)6 wordle, for ic am more J>au al he wordle iwis; im Ms. hat statt „and
no wonder it nis“ ursprünglich etwas anderes gestanden, welches ausradirt
ist; jedenfalls fehlt am in der ersten Halbzeile. V. 106 Ms. f>iu p. hiug.
133 to*»two, wie 141.
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Die Legenden von St. Dunstan und St. Cristopher. 39
Forth wenden J)is knyjtes : wel I armede a non 135
Toward Cristofre huy comen a luyte : and bi heolden him echon
Huy alle ne dorsten come him neij : ake hamward huy gönne fleo
And tolden £0 huy comen hom : f>at huy ne mieten him nojwere i seo
Ouj je cowardes quath f>e king : nabbe je him noujt i founde
Ichulle jif he a liue is : habbe him faste ibounde 140
He sende to hundret ofmr knyjtes : J>at hy him wide soujte
And |>at huy ne comen neuere a jen: are huy him with heom broujte
Well armede heo wenden forth: and a non so huy Cristofre iseie
Huy stoden and ne dorsten gon him ner: 0 Jmr vnnejpe bi holden him with eize
Cristofre stod and him bi heold: and axede hem jwat huy wolden 145
For no |>ing ne dorre we £e knyjtes seiden: bi f>e don |>at we scholden
f* king us het bringue £e to him: and J)ine hondene faste binde
gif f>ou wolt we wollez him segge: f>at we ne mouwen J>o finde
Nay certes seide Cristofre £ 0 : je scholden beo i blamede so
Ake with ou ichulle gon: and loki jwat he wulle habbe i do 150
He made heom al a jein heore wille: ase a £ef faste him binde
|>at heo neren i blamede and leden him forth: his hondene him bi hinde
Of godes lawe bi f>e weie: Cristofre heom gan so lere
|>at echone are huy comen hom: faire i cristnede were
Natheles huy ladden him forth: bifore J>e kyngue faste i bounde 155
And seiden here is godes knyjt: nouJ>e we him habbeth i founde
|>e king sat an heij op on is sege: and a non so he Cristofre iseij
For drede he feol doun to grounde: £at is necke to barst neij
His knyjtes nomen him up a non: and ase tyme ase is wit him cam
He bad Cristofre to him take: and leten beo is cristindam ißo
§>ou mijt guode man seide cristofre: al so wel beo stille
Mi bodi f>ou hast here faste i bounde: J>ou mijt don al J>i wille.
Certes sire |>is knijtes seiden: J>at hadden him fmdere ibroujt
Cristindom we habbez itake: and we nelleth it bi leue noujt
j>e king let J>o in grete wrath|>e: Cristofre in prisone do iss
And binden alle j>e knyjtes faste: and heore heuedes smiten of al so
Foi. 123. b. |>o £eos knyjtes bi hauedede weren: f>e king sone bi poujte
And tweyen faire wommen with alle: to cristofre he broujte
|>at on het Nice |>at ojmr Aquiline: for to tornen is mod
|>o f>is wommen iseien Cristofre: ase he in prisone stod i 70
Heom £oujte is face wel brijtore schine: J>ane J>e sonne o£ur J>e Mone
Crstofre merci loude heo gradden: make us cristine sone
Crisfofre heom teijte {>e rijte bi leue: and cristnede heom a non |>ere
A morewe f>e kying let heom fette: to lokie hou it were
He hopede heo hadden f>ane guode man: in lecherie i broujt 175
V. 135 Nach I armede ist ech on eingeklammert. 141 hy, eine im
Ms. sehr seltene Form, meist huy oder heo. Nach V. 145 folgen im Harl.
noch 2 andere Verse. V. 160 ichulle im Ms. doppelt. 162 Ms. lerere
p. lere. V. 169 Harl. and J>o his wit afe com,
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40
Horstuann
f>e wommen Answereden to his Axingue: as huy ne tolden of him no7,t
jgwat hou goth {)is quat J>e kyng: habbe je itumd ower |)oajt
Honourieth mine godes ich rede*. {>e jwyle ou is wel i Jjoujt.
Ouwergodesbeoth wur{>e J)isMaydenes seiden: infar studehonouredto beo
180 |>are fore lat swope J)e stretes faire: {>at al folk mouwe i seo.
And we heom wollez honouri i wis: ase rijt is and lawe
J>e king let don ase heo seiden: swij>e sone and fawe
{>o f>is Maumates weren i broujt: in £e strete at belaste
J>is maydenes nomen heore gurdles bo{>e: ant to heom teiden faste
185 And to drowen heom in to al J>e strete: and heo wen heom to peces {>ere
Goth heo seiden ant fechchiez heom leches: f>at heo i helede were
f>e kying was neij for wrathfte wod: J>at o maide he let hongue
And to hirefetbyndenheuie stones:£athiredef)es J>rowes weren strongue
A non so J)is mayde was up i drawe: hire leomes borsten with inne
loo Necke and senewes and ojrnr limes: wel aujte heo heuene i winne
He let don {>at o{>ur in strong fuyr: ake £are ne mijte non come hire neij
Ake sethf>e he let hire heued of smite: {>o he |>at oJ)er cas iseij
j>us {ns twei holie maydenes: to {>e blisse of heuene i wende
j>oru |>e grace {>at ore swete louerd: for seint Cristofre heom sende.
195 f>e king let {>o cristofre fecche: and axede him a non
gwejrar he wolde his Maumates serui: o{)ur to {>e de{)e gon
Cristofre for sok heore Maumates: and heore seruiz also
f>e king het a non {>at Men him scholden: op on a strong gredile do
And with strong fuyr and pich rosti him: and {>o he was i leid {>ar on
aoo As wex {>at gredile malt a wei: and J)at fuyr a queynte a non
And he a ros up with onte härme: wroth was {>e kyng {)o
To a piler he let him binde faste: and knyjtes a boute him go
For scheoten him to def>e: with Mani a kene flo
With bouwe and Areblast frnre schoten to him : four hondret knyjtes
and mo
205 Ake |>are nas non Arewe {>at neij him cam: ake alle heo gliden bi side
And heogun in {>e Eyr a boute him: and [)are huy gunne a bide
A non so J>e king J>is isaij: for wrat{>e {mdere he wende
An Arewe {>at ouer {)is guode man heng: a jein him sone kende
Bo{>e is ejene heo smot out: and deope into {>e heued
210 |>e king stod tor Anguysche and for drede: ase is wit him were bi reued
j>ou onselie wrechche seide cristofre: jwat is nou{>e wurth {)i mijte.
Fol 124. a. A jein him {>at {>oy hauest bi gönne: feble ^ou art to fijte
Of {)i wrechhede ich habbe reu{)e: And {>at i schal cuy{>e {>e
Forto Moruwe mi louerd soffiri wole: {)at {>ou schalt laten a quelle me
2i5 And {>anne smeore {)ine ei jene with mi blöd: and fonde mi louerdes raijte
And jif {>ou wolt a rijt bi leue: {>ou schalt habbe [)i sijte
|>e blinde kyng {>ar to hopede: and swi{>e wel it onder stod
A morewe he let is heued of smyte: and smeorie him with is blöd
206 heogun st. heongun; Harl. hi honge.
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Die Legenden von St. Dunstan und St. Cristropher.
41
He hadde is si^t guod and der: J>oruj godeß grace wel sone
f>oruj J>e bone of seint cristofre: he toumede to cristine dome 220
He let burien faire seint Cristofre: and bi liefde on god a non
And let him cristni in godes lawe: and is men ech on
J>us seint Cristofre £ene hexte louerd: at J>e laste of soujte
God us bringue to |>ulke Joye: £at he is soule brougte.
22 bi liefde. Eine solche Erweichung des e zu ie begegnet im Ms.
in mehreren Legenden: besonders vor Liquiden, z. B. St. Mifhel iwiende
183, 48, tiende-kindle 523, hiende 785, myenge 766, 769, fierde 267, fielde
385; dann in bieten 338, 359.
Münster, den 1. August 1872.
C. Horstmann.
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Marlowes Faust und sein Verh<niss zu den
deutschen und englischen Faustbüchern.
Dass Marlowes Tragical History of Dr. Faustus die älteste
bekannte, ja vielleicht trotz der von Peter No. 133 aufgeführten
Historia fausti, Tractätlein von Faust, eine comödie (von zwei
Tübinger Studenten, 1587 gedruckt von Hock in Tübingen),
die älteste dramatische Bearbeitung des deutschen Sagenstoffes
ist, ist allgemein anerkannt. Weniger stimmen die Literar¬
historiker über die Quelle überein, aus der Marlowe seinen
Stoff geschöpft hat: die Engländer besprechen die Frage über¬
haupt kaum, neuerdings aber ist von deutschen Gelehrten die
Meinung aufgestellt worden, dass der engl. Dichter seinen
Stoff dem deutschen Faustbuch entlehnt habe. Die vor¬
liegende Arbeit hat es sich zur Aufgabe gemacht, durch eine
möglichst gründliche und gewissenhafte Verarbeitung des
Materials einiges Licht über diese Frage zu verbreiten, und
hofft zur Lösung derselben beizutragen, wenn auch das Fehlen
einiger Ausgaben des deutschen Faustbuchs eine vollständige
Lösung dem Verfasser dieses Aufsatzes bisher unmöglich ge¬
macht hat und vielleicht überhaupt unmöglich machen wird.
Der Gang der Marlowschen Tragödie (der Inhalt des
deutschen Faustbuchs dürfte als bekannt vorausgesetzt werden)
ist im Ganzen folgender: Nach einem kurzen Prolog, der
Fauste Herkunft und Erziehung schildert, entdeckt der Zu¬
schauer den gelehrten Magister in seinem Studierzimmer. In
einem Monologe lässt er die Wissenschaften (Logik, Medizin,
Jurisprudenz, Theologie) an seinem Geiste vorübergehen und
keine genügt seinem Streben: nur die Magie verspricht ihm
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Marlowes Faust u. sein Verhältnis z. d. deutsch, u. engl. Faustbüchem. 43
eine „Welt von Nutzen und Ergötzen". Er beschliesst daher,
ihr sich zu widmen und lässt durch den eintretenden Wagner
seine beiden Freunde Yaldes und Cornelius bitten, ihn zu be¬
suchen. Während er sie erwartet, kämpfen der böse und der
gute Engel um ihn; die Lust an den Gütern, welche die Magie
ihm verspricht, macht ihn taub gegen die Mahnungen des
guten Geistes. Da treten Yaldes und Cornelius ein, und ihre
Schilderungen von der Macht der Zauberkunst bringen den
Entschluss des Faust so rasch zur Reife, dass er sich ent-
schliesst, die Beschwörung alsbald vorzunehmen. Einstweilen
weist Wagner zwei Studenten, die sich nach Faust erkundigen,
ab, und diese glauben dem Rektor der Universität von des
Lehrers höllischem Treiben Mittheilung machen zu müssen.
Auf Fausts Beschwörung erscheint Mephistopheles zunächst
in höllischer Gestalt, dann in dem Gewände eines Franzis¬
kanermönchs. Die Grundbedingungen eines Bündnisses mit
den höllischen Mächten werden verhandelt und Mephistopheles
lässt sich herbei, Fausts neugierige Fragen über Hölle und
Teufel zu beantworten. Aber er ist nicht ermächtigt, das
Bündniss abzuschliessen und entfernt sich daher, um von
Lucifer genauere Instruction zu empfangen. In der folgenden
Scene miethet Wagner den Clown und kündigt ihm an, er
habe jetzt jede Stunde gewärtig zu sein, dass der Teufel ihn
hole. Den erschreckten und unwilligen Diener lässt er durch
zwei Höllendiener, Baliol und Beicher, so lange quälen, bis er
sich in allem dem neuen Herrn gern zu fügen verspricht.
Da kehrt Mephistopheles zurück und bringt dem unterdessen
wieder vom guten und bösen Engel berathenen Faust das
Anerbieten Lucifers: er solle ihm seine Seele verschreiben,
dafür werde ihm die Hölle 24 Jahre dienen. Der Pact wird
mit Blut geschrieben. Als er auf seinem Arme die Buchstaben
„Homo fuge" liest, wird Faust abermal bedenklich, aber ein fest¬
licher Aufzug von Teufeln, die ihm „Kronen und reiche Ge¬
wänder bringen", zerstreut seine Skrupel. Nun lässt er sich
von dem neuen Diener abermals Aufschlüsse geben über die
Hölle, ihre Lage und Grenzen; muss aber die Tyrannei des
Mephistopheles alsbald erfahren, da dieser ihm verbietet, ein
Weib zu nehmen; dafür erschliesst er aber seinem Herrn alle
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44
St' HM ID
Weisheit der Astronomen. Die Darstellung der Himmelskörper
und ihres grossartigen regelmässigen Laufs lenkt Fausts Ge¬
danken unwillkürlich auf den Schöpfer der Welt, und er fragt
Mephistopheles:
F. Sag mir, wer die Welt gemacht hat.
M. Ich will nicht!
F. Lieber Mephistopheles, sag mir’s.
M. Dränge mich nicht, denn ich sag's dir nicht.
F. Schurke, habe ich dich nicht verpflichtet, mir alles
zu sagen!
M. Ja! alles, was nicht gegen unser Reich ist; und dies
ist’s. Denke du an die Hölle, denn du bist verdammt!
F. Faust, denke an Gott, der die Welt geschaffen hat!
M. Daran sollst du mir gedenken!
Während Faust jetzt schon über seinen Abfall die heftigste
Reue empfindet, kehrt Mephistopheles mit Lucifer und Beelzebub
zurück. Der Fürst der Hölle spricht ihm freundlich-ernst zu,
solche Gedanken zu unterdrücken, und Fausts Reue ist schnell
verflogen. Zum Lohne dafür zeigt ihm Lucifer die sieben
Todsünden.
Nach langen Fahrten durch den Sternenhimmel und über
die Erde ist Faustus endlich mit Mephistopheles in Rom an¬
gelangt und beide haben es sich in der Engelsburg im Zimmer
des Papstes bequem gemacht. Sie sind gerade zur rechten
Zeit gekommen, um am Peter- und Paulsfeste theilzunehmen
— natürlich als unsichtbare Gäste. Als daher der Papst den
Cardinal von Lothringen auffordert, es sich schmecken zu
lassen, nimmt Faust ihm den Becher und Teller weg und
höhnt ihn ausserdem mit spottenden Redensarten; als der
Papst das Kreuz macht, schlägt er ihn. Da sollen denn' stär¬
kere Mittel gebraucht werden, um den frechen Geist zur Ruhe
zu bringen: Mönche kommen mit „bell, book and candle“,
um ihn zu bannen. Aber vor ihrem allerdings wunderbaren
Bannspruch*) haben weder Faust noch Mephistopheles Respekt;
*) Cursed be be that stole his Holiness’ meat from the table!
Maledicat Dominus!
Cursed be he that struck his Holiness a blow on the face. Maledicat
Dominus! etc. etc.
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Marlowes Faust u. sein Verhältniss z. d. deutsch, u. engl. Faustbüchern. 45
sie werfen Feuerwerk unter sie und entfliehen. Der Chorus
kündigt dann Fausts Wunderthaten an, die zunächst in einer
Clownsscene parodiert werden. Robin und Ralph haben des
Doctors Buch erwischt und wollen nun auch zaubern. Sie
haben einen Becher gestohlen, der Schenk kommt hinter ihnen
her, da rufen sie Mephistopheles zu Hilfe; der aber, unmuthig,
von solchen Gesellen genarrt zu werden, bestraft sie, wie er
oben die Mönche bezahlt hat, und verwandelt sie in Thiere.
Es folgt nun eine Auswahl von Fausts Zaubereien. Er führt
dem Kaiser Karl Alexander und seine Gemahlin vor; schmückt
das Haupt eines spöttischen Ritters mit einem Hirschgeweih,
das er ihm auf des Kaisers Bitte bald wieder abnehmen lässt,
foppt einen Rosstäuscher, dem er ein Pferd verkauft, jedoch
mit der ausdrücklichen Mahnung, es nicht in die Schwemme
zu reiten. Der neugierige Händler kann der Versuchung nicht
widerstehen und büsst seine Verwegenheit fast mit dem Leben,
denn das Ross verwandelt sich im Wasser in ein Bund Stroh.
Wüthend kommt er zurück zu Faust, der gerade schläft. Er
reisst ihn am Bein, um ihn zu wecken, aber er reisst das
Bein aus und läuft entsetzt von dannen. Weiter speist Faust
den Herzog von Anhalt und seine Gemalin zur Winterszeit
mit köstlichem Obst und zeigt endlich seinen Genossen die
schöne Helena. Aber mitten in die Zeit des Genusses tönt
die Stimme des Gewissens: ein Nachbar, ein redlicher, frommer
Greis, sucht ihn zu bekehren. Faust ist zerknirscht: da reicht
ihm Mephistopheles einen Dolch und, der Verzweiflung nahe,
will Faust zustossen. Doch rettet ihn die Mahnung des
Greises. — Um jede bessere Regung vollends zu betäuben,
führt ihm Mephistopheles nun Helena zu. Doch schon ist
die Zeit abgelaufen. In der Stunde des Todes hat Faust die
Genossen zusammengerufen und warnt sie vor gleicher Sünde.
Sie verlassen ihn auf seine Bitte; die Uhr schlägt eilf. Die
letzten Reden, voll dramatischer Kraft, schildern die ganze
Tiefe der Verzweiflung, welcher durch die Teufel, die Faust
holen, ein Ende gemacht wird. Der Chor singt ihm das
Todtenlied.
Das ist der Gang des Dramas, das, zwischen 1588 und
93 gedichtet, uns in mehreren Redaktionen vorliegt. Der
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SCHMID
erste Druck ist erst aus dem Jahre 1604; eine spätere Bear¬
beitung aus dem Jahre 1616, der mehrere andere folgen. Der
Druck von 1604 liegt in drei neueren Ausgaben vor uns:
The works of Chr. Marlowe by the Rev. Alex Dyce.
1 vol. London 1845.
The works of Chr. Marlowe by Lt. Col. F. Cunningham.
London.
The works of the British dramatists by John S. Keltie.
Edinburg 1870.
Die beiden ersten Ausgaben stimmen wörtlich, die dritte
von Keltie besorgte ist an einigen Stellen kürzer, obgleich
alle aus derselben Originalausgabe (London, printed by V. S.
for Thomas Bushell 1604) genommen zu sein scheinen. Im
ersten Monologe fehlen bei Keltie die Jurisprudenz*), ferner
die Beschwörungsformel**) und vier Zeilen am Schluss der
Scene***). Ebenso ist die Unterredung zwischen Wagner und
dem Clown um einige unbedeutende Stellen kürzer, auch zeigt
Mephistopheles bei Dyce und Cunningham ausgedehntere Kennt¬
nisse in der Astronomie!); endlich vermissen wir die ganze,
oben angegebene Scene vom Becherdiebstahl.
Auf den ersten Blick könnte es scheinen, als ob wir in
dieser letzten Ausgabe den Originaltext hätten, denn es ist
absolut kein Grund zu finden, warum der Herausgeber Keltie
die eben angegebenen Stellen aus dem Text entfernt haben
könnte: die acht Zeilen über die Jurisprudenz gehören zur
Vollständigkeit des ersten Monologs, die Scene von dem Becher¬
diebstahl und der darauf folgenden Bestrafung der beiden
Clowns durch Mephistopheles vervollständigen erst die lustige
Parodie zu Fausts Geschichte. Der Clown ist von Wagner
gemiethet worden, wie Faust mit Mephistopheles einen Con-
trakt gemacht hat; wie Faust durch seine Zauberei den Papst
gekränkt und anderen Vergnügen bereitet hat, so soll Robin
den Schenken betrügen und seinem Mitknecht nützen; wie
*) Cunn. p. 289 ,Where is Justinian 4 bis ,illiberal forme 4 .
**) Cunn. p. 291.
***) Cunn. p. 291 ,Such is the force 4 bis ,imagine 4 .
t) Es fehlen Cunn. p. 296 ,But teil me 4 bis ,zodiac 4 ; ,Who knows
not the double motion 4 bis ,Well, I am answered 4 .
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Marlowes Faust u. sein Verhältniss z. d. deutsch, u. eugl. FauBtbüchem. 47
Faust seine Strafe erleidet, so muss auch sein lustiges Eben¬
bild der Höllenstrafe verfallen, die ihn in einen Affen und
seinen Genossen in einen Hund verwandelt. Ohne den letz¬
teren Zug würde die Parodie unvollständig sein. Dyce aber
ist als viel zu gewissenhafter Herausgeber bekannt, als dass
wir ihm die Hinzufügung so bedeutender Zusätze aus der
späteren Ausgabe ohne die genauste Bezeichnung zumuthen
dürften. Auch wären für das Verständniss des Ganzen solche
Ergänzungen überhaupt nicht nöthig gewesen, da er auch
den Text von 1616 hat abdrucken lassen. Die Bemerkung
auf p. 76: „In reprinting this edition, I have here and there
amended the text by means of the later quartos u bezieht
sich nur auf die Wortkritik. So haben wir denn in der Dy er¬
sehen Ausgabe jedenfalls den ächten unveränderten Druck
von 1604.
Von ungleich grösserer Bedeutung sind nun aber die Ver¬
schiedenheiten der Ausgaben von 1604 und 1616. Schon das
Personenverzeichnis zeigt einen Zuwachs: Raymond, king of
Hungary, Bruno, duke of Saxony (diese beiden Personen sind
ein und dieselbe); der Ritter, dessen Haupt Faust mit dem
Hirschgeweih ziert, heisst Benvolio, auch treten zwei Genossen
von ihm auf: Frederick, Martino, gentlemen. Auch die Zahl
der Clowns ist um den carter und die hostess vermehrt. Aus
dem Cardinal of Lorrain ist ein Bishop of Rheims geworden.
Das Bestreben des späteren Bearbeiters, seine Gelehrsam¬
keit zu zeigen, hat offenbar die Vergrösserung desjenigen Chor¬
gesangs veranlasst, in dem Fausts Reise durch das Firmament
geschildert worden ist: es kommen hier 13 Zeilen hinzu*).
*) Cunn. p. 69. He views the clouds, the planets and the stars,
The tropic zones, and quarters of the sky,
From the bright circle of the horned moon,
Even to the height of Primum Mobile,
And whirling round with this tireumference,
Within the concave compass of the pole,
From East to West his dragons swiftly glide,
And in eight days did bring him home again:
Not long he stayed within his quiet house,
To rest his bones after his weary toil;
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48
ScHMID
Der Vermehrung des Personen Verzeichnisses entspricht der
Zuwachs von sechs bis sieben durchaus neuen Scenen, die sich
wohl dem oben skizzirten Gange der Handlung anschliessen,
von denen sich aber doch in der Quarto von 1604 keine Spur
findet. Zunächst spielen die beiden Genossen dem Papste
noch einen zweiten Streich. Während die beiden in der oben
angegebenen Weise sich in des hlg. Vaters Behausung ge¬
schlichen haben, tritt der Papst mit seinem ganzen Gefolge
in hoher Prozession ein und führt den Sachsenherzog Bruno
in Ketten mit sich. Dieser Bruno ist vom deutschen Kaiser
zum Gegenpapst gewählt, aber von Adrian in einer gewaltigen
Schlacht besiegt worden, zu deren Feier Faust und Mephisto¬
pheles nach Rom gekommen sind. Nachdem Se. Heiligkeit
den Stuhl Petri von Brunos Rücken bestiegen, fordert er die
Cardinäle von Frankreich und Padua auf, aus den Statuten
des Tridentiner Concil die Strafe für den zu bestimmen, der
sich ohne geordnete Wahl die päpstliche Würde angemasst
habe. Faust und Mephistopheles folgen den beiden Kirchen-
ftirsten und kommen bald in ihrer Gestalt zurück. Die Sen¬
tenz lautet auf Tod durch Feuer. Der Papst, ganz zufrieden
mit dem Ausspruch, übergibt den beiden Bruno und die päpst¬
liche Krone. Kaum aber haben sie den Saal verlassen, so
kommen die beiden wirklichen Prälaten und wollen nun ihren
Urtheilspruch verkünden. Der Papst unterbricht sie unge¬
duldig und fragt nach Bruno und der Krone, deren Empfang
jene natürlich leugnen. Dafür werden sie ins Gefangniss ge¬
worfen; von dem unsichtbar zurückkehrendeu Faust aber er¬
fahren wir, dass Bruno • auf einem Zauberpferde nach Deutsch¬
land zurückgekehrt ist Darauf folgt dann die oben beschriebene
Banketscene.
Weder die Geschichte, noch das Faustbuch gaben zu dieser
Scene Veranlassung, bis jetzt ist mir auch nicht gelungen,
irgend eine Quelle für die dargestellten Begebenheiten zu finden.
Die Zeiten Karls V. lagen durchaus noch nicht so fern, als
dass die Fälschung der Geschichte Glauben gefunden haben
But new exploits do hail him out again:
And mounted tben upon a dragons back,
That with bis wings did part tbe subtle air...
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Marlowes Faust u. sein Verhältnis z. d. deutsch, u. engl. Faustbüchern. 49
könnte, denn ein ähnliches Ereigniss hat zu Zeiten Karls V.
nicht stattgefunden. Noch unglücklicher aber erscheint der
Zusatz, wenn wir beachten, dass die Befreiung eines Menschen,
wie gross auch dessen Unschuld sein mag, dem Charakter
des Mephistopheles durchaus nicht entspricht, da Faust ihm
ausdrücklich hat versprechen müssen, keinen Menschen zu
lieben. Endlich aber ist die Sprache so schwülstig und über¬
trieben, dass sie zu dem kurzen schlagenden Ausdruck der
ursprünglichen Scenen kaum passt.
Glücklicher ist eine zweite Gruppe von Erweiterungen.
Nachdem Faust von Rum nach Deutschland zurückgekehrt ist,
wird er vor den Kaiser geführt und legt ihm die oben er¬
wähnte Probe seiner Geschicklichkeit ab, straft auch einen
Edelmann des Herrschers für seine höhnenden Bemerkungen.
Schon dass diesem Ritter in dem Personenverzeichniss der
späteren Quarto ein Name beigelegt ist — Benvolio — und
dass zwei seiner Freunde erwähnt werden, liess es erwarten,
dass hier ein Ausbau des Stückes stattfinden werde. Diese
Erweiterung war durch das Faustbuch indiciert, das im Chap.
XXXI erzählt: How the above mentioned knight went about
to be revenged on Faustus. Diese Erzählung hat der Bear¬
beiter in folgender Weise benutzt: Kaum hatte Faust den
Schmuck von Benvolios Haupt entfernt, so beschloss dieser,
sich dafür zu rächen, legte sich mit seinen Genossen Frederick
und Martino in einen Hinterhalt und stellte in einem benach¬
barten Wald Soldaten auf. Faust kommt; da springt Benvolio
vor und schlägt ihm das Haupt ab. Aber während sie be-
rathen, welchen Schimpf sie dem Leichnam anthun wollen,
erhebt sich Faust, ruft seinen getreuen Diener und befiehlt
ihm, den einen durch einen Sumpf zu ziehen, den zweiten
durch Busch und Dorn zu schleifen und den dritten einen
steilen Abhang hinunter zu rollen. Gegen die Soldaten stampft
er eine Armee aus dem Boden. Zerfetzt und zerschlagen
kehren die drei Genossen zurück, und wiederum sind ihre
Häupter mit Hörnern geziert. Die grössere Rolle, die diese
drei Ritter in dem Stück zu spielen hatten, veranlasste ausser¬
dem den Bearbeiter, ihnen schon eine frühere Scene zu widmen.
Frederick und Martino bereiten den Saal zum Empfang des
Jahrb. f. rom. u. engl. Literatur. N. F. II. 4
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50
ScHMlD
Kaisers vor, während Benvolio, der, um die glückliche Wieder¬
kehr Brunos zu feiern, zu tief ins Glas gesehen hat, in einem
Fenster des Palastes schläft (cf. Chap. XXX des engl. Faust¬
buchs). Der enge Anschluss an die ursprüngliche Erzählung
bringt hier aber den Dichter in Verlegenheit. Man hört den
halb wachen Benvolio nicht nur die Reden Fausts spottend
unterbrechen; man sieht ihn auch wieder einschlafen und wird
ergötzt durch seine Bemühungen, das während des Schlafes
gezierte Haupt aus dem Fenster zurückzuziehen. Das müsste
doch wohl für die Aufführung einige Schwierigkeit verursachen.
Im Uebrigen ist gegen diese Erweiterung des ursprünglichen
Stückes wenig einzuwenden.
Auch eine dritte Gruppe von Erweiterungen schliesst sich
eng an das Faustbuch an. Sie vermehrt die Clownsscenen
und entspricht dem Chap. XXXV: How Faustus eat a load
of hay und Chap. XXXVH: How Faustus served the drunken
clowns. Robin und Dick sind von Mephistopheles wegen ihrer
Keckheit bestraft worden und suchen nun Faust, um sich an
ihm zu rächen. Unterwegs treffen sie den Rosstäuscher und
einen Fuhrmann, eben jenen, dem Faust ein Fuder Heu auf¬
gegessen hat. In der Weinlaune verbünden sie sich mit der
Wirthin und begeben sich auf das Schloss des Herzogs von
Anhalt, wo Faust sich eben befindet. Sie werden eingelassen
und stellen Faust zur Rede, werden aber damit bestraft, dass
Faust alle inmitten ihrer Rede stumm zaubert. Die Anfügung
ist hier mit gelegentlicher Benutzung des Faustbuchs durch¬
aus geschickt.
Endlich bleiben noch zwei kleine Erweiterungen zu er¬
wähnen. In der letzten Scene wird Fausts Monolog durch
einen abermaligen Besuch des Mephistopheles *) und durch eine
*) p. 83. F. 0 thou bewitching fiend! ’twas thy temptation
Hath robbed me of etemal happiness.
M. I do confe88 it, Faustus, and rejoice
’T was I, that when thou wert i’ the way of heaven,
Dammed up tby passage; when thou tookst the book
To view the scriptures, then I turned the leayes,
And led thine eye . . .
What, weep ’st thou! ’t is to late ,despair‘ — Farewell!
Fools that will laugh on earth must weep in hell.
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Marlowes Faust u. sein Verhältnis z. d. deutsch, u. engl. Faustbüchern. 51
nochmalige Erscheinung der beiden Engel, die ihm Himmel
und Hölle zeigen, unterbrochen. Die höhnische Rede des Teu¬
fels vermehrt das Grausen, das Fausts Ende im Zuschauer
hervorbringt; aber der Blick auf Himmel und Hölle kann nur
dazu dienen, die Illusion zu stören und den furchtbaren Emst
der letzten Scene ins Lächerliche zu ziehen. Sie ist offenbar
eingeschoben worden, um die Decoration eine grössere Rolle
spielen zu lassen, und bliebe besser weg.
Diese Ausgabe von 1616 bildet nun die wesentliche
Grundlage aller späteren, wenn auch die von 1663 in meh¬
reren Punkten von ihr ab weicht*). Doch geht aus dem Vor¬
hergehenden hervor, dass die Quartoausgabe von 1604 dem
ursprünglichen Text am näclisten kommt. Veränderungen
waren freilich schon hier vorgenommen, denn nach Henslowe
haben Th. Decker und später Will. Bird und Sam. Rowley
für vorgenommene Aenderungen Remunerationen empfangen.
Wir müssen daher wohl darauf verzichten, die ursprüngliche
Form des Stückes hergestellt zu sehen, und müssen uns an
die vorliegende Ausgabe von 1604 halten**).
Wie verhält sich nun diese älteste Ausgabe des Trauer¬
spiels zum englischen und deutschen Faustbuche? Die eng¬
lischen Literarhistoriker und Biographen Marlowes nehmen
es mit dieser Frage sehr leicht: für sie existiert der Unter¬
schied zwischen dem englischen und deutschen Faustbuch nicht.
Dyce sagt p. XXII: „Certain it is, that Marlowe has closely
followed the prose history of Dr. Faustus“ und glaubt mit
Payne-Collier, dass die im Februar 1588 gedruckte bailad of
the life and death of Dr. Faustus die prosaische Erzählung
*) Dieselbe Ausgabe oder sehr nah verwandte sind von W. Müller
(Scheible’s Kloster V, 2, Sttg. 1847), von A. Böttger (Lpzg. 1867) und
endlich von Dr. A. v. d. Velde (Breslau 1850) ihren Uebersetzungen zu
Grunde gelegt worden.
**) Wenn Dr. v. d. Velde (Marlowes Faust, Breslau 1870) p. 37 am
Schluss seiner Anmerkung sagt: „Nach der Ausgabe von 1616 hat sich
auch A. Dyce im Allgemeinen gerichtet; doch hat dieser, wie Böttger
sagt, das Stück an einigen Stellen nach der ersten Ausgabe von 1604
verbessert“, so scheint derselbe von einer Ausgabe beider Redaktionen
nichts zu wissen, ja überhaupt die Dyce’sche Ausgabe nicht zu kennen.
4*
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52 Sensu n
sei. Achim von Arnim in der Vorrede zu W. Müllers Ueber-
setzung erwägt mehrere Möglichkeiten, wie Marlowe seinen
Stoff habe bekommen können, ohne zu einem bestimmten Re¬
sultat zu kommen. A. Böttger*) erkennt auch an, dass Mar¬
lowe seinen Stoff aus dem Faustbuche genommen. Er sagt:
„Die altenglischen Volksbücher von Faust und Wagner, die
Thoms 1828 wieder abdrucken liess, bestätigen vollkommen
die Uebersetzung aus dem ältesten Faustbuche. Auch Mar¬
lowe folgte dieser Quelle"; ob dem englischen oder dem deut¬
schen Buche, bleibt unbestimmt. Bodenstedt (William Shak-
speare, Lpzg. 1871), entscheidet sich ohne weitere Ausführung
der Gründe für das deutsche Original (p. 36): „Das älteste
deutsche Faustbuch datirt au% dem Jahre 1587, und wahr¬
scheinlich entstand Marlowes tragische Geschichte des Dr.
Faustus schon im Jahre 1588. Alles spricht dafür, dass der
Dichter seinen Stoff unmittelbar aus dem deutschen Volksbuch
und nicht aus englischen Uebersetzungen geschöpft habe"**).
Dr. v. d. Velde***) hat die Frage einer gründlicheren Unter¬
suchung unterworfen und kommt zu der Ueberzeugung, „dass
Marlowe das Spiess'sche Volksbuch selbst gekannt und aus
dem deutschen Originale den Stoff zu seinem Stücke entnom¬
men habe"f). Die dafür angeführten Gründe aber scheinen
mir nicht stichhaltig. Zunächst bemüht sich der Verfasser
nachzuweisen, dass unter der am 28. Februar 1587(88?) zum
Druck beförderten „ bailad w weder das Marlowe’sche Stück,
noch eine englische Uebersetzung des Faustbuchs verstanden
werden können, allenfalls die auch von Cunningham p. 307
abgedruckte Ballade: The judgement of God showed upon one
John Faustus, Doctor in Divinity. Als Argument bringt er
vor, dass das deutsche Faustbuch erst Ostern 1587 in Frank-
*) a. a. 0. p. IX.
**) Auch der neueste Herausgeber des „Volksschauspiels Doctor
Johann Faust“, C. Engel (Oldenburg 1874), stellt ohne weitere Begrün¬
dung die Behauptung auf (p. 24): „Marlowe arbeitete seinen Faust nach
dem ältesten deutschen Faustbuche, welches im Jahr 1687 bei Johann
Spiess zu Frankfurt a. M. erschien/ 4
***) a. a. 0. p. 23.
t) a. a. 0 . p. 26.
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Marlowes Faust u. sein Verhältnis z. d. deutsch, u. engl. Faustbüchern. 53
furt erschienen sei. Trotzdem er nun zugibt, dass Collier, der
als Druckjahr der ballad 1588 angibt, ein genauer Kritiker
ist, gibt er aber der Düntzer’schen Angabe (1587) den Vorzug
und weist damit die Vermuthung Payne-Colliers zurück. Er
vermuthet nun weiter, „dass ins Vaterland zurückkehrende eng¬
lische Schauspieler das deutsche Faustbuch vor 1588 nach
England hinüber gebracht und dort verbreitet haben“. Da¬
gegen lässt sich nichts einwenden. „Allerdings, heisst es wei¬
ter*), scheint die älteste englische Uebersetzung des Volks¬
buchs von späterem Datum zu sein, da der Titel auf eine
schon verbesserte und vermehrte deutsche Originalausgabe
hinweist, vielleicht auf die bei Peter No. 78 aufgeführte, 1589
erschienene “ Dieser Schluss wird aus den auf dem Titel des
englischen Faustbuchs stehenden, etwas unklaren Worten ge¬
zogen: Newly printed, and in convenient places, impertinent
matter amended, according to the true copy, printed at Frank¬
ford; and translated into English by P. R. Gent. Mir scheinen
diese Worte etwas anderes zu bedeuten, als dass der Ueber-
setzer eine spätere deutsche Ausgabe benutzt hat, Er, der
offenbar die echte Frankfurter Ausgabe vor sich gehabt hat,
wäre doch unklug gewesen, hätte er die schlechtere Ausgabe
seiner Uebersetzung zu Grunde gelegt. Ich möchte das „newly“
lieber durch „von neuem“ übersetzen und wir hätten dann
hier nicht die älteste, sondern mindestens die zweite Ausgabe
des englischen Faustbuchs vor uns. Die folgenden Worte
scheinen mir dann zu besagen, dass die erste Ausgabe (die
vielleicht aus dem Plattdeutschen [Peter No. 75] oder aus dem
Niederländischen [Peter No. 76] übersetzt war)**) einige Fehler
enthalten habe, die jetzt bei der zweiten Auflage nach dem
Frankfurter Originaldrucke abgestellt sind. Somit würde von
dieser Seite kein Hinderniss im Wege stehen, dass Marlowe
die englische Ausgabe benutzt hat. Ja, selbst wenn der eng¬
lischen Uebersetzung die von Peter No. 78 aufgeführte deutsche
*) a. a. 0. p. 24.
**) Schon Achim von Arnim schliesst in seiner Vorrede zu W. Mül¬
lers Uebersetzung (Scheible, Kloster V, 926) aus der Verwandlung des
Namens Anhalt in Vanholt, dass der Stoff aus Niederland nach England
gekommen sei.
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54
SCHMID
Ausgabe zu Grunde läge, so wäre noch kein Grund anzuneh¬
men, dass Marlowe, der erst 1593 starb, dieselbe nicht benutzt
haben sollte. — Somit bleibt denn Dr. v. d. Veldes letzter
Grund zu untersuchen. „Jedenfalls hat aber Marlowe, heisst
es*), diese älteste uns bekannte englische Uebersetzung nicht
benützt, da dieselbe nach Düntzers Angabe unter anderem die
ira 47. Capitel des Spiess'schen Volksbuchs enthaltene Erzäh¬
lung, ,wie Faustus frisst ein fuder häuw‘, nicht wiedergibt,
Marlowe aber diesen Zug aus Fausts Leben in seine Tragödie
verflochten hat.“ Hier finden sich nicht weniger als drei Irr-
thümer! Erstens steht die Erzählung nicht im 47., sondern
im 40. Capitel; zweitens fehlt sie im englischen Faustbuch
nicht, sondern steht Chap. XXXV, pag. 98, und ist hier unten
abgedruckt**); drittens ist diese Erzählung in der Quarto von
1604 nicht erwähnt, sondern ein späterer Zusatz (vgl. oben
die Inhaltsangabe). So scheinen mir denn alle Gründe für
die von Dr. v. d. Velde aufgestellte Behauptung hinfällig!
Ein endgültiges Resultat scheint mir allein durch eine genaue
Vergleichung der drei Stücke erreicht werden zu können: er¬
gibt sich daraus, dass an mehreren Stellen zwischen Marlowe
imd dem engl. Faustbuch eine übereinstimmende Abweichung
vom deutschen Faustbuch stattfindet, so sind wir wohl be-
*) a. a. 0. p. 24.
**) Ch. XXV. How Dr. Faustus Eat a Load of Hay.
Dr. Faustus being at a town in Germany called Zwickow, where he
was accompanied with many doctors and masters, and going forth to
walk after supper, they met with a clown that drew a load of hay. Good
even, good fellow, said Faustus to the clown, what shall I give thee,
to let me eat my belly-full of hay? The clown thought with himself,
what' a mad man is this to eat hay? Thought he with himself, thou
wilt not eat much: they agreed for three farthings he should eat as
much as he could; wherefore Dr. Faustus began to eat, and so raven-
ously, that all the rest of the Company feil a laughing; blinding so the
poor clown, that he was sorry at his heart, for he seemed to eaten
more than half of the hay; wherefore the clown began to speak him
fair, for fear he should have eaten the other half also: Faustus made as
though he had pity on the clown, and went away: when the clown came
in the place where he would be, he had his hay again, as he had be¬
töre, a full load.
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Marlowes Faust u. sein Verhältnis z. d. deutsch, u. engl. Faustbüchern. 55
rechtigt anzunehmen, dass dem Mario we’sehen Stück das eng¬
lische Faustbuch zu Grunde liegt. Nur ein einziges Mal stim¬
men Marlowe und das deutsche Faustbuch abweichend vom
englischen. In Fausts Reisebeschreibung haben Marlowe (p.
208) und das deutsche Faustbuch (c. XXVI) Trier, während
das englische (c. XXII) Trent hat.
In folgenden Stellen aber stimmt Marlowe mit dem eng¬
lischen Faustbuch im Gegensatz zum deutschen überein.
Beide nennen Fausts Geburtsort: Rhodes*), im Deutschen
Roda.
Die Verschreibung enthält in beiden englischen Werken
5 Artikel, im deutschen sechs. Noch dazu stimmen die eng¬
lischen Ausdrücke fast wörtlich überein und weichen im letz¬
ten Satze gleichmässig merkwürdig vom Deutschen ab**).
*) Cunn. p. 288. I
Marlowe.
**) P. 294.
On these conditions
following First, thal F.
may be a Spirit in form
and substance.
Secondly that M. shall
be his servant and at
his command.
Thirdly shall do for
him and bring him
whatsoever he desires.
Fourthly, that he shall
be in his chamber or
house invisible.
Lastly that he shall
appear to the said John
F. at all times, and in
I.F. B. c. 1.
Engl. F. B.
Ch. IV.
1. That he might be
a spirit in shape and
quality.
2. That Mephistophi-
les should he his ser¬
vant at his command.
3. That Mephistophi-
les should bring him
anything, and do for
him what soever he de-
sired.
4. That all times he
would be in the house
invisible to all men, ex-
cept only to himself,
and at his command,
to show himself.
5. That M. should at
all times appear at his
command, in what form
Deutsch. F. B.
C. 4.
Erstens, dass er auch
der Geschicklichkeit,
Form und Gestalt eines
Geistes möchte theil-
haftig werden, oder sie
annehmen können.
Zweitens, dass der
Geist Alles thun wolle,
was er begehre, oder
von ihm haben wolle.
Drittens, dass er ihm
beflissen, unterthänig
und gehorsam sein wolle
wie ein Diener.
Viertens, dass er sich
allezeit, so oft er ihn
fordere oder rufe, in
seinem Hause solle fin¬
den lassen.
Fünftens, dass er in
seinem Hause ungese¬
hen walten und sich
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56
SCHMID
In der Unterredung mit Mephistopheles lässt sich, wie
oben ausgeführt ist, Faust über die Natur und Bewegung
Marlowe.
what form or shape so
ever he pleases.
J. John F. of Werten¬
berg, Dr. by these pre-
sents do give both body
and soul to Lucifer,
Prince of the East, and
his Minister, Mephisto¬
philes; and furthermore
grant unto them, that
twenty-four years being
expired, the articles ab-
oye written being in-
violate, ful power to
fetch or carry the said
J. F., body and soul,
flesh, blood as goods
into their habitation
wheresoever.
Engl. F. B.
or shape soever he
would.
Ch. VI.
— now have I, Dr.
Faustus, to the hellish
prince of Orient and his
messenger Mephistophi¬
les, given both body
and soul-Farther,
I do covenant and grant
with them by these pre-
sents, that at the end
of twenty - four years
next ensuing, the date
of this present letter,
they being expired, and
I in the mean time,
during the said years,
be served of them at
my will, they accom-
plishing my desires to
the full in all points as
we are agreed: that
then I give them all
power to do with me
at their pleasure, to
rule, to send, fetch or
carry me or mine, be it
either body, soul, flesh,
blood or goods into
their habitation, be it
wheresoever...
Deutsch. F. B.
von Niemand denn von
ihm, sehen lassen wolle,
es wäre denn sein Wille
und Geheiss.
Und endlich, dass er
ihm so oft er ihn for¬
dere und in der Gestalt,
in welcher er ihm be¬
fehlen wurde, erschei¬
nen wolle.
C. 6.
... so habe ich mich
gegenwärtigem deshalb
zu mir gesandten Geiste,
der sich Mephostophiles
nennet, ein Diener dess
hellischen Printzen im
Orient, mich unterge¬
ben, - dagegen
aber ich mich hinwider
gegen ihme verspriche
und verlobe, dass so 24
jahr, von dato diss Brieffs
an, herumb und fürüber
gelauffen, er mit mir
nach seiner Art unnd
weiss, seines gefallene,
zu schalten, walten, re¬
gieren , führen, gut
macht haben solle, mit
allen, es sei Leib, Seel,
Fleisch, Blut und gut,
unnd das in sein ewig-
keit...
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Marlowes Faust u. sein Verhältniss z. d. deutsch, u. engl. Faustbüchern. 57
der Himmelskörper unterrichten, und kommt dann zu der
Frage, wer die Welt gemacht habe. Bei Marlowe und im
E.F.B. verweigert Mephistopheles die Antwort; im Deutschen
gibt er eine falsche. Die folgende Scene schliesst sich in den
beiden englischen Werken eng an das vorhergehende an; im
deutschen stehn sie ausser jedem Zusammenhang*).
Marlowe.
*) P. 296.
F. Teil me who made
the world.
M. I will not.
F. Sweet M. teil me.
M. Move me not, for I
will not teil thee.
F. Villadn, have I not
bound thee to teil
me anyhting.
M. Aye, that is not
against our king-
dom; but this is.
Think thou on Hell,
F., for thou art dam-
ned.
F. Think F. upon God,
that made the world.
M. Remember this
(Exil)
Enter Lucifer, Beel¬
zebub and Mephisto-
philis.
Luc. We come to teil
thee thou dost in-
jure us;
Thou talkst of Christ
contrary to the pro-
mise;
Thou shouldst not think
of God. think of the
Devil.
Engl. F. B.
Ch. XIX.
At which words the
spirit stole away the
heart of Faustus, who
spake in this sort: Me¬
phistophiles , teil me
how and after what sort
God made the world,
and all the creatures in
it? and why man was
made after the image
of God? The spirit hear-
ing this, answered Fau¬
stus, Thou knowest that
all this is in vain for
thee to ask: I know
that thou art sorry for
what thou hast done,
but it availeth thee not;
for I will tear thee in
a thousand pieces if
thou change not thy
opinions and hereat he
vanished away. Whereat
F. all sorrowful that he
had put forth such a
question, feil to weep-
ing and to howling bit-
terly, not for his sins
towards God, but that
the devil was departed
from him so suddenly
in such a rage. And
being in this perplexity,
he was suddenly taken
with such extream cold,
Deutsch. F. B.
C. 22.
Auf diese Weise hatte
der Geist Dr. Faust das
Herz abgewonnen, und
so sagte ihm denn Faust,
er solle ihm Bericht ge¬
ben über die Erschaf¬
fung der Welt und die
erste Geburt des Men¬
schen. Hierauf gab ihm
der Geist einen gott¬
losen und falschen Be¬
richt und sagte: Die
Welt, Faust, ist unge¬
schaffen und unsterb¬
lich. So ist auch das
menschliche Geschlecht
von Ewigkeit her ge¬
wesen und hat anfangs
keinen Ursprung ge¬
habt, und hat es sich
selbst erhalten müs¬
sen, und das Meer hat
sieh von der Erde ge¬
schieden. Sie haben sich
freundlich mit einander
geeinigt, als wenn sie
reden könnten; die Erde
begehrte vom Meer seine
Herrschaft über Aecker,
Wiesen, Wälder und
über das Gras od. Laub,
und das Wasser hinge¬
gen forderte die Fische
und was in dem Wasser
ist. Allein Gott haben
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58
ScHMIP
\
\
Der Reisebericht Fausts enthält eine so grosse Anzahl
Stellen, in denen Marlowe mit der englischen Bearbeitung
Marlowe.
Engl. F. B.
as if he would have
frozen in the place
where he säte, in which
the devil appeared unto
him, with certain of his
hideous and infernal
Company, in most ugly
shapes, that it was im-
possible to think upon;
and traversing the cham-
ber round about where
Faustus säte, F. thought
to himself, Now are
they come for me, though
my time be not come,
and that, because I have
asked such questions of
my servant Mephisto¬
philes: at whose cogi-
tations the chiefest de-,
yil, which was the lord
unto whom he gave his
bouI, that was Lucifer,
spake in this sort: Fau¬
stus, I have seen thy
thoughts, which are not
as thou hast vowed unto
me by the virtue of this
letter; and shewed him
the Obligation, which
he had written with his
own blood; wherefore
I am come to visit thee
and to show thee some
of our hellish pastimes.
Deutsch. F. B.
sie zugegeben, den Men¬
schen und den Himmel
zu erschaffen, so dass
sie zuletzt Gott unter-
thänig sein müssen. Aus
dieser Herrschaft ent¬
sprangen vier Herrschaf¬
ten, die Luft, das Feuer,
Wasser und Erde. An¬
ders und kürzer kann
ich Dich nicht berichten.
Doctor Faust dachte
darüber nach, und die
Bache wollte ihm nicht
in den Eopf, da er das
erste Capitel der Genesis
gelesen, worin Moses es
anders erzählt. Doch
sagte er nicht viel da¬
gegen.
C. 23.
Dr. Fausts Fürst und
rechter Meister kam ei¬
nes Tages zu ihm und
wollte ihn besuchen. Dr.
Faust erschrak nicht
wenig vor seiner Gräu-
lichkeit. Denn obgleich
es Sommer war, so
strömte doch eine so
kalte Luft von dem Teu¬
fel aus, dass Dr. Faust
meinte, er müsse erfrie¬
ren. Der Teufel, der sich
Belial nannte, sprach zu
Dr. Faust: „Um Mitter¬
nacht, als Du erwach¬
test, habe ich Deine Ge¬
danken gelesen, dass Du
gern einige der vor-
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Marlowes Faust u. sein Verhältniss z. d. deutsch, u. engl. Faustbüchem. 59
übereinstimmt, und von dem deutschen Original abweicht,
dass dieses Capitel allein für vollständig genügend gelten kann,
um die Beziehungen Marlowes zum englischen Faustbuch
ausser Zweifel zu setzen. Ich gebe unten die Stellen mit
einigen Auslassungen an*).
In der Beschreibung der Stadt Rom fehlt im deutschen
Faustbuch St. Angelo mit seinen „Stücken“ und die Pyramide,
Marlowe.
*) P. 298.
-Then up to
Naples, rieh Campania,
Whose buildings fair and
gorgeons to the eye,
The streets straight
forth, and paved with
finest brick,
Quarter the town in four
equivalents:
There saw we leamed
Maro’s golden tomb,
The way he cut an Eng-
lish mile in length
Thorough a rock of
stone in one night 1 s
space;
From thence to Yenise,
Padua, and the rest,
In one of which a sump-
tuous temple Stands,
That threats the stars
with her aspiring top.
Engl. F. B.
ch. xxn.
— But went into rieh
Campania, in the king-
dom of Neapoly, in which
he saw an innumer-
able sort of cloysters,
nunneries and churches,
and great houses of
stone, the streets fair
and large, and streight
forth from one end of
the town to the other
all alike, and all the
pavement of the city
was of brick, and the
more it rained in the
town, the fairer the
streets were; there saw
he the tomb of Virgil,
and the highway that
he cut through the migh-
ty hill of stone in one
night, the whole length
of an English mile . . .
(Folgt die Beschreibung
des Castells und des Ve¬
suvs) .. From thence he
came to Venice — Pa¬
dua .... Then saw he
the worthiest monument
Deutsch. F. B.
nehmsten höllischen
Geister sehen möch¬
test ....
C. 26.
— — sondern ging
nach Campanien in die
Stadt Neapel, worin er
unzählig viel Klöster
und Kirchen und grosse
und herrlich ausgestat¬
tete Häuser gesehen,
dass er sich darob ver¬
wundere. (Folgt die Be¬
schreibung des Castells
und des Vesuvs.)
Hierauf fiel Faust Ve¬
nedig ein.Weiter
in Welschland kam er
nach Padua.... Auch
gibt es dort eine Kirche
des hlg. Antonius, deres
Gleichen in ganz Italien
nicht gefunden wird.
Ferner kam Faust nach
Rom.
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60
ScHMID
die Cäsar aus Egypten gebracht hat, deren das E. F. B. und
Marlowe Erwähnung
Marlowe.
*) p. 298.
M. Know that this city
Stands upon seven
hüls
That underprop the
ground work of the
Same:
Just through the midst
runs flowing Tiber’8
atream,
With winding banks
that cut it in two
parts:
Over the which four
stately bridges lean,
That make safe passage
to each part of Rome:
Upon the bridge called
Ponte Angel o
Erected is a castle pass-
ing strong,
Within whose walls
such störe of ordnan-
ce are
And double canons form-
ed of carved brass,
As match the days with¬
in one complete year;
Besides the gates and
high pyramides
Jülich Julius Caesar
brought from Africa.
thim *).
Engl. F. B.
in the world for a church,
named St. Anthony’s
cloyster, which for the
pinacles thereof, and
the contrivement of the
church, has not the like
in christendom.
Ch. XXII.
Well forward he went
to Rome, which lay and
doth yet lie on the river
Tybris, the which devi-
deth the city into two
parts; over the river ar
four great stone bridges,
and upon the one brid¬
ge, called Ponte S. An-
gelo, is the castle of
St. Angelo, wherein are
so many great cast pie-
ces, as there are days
in the year, and such
pieces as wül shoot se¬
ven bullets of with one
fire:... (Folgt die Be¬
schreibung der Peters-
kirche — des Campo
Santo — Kirchhofs von
St. Peter.)
.... where he saw that
pyramid that Julius Cae¬
sar brought from Africa.
(Folgen die Namen meh¬
rerer Kirchen, die Was¬
serleitung > dann sein
Auftreten in des Papstes
Palast.)
Deutsch. F. B.
c. 26.
Ferner kam Faust
nach Rom, welches am
Fluss Tiber liegt, der
mitten durch die Stadt
fliesst. Auf der rechten
Flussseite umfasst die
Stadt sieben Berge, sie
hat 11 Pfordten und
Thore, den Vatican, ei¬
nen Berg worauf Sankt
Peters Dom steht. Da¬
bei liegt der Palast des
Papstes, welcher herr¬
lich von einem schönen
Lustgarten umgeben ist
und dabei die Lateran¬
kirche, welche auch die
apostolische Kirche ge¬
nannt wird: in dersel¬
ben befinden sich aller¬
lei Heiligthümer, wie
sie überhaupt eine köst¬
liche und in der ganzen
Welt berühmte Kirche
ist. Ingleichen sah er
viele alte, heidnische
Tempel, Säulen und Bö¬
gen, welches alles zu
erzählen zu lang wäre,
so dass Faust seine Lust
und Kurzweü daran sah.
(Folgt sein Auftreten in
des Papstes Palast.)
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Marlowes Faust u. sein Verhältniss z. d. deutsch, u. engl. Faustbüchern. 61
Für das Bekreuzigen wird der Papst in den englischen
Werken mit einem Schlage bestraft, (— E. F. B.: smote
the pope on his face —) im deutschen heisst es: „bliess
Dr. Faustus ihm in das Angesicht.“ Bei der darauf vorge¬
nommenen Beschwörung des Geistes heisst es im E. F. B.:
to curse him with bell , book and candle , eine Wendung, die
sich auch bei Marlowe findet, wo Mephistopheles sagt: We
shall be cursed with bell, book and candle.
Als der Kaiser Faust um eine Probe seiner Kunst ge¬
beten hat, verspricht Faust ihm Alexander und seine Gemahlin
zu zeigen: „in the manner that they both lived in, in theyr ,
most flourishing estate u . Dieser letzte Zusatz stimmt genau mit
dem E. F. B. Ch. XXIX. überein: „but such spirits as have
seen Alexander and his paramour alive, shall appear unto
you in manner and form as they both lived in their most
flourishing time.“ Das D. F. B. sagt nur C. 33: Aber die alten
Geister, welche Alexander und seine Gemahlin gesehen, die
können ihre Form und Gestalt annehmen und sich darin ver¬
wandeln; mit dieser Geister Hülfe will ich Ew. M. Alexander
den Grossen wahrhaftig sehen lassen.
Die angeführten Stellen scheinen es mir vollständig klar
zu legen, dass Marlowe das E. F. B. nicht nur gekannt, son¬
dern dass er es zu seiner Tragödie benutzt hat. Wie un¬
scheinbar die Verschiedenheiten auch sein mögen, so ist da¬
bei doch zu bedenken, dass das D. F. B. und E. F. B. im Ganzen
sehr übereinstimmen, und eben deshalb scheinen mir jene Ab¬
weichungen genug zu beweisen. Freilich muss dies Urtheil
mit einer gewissen Vorsicht ausgesprochen werden, da wir
die Fausttragödie in ihrer ursprünglichsten Gestalt ebenso¬
wenig besitzen als meiner oben ausgeführten Ansicht nach
die älteste Ausgabe des englischen Faustbuchs. Alle Glieder
der Kette von dem Spiess'schen Faustbuch bis Marlowe sind
damit freilich noch nicht hergestellt, denn das Verhältniss des
E. F. B. zum D. F. B. ist meiner Ansicht nach noch nicht auf¬
geklärt. Obgleich diese Aufklärung streng genommen nicht
zu meiner Aufgabe gehört, bin ich doch bemüht gewesen, sie
zu Stande zu bringen. An zwei Dingen ist sie gescheitert.
Trotz aller Nachforschungen ist es mir nicht gelungen eine
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62
SCHHID
Ausgabe des D. F. B. von 1592, die Prof. Düntzer in der Hand
gehabt hat, zu erlangen; sie fand sich weder in der Göttinger,
noch in der J. Grimm'schen Bibliothek, wohin ich durch die
Güte des Herrn Prof. Düntzer gewiesen war. Auch weitere
Nachforschungen sind bisher erfolglos geblieben. Auch die
holländische Uebersetzung (Peter No. 76), die aus oben an¬
geführten Gründen einiges Licht über die Sache verbreiten
könnte, ist mir nicht zugänglich gewesen. Benachrichtigungen
und Notizen über die genannten Ausgaben werden mich zu
grossem Danke verpflichten.
E. Schmid.
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Poesies burlesques et satiriques inödites
de
Diego Hurtado de Mendoza.
Juan Diaz Hidalgo, dans Tedition qu'il donna en 1610
des poesies lyriques de Diego Hurtado de Mendoza*), expose
de la manifcre suivante les raisons qui Tont pousse a ne pas
admettre dans son recueil les poesies burlesques et satiriques
du celebre ecrivain: „En sus dbras de burlas (qm por dignos
respectos aqui no se ponen) moströ tener agudeza y donayre,
siendo satirico sin infamia agena, mezclando lo dulce con lo
provechoso. La azanahoria , cana, pülga y otras cosas burlescas
que por su gusto o por el de stis amigos compuso , por no con-
travenir ä la gravedad de tan insigne poeta, no se dan ä la
estampa , y por esto, que ya por no ser tan comunes, serän
mos estimadas de quien las tenga y las conozca , u Cette edition
incomplete est neanmoins la seule qui ait et£ donnee jusqu’ici
des oeuvres lyriques de Mendoza. De nos jours, M. Adolfo
de Castro (Bibi, de aut. esp. t. XXXII) s'est bome ä repro-
duire une partie de ledition de Hidalgo en ajoutant seulement
trois pi^ces dont un sonnet qui avait ete publie par Sedano
dans son Parnaso espanol VHI, 120. M. Ticknor, lui-m^me,
*) Obras del insigne cavallero don Diego de Mendoza, embaxador
del emperador Carlos quinto en Boma recopiladas por Frey Juan Diaz
Hidalgo del habito de san Juan capellan y musico de camara de su
Magestad dirigidas a don Ifiigo Lopez de Mendoza marques de Mondejar
conde de Tendilla senor de la provincia de Almoguera. Afio 1610 . Con
privilegios de Castilla y Portugal. En Madrid por Juan de la Cuesta.
Yendese en casa de Francisco de Eobles, librero del Rey nuestro senor.
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64
A. Morel -Fatio
dont la critique, il est vrai, n'est pas toujours exempte de
Pedanterie, ne parait pas avoir regrette Tabsence d'une partie
importante de Toeuvre de Mendoza dans le recueil de Hidalgo.
S'appuyant sur le sonnet que nous venons de mentionner, il
remarque ( History of spanish Literature I, 517 note): „if a
sonnet printed for the first time by Sedano ( Parnaso espahol
t. VIII, p. 120) is to be regarded as a specimen of those that
were suppresed, we have no reason to complain “
C'est ä M. Ludwig Lemcke que revient Fhonneur d avoir
appele Tattention des amateurs de bonne litt^rature espagnole
sur les poesies burlesques et satiriques de Mendofa. Ce cri-
trique, dans son excellent Handbuch der spanischen Litteratur ,
H, 261, a observe avec infiniment de raison que Hidalgo
nous a probablement prive de la partie la plus remarquable
des oeuvres podtiques de Mendoza, car on est autoris^ ä penser
que Tauteur du Lamrillo de Tormes a dü se montrer parti-
culierement apte ä traiter le genre burlesque. Mais M. Lemcke
n’avait malheureusement ä sa disposition, outre Tedition de
Hidalgo, que le ms. de la Bibi. nat. de Paris, Esp. 8293, oü
le genre en question n’est pas du tout representö*). Plus heu-
reux que M. Lemcke nous avons trouve, ä la m$me bibliotheque,
un ms. contenant un nombre considerable de poesies inedites
de Mendoza. Ce ms. cot6: Esp. 258, du XVIH e siede, porte
le titre parfaitement exact de: Tratado de las obras del famoso
dem Diego de Mendoga , car, bien loin de contenir les oeuvres
completes de notre auteur, il ne nous offire meme pas toutes
les oeuvres lyriques de Tedition de Hidalgo. Les demieres
pages du ms. (f° 233 ä la fin) sont occupees par divers textes
en prose dont nous avons donne ailleurs une notice. Nous
faisons suivre, en les groupant par genres, toutes les po&ies
burlesques et satiriques qui ne se trouvent pas dans Tedition
de 1610. Ces textes seront accompagnes de quelques notes
historiques et philologiques indispensables.
*) L’Ensayo de una biblioteca espahola nous a bien appris (dans
Ylndice du tome II) que la bibliothäque nationale de Madrid poss&de plu-
sieurs mss. de poäsies de Mendoza, mais aucun eompatriote du c^löbre
ambassadeur de Charles-Quint n’a jusqu’ici songd ä livrer ä la publicit^
ce qu’iU renferment d’inddit.
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Po&iea burlesques et satiriques in&lites etc.
65
I. Satiras, odas et elegias.
1. Satira a una alcahueta (fo. 55).
Ay una, quien quisiere sauer della,
Oyga, que Dipsas dicen que se llama,
Es vieja, que holgareis de conoijella.
De los la^os y telas que. ata y trama
Le vino el nombre, que tambien le viene,
De alcagueta y hechizera fama.
Gran mando el sacro Bacho en ella tiene,
Jamas viö el sol que no se hallase llena
Del falemo licor que la entretiene.
Parece que no tiene sangre en vena,
Vieja, arrugada, sucia, fiera y fea,
Que su mißmo semblante la condena.
Sobre todas las artes de Medea,
Las hieryas y las piedras mas patentes
Save mudar en lo que mas desea.
Bolber baze a sus fuentes las corrientes
Y haze al cielo sereno estar nublado
Y al nublado con rayos refulgentes.
Yo vi, si me creeys, el estrellado
Cielo gotas de sangre destilando
Y el horve de la luna ensangrentado.
Pienso questa de noche anda bolando
Entre notumas sombras bruja hecha,
Com pluma el viejo cuerpo cubizando.
Y es fama, y antes tuve yo sospecha
Que goza de doblada vista el ojo
De la putana vieja contrahecba.
Nay de la puede ver que no aya enojo,
Tal es su sucio gesto y mal semblante,
Que pare 9 e diabolico despojo.
Hiende la fria tierra en un instante
Y provoca a las almas del infierno,
De furia no ay a ella semejante.
No se le escapa mna o nino tiemo
Cuya sangre no cbupe, mengue y beva,
Trayendo al diablo siempre en su gobierno.
A do quiera que va, contino lleva
El cuello de un rosario rodeado
Con que las simple^llas mo 9 as lleva,
Jahrb. f. vom. u. engl. Lit, N. F. II. 5
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A. Mokel-Fatio
A dicha o a desdicha fui llegado
A parte do su mal consejo dava,
A quien de hermosas damas es dechado.
Tales palabras la malvada hablava
A la presente dama que tenia,
Yo detras de una puerta la escuchava.
„Bien saves, clara luz del alma mia,
Que ayer te viö y hablo el bei man^ebo
Y dixo que eras toda su alegria.
Mas tal es tu hermosura, tal el 9 ebo
Que tu vista derrama si tuvieras,
Conforme a tu valor, vestido nuevo.
Tan dichosa pluguiera a Dios que fueras,
Como heres mas hermosa que ninguna,
Que yo s6 que qui(^a me socorrieras.
Mas fue te muy contraiia la fortuna
Con la estrella de Marte, pero mira
Que coyuntura viene aora oportuna.
El nuevo y rico am ante que suspira
Por agradarte y muere por servirte,
Y lo que as menester, todo lo mira,
De su hermosura no quiero dezirte
Mas de que me pare^e que debrias
Pedirle, sin del todo a 61 rendirte.
Si fingieses verguen^a medrarias,
Pero, si la tubieses verdadera,
Mucha ganancia se que perderias.
Quando con ojos bajos, a manera
De quien esta confusa, lo mirares,
Has de mirar lo que trae qualquiera.
Rogada tomaras lo que tomares
Con arte y linda astucia y ocultando
Nuestras ne^esidades y pesares.
Las austeras*) Sabinas reusaron,
Reynando Tacio, amar mas que um marido,
Y como en otras cossas no a^ertaron.
Agora es vuestro tiempo ya venido
Con leys mas conformes a la vida,
Que di^en entre otro queste a sido.
*) MS. austicaa.
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Po&ies burlesques et satiriques inädites etc.
67
Casta es la hembra nunca requerida,
Y si simplicidad no la vedase,
Mejor seria pedir que ser pedida.
Resvalase la edad, el tiempo vase,
Dias, meses y anos van corriendo,
Aprieta la occasion, no se te pase.
Yees el metal ussado reluciendo,
El vestido que ussa esta siguro,
La casa no avitada esta cayendo.
Pues de la misma suerte, yo te juro,
La hermosura se pierde no tratada,
Y si se trata, o no, yo la aseguro.
Mas para ser de arrugas conservada
No vasta uno, ni dos, ni quatro amantes
A quien por precio seas entregada.
Si tu quieres creherme, trata antes
A muchos admitir, porque de tan tos
Son ganancias mas ciertas importantes.
Procura repelar a tantos quantos
Cayeren en tus manos, de tal suerte
Que guardes no les des causa de espantos.
A uno di: „senor, esta a la muerte
Mi madre, por su vida, que me embie
Algo con que se torae recia y fuerte.“
La ra 9 on, tiempo, la ocasion te guie,
No te prendas de rimas y sonetos,
En dineros es bien qualquier se fie.
Mira que si tu amante con terijetos
Pretende ha 9 erte paga, vaya fuera
0 trayga fundamentos mas perfectos.
0! si ha 9 erte rica yo pudiera
Con escudos, que es cossa que mas quiero,
Y no con coplas de sutil manera!
Quien tubiere sera mayor que Homero,
Y aquel que mas truxere, si eres cuerda,
En gozar del amor sera el primero.
• Avisote verguen 9 a no te muerda,
Si fueres en entrando requestada,
Admitele, si trae, sin ser lerda.
No te engane el amante que, mostrada
La taija del blason de sus abuelos,
Se quisiere g 09 ar sin darte nada.
5*
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68
A. Morkl-Fatto
Si aca abaxase Appolo de los cielos,
Y pretendiese haverte, y no te diese,
Dirasle que se vaya, porque duelos.
Si alguno, siendo hermoso, te dixese:
„Amame pues que soy de vel figura,“
Cuerda seria quien dellos se riese.
Mientras tiendes las redes, tem blandura,
Has de adquirir el precio, no te buya
Algun am ante, viendo queres dura.
Sienta el enamorado que heres suya,
Mas mira que de balde no lo seas,
Pide quel cora^on te restituya.
Mira que todas vezes no consienta
Tu voluntad, pidiendote posada,
Fingete mal dispuesta o descontenta.
Dir&s questas agora confesada,
Otras bezes diras que por los males
Suplicas que te de por escusada.
Mas mira, que quiija podrian ser tales
Y tantos despedidos que seria
Menguarle en el amor y sus senales.
Dir&sle luego: „calla, yida mia,
Que en no verte me falta mi contento
Y mi pla$er, mi gloria y alegria.“
Tu puerta al que rogare en un momento
Est6 sorda, y abierta al que truxere,
Que todo lo demas es sombra y viento.
Quien contigo esta noche conviniere
Dormir, conviene oya y vea sus quexas
Del que despues del otro entrar quisiere.
Entienda que por 61 a otro dexas
Y si por dicha en algo le offendieres,
Conviene d61 entienda que te quexas.
Hazle entender que solo por 61 mueres,
Pidele 9 elos, ques muy grande indi^io
De amor y dame culpa si perdieres.
De enoxarte no tengas exercicio,
Y si lo hicieres, dura poco en ello,
Que largo enojo saca amor de quicio.
Si enganares a alguno que entendello
El pudo facilmente, tu le jura
Que no tienes de culpa ni un cavello.
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Podsies burlesques et satiriques inddites etc.
69
No temas de jurar, que no es perjura
Ninguna enamorada, que jurando,
Disculparse de su culpa procura.
Los oydos esta Venus 9 errando
A todos los del sacro y alto coro,
Quando un amante esta aca peijurando.
Ten este aviso en mas que plata y oro
Que tengas los criados ensenados
A demostrar que falta tu decoro.
Di tu: „no es menester, desvergon 9 ados,
Calla, que quien me da su amor, no quiero
Me de otros atavios mas preciados.“
Que si el es liveral y da dinero,
Yo te prometo, acuda prestamente
Por presumir y a^er del cauallero.
Hermana, madre y hija diligente
Estd em pedir qualquiera y tu muy tibia
Y veräs el provecho prestamente.
Y quando sientas quel amor se entibia,
Acude con remedios, porque crea
Que con tu amor su mal y pena alivia.
Y trata con tu amante no se vea
Sin otro que competa en los araores,
Quel amador siguro no desea.
Vean dones que embian amadores, .
A quien por el ver&n tienes en nada,
Que yo te digo quel los de mejores.
Y si su volsa fuere tarn clavada
Que no te diere don que les ex 9 eda,
Vayase a pasear sin daüe entrada.
Y si te a dado mucho, lo que queda
Le sacaras con otras imbenciones,
Sin que negarte parte dello pueda.
Pidele que te preste diez doblones,
Y mas, y ofre 9 e prenda, porque crea
Ques ello assi verdad lo que compones.
Despues la paga del prestado sea
Dul 9 es requiebros, hablas en meladas,
Dos mill favores que a los ojos vea.
Si tuvieres mis reglas estudiadas
Yo s6 te acordaras de aquesta bieja
Y de aquestas mexillas arugadas.
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70
A. Morel-Fatio
Si alguna aguja dieres, saca reja,
Y a los que en esas unas te cayeren
Desplumalos riendo y despelleja.
Se que me alavaran las que me creen
Los consejos tan sanos que te e dado
Y se aprovechar&n las que supieren.
Hija, ten en lo dicho gran cuydado
Y acuerdate de mi quando estuvieres
En el prospero y mas dichoso estado.“
Notava yo la astucia de mugeres
Que um punto mas quel diablo diz que saven
Y su saver con todos sus poderes.
Decia tus maldades donde caven,
Bieja astuta, malina mas que entena,
Digna que a ti y no a la madre alaven.
Pasavase la noche y tuve pena,
Porque me descubriö la sombra mia,
Que la conbersacion tuya no es buena.
Apenas en mis pies teuer podia
Mi cuerpo, porque aviendo visto aquello,
Queria tomar vengan^a, y ya queria
Arremeter a su arugado cuello
A dalle muchas co^es y pelalla
Su blanco, desonesto y vil cavello.
Mas no pude, senores, castigalla
Como ella merecia y yo quisiera
Y algun dia procure de negocialla.
A Dios, por quien el es, supplico quiera
Que vivas desterrada y sin gobierno,
Sofriendo summa 4iambre y gran dentera
Perpetua sed y duelo sempitemo.
2. Elegia de la pulga (fo. 77 b ).
Senor compadre, el bulgo de ymbidiosso
Di<je que Ouidio scrive una elegia
De la pulga, animal tan enojoso,
Y miente, que no fu6, ni es, sino mia,
No toda de imbencion, mas traducida
De cierta veneciana fantasia.
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Po^siea burlesques et satiriques inddites etc.
71
Va, mutatis mutandis, anadida,
Porque la traducion muy limitada
Suele ser enfadosa y desabrida.
0 pulga esquiva, fiera y porfiada,
Enemiga de damas delicadas,
Tu que puedes saltar quando te agrada!
Quien tuviese palabras tan limadas,
Bastantes a decir tus maldades,
Fiere 9 as memorables, senaladas!
Tu ha^es pruevas grandes y crueldades,
Y aun creo que tu sola entre animale«
Saves mas que la mona de ruindades.
Hazes atreuimientos, y que tales!
Dexas amancillada una persona,
Que pare 9 en de lepra las senkles,
Por ti el mas cuerdo mas se desentona,
Vives de humana sangre y siempre quieres
Corner a misa, yisperas y a nona.
Entre nosotros vas, y eres quien heres,
Siempre a nuestro pesar, y no ay ninguno
Que se pueda guardar quando le hieres.
No savemos de ti lugar alguno,
Ni eres frayle, abbad, ni monacillo,
Ni hembra, ni varon, ni apenas uno.
Eres una nonada, heres coquillo,
Eres um punto negro y a 9 es cosas
Que no osaran ha 9 erse em Peralvillo.
Das tena^adas asperas, raviosas,
Al rey como al pastor, al pobre, al rico
Y al principe mayor enojar osas.
Picas, no se con que, que todo es chico,
Dexar nos as al menos em picando,
Como dexa el aveja, el cavo y pico.
Esta el hombre durmiendo, esta velando,
Tu sin temor y sin verguen 9 a alguna,
Lo estas con tus picadas molestando.
El simplecillo nino alla en la cuna,
La delicada monja alla en el coro,
A todos tratas sim piedad alguna.
No quieres 9 etro, reyno ni tesoro,
Mas hartaste de sangre de cristianos,
Que no lo ha 9 e un turco, um perro, un moro.
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72
A. Mohel-Fatio
Deritiendo se estan los cortesanos,
Mostrando el pecho abierto ante las damas,
Los higados ardiendo y los libianos.
Y tu, malvada, en medio de sus Hamas,
Los ha^es renegar y reto^erse,
Pudiendolos tomar aH 4 en sus camas.
Ay ha9ana mayor que pueda verse,
Que ver al mas galan, si tu le cargas,
Perdiendo gravedad descomponerse ?
Traydora, si te agradan faldas largas,
Porque dexas los frayles religiosos,
Porque no los molestas y te alargas?
AqueHos son bocados mas sabrosos,
AHi me los den todos tus denuedos, *
Alli puedes ha9er tiros danosos.
Si por tomarte van los hombres quedos,
Quando piensan questas dentro en la mano,
Con un salto te vas dentre los dedos.
El que piensa enganarte es muy liviano,
Porque buelas sin alas, mas ligera
Quel pensamiento de algun hombre vano.
Una ra9on, una palabra entera
Sueles inteiTomper, mientras durmiendo
Te muestras insolente, ayrada y fiera.
0 pulga, a los alanos te eneomiendo,
Que aun esto que decir de ti me resta,
A bocados me bas interrumpiendo.
Pues no os e dicho nada de la fiesta
Que pasa, si se-os entra en una oreja,
AHi es el renegar, mas poco presta.
Alli va susurrando como aveja,
Meteos en el 9elebro una ,tormenta
Qual deveis ya saver, ques cosa vieja.
Mas entremos, o pulga, en otra cuenta,
Y no te maraviUes si me ensano,
Que no es mucho que hombre se resienta.
Dime falsa, cruel, Hena de engano,
Como osas tu Uegar a aquel hermoso
Cuerpo de mi senora, a ha9er dano?
Mientras sueno le da dul9e reposso,
Presumptuosa, tu la est&s mordiendo
Y vas por do pensallo apenas osso.
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Podsies burlesqiies et satiriques inedites ctc.
73
Que libremente estas go9ando y viendo
Aquellos vellos miembros delicados,
Y por do nadie fud, vas discurriendo!
La cuytada se tuer^e a tus bocados,
Mas tu, que vas sin cal^as y sim bragas,
Entras do no entraran los mas osados.
No puede ser malyada que no hagas
Que ser pulga desee, quien sintiere,
Que de embidia el cora^on me llagas.
Parezca mal ä aquel que pareciere,
Yo querria pulga ser, pero con esto
Que me torne a mi ser, quando quisiere.
Porque en aquella forma no ser& onesto,
Ni pudiera agradar a mi senora,
Ni a mi y me quedara hecho un 9esto.
Lo que fuera de mi contemplo aora
Y siento de du^ura deshaceime,
Y aun tal parte ay en mi que se mejora.
Lo primero seria luego asconderme
Debajo de sus ropas y en tal parte
Que me sintiese y no pudiese verme.
Alli me estaria quedo con gran arte,
Miraria aquel cuerpo delicado
Que de rosas y nieve se reparte.
Que falso estaria yo disimulado
Go$ando hora del cuello, ora del pecho,
Andando sin temor de lo vedado!
Un satiro, um priapo estoy ya hecho,
Pensando en aquel bien que g09aria,
Viendola desnudar para ir al lecho.
Quan libremente, que a pla£er veria
Todas aquellas partes, que pensando
Me endere^an alla la fantasia!
Pero quien tanto bien fuese mirando,
Como pudiera estar secreto y quedo
Que aun aora, sin serlo, estoy saltando?
Mas pusierame seso al fin el miedo,
Hasta que se saliesen las criadas,
Que aun esperar, pensandolo, no puedo.
En sintiendo las puertas bien 9erradas,
Dexando aquella forma odiosa y fea,
Siguiera yo de amor otras pisadas.
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74
A. Morel-Fati o
Tornarame luego hombre, y no qualquiera,
Mas un 121090 hermoso y bien dispuesto,
Robusto dentro, rauy galan de fuera.
Llegara muy humilde ante ella puesto,
La boca seca, la color perdida,
Ojos llorosos, alterado el jesto.
Dixerala: „mi alma, entranas, vida,
Mi cora9on, redanos y asadura,
Y asi, como se dize, mi querida.
Yos estais sola, y si quereis, ascuras,
Yo me muero por vos mas a de quanto,
No dexemos pasar estas venturas.“
Pero por no causarla algun espanto,
Antes que la hablara, alguna cosa
Escupiera o tosiera all! entretanto.
Ella mas avisada y maliciossa
Que mula de alquile, entenderia
Por las senas, y el testo por la glosa.
Alli era el desgarrar la parleria
Y el afirmar con treinta juramentos
Que hera todo verdad, quanto diria.
Pintarale mayores mis tormentos
Que la torre quel asno de Nembrote
Comen^ö con tarn banos fundamentos.
No la hablara con furor ni al trote,
Antes grave, piadoso y afligido,
Porque no me tuviese por virote.
Dixerale: „senora, yo e venido
Aqui, solos estamos, sin que alguno
Lo vea, ni jamas sera savido.
Yo soy mo90 y vos mo^a, no ay ninguno
Que nos pueda estorvai’ que nos holguemos,
El tiempo y el lugar es oportuno.“
Mostrara gran pasion, hiciera estremos,
Suspiros, pasmos, lagrimas, cosillas
Con que suelen ve^erse como vemos.
Si la viera sufrir tales eosquillas,
Y callando, mostrar que lo otorgava,
Alli fuera el ha^er las maravillas.
Mas si ayrada la viera o que gritava,
Tornandome a ser pulga en un momento,
Del peligro mayor me asegurava.
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Po<5eies burlesques et eatiriques inddites etc.
75
Alli fuera de ver su desatiento
Quando acudiera gente a soeoreila,
Sin hallar de mi rastro o sentimiento.
Mas siendo como es, savia, hermosa y vella,
Antes quiero creher que tan segura
Ocasion no quisiera asi perdella.
Que no es onestidad, sino locura,
No go$ar hombre del bien questä en la niano,
Sim poner honrra o vida en aventura.
Pero yo os boto a Dios, compadre hermano,
Que si la senoreta no callara,
Que no fuera el' dar boges lo mas sano.
Porque ya podeis ver si re9elara,
Tornandome a ser pulga, y si pudiera
Asentarle diez higas en la cara.
Siendo pulga, bolando, me metiera
Devajo de la ropa y como un fiero
Leon toda a bocados la^comiera.
Y entrarale en la oreja, lo primero,
Hiciera la raviar y por nonada
Entrara em parte a do pensallo muero.
Tuvierala despierta y desvelada,
Y apenas ay en ella alguna cosa
Donde no la asentara una picada.
Y ella ques tan sobervia y enojosa,
Mal ^ufrida, colerica, impaciente,
Fuera harto de verla asi raviossa.
Yiendo que tuvo una ocasion presente,
No aviendo de dormir para holgarse
Y que assi la perdiö subitamente.
Que hiciera de tor^erse y de quexarse!
Pues, qui9a que dexara de picarla?
Ni por verla llorar ni lamentarse.
Hallarme por el rastro ni esperarla
Si biniera a tomarme? Hera escusado.
Yo se bien como avia de molestarla.
Mas, compadre, no veis do me a llevado
El cuenta de la pulga y lo que offre9e
Un pensamiento a un triste enamorado?
Es la contemplacion que aqui pare9e,
El tesoro quel duende a ve9es muestra
0 rique9a que en suenos apare9e.
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76
A. Möbel -Fatio
No por eso penseis, por vida vaestra,
Qaestoy fuera de mi ni desvario,
Porque sera oppinion harto siniestra.
La corriente me pasö y como el rio
Sigo tras el faror que asi me fuer^a,
Como quiere el perverso hado mio,
Haciendo qae a ana parte y a otra taer9a.
3 . Loa al caerno (fo. 84 b ).
Si taviera la boz y la eloqaencia
Qae mere9e sabjeto tan sabido
Y de tantas virtades y ex9elen9ias,
No temiera las faer9as del olvido,
Porqae vasta a qaebrar las del infiemo
Este nombre qae tantos an temido.
0 sapremo, ex9elente, imbicto caerno,
Dame ta la virtad qae me falle9e,
Con qae paeda ha9er ta nombre eternoi
Porqae, para decir lo qae mere9e
Ta sabido valor, no ay qaien se atreva
Si ta mismo favor no favore9e.
Solamente el qae fae marido de Heva,
De qaantos en el mando se an casado,
La cave9a sin ta divisa lleva.
Aan esto fa 6 por calpa del pecado,
Por gastar la man9ana tan amarga
Qae tanto sa amargor nos a darado.
De pecados ningano siente carga,
0 virtad ex9elente, con tenerlos,
Alganos de mas balto qae an adarga.
Los jastos solamente paeden verlos,
Qae los demas harian de si iastoria(?)
Si pensasen qae paeden merecerlos.
Cornu ejus*) exaltabitur in gloria,
Di9e David, si el hombre los divisa
Y por esto sa vista no es notoria.
*) 1 MS. com vyns.
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Po 6 sies bürlesque« et satiriques in 6 dites etc.
77
No pienses por tener la frente lisa,
Y no poder los ver, que no los tienes
Y que tu solo quedas sin divisa.
Que Dios que, sin pedirlos te da bienes,
Di9e: confringant comua al pecador,
Dexandole ray9es en las sienes.
Mas a venido el mundo a tal herror,
Que ya todos los tienen por afrenta,
Sin saver cono 9 er su gran valor.
0 necios, si cayesen en la cuenta
De la virtud que el cuerno da a la gente,
Como procurarian tener cinquenta!
Solo 61 vemos que na9e sin simiente,
Solo 61 mere9e andar en la cabe9a,
Por ser de calidad tan ex9elente.
Solo 61 basta a sanar de la pobre9a,
Por 61 vemos que muchos abatidos
Yinieron a subir a gran alte9a.
Por 61 vemos que a mas de mil maridos
Les sobran amistades y dineros,
Que bibieran, sin 61 , no conocidos.
Por 61 vemos que muchos cavalleros
Mantienen y conservan su memoria,
Que murieran, sin 61 , sin herederos.
La fama de Moyses es tan notoria
Y del magno Alexandro y otros tales,
Que no quiero contar aqui su istoria.
Yereis hasta los brutos animales,
Que los que para el hombre son danosos
Sin cuemos los vereis por los jarales.
Puercos monteses, leones, tigres, ossos
Xamas les vereis cuemos en las frentes
Ni a las on9as, ni lobos, ni raposos.
Mas los otros que sirven a las gentes
Vacas, cabras, caraeros y venados
Cuemos tienen crecidos y eminentes.
Y los del unicornio tan preciados,
Por quitar de las aguas el veneno,
Son de todas las gentes estimados.
Y aunque 61 del unicornio sea tarn bueno
Es casi como estiercol comparado
Al del hombre questa de gracias lleno.
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78
A. Möbel -Fatio
Este tiene virtud siendo cortado,
Porques de la virtud de continencia
La quäl d’este arte em pocos se a hallado.
No ay quien deciros pueda su clemencia,
Ni la mucha virtud que en el se halla,
Aunque tenga de Tulio la eloquencia.
Los cuernos dan la fuer9a a la batalla,
Por 61 vemos que es tan conocido
El rey llamado Mars de Cornualla.
Mirad en quanto deve ser tenido,
Que no ay cosa que dandola se os quede,
Sino es um par de cuernos bien cumplidos.
Que aunque uno plante cuernos quantos puede,
Siempre lo queda um par bien imxerido,
Y aun esta su virtud a todos biede.
Ay f ora ques oyr muy grave pena,
Las blasfemias que dicen contra el cuemo,
Por ser, como lo es, cosa tarn buena.
En este siglo nuestro mas moderno,
No hallo quien conozca su poteneia,
Como el prin^pe illustre de Salerno.
El quäl los tiene en tanta reverencia
Que los tiene por armas en su escudo
Y los ha^e traer en su presencia.
Un dia vino a mi uno muy agudo,
Diciendo: „escucha um poco, si te agrada,
Mostrarte e como nunca fui cornudo.
Yo tengo a mi muger tan en^errada
Que no la puede ver hombre nacido,
Y esta siempre con ella una criada.
Yo tengo por mi cierto y entendido
Que me dirä la mo9a lo que viere,
Si por dicha sintiese algun ruydo.
Y si lugar y tiempo se le diese
Para ha9er qualquier cosa, yo la tengo
Por tal, que no la aria, aunque pudiese.
Allende d’esto, nunca me detengo
Media hora, sin tornar a bisitalla,
Y nunca ella me siente quando bengo.
Y tampoco me acuerdo de toparla
En cosa que pudiese dar sospeclia,
Ni en cosa en que pudiese yo tackarla.
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Poäsies burlesquefi et satiriques in^dites etc.
79
Esta de mi persona satisfecha
Y yo lo estoy tambien, aunques muy fea,
Porque la tengo a mi voluntad becha. u
„Hermano“, dixe yo, „aunque eso sea
Y aunque dentro en tu seno este metida,
Al fin a d^e ha^er lo que desea.
Y ten por cosa cierta y entendida
Que para estar siguro en lo del cuerno
Ay un solo remedio en esta vida.
Y aun este dizen bino del infierno,
Ariosto d^e del ques travajoso,
El quäl es ex^elente autor modenio.
Dizen que un pintor muy temeroso '
Del cuerno, por huir de t#l bocablo,
De su muger bibia re^eloso.
Y estandö travajando en un retablo,
Acaso, entre otras cosas que pintava,
Ne9e8ario le fue pintar un diablo.
Estandolo pintando ymaginava
Que no ay seguridad por un casado
Al tiempo que sin su muger estava.
Despues aquella noche ya acostado,
Gomo suele acaecer, sigun natura,
Que viene hombre a sonar lo que a pasado.
Sonaba que yeya una figura
De un diablo que decia: „mira, hermano,
Yo soy el que pintaste en tu pintura.
Y porque veas que no travaja en vano
Qualquiera que se emplea en mi servicio,
Te quiero hacer mercedes de mi mano.
Por eso pide qualquier beneficio
Que yo te lo prometo, comp amigo,
Por lo que me as servido con tu officio.“
El bueno del pintor pensö consigo,
Qualquier cosa que a este yo le pida,
Al fin a de venir .del enemigo.
Pero, pues a pedirle me combida,
Quiero pedirle solo algun secreto
Que los pasos de mi muger impida.
Y dixole: „yo tengo ruin con9epto
Que mi muger pretende encornudarme
Y aun creo que lo pone ya en efecto.
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80 A. Morel -Fatio Po&ies burlesques et satiriques in£dites etc.
Por eso te suplico, quieras darme
Algun remedio y esto solo pido
Que pueda en este caso asegurarme.“
El diablo respondiö: „Tu me as pedido
Cosa que es impusible, mas cumplillo
Abr 6 , pues que lo tengo prometido.
Toma, trae en el dedo este anillo,
El quäl es por tal arte fabricado,
Que si lo ha9e, tu podras sentillo.
Y mira que no tiene Dios criado
Ninguno otro remedio para ello,
Por eso traelo siempre a buen recado.
Metido dentro el dedo as de traello
Porque, si lo sacares, ten creydo
Que, sin sentillo tu, podr& ha9ello. u
El demonio se fu 6 con gran ruydo,
Dexandole el anillo tarn preciado,
Y el pintor despertö muy paborido.
Y, acordandosele de lo sonado,
Se fu6 a tentar la mano por Ventura
A ver si era verdad lo que a pasado.
Y hallo la mano puesta en la natura
De su muger y dentro el dedo todo
Y alli conociö claro su locura.
Y dixo, sino estando d’este modo,
Se lo puede ha^er quando quisiere,
El ques 9eloso pongase del lodo
Que cornudo a de ser mientras bi viere . 41
(Fortsetzung folgt.)
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Englische Lieder nnd Balladen ans dem
16. Jahrhundert,
nach einer Handschrift der Cottonianischen Bibliothek des Britischen
Museums.
Die Bemühungen von Ritsou, Ellis, Thomas Wright, be¬
sonders aber die von Percy und Walter Scott veranstalteten
Sammlungen haben der älteren englischen Balladendichtung
und Volkslyrik die ihnen gebührende Beachtung verschafft.
Die nachfolgende Sammlung von Gedichten soll ein weiterer
Beitrag zur Kenntniss der englischen Liederdichtung des
16. Jahrhunderts sein. Man wird bemerken, dass viele der
Lieder den Ton echter Volkspoesie treffen, dass sie zu Volks¬
liedern geschaffen waren. Bei einzelnen lässt sich mit grosser
Wahrscheinlichkeit feststellen, dass sie im Volke weithin be¬
kannt und beliebt waren. Einige wenige derselben sind be¬
reits früher im Druck erschienen.
Die Handschrift, der diese Gedichte entnommen sind, ist
das MS. Cotton. Vesp. A. 25 des Britischen Museums.
Was die Person des Verfassers dieser Handschrift betrifft,
so ist zweierlei wahrscheinlich. Der Inhalt des Manuscriptes,
das mit Ausnahme der Benedictinerregel — von weit früherem
Datum und auf Pergamentblättem, die später in die Hand¬
schrift eingefügt worden sind — und unsres Liedes Nr. 50 von
einer Hand geschrieben ist, lässt kaum bezweifeln, dass der
Schreiber dem geistlichen Stande angehörte. Der Umstand
zweitens, dass besonders die nachfolgenden Lieder sehr flüch¬
tig und imsorgfältig hingeworfen sind, berechtigt zu dem
Schlüsse, dass die Sa mml ung nicht für einen andern veran¬
staltet und remunerirt wurde, dass vielmehr ein Liebhaber
dieselbe zu seinem eigenen Vergnügen anlegte. Auch die Aus¬
wahl der Lieder bestätigt diese Vermuthung. Der Urheber des
Vesp. A. 25 scheint mir demnach ein jovialer, den Reizen des
Jahrb. f. rom. u. engl. Lit. N. F. II. 6
Digitized by LjOoq Le
82
Böddeker
Weines und der Schönheit in allen ihren Formen nicht ab¬
holder Geistlicher gewesen zu sein. Aus der Angabe: quon-
dam peculium Hen. Sauill, ex dono Anftis Arm., die auf der
ersten Seite des MS. zu lesen ist, lässt sich hinsichtlich der
Geschichte der Handschrift und ihres Ursprunges nichts er¬
mitteln. — William Asheton scheint der Name des Sammlers
zu sein. Siehe LI.
Als Zeit der Abfassung des MS. ist vielleicht das Jahr
1578 anzunehmen. Keines der Gedichte, soweit das Jahr ihrer
Entstehung bekannt ist, weist auf einen späteren Ursprung
hin. Zu dem Lied Nr. XXXV ist neben der Angabe: Pearson
doing 1578 — womit der Dichter eingeführt wird — noch
bemerkt: made in may at Yorke. Der Schreiber kennt also
nicht nur den Dichter, sondern sogar genau die Zeit und den
Ort der Abfassung des Gedichtes. Demnach liegt zwischen
1578 und dem Zeitpunkte der Entstehung unserer Abschrift
wahrscheinlich kein grosser Zwischenraum. Wie aber, wenn
doing und made sich auf verschiedene Thätigkeiten bezögen,
doing auf das Dichten, made auf das Copiren? Dass der Mai
des Jahres 1578 gemeint ist, erscheint mir ziemlich sicher,
da sonst wohl eine andere Jahreszahl angegeben sein würde.
— Die Bezeichnung des Inhaltes des Vesp. A. 25 als „Divers
things of Henry VIH. time“, welche sich in der Hand¬
schrift selbst findet, geschrieben von derselben Hand, welche
die Bemerkung: quondam peculium Hen. Sauill etc. hinein¬
setzte, ist sehr uncorrect, da das meiste dem Zeitalter der
Elisabeth angehört.
Ein Eingehen in den Dialect der folgenden Lieder behalte
ich mir für einen anderen Ort vor.
Der Inhalt des Vesp. A. 25, der also mit Ausnahme des
für sich bestehenden Theiles, welcher die Benedictinerregel
enthält, als ein Papiercodex aus der zweiten Hälfte des
16. Jahrhunderts zu bezeichnen ist, ist folgender:
1. Versus VH. Psalmorum poenitentiae cum letaniis. Fol. 1.
2. „The bifhoppe of Glocestur's (J. Brooke) exhortation to
Thomas Cranmer“: i. e. his adress to the Archbishop as one
of the commissioners appointed by the Queen for his
examination. Fol. 13.
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Engl. Lieder u. Balladen aus dem 16 . Jahrh.
83
3. A diary in the time of Henry VH. and YIII. Fol. 38. —
(Zum Theil abgedruckt in den Reliquiae Antiquae von
Wright und Halliwell. II, pag. 31.)
4. Short extracts, in Latin, from St. Gregory. Fol. 47.
5. Trinklied (Nr. I). Fol. 47.
6. Prophecies, by Marlion of Silidon, a hermit of France.
Fol. 47 b.
7. Lebensweisheit (Nr. II). Fol. 49 b.
8. Reichthum und Armuth (Nr. HI). Fol. 49 b.
9. Macht der Gewohnheit (Nr. IV). Fol. 50 b.
10. „A discourfe of certain miracles and things which ap-
peared at Montpelliet the 5 th of May 1573, foreboding
the day of judgment; sent by don Francisco de Mendofa;
with this note at the end of it: Laftly printed in Lon-
done, by Thomas Eafte att London-wall, at J>e figne of
|>e blake Horfe.“ Fol. 51.
11. Names of Christ, with illustration in Latin. Fol. 52.
12. „A fermon of parfon Hyberdyne, which he made at the
commandment of certain theves after they had robbed
hym befyd Hartlerowe in Hanfhyer.“ (Zum Theil aufge¬
nommen in die Rel. Amt. ü, 111.) Fol. 53 b.
13. „Be for any greate ytche.“ Fol. 53 b.
14. „A controverfy betwyxt Mr. Savely and Mr. Rainad.“
Fol. 54.
15. „Points of religion properly to be known by priests.“ Fol. 56.
16. Regula beati Benedicti in Anglicis verbis translata. (Guter
northumbrischer Text aus dem 14. Jahrhundert, bisher
ungedruckt.) Fol. 76.
17. „The method of making a nunn. a Fol. 129.
18. „Benediccio annule. u Fol. 133 b.
19. Wechsel (Nr. V). Fol. 134.
20. Scherzgesang (Nr. VI). Fol. 135 b.
21. Blutsauger (Nr. VH). Fol. 136.
22. Das Wunder der Incamation (Nr. Vin). Fol. 136 b.
23. Gedicht (Nr. IX). Fol. 138.
24. Lobgesang auf den Märtyrertod. des Stephanus (Nr. X).
Fol. 138 b.
25. Die Erlösung des Menschengeschlechts (Nr. XI). Fol. 139 b.
6 *
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84 Böddekeb
26. Die Versöhnung mit Gott durch Christum (Nr. XII).
Fol. 140 b.
27. Der Tenor (Nr. XIH). Fol. 141 b.
28. Loblied auf den Wein (Nr. XIV). Fol. 142 b.
29. Dämon und Pythias (Nr. XV). Fol. 144.
30. Eile mit Weüe (Nr. XVI). Fol. 144 b.
31. Loblied auf die Musik (Nr. XVII). Fol. 146.
32. Klagelied (Nr. XVIII). Fol. 146 b.
33. Loblied auf das schöne Geschlecht (Nr. XIX). Fol. 147.
34. Klage (Nr. XX). Fol. 148.
35. Thorheit der Liebe (Nr. XXI). Fol. 149.
36. Ein junges Ehepaar (Nr. XXH)i Fol. 149 b.
37. Adam und Eva (Nr. XXIII). Fol. 151 b.
38. Ehestand (Nr. XXIV). Fol. 152.
39. Gebet des Grafen von Essex (Nr. XXV). Fol. 152 b.
40. Das jüngste Gericht (Nr. XXVI). Fol. 153.
41. Der glückliche Schäfer (Nr. XXVII). Fol. 154.
42. Ermahnung (Nr. XXVIII). Fol. 154 b.
43. Friendship. Fol. 157 b.
44. Das Ende der Welt (Nr. XXIX). Fol. 158.
45. Kampflied (Nr. XXX). Fol. 159 b.
46. Sündhaftigkeit der Zeit (Nr. XXXI). Fol. 160.
47. Weihnachtslied (Nr. XXXII). Fol. 160 b.
48. Liebeslied (Nr. XXXIII). Fol. 161 b.
49. Lobgesang auf Zion (Nr. XXXIV). Fol. 162.
50. Alles ist eitel (Nr. XXXV). Fol. 162 b.
51. Lohn der Barmherzigkeit (Nr. XXXVI). Fol. 163.
52. Der Hagedorn (Nr. XXXVH). Fol. 163 b.
53. Lob der Zufriedenheit (Nr. XXXVni). Fol. 164.
54. Für diejenigen, welche in den Stand der Ehe treten wollen
(Nr. XXXIX). Fol. 165.
55. Klagelied (Nr. XL). Fol. 166 b.
56. Schwanengesang (Nr. XLI). Fol. 167 b.
57. Klage des Kreuzes (Nr. XLH). Fol. 168.
58. Christmas Carol (Nr. XLIH). Fol. 168 b.
59. Aufmunterung (XLIV). Fol. 169.
60. Für jedermann (Nr. XLV). Fol. 170.
61. Frühlingslied (Nr. XLVI). Fol. 170 b.
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Engl. Lieder u. Balladen ans dem 16 . Jahrh.
85
62. Phidrus und Pollio (Nr. XLVII). Fol. 171.
63. Die Erlösung (Nr. XLVIII). Fol. 172.
64. Dreieinigkeit (Nr. XLIX). Fol. 173.
65. Gebet (Nr. L). Fol. 180.
66. Todtentanz (Nr. LI). Fol. 180 b.
67. Kapitain Care (Nr. LII). Fol. 187.
68. „Certain demands or questions, breffly contaynyng the
somme of Criftianitie.“ Fol. 190.
69. „Another treatyfe of eombrofe tentacions by f>e fecrete
whyfperrings of the temptor.“ Fol. 205 b.
I.
Trinklied.
Dies Liedchen ist in die von Wright und Halliwell heraus¬
gegebenen Reliquiae Antiquae aufgenommen, daselbst zu finden
yoI. 4 , pag. 324.
1 Fyll f>e cuppe, phylyppe, & let vs drynke a drame!
Ons or twyse abowte J>e howfe & leave where we began.
I drynke to yow, fwete harte, foo mutche as here is in,
Defyeringe yow to followe me & doo as I begyn.
6 And yf yow will not pledge,)
Yow fhall bere f>e blame.
I drynke to you wit all my harte
Yf yow will pledge me £e fame.
4 . begin, Halliwell.
n.
% Lebensweisheit.
Der Gedanke der folgenden Verse ist: Das Wohlbefinden
auf Erden ist davon abhängig, dass uns keine Sorge drückt
und das Gewissen uns nicht quält. Der lebt ein zufriedenes
Dasein, den weder das Elend treibt, den Tod zu suchen, noch
die Furcht, ihn zu fliehen.
Whan all his fowghte that may be fownde,
Worldly pleafure hathe in thes chefe grownde:
Ryches by fucceffyon, nott gotten wit care,
Land well yeldynge & of hyer noo fpare,
1 . his =* is. — 4 . fyer, MS.
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86
Böddeker
5 Neuer Tute, Imalle medlynge & a quyete mynde,
Helthe of body wit ftrengthe, not owte of kynde,
Wifdome wit fymplicitie, & thy fellowe frende,
Foode plenty, not deintie to thy lyues ende,
Neuer dronke, but money in £e tyme of nyghte,
10 A make not lowrynge, & yett a fhamehafte wighte,
Suche fiepe as makithe f)e bedd-time fhorte
To lyke befte thy ftate & thyn owne forte,
And J>at greuythe all mefte — at J)e lafte to dye —:
Neither wyfch it for myfery, nor for feare it flye.
5. fute = pued, gerichtlich verklagt. — 10. wighte = person; make
= spouse, mhd. mage. — 11. sclepe. — 11. bedd time. — 14. or.
m.
Reichthum und Armuth.
Dieser Gesang handelt von dem Wechsel der Glücksgüter
und von dem relativen Werth e, den sie für das Leben haben.
Als Schluss der Betrachtung ergiebt sich die Moral: ^
Wit fothe in gode, bothe in welthe and woo,
To doo as {k)u woldefte be doone vnto.
Auf die Anwendung der Alliteration an einzelnen Stellen dieses
Gedichtes, wie in Zeile 22, 32, 35 u. s. w., ist zu achten.
Lerne this leffon, in welthe & woo
To doo, as £ou woldefte be doone vntoo.
Welthe & Whoo throwgh their eftate
Lyke fooes fhall be aye in debate;
5 Yet as foule whether fuccedith ye fayre,
Soo commonly Woo is Welthes heyre.
A cowres thay keepe, but not euer foo
As Welthe begynnethe, then cumythe Woo;
For Woo in fume men beginnethe the race,
10 And Welthe cumethe after to Wooes place.
Agayn, in other fume while is fownde
Welthe & Woo hoppynge in a rownde,
Now fodenly Woo, now fodenly Welthe,
Mutche lyke in change to bodely helthe.
3. thowgh. — 4. Lyke fooes, felbe, aye in debatte. In der Form,
der Handschrift bleiben die beiden ersten Zeilen der ersten Strophe un¬
verständlich. Zur Unterstützung meiner Conjectur will ich darauf auf¬
merksam machen, dass fhall be immer geschrieben ist fhalbe, wofür
auch falbe. Aus falbe, vermuthe ich, ist dieses felbe corrumpirt. —
7. cowres = course.
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Engl. Lieder u. Balladen aus dem 16. Jahrh.
87
15 Yt femythe thay play att teuys together,
TolTyiige man lyke a bawle hyther & thyther,
In which play alfoo happenythe the cafe
That a ftoppe is made & ther a chafe.
In sum men Woo the chafe dothe make,
20 In other Welthe dothe ende the fake.
The game thus endyd, as ende it fhall,
Woo wynnethe, Welthe wantythe & lofethe all.
Wyles lyfe endurythe, Welthe bearythe f>e rowte,
And Woo is a myferable & a wrettched lowte.
25 I fpeake & meane affcer wordly facyon,
And as wordly men frame ther communycation.
For clerkes J)at clerly J>e trewthe perceyue,
Of welthe & Woo doo otherwyfe conceiue,
And in table teil planly Woo to be better,
30 And Welthe motche worfe, this is the letter.
But lemyd & lay mufte all confeffe,
When Dethe dothe Lyfe brynge to diftreffe:
Happy is he £at is wrapped in woo,
Nott cobred wit welthe f>at is Dethes foo.
35 Welthe wranglethe and wreftithe all againfte reafon,
Deathe to witftande & delay for a feafon;
Woo wyfly welcommythe, J>at no man can exchewe,
Gladd of alteration, & ende to enfue.
Welthe, willethe it, nyllethe it, gothe hence away,
40 And woo is well endyd, bothe by one play.
For Dethe makythe all even, & facionithe thinges fo,
As Welthe is browght to nothynge, & Woo no lenger woo.
In this accompte, yet Welthe hathe lofte,
& Woo hathe f>e cawfe to make hyre bofte,
45 So Welthe wit grefe away is fente,
And Woo well ended wit partie contente.
Now if we fpeake as men new borne
In Chryfte, & be nott chaffe but corne:
Then welthe of the worlde is verely woo,
50 And woo become welthe, we trufte it foo.
15. teuys ist Plural zu teu, tew. Dies Beispiel der Anwendung des
wenig üblichen Wortes ist für die Lexicographie nicht zu übersehen. —
19. sümen. — 20. lake. — 24. lowte bedeutet „Gegenstand des Spottes“.
Das entsprechende Verbum to lowt, findet sich im „Dictionary of Ob¬
solete and Provincial English“ von T. Wright, nicht aber das Substantiv.
— 26. wordly = wordly, früher, allgemein übliche Form. — 46. pairtie.
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88
Böddekeb
The man defperythe & wifchethe |)e befte,
Lett ytche take hede, & herein refte:
Wit foothe in gode, bothe in welthe & woo,
To doo as he woolde be doone vnto.
60. ytche = each.
IY.
Macht der Gewohnheit.
Auch gedruckt in den Reliquiae Antiquae, I, 238. Dies
Lied macht von dem Einflüsse, den die Gewohnheit auf das
Denken und Thun des Menschen ausübt, eine specielle An¬
wendung auf die wachsende Unmoralität des Zeitalters. Die
Gewohnheit des Irrthums hat die Wahrheit verdunkelt; die
Gewohnheit des Fehlens hat die Augen geblendet, so dass die
Tugend nicht vom Laster unterschieden wird. Wenn aber
auch fortgesetztes Sündigen uns in das Unrecht so verstricken
kann, dass der Verstand keinen Ausweg sieht, so kann uns
doch fortgesetztes Gebet Gottes Gnade finden lassen.
So longe may a droppe fall,
f>at it may perfe a ftone;
So longe trewthe may thrall,
f>at it fhall fcarce be knowen.
5 So longe may poweres wynke
To lawgh at this or that,
|>at vntruthe fhall not fhrynke
To fay fhe cares not what.
So longe Errore may raigne
15 And vntruthe foo increafe,
f>at it fhall be mutche payne
f>e fame agayne to ceafe.
So longe lies may be cryed
Vnto |>e peoples eares,
15 §>at, whan truthe fhall be tried,
Ytt may be wit fume teares.
Halliwell führt das Liedchen auf unter dem Titel: A Song. —
6. power, S. = large number. — 8. whathe. — 15. shalbe. Halliwell hat
diese Form, ebenso wie wilbe, ohne weitere Veränderung in zwei Worte
getrennt. Da aber »hall und will, wenn sie für sich Vorkommen, immer
mit Doppel-1 geschrieben sind, so ist 11 auch hier eingeführt worden.
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Engl. Lieder u. Balladen aus dem 16. Jahrh. 89
So longe we may goo feke
For |>at which is not farre,
Till endid be f>e week
20 & we neuer f>e narre.
So longe we may be blynde
Yf we feie not |>e greefe,
|>at harte will be to fynde
For our difeafe reefe.
25 So longe we may forgete
Owre dutie vnto god,
|>at fore we fhall be bette
And yet fee not f>e rodde.
So longe we may in vaine
30 Forfake £e waye & pathe,
|>at grete fhall be our paine
Whan god fhall fhew his wrath.
So longe may god permytte
Vs wretches to offende,
35 That it shall paffe mans wytt
The fawte for to amende.
So longe, if we haue grace,
Goddes mercy we may crave,
That in dew tyme & fpace
40 I trufte we fhall it haue.
18. wich. — 20. narre = nearer. — 23. wilbe. — 24. reefe =■ con-
fesßion. The erle thane had revayde, And in hert was lyghte. Halli-
weU, Dict. — 27. fhalbe. — 28. bette =■ beaten. — 31. fhalbe.
V.
Wechsel.
Auch dies Liedchen ist bereits durch Halliwell in den
Reliquiae Antiquae veröffentlicht worden. Es ist dort zu finden
in Band I ; pag. 323.
After droght commythe rayne,
After plefur commethe payne,
But yet yt contynythe not fo.
For after rayne
Commythe droyght agayne,
And joye after payne
And woo.
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90
Böddekek
VL
Soherzgesang
auf ein komisches Zusammentreffen von lächerlichen Ereig¬
nissen. Die Handschrift ist sehr schwer zu entziffern, stellen¬
weise sind die Buchstaben spurlos verwischt. — Die Reliquiae
Antiquae enthalten dies Lied, nach HalliwelVs Copie, in Band I,
pag. 239.
Newes! newes! newes! ne wes!
Ye never herd fo many newes I
A.vpon a ftrawe,
Gudlyng of my cowe,
5 Ther came to me jake-dawe,
Newes! newes!
Our dame mylked the mares talle,
The cate was lykyng the potte;
Our mayd came out wit a flayle,
10 And layd hör vnder fotte.
Newes! newes!
In ther came our next neyghbur,
Frome whens, I can not teil;
But ther begane a hard fcouer,
15 „Haw yow any mufterd to feil?
Newes! newes!
A cowe had ftolyn a clafe away,
And put hör in a fake;
Forfoth I fei no puddynges to day,
20 Mayfters, what doo youe lake ?
Newes! newes!
Robyne ys gone to H [u] ntyngton,
To bye our gofe a flayle;
Lyke fpip, my yongoft fon,
25 Was huntyng of a fnalle.
Newes! newes!
Our maid John was her to-morowe, ‘
I wote not where fhe for wend;
Our cate lyet fyke,
30 And takyte gret forow.
28. berwend, Halliwell.
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Engl. Lieder u. Balladen aus dem 16. Jahrh.
91
vn.
Die vorletzte Zeile des folgenden Gedichtes ist in der Hand¬
schrift nicht zu entziffern, die Buchstaben sind theils verwischt,
theils durch Schmutz unlesbar geworden. Der Theil des Blattes,
auf welchem der letzte Vers stand, ist abgerissen. — Das
Gedicht warnt vor jeder Art von Blutsaugern, welche den
Unachtsamen auf allen Wegen ihre Fallen stellen.
To hurt the widowe in dyftreffe,
Or yet the child [pat] ys fatherleffe,
§>at knoweth not what ys what;
Moft cruelly £at blöd to fpyll
f>at never thought ne yet ded yll,
What tyrannye ys that!
As Abels blöd did call & crye
For vengance of Caynes crueltye,
So without variance
This fwet babes blöd dyd crye & call
With all the Crew celeftiall
Of Herodes avengance.
In Herod was great cruelty,
In th’ynnocentes innocency,
Alfo all fymplenes.
In Herod craft & fubteltie,
In th’ynnocentes fymplicitie,
Tollerance & meknes.
Herodes there be ewen now a dayes,
20 That goeth about a thoufand wayes
There breddrens blöd to fucke.
Some with f>er tong, fome with £er knyff,
& fome the thing fhuld kepe £er lyff
Away from them to plucke.
14. thynnocentes; in nocency. — 17. thynnocentes. — 22. kyff. —
23. Diese Zeile ist in der Form der Handschrift nicht zu verstehen; der
nachlässige Abschreiber muss die Worte ganz gedankenlos hingeschrieben
haben. Für the thing fhuld kepe möchte ich setzen: no thing fhuld
care. Vielleicht ist the thing richtig. Man würde es dann als „soviel 11
aufzufassen haben und annehmen müssen, dass the thing, von einer ent¬
sprechenden Geste begleitet, ein allgemein üblicher Ausdruck der Ge¬
ringschätzung. gewesen sei.
ö
10
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92
Böodbker
25 God graunt vs grace for to avoid
The malice of cruell Herod,
& lyf in godly love.
f>at when fhall come our fynne & end
That.
25. a yoid.
vm.
Da® Wunder der Inoamation.
Dies Lied verherrlicht die Incaraation Christi mit Hin-
weis auf die Prophezeiung des Jesaias, Kap. 7 ; v. 14: Behold,
a virgin fhall conceive, and bear a son, and fhall call his
name Immanuel.
A Oarroll.
Who truftes Chriftes Incarnatyone
Are chyldren of Salvacyone.
Seaventh chapyter of Ifai
A figne & token ye fhall fe
6 Where — J>at J>at he haith fayd:
Lo, a mad fhall conceyve a chyld,
Of mans knowing, be vndefiled
And ftill fhall be a maide.
A mother-maid a child to bringe;
10 Nowe, who haithe herd of fuche a thinge,
Or who can teil at full,
Howe that a maid a mother was,
Or howe this fame is browght to pass?
Mans wit it is to dull.
15 Signes now vpon this maiden be,
That fhe maye in virginitie,
Onelye by will of god,
And füll be a maiden pure,
A childe bringe furthe againft nature,
20 Like flowres of Arons Rodde.
Another figne behold and fe
Vpon this maid virginite:
Trulie of hir was ment.
iv-
1. in Camatione. — 7. vnde filde. — 10. hard. — 11. ffull. —
13. topass. — 16. apon. — 20. flores. — 21. A nother; finge.
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Engl. Lieder u. Balladen ans dem 16. Jahrh.
93
This fierie bufhe that was fo bright,
To Moifes did give fache a light,
And not one leafe was brent.
Another thing behould now, lo,
Of Sidrak, Mifake, Abbednago,
In a foraace concluded,
And not one hare of them adjiffc
As ys godes will, godes wyll be muffc,
Yt cannot be refused.
Who can deny but this is trew:
What ys godes wyll yt muffc enfew,
& nature muffc applye?
Why doffc £ou here, (now) mufe now than,
f>at god may be both god & man,
A mayd a mother be?
Now faith in this yt muft take place;
j>erfore, whofo faith wyll embrace,
& truft in chrift his birth:
As faith the fcripture, thay fhall be
With god above in his glory,
Where ever fhall be mirth.
27. fing. — 31. wylbe. — 32. refuffed. — 36. muffe. Das erste
now ist überflüssig. — 40. embracce. — 42. fhalbe. — 44. fhalbe.
IX.
Man wird finden, dass die einzelnen Gedanken dieses Ge¬
dichtes, welches offenbar das Erlösungswerk durch Christum
verherrlichen soll, zu wenig zu einer Gesammtidee verbunden
sind. Der Anfertiger des Kataloges der Harlejanischen Hand¬
schriften hat ohne Zweifel nicht gewusst, was er aus diesem
Liede machen sollte, indem er es betitelte: Verses upon Christas
sitting among the Doctors. Vielleicht ist es ein Machwerk
von Pearson, dem muthmasslichen Verfasser der meisten Ge¬
dichte geistlichen Inhalts in unserer Handschrift.
As faid fche prophet Abacuce:
Betwixt two beftes fhulde lye one buke,
That mankind fhuld redeme.
The oxe betokenithe menkenes here,
5 The affe our gilte that he fhulde bere,
And wofhe away our cryme.
4. menkenes = mankind, as. man-cyn. Eigentümlich ist der plu-
ralische Gebrauch dieses Wortes.
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94
Böddekeb
In mydft of Doctors he was fownd,
The prophetes planly did expownde;
Throughe mydft frome deathe he ftedd;
10 No-where wolde die, but on the croffe
Betwixt two theives redemed our loffe,
Hi8 blood for hus to fhedde.
In midft of his difciples all
Said: „Peace to yow vniverfall,
16 All fynnes ye fhall remite.
For now is maid an Vnitie
With man and godes deuinitie
Of love, the duel is kuite.“
Saint Jhon abowe the Jerarchies
20 Se VH golden luminarie3,
And crift was in the mydde;
& of this VII the trew entente
Is "VTI holie faoramentes ment,
Chrift in the midft is gide.
25 In the facrament of eucharift
Is trew man-gode & very chrifte
Sacret in forme of bread.
In mydft of vs fhall perdurate
Whilles that he come in great eftate
30 To Judge bothe quicke and dead.
This is the lord of vnitie,
The lord of love & charitie,
That all thinges dothe remite.
And who in him is congregate
35 The pover, the riche, or greate eftate,
In mydft of them dothe fite'
M. affon.
9. ftedd = stood. — 12. thus. — 18. duel = dole, sorrow. — 19—21
Dieser Passus bezieht sich auf Offenbarung Joh. 1, v. 12 u. 13. — 21
myde. — 26. man gode. — 27. ^ durate.
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Engl. Lieder u. Balladen aus dem 16. Jahrh. 95
X.
Lobgesang auf den Märtyrertod des Stephanus.
A carroll of faint ftephen.
Chorus: There was no deathe nor wordlie Joie
The faithe of ftephen that colde diftroye;
There was no payne nor tormentrie
6 Endinge the bleyffe J>at he did fe.
This holy ftephen, replet with grace,
Did fe god fonne before his face
In joye where he fhuld come,
Standing by his power & might
10 Stephen for to fuccoure in his light
Of blodye marterdome.
Steven as a knight before his king,
& all his courte one hym loking
Dyd valiantly fight;
16 Before the court of heaven
Was this conflicte of holy ftephen
Donne lyke a puyjant knight.
Les ftephen fhuld dowte, being a man,
The fone of god apperyde than
20 As he was crucified
Hym for to comforthe, helpe, & ayde,
Of deathe fhulde be nothinge affraid,
When ftoone of him did glied.
Sainte Jhon baptift fe heven open,
25 Sainte paule fe thinges not to be fpoken,
Some fe tranffigurate:
But fteuen fe chrift in his glorye,
Praid for his enimes enterelye,
And thos that dyd hym haite.
4. Here. — 10. Zwischen f und f ist in der Handschrift in vielen
Fällen schwer zu unterscheiden, so in der Darstellung des letzten Wortes
dieser Zeile. Ich habe mich für die Lesart f als die wahrscheinlichere
entschieden. Sie wird durch Zeile 14 unterstützt. — 17. Downe; puy-
Jant. Mir ist kein weiterer Fall für den Gebrauch dieser franz. Form
bekannt, die Handschrift kann aber nicht anders gelesen werden. —
18 Les — Lest. Dowte ist in der älteren Bedeutung, fürchten, auf¬
zufassen. Der Sinn ist: Damit Stephan nicht fürchte, seine männliche
Standhaftigkeit möchte ihn verlassen. — 21. helpe & ayde: Die Neben¬
einandersteilung zweier Synonymen, von denen das eine ein germanisches,
das andere ein romanisches Wort ist, ist in dieser Zeit sehr üblich.
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96'
Böddbkeb
30 Before ftephenes eies was fet the glave,
Por his conflicte he fhoulde receyve
A croune, it did appere.
This crowne was wrought in euery linke,
No tonnge can teil, nor hart can thincke,
35 But thofe that dothe it were.
This crown to were & to obtaine,
The creuell ftone f>at perche his braine
Was no aduerfitie.
Trowble, payne, his lyye to end,
40 He thowght his blöd was right well fpend
For this crowne for to die.
Whoe at his bodie kafte a ftone,
He did forgeve them euery one,
& he that kept there clooffe.
Chrifte grante this Joie that we maie fe,
45 With ftephen to die in charitie,
And forgeve all our foes.
30. ftephen. — 33. crowe. — 37. brine. — 43. In der Form der
Handschrift ist diese Zeile nicht zu verstehen. Ich zweifle nicht, dass
sie auf Saulus gehen soll: and the witnesses laid down their clothes at
a young man’s feet, whose name was Saul. Acta Apost. VII, v. 58.
Statt and würde even dem Sinne besser entsprechen. Die ursprüngliche
Form dieses Verses ist daher wohl: Euen him that kept their clothes.
— 46. for geve; foffe.
XI.
Dem Inhalte nach verräth dieses Lied eine enge Ver¬
wandtschaft mit dem folgenden, beide gehören ohne Zweifel
demselben Verfasser an. Jeder der beiden Gesänge ist ein
Lobgesang auf die Erlösung des Menschengeschlechts durch
Christum, und ergeht sich hauptsächlich in der Erwägung der
Frage, weshalb Gott den Menschen und nicht den gefallenen
Engel erlöst habe. Die eigenthümliche unfruchtbare Idee, dass
der Teufel allerdings den Menschen für einen Apfel erkauft
habe, dieser Handel aber deshalb nichtig sei, weil der Apfel,
der Kaufpreis, nicht Eigenthum des Teufels war, scheint eine
weitverbreitete volksthümliche Sophistik gewesen zu sein.
Genau dieselbe Idee findet sich in einem bisher ungedruckten
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Engl. Lieder u. Balladen ans dem 16. Jahrh.
97
Gedichte der Harleyanischen Handschrift2253 (Ende des 13. Jahr¬
hunderts) wieder. Letzteres scheint als Miracle Play in der
Kirche aufgeführt worden zu sein; es behandelt in dialogischer
Form den Streit zwischen Christus und dem Satan um das
Eigenthumsrecht am Menschen.
Chorus.
Then may we joie in vnitie,
& thanke the holie tiinitie.
Man to redeme, & not angell
Is heaven wrought by Dyvine consell;
6 For what enchifon | Thou heare my reafon:
Angell feil by no fuggefture,
&, man by angell decepture,
Difceit, & false treafon.
Then may etc.
Ye know {mt angill of fubftance
10 Shuld be ftronge withoute variance;
And which not man | As I fhall fhew than.
Man was maid of flefh vnpeure,
Weak & feble, fone to alure,
For that mercye whan.
Than may etc.
15 Againft the father Adam finde;
& Eve againft the Tonne, I find.
In when angell | I fhull you teil.
Againft the holye goft commite,
Which all in no worlde remite,
20 But euere be in hell.
Than maye etc.
Angell fubventid wiftelie,
And sad: „Eritis ficut dii.“
For what intent | A man to fubvent,
& make all Adam feid to die;
25 But chrift again ypon a tre
His bleffid blood fpent.
Then may etc.
Where angell faid, & maid a lye:
„Nequaquam moriemini.“
30 How did it paffe ? | As god wylle was :
4. heave. — 8. Für falles des Ms. ist false eingeführt. — 11. with
oute. — 14. Vielleicht: For that mercy he whan (won). — 17. In when
= wo hingegen? Ich finde keinen weiteren Beleg für diese Verbindung.
JahTb. f. rom. u. engl. Lit. N. F. n. 7
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98
H. Böddekeb
A thoufand yeare all went to hell,
To leife man, chrifte toke flefhe & feil
This good chriftenmas.
Then may etc.
36 I pray yow all, that loves the lord,
Here in chrift birthe in one accorde.
So fhall it be: | Then we agree,
And thanke the lord bothe now & then,
Together lyve like chriftenye men
40 In charitie:
Then may etc.
Above the fiere
I you defyre.
36. leife hier = relieve.
xn.
By reafon of two, & no poore of one,
This tyme god & man was fet at one.
God againft nature thre wondres haith wrought:
First of the vile earthe mad man without man,
6 Then woman without woman of man maid, of nought,
& fo man without man in woman than,
Thus lo! god & man to-gether begane
As two, for to joine together in one,
As at this good tyme to be fett at one;
10 Thus god begane
This world for to forme & to encreafe man.
Angell in heaven for offence was damned,
And man alfo for beinge variable;
Whether fhuld be faved was examyned,
16 Man or yet angell, then god was greable
To anfwer for man, for man was no liable,
& faid, man had metyer, & angell had none,
Wherefore god & man fhuld be fett at one.
Thanke we him than,
20 That thus did leaue angell & faved man.
The devill clamed man by bargan as this:
For an appell, he faid, man was bought & folde.
God anfwered & faid, the bargan was his,
7. to gether. — 16. was greable *— agreed. — 17. had metyer
hätte das Bedürfnis, wie Altfrz. — 22. thappell. — 23. annfwered.
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Engl. Lieder u. Balladen aus dem 16 . Jahrh.
99
Withe myne to by myne, how dürft thou be fo bolde?
25 Man myne, fyne thyne, wherfore thou art now tolde:
Thou bought nought, then taike nought, f>i bargan is.
Wherfore god and man fhall be fet att one.
Nowe bleffed be he,
For we that are bownde loe! nowe are maid free.
30 Betwene god & man J>er was great diftaunce,
For man faid f>at god fhuld haue kept him vpryght.
& god faid, man maid all the variaunce
For th'apple, to fett his commaundement fo light.
Wherfore of his mercye fparinge the ryght,
35 He thought, god and man fhuld be fet at one,
Seing |>at god & man was fet at one,
What kindnes was this,
To agree wit man & the fault not his.
Withe man and woman £er was great traverfe.
40 Man faid to the woman: „Woe myght you be!“
„Nay,“ quod the woman, „why doft thoue reverfe,
For womans entifinge woe be to the.
For god mad the heade and ruler of me.“
Thus god fawe man & woman were not at one,
45 He thought man & woman to fett theme at one;
To our folace
His mercye he grauntede for our trefpaee.
Of woman-hede, lo! thre degres there be:
Widowehede, wedlocke, & virginnitie.
60 Widowehede clamed heaven, her tille is this,
By oppreffions that mekelie fuffirethe fhe;
And virgins clame by chaftite alone.
Then god thought a woman fhoulde for them atone,
A wedlocke by generacion heauen hires fhuld be,
65 Aüd ceafe £at ftrif,
For marie was maden, widowe, and wif.
The ritche and the pore f>at title did reherfe,
The pore clamed heauen throughe his pacient havour,
He faide „Beati pauperes“, and further the verfe.
60 The riche man by ritches thought hym in favour,
For who was fo ritche as was our faviour?
24. =» to buy what is mine; MS. bymyne. — 26. fyne affcer =
wards, später vielleicht? — 26. barganis, MS. — 27. fhalbe. — 33. thapple.
— 41. man; the *■* thee. — 61. atone (at one) hier = agree. — 62.
wedlocke = wife, Halliwell, Dict. — hires = heir: Ein Weib sollte durch
ihren Sprössling Erbin des Himmels sein. — 56. havour = behaviour.
7*
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100
H. Böddeker
And againe who fo pure as he was ono,
In hey when he ley to fet vs at one?
Wbo grannt vs peace,
66 And at the laft ende the great ioyes endles.
XIII.
Der Tenor.
Das Wort „mean“ ist in der Bedeutung „Tenor“ nicht mehr
üblich. In der neuesten Bearbeitung von Johnsons „Dictio¬
nary of the English Language“ finde ich über dasselbe Fol¬
gendes: Meane: Measure, regulation. Not used, Dr. Johnson
says; citing only the following passage from Spencer, in which
the word signifies (as it was formerly much used ; and is not
yet entirely out of use) the tenor part of a musical compo-
sition; and not only measure, or regulation:
The rolling sea r eso unding soft,
In his big base then fitly answered,
And on the rock the waves, breaking aloft,
A solemn mean unto them measured.
Spencer, F. Q.
Parts sind die einzelnen Stimmen einer musikalischen Com-
position. Der vierstimmige Gesang für gemischten Chor zer¬
fällt in folgende vier parts: Treble (Diskant), counter (Alt¬
stimme), mean, jetzt tenor, und base. Auch für die Instru¬
mentalmusik haben diese Ausdrücke ihre Bedeutung. Das
Genauere darüber ist zu finden in Rees's Cyclopedia. — Der
Dichter wendet neben meane auch das Wort tenor in dem¬
selben Sinne an.
Als Dichter dieses hübschen Liedchens bezeichnet die
Handschrift einen Haywood. Zur Zeit der Abfassung des
Manuscripts lebten zwei Dichter mit Namen Heywood (die
Abweichung in Hinsicht der Orthographie ist von keiner Be¬
deutung), John Heywood und dessen Sohn Jasper Heywood,
ein Jesuit. Ueber Letzteren sagt Ritson in seiner Biographia
Poetica: Jasper Heywood, a jesuit, the elder son of John, is
the author of several poems in „The Paradice of Daintie
Deuises“, 1576. The initials J. H. are presumed to belong
to the same person. He died, at Naples, in 1597 or 98. —
Da die Lieder des Jasper Heywood im „Paradice of Daintie
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Engl. Lieder u. Balladen aus dem 16. Jahrh. 101
Deuises“, einer Liedersammlung von gleichem Alter mit der
unsrigen, dem nachfolgenden Gedichte an Ton und Gehalt sehr
verwandt sind r so ist es in hohem Grade wahrscheinlich, dass
derselbe der Verfasser des folgenden Gedichtes ist.
Longe haue I bene a finginge man,
And fondrie partes ofte I haue fonge:
Yet one parte fince I first began,
I colde nor can finge, olde nor yonge;
5 The meane I mene, which parte fhowthe well
Aboue all partes mofte to excell.
The bafe and treble are extremes,
The Tenor ftandethe fturdelie!
The counter reignethc them, me fernes:
10 The meane mufte inake our melodie.
Thus is the meane, who meanthe it well,
The parte of partes that dothe excell.
Of all our partes if anye jarre:
Blame not the meane, beinge fonge trewe.
15 The meane muft make, it maye not marre;
Lackinge the meane, hir mirthe adewe.
Thus fhowthe the meane not meanelie well,
Yet dothe the meane in this excell.
Marke well the mannour of the meane,
20 And therbie tyrne and tune your fonge.
Vnto the meane, where all partes leane,
All partes are kepte from finginge wronge.
Thoughe finginge men take this not well,
Yet dothe the meane in this excell.
25 The meane in compaffe is fo large
That euerye parte muft joyne therto;
It hathe an over in euerie bärge,
To faye, to finge, to thinke, to do.
Of all thes partes no partes dothe well
30 Withoute the meane, which dothe excelL
To highe, to lowe, to loude, to fofte,
To fewe, to mannie, at a parte alone :
The meane is more melodious
Then ofier partes lackinge that one.
35 Wherbie the meane comparethe well
Amonge all partes moft to excell.
4. vlde. — 9. then. — IG. mirthe =* tune, Halliwell, Dict; — a dewe
(M.S.) = adieu: dann ist’s aus mit ihrem (hir = their) Liede. — 34. v{>er.
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102
H. BÖddekee
The meane in loffe, the meane in gaine,
In welthe or in aduerfitie,
The meane in healthe, the meane in paine,
40 The meane meanethe alwaies equitie.
The meane, thus ment, may meane full well,
Of all o£er partes most to excell.
To me and myne withe all the refte,
Good Lorde, graunte grace withe hartie yoice,
45 To finge the meane J>at meane the befte,
All partes in the beft for to rejoyfe.
With meane in meaninge meanethe well,
The meane of meanes that dothe excell.
Haywoode.
XIY.
Loblied auf den Wein.
In einer gefälligen, leichten Sprache wird der Preis des
Weines gesungen, der das Herz mit Freude erfüllt und Weis¬
heit dem verleiht, der ihn nicht im Uebermaasse geniesst.
Dann folgt eine Wendung auf das religiöse Gebiet: Die Schrift
selbst erhebt den Werth dieses Getränkes. Als den rechten
Weinstock aber bezeichnet sie Christum, aus dem der Wein
erwuchs, welcher unsere Seelen erkaufte. — Sollte nicht Jasper
Heywood, der joviale Jesuit, auch der Verfasser dieses Ge¬
dichtes sein ? -
There is no tre that growe
On earthe — that I do knowe —,
More worthie praife, I trowe,
Then is the vyne.
6 Who8 grapeß, aß ye maye vinde,
Their licoure forthe dothe fhede,
Wherof iß maide in dede
All our good wyne.
And wyne, ye maye truft me,
10 Caufethe men for to be
Merie, for fo ye fe
His nature is.
Then put afide all wrathe,
For David fhewed vs hathe:
16 Vinum letificat
Cor hominis.
15. Psalm 104, v. 16.
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Engl. Lieder u. Balladen ans dem 16. Jahrh. 103
Wyne, taken with exceffe,
As fcripture dothe expres,
Caufethe great hevines
20 Vnto the mynde.
But theie that take pleafure
To drinke it with meafure,
No doute, a great treafure
They fhall it finde.
26 Then voide you all fadnes,
Drinke youre wine withe gladnes:
To lacke thought, is madnes,
And marke well this.
And put afide all wrathe,
30 For David fhowde vs hathe:
Vinum letificat
Cor hominis.
Howe bringe ye that to pas ?
Cordis Jocunditas
35 Is nowe, and euer was,
The life of man.
Sithe that mirthe hathe no peare,
Then let vs make good cheare,
And be you merie heare
40 While that you can!
And drinke well of this wyne
While it is good and fyne,
And fhewe fome outwarde fygne
Of joye and bliffe.
45 Expell from you all wrathe,
For David fhewed vs hathe:
Vinum letificat
Cor hominis.
This thinge full well ye ken,
50 Hevenes dullethe men.
But take this medicien then,
Where euer ye come.
Refrefhe your felf therwith,
For it was faide longe fithe
66 That: vinum acuit
Ingenium.
27. lake. — 33. Wohl zu beziehen auf: put alide all wrathe. —
43. fyne.
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104
60
65
70
76
80
85
H. Böddekeh
Then geue not a cherie
Por filuer nor perrye;
Wyne makethe man merie,
Ye knowe well this.
Then put afide all wrathe,
For David fhewed vs hathe:
Vinum letificat
Cor hominis.
In hope to haue release
Of all our hevines,
And mirthe for to encreafe
Sumdele the more:
Pulfemus organa
Simull cum cythera,
Vinum et musica
Vegitabit cor.
But forows, care, <fc ftrife
Shortnethe the daies of life,
Bothe of man & of wife;
It will not mis.
Then put afide all wrathe,
For David fhewed vs hathe:
Vinum letificat
Cor hominis.
A merie harte in cage
Makethe a luftie age,
As tellethe vs the fage,
Euen for the wynes.
Becaufe we fhould delight
In mirthe bothe daie and night,
He faythe: an hevie freight
Driethe vp the bones.
57. give not a cherry for = achtet gering, verachtet. — 58.
Perrye >• Richardson fuhrt in seinem Dictionary für dieses Wort ein Bei¬
spiel aus Chaucer an:
In habit made with chastitee and shame
Ye women shul appareile you (quadhe),
And nat in trassed here and gay perrie;
As perles ne with gold, ne elothes riche.
The Wif of Bathes Prol. v. 5926. — Es ist eine Ableitung vom franzö¬
sischen Worte pierrerie, und bedeutet Juwelen. — 67. releace. — 73. ffcrif.
— 74. lif. — 85. becafe. — 86. at night.
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Engl. Lieder u. Balladen aus dem 16. Jahrh.
105
Wherfore let vs alwaie
90 ßejoice in god, I faye,
Our mirthe cannot decay,
If we do this.
And put afide all wrathe,
For David fhewed vs hathe:
95 Vinum letificat
Cor hominis.
Nowe ye that be prefente,
Laude god omnipotente,
That hathe vs geven [&] fent
100 Our dalie foode.
(When) thorowe Finne [we] were* Haine,
He fent his fon againe,
Vs to redeme from paine
' By his fwete bloude.
106 And he is the trewe vyne,
From whom diftilde the winc
That bought- your foules and myne,
You knowe well this.
Then put afide all wrathe,
110 For David fhewed vs hathe:
Vinum letificat
Cor hominis.
98. To laude (laudare) = to praise ist dialektisch noch jetzt ge¬
bräuchlich. Siehe Wright, Provincial Dictionary. — 101. flane. — 103.
passe. — 109. afid.
(Fortsetzung folgt.)
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Kritische Anzeigen.
Catalogo dei Novelliert italiani in prosa, raccolti e posseduti
da Giovmni * Papanti . Aggiuntovi alcune Novelle per la
maggior parte inedite. Livorno, pei tipi di Francesco Vigo,
editore. 1871. 2 vol. 8°. VI —218 —LU; XII—152 —
CXIX.
Wir gelangen zu unserm Bedauern erst spät zur Anzeige
dieses höchst interessanten Katalogs, dessen Erscheinen wir
selbst schon zu der Zeit, als es uns vergönnt war, die kost¬
bare Sammlung an der Hand ihres liebenswürdigen Besitzers
zu durchmustem, mit Ungeduld entgegensahen. Herr Papanti,
allen Freunden der italienischen Literatur schon als Veran¬
stalter einer Reihe sehr schätzbarer Ausgaben selten geworde¬
ner oder noch unedirter Novellen bekannt, hat sich durch die
Veröffentlichung des Katalogs seiner ausgezeichneten Samm¬
lung ein grosses Verdienst um die Bibliographie und damit
um die Geschichte eines wichtigen Theiles der italienischen
Literatur erworben. Seit einem Jahrhundert sind die italie¬
nischen Novellisten ein Lieblingsobject für den Sammelfleiss
der Bibliophilen (und nicht der italienischen allein) gewesen.
Die erste in weiteren Kreisen bekannt gewordene Sammlung
dieser Art war bekanntlich die ihrer Zeit hochberühmte des
Grafen Borromeo, deren zuerst 1795 und in zweiter vermehr¬
ter Auflage 1805 erschienener Katalog den ersten einiger-
massen vollständigen Ueberblick über das ganze reiche Gebiet
der italienischen Prosaerzählungen gewährte und Jahrzehende
lang das einzige bibliographische Hülfsmittel für dasselbe
bildete. Erst der fleissige und sorgsame Gamba lieferte in
seiner „Bibliografia della Novelle italiane in prosa“, welche 1833
erschien und zwei Jahre später vermehrt wieder aufgelegt
wurde, die erste wirkliche Bibliographie und zwar in chrono¬
logischer Anordnung. Durch neue Entdeckungen, welche der
unermüdliche Eifer der Liebhaber sowohl in öffentlichen
Bibliotheken wie in Privatsammlungen machte, wurde aber
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Kritische Anzeigen.
107
schon im nächsten Jahrzehend das Material so ansehnlich
vermehrt, dass Gamba’s Arbeit nicht mehr genügte; doch
wurde der Wunsch nach einem neuen den Bedürfnissen ent¬
sprechenden Handbuche erst 1863 durch Passano’s „Novellieri
italiani in prosa descritti ed indicati“, die eigentlich eine ver¬
besserte und vielfach vermehrte Ausgabe des Gamba'schen
Buches sind, nur dass der Verfasser leider die chronologische
Anordnung mit der zwar bequemeren, aber unwissenschaft¬
lichen alphabetischen vertauscht hat, erfüllt.
Neben den eigentlichen Bibliographien bleiben aber sorg¬
fältig abgefasste Kataloge von Privatsammlungen besonders des¬
halb unentbehrlich, weil sie auf Autopsie beruhen. Auch Gamba
und Passano hatten nicht Alles selbst gesehen und in Händen
gehabt, sie mussten sich in vielen Fällen auf Angaben Anderer
verlassen und die Folge davon waren allerhand Irrthümer und
Ungenauigkeiten. Um so willkommener ist daher dieser neue,
mit jener liebevollen Sorgfalt, welche der eigene Besitz der
Kostbarkeiten verleiht, abgefasste Katalog einer Novellen¬
sammlung, die augenblicklich wohl die bedeutendste in Italien
sein möchte, vielleicht mit alleiniger Ausnahme der des Herrn
Tessier in Venedig, die jedoch bis jetzt in weiteren Kreisen
unbekannt geblieben ist. Zwar fehlen der Sammlung noch
verschiedene jener Cabinetsstücke der italienischen Novellistik,
welche die Auctionskataloge berühmter englischer und fran¬
zösischer Bibliophilen zierten. Es fehlen z. B. die ältesten
Ausgaben des Decamerone; die älteste verzeichnete ist von
1541. Auch von Giovanni Fiorentino fehlt die ächte editio
princeps, freilich eines der seltensten Bücher der italienischen
Literatur. Ebenso vermisst man die ältesten unveränderten
Ausgaben des Masuccio, die Princeps des Bandello und die
beiden ältesten des Straparola. Sabadino degli Arienti fehlt
ganz. Mit dieser einzigen Ausnahme aber dürfte unter den be¬
rühmteren Novellisten wohl keiner sein, der nicht mindestens
durch eine Ausgabe in der Sammlung vertreten wäre; von
vielen sind die meisten, von einigen, wie Sacehetti und Graz-
zini, sämmtliche Ausgaben vorhanden, vom ersteren auch eine
Papierhandschrift aus dem 16. Jahrhundert. Ebenso finden
sich vom Bandello alle vollständigen Ausgaben mit Ausnahme
der Princeps, zusammen 6, ebenso viele von Giovanni Fio¬
rentino, ungerechnet die Auswahlen, von Giraldi 7, von den
Cento novelle antiche über 20, vom Decamerone, wenn wir
recht gezählt haben, 79, gleichfalls die Scelte imgerechnet.
Gegenüber den genannten Lücken, die es dem Sammelfleisse
des Besitzers mit der Zeit wohl gelingen wird zum Theil noch
auszufüllen, findet sich nun aber eine nicht geringe Zahl von
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108
Kritische Anzeigen.
Artikeln, die früheren Sammlern ganz entgangen waren
und die daher auch von den Bibliographen nicht aufgeführt
werden. In grosser Vollständigkeit sind die in den letzten
Jahrzehenden grossentheils nur in sehr kleiner Anzahl von
Exemplaren gedruckten und zum Theil gar nicht in den Han¬
del gekommenen Ausgaben oder Wiederabdrücke älterer No¬
vellisten vorhanden, eine Klasse, zu welcher Herr Papanti
selbst so werthvolle Beiträge geliefert hat. Die meisten dieser
Publicationen finden sich hier in drei, vier und mehr Exempla¬
ren, ausser in den gewöhnlichen noch in solchen auf grossem,
auf Velin-, auf farbigem Papier oder auf Pergament. In Folge
der fast absoluten Vollständigkeit, in welcher die Erscheinun¬
gen dieser Art in der Sammlung vertreten sind, wird der
Katalog ein schätzbares Repertorium für dieselben und ge-
wissermassen eine Fortsetzung des Passani schen Buches für
die Jahre 1863—71.
Aber nicht der Reichthum dieser Sammlung allein ist es,
was ihrem Kataloge einen besonderen Werth verleiht, sondern
vorzugsweise die grosse Sorgfalt, mit welcher derselbe abge¬
fasst ist. Zwar auf eine Kritik des inneren Werth es der ein¬
zelnen Ausgaben bezüglich der Güte des Textes u. s. w. sich
einzulassen, lag nicht in des Verfassers Plane, weil dafür von
Gamba und Passano im (Ganzen schon genügend gesorgt war,
und nur in Ausnahmsfällen hat er Veranlassung genommen,
seine Vorgänger auch in dieser Beziehung zu berichtigen und
zu ergänzen, wie z. B. ausführlich in Bezug auf die Florentiner
Ausgabe des Filocopo. Dagegen sind die Beschreibungen der
Bücher musterhaft genau und sorgfältig, und zahlreiche Un¬
genauigkeiten und Irrthümer früherer Bibliographen, nament¬
lich auch Passano’s, finden sich aufgedeckt.
Nach dem Vorbilde Borromeo s hat Herr Papanti aber
den Freunden dieser Gattung der Literatur nicht blos seine
Schätze aufzählen, sondern sie auch noch auf andere Weise
an denselben Theil nehmen lassen wollen, indem er dem Ka¬
taloge eine Anzahl noch unedirter Novellen angehängt hat.
Dem ersten Bande folgen 33, von Prof, d’Ancona Herrn P.
zum Zwecke der Herausgabe überlassene Novelle antiche aus
zwei Codices der Palatina und der Magliabeechiaua, von denen
sechs in etwas abweichendem Text schon in den Ausgaben
des Novellino von Borghini und Gualteruzzi, 3 andere in den
letzten Jahren einzeln, doch nur in sehr kleiner Anzahl von
Exemplaren gedruckt waren, die übrigen aber sämmtlich hier
zum ersten Male erscheinen. -Im Anhänge zum zweiten Bande
finden wir zuerst eine noch unedirte Novelle von Giovanni
Sercambi, welche erst wenige Monate vor dem Erscheinen
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Kritische Anzeigen.
109
dieses Katalogs mit andern aus dem Nachlasse des verdienst¬
vollen Paggiali stammenden Papieren aus einem Fleischerladen
gerettet wurde, ein um so werthvollerer Fund, als bekanntlich
die lächerliche Prüderie der Familie Trividzio den in ihrem
Besitze befindlichen vollständigen Codex des Sercambi bis jetzt
hartnäckig der Veröffentlichung entzogen hat, während ein
anderer, vielleicht der Originalcodex, aus welchem diese neue
Novelle copirt war und der zuletzt von der Familie Baciocchi
besessen wurde, mit deren übrigen Bücherschätzen zerstoben
und bis jetzt nicht wieder aufgefunden worden ist. Auf Ser-
cambis Novelle folgt eine von Feliciano Antiquario aus dem
14. Jahrhundert nach einer Handschrift der Ricciardiana, so¬
dann eine von Pietro Fortini aus dem bekannten einzigen
sienesischen Codex.
Von den 11 noch vorhandenen ganz in Vergessenheit ge¬
ratenen Novellen des Pistojesers Giovanni Forteguerri giebt
Herr Papanti hier zwei, als die einzigen, die sich durch ihren
Inhalt zur Veröffentlichung eignen. Von den übrigen theilt
er nur die kurzen Inhaltsangaben, wie sie sich in dem Codex
selbst finden, mit, und aus diesen ersieht man, dass jeder von
Forteguerrfis Novellen ein Sprüchwort zum Grunde liegt.
Einige dieser Sprüchwörter sind auch von dem berüchtigten
Cinthio de’ Fabrizi behandelt worden und da die erste der
hier abgedruckten mit einer gleichbetitelten des Cinthio auch
den Stoff gemein hat, so ist zu vermuten, dass sich unter
den übrigen noch mehrere Nachahmungen desselben Schrift¬
stellers finden. Ist dem so, so empfiehlt siclvs allerdings,
sie in der Vergessenheit zu lassen, in der sie sich bisher be¬
funden haben.
Den Beschluss machen vier Novellen aus dem 17. Jahr¬
hundert, nämlich zw r ei von Giulio del Testa Piccolomini, eine
von einem Anonymus und eine von Andrea Cavalcanti, mit
welcher letzteren nun sämmtliche fünf Novellen des wackem
Arciconsolo der Crusca gedruckt vorliegen.
Interessante Notizen über verschiedene andere, abschrift¬
lich in seinem' Besitze befindliche Novellen, sowie über meh¬
rere Sammlungen, nach welchen seine Nachforschungen bis
jetzt resultatlos geblieben sind, giebt der Verf. in der Vor¬
rede, und mit Bedauern sieht man daraus, dass eine Anzahl
von Handschriften, die noch im Anfänge des laufenden Jahr¬
hunderts vorhanden gewesen sein müssen, jetzt verschwunden
sind. In dieser Erfahrung aber liegt die Aufforderung, das
noch vorhandene Werth volle um so sorgfältiger zu hüten und
es zu rechter Zeit vor dem Untergange zu bewahren. In
dieser Beziehung können wir z. B. nicht umhin, hier den Wunsch
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110
Kritische Anzeigen.
zu wiederholen, der schon vor mehreren Jahren im Propugna-
tore (Vol. I. p. 643) ausgesprochen wurde, dass nämlich die
sienesische Handschrift der Novellen Fortini's, welche mit
starken Schritten dem Verderben entgegengeht und schon jetzt
zum Theil sehr schwer lesbar sein soll, doch ehe es zu spät
ist, copirt und wo möglich gedruckt werden möchte. Als
Hindemiss der Veröffentlichung ist bis jetzt immer die An-
stössigkeit ihres Inhalts angeführt worden. Dieser Grund liesse
sich unter Umständen hören. Wo aber die modernen scham¬
losen Poesien eines Batacchi und Anderer in den verschieden¬
artigsten Ausgaben und Hunderten von Exemplaren verbreitet
sind, da erscheint es ein Widerspruch, aus Achtung vor der
guten Sitte einen werthvollen Codex des Cinquecento rettungs¬
los der Zerstörung durch Staub, Feuchtigkeit und Würmer
Preis zu geben, während man ihn in einer beschränkten An¬
zahl von Exemplaren wenigstens den literarischen Kreisen
zugänglich machen könnte.
Aber nicht blos an noch manchem Unedirten könnte
Fleiss und Geschick eines Herausgebers sich bethätigen. Auch
unter den schon bekannten älteren Novellisten sind einige,
deren Originalausgaben sich so selten gemacht haben, dass
sie nur Wenigen zugänglich und daher des Wiederabdrucks
dringend bedürftig sind. Mit Vergnügen ersehen wir soeben
aus der neuesten Bibliogr. dTtalia, dass der alte Salernitaner
Masuccio in seiner ächten Gestalt jüngst in Prof. Settembrini
einen Herausgeber gefunden hat. Möchte doch nun aber auch
dem für die Geschichte der erzählenden Dichtung so höchst
wichtigen Straparola die Ehre einer neuen Ausgabe nach den
ältesten, uncastrirten Drucken zu Theil werden! Eine solche
könnte zugleich einen interessanten Beitrag zur Geschichte
der geistlichen Censur liefern, wenn sie die mit dem Texte
successiv vorgenommenen Veränderungen und Verstümmelun¬
gen, welche keineswegs erst, wie von allen Bibliographen be¬
hauptet wird, mit der Ausgabe von 1598, sondern viel früher
beginnen, sorgfältig registrirte. Dazu würde aber freilich eine
Vergleichung aller Ausgaben oder doch der wichtigsten ge¬
hören, und eine solche ist überhaupt bis jetzt nicht angestellt
worden. Brakeimann (Giovan Francesco Straparola. Göttingen
1867) hat sie zwar angedeutet, aber nur sehr unvollkommen
ausgeführt, obwohl ihm das Material dazu zur Hand war.
Vielleicht verschmäht es demnächst ein d’Ancona oder Zam-
brini nicht, sich der Aufgabe zu unterziehen. L.
Digitized by LjOoq Le
Kritische Anzeigen.
111
Recnell d’anciens textes, bas - latins, proven^aux et fram^ais,
accompagnes de deux glossaires et publies par Paul Meyer .
l ro partie: Bas-latin-proven 9 al. 8. (192 S.) Paris 1874.
Franck.
Vorliegendes Buch hat den Zweck, bei den Vorlesungen
und Uebungen in der Pariser Ecole des chartes als Grundlage
zu dienen, und soll in zwei Abtheilungen lateinische, pro-
venzalische und altfranzösische Texte in geeigneter Auswahl,
von einem provenzalischen und einem altfranzösischen Glossar
begleitet, bieten. Von besonderem Interesse ist namentlich
die Zusammenstellung lateinischer Texte, deren Bedeutung für
die Entwickelung der romanischen Sprachen hervorzuheben
an dieser Stelle überflüssig ist. Sie beginnen mit orthogra¬
phischen Regeln aus einer Hs. des 9. Jahrh.; dann folgen
einige Inschriften aus Frankreich, die Stiftungsurkunde eines
Klosters (7. Jahrh.), ein Brief in assonierenden Reimversen von
Frodebert (wo Z. 11 homo natürlich zur 10. Zeile zu ziehen
ist), Urkundenformulare, Stücke aus einem Poenitentiale, eine
Benedictio etc., die bekannten Joca monachorum, und die
Reichenauer Glossen — Texte, die allerdings alle schon be¬
kannt waren, aber hier bequem vereinigt sind und deren Aus¬
wahl nur zu billigen ist. S. 23 beginnen die provenzal. Texte,
mit dem Boethius, nach einer Collation der Hs. und mit Bei¬
fügung der latein. Originalstellen dei Vita Boethii wie der
Consolatio; von dem Evang. Joh. des 11. Jahrh. das 13. Cap.
mit latein. Texte, und zwei jüngeren Uebersetzungen; drei
Predigten, davon *zwei ungedruckt; ein ziemliches Stück aus
Girart de Rossilho, unter Benutzung sämmtlicher Hss.; eine
Auswahl von Liedern der Troubadours; einige Biographien;
ein Stück der gereimten Albigenserchronik mit dem ent¬
sprechenden Stücke der Prosaauflösung; aus Flamenca; aus
dem *Breviari d’amor, nebst katalanischer Prosaauflösung;
aus *Guillem de la Barra; eine * Marienklage; aus mehreren
* Prosalegenden und * Bericht über die Belagerung von Da-
miette; aus Donatus provincialis und den Leys d’amors, und
eine Anzahl Urkunden, darunter * mehrere ungedruckte —
auch hier ein reichhaltiges Material, durchaus auf Benutzung
von Hss. beruhend (ungedrucktes von mir mit. * bezeichnet).
Dass der Herausgeber die Texte in einer kritischen Bearbei¬
tung zu geben bemüht war, durfte man von ihm erwarten.
Beim Boethius, an dessen Kritik sich bereits eine Reihe
von Romanisten, darunter Männer wie Diez und C. Hofmann, ver¬
sucht haben, hätte man bei den Lesarten gern unterschieden
gesehen, welche Besserungen und von wem sie schon früher
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Kritische Anzeigen.
gemacht waren. Zu v. 2 schlagen die ' Corrections ’ vor per
foll edat statt per folledat, wie alle bisherigen Herausgeber
schrieben und auch Meyers Text hat. Zunächst musste es
doch foll’ edat heissen. Aber ich halte diese Aenderung für keine
gute; die Jugendzeit ist in Z. 1 bereits angegeben. Diese ent¬
spricht dem biblischen Texte (1. Cor. 13, 11): 'als ich ein Kind
war 5 ; die zweite sagt: 'reden wir aus Kindischkeit (per folledat)
von kindischen Dingen’ = bibl. Text: 'redete ich wie ein Kind
und hatte kindische Anschläge’. Uebrigens ist in der ersten
Zeile das Komma nach omne zu tilgen: jove omne gehört eben
so gut in den Satz mit quandius; es ist ein cbzo xoivov ; denn
es soll nicht gesagt sein: 'so lange wir leben’, sondern: 'so
lange wir jung sind’. — Z. 20 hat die Collation der Hs. er¬
geben, dass in der Hs. steht eszns anzs; Meyer schreibt en
aiiZj en dies . Soll jenes sein in annis , so kann ich die Aen¬
derung nicht gutheissen; soll er aber en anz , 'früher’, bedeu¬
ten, dann ist das Komma dahinter zu streichen; enanz en
dies zusammen heisst 'in früheren Tagen’. — 28 ist überlie¬
fert dani fo Boctis , corps ag bo o pro, M. schreibt e bo e pros;
wir wollen von der vielleicht nicht nöthigen metrischen Cor-
rectur abselien, sicher unberechtigt ist pros, da man, um den
Keim zu glätten, der im Boethius nicht rein zu sein braucht,
dem Dichter keine sprachlich unstatthafte Form aufbürden
darf. — 33. bon essetnplc statt des überlieferten bo ess. zu
schreiben, ist überflüssig, wie auch v. 164 non es obs, statt no
es; wie v. 126 u ome unangetastet blieb, durfte auch hier das
überlieferte bleiben. Auch v. 28 ist bo vor Vocal nicht in bon
verwandelt worden. — 38. Warum hier u vor uom gestrichen
wird, vermag ich nicht einzusehen. Meyer scheint an der
zweisilbigen Aussprache von avia Anstoss genommen zu haben;
aber ebenso wird es gesprochen v. 188, in volia 66, solient
70, an welchen Stellen M/s Aenderungsversuche ebenso unbe¬
rechtigt sind. Die Doppelmessung kommt auch in dem Na¬
men Mallios vor, der v. 40 dreisilbig, v. 43 aber zweisilbig
gebraucht ist. Vgl. S. Agnes S. XI. — V. 53 schreibt M.
cscrivre , allein v nach Vocal vor Consonanten wird im Pro-
venzalisehen durchaus zu u aufgelösst. Ebenso unrichtig steht
193 livrar statt Imrar; S. 42, 58 timet für Huret; 62 limero;
68. 71 beere = beure etc. Richtig dagegen ist im Boeth. 3
viuri (nicht vivri) geschrieben. — 70 quel solient ajudar , M.
quel soM ajudar , aus dem zu v. 38 angegebenen metrischen
Grunde, den ich dort bereits zurückgewiesen habe. — 73 ist
eine wichtige Besserung durch die Collation zu Tage gekom¬
men : nicht ledcnas hat die Hs., sondern kdcnas ) wofür M. ganz
richtig kadenas geschrieben. — 82. Die Hs. hat e tem soll eu
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Kritische Anzeigen.
113
a toz dias far , M. schreibt a ioz dis . Es ist richtig, dass der
Reim v. 176 dis, wie ich zuerst schrieb, statt des hs. dias
verlangt; auch v. 60 und 139 ist M. meiner Schreibung di
und dis gefolgt; aber auch die zweisilbige Form ergiebt sich
aus v. 79. 118. Der Vers, wie ihn M. schreibt, reisst Pro¬
nomen und Verbum durch die Caesur auseinander, was bei
einem so alten Denkmal immer, bedenklich ist. Der Herausg.
scheint anzunehmen, dass das angelehnte Pronomen nicht den
weiblichen Ausgang der Caesur bilden darf. Auch Diez ist
derselben Ansicht (altrom. Sprachdenkm. S. 80). Er hat aber
bereits bemerkt, dass inclin. ce im altfr. als zweite Silbe des
weiblichen Reims gebraucht wird, und ebenso ge (Crestien de
Troies reimt lo-ge auf löge). Ich sehe im Prinzip keinen Un¬
terschied zwischen ge und eu und trage daher kein Bedenken,
soll’ eu zu betonen, und ebenso comprari 1 eu v. 193. Dass
diese Betonung dem Dichter gemäss ist, scheint sich aus
v. 165 zu ergeben: veder ent pdt Vom per quaranta ciptaz, wo
die Hs. den Accent auf pöt setzt, um zu bezeichnen, dass nicht
Vom die betonte Caesur bildet; es ist daher weder mit Hof¬
mann ent , noch mit Meyer per zu streichen, sondern das über¬
lieferte beizubehalten. Nimmt man übrigens Anstoss an der
weiblichen Caesur in v. 82 und 193, dann ist die Verschlei-
fung soli’eu und comprari 1 eu, wie Diez liest, noch immer
besser als die Trennung durch die Caesur. An der zweiten
Stelle schreibt M. comprar’eu; soll das Fut. sein, dann ist die
Elision des a unmöglich; ist es Cond, (für comprcra ), so müsste
erst dargethan werden, dass die Cond.-Form in ara so alt ist.
Die Verschleifung eines betonten i wäre nicht anstössiger als
in soli* ad anar v. 85; vgl. auch qui a 149, 156, qui e 154,
175, qui an 228. — 213 enthält eine gute Besserung: alQor
statt dl cor .
In der ersten der Limousinischen Predigten (S. 40), die
ich in meiner Chrestomathie, nach M/s früherem Abdrucke im
Jahrbuch, mitgetheilt, sind fast alle Besserungen meines Textes
auch in den M/s übergegangen; einiges ist jetzt anders gelesen.
So 41, 45 auiaz statt amaz, aber es musste dujaz geschrieben
werden, da auch sonst i und j geschieden sind. In der zwei¬
ten Predigt wird Z. 60 wohl lo vor liero ausgefallen sein;
vgl. die ähnliche Auslassung Z. 56. Vielleicht auch 62 lo
liurero (so! nicht livrero ) statt liurero, M. schreibt livrerol, was
freilich auch statthaft ist. — 86 wird zu schreiben sein per .
XXX. d.; vgl. 5, 58. — 112 1. geta ne; denn der Conj. hat
hier keine Stelle. — 112. lor revivre ist wohl nicht richtig;
wie wäre der Dativ hier zu erklären? Es ist hs reviure zu
schreiben.
Jahrb. f. rom. u. engl. Lit. K. F. H. $
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Kritische Anzeigen.
Das Stück aus dem Girard de Rossilho ist, was die
Sprache betrifft, wesentlich im Dialecte von 0 gegeben,
deren Text auch als der früher als bester erkannte zu Grunde
gelegt ist. Da das betreffende Stück nach 0 bei Mahn, Ge¬
dichte IV, 204 ff, steht, auch L und P in Abdrücken vor¬
liegen, so kann man sich leicht über die Textbehandlung ein
Urtheü bilden. Es müssten nun in Mahns Texte erstaunlich
viele Fehler sein, wenn alle Abweichungen der Schreibung
von 0 von M/s Texte wirklich in der Hs. ständen. So hat
M. Vers 1 Anc (=P), 0 hat nach Mahn Ainc; da M. an-
giebt, er habe die orthographischen Varianten von 0 mit-
getheilt, so muss man annehmen, entweder dass dies über¬
sehen ist, oder dass 0 wirklich Anc hat. In v. 2 hat Mahn
aitcms (= P), M. itaus, ohne Angabe einer Variante; ebenda
0 dex, M. deus ohne Variante. V. 7 0 fez (P fetz), Meyer
fes ohne Variante. V. 12 0 Tie, M. que; v. 47 hat Mahns
Abdruck tost (= P.) au pcrron etc. Mögen auch manche Fehler
bei Mahn vorhanden sein, jedenfalls sind nicht alle nicht ver-
zeichneten Abweichungen von M/s Texte als Fehler zu be¬
trachten.
In dem Liede des Grafen von Poitou (Nr. 7) ist natürlich
die letzte Zeile, wie in meiner Chrestom. geschehen, als Geleit
abzutrennen. Z. 18, unvollständig überliefert, wird von M.
ergänzt si non pot aver [destrier o] caval, compra palafrei. Dies
geht nicht an, da in dem lösilbigen Verse die Caesur nach
der achten Silbe fällt und weiblich ausgehen muss.
Zu Cercamon's Liede (Nr. 8 = Chrest. 43) ist noch f
benutzt; aber die Lesarten zu 12 sind nicht richtig angegeben,
wo f hat mon voler; bei 13 ist nicht bemerkt, dass A schreibt
nuoit und maitin , die Schreibungen noit und matin sind erst
von mir gesetzt. In derselben Zeile hat f (bei Meyer B)
iorn ni nueh für noit ni jom . V. 15 habe ich in f gelesen
car tant, doch wäre möglich, dass caitant dastände. V. 17
hat B (f) fan statt fo. V. 24 ist imrichtig von der Lesart
von A abgewichen und der von B der Vorzug gegeben. V. 31
fehlt allerdings pois in B, aber dafür hat sie quella men dis,
wodurch der Vers sein richtiges Mass bekommt. Die echte
Lesart hat sich hier in keiner Hs. erhalten, sondern diese
lautete qu’anc no la m quela me dis . In der folgenden Zeile
ist wieder unnöthig von A abgewichen: es ist ersichtlich, dass
ill m’amera in B zur Vermeidung des Hiatus gesetzt worden
ist. — V. 34 ist die angegebene Lesart nicht die von A, son¬
dern von B. — V. 36 ist kein Grund, der Lesart von B den
Vorzug zu geben; in der nächsten Zeile folgt M. wieder dem
Texte von A und so geht ein Schwanken durch das ganze
Gedicht, das wir nicht als kritisch bezeichnen können.
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Kritische Anzeigen.
115
9, 18 ist die fehlende Silbe wohl kaum durch c&'t zu er¬
gänzen; einfacher ist jedenfalls mas non [o] serai jemals. —
30 ist eine Aenderung von ai in ab nicht nöthig; es ist zu
verbinden et aj 9 afan amors que vai mercadan: a diables la
coman.
11, nur aus C (der Text der einen Barberini'schen Hs.
ist aus Stimming in den Nachträgen benutzt), ist, wie auch
die andern Lieder älterer Troubadours, nach den Grundsätzen
älterer Schreibung behandelt worden, die ich in meinem P.
Yidal und meiner Chrestom. zuerst durchgeführt habe, d. h.
es ist mit Recht eu für ieu , joi für joy, lonh für luenh, noit
für nueit etc. geschrieben worden. Fehlerhaft und ungleich-
mässig ist, während auzelhs , castelhs in auzels , casteis ver¬
wandelt wurden, v. 18 elha beibehalten, was in der älteren
Sprache keine Mouillierung kennt. V. 37 dagegen ist wiederum
eüa für elha gesetzt worden, die ältere Schreibung ist durch¬
aus ela. Inconsequent ist ferner, dass essenhamen v. 1 in en-
senhamen geändert worden, aber v. 20. 21 cosselhan, cosselhs
beibehalten. Unrichtig ist auch no i in zwei Worten zu schrei¬
ben, da beide nur eine Silbe im Verse ausmachen. In Nr. 12
musste, wenn die ältere Schreibung einmal durchgeführt wurde,
statt Escotatz gesetzt werden Escoutatz v. 1; v. 25, 27, 29
nicht soi, sondern sui; v. 28 nicht lur , sondern lor; 14, 23
nicht dieu , sondern den, wie v. 2 richtig dem steht.
11, 24 ist unnöthig geändert: s’alqim joi non ai en breur
men; Meyer schreibt sal qu’un joi non ai ’ en breumen. — 12, 6
muss nach acabar kein Punkt, sondern ein Komma stehen;
denn vis ist Conj., que-vis hängt ab von aital. — 18 ist
profer’ geschrieben; dies soll wohl Conjunctiv sein. Derselbe
würde aber profeira lauten, auch ist zum Conj. nach pos gar
kein Grund vorhanden. — dir statt die in der Prosa nach der
3. Strophe ist nur Druckfehler, ebenso in v. 24 dons für dom .
13 ist das bekannte Gedicht von P. Vidal, Nr. 30 meiner
Ausgabe. Dasselbe hat P. Meyer in der Romania n, 423 ff.
ausführlich behandelt; er hat auch hier einen grossen hs.
Apparat benutzt und hat namentlich in jener Abhandlung eine
Sonderung der Hss. in Klassen, und auf Grimd derselben eine
kritische Herstellung des Textes versucht. Nach ihm bilden
die Hss. zwei Klassen, deren eine durch CR (meiner Bezeich¬
nung) repräsentiert wird, die andere durch die übrigen von ihm
benutzten Hss. (unbenutzt blieben DN). Nim ist aber ein
bekannter kritischer Grundsatz, dass, wenn die Hss. verschie¬
dener Klassen mit einander übereinstimmen, diese Ueberein-
stimmung für die Lesart entscheidet. Gegen diesen Grundsatz
ist gleich in den ersten Zeilen gefehlt. Ich schrieb in meiner
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Kritische Anzeigen.
Ausgabe den 1. Vers Drogoman setther, s’cu agues bon destrier;
M. schreibt s'agues. Nun haben jene Lesart (nach M/s Be¬
zeichnung) A2 A4 A6 = Bl B2; A5 ausserdem se agues ,
was aus s’eu agues entstanden sein wird. Wenn A1 (womit D
übereinstimmt) eu auslässt, so ist der Grund ersichtlich: die in
der Lyrik ungewöhnliche Bildung des Verses, die der Ana¬
logie des epischen Verses folgt, gab Anstoss: vgl. P. Vidal,
S. LXXIIL Hinzufügen will ich, dass auch N s 9 eu agues liest.
Derselbe Fehler ist von M. in der zweiten Zeile begangen,
wo mit meiner Ausgabe zu schreiben ist en fol plag foran
intrat tuit mei guerrier; M. streicht tuit, wiewohl in A3 A6
= B2 es sich findet. Auch hier haben die Hss. verschiedene
Besserungsversuche gemacht, B 1 hat fol gestrichen, ausser¬
dem tuit in li verwandelt; A1A2A4A5 streichen tuit:
ebenso, wie ich hinzuföge, DN. Der dritte derartige Fall ist
v. 9 la terra crola (besser crolla oder crotla) per aqui on eu vau .
M. streicht eu, das in A2 A3 (auch in DN) = Bl B2 steht.
Wie hier, so ist in diesem Liede noch öfter der Grundsatz
einer methodischen Kritik verletzt. So ist klar, dass in v. 4
der Sing. caiUa , den A1A2A6 = B2 (auch DN) haben,
dem Plural vorzuziehen ist; die Uebereinstimmung von A3—5
= Bl kann nichts beweisen, da der Grund ersichtlich ist;
es sollte der Hiatus vermieden werden, der häufig Aenderungen
in den Hss. veranlasst hat (vgl. Gött. Gel. Anzeigen 1874,
Nr. 9, S. 270). V. 10 schreibt M. e non ai enemie tan so -
brancier , nach A4—6, also den geringsten Hss. dieser Klasse,
während Al—3 = B 1 haben (wie meine Ausgabe) e non ai
ges enemie tan sobrier; auch B2 stimmt, wenngleich der An¬
fang des Verses abweicht, in der zweiten Vershälfte genau;
ich bemerke nur, dass auch DN die von mir gewählte Lesart
haben, ferner (= A3) ni für e . V. 11 ist ebenfalls unrichtig
las mos el sondier , wo A4 A6 = B1 la via haben; der Grund
der Aenderung in las vias , die auch DN haben, ist wiederum
die Beseitigung des Hiatus; aus demselben Grunde hat B2
lo cami für la via gesetzt, denn betontes i kann nicht eli¬
diert werden. Diese Beispiele werden genügen, um zu zeigen,
dass diese kritische Bearbeitung des genannten Liedes keines¬
wegs befriedigen kann; ich räume gern ein, dass dies auch
in meiner Ausgabe, dem ersten Versuche dieser Art, nicht der
Fall ist, hauptsächlich deswegen, weil die Benutzung von A
und D mir verschlossen war und der Hs. C ein zu grosser
Werth beigelegt wurde, die allerdings einen vielfach über¬
arbeiteten Text enthält. Hervorheben will ich, dass in v. 33
die richtige Lesart aus den Texten A von Meyer zuerst er¬
kannt und zuerst richtig erklärt worden ist, nachdem er noch
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Kritische Anzeigen.
117
Romania I, 104 die Lesart von B festgehalten, dieselbe aber
dort unrichtig den Aragoniem in den Mund gelegt hatte,
während er jetzt mir darin beistimmt (S. 432), dass nach dem
Zusammenhänge nur den Toulousanem dieser Schlachtruf zu¬
kommt.
Schliesslich nur noch ein paar Bemerkungen über eines
der ungedruckten Stücke, Nr. 31, Guillem de la Barra. V. 26
wird zu lesen sein e eng qu’era d tnes d’dbril; M. qu’eran.
V. 46 schreibt man besser fo tfassetiatz; fos kann keine Indi-
cativform sein. V. 60 ist das Komma nach senher zu tilgen
und vielmehr nach reys zu setzen: senher lo reys ist die An¬
rede im Vocativ, wobei der Artikel, für uns auffallend, ebenso
steht wie im Altdeutschen herre der künec u. ähnl. — 67. dei
ist keine statthafte Form der 3. Pers. präs. von derer , es muss
dm heissen. — 71 ist statt a nos zu lesen a vos. — 224. de
denolhos ist wohl sicher ein Fehler der Hs. oder Druckfehler
für de genolhos; derselbe Fehler begegnet auch 293, wo ditar
für gitar steht. — 243 muss natürlich der Punkt in ein Komma
verwandelt werden.
Heidelberg, Juni 1874. K. Bartsch.
Zeitschriften.
I. Romania. Nr. IX. P. 1. H. Schuchardt. PhonGtique com-
par6e. I. De quelques modifications de la consonne initiale dans
les dialectes de la Sardaigne, du Centre et du Sud de ITtalie.
Ein vom Verfasser im Jahre 1872 auf der Philologenversammlung
in Leipzig gehaltener Vortrag, der hier in etwas ausgefllhrterer
Gestalt erscheint. — P. 31. P. Rajna. Uggeri il Danese nella let-
teratura Romanzesca degli Italiani. n. Fortsetzung des Artikels
in Nr. 6. — P. 78. F. Bonnardot. Un nouveau manuscrit des
Loherains. Das hier beschriebene, leider mehrfach lückenhafte
Ms. gehört der Bibliothek zu Dijon, und stimmt in seinem Text
am meisten mit dem des Arsenals 181, während es sich von allen
übrigen bis jetzt bekannten wesentlich unterscheidet. — P. 89.
Th. de Puymaigre. Chants populaires de la Vallfce d’Ossau. —
MGlanges. l) Le savetier Baillet, chanson comique. 2) Mier dans
les patois. — Comptes-Rendus über Meyer’s Recueil d’anciens
textes, Stengels Mittheilungen aus franz. Handschriften, Hofinann’s
catalanisches Thierepos, Mussafia’s Beitrag z. Kunde der norditalie¬
nischen Mundarten im XV. Jahrh. und Flugi’s Volkslieder des
Engadin. — Periodiques.
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118
Zeitschriften.
Nr. X. P. 129. G. Paris . Historia Daretis Frigii de origine
Francorum. Es ist dies das schon öfter erwähnte, hier aber zum
ersten Male im Druck erscheinende Stück, welches sich als Inter¬
polation in 3 Handschriften der Chronik des Fredegar befindet und
wahrscheinlich von dem zweiten Fortsetzer derselben herrührt. —
P. 145. S. Bugge. Etymologies fram^aises et romanes. — P. 164.
A . cFAncona. Le fonti del Novellino. Fortsetzung des Artikels
aus Nr. 8. — P. 195. Fr. Bonnardot. Essai de Classement des
Manuscrits des Loherains, suivi d’un nouveau fragment de Girbert
de Metz. Eine sehr ausführliche und gründliche Behandlung dieses
Gegenstandes. — P. 263. F. A. Codho . Romances sacros, orales
e ensalmos populäres do Minho. 30 Lieder aus dem Volksmunde
gesammelt. — P. 279. Me langes. Phonetique fran^aise von H.
Schuchardt; Remarques sur le vocalisme des serments de Stras¬
bourg von Storm; Les assonances du Roland von G. Raynaud;
Frammento di una raccolta di favole in Provenzale von Pio Rajna;
Les jours d’emprunt von P. M. (Beitrag zu den volkstümlichen
Wetterregeln). — P. 298. Corrections. Les lettres satyriques
de D. H. de Mendoza von Morel-Fatio. Verbesserungen zu den
bisherigen Drucken aus einem Ms. der Nationalbibliothek. — P. 303.
Comptes rendus über Mahns Gedichte der Troubadours von P. M.
(eine sehr scharfe Kritik); über Ch. Rocher’s Rapports de l’Eglise
du Puy u. s. w. von G. P. und A. Coelho’s Questoes da lingua
portugueza von Morel Fatio. — P. 312. Periodiques.
II. Rivista di filologia romanza. Vol. I. fase. 3. P. 139.
G . PitrL Nuovo saggio di fiabe e noveile popolari siciliane. Fort¬
setzung aus dem vorigen Hefte. Angehängt ist ein Glossar. —
P. 163. P. Bajna. Due frammenti di romanzi cavallereschi. Aus
einem ambrosianischen Codex. — P. 179. Theophüo Braga . Sobre
a origem portugueza do Amadis de Gaula. — P. 188. U.
A. Canello. Appendice alla storia di alcuni participii. Zusatz zu
dem Artikel in Heft 1. — P. 192. VarietA Sul codice Riccar-
diano 2943, contenente un nuovo testo del Percheval di Chrestien
de Troyes, von Stengel. — P. 194. Rivista Bibiiografica.
Kritiken über das Archivio glottologico von Suchier und über
Bartoli’s Primi due secoli della letteratura italiana von E. Monaci.
— P. 201. Periodici. — P. 205. Notizie.
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Der Troubadour Marcabm.
1. •
Die Lieder der ältesten Troubadours sind seit der Völker¬
wanderung und seit der Einführung des Christenthumes die
ersten Erzeugnisse subjectiver Dichtung in einer Volkssprache
des Romanischen Abendlandes. Daher verdient die Reihen¬
folge der ältesten Troubadours gewis Beachtung. Die wich¬
tigsten Bücher über die Geschichte der Troubadours sind deren
Provenzalische Biographien (herausgegeben von Raynouard im
V. Bande des Choix des poesies originales des troubadours
1820 und von Mahn, die Biographien der Troubadours 1853)
und 'Leben und Werke der Troubadours’ von Friedrich Diez.
Nach diesen Werken, die noch ein Aufsatz von Mahn im
Jahrbuch I. 83 ergänzt, haben Brinckmeier (die Provenza-
lischen Troubadours 1844 S. 132—140), Fauriel (Histoire de
la poesie provenfale 1847 II 5 ff.) und Milä y Fontanals (de
los trovadores en Espaua 1861 S. 40 ff.) folgende Reihe
aufgestellt.
1. Der erste Troubadour war Wilhelm VH Graf von
Poitou, IX. Herzog von Aquitanien, geboren 1071, gestorben
1127. Wir haben von ihm 11 Lieder, von denen sich keins
mit Sicherheit dem elften Jahrhundert zuschreiben lässt.
2. Mit ihm soll eine Tenzone gedichtet haben der Vizgraf
Ebles II. von Ventadour. VonEbles ist uns sonst nichts
erhalten.
3. Etwa in den dreissiger Jahren des 12. Jahrhunderts
dichtete Cercamon, der Lehrer Marcabrus, von dem wir
3 Lieder haben.
4. Guilhalmi dichtete eine Tenzone mit Cercamon.
5. Um die gleiche Zeit soll Guiraudo der Rothe an¬
zusetzen sein mit 8 Liedern.
Jahrb. f. rom. u. engl. Lit. N. V. II. 9
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120
H. SüCHIER.
6. Seit 1140 (Diez S. 17) (lichtete Bernhard von Ven-
tadour, von dem uns 45 Lieder erhalten sind.
7. Nun folgt Marcabru seit 1146 mit 42 Gedichten.
8. Die Lebensgeschichte Peters von Valeira sagt aus,
dass dieser Marcabrus Zeitgenosse gewesen. Von ihm sind
3 Lieder überliefert.
9. Von Hugo Catola haben wir eine Tenzone mit Mar¬
cabru und ein Lied.
10. Von Jaufre Rudel haben wir 6 Lieder, von denen
Jaufres Herausgeber das früheste ins Jahr 1147 setzt
Mit dieser Liste ist die Pariser Liederhandschrifk 22543
[R]*) nicht einverstanden, welche ihre Sammlung mit Mar¬
cabrus Liedern eröffnet und diese Lieder mit dem Satze über¬
schreibt: 'Hier beginnen Marcabrus Werke , welcher der erste
Troubadour gewesen ist , den es gegeben hat 9 (Bibi, de l’Ecole
des Chartes XXXI, 412). Da dieser Satz nicht ganz aus der
Luft gegriffen sein wird, wollen wir obige Reihe einer nähern
Prüfung unterwerfen.
Die Tenzone N Ebles aram digatz soll nach Mahn, Jahr¬
buch I 83, nach Kannegiesser, Gedichte der Troub. S. 12,
27—30 und nach Bartsch Verz. 183,9 2 ) von Ebles H von
Ventadour und Wilhelm VII gedichtet sein. Die Annahme
ist aber irrig. Die Tenzone wird nach Bartsch von vier
Handschriften den genannten Dichtern zugeschrieben. Von
diesen hat aber die Cheltenhamer [N] Bl. 276 a gar keine
Ueber8chrifh Die Pariser Handschrift 854 [I] Bl. 162 b hat
die Ueberschrift de n Ebles e de son seingnor; die Pariser
Handschrift 12473 [K] Bl. 148 b die Ueberschrift: la ten^on
de n Ebles e de son seignor . 3 ) Bleibt nur noch die Papier-
Handschrilt des Modenaer Liederbuches [d], deren Texte aus
der zuletzterwähnten oder einer dieser nahe verwandten Hand¬
schrift geflossen sind; sie hat genau dieselbe Ueberschrift als
12473 nach Mussafia (del codice Estense N. 153 2 ). Die ein-
*) Bartschens Sigel.
*) So citiere ich das Bartschens Grundriss zur Geschichte der Pro-
venzalischen Literatur angehängte Verzeichnis.
9 ) In der Handschrift des Bernart Amoros [a] stand Nobles e son
segnor (Jahrb. XI. 16).
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Der Troubadour Marcabru.
121
zige Autorität dafür, dass der Vizgraf von Ventadour und der
Graf von Poitou diese Tenzone verfassten, ist Graf Galvani, der
sie, nach seiner Angabe aus dem letzten Theile der Modenaer
Handschrift, in: Fiore di storia letteraria e cavalleresca della
Occitania. Milano 1845 S. 93 zum ersten Male abdruckte.
Unter Galvanis Händen gewann dieselbe Ueberschriffc, die
Mussafia in der angegebenen Weise las, folgende Gestalt: La
tenzon de en Ebles e de son senhor lo coms Peitavins , und Mahn
gab in den Gedichten der Troubadours N. 179 mit Galvanis
Text auch Galvanis Ueberschrift wieder. — Die Verfasser der
Tenzone sind Gui d’ Uisel und Ebles d’üisel , denen sie in der
That von fünf Handschriften beigelegt wird. Bartsch hat sie
denn auch unter Gui d'Uisel nochmals im Verz. 194, 16 auf¬
geführt. In der Handschrift 12473 [K] und den beiden mit
ihr aus gleicher Quelle herrührenden [I d], wo die richtigen
Verfasser nicht deutlich bezeichnet sind, beginnt die Tenzone
mit N Ebles aram digatz , in diesen drei Handschriften ist
zudem die Reimordnung eine ganz verwirrte. Den richtigen
Anfang N Ebles pos endeptatz und die richtige Reihenfolge
der Reime gewähren die übrigen Handschriften, in welchen
auch die Namen der Verfasser, wenn sie genannt werden,
die ächten sind.
Für die Zeitbestimmung der Troubadours sind drei Lieder
von besonderer Wichtigkeit:
1, das Rügelied Peters von Auvergne Verz. 323,11. Es
ist um 1180 verfasst.
2, ein Lied von Elias von Barjols, beginnend Bels
gazaings da vos plazia . Verz. 132, 5. Dasselbe ist vor 1189
verfasst.
3, das Rtigelied des Mönchs von Montaudon Verz. 305,
16, vor 1194 verfasst.
Die angegebene Abfassungszeit der drei Lieder begründe
ich mit folgendem:
1. Was das Rügelied Peters von Auvergne betrifft, so sagt
der Mönch im Eingang seines Liedes, er wolle von den Trou¬
badours singen, die nach der Zeit, wo Peter sein Rügelied
9 *
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H. SUCHIER.
verfasste, gedichtet haben. Die meisten der von ihm erwähnten
Dichter traten aber um das Jahr 1180 hervor.
2. Elias von Barjols nennt in seinem Liede Pons von
Chapdeuil, der im J. 1189 ins heilige Land zog und nicht wie¬
der kam. Sein Lied ist also vor 1189 verfasst und von den
darin erwähnten Dichtem (Dalfin, Bertran de la Tor, Pons von
Chapdeuil, Raimon de Miraval) hat Diez (Leben und Werke
S. 252. 379) wol das Auftreten der beiden letztem zu spät
angesetzt. Pons wird eher um 1170 als um 1180 und Raimon
eher um 1180 als um 1190 zu dichten begonnen haben.
3. Im Rügeliede des Mönchs wird Pons von Chapdeuil, doch
ein Dichter von Bedeutung, nicht erwähnt, er hatte wol be¬
reits das Kreuz genommen. Die Erwähnung des Sohnes, nach
anderer Lesart: der Söhne des Herrn Alfons (von Toulouse)
war nur verständlich, so lange wenigstens der eine von Alfons'
Söhnen noch am Leben war, Raimund V. von Toulouse aber
starb im J. 1194. Folquet von Marseille war noch nicht ins
Kloster gegangen; wenigstens fehlt, wo seiner Erwähnung
geschieht, jede Anspielung hierauf. Zwar behauptet Philipp-
son (der Mönch von Montaudon 1873 S. 72) das Gegentheil.
Er will das Rügelied des Mönchs ins Jahr 1199 setzen. Aber
seine ganze Begründung schwebt in der Luft, da sich die
nähern Umstände der Liebesgeschichte Araauts von Maroil,
auf die sich Philippson beruft, nicht mit Sicherheit feststellen
lassen (vgl. Diez, Leben und Werke S. 126).
Eine Stelle aus dem Rügeliede des Mönchs dient mir als
Stütze, um zu beweisen, dass Guiraudo der Rothe nicht
unter die ältesten Troubadours gerechnet werden darf. Von
Guiraudo haben wir folgende Lebensgeschichte (Raynouard,
Choix V S. 172): 'Guiraudo der Rothe war aus Toulouse,
der Sohn eines armen Ritters, und er kam an den Hof seines
Herrn, des Grafen Alfons, um zu dienen, und er war höfisch
und sang schön und verliebte sich in die Gräfin, die Tochter
seines Herrn, und die Liebe, die er zu ihr hatte, lehrte ihn
dichten, und er machte viele Canzonen’. Den Grafen Alfons
von Toulouse, an dessen Hofe Guiraudo diente, erklärte Diez,
Leben und Werke S. 598 für den im Jahre 1148 gestorbenen
Grafen Alfons Jordan. (So schon die Hist. litt, des troub. I
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Der Troubadour Marcabru.
123
205 und die Hist. litt, de la Fr. Xffl. 306.) * Ebenso die Ver¬
fasser der Histoire generale de Languedoc. Tome IV Toulouse
1841 S. 135 b ,Brinckmeier, die Prov. Troubadours S. 138, Kanne-
giesser, Gedichte der Troub. S. 58, Fauriel, histoire de la poesie
proven 9 ale II 14, Milä y Fontanals, Philippson, der Mönch von
Montaudon S. 76, T. Wright, Essays on archaeological sub-
jects II S. 199, der die Liebesgeschichte noch phantastisch
auszuschmücken bemüht ist. Aber die erwähnte Stelle aus
dem Rügeliede des Mönchs macht diese Annahme unhaltbar.
Zugleich gibt sie uns den Anhaltspunkt, um die Persönlich¬
keit des Grafen Alfons festzustellen. Es ist dieselbe Stelle,
die ich schon für die Zeit der Abfassung des Rügeliedes her¬
anzog. Guiraudo ist der elfte der Troubadours, die vom Mönche
genannt werden. Er trennte sich von Herrn Alfons' Sohne,
heisst es (von Herrn Alfons' Söhnen nach Raynouard, Choix IV,
371), der ihn aus dem Nichts emporgehoben hatte. Die Unter¬
suchung in der Histoire generale de Languedoc. Tome IV, 1841,
S. 135 b stellt fest, dass vom Jahre 1148 an nicht nur der älteste
Sphn des Alfons Jordan, Raimund V., Graf von Toulouse war,
sondern dass auch Raimunds jüngerer Bruder Alfons diesen Titel
führte. Guiraudo gehört also in das Ende des 12. Jahrhunderts,
und der jüngere Alfons, der mit seinem Bruder Raimund zusam¬
menregierte, war es, der den Dichter aus dem Nichts empor¬
hob, wie sich der gehässige Mönch ausdrückt. Wollte man
einwenden, dass Guiraudo die Tochter des Grafen Alfons liebte
und uns von Alfons' Nachkommenschaft keine Kunde geworden
ist, so Hesse sich entgegnen, dass es auch über die Töchter
des Grafen Alfons Jordan nichts als Vermuthungen gibt
(Histoire generale de Languedoc IV S. 136 ft ). Wir wissen
nur, dass eine Tochter des Alfons Jordan 1147 mit ihm
ins heiHge Land zog und von Raimund I. von Tripolis an
Noradin ausgeliefert wurde (1'Art de verifier Jes dates
V 93).
Auch Bernhard von Ventadour ist in obiger Liste
zu früh angesetzt. Bernhards Lieder haben klassischen Werth;
sie verdienen den schönsten Erzeugnissen der Lyrik aller
Zeiten und Völker an die Seite gestellt zu werden. Seine
Begabung müssen wir natürHch um so höher schätzen, je
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H. SüCHIEB.
geringer die Zahl seiner Vorgänger war. Versuchen wir also
den Zeitpunct, wo Bernhard zu dichten begann, näher zu be¬
stimmen. In Bernhards Lebensgeschichte von Hugo von Saint--
Circ heisst es (Raynouard, Choix V S. 69): 'Bernhard wuchs
im Hause des Vizgrafen von Ventadour auf. Der Vizgraf
hatte ein schönes Weib, die viel Gefallen an Bernhards Lie¬
dern fand. Und sie verliebte sich in Bernhard und er in sie,
und er sang von seiner Liebe zu ihr und widmete ihr seine
Lieder. Lange Zeit dauerte ihr Verhältnis, bis der Vizgraf
es merkte und die Dame einsperren und bewachen liess. In
ihrer Noth liess sie Bernhard befehlen, sich ganz aus der
Gegend zu entfernen. Und er ging zu der Herzogin von der
Normandie und blieb lange Zeit an ihrem Hofe, bis sie Königin
von England wurde . . . Und Graf Ebles von Ventadour,
welcher der Sohn der Vizgräfin war, die Herr Bernhard liebte,
erzählte mir, Hugo von Saint-Circ, das, was ich von Herrn
Bernhard habe aufschreiben lassen.’ Es kommt uns haupt¬
sächlich darauf an, mit welcher Vizgräfin von Ventadour Bern¬
hard das erwähnte Liebesverhältnis hatte. Nach Diez (Leben
und Werke S. 20) war es die Gattin Ebles II. (Agnes von
Montlufon), desselben Ebles, der auch als Troubadour genannt
ist und nach Miläs Angabe etwa im Jahre 1086 geboren war.
Nach Fauriel n 31 war es aber die zweite Gattin des um
das Jahr 1100 geborenen Ebles III. (Adelheit von Montpellier).
Bischoff (Biographie des Troubadours Bernhard von Venta¬
dour. Berlin 1873) hat die Ansicht, Agnes sei Bernhards
Geliebte gewesen, mit Recht verworfen, schon deshalb, weil
Hugo von Saint-Circ vom Sohne der Vizgräfin, die Bernhard
liebte, Bernhards Lebensumstände erfuhr. Da Ebles HI. im
Jahre 1170 gestorben war, konnte Hugo nur aus dem Munde
Ebles IV. die Geschichte vernehmen; Ebles IV. aber war der
Enkel der Agnes und der Sohn der Adelheit. Ich halte Bi-
schoffs Darstellung, der zufolge Adelheit Bernhards Geliebte
war, für nicht unwahrscheinlich, aber keineswegs für sicher,
da die Möglichkeit, dass Bernhard vielmehr mit Ebles IH. er¬
ster Gattin (Margarete von Turenne) im Verhältnis stand,
nicht unberücksichtigt bleiben durfte. Bischoff giebt S. 10 an,
Ebles IH. habe Margarete im Jahre 1148 geheirathet und sie
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Der Troubadour Marcabm.
125
im Jahre 1151 verstossen, er glaubt ferner S. 12 aus dem
Participium der Gegenwart ( Margaretam relinquens sibi copu-
lavit) schliessen zu können, noch in demselben Jahre 1151
sei Adelheit Ebles HI. Weib geworden. Aber leider sind diese
Zahlen unsicher genug. Was wir wissen ist nur folgendes.
Bernhard ging zwischen 1152 und 1154 nach der Normandie
zu Eleonore. Ebles HI. heirathete die seit dem Jahre 1148
durch den Tod des Vizgrafen Ademars IV. von Limoges ver¬
witwete Margarete von Turenne 1 ) und verstiess sie nach zwei¬
jähriger Ehe ' causa consanguinitatis mariti prioris ’, nachdem
sie ihm eine Tochter, Matebruna, geschenkt hatte. Er hei¬
rathete dann Adelheit von Montpellier, deren Sohn Ebles IV.
sich im Jahre 1174 verheirathet. — Die Möglichkeit liegt
jedenfalls vor, dass Bernhard schon im Jahre 1152 zu Eleonore
ging und Ebles III. Adelheit erst 1155 heirathete. Dann
wäre Margarete Bernhards Geliebte gewesen, und Ebles IV.
hätte, was nicht gar ferne liegt, Hugo von Saint-Circ gegen¬
über seines Vaters erste Frau seine Mutter genannt. Einiges
scheint sogar direct für Margarete zu sprechen, so Bernhards
Worte: 'Da wir noch beide Kinder waren, hab ich sie schon
geliebt’. Die Städte Turenne, woher Margarete stammte, und
Limoges, Wo sie mit Ademar wahrscheinlich nach südfranzö¬
sischer Sitte in recht jugendlichem Alter vermählt war, sind
beide Ventadour benachbart, weshalb Bernhard viel eher Ge¬
legenheit haben konnte, Margarete kennen zu lernen, als Adel¬
heit im gräflichen Hause zu Montpellier. Margarete, deren
Zusammenleben mit Ebles kein glückliches war, konnte eher
zu einer Liebesgeschichte geneigt sein, als die jungvermählte
Adelheit. Auch hätten, wenn Bernhard Adelheit liebte, die
Liebesgeschichte und Bernhards Abschied von Ventadour, seine
Ankunft in der Normandie und Eleonorens Reise nach Eng¬
land fast unmittelbar auf einander folgen müssen, während
doch die Lebensgeschichte von einem lange verborgen geblie¬
benen Liebesverhältnis und einem langen Aufenthalte bei
*) Beiläufig sei bemerkt, dass die Gattin Ebles V. von Ventadour,
Maria von Limoges, die Dichterin einer Tenzone, die Tochter Ademars V.
von Limoges, also Margaretens Enkelin war (l’art de vörifier les dates
X S. 263).
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H. SuCHtER.
Eleonore spricht. Bischoff glaubt in der ersten Strophe des
Liedes AI chant d’auzel comenza ma chansos (andere Hand¬
schriften beginnen es mit Bels Monruels, aicel qnes part de vos
Yerz. 70, 11) Adelheits Namen zu finden: riAelis. So heisst
aber Adelheit nur im Französischen. Im Provenzalischen, wo
die entsprechende Form Azalais lautet, dürfen wir hier wie
anderwärts nur na Elis schreiben. Vielleicht ist Elise von
Montfort gemeint (vgl. über sie Diez, Leben und Werke S. 181).
Unter Monruel wäre dann Montfort in Perigord, unter Mon-
Joi die Vizgräfin von Ventadour zu verstehen. Der Umstand,
dass Bernhard von England aus zu seiner alten Geliebten zu¬
rückkehrte, verlangt keineswegs, dass diese damals noch in
Yentadour gewesen sei. Wenn er die Vizgräfin Margarete
liebte, so suchte er sie vielmehr in Angoul&me auf, wo sie
mit ihrem dritten Gatten, dem Grafen Wilhelm IY. Taillefer
lebte. Warten wir die Ausgabe Bernhards ab, die Herr Pro¬
fessor Stengel vorbereitet; vielleicht gelingt es demselben, durch
Bestimmung der Zeit, um welche sich Ebles mit Adelheit
verheirathete, die Geschichte von Bernhards Jugendliebe auf¬
zuklären. Einstweilen lässt sich mit Sicherheit nur soviel
sagen, dass der Beginn von Bernhards dichterischer Thätigkeit
zwischen die Jahre 1148 und 1152 fällt.
Von Jaufre Rudel, dem Prinzen von Blaya, sind uns
sechs Lieder erhalten, von denen der Herausgeber dieses Dich¬
ters (Albert Stimming. Kiel 1873) eines als im Jahre 1147,
die übrigen als nach dem zweiten Kreuzzuge entstanden an¬
sieht. In Bezug auf das erste Lied gebe ich ihm Recht, nicht
aber in Bezug auf die übrigen. Ueber Jaufres Leben wissen
wir, dass er am zweiten Kreuzzuge theilnahm. Dieses geht
unzweifelhaft aus dem Schlüsse von Marcabrus Liede Corte -
zamen voil comensar , das Jaufre während des Kreuzzugs gewidmet
ist, hervor. Jaufres Lebensgeschichte aber erzählt von ihm:
'Er verliebte sich in die Gräfin von Tripolis, ohne sie zu
sehen, weil er aus dem Munde der Pilger, die von Antiochia
kamen, so viel Gutes von ihr gehört hatte. Und aus Ver¬
langen sie zu sehen nahm er das Kreuz und schiffte sich ein.
Und auf dem Schiffe ergriff ihn eine Krankheit, und er wurde
nach Tripolis in eine Herberge für todt geschleppt. Und man
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Der Troubadour Marcabru.
127
liess es die Gräfin wissen, und sie kam an sein Bett. .. Und
er starb in ihren Armen, und sie liess ihn mit grosser Ehre
im Tempelhause begraben. Und am selben Tage ward sie
Nonne aus Schmerz über seinen Tod.’ Nun fragt es sich, ob
Jaufres Reise zur Gräfin von Tripolis mit dem zweiten Kreuz¬
zug zusammenfällt oder nicht; ob also Jaufre einmal oder
zweimal im heiligen Lande gewesen. Stimming erklärt sich,
wie schon Diez that, für die zweimalige Fahrt. Er nimmt
an (nach Diez, Leben und Werke S. 55), Jaufre Rudel habe
Melisende von Tripolis geliebt und in den sechziger Jahren die
Reise nach Palaestina gemacht.
Schon Stengel (li romans de Durmart le Galois. Literari¬
scher Verein in Stuttgart 1873 S. 505) hat auf das Bedenkliche
dieser Annahme .hingewiesen, der zufolge Jaufre im gesetzten
Mannesalter zu einer Geliebten, die er nie gesehen, in den Orient
gereist sei. Ich stimme ihm vollkommen bei und glaube auch,
dass die Worte der Lebensgeschichte (jper voluntat de leis vezer
d se eroset ) am natürlichsten auf den zweiten Kreuzzug be¬
zogen werden. Die Lebensgeschichte sagt kein Wort von einer
zweimaligen Reise. Ich lasse denn Melisende fallen und ent¬
scheide mich für Odierae, Melisendes Mutter und Gattin des
Grafen Raimunds I. von Tripolis *). Dass man vielmehr
verheirathete Frauen als Mädchen liebte, verlangte ja der
eigenthümliche Charakter der Minne. Odieme war um das
Jahr 1118 geboren und konnte damals noch schön genug sein,
um das Lob eines Troubadours zu verdienen. Ich weiche
demnach von Stimmings Darstellung etwa in folgendem ab. Das
zweite, dritte und vierte Lied (ich bezeichne sie nach der
Reihenfolge in Stimmings Ausgabe) sind die frühesten von
den Liedern, die uns von Jaufre erhalten sind. Das erste
Lied (Quan lo rossinhols el folhos ) entstand im Frühling des
Jahres 1146. Ludwig hatte schon zu Weihnachten 1145 auf
der Versammlung von Bourges seine Absicht, einen Kreuzzug
zu unternehmen, kundgegeben, und Bernhard von Clairvaux
l ) Die Annahme der Hist. gdn. de Lang. (1841 IV S. 144 a ), die
auch in der Hist. litt, de la Fr. XIV 562 gebilligt wird, der zufolge
Raimunds II. Witwe Jaufres Geliebte gewesen wäre, beseitigt Diez mit
Recht ohne Weiteres (Leben und Werke S. 66 Anm).
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H. SüCHIEB.
predigte seit Februar 1146 das Kreuz (Kugler, Studien zur
Geschichte des zweiten Kreuzzugs S. 87. 89). Dieses Lied
ist auf eine Geliebte gedichtet, die weder mit der in den er¬
wähnten drei Liedern besungenen noch mit der Gräfin von
Tripolis identisch sein kann. Die beiden Lieder auf diese
(das fünfte imd sechste) gehören also in das Jahr 1146 oder
1147. Für das eine dieser beiden Lieder No sap chantar qui
so no di habe ich glücklicherweise noch einen zweiten Anhalts-
punct, dass es im Jahre 1147 entstand. Es ist an Bertran
und den Grafen von Toulouse gerichtet, die eben im Begriffe
sind, 'etwas zu unternehmen, davon man singen wird*. Ich
wüsste nicht, wie sich diese Stelle besser deuten liesse, als
damit dass man sie auf Alfons Jordan Grafen von Toulouse
und seinen natürlichen Sohn Bertran bezieht. (Anders Stim-
ming S. 20, der aber mit dem Namen Bertran nichts anzu¬
fangen weiss.) Mit den angeführten Worten spielt Jaufre auf
ihre Vorbereitungen zum Kreuzzuge an, den sie im Jahre 1147
antraten. Das französische Kreuzheer hatte schon im Juni
Frankreich verlassen. Alfons trat erst zu Ende August zu
Schiffe die Reise an. Wilhelm IV. Taillefer Graf von Angou-
leme begleitete ihn (Stimming S. 9). Sonst ist über die Reise¬
genossenschaft des Grafen nichts bekannt (Hist. gen. de
Lang. IV 134). Dass Jaufre zu Schiffe reiste und nicht mit
dem Kreuzheere den Landweg einschlug, ist durch die Lebens¬
geschichte positiv bezeugt. Da er nun mit Alfons, Bertran
und Wilhelm befreundet war, so ist es bis zur Evidenz wahr¬
scheinlich, dass er mit ihnen die Reise zusammengemacht.
Alfons Jordan starb Mitte April 1148 bei der Landung in
S. Jean d’Acre an Gift. Raimund I. von Tripolis lebte gerade
in Unfrieden mit der Odierne; er war eifersüchtig, vielleicht
hatte sie Neigung zu Minnesängern, die es ja als ihren Beruf
betrachteten, Ehemänner um Ruhe und Glück zu bringen.
König Fulco von Jerusalem und seine Frau, die Schwester
der Odierne, suchten die beiden zu versöhnen. Als sie kaum
Tripolis verlassen haben, wird Raimund 27. Juni 1152 *) er-
1 ) Es ist Stimmings Verdienst, diese Jahreszahl nachgewiesen zu
haben, vgl. S. 14 Anm. Ich fand vers l’an 1152 in Du Gange, famüles
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Der Troubadour Marcabru.
129
mordet. Von Odieme weiss ich nur, dass sie bei Raimunds
Tode die Vormundschaft über ihren zwölfjährigen Sohn Rai¬
mund II. übernahm imd im Jahre 1161 gestorben ist. Ob sie
ins Kloster gegangen ist, ist mir von ihr ebensowenig be¬
kannt, als Diez (und Stimming) dieses von Melisende wissen,
(vgl. Tart de verifier les dates V 57. 92—3). Ich fasse also
das Ergebnis meiner Auseinandersetzung dahin zusammen:
Jaufre war nur einmal und zwar im zweiten Kreuzzug im
heiligen Lande; er starb bald nach der Landung in Tripolis
im Jahre 1148, und alle Lieder, die wir von ihm haben, wur¬
den vor dem Kreuzzug gedichtet
Aus der zu Anfang dieser Abhandlung mitgetheilten Liste
der ältesten Troubadours sind somit Ebles von Ventadour,
von dem wir keine Lieder haben, und Guiraudo der Rothe
zu streichen. Wir setzen den Tod Jaufre Rudels ins Jahr
1148, und Bernhard von Ventadour gehört an das Ende der
Liste, da er erst um 1150 zu dichten begann.
So ist denn klar geworden, was die Handschrift 22543
mit dem oben erwähnten Satze sagen will: Marcabru sei der
erste Troubadour gewesen, den es gegeben habe . Marcabru ist
in der That der älteste Troubadour, von dessen Liedern zu
der Zeit, als man die Liederbücher zusammenstellte, noch eine
grössere Anzahl bekannt war. Von allen Troubadours vor
Marcabru haben wir zusammen nur fünfzehn Lieder, ein sech¬
zehntes und ein siebzehntes werden wir erst in der Folge
kennen lernen, während Marcabru allein uns deren zweiund¬
vierzig hinterlassen hat.
2 .
Marcabrus Gedichte sind in 14 Handschriften vorhanden;
die Citate im Brevier der Liebe kommen als fünfzehnte Quelle
hinzu. Es sind folgende.
1. Vat. 5232 A 1
enthält 15. 17. 29. 23. 30. Ifwn estrun. 41. 30. 18. 33.
19. 38. 16. 8. 40. 39. 27. 25. 11. 21. 34. 7. 36. 20. 4.
28. 35. 12. 37. 42.
d’outre-mer S. 482, 1161 in l’art de verifier les dates V 93, 1149 in der
Hist. gän. de Lang. IV 137, 1148 bei Michaud, Histoire des croisades.
VI® äd. II 203 angegeben.
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130
H. SüCHIEIl.
2. Paris 12473 A 2
enthält dieselbe Gedichtsammlung als A 1 ) nur N. 25 ist
ausgelassen.
3. Paris 854 A 3
enthält dieselbe Sammlung ausser N. 25 und ist mit A 2
aufs engste verwandt, aber fehlerhafter als dieses. Vor
Bl. 117 ist das erste Blatt mit Marcabrus Leben, N. 15.
17. 29. und dem Anfang von 23. abhanden gekommen.
4. Cheltenham A 4,
enthält die sechs letzten und fünf ersten Gedichte der¬
selben Sammlung. A 4, ist mit A 2 näher als mit A l ver¬
wandt, da es von N. 4 dieselben Zeilen hinweglässt, als A*.
5. Paris 856 B 1 — D 2 10. 18.
enthält 14. 9. 39. 30. 16. 3. 10. 2. 26. 1. 29. 36. 24*. 18.
37. Belha m’es la flors d’aguilen. 32. 28. 17. 41. 31. D’tm
estru. 33. Unter andern Dichternamen 15. — 23. — 25.
11. — 38.
6. Matfre Ermengaus Citate im Brevier der Liebe B 2 15.
29. 30. — D 3 18.
B 2 (D 3 ) zeigt mit B 1 (Z) 2 ) auffallende Verwandtschaft,
indem es selbst in Fehlern und orthographischen Zügen
damit übereinstimmt.
7. Paris 22543 B 3 — A b 23. 29. 30.
enthält 33. 32. 36. 28. 17. 15. 29. 41. 31. 18. — 23. 30.
D’nn estrun. Unter anderrn Dichternamen 10.
8. Paris 1749 2? 4 — A 6 23 2 . 31? 34. 36.
enthält 34. 36. 8. 9. 16. 23. 31. 24 ab. 6. 42. Unter
anderrn Dtbhtemamen 38.
9. Modena C
enthält auf Bl. 188 d —189 d . 208*—° folgende Gedichte:
N. 29. Molt desir Vaura dölzana 18. 22. 35. — 5. Unter
anderrn Dichternamen 41.
10. Paris 12474 D 1
enthält 10. 18.
11. Paris 15211 E l
enthält 16. 17. 28.
12. Florenz. Magliabecchi 776 F. 4. E*
enthält 17.
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Der Troubadour Marcabru.
131
13. Florenz. Laurenz. 41, 42 F
enthält 13.
14. Paris 844 G
enthält 33. — 12.
15. Mailand R. 71 H
enthält 15. *).
Die beiden letztgenannten Handschriften vermochte ich
nicht zu classificieren. Zweifelhaft ist die Klassification für
bei 23. 1 , für A 6 bei 31.
Verloren ist die Handschrift des Bemart Amoros, die
Marcabrus Gedichte enthielt. Sie enthielt N. 41 unter den
Tenzonen und schrieb Tot a estru noch seinem wahren Ver¬
fasser zu (vgl. Jahrbuch XI. 14. 16). In beiden Puncten wei¬
chen alle erhaltenen Handschriften von ihr ab.
Für die Kritik werthlos ist die Papier-Handschrift des
Modenaer Bandes [cZ] Bl. 301 — 309, welche nichts als eine
sehr entstellte Abschrift von A 2 zu sein scheint, nur dass
der Schreiber die schon in C enthaltenen Gedichte überging
(N. 25 fehlt wie in A 2 ).
Die mit gleichen Buchstaben und verschiedenen Zahlen
bezeichneten Handschriften desselben Gedichts fasse ich mit
demselben Buchstaben ohne Zahl zusammen.
In der folgenden Liste behalte ich die aus Bartschens
Grundriss geläufigen Abkürzungen bei. Ich führe auch die
Stellen an, wo Diez in Leben und Werke der Troubadours
(LW.) die einzelnen Gedichte bespricht; ebenso verzeichne
ich die poetischen Uebersetzungen von Diez, Paul Heyse
und Kannegiesser (Gedichte der Troubadours im Versmass der
Urschrift übersetzt. Tübingen 1855. 2. Aufl.), obwol die
*) Marcabrus Name lautet in den Ueberschriften: in A 1 Marcabruns
(einmal Marcabrus), in A* Marcabrus (Marcabruns Marchabrus), in A*
Marcabrus (einmal Marchabrus), in B l Marcabru, einmal Marchabru, im
Register auch Marc e bru, in B * Marcabrus (Marcebrus Marchabrus
Marquabrus), in B 3 Marc e bru, in B 4 Marcabru, in C Marcabruns,
im Register von D l Malcabrun, in E 1 Marcabrus (Marcabrun), in F
Marchabrun, in der Handschrift des Bernart Amoros Marchabrus. A*
E* G H enthalten Marcabrus Gedichte anonym.
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132
H. SuCHlER.
Kannegiesserschen zum Theil mehr Entstellungen als Ueber-
setzungen sind.
1. A la fontana del vergier B 1 Bl. 173°.
Chr. 55 LB. 106. R. 3,375 (= MW. 1,49) übs. v.
Diez, Poesie der Troubadours 1826 S. 168,Heyse, Span,
und Prov. Liederbuch S. 242, Kannegiesser 49. vgl.
LW. 46.
2. A l’alena del vent doussa B 1 BL 173*.
MG. 199.
3. Al departir del brau tempier B l Bl. 172®.
MG. 202 ein Br. R. 5, 256 (= MW. 1, 60.)
4. Al prim comens de l’ivernail A 1 Bl. 33* A 3 Bl. 106 b
A 3 Bl. 120 b A 4 Bl. 266*.
Arch. 51, 130 AK MG. 277 A* 306 A 3 .
Al son s. El son.
5 (6) 1 ). Amtes Marchabrun car digam C N. 760.
6 (7). Ans quel terminis verdei B 4 S. 155*.
Paul Meyer, Recueil d’anciens textes N. 9 MG. 334.
7 (8). Assaz m’es bei el temps essuich A 1 Bl. 32 b A i Bl. 105 d .
A 3 Bl. 119 d .
Arch. 51, 31 A l MG. 312 A 3
8 (9). Aujae del chan com enans se meillura A 1 Bl. 30 b A 3
Bl. 104° A 3 Bl. 118° B 4 S. 152*.
R. 4, 303 (= MW. 1, 53) Arch. 51, 29 A l vgl.
LW. 51.
Be for’ ab lui s. Ben for’ ab Itii.
9 (21). Bel m’es quan la foilla fana B l Bl. 171 b B 4 S. 152 b .
Ein Brachst, bei R. 5, 252 (== MW. 1, 60.)
10 (11). Bel m’es quan la rana chanta D 1 Bl. 141® Baimbaud
d'Orenja Ueberschr., Malcabrun Reg. D* Bl. 172 d im
Register steht auch Alegret daneben. B 3 Bl. 29 d
Alegret.
MG. 221 DK
11 (12). Bel nies quan dazombral treilla A 1 Bl. 31 r A* BL 105*
A 3 Bl. 119* B 1 Bl. 259 b Bemal de Veneac.
_Arch. 33, 338 AK
') Die in Klammern beigesetzten Nummern sind die von Bartechens
Verzeichniss.
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Der Troubadour Marcabru.
133
12 (13). Bel tn’es quan son li fruit madur A l Bl. 34' A 2 Bl.
106 d A 3 Bl. 121“ A* Bl. 267 4 G Bl. 203 4 anonym.
Arch. 33, 340 A‘.
13 (10). Ben for’ ab lui honte lo ric barnage F BL 65 4 .
Arch. 50, 283.
14. [CJontra [l’i] vem que s’efnjansa B l Bl. 171*.
15. Cortezamen voil comensar A l Bl. 27 b A 2 Bl. 102 b A*
Bl. 269 b B 1 Bl. 347* Huc de la Bacallaria, es ist
das erste von Hugos Gedichten, im Register steht
auch Bertran de Sayshac und Marc e bru daneben B 2
Pariser Hs. fr. 857 Bl. 225 4 Uc de la Bacalaria
B 3 Bl. 5 b H Bl. 115* anonym.
R. 3, 373 (= MW. 1, 51) vgl. LW. 49.
16. B’aisso lau deu A l Bl. 30 b A 2 Bl. 104° A 3 Bl. 118°
B‘ Bl. 172 b B* S. 153* E l Bl. 204'. A und B
scheinen auf einer Quelle zu beruhen vgl. V. 41.
LB 54 B* MG 234 B l 388 B* 389 A 3 Arch. 51,
29 A l ein Br. R. 5,255 (= MW. 1,52). vgl. LW. 50.
17. Dirai vos en mon lati A l Bl. 27 b A * Bl. 102° A*
Bl. 269 4 B l Bl. 177* B 3 Bl. 5 b E 1 Bl. 205' E 3
Bl. 13 4 14 c anonym. A und B beruhen auf einer
Quelle.
Chr. 59 A l B'B 3 Arch. 33, 332 A l Stengel in der
Rivista di filologia romanza I. S. 42. 43, E 2 ein
Br. R. 5, 255 (= MW. 1, 59) z. Th. übs. v. Kanne-
giesser 57.
18. Ihre voil senes doptansa A 1 Bl. 29' A 2 Bl. 103*
eine Strophe ist auch in Marcabrus Lebensgeschichte
Bl. 102 b citiert A 3 Bl. 117° B 2 Bl. 5*CN.680D‘
Bl. 142* Bainibaud d’Orenja Uebersehr., Malcdbrun
Reg. D 3 Bl. 174 4 D 3 Pariser Hs. fr. 857 Bl. 201 4 210°.
Drei Handschriften des Breviari d'amor (die Pariser
fr. 9219 und 858, die des Britischen Museums Reg.
19 C 1) haben in der ersten Strophe, die Matfre
citiert, hinter Escoutatz! den Zusatz: que dieys Peyre
Pegula. Es scheint sich damit der Schreiber einer
Hs. verewigt zu haben, vgl. unten zu N. 37. (Doch
bilden auffallender Weise obige Handschriften keine
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134
H. SlICHIER.
Klasse für sich.) Z) 1 D a D 3 enthalten Strophen, die
in A 1 A a A 3 B a C fehlen.
Arch. 33,336 A l MG IS. 186.200 Jahrbuch 5,402.
404 D 3 ein Br. R. 5,252 (=MW. 1,50) vgl. LW. 48.
19. Doas cuidas ai compaignier A 1 Bl. 29, d A a Bl. 104*.
A s Bl. 118*.
Arch. 33, 337 A 1 MG. 800 A 3 801 A 1 .
El mes s. Bel m’es.
20 (5). El son desviat chantaire A 1 Bl. 32 d A a Bl. 106* A 3
Bl. 120* steht nicht in BK
Arch. 51, 129 A 1 MG. 307 A 3 ein Br. R. 5, 256
(= MW. 1, 61).
21 (22). Emperaire per mi mezeis A 1 Bl. 31 d A s Bl. 105 b A 3
Bl. 119 b .
R. 4, 129 (= MW. 1, 48) Milä 80 A a Arch. 51,30
A l vgl. LW. 44.
22 (23). Emperaire per vostre prez C N. 681.
Ein Brachst. Hist. litt. XX 541.
23 (24). En abriu s’esclairol ria contral pascor A l Bl. 27 T A a
Bl. 102 d A 3 Bl. 117* A l Bl. 270 d A 3 Bl. 8° A e
S. 154* B l Bl. 345° Helgas Fontsalada, es ist das
letzte von Elias Gedichten, im Register steht auch
Marc e bru daneben B*? S. 153 b .
Arch. 33, 334 A l MG. 796 B 4 A 6 797 A l .
24a(25). Estomel coil ta volada B l Bl. 174° B* S. 154*.
LB 55 H 1 -B 4 MG. 506 B i 507 B l vgl. LW. 47.
b(26). Ges l’estomels non s’vblida B* S. 154 b .
LB. 56 MG. 508 vgl. LW. 47.
Hneymais pus s. Bel m’es quan
Iverns vai s. L’iverns vai.
25 (27). Lanqmn cor la doussa bia A‘ Bl. 31* B 1 Bl. 258 d .
Bemat de Venzac.
Arch. 33, 338 A 1 MG. 804 A 1 805 B l .
26 (28). Lanquan fuelhon li boscatgc B l Bl. 173 b .
Ein Brachst, bei R. 5, 257 (= MW. 1, 60) z. Th.
ühs. v. Kannegiesser 56.
27 (29). L’autrier a l’issida d’dbriu A l Bl. 31* A a Bl. 105*.
A 3 Bl. 119*. Das Gedicht von Guillem d’Autpolh
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Der Troubadour Marcabru.
135
(L’autrier a l’intrada d’dbrü in der Pariser Hs. 856
Bl. 380*) ist ein ganz andres; es ist besprochen von
Brakeimann im Jahrbuch 9, 179.
Arch. 51, 30 A 1 MG. 609 A 3 .
28 (30). L’autrier just’una sebissa A 1 Bl. 33 b A 2 Bl. 106 b A 3
Bl. 120° A* Bl. 266 c B 1 Bl. 176° B 3 Bl. 5» E l
Bl. 205 T .
Chr. 57 A 3 B 1 B 3 LB. 96 B 1 B 3 PO. 175 A 3 A 4
B l B 3 E' (= MW. 1, 55). Arch. 51, 130 A l
Holland und Keller, zur Goethefeier. Ein Lied
von Marcabrun 1849. übs. v. Kannegiesser 51.
29 (31). L’ivems vai el temps s’aieina A 1 Bl. 27 y A 2 Bl. 102°
A 4 Bl. 270» A 5 Bl. 5 b B 1 Bl. 174» B* Pariser Hs.
fr. 857 Bl. 219» C N. 678.
Arch. 33,333 A 1 MG. 724 A 5 725 A 2 726 B 1 ein Br.
R. 5,256 (=MW. 1,59) z. Th. übs. v. Kannegiesser 56.
30 (32). Lo vers comensa A l Bl. 28» A 2 Bl. 103» A 3 Bl. 117»
A 4 Bl. 271 b A b Bl. 8 d B l Bl. 171 d B s Pariser Hs.
fr. 857 Bl. 225°.
MG. 662 A 3 663 A* ein Br. R. 5,251 (= MW. 1,60).
31 (33). Lo vers comens quan vei del fau A l Bl. 28 v A 2 Bl.
103 b A 3 Bl. 117° A 6 ? S. 154» B 1 Bl. 177 b B 3 Bl. 5 C .
Arch. 33, 335 A 1 MG. 798 A 6 799 A\
Mas l’ivems s. Pos l’ivems
Mos sens foilla s. Pos s’enfoiUisson.
32 (34). Oimais dei esser akgrans B 1 Bl. 176 b B 3 Bl. 5*.
Ein Brachst, bei R. 5, 254 (= MW. 1, 60).
33 (35). Pax in nomine domini A 1 Bl. 29 b A 2 Bl. 103 d A 3
Bl. 117 d B l Bl. 177 d B 3 BL 5» G Bl. 194° anonym.
Paul Meyer, Recueil d’anciens textes N. 10 A 2 B 1
B 3 G Arch. 51, 27 A 1 MG 720 A 3 721 B l Mila 75
A 2 B 3 .
34 (36). Per l’aura freida que guida A 1 Bl. 32* A 2 Bl. 105°
A 3 Bl. 119° A 6 S. 151 b .
Arch. 33, 339 A 1 MG. 808 A e 809 A 1 vgl. LW. 48.
35 (37). Per savil tenc ses doptansa A 1 Bl. 33 d A 2 Bl. 106 d
A 3 Bl. 120 d A 4 Bl. 267" C N. 682.
Arch. 33, 340 A 1 MG. 722 A 3 723 A 4 .
Jahrb. f. rom. u. engl. 1.1t. N. F. II. 10
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136
H. SUCBIER.
36 (38). Pos la foilla revirola A 1 Bl. 32 c A 2 BL 105 d A 3 -
. Bl. 119 d A 6 S. 152 a B 1 Bl. 174 b B 3 Bl. 5 a .
Arch. 33, 339 A 1 MG. 806 A G 807 A 1 ein Br. R. 5, 253
(= MW. 1, 59) z. Th. übs. v. Paul Heyse, Span,
und Prov. Liederbuch S. 245 ; v. Kannegiesser 55.
37 (39). Pos Vivems d’ogan es anaz A 1 Bl. 34 b A % Bl. 107 a
A 3 Bl. 121 a A 4 Bl. 268 b wo sich Marcabru nennt,
ist sein Name ausradiert und cd de Rainols hinge¬
schrieben, offenbar ein Schreiberwitz. B 1 Bl. 175°.
A und B l stammen aus einer Quelle vgl. V. 33. 47.
LR. 425 (= MW. 1, 57). Arch. 51, 131 AK
38 (40). Pos mos coratge s’esclarzis A 1 BL 30 a A* Bl. 104 b
A 3 Bl. 118 b B 1 BL 58 d Bemat de Ventedom B 4
S. 106 d Bernart de Ventadorn.
R. 4, 301 (= MW. 1, 54). Arch. 51, 28 AK
39 (41). Pos s’enfoillisson li verjan A 1 BL 30 d A 2 BL 104 d
A 3 Bl. 118 d B l Bl. 171 c .
Arch. 51, 30 A 1 MG 664 AK
Quan la fuelha s. Pos la foilla .
40 (42). Quan Vmra doussana bufa A 1 BL 30° A 2 Bl. 104 d
A 3 Bl. 118 d steht nicht in der Hs. Laurenz. 41, 43.
Arch. 33, 337 A 1 MG. 802 A 3 803 AK
41 (43). Seigner n Audric A 1 Bl. 28 v A 2 Bl. 103 b A 3 Bl. 117 b
B 1 Bl. 177 b B 3 Bl. 5 C C zwischen N. 761 und 762 ♦
Ugo Catola.
Arch. 33, 335 AK
42 (44). Soudadier per cui es jovens A 1 BL 34° A 2 BL 107 b
A 3 Bl. 121 b A 4 Bl. 269 a B 4 S. 155 b .
Arch. 33, 341 A 1 ein Br. R. 5, 254 (— MW. 1, 58).
Mit Unrecht sind Marcabru zugeschrieben:
1. Bdha es la flors d’aguilen (von Peter von Auvergne)
in B l BL 175 d . Im Reg. steht auch B . Marti daneben.
2. Molt desir Yaura dolzana (von Amaut de Tintignac ) l )
in C N. 679.
3. Tot a estru (von Audric del Vilar) in A 1 BL 28 c A 2
BL 103 b B l Bl. 177° B 3 Bl. 8 d .
') Arnaut nennt sich selbst. Seine Sprache sowie die Vergleiche,
deren er sich in Mout dezir und Lo joi cotnens en un bei mes bedient,
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Der Troubadour Marcabru.
137
Von den Gedichten, die sich auch unter dem Namen
andrer Verfasser finden, kann nur bei zweien Marcabrus Autor¬
schaft zweifelhaft sein. Dieselben stehen in der Pariser Hand¬
schrift fr. 856 unter Bemats de Venzac Gedichten, die sich
in der Handschrift in folgender Reihe finden (Bl. 258 a —259 d ):
1. Iverns vai el temps tenebros.
2. Pos vei lo temps fer frevoluc.
3. Languan cor la doussa bia.
4. Bel m'es dous charn per la faja.
5. Bel m'es quan s'azombral treilla.
6. Lo pair 'el ftth el sant espirital.
3. und 5. stehen in A 1 unmittelbar hinter einander unter
Marcabrus Gedichten. Jedenfalls lässt sich das Schicksal die¬
ser beiden Gedichte nicht von dem des vierten trennen, das
in andern Handschriften Peter von Auvergne zugeschrieben
wird. Weil ich die Autorschaft Peters für das letztere Ge¬
dicht für hinreichend bezeugt halten möchte, mistraue ich
der Handschrift 856, die auch bei vier andern Gedichten
Marcabrus unrichtig die Namen andrer Verfasser nennt.
Marcabru nennt seinen Namen in zwanzigen seiner Ge¬
dichte 1 ), natürlich um sich die Rechte der Erfindung zu
wahren. Diese Eigenheit zeigt schon Cercamon in Quan
Vmra doussa s’amarzis. Auch bei spätem Dichtern ist sie
ganz gewöhnlich, so bei Peter von Auvergne (Chantarai
d’aquests, Chantarai pos vei , Gent es), Grimoart Gausmar, Arnaut
de Tintignae (Lo joi comens , Mout dezir), Gavauda, Alegret,
Bemart Marti, Marcoat u. a. Besonders hat Arnaut Daniel
lassen in ihm einen noch einer frühen Periode des Minnesangs ange-
hörigen Dichter erkennen. Eine ganz andre Art des Ausdrucks und der
Gefühle verräth das Gedicht En esmai et en consirier, das Bartsch unter
Tintignacs Namen aufführt, das aber von der Cheltenhamer Handschrift
[N] mit grösserer Wahrscheinlichkeit Arnaut de Maroil zugeschrieben
wird.
l ) Bald im Anfang ( Aujaz , Pax) bald in der Mitte (A Valena , Boas
cuidas, Emperaire per mi mezeis , Emperaire per vostre prez , Estornel
coil ta volada , L’iverns vai, Pos la foilla, Pos V iverns, Pos mos coratges ,
Pos tfenfoillisson, Seigner n Audric) bald am Schlüsse (Al prim comens,
Dirai vos en mon lati, Bire voil senes doptansa , Lo vers comens , Per
Vawra) und zweimal im Geleit (Contra Vivern, Lo vers comensa).
10 *
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H. Sl'CHIEH.
138
Sorge getragen, dass die Mühe, die er auf seine Reime ver¬
wandte, ihm nicht verloren ging. Nur dreien seiner Gedichte
(Doms brais e critz , Lanquan son passat li giure , Pos Raimons
en Turcs Malecs) ist sein^Name nicht einverleibt. Alle übrigen
enthalten ihn im Geleite (nur das Gedicht Tfautora gutäe
cCautra razo , das kein Geleit hat, am Schlüsse der letzten
Strophe).
Marcabrus Bild enthalten die Pariser Handschrift 12473
Bl. 102 b und die Yat. 5232 Bl. 27 b . (In der Pariser Hs. 856
ist die Initiale, in 854 das Blatt ausgeschnitten.)
Marcabru ist der älteste Troubadour, zu dessen Gedichten
Noten überliefert sind: nämlich in der Pariser Hs. fr. 844.
zu Bel m’es quan son li fruit madur und Pax in nomine domini;
in der Pariser Hs. fr. 22543 zu Lire voil senes doptansa und
L’autrier just una sebissa. Fügen wir zu diesen vier Gedichten
Marcabrus vier Gedichte Jaufre Rudels (Lanquan li jom 9 No
sap chantar, Quan lo rius } Quan lo ros&ignols), die sich in der
Hs. 22543 mit Melodien finden, so sind alle Melodien er¬
schöpft, die uns von Troubadours vor Bernhard von Venta-
dom erhalten sind. Bei Bernhard und Peter von Auvergne
mehrt sich die Zahl der Melodien. Yon Raimbaut von Orange
scheint nur Pos tals sabers mi sors em creis mit Noten über¬
liefert zu sein (in der Pariser Handschrift fr. 20050 Bl. 88 v ).
3.
Dieser Versuch über Marcabrus Leben und Dichten ist
nur durch die Benutzung eines ziemlich zerstreuten hand¬
schriftlichen Materials ermöglicht worden. Für die Texte, die
ich im folgenden mittheile, habe ich die in England und in
Paris befindlichen Handschriften selbst benutzt Für die in
Italien befindlichen verdanke ich die Mittheilung noch unge¬
druckter Texte der Güte verschiedener Gelehrten; und zwar
die Mittheilungen aus der Mailänder Handschrift Herrn Prof.
Pio Rajna, aus Florentinischen Herrn Prof. Grafen Enea Silvio
von Piccolomini, aus der Modenaer Herrn Prof. Mussafia, aus
Römischen Herrn Monaci und Prof. Stengel. Ihnen allen den
herzlichsten Dank!
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Der Troubadour Marcabru.
139
Marcabru ist öfter Gegenstand literarhistorischer Dar¬
stellung gewesen- Nostradamus handelt von ihm (er nennt
ihn Marchebrusc. Les vies des plus celebres et anciens poetes
provensaux 1575 S. 208 N. LXU. vgl. Bartsch Jahrbuch XIII
S. 139), Bastero (Crusca provenzale I 1724 S. 89), Crescim-
beni (er nennt ihn Marco Brusco in: istoria della volgar
poesia 1730 II S. 137), Millot (er nennt ihn Marcabres.
Histoire litteraire des troubadours 1774 II S. 250), Barbieri,
der ihn unpassend genug einen Provenzalischen Burchiello
nennt (deir origine della poesia rimata 1790 S. 127), Ray-
nouard (in Michauds histoire des croisades IV® edition 1827
IV S. 544), Emeric -David (Histoire litteraire de la France
XX 1842 S. 539), Fauriel (Histoire de la poäsie proven£ale
II 1847 S. 5. 113. 144. 147), Milä y Fontanals (de los tro-
vadores en Espana 1861), Braga (trovadores Galecio-portu-
guezes 1871 S. 51—57). Raynouard wirft a. a. 0. die Be¬
merkung hin, vielleicht habe es mehr als einen Dichter des
Namens Marcabru gegeben. Brakeimann (Jahrbuch IX. 165.
1868) griff dieses auf und suchte es näher zu begründen; was
er anführt bedarf keiner Widerlegung.
Wenn wir von Fauriel, von Milä und von Bartschens
Kritik des Nostradamus absehen, dürfen wir die angeführte
Literatur als überflüssig ansehen seit Diezens Aufsatz über
Marcabru in Leben und Werke der Troubadours 1829 S. 42.
Einen Auszug aus Diez gab Brinckmeier, die Provenzalischen
Troubadours. 1844 S. 136. Werthvoll ist noch das Verzeich¬
nis der prov. Gedichte, in denen Marcabru erwähnt wird,
von Paul Meyer (Flamenca 1865 S. XXVI—XXVII) 1 ), sowie
das Verzeichnis von Marcabrus Gedichten im Verzeichnisse
von Bartschens Grundriss 1872.
Wir haben über Marcabru ausser der schon erwähnten
kurzen Bemerkung der Pariser Handschrift fr. 22543 [R] zwei
') Hinzuzufügen ist nur der Anfang einer Strophe von Guiraut de
Lobevier d’Arle, wo eine Stelle aus Dirai vos en mon lati citiert wird:
So nos retrais Marcabrus:
De bon pair } eys bon efan
E crois del croi per semblan ,
Segon qtfel nos o costrus (Bartsch, Denkm. S. 27).
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140
H. SucniER.
Lebensnachrichten, die in Raynouards Choix V S. 251 (da¬
nach auch in Mahns Werken der Troubadours I 47) und im
Parnasse occitanien S. 175 gedruckt sind. Die kürzere der
beiden steht in der Hs. ft. 12473 [K] Bl. 102 b . In fr. 854
[I] ist das Blatt, auf dem sie stand, ausgeschnitten. Sie
lautet so: •
Marcabru war aus Gascogne, der Sohn eines armen Wei¬
bes Namens Marcabruna 1 ), wie er sagt in seinem Liede 2 ):
Brus Marcs, lo fills Marcabruna,
Fon engendraz en tal luna
Qu’el sap d’amor com esgruna 3 ).
Escoutaz!
Qu’el non amet anc neguna
Ni d’autra non fon amaz.
Dichter war er unter den ersten, deren man sich erinnert.
Er machte erbärmliche 'vers 9 und erbärmliche ' serventes 9 und
sagte Böses von den Frauen und von der Liebe.
Die andre Nachricht enthält die Handschrift Vat. 5232
Bl. 27*. Die Handschrift der Saibante in Verona enthielt die
Nachricht ebenfalls. Sie gilt für eine Copie der Vat. Hand¬
schrift 5232 4 ) und ist jetzt verschollen. Doch liegt ihr Text
dem Abdruck im Parnasse occitanien S. 175 zu Grunde. Diese
Lebensnachricht lautet:
') So hat die Handschrift, und nicht Mariabruna.
*) Ich theile die Strophe nach der Modenaer Handschrift mit, also
nicht so, wie sie in der Lebensnachricht citiert wird.
8 ) D. h. wie sie zerbröckelt. Die übrigen Handschriften haben degruna,
im Breviari d’amor, wo die Stelle citiert wird, steht sengruna. Esgrunar
stimmt in der Bedeutung, nicht aber in der Form mit frz. fyrener über¬
ein. Das prov. Wort kömmt von gru Kleie, das frz. von lat. granum .
Das prov. gru scheint gleiches Ursprungs mit dem Deutschen Grütze ,
dem Englischen groat. Das ags. grytt stimmt auch in der Bedeutung
mit gru überein, (vgl. Diez, Et. Wört. II 333. Schade, Altd. Wört. gruzi).
Engrunar ward vom Auskemen der Bohnen gesagt; daher heisst engrth
natges die Bohnenabgabe (vgl. engrunagium Du Cange). Uebrigens ist
esgruner auch im Franz, vorhanden (vgl. Boquefort, Glossaire), und man
sagte auch im Prov. desgranar favas (Mahn, Ged. 678).
4 ) Mussafia, Sitzungsber. der Wiener Ac. LV 342.
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Der Troubadour Marcabru.
141
Marcabru wurde an der Thüre eines reichen Mannes nie¬
dergelegt, und niemals hat man erfahren, wer er war noch
woher. Herr Aldric del Vilar liess ihn erziehen. Hierauf
stand er so lange bei einem Troubadour Cercamon, bis er
anfing zu dichten. Und damals hiess er Panperdut, von nun
an aber führte-er den Namen Marcabru. Und damals hatte
man noch nicht die Benennung ' cansson% sondern alles, was
man sang, waren ' vers\ Und er war weit und breit berufen
und berühmt in der Welt und wegen seiner Zunge gefürchtet;
denn er war so verläumderisch, dass ihn zuletzt die Castellane
von Guian 1 ) tödteten, von denen er gar arges Böse gesagt
hatte.
Marcabrus Geschichte klingt sagenhaft, aber seine eignen
Worte sowie seiner Zeitgenossen Aussagen bestätigen sie zur
Genüge.
Der ursprüngliche Name unseres Dichters Panperdut wird
in der Histoire litteraire de la France XX S. 540 mit 'ver¬
lornes Brot’ (panem perditum) erklärt. Ich glaube, dass Pan¬
perdut vielmehr pannum perditum 'verlorner Lumpen 9 ist.
Gerade das verächtliche dieses Namens veranlasste den Träger
desselben, ihn mit dem besser klingenden Marcabru zu ver¬
tauschen.
Der Name Marcabru scheint dem Namen seiner Mutter,
der braunen Marca, nachgebildet. Er nennt sich selbst in der
von der Lebensnachricht angeführten Strophe den braunen
Marcus (Brus Marcs). Wenn der Name wirklich auf die an¬
gegebne Art entstand, muss freilich sehr auffallen, dass er
auch in Tiroler Urkunden des 14. Jahrhunderts erscheint. Ich
fand ihn zweimal: Marcabruno di Castelbarco capitano in
Pergine (Valsugana um 1350, vgl. Montebello, notizie della
Val8ugana e di Primero S. 417). — Olvrandinus frater Mar -
cabruni (Hormayr liest mareabruni) Trecini de S. Benedicto,
vgl. von Hormayr, Geschichte der gefürsteten Grafschaft Tirol,
n S. 540. — Marcabrunus ab Anguülis gab 1583 zu Venedig
l ) Ist Guian *=■ lat. Aquitanum? Raynouard (in Michauds histoire
des croisades IV 4 , 644) übersetzt des Guian , Fauriel (hist, de la po.
prov. II, 6) de Guienne.
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142
H. SUCHIER.
ein volumen Consiliorum heraus (nach Jöcher, Gelehrten-Lexi-
kon). In Adelungs Fortsetzung desselben Werkes heisst er
Marcus Brunns; er war aus Ferrara gebürtig.
Marcabru wird von Hugo Catola in der Tenzone Amics
Marchabrun ca/r digam zu den Joglars gezählt. In der Hs.
Yat. 5232 findet sich für die Ausführung von Marcabrus Bild
die Notiz: 1. home jugular senza strumento (Jahrbuch XI. 20).
Guiraut von Cabreira nennt ihn ohne den Vorsatz en Chr.
prov. 80, 32. Bei spätem Dichtem findet sich auch die Be¬
zeichnung mit en (vgl. S. 172 dieses Bandes V. 25 und Chr. prov.
318, 37) neben der einfachen Nennung des Namens (Chr. prov.
318, 28).
Versuchen wir nun die Kunde von Marcabrus Leben aus
seinen Liedern zu vervollständigen.
Von den datierbaren Liedern Marcabrus bezieht sich das
älteste auf die Vorbereitungen zum zweiten Kreuzzug und fallt
wol ins Jahr 1146 (Diez, Leben und Werke S. 46). Das
jüngste, in dem es heisst, dass ein Knabe um seines Reich¬
thums willen Kaiser sei, ist in oder nach dem Jahre 1180
entstanden, wo Alexius n. zwölf Jahre alt den Byzantinischen
Thron bestieg (Diez S. 51). Marcabrus dichterische Thätig-
keit Fällt also um und zwischen diese Jahre.
Tot a estru. Dieses Lied steht in allen Handschriften 1 )
unter Marcabrus Gedichten und wird auch von Bartsch und
Grüzmacher, der es in Herrigs Archiv XXXIII S. 334 ab¬
druckte, Marcabru zugesprochen; obwol schon der Anfang ;
'Mit Unwillen sehe ich, Marcabru, dass ihr von mir Abschied
nehmen wollt’ zeigt, dass es unmöglich von Marcabru sein
kann. Den Verfasser dieses Liedes lernen wir aus Marcabrus
Antwort kennen, wo dieser ihn mit seigner n Audric anredet.
Wir haben es hier offenbar mit demselben Aldric del Vilar
zu thun, der nach der Lebensgeschichte den kleinen Marcabru
erzog. Diez hält S. 42 den Udalger von Vilar, der in einer
Urkunde vom Jahre 1125 bei Carcassonne erscheint, für unsem
*) Ausser in der verlornen Handschrift des Beraart Amoros, wo die
Ueberschrift Marchabrus e segner n Enric lautete. Vgl. 8. 131.
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Der Troubadour Marcabru.
143
Audric. Da jedoch Udalger ein andrer Name als Alarich imd
der Familienname del Yilar ein sehr verbreiteter ist (er er¬
scheint auch bei dem Troubadour Peire de Vilar, von dem
wir ein wahrscheinlich im Jahre 1173 gedichtetes Sirventes
haben) ; möchte ich ihm nicht beipflichten. Das Vorhanden¬
sein des Liedes Tot a estru beweist; dass Audric auch Dichter
war, und da er den kleinen Marcabru in Pflege nahm, bevor
dieser zu Cercamon ging, muss Audric in den zwanziger
Jahren des 12. Jahrhunderts bereits erwachsen und somit
einer der ältesten Troubadours gewesen sein.
Audrics Lied ist ein frisch aus dem Leben gegriffenes
Gelegenheitsgedicht in scherzhaftem Tone, wol das älteste
Beispiel dieser Art in einer modernen Sprache. Verbinden
wir Audrics Worte mit den Worten der Lebensgeschichte, so
erfahren wir folgendes über die nähern Umstände. Marcabru
hatte seinen Erzieher Audric verlassen und ging bei Cerca¬
mon in die Lehre, bis er zu dichten begann. Dann ver¬
tauschte er den Namen 'verlorner Lumpen * mit dem anstän¬
diger klingenden Marcabru. Er verweilte dann bei Ebles
(ohne Zweifel Ebles II. von Ventadour) und kehrte von da
zu Audric zurück, ohne dass er sich diesem zu erkennen gab.
Audric aber erkennt den 'verlornen Lumpen’ wieder und
richtet bei Marcabrus Abschied an ihn das uns erhaltene Lied.
In beiden Gedichten ist von Audrics Armut die Rede.
Wir können also Fauriel nicht beistimmen, der ihn für den
reichen Mann hält (Hist, de la po. prov. II. 5), an dessen
Thüre Panperdut niedergelegt wurde. Wir dürfen ihn wol
für einen Joglar halten. Dann ist er mit Cercamon, Marcabru
und Peter von Valeira der vierte Joglar aus Gascogne, den
wir kennen lernen 1 ).
Die Gascogne scheint von ältester Zeit so recht die Hei¬
mat der Spielleute gewesen zu sein. Guiraut von Cabreira,
der um 1170 dichtete, hebt die Künste der Gascognischen
Joglars besonders hervor (Chr. prov. 80,22). An einen Gas-
*) Ein Audric wird auch im Geleite von Dejostals breus jorns eis
loncs sers von Peter von Auvergne genannt. Para. Occ. 137 (wo andre
Handschriften vilas Audrics und joglars Audrics lesen).
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144
H. SüCHIEB.
cognischen Joglar ist das Sirventes von Gausbert de Poicibot
gerichtet: Gase, pecs laitz joglars e fers. In den von Crapelet
unter dem Titel: Remarques historiques, phüologiques 9 critiques
et litteraires sur quelques locutions (Paris 1831) aus einer Hand¬
schrift des 13. Jahrhunderts herausgegebenen Redensarten findet
sich S. 83 das Sprichwort: Li mieldre jugleor en Gaseoigne .
Auch nach der Seite der Form ist Audrics Lied von In¬
teresse. Es besteht aus einer beliebten Art des versus tri-
partitus caudatus. Den Wechsel der Reime veranschaulicht
die Formel a ab c cb d db e eb u. s. w. Jeder auf den Reim b
ausgehende Vers hat acht, jeder andere vier Silben. Dieselbe
Form hat Marcabrus Antwort auf Audrics Lied (Seigner n
Audric). Ausserdem ist mir diese Form noch sechsmal in
der Provenzalischen Literatur begegnet, nämlich 1) in einem
religiösen Gedichte des 11. —12. Jahrhunderts vgl. P. Meyer,
Anciennes poesies religieuses 1860 in der Bibi, de TEc. des
Chartes S. 484, V. 11 — 31. 47—73 — 2) in Marcabrus Liede
Ifaisso lau deu — 3) in Peters von Auvergne Be mes plazen —
4) in dem Lehrgedichte für Spielleute von Guiraut von Ca-
breira — 5) in dem Gedichte gleiches Inhaltes von Guiraut
von Chalanfon — 6) in Peter Cardenals sermon: Predicator
(Verz. 335, 42).
Zwei der Gedichte, welche die Form von Tot a estru
zeigen, zählen die Künste auf, die ein Joglar verstehen muss,
um Beifall zu finden. In ITaisso lau deu zählt uns Marcabru
die Künste auf, in denen er selbst gewandt ist. Auch in
seigner n Audric und in Peter Cardenals sermon verläugnet
sich nicht dieser - aufzählende Character. Ich möchte ver-
muthen, dass es Regel war, dass der Joglar, ehe er seine
Vorträge und Kunststücke begann, in dieser Form seine Zu¬
hörer wissen liess, in welchen Künsten er bewandert war,
und von welchen Stoffen seine Lieder handelten. Dadurch
dass ein Infinitiv auf ar oder ir, wie es in vieren der ange¬
führten Gedichte der Fall ist, das Reimwort jeder dritten
Zeile bilden konnte, war die Handhabung dieser Form zu dem
genannten Zwecke überaus leicht gemacht.
Jedenfalls waren die Joglars in dem Anpreisen ihrer
Künste nicht gerade bescheiden. Marcabrus Gedicht ILaisso
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Der Troubadour Marcabru.
145
1cm den möchte ich för eine Nachahmung solcher Lieder an-
sehen, deren übertreibenden Character Marcabru darin wol
getroffen haben mag.
Doch genug der Vermuthungen. Ich lasse Audrics Lied folgen.
Handschriften: A (Modena N. 761) B 1 (Paris 22543
Bl. 8 d ) B2 (Paris 856 Bl. 177 c ) Ol (Vat 5232 Arch. 33,334)
02 (Paris 12473 Bl. 103 b ) 03 (Paris 854 Bl. 117 b ). In A
Ugo Cafola, in den übrigen Handschriften Marcabru zuge-
schrieben. B setze ich für Bl und jB2; ebenso 0 für 01,
02 und 03. B und 0 stammen aus einer Quelle vgl. V. 1.14.
Tot a estru
Vei, Marcabru,
Que conyat volez demandar.
Del mal partir
5 Non ai cossir,
Tant sabez mesura esguardar.
Ja non creirez
D'aquesta vez
Cels que nos volian mesclar.
10 Bern tenc per mois,
Si non conois,
Cals te vol faire folejar.
Granz er tos sens,
Si tenzai prens
16 Per nulla paor de chantar,
Eil rau ca voz,
Que rascla, el gloz*)
Er en grasillan aut e dar.
S’agues aver
20 E mon poder,
Guarniz vos fora del donar,
E car non Tai,
N’aurez balai,
E non podez ren al portar.
26 Petiz enfanz
M as trobaz tanz
Que l’us non pot Fautre levar.
Cist m’an escos,
Fei que dei vos!
30 Tot quant eu solia gabar.
*) lo gloz der Schlund lat. glutus.
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146
H. SüCHIER.
De grant folles
T'es entremes,
Con fez lo moutos de Tanar,
Cant sai d'Ebles
36 A mi vengues
Per negun aver conquistar.
Reconogut
T'ai, Pan Perdut,
Quem cuidavas ton nom celar.
40 Can tornarez
Segurs ßerez
De seignor et eu de joglar.
1 Tot a] Dun 5C; estrum 4, estrun 51 CI. —
2 marcabrun AB 1 CI, marchabrun C2/ marc e bru B2
Index Bl 7 b . 22*. -
3 que cömt ( durch Radieren ist m in ia corrigiert ) cochatz
me uols d. 51, que cochatz me uol desmandar 52; qel
CI, cal C2 C3; mi uolez donar C2 C3. —
4 de 5 CI. —
5 ei 4; conssir 4, consir C3. —
6 sabes 51; esgardar -4 51 CI. —
7 nom 51. —
9 qens CI, qui nos C2 C3; uolion 4, uolrion 5, uolrian
C; far CI mesclar fehlt CI. —
10 qep tric 4, bem tenc 51, ben ten 5 2, not teing C1, bet
teing C2, ben teing C 3. —
12 cal (quäl) 5C3, cais C2 C3; vol far f. 51, uol far re-
folejar 52, uolrian far f. CI, uolria far f. C2 C3. —
13 es C2 C3; toz sensz 4. —
14 ren (res 51) sai 5C; prenz 4. —
15 cantar 5. —
16 en auta (autra CI) 5C. —
17 qes racla e gloz 4, que rauquilhos 5, que ruich (ruch CS)
e cloz (clotz C I) C. —
18 gresillon 4; e no crey folon 51, e nol sabes dir 52, e
non glafillan CI, e non graiseillant C2, e non graissel-
lant CS. —
20 en 52. —
21 guarz nos v. f. 4. —
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Der Troubadour Marcabru.
147
23 prendez (prendes Bl) BC] barai A , bilay B. —
24 que n. BC] res Bl] als Bl ( 7 ; al re B2, —
26 mai B2] trobar A. —
27 luns AC1 C2 ; levar fehlt A, portar CI, —
28 sil BC. —
29 fe BC] que] qeus A, —
30 eu] fehlt Bl, que C] gardar B. —
31 foles B 1 , folhes B2 . —
32 ti es B] entremis A. —
33 moutons A, C2 C 3, moton B] dau lanar A> de (del C 2)
lairar C. —
34 chai A. —
36 degun B 2. —
37 reconegut A. —
38 V fehlt B 2. —
39 em c. B, e c. C] cuiauas CI] to B2 C2 C 3; mon A. —
40 torneras (72 (73. —
41 seras C2 C 3. —
42 ieu BC] iocglar B2. —
Seigner n Äudric. Marcabrus Antwort auf Audrics Lied
wird, da sie wol noch in Marcabrus Jugend gehört, eines der
ältesten Lieder sein, die wir von ihm haben.
Sie steht in denselben Handschriften als Audrics Lied
und ist in sechszeilige Strophen getheilt ausser in A, wo
Strophen von neun Zeilen abgetheilt sind. Welche Eintheilung
die ursprüngliche ist, wage ich nicht zu entscheiden.
Seigner n Audric,
Al vostr' afic
Ez ben d’aver socos e plas,
Pos 90 disez
6 Ges non avez,
Qu'en setembre vos fail lo gras.
Lai vers nadau
Fai atrestau,
Que vos fail charas e vis e pas.
10 Lai en pascor,
I ai n'autor,
Crezez en l’agur dels albas.
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H. SüCHIER.
S’a destre vai,
Dune cuit e sai,
15 Qu’ez de bon ostal seguras.
E s'agurs fail,
Vos faz badail,
Et es blasmaz sainz Julias.
Toz vostres us
20 Sap Marcabrus,
E quals es tos meiller bias:
Del ventr’emplir
E d'escharnir
E de rever[tir] en putas.
25 Can vos toz sols
Ez ben sadols
Non vos es ges ries gaps loindas.
Segon tas les
As plus conques
30 Que non fei Cesar lo Romas.
De lenguejar
Contra joglar
Ez plus afilaz que Mulas.
Del vostre bec,
36 N Artimalec,
Nos pot anc jauzir crestias.
1 oldric Ay alric Bl, anric B2 , enric B2 Index BL 29 h ,
audric (7. —
2 al uers a. B, al uer a. (7. —
3 es A; mout ez (7; mot ez de uer JB; soeons A, secos BC ;
plana n. s. w. AC. —
4 pus By puois (7; 90 ] que BC2 (73. —
5 que non BC . —
6 setenbre A, septembre (73; le JB2. —
7 la (71; vas B , ves ( 7 ; nadal BC. —
8 Fai] tot B (7; atertal B 1 ; atretal B 2 C. —
9 Que vos fail] uos falh la B (7; eharaz A, cam B1, carns
B2 (7; eis B 2; uins (73; eis B2. —
10 lan en G T 1 ; et en B ; pascors A. —
11 I ai n'] segon Y BC ; auctor C. —
12 creysetz Bl, creyssetz B 2; largur A. —
13 ses d. By sen d. C. —
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Der Troubadour Marcabru.
149
14 que ieu o say 5, conosc e sai (7. —
15 qes A , quis B 1, qui eys 52, quez (7; osda 52. —
16 argurs A\ e sil gras falh 5; si Y a. f. C. —
17 uenol (uenon (71, uenoll C2 ) BC. —.
18 sains CI, sans C2 (73, san Bl, sanhs 52; iulianz A,
iolias B. —
20 marc e brus B 1 , marchabrus B2 . —
21 biais A\ e totz uostres BC ; fachtz sap marc e brus si
tiras si tiras B1, fagz sotiras B 2, meillors bians C. —
22 implir B 1 , omplir B 2. —
23 descamir 5(7. —
24 e de reuer ben putans A\ e de Bl, ez e de C2, es e de
B 2 CI (73; consentir p. 2 ? 1 (73, cossentir p. B2 CI C2 .—
25 tot 2? 1. —
26 es AB\ be Bl ..—
27 uos uos Bl 5 gabs A (72 (73, guaps 2?2; lointans A —
28 segond (72 C3; las 5; leis BC. —
29 conqueis (72; semblas pus reys B1, semblatz mielhs reys B2 .—
30 fez (fes 51) 5(7; Cezars 52; als R . (7. —
31 lenguetar -4. —
32 iocglar B 2. —
33 Ez] e A, es B 1 (71, etz 52, ez (72 (73; pus 5; maig-
nans A , milas 5, mulans (7. —
35 naturmalec CI, natumalec (72 (73. —
36 nos 51, no 52, nois (7; iauzira ia er. 5(7.
Weshalb wird Audric hier mit Artimalec angeredet?
Derselbe Name scheint auch in zwei andern prov. Gedichten
Yorzukommen, in dem Lehrgedicht Guirauts von Cabreira
(Bartsch, Denkmäler 93, 25—27):
* De Nersisec,
lyArumalec
Ni de Calcan lo rei felon.
und in Peter Cardenals Gedicht Sei que fes tot cant es (Mahn, Ged.
1245), wo Archimalecs Heer auf einem Gefässe abgebildet ist:
Entom la revironda
A mes la mar preonda
El sout de Maribonda
E Vost d’Archimalec.
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150
H. SüCHIER.
Der Name erinnert an den Ahitnelech der Bibel, dem es wie
Audric an Brot fehlte (1. Kön. 21, 4). Die letzte Strophe
Marcabrus erinnert auch an den 51. Psalm (V. 4 Tota die
injustitiam cogitavit lingua tua; sicut novacula acuta fecisti do~
lum. V. 6 Dilexisti omnia verba praecipitationis, lingua dolosa),
dessen Worte freilich nicht gegen Ahimelech, sondern gegen
dessen Ankläger Doeg gerichtet sind, so dass sich an eine
irrthümliche Verwechslung der beiden kaum denken lässt.
• Eine zweite Schwierigkeit verursacht der Name Mulus, den
ich aus der Klasse C der Handschriften in den Text setzte, während
A maignans hat (= it. magnano, frz. magnan); B 1 und B 2 haben
müas. Ich halte Mulus für das ursprüngliche, weil es näher lag,
dieses in müas und maignans zu ändern als umgekehrt 1 ). Ich
wage nun die Vermuthung, dass mit Mulas Peire de la Mula (die
Handschrift 22543 nennt ihn Peire de Mula) gemeint und Mulas
ein von Mula gebildetes Adjectivum (= lat. Muluntis) ist.
Was mich in dieser Vermuthung bestärkt, ist der Um¬
stand, dass wir von Mula zwei Gedichte haben, von denen
sich das eine in der That in Schmähungen auf die Joglars
ergeht. Dann ist Peter nächst Audric der zweite, den wir
der Reihe der ältesten Troubadours einfügen.
Peters Leben, von Bartsch im Jahrbuch XI. 21 heraus¬
gegeben, lautet: Peter von la Mula war ein Joglar, der in
Monferrat stand bei Herrn Ot del Carret und zu Cortimiglia,
und er war Dichter von C oblas und von Sirventesen.
Herr Ot del Carret ist wol der Sohn des murchio Enrichus ,
der im J. 1154 in Cafari annales genannt wird (Pertz Mon.
Germ. hist. T. XVHI S. 22), wo eine spätere Hand hinzu¬
geschrieben hat: Iste fuit pater Ottonis et Enrici marchionum
de Careto. Ich bemerke noch, dass Diez (Leben und Werke S. 281)
einen Enric del Carret im J. 1226 in Genua nachweist.
Der Name Peters von la Mula erinnert an den des Trou¬
badours Mola, doch sind beide zu scheiden. Von Mola haben
*) Milas Hesse sich nur durch eine Abkürzung des Vergleichs er¬
klären (ez plus afilaz que becs de mila), während lenguejar eher an die
Zunge als an den Schnabel denken lässt. Ein Analogon bäte etwa
V. 60 des Alexanderbruchstücks: saur ab lo peyl cun de peysson, wo
aus dem Begriffe 'Haar’ der Begriff 'Schuppe’ zu ergänzen ist.
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Der Troubadour Marcabru.
151
wir ein Gedicht (Arch. 34, 412) als Antwort auf ein andres von
Guillem Raimon. In einer Tenzone Guillem Raimons (NAimcric
[digatz] queuspar d’aquest marques) sieht Bartsch in dem Ange¬
redeten mit Recht Aimeric'von Peguillan (Verz. 10,35). Die Stro¬
phen Molas und Guillem Raimons werden also, wie fast die ganze
Sammlung tenzonenartiger Gelegenheitsgedichte, in der sie sich
finden, in die erste Hälfte des 13. Jahrhunderts gehören.
Hingegen ist Mola vielleicht derselbe mit Moleta. Im
Rügeliede des Mönchs von Montaudon V. 49 beginnt eine
Strophe Entre Moletal Catalas (nach Brinckmeier, die prov.
Troubadours S. 185), wo Raynouard jedoch eine andre Tren¬
nung der Worte vorzieht (En Tremoletal Catalas).
Hier folgen Peters Sirventese.
1 .
Handschriften: A l Modena N. 748 A 2 Vat. 5232. Arch.
34,192. B 1 Paris 22543 Bl. 22 b B 2 Paris 85G Bl. 358*. Vgl.
die Lesarten zu V. 8. 11. V. 28 beginnt mit Initiale in A 2 ,
V. 25 in B 1 B 2 .
Dels joglars servir mi laisse.
Seignor, aujatz per que ni cum!
Car lor enois creis e poja,
E qui mais los serf menscaba.
6 Car cel que meins valra que tut
Vol c’hom per meillor lo teigna,
E son ja tan pel mon cregut
Que iqais son que lobret 1 ) menut.
Lor affars cuit que abaisse,
10 Car il son plus pesan que plum,
Et es en mais que de ploja.
Perqu’ eu non pretz una raba
Lor maldir, anz cre que majut,
E voil c’als baros soveigna,
15 C’aissi teing eu lor pretz cregut,
Si son d'avol gen malvolgut.
- Una leis qu’es d’escoil
Avol e malestan
4. mescaba A, mens acaba B. — 8. lobrer A x , lebrier A*. — 11. eissen A l ,
ei8sont.ä*. — lö.tenga.4 1 . —16.sil A i B i . — lT.lez^leyB^leig uei dauole.
A*. — 18. auok A l ; e trop malestan A *; estan auol B *; malestan fehlt B *.
l ) Junge Hasen oder junge Hunde? Zu frz. levret-ier oder levrett-e?
Wol jenes.
Jfthrb. f. rom. u. engl. Lit. N. F. II. 11
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152
H. Suchirr.
Cor que Tarlot truan
20 Van cridan dui e dui:
*Datz me que joglars sui’;
Car es Bretz o Nonnanz,
E vei en tanz
Perqubs als pros dampnages,
25 E mi par nesciages
C’hom lor mesca ni tail
En cort de pro vassail.
E s’en sui encolpatz
Car los ai acusatz,
30 Vos cortes que anatz
Per cortz, m’enrazonatz!
Qu’eu non voil ja lor patz.
19. car aquil A s , cor quilh B 1 . — 21. q. boa j. A 2 . — 22. er A\ es fehlt
A *; e N. A*, von V. 22 an in B * durch Ausschneiden einer Initiale verstüm¬
melt. — 23. en hom tans A*. — 26. nils A 1 , ni lor B 3 . — 28. sieu B l .
2 .
Handschriften: A Vat. 5232 Arch. 34,192 C Paris 856
Bl. 357 d D Modena N. 712 E Paris 7698 S. 131* L Vat. 3206
Arch 34,425 R Paris 22543 Bl. 22 b . In L anonym; in E mit
der Ueberschrift: Folquet de Roman.
Eine ähnliche Strophenform hat Bartsch, Sancta Agnes
S. XXXI nachgewiesen. Derselben Form, vom Reimwechsel in
Peters zweiter Strophe abgesehen, bedient sich Bertran Car-
bonel in Moutas de vetz pensara hom de far he .
Ja de razo nom cal metr’en pantais
Can ben voil far un sirventes o dos;
Quel ric jove, per cui malvestatz nais
Mo enseignon que son cazut d’aut jos,
5 E no m’en yal castiars ni pregueira
C’hom non los trob ades descomunals,
E qui en cent en trobes dos cabals,
Garir pogram, si fos d’aital maneira.
Ric jove croi, pos vezetz que yal mais
10 Dars que teners, mout i faitz qubnojos
Car etz aissi avar e cobeitos;
C’un non i a qu’a la fin tot non lais,
Ni que ja’n port mas una serpeilleira.
1. mentren EL. — 2. seruentes DL. — 5. me ual CEL. — V. 7—14
in C durch Ausschneiden einer Initiale verstümmelt. — 8. pogran E. —
11. ni c. AB. — 13. sarpeillieira AD, sarpeleira E.
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Der Troubadour Marcabru.
153
Mas d’una ren vos remembre sivals
15 QiTaqui non val ni thezors ni captals,
Tors ni casteis, palais ni argenteira.
Per dar conquis Alixandres Roais 1 ),
E per tener perdet Daires lo ros 2 )
La batailla, que teners li sostrais,
20 Sa gen li fetz laissar e sos baros,
E per donar conquis Carles Baiveira,
E per tener fo mortz Androinel fals 3 );
C'anc per donar a princes no venc mals,
Mas per tener lor nais danz e paubreira.
15. thesaurs A, tresors DL. — 16. palaitz chastels A. — 17. con-
quist DL; aleixandres C, alixandre D, aleysandres B. — 18. daris A,
daire GELB. — 21. conquist CDL\ carle D, Charles L; baueyra R,_ra
E. — 22. androin lo A, andronel CE, adronel B. — 23. prince AE.
Pax in nomine doniini. Etwa im Jahre 1146 dichtete
Marcabru den berühmten Vers del Lavador , das älteste Kreuz¬
lied, das wir haben. Denn Jaufre Rudels Quan lo rossignols
el foillos ist kein eigentliches Kreuzlied, da es als Minnelied
beginnt. König Alfons YI1I. von Castilien hatte sich im
Jahre 1135 zum Kaiser von Spanien aufgeworfen. Von den
Feldzügen, die er gegen die Spanischen Araber unternahm,
war der wichtigste der gleichzeitig mit dem zweiten Kreuz¬
zug unternommene Feldzug des Jahres 1147 (Diez S. 44), auf
welchen sich Marcabrus Vers del Lavador bezieht. Die Kämpfe
gegen die Sarrazenen Spaniens werden mit den Kreuzzügen
ganz auf gleiche Linie gestellt. Im Tone feuriger Begeisterung
fordert Marcabru seine Landsleute zur Theilnahme an dem
Kreuzzuge auf und schmäht die Weichlinge, die hinter dem
Ofen bleiben, wo Gott starke und milde Herzen'zugleich er-
*) Boais ist bekanntlich Edessa und im prov. nicht selten (z B. part
Roays Lex. Rom. I. 381). Es ist ebensowenig mit dem frz. royawne verwandt
Lex. Rom. V. 68) als mit dem Frauennamen Boxane (Germ. 2, 457).
*) Aehnliche Stellen hat Stengel gesammelt zum romant de Durmart
le Galois. 1873. S. 575 — 6. Man vgl. noch Leys d’amors I. 294. III. 184.
®) Ist Androine = lat. Andrönicus mit Griechischem Accente wie im
it. Andrönico und im egl. Andrönicus? Freilich gebraucht R. Feraut die
Form Andronix (Chr. prov. 332, 25). Wenn Andrönicus I. Comnenus gemeint
wäre, der im Jahre 1183 durch die Ermordung seines Mündels (Alexius II.)
den Griechischen Thron bekam und im Jahre 1186 vom Volke umgebracht
wurde, gehörte unser Gedicht in spätere Zeit. Aber sollten wir dann nicht
es mortz erwarten?
11 *
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154
H. SfCHUÜt.
proben will. Das Wort lavador (Schwemme) bildet den Re¬
frain: der Kreuzzug soll eine Schwemme sein, welche die
Betheiligten von ihren Sünden rein wäscht 1 ).
Die Sprache dieses Sirventeses ist von solcher Kraft und
Wärme beseelt, dass wir leicht begreifen, wie es eins der
beliebtesten Gedichte wurde, welche die Provenzalische Litera¬
tur aufweist. Ich führe zwei Zeugnisse an, aus denen dieses
hervorgeht.
Das eine Zeugniss ist das des Troubadours Guillem Magret
aus dem Anfang des 13. Jahrhunderts.
Handschriften: A Chigi 2348 Bl. 43 b B l Magliabecchi 776
N. 101 (E. Stengel, studj sopra i canzonieri S. 26—27) B*
Riccard. 2909 (a. a . 0. mitgetheilt) B 3 Paris 15211 Bl. 88 a .
Nur A enthält den Namen des Dichters .
Non valon re coblas ni arrazos
Ni sirventes, tan es lo m<Jnz delitz;
Que per dos sols serai meilz acoillitz,
Sils port liatz en un de mos giros,
6 Que per cenz vers ni per dos cenz cansos.
Dek doze aurai a beure et a manjar,
Eis oit darai a foc ez a colgar,
E dels quatre tenrai Tost en amor
Meilz non fera pel Vers del Lavador.
t. A me non ual re B l , No me ual plus B *; arteszo B l , artexos
Gloss. occ. S. 25 B*? Ren non ualgra om cobliedor B 3 . — 3. quar
B. — 6. ab — ab A. — 7. oitz A. — 9. leuador A.
In den mit B l B~ B 3 bezeichnetcn Handschriften lauten
V. 6 — 9 abweichend:
6 Quar fuec e ui e lieg ont mi colgar
Aurai dels VIII e dels XII a maniar
E dels quatre tenrai Tost en amor
9 Meiihs que non feira dels uers del lauador (B).
6. qe uin e focs B 2 ; o man colgar B 3 . — 7. pels ot e per sen9e
B 2 ; per uoit o per sieis de mangiar B 3 . — 8. eterau Tost en ben et
e. a. B 2 , jsterai miels comonost en amor B a . — 9. mais qe dirli lo u.
d 1. B *, ce non feria per tut li uers de lauador B 3 .
*) Da der Vers del Lavador, den icb hier mittheilen wollte, inzwi¬
schen in Paul Meyers Recueil d’anciens textes Paris 1874 N. 10 besser
herausgegeben ist, als ich es vermocht hätte, lasse ich hier den Text
hinweg.
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Der Troubadour Marcabru.
155
Noch später bezeugt den Ruhm des Vers del Lavador eine
Stelle in Flamenca, wo der berühmte Vers einfach genannt wird
*lo vers de Marcabru 9 . (Lus dis lo vers de Marcabru V. 694).
Die Begeisterung für die gute Sache liess Marcabru nicht
ruhen. Er machte sich auf und zog an Alfons Hof. Da un¬
bekannt ist, welche Länder der vielgereiste Cercamon durch¬
zogen, ist Marcabru der erste Troubadour, von dem wir wissen,
dass er über die Pyrenäen ging — ein für die Entwicklung
der Spanischen Lyrik wichtiges Moment.
JEmperaire per vostre prez. Er begrüsst Alfons und die
Kaiserin mit diesem Liede, welches keinen andern Inhalt hat
als den Wunsch, der Kaiser möge seinen Ruf der Freigebig¬
keit an Marcabru bewähren; dafür werde dieser des Kaisers
Ruhm zu mehren bemüht sein.
Emperaire per mi mezeis beginnt ein neues Sirventes, das
Marcabru an die Spanischen Grossen richtet. Aus Neid und
Ränken, aus Habsucht und Weichlichkeit erklärt er darin die
friedliebende Politik der Südfranzösischen Barone. (Diez S. 44
gab eine Uebersetzung.) Wenn sich Barselona zu Portugal,
Navarra und Castilien halte, werde der Sieg der Christen
sicher sein. 'Da Frankreich, Poitou und Berry sich vor einem
einzigen Gebieter neigt, so möge er herkommen und gegen
Gott seine Vasallenpflicht erfüllen. Denn ich weiss nicht,
warum ein Fürst lebt, wenn er nicht gegen Gott seine Vasal¬
lenpflicht erfüllt/ Da Ludwig VII., auf den offenbar die
Schlussworte gemünzt sind, noch nicht zum Kreuzzug auf¬
gebrochen ist, wird das Gedicht noch in 1146 oder in den
Anfang des folgenden Jahres fallen.
A la fontana del vergier (Diez S. 46). Diese reizende Romanze
spielt in der Zeit, wo der zweite Kreuzzug vorbereitet wurde.
Doch ist sie keineswegs, wie Fauriel glaubte (Hist, de la po.
prov. II. 113), das einzige auf diesen Kreuzzug bezügliche Ge¬
dicht. Jaufre Rudels Gedicht Quart lo rossignols el foillos gehört
in dieselbe Zeit. Ueberhaupt ist zu bedenken, wie wenig Ge¬
dichte aus der ersten Hälfte des 12. Jahrnderts erhalten sind.
Cortezamen voil comensar. Dieses Gedicht über das Wesen der
Höflichkeit (cortezia) wird von Marcabru dem Troubadour Jaufre
Rudel im Jahre 1147 oder 1148 ins heilige Land nachgesendet.
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156
H. SüCHIER.
Marcabru richtet ein Gedicht (Oimais dei esser alegrans) an
einen Herrn von Cabreira, ein andres (Bel m’es quan la rana
chanta) an Alegret. Beide Namen erinnern an Troubadours, an
Guiraut von Cabreira und Alegret; es ist nicht unmöglich, dass
sie es sind, auf die sich Marcabrus Worte beziehen.
Gegen Schluss des Gedichtes Anjaz del chan com enans
se tneillura spricht Marcabru sein Misstrauen gegen einen
König Alfons aus (Alfons II. von Aragonien) und hebt da¬
gegen die guten Eigenschaften eines Alfons von Leon hervor.
Mit letzterm ist wol der Sohn Ferdinands II. gemeint, der
im Jahre 1188 als Alfons IX. seinem Vater folgte. Die Verse
Coms de Peiteus, vostre prez s’asegura
Et a n Amfos de sai, si gairens dura.
Car Avignon, Proensa e Belcaire
Te meils per seu no fes Tolzan sos paire.
zeigen, dass es der alte Marcabru mit der Gegenpartei Bertrans
de Born hielt, und dass das Gedicht vor 1185 entstand, wo
Alfons II. mit Raimund von Toulouse Frieden schloss.
Welcher Alfons mit den Worten des Geleits von Per Vaura
freida que guida (NAmfos ab paz segurana que tenga , valors
Vaclina) gemeint ist, ist nicht zu sagen.
Wenn in der eben citierten Stelle des in oder nach dem
Jahre 1180 verfassten Gedichtes Aujaz del chan ein Graf von
Poitou angeredet und mit Lob bedacht wird, müssen wir in
demselben Richard Löwenherz erkennen, auf den sich wol auch
V.23—24 des Gedichtes Lo vers conums quan vei del fau beziehen:
Qu'eu non trop un eisetz Peitau
Que s’i atill. (Hs. Paris 1749)
wo freilich die andern Handschriften (Vat. 5232 Paris 12473
und 854) haben:
Que non aug dir fors en Peitau
Com s’en atill.
Endlich könnte sich noch eine dritte Stelle auf denselben be¬
ziehen (aus Al prim comens). Sie lautet (Vat. 5232):
61 En Castelia e vas Portegau
On anc non fo trames salutz
E dieus los sau
Ist V. 62 fui oder V. 63 Mas zu lesen?
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Der Troubadour Marcabru.
157
E vas Barcelona atretau.
Puois lo Peitavis m'es failliiz
66 Serai niai cum Artus perdutz.
Die Strophe lautet nach den andern Handschriften (von Paris
12473,854. und Cheltenham), die auch das Geleit erhalten haben:
61 En Castelia et en Portegal
Non trametrai autras saluz
Mas dieus los sal
Et en Barselona atretal.
[Y. 65 fehlt]
66 E neis la valor son perduz.
En Gascoigna sai ves Orsaut
Me dizo q'en creis uns petitz
69 Om trobarez sTeu sui perdutz.
Varianten der Cheltenhamer Handschrift: 61. et fehlt. — 62. tra-
metre aquestas. — V. 66 ist wol von einem Schreiber gemacht, die Lücke
anszufüllcn. — 69. on trobaresc se soi perdutz.
Die letzten Verse, die ich nicht genügend zu deuten ver¬
mag, mögen eine Anspielung auf Marcabrus Gascognische
Heimat enthalten.
Brakelmann stützte seine Ansicht, es habe auch im 13. Jahr¬
hundert einen Marcabru gegeben (Jahrbuch 9,165), auf ein
Sirventes, darin ein Graf von Anjou neben einem Grafen von
Poitou genannt werde. Anjou wird nur in zwei Gedichten
genannt (ein Graf von Anjou in keinem), welches von ihnen
Brakelmann meinte, ist mir nicht deutlich. Beide Stellen
sind mir räthselhaft, an beiden wird Anjou mit Spott beladen.
(Man findet sie in den Ausgaben der Gedichte Lo vers comens
qxian vei dd fau V. 37—42 Mahn Ged. 798. 799 und Assaz
nies bei el temps essuich V. 41—56 in Herrigs Archiv. 51, 31.)
Nicht minder räthselhaft ist mir die Person eines Guiscart
oder Richart, welcher als Verstorbener genannt und mit Lob
überhäuft wird in Pos la foilla revirola. Die Strophe lautet
in den Handschriften Paris 856 [B 1 ] und 22543 [B 8 ]:
60 Deu prec qu’a’n Guiscart non tola
Lo regne celestiau,
Qu’el fes so perque s’adola
Lo mieihs d est segle carnau,
60. richart B 3 . — 62 — 63. Vielleicht ist die Lesart von B l vor -
zuziehen: quar elh fa tot so que dola. mieihs de nulh home carnal.
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158
H. SuCHlEK.
Et a say laissat un her,
55 E jamais non creyrai filh,
S’aquest non contrapareja.
54. tan say laysa per u ' B*. — 56. contrapaireya B 1 .
Fauriels Angabe (hist, de la po. prov. II. 6), Marcabru sei
der einige Troubadour, von dem wir wüssten, er habe Por¬
tugal besucht, wird von Braga S. 51—53 aufs neue hervor¬
gehoben, entbehrt aber der Begründung.
Marcabru wird das Jahr 1180 nicht lange überlebt haben.
Raimon Jordan von Saint-Antoni rechnet ihn im Ende des
12. oder Anfang des 13. Jahrhunderts zu den antic tröbador }
und Marcoat, über dessen Zeit ich nichts näheres anzugeben
weiss, scheint in einem von Schwierigkeiten überladenen Ge¬
dichte (Mentre inobri eis haisei) von Marcabrus Tode als von
etwas längst verflossenem zu reden. (Anc pois mori Marca¬
brus ni roilis (?), perdet del mus midz de mi nols entamem.
Mahn Ged. 678.)
Ich wende mich zu den noch nicht besprochenen Gedichten.
Ben forab lui hmiz lo ric barnage. Die Vorgänge, auf
welche sich die von Stengel in Herrigs Archiv (50, 283) her¬
ausgegebene Strophe bezieht, sind mir dunkel. Ich weiss
nicht einmal, ob Biaquin ein Personen- oder Ortsname ist
Ich gebe hier einen berichtigten Text, nicht als ob dieser
mich befriedige, sondern nur, um auf dieses merkwürdige
Stück die Aufmerksamkeit zu lenken.
Cobla de Marchabrun per lo Rei Aduard e per lo rei A.
Ben for’ab lui auniz lo ries barnage,
En Biachi, se lo reis se sofria,
QuEnricß fos morz davant en l’enviage
De Jesu Crist e de santa Maria;
5 En Alduartz a receuput l’oltrage
El venjara, pero s’el vol so sia!
Mais eu conosc en lui tal ardimen
Per c’om li des lo mond enteramen,
E non pogra om refrenar son talen
10 Que d’aquest tort venjamen fait no sia.
1. honiz; ric. — 2. l'lreis V Hs. lirois vgl. V. 8. — 3. qenric; mort. —
5. alduardo; receput. — 6. el uiru per e. — 7. tan fer a. — 8. li mond. —
9. e fehlt; om fehlt. — 10. uengiamen.
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Der Troubadour Marcabru.
159
En Biaqin, lo eoms ac espaven
Perqu’a perdut sa terra malamen.
Mas ja veirez so qu’el fara breumen;
Cens meill de lui cobrar no la sabria.
11. lo cont auist spauen. — 13. ma ia ures qel. — 14. cobrar non
cri n. 1. s.
Estornel coil tu volada und Ges Vestomds non s’ublidu, eine
aus zwei Theilen bestehende Romanze. Im (ersten Theile ent¬
sendet der Dichter einen Staar als Liebesboten, im zweiten
bringt dieser die Antwort der Geliebten zurück.
Uautrier josfuna sebissa. Diese pastorela ist die älteste,
die uns erhalten ist. Brakeimanns Meinung, die Provenzalen
hätten das Genre der Pastorelen den Nordfranzosen entlehnt,
scheitert an der Existenz von Marcabrus pastorela und an
der Nachricht, dass schon Cercamon pastoretas a la usanza
antiga dichtete. Ohne Berechtigung hält Brakeimann die
Stelle, wo in Cercamons Leben von dessen pastoretas die
Rede ist, für aus der Luft gegriffen (Jahrbuch 9, 168). Cer¬
camons pastoretas waren entweder wie die spätem kunst-
massig — dann zwingen die Worte a la usanza antiga dazu,
die Anfänge der höfischen Dichtung weit über Wilhelm von
Poitou hinauszuschieben — oder sie waren volksmässig, und
dann hatten sie entschieden einen andern Character als die
uns erhaltenen Pastorelen. Mir scheint die letztere Auffas¬
sung, für die sich auch Mahn klar und treffend ausgesprochen
hat (Jahrbuch 1, 84. 85), den Vorzug zu verdienen. Wir haben
uns diese Gedichte wol in der Art von Nitharts reien zu denken,
an welche auch eine Anzahl Nordfranzösischer Pastorelen erin¬
nert 1 ). Uebrigens ist auch die erzählende Pastorele in Südfrank¬
reich volksmässig gewesen, wie das von Diez (Altrom. Sprach-
denkm. S. 119) gedruckte Beispiel (Per arnor soi gai) beweist 2 ).
Gleich den spätem Pastorelen hat auch die Marcabrus
den stereotypen Anfang Lautrier y erzählt die Begegnung des
J ) Vgl. Gröber, die Altfranzösischen Romanzen und Pastourellcn
S. 19. S. 24 Anm. 30.
*) Ich komme S. 189 auf diese Pastorele zurück. Ich sehe, dass schon
Bartsch im Grundriss S. 36 sich für die Volksmassigkeit der Pastorele aus-
sprach. Auch die Leys d’amors II. 392 scheinen sie für im Süden ein¬
heimisch zu halten.
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160
H. Suchikb. Der Troubadur Marcabru.
Dichters (der Städter ist) mit einer Hirtin und zeigt im Ge¬
spräche der beiden deh Gegensatz der höfischen (cortes) und
bäurischen (vila) Lebensanschauungen über Liebe und Ehe,
worauf schliesslich in den Provenzalischen Pastorelen in der
Regel der Ritter mit seinem Liebesantrag bei der Bäurin ab-
fahrt, während in den Nordfranzösischen des Ritters Wünsche
meist Erhörung finden. In Marcabrus Pastorele bilden die
schlagfertigen schnippischen Antworten der Schäferin die
eigentliche Pointe des Gedichts. — Einen interessanten Ver¬
gleich stellten Holland und Keller auf, die in dem Gelegen-
heits-Schriftchen zum 28. August 1849. * Zur Goethe-Feier.
Ein Lied von Marcabrun 9 Marcabrus Pastorele mit Goethes
Edelknabe und Müllerin Zusammenhalten.
Lanquan foülon li boscatgc. Wir haben auch ein Minne¬
lied von Marcabru, das einzige, das uns erhalten ist. Seine
Einfachheit und Frische des Ausdrucks erinnert an die Ro¬
manze A la fontana. Das Gedicht ist gleich dieser nur in
einer Handschrift erhalten. Characteristisch ist die Stelle, wo
Marcabru der Geliebten droht, für den Fall dass sie sich ihn
abwendig mache, habe er sich schon nach einer andern um¬
gesehen, die treu, geläutert und rein sei.
Die ältesten Provenzalischen Minnelieder zeigen einen
einfachen ansprechenden Ton, der überall eine Neigung zum
Didactischen verräth. (Man vgl. z. B. Wilhelms Pos vezem de
novel florir und Peters von Auvergne Rossignol en son repaire.)
Von dem stolzen Selbstgefühl der ältesten Deutschen Minne¬
sänger liegt dieser Ton weit ab, dagegen tritt das Schmachten
und Sehnen der spätem Troubadours schon spurenweise her¬
vor. Nur Marcabru blieb ganz davor bewahrt, offenbar durch
seine kräftige Natur. Hingegen will schon Graf Wilhelm
sterben, wenn ihm die Geliebte nicht in der Kammer oder
unter dem Zweige einen Kuss gewährt. Er zittert um sie, die
er mit einer Liebe ohne Gleichen liebt. Da ihr Bote ausblieb,
kann er nicht schlafen noch lachen, bis er weiss, ob sie seine
Wünsche erhören will. Ausgeprägt findet sich die weiche
sehnsüchtige Liebesstimmung zuerst in Cercamons Qum Vaura
doussa s’amar&is, und allgemein wurde sie seit Jaufre Rudel.
Paris, 20. Juni. Hermann Suchier.
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Die Bibliothek des Barons Seillere.
Beitrag zur Literatur der Amadfs-Romane.
Die Studien zu einer neuen Ausgabe des Don Quijote
mit Uebersetzung und Kommentar, denen ich seit zwei Jahr¬
zehnten meine Mussestunden widme, führten mich nothwendig
zur Beschäftigung mit dem Amadis de Gaula und seinen zahl¬
reichen Fortsetzungen und Nachahmungen, als der Grundlage
auf welcher Cervantes seinen berühmten Roman aufgebaut, und
ohne deren Kenntniss vieles im Don Quijote unverständlich
bleibt. Es ist hier nicht der Ort über die Ergebnisse dieser
Arbeit zu berichten. Es sei mir nur gestattet zu bemerken
dass sie den Nachweis geliefert haben: dass der Amadis de
Gaula in seiner ursprünglichen Gestalt, Wales oder England
zur Heimath hat, von da nach Nordfrankreich kam, wo er
eine erste Umbildung und Erweiterung erfuhr, dann wahr¬
scheinlich im südlichen Frankreich umgearbeitet und von da
nach Aragon gebracht wurde, wo er die Form jenes „Amadis
in drei Büchern" gewann, welchen der Grosskanzler Ayala in
seiner Jugend (um 1350) sich vorlesen liess, welchen der
Dichter Pero Ferrus i. J. 1379 im Cancionero de Baena er¬
wähnt, der bis zur Umarbeitung Montalvos etwa 1460 —
1470 allein vorhanden war, und von dem es nachweisbar drei
verschiedene Redaktionen gab. Die Behauptung der Portugiesen
dass der Amadis ihrem Lande angehöre und ursprünglich ein
portugiesisch geschriebenes Buch gewesen, ist eine Fabel, oder
wenn man will eine Sage, die selbst erst aus einer be¬
kannten Stelle in Montalvos Amadis (I. 40. Seite 94 der
Ausgabe von Gayangos) entstanden ist, und deren Verfechter
durch Fälschungen und beweislose Behauptungen zu ersetzen
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162
Braunfklr.
suchten was ihnen an Gründen fehlte. Wenn selbst berühmte
deutsche Literatoren ihnen zustimmten, so ist dies nur dadurch
erklärlich dass ihnen zur Erkenntniss der Wahrheit, die Hilfs¬
mittel noch fehlten die erst der neueren Forschung zugänglich
geworden.
Cervantes bemerkt in D. Q. I. 6 ausdrücklich: dass der
Amadis de Gaula das erste Ritterbuch gewesen das in Spanien
gedruckt worden. Der Kommentator Clemencin erklärt in
seiner Ausgabe des Don Quijote I. S. 104 dieses für einen
Irrthum, da Martoreirs Ritterroman Tirant lo Blanch (im valen-
cianischen Dialect) bereits 1490, wie bekannt, in Druck kam.
Dieser Grund besagt zu wenig und zu viel. Noch bis jetzt
haben sich Exemplare von Romanen oder romanhaften Er¬
zählungen erhalten die früheren Druckes sind als der Tirant
von 1490; so los trabajos de Hercules von 1483, la linda
Melosina von 1489; von der Cronica troyana hat man einen
Druck von 1490. Allein Clemencins ganze Behauptung beruht
auf der, bisher von Vielen getheilten Meinung, dass die älteste
Ausgabe des Amadis die zu Rom 1519 sei, und dass über¬
haupt Montalvo sein Werk nicht eher als 1492, wo er die
Vorrede schrieb, beendet habe und folglich nicht früher her¬
ausgeben konnte. Aber diese Meinung hat weder innerliche
noch äusserliche Gründe für sich. Im Verlaufe eingehen¬
der Studien gewann ich die Ueberzeugung dass die Ausgabe
1519 nicht die älteste sein konnte, was mir bald auch ihr
Titel nachwies: los cuatro libros de Amadis nuevamente
impresos; ich konnte nicht an der Richtigkeit der Angabe des
Cervantes zweifeln, der ja kaum siebenzig Jahre nach Einführung
der Buchdruckerkunst in Spanien geboren wurde, sich lebhaft
für dies neue Kulturmittel interessirte (vgl. D. Q. II. 62),
und jedenfalls mehr über diesen bestrittenen Punkt wusste
als die gesammten Gelehrten unserer Zeit. Nachdem sich die
ersten deutschen Buchdrucker in Valencia niedergelassen (1474,
vgl. Mendes, Tipografia espauola, zweite Auflage von Don
Dionisio Hidalgo, Madrid 1861. Seite 31), konnte sicher nicht
lange Zeit vergehen bis sie das beliebteste Buch der Halb¬
insel der Lesewelt zugänglicher als bisher machten. Und so
durfte man hoffen dass von diesen frühsten Ausgaben des
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Die Bibliothek des Barons Seillere. 163
Amadis, vielleicht gar von einer vor-Montalvo'schen Redak¬
tion, sich irgendwo ein Druckexemplar, oder doch Bruchstücke
eines solchen, einmal finden würden.
Zur Erfüllung dieser Hoffnung ist jetzt bereits ein schöner
Anfang geglückt.
Gegen Ende des Jahres 1872 schrieb mir der berühmte
Professor an der Madrider Universität, Don Pascual de Gayangos
das folgende:
.Entonces darö ä conocer una edicion del Amadis, Zara¬
goza 1508, que logre ver en 1870 en casa del librero de
Paris, Tross, y de la cual di ligera noticia en uno de los
nümeros del Averiguador, periödico literario Matritense*).
Dicha edicion de 1508 no es la primera. (17. Nov. 1872.)
Bald darauf theilte mir Gayangos mit dass der Buch¬
händler das Exemplar dem Baron Seillere verkauft habe, der
Bücher solcher Art sammle, und der auch einige Jahre vor¬
her 'die Sammlung des Don Jose Marques von Salamanca
gekauft habe.
Es erschien mir von grossem Werth, dieses bis jetzt ein¬
zige Exemplar eines Druckes von dessen Dasein man keine
Ahnung hatte, mit eigenen Augen sehen und untersuchen zu
können. Doch ward mir dies erst im Februar des gegen¬
wärtigen Jahres möglich. Baron Seillere, der Kenner und
Sammler, war inzwischen gestorben; aber sein Sohn Baron
Raymond Seillere in Paris gewährte mir, dem ganz unbekannten
Deutschen, mit freundlichster Bereitwilligksit den Zugang zu
seiner Bibliothek, die im ehemals Montmorency'schen Schlosse
Mello,**) an der Eisenbahn von Paris nach Beauvais gelegen, auf¬
gestellt ist, eine in ihrer Art einzige Bibliothek, eine Sammlung
der seltensten Schätze altspanischer Romanliteratur. Ich glaube
den Forschem dieses Faches einen kleinen Dienst zu leisten,
wenn ich in dieser Zeitschrift eine kurzgefasste Uebersicht der
hier in Rede stehenden Bücher mittheile.
*) El Averiguador, Segundo ano, No. 25. Seguuda öpoca.
**) Früherhiii Marlon, eine Zeit lang im Besitze der schönen Herzogin
von Ch&tillon (spater Herzogin von Mecklenburg), der eß der grosse
Condö geschenkt ^hatte. S. Bussy Rabutin, Histoire amoureuse des
Gaules, öd. Paul Boiteau, S. 201 ff.
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164
BRAUNFRL8.
Um zuerst von dem Hauptwerke zu reden, so enthält die
Sammlung die bis jetzt als die ältesten bekannten drei Aus¬
gaben des Amadis de Gaula: die erwähnte von 1508; dann Rom
1519, Venedig 1533; hierzu noch die von Salamanca 1575.
Die letztere ist dadurch merkwürdig dass sie von der Ueber-
schrift: Aqui comienza el primero libro u. s. w., eben so wie
die Ausgabe von Alcalä de Henares 1579 die ich besitze, den
richtigen Text*) gibt, während der Text der ersteren, durch
Ausfallen einiger Worte, an grammatischer Fügung und Ver¬
ständlichkeit viel eingebüsst hat.
Das Unicum, die Ausgabe von 1508, hat 298 bezeichnete
Folien, und ist an Druck und Papier ein Prachtwerk. Die
Lettern sind letra de Törtis, d. h. gothisch. Auf dem Titel¬
blatte, welches irrthümlich vom an gebunden ist, steht:
C Acabanse los quatro libros del esfo^ado y muy virtuoso
cauallero Amadis de Gaula: en los quales se hallan muy por
estenso las grandes auenturas y terribles batallas que en sus
tiepos por el se acabaron y vencieron y por otros muchos
cauall’os: assi de linaje, como amigos suyos. Fueron empri-
rnidos en la muy noble, y muy leal ciudad de Qaragoi^a: por
George Coci Aleman. Acabaröse a XXX. dias del mes de
Otubre. Del ano del nacimiento de nro Salvador Jesu xpo mil
y quinientos y ocho anos.
Darunter ein Holzchnitt, der in der Mitte, über zwei mit
einander kämpfenden Löwen, den verschränkten Namenszug
des Druckers zeigt, mit der Umschrift:
C multi pacifici sint tibi: con-
siliarius sit tibi unus de mille.
Rechts und links füllen Santiagos und St Sebastians
Bilder die beiden Seitenränder des Holzschnittes.
Hierauf folgt das Verzeichniss der Kapitel nebst der üb¬
lichen Inhaltsangabe.
*) Die Ausgaben von 1608, 1619 und 1633 haben: 6 corregiöle de
los antiguos originales, que estaban corruptos 6 compuestos en
antiguo estilo, por falta de los diferentes (1608: ymalos) escriptores; die
von 1675 und 1579 dagegen: 6 corregiöle por los antiguos originales,
porque estaban los nuevos corruptos 6 mal compuestos en
antiguo estilo, por falta de los diferentes 6 malos escriptores.
Augenscheinlich ist die erstere Lesart verstümmelt und entstellt, die
zweite die richtige und klar verständliche.
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Die Bibliothek des Barons Seillere.
165
Folio 1, (auf dem indessen die Nummer nicht bezeichnet
steht,) ist das eigentliche Titelblatt. Es stellt Amadis zu
Rosse dar, mit gezogenem Schwert, zwei Löwen im Schilde;
das Ross führt auf dem Brustschild die Buchstaben J H S.
Unter dem Pferde liegen drei Stücke einer zerbrochenen Lanze
und zerstreute Theile einer Rüstung. Unter dem Bilde be¬
findet sich der Titel in bemerkenswerther Fassung: Los quatro
libros del Virtuoso cauallero Amadis de Gaula: Complidos.
Ich habe schon erwähnt dass Gayangos erklärt: dieser
Druck „des Deutschen Georg Cossi" sei nicht der erste. Als
Grund für diese Behauptung gab er mir an: pues Garci-Or-
doiiez que era muy Castellano (ein Kastilier durch und durch),
no imprimiria en Aragon. Dies hat viel für sich. Auch lag
Medina del Campo, wo Montalvo Gemeinderath war, entfernt
von Zaragoza, und für seine Zeit allzu entfernt als dass man
leicht annehmen könnte, Montalvo habe dort drucken lassen.
Einen weiteren, und wie mir scheint entscheidenderen Grund
entnehme ich aus dem Titelblatt. Dort wird als der Inhalt
des Buches los quatro libros, Complidos, „die vier Bücher,
komplett," ausdrücklich angegeben. Dies Wort bedingt
einen Gegensatz, und sonach muss man vor dieser Ausgabe
von 1508, andere gehabt haben die nicht komplett waren,
sonst würde das Wort Complidos keinen Sinn noch Zweck
haben. Unter diesem „nicht Kompletten" früherer Drucke ist
nicht zu verstehen dass sie etwa verstümmelt waren, sondern
dass sie nur einen Th eil der vier Bücher enthielten oder
besondere Ausgaben einzelner von diesen vier Büchern waren.
Diese Beweisführung gelangt aber zur vollen Sicherheit
durch die unten folgenden Bemerkungen über den Roman
Florisando.
Die Ausgabe des Amadis von 1509, Rom, gedruckt von
Antonio Martini von Salamanca, mit Holzschnitten, 284 Folien,
ist hinreichend bekannt. Ebenso die von Venedig 1533, bei Juan
Antonio de Sabia, korrigiert (und hie und da auch willkürlich
abgeändert) von Juan Delgado aus la Pena de Martos. Des¬
gleichen die zu Salamanca bei Pedro Lasso 1575, eine von
den zweien die in diesem Jahre in derselben Stadt, und von
den dreien die im nämlichen Jahre in Spanien erschienen sind.
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166
Bbainfet.s.
Die Bibliothek des Barons Seillere besitzt, — was sich höchst
selten oder vielleicht nirgends sonst findet, — die vollständige
Reihe der zwölf Bücher von Amadis und dessen Nachkommen.
Buch 1—4, Amadis de Gaula.
Buch 5, las Sergas de Esplandian, 1525, gedruckt von
Jacobo de Junta und Antonio de Salamanca. Sehr selten.
1526, Burgos, Juan de Junta Florentin.
1526, Sevilla, Juan Yarela von Salamanca.
Buch 6, Don Florisando, „aus dem Italienischen" von
Paez de Ribera, Salamanca 1510 bei Juan de Porras.
Dies Buch ist in mehr als Einer Beziehung merkwürdig.
Weder Salvä noch Gayangos haben die Ausgabe von 1510
gesehen, und der letztere bezweifelt sogar dass eine von diesem
Jahr existiert habe. Das Buch ist daher ein ebenso werth¬
volles Unicuni wie der Amadis von 1508. Wenn die Angabe
„aus dem Italienischen" auf Wahrheit beruht, — und ich
möchte nicht glauben dass man zu den damals üblichen
Fiktionen vom „Uebersetztsein des Buches aus fremder Sprache",
jemals eine so nah verwandte Sprache gebraucht und vorge¬
spiegelt hätte, — wenn sie also auf Wahrheit beruht, so be¬
weist sie dass das Original des Florisando schon einige Zeit
vor 1510 in Italien erschienen sein muss. Jedenfalls aber
zeigt das Vorhandensein des Florisando im Jahr 1510, dass
sowohl der Amadis des Montalvo*) als der Esplandian geraume
Zeit vorher gedruckt gewesen; die fünf ersten Bücher mussten
schon ins volle Eigenthum der Lesewelt übergegangen sein,
bevor jemand darauf verfiel das sechste Buch zu schreiben, das
bereits Montalvo (Espl. cap. 184) versprochen aber nicht ge¬
liefert hatte.
Buch 7, Lisuarte de Grecia y Perion de Gaula, von Feli¬
ciano de Silva, segunda vez impressa, Sevilla 1525, Jacobo
Cromberger aleman y Juan Cromberger. Gayangos hat diese
Segunda impresion in dem Katalog vor seiner Ausgabe des
Amadis nicht erwähnt, kannte sie also nicht.
*) Und zwar der Amadis des Montalvo, nicht der vor-Montalvo’sche,
weil, wie ich an einem andern Ort nachweise, dieser mit dem Tode des
Amadis im dritten Bache schloss, jener aber ihn weiter leben liess, um
Fortsetzungen zu ermöglichen. Tin Florisando aber lebt Amadis noch.
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Die Bibliothek des Barons Seillere.
167
1527, Lisboa, Unerwähnt von Gayangos.
Buch 8, Lisuarte de Grecia y muerte de Amadis, vom
Bakkalaureus Juan Diaz, 1526 Sevilla, Jacobo Cromberger
aleman y Juan Cromberger.
Buch 9, Amadis de Grecia, 1564 Medina del Campo, von
Feliciano de Silva, Drucker Francisco del Canto, Verleger
Benito Boyer.
Buch 10, Florisel de Niquea, von Feliciano de Silva,
Thl. I. II., Lisboa 1566, Marcos Borges; diese Ausgabe nur
von Nicoläs Antonio erwähnt, von niemand bisher gesehen.
Buch 11, Florisel de Niquea Thl. III, auch ßogel de
Grecia genannt, von Feliciano de Silva, Evora bei den Erben
Andres de Burgos, ohne Jahresangabe.
Florisel de Niquea Thl. IV. Abthlg. 1. Salamanca 1551
bei Andres de Portonariis. Thl. IV. Abthlg. 2. 1551 eben-
daselbt. Gleichfalls von Feliciano de Silva.
Buch 12, Silves de la Selva, von Pedro Lujan, 1563 Se¬
villa, Dominico de Robertis. Bisher unbekannte Ausgabe.
(Man hat noch ein dreizehntes Buch, Esferamundi, italie¬
nisch von Mambrino Roseo de Fabriano. Dieser behauptet
zwar den Roman aus dem Spanischen übersetzt zu haben,
doch glaubt man nicht recht daran. Sodann ein vierzehntes
Buch, Penalva, portugiesisch, von Nicoläs Antonio erwähnt*
doch gänzlich unbekannt.)
Salvä im Repertorio Americano IV. S. 38 zählt sämmt-
liche Theile des Florisel zusammen als das zehnte Buch des
Amadis, sodann den gar nicht zur Amadis-Familie gehörigen
Lepolemo (oder el Caballero de la Cruz) als elftes, den Leandro
el Bel als zwölftes, den Silves de la Selva als dreizehntes,
und den Penalva als vierzehntes Buch.
Die Seillere’sche Bibliothek besitzt ausser den genannten,
noch eine stattliche Reihe anderer altspanischer Romane. Ich
verzeichne sie hier als reiche Fundgrube für Sachkenner.
Romane aus dem Kreise der Artus- und Gral-Sage:
La demanda del sancto Grial. Con los maravillosos
fechos de Lä^arote y de Galaz su hijo. Am Schlüsse: Aqui se
acabe (Druckfehler) el primero y segundo libro de la Demanda
del sancto Grial. Con el baladro del famosissimo poeta y
Jahrb. f. rom. u. engl. Lit. N. F. II. 12
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1G8
BRACNKKr.S.
nigromante . Merlin con sus profecias. Sevilla 1535. Von
dieser Ausgabe sind überhaupt nur zwei Exemplare vorhanden,
davon das eine hier, das andere in Edinburgh.
Tristan de Leonis, 1528 Sevilla por Juan Cromberger
aleman. Es enthält Hinweisung auf frühere Drucke. Eben¬
falls ausser diesem Exemplar, nur noch Ein anderes erwähnt.
Romane aus dem Karls kreise:
Carlomagno y los doce Pares, Sevilla 1554, Juan Crom¬
berger. So häufig auch diese Arbeit des Nicoläs de Piamonte
(aus dem Französischen übersetzt) in alten Ausgaben vor¬
kommt, so ist doch die von 1554 bisher unbekannt geblieben.
Espejo de Caballenas (d. h. Roland) Th\. I. 1545. Sevilla,
Juan Cromberger.
Desgleichen 1617 (^arago^a bei Pedro Cabarte. (Bei Ga-
yangos nicht erwähnt.) Das Buch nennt als Verfasser Pedro
La Serna, Infan^on de Carinena in Aragon. Bisher unbekannte
Ausgabe.
Thl. II. 1533 Sevilla, J. Cromberger. Bisher ganz unbe¬
kannte Ausgabe; von Brunet, nach einer Angabe von Lenglet
du Fresnoy, nur citiert.
Thl. III. IV. 1623 Pedro Cabarte. Bisher unbekannte
Ausgabe. Sie nennt als Autor den Lizenziaten Marcos Mar-
tinez aus Alcalä de Henares. Andere Ausgaben bezeichnen
Pedro de Reynosa aus Toledo, der das Werk übersetzt habe;
eine des zweiten Theils nennt „als Uebersetzer und Verfasser“
Pero Lopez de Santa Catalina. Offenbar haben sich verschie¬
dene Federn von Uebersetzern und Bearbeitern an demselben
Buche versucht.
Renaldos de Montalvan Thl. I. II. Salamanca 1526.
Familie der Palmerine:
Palmerin de Oliva, von einer Dame in Ciudad-Rodrigo
(vgl. Gayangos, Discurso prelimii;ar, Seite XXXIX f.) Venedig
1526, Gregorio de Gregoriis.
1580 zu Toledo, Pedro Lopez de Haro.
El caballero Platir, 1533 Valladolid, Nicolas Tyerri. Sehr
selten. Man kennt keinen andern Druck als den von diesem Jahr.
Romane, die sich an keinen bestimmten Kreis au-
lehnen, und geschichtliche Romane:
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Die Bibliothek des Baron Seliiere.
169
Beliams, Medina del Campo 1563, zu verkaufen bei Diego
Despinosa. Von Gayangos nicht erwähnt.
1564, zu Estella, bei Adriano de Amberes (d. h. von Ant¬
werpen.) Libro I.
Cirongilio de Tracia, 1545 Sevilla, Jacome Crombcrger.
Clarian de Landanis.
Claribalte (el Caballero de la Fortuna) von Gonzalo For-
nandez de Oviedo aus Madrid, Valencia 1519, Juan Vinao.
Clarimundo, portugiesisch. Coimbra 1553 (bei Barreira?).
Cristalian de Espana. Corregida y enmedada de sus ori¬
ginales (d. h. verfasst) von Dona Beatriz Bernal aus Valla¬
dolid. Alcalä de Henares 1586 auf Kosten von Diego de
Xarainillo Buchhändler, bei Juan Iniguez de Lequerica.
Felixmagno, 1549 Sevilla, Sebastian Trugillo.
Felixmarte de Hircania Thl. I. von Melchor Ortega aus
'Ubeda. 1556 Sevilla bei Francisco Fernandez de Cördova.
Florambel de Lucea Thl. I. II. III. Sevilla, Antonio
'Alvarez 1548. Bisher unbekannt, ein Unicum.
Thl. IV. V. 1549 Sevilla, Andres de Burgos. Ausser
diesem Exemplar ist nur noch eins bekannt, in welchem
Blätter fehlen.
Florando de Inglaterra, 1547, Lisbona, German (jfallarde.
Auch yon diesem Buche gibt es sonst noch nur ein einziges
Exemplar.
Floriseo (oder el Caballero del Desierto), 1516, Valencia,
Diego de Gumiel. — Ein Unicum.
Olivante de Laura, von Antonio de Torquemada 1564,
Barcelona, Claudio Bornat.
Tirant lo Blanch (valencianischer Dialekt), Thl. I—III.
von Juan Pedro Martorell, Thl. IV. von Marti Johan de
Gralla, den ein alter Druckfehler Galba nennt. 1490 Valencia.
Von dieser ersten Ausgabe des durch Cervantes (D. Q. I. 6)
so berühmt gewordenen Romans gibt es ausser diesem, nur
noch zwei Exemplare: im British Museum und zu Valencia;
letzterem fehlt ein Blatt. Ich hatte bei Gayangos gelesen
dass ein Exemplar in der Bibliothek des Kollegs der Sapienza
zu Rom vorhanden sei, und bat einen dortigen Gelehrten, mir
die Vorrede und die Zueignung an den König Ferdinand von
12 *
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170
Brauxfrlb.
Portugal („molt illustre Princep e senyor Rey spectant don
Ferrando de Portogual“, reg. 1367 —1383,) abschreiben zu
lassen. Ich erhielt aber die Antwort: dies seltene Buch sei,
nebst andern gleicher Art, von der päpstlichen Regierung 1862
an Don Jose de Salamanca verkauft worden (!). Das Exemplar
aus der Sapienza ist nun das nämliche das ich bei Baron
Seilleres sah; noch trägt es, wie auch viele von den hier ge¬
nannten Romanen, den Stempel der Alessandrina. So ist man
in Rom mit den Literatursch ätzen verfahren, wenn sie nicht
von Bedeutung für die Machtansprüche des Stuhles Petri
waren.
Yaleriano de Ungria Thl. I, von Dionisio Clemente. Das
Buch ist mit dem oben verzeichneten Clarimundo zusammen -
gebunden. Es gibt ausser diesem Exemplar nur noch zwei;
beide sollen nicht vollständig sein. Eine italienische Ueber-
setzung von Pietro Lauro, Venedig 1558 bei Pietro Rosello,
hat drei Bände. (Gayangos a. a. 0. Seite LXXVII.) Das
Original hatte vier Theile.
Triumpho de los Nueve de la Fama, Barcelona 1586,
Pedro Malo, Verleger Balthasar Simon.
La Corönica troyana, aus dem Italienischen des Guido
de Colönna von Pedro Niiiiez Delgado, 1519, Sevilla, Jacobo
Cromberger.
Cronica del Rey Don Rodrigo, 1587 Alcalä de Henares,
Juan Gutierrez Ursino. Gayangos kennt diese Ausgabe nicht,
verzeichnet hingegen eine andere aus demselben Jahre, zu
Sevilla, Juan Gracian.
Auch ein deutsches Buch fand ich in der Sammlung,
es enthält zwei Erzählungen: Olivier und Artus, Valentin
und Ornes, Basel 1521, Adam Peter von Langendorff.
Wie dies Verzeichniss nach weist, enthält die Sammlung
des Barons Seillere lauter Seltenheiten, darunter nicht wenige
die überhaupt nur in dieser, und sonst nirgends sich finden.
Literarhistorische Merkwürdigkeiten ersten Ranges, wie der
Amadis von 1508, der Florisando von 1510, Florambel, Flo-
riseo, Beliams, Tirant lo Blanch von 1490, würden jeder
Nationalbibliothek zur höchsten Zierde gereichen. Der ver¬
storbene Baron Seillere und sein Sohn haben sich in der
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Die Bibliothek des Barons Seillere.
171
Tbat grosse Verdienste um die altromanische Literatur er¬
worben: jener, dass er eine Sammlung angelegt, deren grosse
Kosten sonst nicht leicht ein Privatmann auf sich zu nehmen
pflegt; dieser, dass er die ererbten Bücherschätze mit ein¬
sichtiger Pietät pflegt und der Forschung gern zugänglich
macht.
Zum Schlüsse noch eine Bemerkung zur Literatur des
Amadis de Gaula und Esplandian. Montalvos Name als Ver¬
fasser oder Bearbeiter findet sich gewöhnlich in der Form
Garci-Ordonez de Montalvo (Garcia Sohn des Ordono von
Montalvo). So hat ihn die Ausgabe des Amadis zu Rom 1519,
zu Venedig 1533, zu Salamanea 1575, zu Alcalä de Henares
1579. Als aber Gayangos die Ausgabe zu Zaragoza 1508
auffand, war er hoch erstaunt dort den Namen Garci-Rodri-
guez de Montalvo zu sehen. Er legte sich das als einen
Schreib- oder Druckfehler aus, der daraus entstanden sei dass
die Italiener Montalvos Namen Ordognez schreiben, so dass
eine Verwechslung mit Rodriguez leicht gewesen sei. Dies
liesse sich hören und wäre glaublich, wenn sich die Form
Rodriguez in einem italienischen Drucke, etwa in dem zu
Rom gezeigt hätte; aber gerade in diesem steht Ordonez. Und
man wird nun mit Recht sagen dass die italienische Weise
den Namen zu schreiben, sicher nicht auf die Setzer zu Zara¬
goza 1508 Einfluss gehabt haben kann; denn wenn es selbst
vor 1508 eine italienische Uebersetzung des Amadis gegeben
hätte, so ist es doch nicht denkbar dass diese den spanischen
Setzern als Buchtext vorgelegt wurde.
Die Schreibart Rodriguez besteht also für sich selbständig,
und zwar in dem frühesten der bis jetzt aufgefundenen Drucke.
Dazu kommt aber dass es noch eine andere gibt. Alle drei
Ausgaben des Esplandian, die sich auf Schloss Mello bei Baron
Seillere vorfinden, haben den Namen Garei-Gutierrez de
Montalvo. Von diesen Ausgaben hat Gayangos dem Anscheine
nach zwei, sicher jedoch eine in Händen gehabt, und es ist
bedauerlich dass er unterlassen hat sich die dort stehende Form
des Namens anzusehen, und dergestalt die Lesewelt seiner
Beurtheilung und Kritik dieser merkwürdigen Varianten be¬
raubt hat.
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172
Brauxkels. Die Bibliothek des Barons Seillerc.
Hiernach erklärt es sich denn auch, wie so Barbosa
Machado in seiner Bibliotheca Lusitana (III. S. 775 ff.) in den
Irrthum verfiel zu sagen: Os Castelhanos a (nämlich a Historia
de Amadiz de Oaula) traduciräo no seu idioma sem declarar o
Author, como foräo Garci Gutierres de Montalto, e Garci
Gordones de Montalto. Wenn also Barbosa allerdings einen
Grund hat zwei verschiedene Namen anzugeben, so beweist er
doch selbst wieder dadurch dass er zwei verschiedene Bear¬
beiter angibt, denen beiden er den Zunamen Montalto ertheilt,
und dass er aus Ordofiez die nirgends erscheinende Form
Gordones macht, er beweist, sage ich, dass er niemals ein
Exemplar des spanischen Amadis angesehen hat, und auf
Hörensagen und auf Angaben Dritter über Dinge urtheilt die
ein gründliches Studium erheischen. Es ist dies übrigens die
Mauier, wie bisher alle Portugiesen, von Ferreira an bis auf
die neuesten Innocencio Francisco da Silva (Dicc. bibliograph.
portuguez T. VII. Seite 405 ff.) und Theophilo Braga in der
Rivista di filologia romanza (I. Seite 179 ff.) über die portu¬
giesischen Ansprüche auf den Amadis geschrieben haben:
weder eingehende Forschung noch Kritik, dafür aber beweis¬
lose Behauptungen, ewige Widersprüche, falsche Deutungen
und hochmüthige Phantastereien.
Frankfurt a/M., im April 1874.
Di*. Ludwig Braunfels.
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Nachlese auf dem Gebiete romanischer Etymologien.
I.
Bei der Schwierigkeit, welche manche romanische Wörter
der Erforschung ihrer Ableitung entgegenstellen, darf man
sich nicht verwundern, dass es auf diesem Gebiete noch gar
viel zu thun gibt, und ebenso wenig mit diesem oder jenem
Lösungsversuche deshalb zurückhalten, weil er möglicherweise
ein verfehlter sein könnte. Wir glauben daher keinen Tadel
befürchten zu müssen, wenn wir im Nachstehenden versuchen
zu dem anerkanntemassen so vortrefflichen Etymologischen
Wörterbuche der romanischen. Sprachen von Friedr. Diez, welches
in den Jahren 1869 und 1870 in dritter Auflage erschienen
ist, einige Notizen und Nachträge zu liefern.
Wir lesen daselbst Th. I. S. 33: „Arnia it., arna sp.
cat. Bienenkorb, fehlt pg. Unbekannter Herkunft: Entstellung
aus alveare wäre zu stark. Einigermassen erinnert es an'
gael. ärcan Korkholz : beide Bedd. Korkholz und Bienenkorb
umfasst auch sp. corcha und pg. corti<;o. 11 — Arnia wird
aus dem latein. aranea entstanden sein und ursprünglich ein
Behältniss für Seidenumrmer bezeichnet haben. Dass nämlich
der Seidenwurm im Spätlateiü aranea hiess, ersieht man aus
den Erklärungen des von Hildebrand edirten Pariser Glossars*)
p. 15: Aranea, bambis (=bombyx). p. 27. Bambus, aranea,
zu welchen der Herausgeber nicht blos übereinstimmende
Aussagen anderer Glossare, sondern auch die bei Plinius H.
N. XI. 26 ersichtliche Vergleichung beigebracht hat: Ex hoc
in sex mensibus bombyx. Telas araneorum modo texunt
*) Glossarium Latinum biblioth. P&risinae antiquissimum saec. IX.
Descripßit, prim, cd., adnotatt. illustravit G. F. Hüdebrand. Goetting. 1854.
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174 RÖXSCH.
ad vcstcm. In einem gleichalterigen Münchener Glossar*) scheint
aranea geradezu für das betreffende Behältniss selbst zu
stehen, p. 3: bombices vermes unde sericum fit in aranea.
Aller Wahrscheinlichkeit nach hat das ital. arnia ursprüng¬
lich dieselbe Bedeutung gehabt und ist dann von dem Seiden -
würmerstook auf den Bienenstock übertragen worden, was um
so leichter geschehen konnte, da Plinius H. N. XI. 25 den
wachsbereitenden ßopßvkiog mit zu den bombyccs gerechnet
hatte.
Kann das ital. gabbo, Spass, Spott (I. 193) nicht auf
Gabba, den Namen eines bei Juvenal und Martial vorkommen¬
den Witzboldes zur Zeit des Tiberius, zurückgeführt werden?
Bei der Besprechung des gemeinromanischen gamba
heisst es I. 199: „Gamba für ungula bei Yegetius R. V. ist
ein unclassisches Wort“. Allerdings pflegt gamba in den
lateinischen Wörterbüchern durch Huf erklärt zu werden; wir
können uns aber von der Richtigkeit dieser Angabe nicht
überzeugen. Man sehe die bezüglichen Stellen in der Mulo-
medicina des Vegetius nach, I. 27: Si laecae in gambis
fuerint aut aliquis dolor coxae vel gambae, sanguis detra-
hatur gambis: sunt enim venae a visceribus descendentes per
gambas interius, quas medias propter vicinam mixturam nervo-
rum caute transverso flebotomo percuties .. 1.56: equus.. priores
•et posteriores ungulas impingit et aliquando vel cadit vel sic
offendit ut cadere videatur, post quod admonitus iniuria, tollit
altius crura et inflexione geniculorum atque gambarum
molliter vehit, — und man wird erkennen, dass gamba nicht
den j Ruf, sondern das zwischen Huf und Schienbein befind¬
liche Gelenk, die Fessel, bezeichnen soll. Mag nun schon im
Römischen oder erst späterhin die Bedeutung auf den Theil
des Beines über dem Hufgelenke ausgedehnt worden sein, ohne
Zweifel haben wir das ital. und spanische gamba nebst dem
französ. jambe, welchen Ausdrücken die ausschliessliche Be¬
deutung Schienbein zukommt, für identisch mit jenem gamba
der römischen Volkssprache zu halten.
*) Ein latein. Glossar des 9. Jahrh. aus Cod. lat. Mon. 6210 berausg.
von Georg M. Thomas. München 1868.
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Nachlese auf dem Gebiete romanischer Etymologien.
175
In dem ital. ghiado I. 208 = äusserste Kälte (prov. glay
Schrecken, catal. Erstaunen) darf man wohl ein Derivatum des
latein. gelari erblicken, das die Bedeutungen des Gefrierens
und (bei Juvenal und Lucan) des Erstarrens vor Angst, Furcht ,
Schrecken in sich vereinigte. Die Form ghiado scheint keine
Schwierigkeit zu verursachen; nach Syncopirung des kurzen e
wurde gl (wie z. B. in ghiotto) zu ghi. Die Composita
agghiadarc und esglaxj weisen auf aggclatare und exgelare zurück.
Isidorus Origg. X. 180 erklärt mancus durch manu
ancus [die Vulg. fügt hinzu: vel manu cassus ]. Ungeachtet
ihrer Wunderlichkeit hat es doch den Anschein, als müsse
man diese Erläuterung den von Diez I. 258 angeführten
Substantiven magagna, mangagna Gebrechen, mehaing Ver-
stümmelung etc. zu Grunde legen. Für ancus finden sich in
dem Glossar des Labbäus (Lutet. Paris. 1679. I. 12) folgende
Bezeugungen: Ancus , mancus, xvkkog, koQÖog. Ancus, avtvl;,
denen man, weil die alten Römemamen sämmtlich irgend eine
Bedeutung gehabt haben werden, die Möglichkeit ihrer Ueber-
einstimmung mit weit zurückgehenden Sprachtraditionen nicht
streitig machen wird. Uebrigens könnte mangagna auch von
mancus allein, mit Hilfe der Adjectivendung - onius , gebildet
sein.
Bezüglich des ital. sortire, franz. sortir hat sich Herr
Prof. Diez für die von Menage und Frisch aufgestellte Ab¬
leitung entschieden, nach welcher es aus surrectire hervor¬
gegangen sein soll. Wir möchten die Frage aufwerfen, ob
nicht, da diese Zusammenziehung doch unstreitig eine sehr
gewaltsam wäre, vielmehr an das näher liegende exorior,
exortus zu denken sein würde. In dem Participialverbum
exortire wurde die Präposition ex abgeworfen und durch
anlautendes s ersetzt, ein Vorgang, der in zahlreichen Bildungen
hervortritt, vgl. scarso aus excarpsus , stranio aus extraneus ,
scampare aus txcampare , sgurare aus exeurare , spaventarc
aus expaventare, stordire aus extorpidire. Auch die den romani¬
schen Formen zukommenden Bedeutungen schliessen sich eng
an das Stamm wort an; denn ausgehen , sprossen , hervorquellen
gehen insgesammt Hand in Hand mit den verwandten Be¬
griffen des Hervorkommens , Hervorbrechens (vgl. bei Livius;
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176
Ron sch
omnes exorti, Alle brachen hervor ) und Aufgehens, zu deren
Bezeichnung das römische exoriri diente.
II. 17: „Cänova Vorrathskammer, Weinkeller, sard. canava;
bereits in den Isidor. Glossen canava 'camea (camera) post
coenaculum’, auch canipa, s. Ducange und Graff IY. 452.
Woher aber?" — Die ausführlichste und gründlichste Beant¬
wortung dieser Frage findet man in einer neuerdings erschienenen
archäologischen Inauguraldissertation von J. P. Jörgensen*).
Bei den Römern hiess canaba zunächst eine Weinschenkc ;
dies bezeugen die Inschriften 466, 7 bei Gruter, 30 u. 4077
bei Orelli, ingleichen Augustinus Serm. 61 de temp. — Ferner
führten diesen Namen aus Steinen, Kalk und Sand aufgeführte,
mit Ziegeln gedeckte Hütten in der Stadt Rom (Marini atti
arv. p. 257 sq. 423. Fca framm. d. fast. CXXV—CXXVII).
Sodann in den Provinzen hiessen so ceUae promptuariae et
iabularia ncgotiatorum (Orelli 7007), in deren Nachbarschaft
oft Dörfer und Ansiedelungen errichtet waren (Orelli 6803);
endlich neben dem Lager einer römischen Legion errichtete
Hütten, in welchen Marketender, Trossknechte, handeltreibende
Veteranen und römische Bürger sich aufhielten (Renicr Inscr.
de Troesmis p.20 sq., Gruter 73, 9. Orelli 3798).
Das ital. Subst. frusco dürres Reisig an Bäumen , dessen
Abkunft bei Diez H. 32 als fraglich hingestellt wird, ist wahr¬
scheinlich vom latein. frutex, fruticis, welches Zweig oder
Gesträuch bedeutete, herzuleiten. Daraus bildete sich fruticio,
dessen syncopirte Form frutcio aber verwandelte sich in
frusco. Das Deminutivum fruscolo ist unmittelbar aus dem
letzteren hervorgegangen.
Gleichwie der im Lateinischen üblich gewesene Ausdruck
für die Mandeln am Halse tonsilla als Deminutivum von
toles , Kropf eigentlich s. v. a. Kröpfchen bedeutete, vgl. Isidor.
XI. 1, 57: Toles Gallica lingua dicuntur, quas vulgo per
deminutionem toxillas [tusillas vulg.] vocant, quaein faucibus
turgescere solent, — so wird unseres Erachtens auch das ital.
gavigna oder gavina = Halsdrüsc , Mandel (bei Diez II. 34) von
einem mit dem französ. jabot Kropf verwandten Substantivuni
•) De Municipiia et Coloniis aetate imperatorum Romanorum ex
Canabi8 legionum ortis. Berolini 1871.
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Nachlese auf dem Gebiete rcmam&cher Etymologien. 177
abzuleiten sein und mithin ursprünglich die Bedeutung Kröpf¬
dien gehabt haben.
II. 60: „Russare schnarchen. Das gleichbed. ahd. ruzzön
hätte ital. ruzzare ergeben müssen, aber Herkunft aus einer
späteren Form russen Schmeller III, 138 darf vermuthet
werden." — In gleicher Bedeutung erscheint ronchissare bei
Labbäus 1.161: ronchisso, qB yxen. Dieses könnte, zu ronsare
zusammengezogen, schliesslich durch Assimilation zu rossare
und durch Vokalverdunkelung zu russare geworden sein.
Bei briscar span, catal. Seide mit Gold - oder Silberfäden
durdnvoben II. 110 wirft Diez die Frage auf, ob es etwa —
altfr. broissier. Wir unsererseits möchten daran erinnern,
dass im Alterthume die bezeichnete Kunstfertigkeit vornehm¬
lich den Plirygiern beigelegt wurde und dass demzufolge
phrygio der Goldstidcer hiess (Isidor XIX. 22, 22). Wie alt
diese Bezeichnung war, erhellt aus Nonius Marcellus, der p.
3 (Ausg. v. Merder) sie aus Titinnius, Plautus (Menaechm.
III. 2, 4) und Varro belegt; auch bei Apulejus de Magia 33
und bei Tertullian de Idolol. c. 3 kommt dieselbe vor, während
gestickte phyrgische Kleider von Virgil Aen. III. 484 und
von Plinius H. N. VIII. 74 erwähnt werden. Daraus lässt
sich muthmassen, dass die Thätigkeit des solche Kleider ver¬
fertigenden TCouuXrris von den Römern mit einem aus dem
Namen des betreffenden Volkes gebildeten Zeitworte benannt
worden ist, mag nun dieses phrygizare oder phrygissare
gelautet haben. Je älter dessen Etymon war, desto mehr
konnte mit dem Erlöschen der Erinnerung an seine Ab¬
stammung das Derivatum in der Form sich verändern, so dass
der Anlaut zu b verhärtet und der zweite I-Laut syncopirt
wurde, wodurch dann unter gleichzeitiger Umstellung von gs
zu sc die spanische Form briscar entstand. Dass aus dem¬
selben Stammworte auf französischem Boden broissier ent¬
stehen konnte, rechnen wir beim Hinblicke auf anderweitige
Uebergänge des ig in oi nicht zu den Unmöglichkeiten.
Zu den portugiesischen Formen coriscar blitzen und
corisco Blitz bemerkt Diez II. 120, dass sie sich nur von
coruscare herleiten lassen, wenn auch i für u gegen alle
Regel sei. Wir brauchen jedoch eine solche Regelwidrigkeit
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178
RÖN8CH.
für die romanische Voealisirung niclit anzunehmen; denn das
i war schon in der rustiken Latinität vorhanden, von welcher
in den vorhieronymianischen Bibelübersetzungen vielfache
Zeugnisse auf uns gekommen sind. So lesen wir z. B. in
dem wahrscheinlich aus dem 6. Jahrh. n. Chr. stammenden
Evangeliencodex von Cambridge Matth. 24, 27: sicut enim
scoriscatio [tj aCtQaniq] exit ab Oriente. Die an diesem Worte
wahrnehmbare Prosthese eines s vor c findet sich ebenda¬
selbst in folgenden Stellen, Luc. 9, 29: vestimenta eius alba
scoruscantia [6 tgatiGgog . . £%ccöT()d7tT<öv]. 17, 24: sicut enim
scoruscus qui scoruscat [r] döTQa7Ctj rj atizQdmovGa] de
sub caelu scoruscat, und aus ihrem Gebräuchlichgewesen¬
sein im Vulgärlatein können wir uns das Auftreten des An¬
lautes s in dem — von Diez a. 0. miterwähnten — siciliani-
schen surruscu Blitz erklären. Dass es übrigens in jener
Latinität ein Subsi coruscus (nach der 4. Declin.) wirklich
gegeben hat, ersehen wir nicht blos aus dem dritten der
obigen Citate, sondern auch aus 2 Stellen des nur lateinisch
vorhandenen vierten Esdrabuches, nämlich 6, 2: antequam
splenderent nitores coruscuum [so cod. Sängerin.]. 10, 25:
facies eins fulgebat valde subito et species coruscus [= dGrpanrjs]
fiebat visus eius [so in den codd. Sangerm. Dresd. Turic. u.
in der Vulg.]*), ingleichen heisst es in der Vita Aridii (bei
Mabillon Veter. Analecta p. 204): crebrius micat coruscus
e caelo.
II. 152: „Anderes Ursprunges [als das spanische mana
Arglist ] ist doch wohl das ital. manna, span, maiia Bündel
z. B. Flachs, Reiset', Verb. ital. ammannare, ammannire
in Büschel thcilcn, überhaupt Zusammentragen, ordnen, an das
gael. mam Handvoll (Plur. maini) erinnernd, womit schon P.
Monti das comaskische man zusammenstellt.“ — Auch hier
ist lateinischer Ursprung anzunehmen. Das Vulgärsubstantiv
manua, welches s. v. a. manipidtis bedeutete, findet sich bei
dem unbekannten Verfasser der Schrift De vita christiana
[opp. Augustini VI. p. 187 ed. Benedict.] in der Latinisirung
der alttestamentlichen Stelle Deuteron. 24, 19: et oblivisceris
*) Ygl. Hilgenfeld, Messias Jndaeorum. Lips. 1869 . p. 130 . 160 .
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Nachlese auf dem Gebiete romanischer Etymologien.
179
manuam [für das griechische dgayga der Septuaginta] sowie
bei dem Scholiasten des Juvenalis VIII. 154: manuae foeni;
nicht minder im Glossar des Labbäus I. 112: „Manua, ÖQccygcc.
Manuae, deögca“, — im Amplonian. 352, nr. 9: „manua
manipula“ — und in den Glossen des Kero: ma nua, picrift
[vgl. Diefenbach's Nov. Glossar. Frankf. a. M. 1867. S. 246].
Das span, quilma Getreidesack, Mehlsack, (Diez II. 169:
„unbekannter Herkunft“) kann vielleicht auf das in den Digesten
in gleicher Bedeutung vorkommende culeus zurückgeführt
werden. Aus dem abgeleiteten culeamen konnte quilma
ebenso gut sich bilden, wie costuma aus einem lateinischen
consuetumen hervorgegangen ist (I. 142). Wurde das radi-
cale u archaistisch und rustik wie ü gesprochen, so würde
dessen späterer Uebergang in i um so näher gelegen haben.
Wenn das span. u. portug. rebentar, reventar bersten
II. 172 vom latein. ventus abgeleitet wird, so gibt dazu die
Form gewiss volle Berechtigung; da aber die Bedeutung zu
widerstreben scheint, dürfte da nicht an lateinisches crepare,
das Stammwort des französ. crever, gedacht werden? Man
verlängerte das Wort durch Einschaltung des ent, weil man
an repente dachte, als ob bei der Bezeichnung des Vor¬
ganges das Merkmal der Plötzlichkeit bestimmend gewesen
wäre, und warf deshalb auch das anlautende c ab.
II. 179: „Sima span. Höhle, Grobe ; unermittelterHerkunft . u
— In Anbetracht, dass das Volkslatein in beibehaltenen
griechischen Wörtern den Diphthong ol nicht selten durch
den I-Laut wiedergegeben hat (so steht z. B.* in dem alt¬
testamentliehen Codex des Grafen von Ashbumham*), der nicht
in den Buchhandel gekommen ist, für olipt Levit. 5, 11 yfi,
ibid. 6, 20 u. 7, 2 yphi), sowie dass anlautendes c oft in s
übergegangen ist, leiten wir sima vom griechischen xoiXccöga
Höhlung ab: cilasma, cilama, cilma, sima. Sollte damit
das von Diefenbach a. 0. S. 339 angeführte sima in Verbindung
zu bringen sein?
*) Librorum Levitici et Niuneromm yersio antiqua Kala e codicu
perantiquo in bibliotheca Ashbumhamiense conservato nunc primuiu
typis edita. Londiu. 1868. Fol.
Digitized by LjOoq Le
180
Rönsch.
II. 209: „Atelier franz. Werkstätte = provenzal. astelier,
span, a still er o (von hastä) Gestell zum Aufbeivahren der Lanzen,
zunächst wohl Gestell für [das Handwerksgcräthe, daher Werk-
stätte .... Neuprov. astelier, astier Feuerbock d. i. Gestell
zum Auflegen des Holzes.“ — Mit dieser Ableitung von hasia
kann ich mich nicht einverstanden erklären; ist ja doch das
zwischen die erste und letzte Bedeutung eingeschobene Mittel¬
glied nur ein supponirtes, und klafft nicht zwischen den zwei
Begriffen: ' Gestell für das Handwerksgcräthe 9 und * Werkstättc 9
noch ein gar weiter Raum? Nach meinem Dafürhalten
entspricht das der ursprünglichen Form am nächsten gebliebene
prov. astelier buchstäblich einem lateinischen astularium.
Für assula Span, Splitter .tritt in den Handschriften sehr
häufig astula auf. Vossius*) bezeugt diese Form aus einem
Gedichte des Paulinus: Yicit brevis astula flammam, und
aus der von Beda verfassten Yita S. Felicis §. 16: Sumtam
de ligno Dominicae crucis non grandem astul am misit in
medium incendii furentis. Ebenso kommt sie in 2 Stellen des
Isidorus vor, Origg. XIX. 19, 12: Ascia ab astulis dicta
quas a ligno eximit. XVII. 6, 26: Astula fal. hastulaj a
tollendo nuncupata [add. vulg.: quasi abstula], fomes est
astula quae ab arboribus excutitur recisione aut hastulae
ambustae aut ligna cavata . . .Diez selbst erwähnt sie ander¬
wärts (I. 35) unter dem Beifügen, davon komme span, astilla,
altfranz. astele Splitter . Wie aus auricula sich auricularium
= franz. oreille*' gebildet hat, so astularium = prov.
astelier aus astula; im Französischen hat sich ätelier zu*
atelier abgeschliffen, während in der secundären Deminutiv¬
bildung attelle Beinschiene der Circumflex durch die Ver¬
doppelung des t ersetzt wurde. Ist nun das charakteristische
Kennzeichen einer Werkstätte nicht sowohl das ungebraucht
dahangende Handwerksgcräthe, als vielmehr der von lebens¬
voller Menschenthätigkeit zeugende Span oder Splitter, der
Abgang von einem unvollendeten Werkstücke, an dem noch
gearbeitet wird, so muss man gestehen, dass die Sprache zur
*) Gerardi Joann . Vossii de Vitiis sermonis et gloasematis latino-
harbavis libri quatuor. Amstel. 1G45. p. 3G0.
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Nachlese auf dem Gebiete romanischer Etymologien. 181
Bezeichnung eines derartigen Arbeitsraumes kaum eine
glücklichere Wahl treffen konnte, als indem sie den Ausdruck
astularium bildete; denn astula hiess bei den Römern eben
jeder Abspalt von Holz, Stein oder Marmor, insbesondere
wurden die bei der Bearbeitung des letzterwähnten Stoffes ab¬
gehenden Stücke so genannt, vgl. Vitruv. Archit. VII. 6:
Quibus autem locis hae copiae non sunt, caementa marmorca
sive assulae dicuntur, quae marmorarii ex operibus deiiciunt.
Dass es aber mit dem römischen Sprachgebrauche durchaus
im Einklänge stand, der Bildungsform auf arium eine locale
Bedeutung zuzuweisen, ergibt sich z. B. aus tabularium und
vigiliarium, während aus dem anderweitigen Gebrauche des
Wortes astula*) hervorgeht, wie das neuprov. astelier zu
der Bedeutung Feuerbock gelangen konnte.
II. 239: „Brouailles franz. Eingeweide der Fische und
Vögel, buchstäblich das Wort der Isidor. Glossen burbalia
'intestina’, seinem Ursprünge nach schwer zu beurtheilen.“ —
Bei Labbäus I. 191. 245 ist aus dem Cyriirschen Glossar an¬
geführt: 'Ubajbalia, %okuds$, tu ivrega, — Sangerm.: vubalia.’
Offenbar sind beide Wörter corrumpirt,— wenn aus bulbalia
oder vulbalia, so könnte man vermuthen, aus vulva, das
auch bulba geschrieben wurde, sei das Adjectiv vulvalia ge¬
bildet worden.
Dass franz. craindre aus latein. tremere entstanden ist
(II. 266), halten wir wegen des anlautenden c und wegen der
Schreibung mit a nicht für wahrscheinlich; dieses würde wohl
eher das ebenso euphonische treindre ergeben haben. Darf
man vielleicht an eine Zusammenziehung aus crinem erigere
*) Plin. H. N. XVI. 12 (23): Nec corpori ipsi parcitur, ut in caeteris,
quoniam astula in fructu est. XXIX. 2 (9): Alii assulis tedae subjectis
et subinde interstratis oleo aspersam aecendunt. — Plin. Valerian. d.
Re medica I. 39: Tedas pingues in astulas concides. — Cels. d. Me die.
V. 26, 36: Eademque offensa etiam in filicis astula est. — Festus s. v.
assulae: Fomites sunt assulae ex arboribus, dum caeduntur, excussae.
— In der Stelle Senec. Natur. Quaest. II. 31, 2: omnium percussarum
arborum contra fulmina h astul ae surgunt, haben manche Lexikographen,
durch die rustike Aspiration verleitet, das Wort hastnla durch kleinen
Zweig erklärt, während es die in Folge des Blitzstrahles emporstehenden
Holzsplitter am Baume bezeichnet.
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182
Rönscii.
(crincre craindre) denken, welche sich mit dem bei Labbäus
I. 85 doppelt bezeugten: horripüatur , dpatorp^r; horripilo ,
oQd'OTQixico , vergleichen Hesse? Oder könnte craindre etwa,
da die Römer animuni , pectus angere zu sagen pflegten, aus
cor angere entstanden sein (vgl. das Plautinische cördolium ),
ähnlich wie fraindre aus frangere , plaindre aus plangere ?
II. 297: „Estrun prov. trotzig , ungestüm , auch Subst.;
desgl. Part, estrunat hitzig.“ — Das Etymon ist wahrschein¬
lich oestrus, Viehbremse , oforpog, durch deren Stich die
Thiere in Wuth versetzt werden.
Im Edictum Diocletiani de pretiis rerum vom Jahre 303
n. Chr. kommt das Bothieildpi'et unter der Bezeichnung cervina
(f.) vor. Neben diesem Worte konnte füglich auch cervarium
in gleicher Bedeutung vorhanden sein, und auf dieses möchten
wir das französ. gibier Wildpret (Diez II. 320) zurückführen,
indem wir glauben, dass aus cervarium zunächst cervler,
aus diesem aber durch Anformung an cibarium, weil in
früheren Zeiten die Erträgnisse der Jagd das vornehmste
Nahrungsmittel ausmachten, cibier und dann gibier gebildet
wurde. Umgekehrt hat im Portugiesischen das aus venatus
Wildpret hervorgegangene veado (II. 190) die Bedeutung Hirsch
erlangt.
II. 350: „Jachere franz. Brachfeld , alt gachiere,
gaschiere, picard. gaquiere, ghesquiere, auch garquicre
. , . mittellat. gascaria (12. Jahrh.). Woher? Man hat
vacaria dafür aufgestellt, vom lat. vacare, also miissig liegen¬
des Feld , aber lässt sich franz. j so leicht auf lat. v zurück¬
leiten? überdies scheint s kein blosser Einschub. Auch die
celtischen Sprachen, worin man das Wort zunächst sucht,
verweigern es.“ — Der zweite Bestandtheil des Wortes scheint
das latein. area Fläche, Feld fläche zu sein; als ersten könnte
man cassa vermuthen, also cassa area (aria) = leere , er¬
traglose Fläche , was auf ein Brachfeld gut passen würde. Da
jedoch in allen obigen Formen ein c vorhanden oder vertreten
ist, so wird man auf casca area = uralte [d. h. in volks¬
tümlicher Uebertreibung s. v. a. durch mehrjährige Benutzung
ausgebaute und erschöpfte'] Feldfläche geführt, welcher Bezeichnung
übrigens auch der derbe Humor des Landwirtes nicht fehlen
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Nachlese auf dem Gebiete romanischer Etymologien.
183
würde, wenn man voraussetzen könnte, area sei hierbei in
der Bedeutung Glatze angewendet worden, in der es bei Celsus
und Martial wirklich vorkommt. Zu dem Uebergange des
anlautenden c in fanz. j würde jante aus cames (II. 351) ein
Analogon darstellen.
Yon den Römern wurden diejenigen Barbaren, welche
sich freiwillig ihrer Herrschaft unterworfen hatten, Laeti
genannt. Das ihnen zur Cultur angewiesene, bis dahin unan-
gebaut gebliebene Land hiess laeti ca terra , vgl. Cod. Theodos.
VH. 20, 10 u. 12. Xin. ll, IO. Somit würde weder Form
noch Begriff entgegenstehen, wenn „Lleco span. Adj. noch
nie angebaut ; unbekannter Herkunft“ (H. 148) auf das römische
laeticus zurückgeführt würde. Aus dem Femininum laeti ca
aber ist, wie es den Anschein hat, nicht blos unser deutsches
Lehde, sondern auch durch Auswertung des T-Lautes laie
entstanden, von dem es bei Diez II. 356 heisst: „Laie franz.
durch den Wald gehauener Weg . . . vom altnord, leidh,
angels. läd (f.) mit gleicher Bedeutung, mittellat. leda . . .“
In Betreff des französ. maraud Bettler, Taugenichts,
maraude liederliches Weibsbild, marauder plündernd umher-
streifen, limousin. maraou, fern, maraoude, wallon.marauder,
hat Herr Prof. Diez H. 369 die Ansicht ausgesprochen, aud
sei das (wie in badaud, clabaud, nigaud, ribaud, richaud)
einen Übeln Sinn ausdrückende Suffixum, und maraud könne
gemäss der am passendsten scheinenden Ableitung von marrir
betrüben, sich verirren u. dgl. einen Dürftigen oder einen Um¬
herirrenden bedeuten; Mahn’s geschickte und überraschende
Deutung aus latein. m orator sei abzulehnen. Wir unserer¬
seits hegen die Ueberzeugung, dass auch jene nicht zutreffend
ist, weil das überall auftretende d darauf hinweist, dass es
zum Stamme gehört, obschon im Französischen die Schreibung
mit aud deshalb gewählt worden sein mag, weil man, der
Abstammung des Wortes sich nicht mehr bewusst,'einen Übeln
Sinn damit andeuten wollte. Höchst wahrscheinlich liegt das
hebräische zu Grunde, dessen langes u sich im Limousini-
schen erhalten hat. Dasselbe hiess eigentlich aus der Hcimath
verstossen und dann umherirrend, heimathlos, weshalb es im
Propheten Jesaias 58, 7 von den Alexandrinern durch aazsyog
Jahrb. f. rom. ü. engl. Lit. N. F. II. 13
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184
Rüxsch.
= obdachlos übersetzt worden ist. Dass sich dem Begriffe
des Umherstreifers der des bettelnden Taugenichtses sowie auf
militärischem Gebiete der des abseits von dem disciplinirten
Heere auf eigene Faust Erpressenden und Plündernden anschloss,
kann nicht im mindesten befremden.
Das französ. Adj. rnievre muthwüUg, welches Menage
von nebulus = nebulo abgeleitet hat (II. 377), könnte auf
ein latein. semiebrius [griech. r}pip£&vöo$] zurückgeführt
werden unter der Annahme, man habe die muthwillige Aus¬
gelassenheit als ein Merkmal des beginnenden Rausches auf¬
gefasst. In ähnlicher Weise bedeutet das hebräische *"ps5 sich
berauschen auch aufgeräumt und guter Dinge sein .
Unter hypocausis verstanden die Römer (s. Georges Hand-
wörterb.) die Feuereinrichtung von unten oder einen in die
Länge geführten canalförmigen O/en, aus welchem die Hitze in
das hypocauston strömte. Wir vermuthen, dass einem aus jenem
gebildeten hypocausile das franz. poele heizbare Wohnstube >
auch Ofen 9 altfranz. poisle (H. 402), seinen Ursprung zu ver¬
danken habe. Die erste Silbe der Präpositionen hypo und apo
ist nicht selten per aphaeresin verloren gegangen; so verwandelte
sich apotheca in das ital. bottega (I. 79) und aus hypericum
wurde das sicilianische^mco. Gleichermassen konnte hypocau¬
sile zu pocausile, dieses aber durch Auswertung des c zu
poasile werden.
Wir schliessen unsere Nachlese mit einigen Notizen,
welche sich auf Angaben des Diez'schen Wörterbuches be¬
ziehen.
Von dem französ. ball ade, ital. ballata (I. 49) findet
man einen von der hergebrachten Etymologie sich entfernen¬
den Ableitungsversuch in meiner jüngst erschienenen Schrift*),
auf den ich hinzuweisen mir erlaube. — Was das ital. acceg-
gia, franz. acee Schnepfe anlangt, so wird die bei Diez I.
5. als mittellatemiseh bezeichnete Form acceia schon in
dem obenerwähnten Italacodex Ashbumh. in der Stelle Levit.
11, 17 dargeboten, wo das griechische xal wxxixogaxa xal
*) Das Buch der Jubiläen oder die Kleine Genesis. Leipzig 1874.
S. 488.
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Nachlese auf dem Gebiete romanischer Etymologien. 185
xuxaqaxxriv xal tßiv so übertragen ist: et bübonem et
catirecten et acceiam ibin } während wir in der Vulgata,
der römisch-katholischen Kirchen Version, lesen: bubonem eF
mergulum et ibin . Augenscheinlich rührt ibin im Codex nicht
vom Uebersetzer selbst her; es ist eine — von dem späteren
Abschreiber in den Text aufgenommene — Correctur aus der
Vulgata, durch welche acceiam beseitigt werden sollte.*) —
Das Vorhandengewesensein eines (nach I. 123 bei Priscian
bestrittenen) römischen Zeitwortes quietare erhellt nicht blos aus
dem englischen to quiet, sondern auch aus dem auf Münzen
des Kaisers Diocletian vorkommenden Derivatum quietator,
wozu bei Thomas Aquinas noch das Subst. quietatio tritt
(Kauleris Handb. z. Vulgata. Mainz 1870. S. 64). — Zu IL
163 ist zu erwähnen, das die rustike Form passar für passer
im cod. Ashburnh. (Levit. 11, 15: passarem) auftritt; zu II.
443 aber, dass die durch n verstärkte Form thensaurus nebst
Ableitungen in den ältesten Bibelübersetzungen fast aus¬
schliesslich gebraucht ist (f. meine Schrift: Itala u. Vulgata.
Marburg 1869. S. 459). — Das Subst fontana Quelle (I.
185) endlich kommt schon bei den alten Agrimensoren häufig
vor, z. B. S. 315. 324. 329. 330. 337. 364 ed. Lachm. (Berolin.
1848). Ja aus dem 3. Jahrhunderte n. Chr. bereits gibt es
einen Belag dafür bei Vopiscus Carin. 16: locum in quo
fontana esset pertepida.
Lobenstein, 12. Febr. 1874.
Hermann Rönsch.
*) Die Schnepfe heisst im Ital. auch beccaccia [franz. becasse], ge¬
bildet aus accia , welche Form neben acceia gebräuchlich war; vgl.
Glösa. Labb. I. 3: accia et acceia, aoiiuldyj].
13 *
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Po^sies burlesques et satiriques in4d ites
de
Diego Hurtado de Mendoza.
(Suite.)
4. Al duque de Sesa eobre la ganahoria. (Fo. 89 b .)
Loaron la virtud y el ser entero
Del ^ielo y el amor y el alma humana,
Aristotil, Platon, Virgilio, Homero.
Y aunquel hombre los lee de buena gana,
Holgara que emplearan su eloque^ia
En otra cosa mas tratable y llana.
Se que preguntara Vuestra Excelen^ia
Qu6 empresa puede auer de mayor gloria,
Ni en que pueden mostrar mejor su cien^a.
Si loaran, Senor, la ^anahoria,
Fuera el arte y la boz bien empleada,
Y durara yn eternum su memoria.
Que cierto es una fruta muy provada
0 raiz, por hablar mas propiamente,
Dutye, tiesa, rolli 9 a y prolongada.
Parecer osa fria y es caliente,
Tiene el gusto suave y cordial,
Para entretenimiento de la gente.
Vianda de quaresma y de carnal,
Buena cruda, cocida, asada y frita ;
Buena en caliente y frio temporal,
Ni cascara ni hueso ni pepita
Ni cosa que al comer os haga empacbo.
Todo podeis comella aspuela hita.
Oy decir que un medico gavacho
Afirmava que macho y hembra era,
Pero siempre la tuve yo por macho.
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Po^sies burlesques et satiriques inedites etc.
Y cierto eila es macho en la manera
Y barva; y si de nombre es femenina,
De natura es pujante y abridera.
Despierta el apetito y mueve orina,
Desopila y resuelve por el cavo,
Para la madre es brava medicina.
Todo el mundo la loa y yo lo alavo
Y meter 6 trag ella todo el resto,
Como quien entra em pielago sin cavo.
Quando se a de dar tarde, quando presto,
Ora poco, ora mucho, hora templada,
Teniendo el variar por presupuesto.
Suele ser la mayor la mas loada,
Mas la tiesa y la mediana es mas sabrosa,
Y mejor que la cruda, la guisada.
Alguna es colorada como rosa
Y otra trasparente, amarilleja,
Mas la una y la otra es dul^e cosa.
Tomando de la fresca o de la aneja,
En el vientre a ninguno da embara^o,
Nina, 11109 a, muger casada o vieja.
Y si tomares della gram peda^o
Ya va por la via mas derecha
Ya se desvia al higado y al ba^o.
Luego como la toman, aprovecha,
Porques tan agradable y alta yerva
Que a la persona dexa satisfecha.
Suelese ha^er della una conserva
Que todo el mundo ravia por provalla,
Y por manjar precioso se reserva.
Unas vezes vereis encanutarla
Otras cortarla em tiros muy sutiles
0 trag peda^os otros rebanarla,
Las dapias que se precian de gentiles
La cue 9 en con a 9 ucar y con miel,
Con vinagre y arropelos civiles.
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188
A Mokel-Fatio,
Unas ay que la toman de tropel,
Otras que poco a poco sela llevan,
Unas y otras la guardan por joyel.
Cada cavo de mez, diz que la pruevan
Para refrescar y abrir las vias,
Quando como la fenis se renuevan.
Si el hombre sela diese muchos dias
En canuto, en relleno o em bocados
Seria amigo de sus senorias.
Tambien diz ques manjar de enamorados, •
Para desopilar los coraijones,
Quando se sienten tristes y apretados.
Alli vereis purgar exclamaciones
Del alma y aquella enfermedad
Que sale por suspiros y rahnes.
Ay! de aquel que se ve en ne^esidad
Y no con golosina y apetito,
Sino por travesura y liviandad.
El pobre que se va poco a poquito,
Al triste tras quien va la perrescia,
Al que de cierto acierto en el hito.
Que sino toma esta raiz por guia,
Tomar sele a en el ayre su deseo,
Y el amor sele yra en melancolia.
Poner la confian^a en el arreo,
En el gesto, en la lengua, en la facion
Y no en la (janahoria, es devaneo.
Al fin, senor, que por satisfacion,
Por cura y hainbre y por delicade 9 a
Y en quaresma, qui$a por colacion,
Podra offrecerla Vuestra Gentile 9 a.
n. O o t a v a s.
Otavas al cangrejo. (Fo. 117 b .)
En las secretas ondas de Neptuno
Sus miembros recreava Grauca un dia
Por huir del calor grave, importuno,
Que en el ferbiente julio el cielo embia,
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Po6sies burlesques cfc satiriques inedites etc.
189
Mas porque pocas vezes go^a alguno
Enteramente el bien de su alegria,
Los hados su placer contraminaron
Y un grave sinsavor le acarrearon.
Aca y alla un cangrejo discurria,
Buscando alguna presa que robase,
Tal la hallo quäl yo hallar querria
Cada y quando que alguna yo buscase!
Fuertemente de Grauca el malo asia
Tal que no obo poder que lo arrancase
De aquella honda ^ima, a quien devemos
Los hombres esta vida que tenemos.
Assiola del lugar mas ascondido
Que a la muger le dio naturale 9 a,
Del lugar que concede a su marido
La virgen quando pierde su limpie 9 a.
Como el que a Eneas diö la reyna Dido
Quando con el ussö de mas largue^a,
En quien la muger hace resisten^a
Y del varon por 61 se diferencia.*)
Como le viö pasmöse y afligida
A su madre llamö la socorriese,
Su madre alli acudiö despaborida,
Pensando que algun mal muy grave fuese
Y vio como en la torre defendida
Entrava, sin que cosa le empidiese,
Un cangrejuelo, y que por la espesura
Andava por dar fin a su Ventura.
Ellas a lo sacar, 61 a meterse,
Ellas a desasillo y 61 a asirse,
Ellas no saven horden que tenerse
Para de tanto mal descabullirse,
El antes premitiera desha 9 erse
Que de tarn buena presa despedirse,
La madre clama y la mo 9 uela llora
Y el cangrejuelo siempre se mejora.
No de otra suei^te el perro ardiente y fiero
Que presa de algun toro tiene hecha.
Ni puede desasiHe el carn^ero,
*) Un lecteur, fatigue de Tobsc^nit^ de ces d6tails, a 6crit en marge:
No le conocerdn por las senas (!).
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190
A. Morel-Fatio.
Ni el toro con sus cuernos le desecha,
Antes la vida dexara primero
Que dexe aquella presa y lid estrecha.
El toro brama, el amo tira en vano
Y no por eso afloxa el fiero alano.
En esta priesa estando y agonia
Un man^ebo pare^e en la rivera,
Llamanle y llega a ver lo que seria,
Rueganle que le saque aquella fiera,
Ha^e mill pruevas y ninguna via
Halla para podelle echar afuera,
Y viendo el poco fruto determina
De ussar de una muy buena med^ina.
La tienta assiö en la mano prestamente
El fuerte, sobrediestro 9 urujano
Y metiöla suave y dulcemente
Por aquel bondo y monstruoso llano
Y va tras el cangrejo diligente
Por darle batibarba y sacomano,
Y como es viva y fuerte aquella tienta,
Sale muy bien con todo quanto intenta.
La tienta assiö que Appollo assiö primero
Quando tras de Daphne se a emboscado,
La que de un ciervo ha^e un leon fiero,
De un Galaion un Ector denodado,
La que mete Bulcano el gran herrero
En la fragua de Venus, la que a dado
A Jupiter mill formas, pues fue toro,
Hombre, 9 isne, pabon, satiro y oro.
La que sube y abaja cada punto,
La que saca su vida de su muerte,
La que aora tiene talle de difunto
Y a poco rato estä muy viva y fuerte,
La que aprovecha y dana todo junto,
La que no ha 9 e golpe que no acierte,
La que del rico alca 9 ar se apodera
Y estando dentro del se sale fuera.
Finge Homero, de musas gran golosso,
Que en mill formas Proteo se mudava,
Aora en leon fiero, aora en osso,
En sierpe, en fuego, en agua se tornava,
A ve 9 es como toro, en ancho cosso
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Po&ies burlesques ct satiriques iuädites etc.
191
Con sus cueraos los ayres a^otava,
Mas la tienta que digo es el Proteo,
Que todo lo demas es devaneo.
Diösse tal mana al fin, quel mostruo saca
Con su priapo de la huerta obscura
Y a la senora todo el mal le aplaca
Con esta tan suave y nueva cura,
Con ella estava como perro a estaca
En aquel acto Ueno de dul$ura,
Y assi quando del todo fue guarida
No quisiera la pobre eer na^ida.
No por no se curar, queso buscava,
Sino porque dexava de curarse,
Y no porque la paga se acercava
Que assi holgara mill ve9es adeudarse,
Ni porque un caso tal la abergon9ava,
Que quisiera otra vez avergon9arse,
Mas porque al buen man9ebo despedia,
Maestro de tarn buena 9urugia.
Mas al cavo esfor9Ö su voz cansada
Y a la madre hablö desta manera:
„No me dexes morir de mal curada,
Madre, pues no se escusa que yo muera,
Que no est& del todo en mi agotada
La casta que me dexö aquella fiera,
Que otros miU cangrejuelos pariö dentro
Ques menester sacaUos de su 9entro. u
La madre como fuese algo taymada
Y en aquel menester muy entendida
Entendiöle la treta delicada,
Y a que fin tambien fue dirigida.
Da le al m090 su hija bien doctada
Para de todo punto ser guarida
Y con su esposa el nuevo desposado
Para sacar cangrejos se a quedado.
Fin del Cangrejo.
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192
A. Morel-Fatio.
HL Bedondillas.
Satira a las damas de palacio. (Fo. 106 b .)
Muy mas illustres senoras,
Que podran imaginär
Mas, qu 6 podran desear,
Hermosas, aunque traydoras?
De pocos dias acä
Vivo muy desenganado
De un amor imfidonado,
Que tanto gastan all 4 .
Ya me dado em penitencia
Quien se siente arrepentido
Que les declare el olvido
Que tienen de su conciencia.
So que no siempre an de ser
Aves de todas miradas,
Ni estatuas muy bien labradas
De solo biem parecer.
Ni seran toda la vida
Damicas de casamiento,
Que suele llevar el viento
La esperan^a mas valida.
Y el cavello singulär
Que en esos cuellos se mueve,
Yiene a ve^es una nieve
Que lo suele blanquear.
Y esas frentes espaciosas
Suelen tomarse sarmientos,
Y bolsillas de avarientos
Esas megillas hermosas.
Y esa nariz christalina
Que al aguila semeja;
En viniendo alla a ser vieja,
Se toma luego golondrina.
Y ese brio y lo^ania
Que las ha^e matachines,
Un trasdoble de chapines
Da con el em Berveria.
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Ponses burlesques et satiriques inädites etc.
193
Dales esa fantasia
Verse damas de palacio
Y el hablar por cartapacio
Toda la noche y el dia.
Y que por una nonada
De un re^ibo de presente,
Muera por ello mas gente
Que en la guerra de Granada.
Con esta sola an hallado
El arte de aborre^er,
Disfra^ada em bien querer,
Con renta propia y estado.
Y a^en milagros mayores
Y el de mas fuer^a o poder
Es, el comprar y el vender
que aca llamamos amores.
Descubrieron alcaguetes
Recados, motes, areos,
Libreas, justas, torneos,
Papagayos y villetes.
Sacaron a luz las duenas
Del bien comun enemigas,
Y dieronle como amigas
El color de sus risuenas.
Con esto saven ha9er
Lo que yo no se pensar
Ha^en los enamorar
De lo que an de aborre9er.
Danies con desden y olvido
Aquellos que an de querer,
Para que nunca muger
Tenga nadie aborrecido.
Estas tramas, mis senoras,
No pueden durar mill anos,
Que vienen los desenganos
A la quenta de las horas.
Y mill hombres que en terrero
Tienen aora pasmados,
Los veran yr desterrados
Por faltarles el dinero.
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194
A. Murei.-Fatio.
Y otros destos sin segundo,
Que son mas seguras prendas,
Yiene un viento de eneomiendas
Que los echä por el mundo.
Y sin esto ya veran
Que risa serä, y de ver
El hablar y responder
Por Garcilaso y Boscan.
Los melindres de Diana,
Los 9elillos de Sireno,
El quexarse al tiempo bueno
De la nocbe a la maiiana.
Y las cartas de Tauxia
Que llevava Filismena,
La savia Felicia, llena
De dixes de argenteria.
El querer ser Oriana
Y el gustar de Galaores
Y el servirse de senores
Y acerse nos soberana.
Dezir muy segura y leda,
„Don Pedro es mi favorido;
Pero, quanto mas valido
Valdrä menos en moneda.
El duque mi requebrado,
El marques mi antojadi^o,
Don Rodrigo mi Narcisso,
Y el conde mi apasionado“.
El contar por 9elemines,
Cosa vieja, los picados
Y el tener amartelados
Del huello de los chapines.
Suspirico en la capilla,
Favores de romad^o,
Fingen un antojad^o
De regalo de Sevilla.
Decir quel senor don Juan
Tambien diö de sus amores
Y questos grandes senores
Le quitaron deste affan.
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Po^sies burlesques et satiriques inedites etc.
1P
Ha^erse senora y brava
Contra tantos enemigos,
Que si se usaran Kodrigos
Sin duda fuera la Cava.
Y no mas, senoras mias,
Quel mundo esta de manera
Que de la primer tijera
Corta em flor las ninerias.
Ya aquel buen tiempo es pasado
En que se andava Cupido
Por los campos sin vestido
Con solo un arco abrigado.
Ya que las nimfillas duendas,
Que en los rios se metian
Quando los satiros rian,
Se an quidato de contiendas.
Y suelto el cavello ufano
Por las vellas alamedas,
Se estan de lastima quedas
Al mas rustico villano.
Y las pastoras estranas,
Diossas en Montemayor,
Se arojan tras um pastor
Por los riscos y montanas.
Pues por aca en las ciudades
Donde ussa mas clemencia
No ay mas dilacion de audiencia
Que el decir de dos verdades.
A manadas las mo9uelas,
A media noche despiertas T
A las ventanas y puertas
Andan hechas centinelas.
Y otras que por no esperar
Se desvelan por tejados
A tres suspiros contados
Con que los suelen llamar.
Y a las senoras en grueso,
Que no son tan requestadas,
Con dos biejas bien habladas,
Las ha9eis perder el seso.
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196
A. Morel-Fatio.
Pues aviendo tal varato
En las damas por aca,
Porque q liieren por all 4
Que ande el hombre hecho gato?
Que en entender su lenguaje
Se les vaya media vida.
Y la de por biem perdida
Por una sena o yisaje.
No se esten vuesas mer9edes
Con tanta gra^ia y donaire,
Las lindas bocas al ayre,
Las caras a las paredes.
Que en mudandose la suerte,
Las dexar& su Cupido,
Hechas exemplo de olvido
Y memoria de la muerte.
Y al fin, viendose perdidas,
Abrän pagado el ser falsas
Con meterse en las Descatyas
0 en las Arrepentidas.
Y abran dado que reyr
Al mundo, de su esperar,
A galanes, que contar
Y a poetas que escrevir.
De don Diego de Leyva. (Fo. 112 .)
Desde ahora me despido
De cassa de la pri^essa,
No quiero puerta ni mesa,
Ni con las damas ruydo.
Con Madalena no quiero
Hablar, porque otra me entienda,
Ni con porteros contienda,
Ni mirar por agujero.
Ni a don Christobal rogar
Que abone all& mi persona,
Ni al gran duque de Arxona
Con el de Sarria bablar.
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197
Po^sies burlesques et satiriques intSditea etc.
No quiero comer ja tarde
Por andar en el terrero,
Ni quiero que mensajero
Me haga triste j cobarde.
Ni traer paje pulido,
A^echando por rincones,
Ni escrevir eien mill borrones
En las paredes de olvido.
Ni regalar a rnenino
Porque lleve mis recaudos,
Que parezean datinaos
Quando jo mas desatino.
Ni nego9iar con dinero,
Ni romper guardas pesadas,
Ni por via de criadas,
Procurar de ser artero.
Ni al xico preguntar
Las nuevas que ay all& dentro
Ni decir: qu 6 buen encuentro!
Por don Francisco topar.
Ni esperar a desengano
De un mirar enganador,
Ni quiero tener temor
De la yra de recano.
Ni a Gaspar de Teves ver
A 11 & dentro concojado, .
Si le aveis encomendado
Que os haga algum planer.
Ni en la cama pensar
Buenos dichos que decir,
Ni tampoco presumir
De ha9er fine9a, en callar.
Ni quiero buscar en que
Ha9er pla9er a la amiga,
Ni, aunque otro me persiga,
Nun ca yo me vengar 6 .
Ni quiero, estando doliente,
Criadico de la dama
Que »me bisite en la cama
Con un recado ex9elente.
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198
A. Morei.-Fatio.
Ni quiero musiquear
En el terrero a tal hora
Que en ella 07a a mi senora
Quanto ella quiera hablar.
Ni juntar vandos de amigos
A embiar motes a damas,
Ni presentar de mis Hamas
Muy verdaderos testigos.
Ni ha^er nego$ia<?ion
De en sar&o tener lugar,
Ni menos quiero dan^ar
Por cosa de admiracion.
Ni estarme poco en la cama
Para yr a las Descalijas,
Ni traer jubon ni calQas
De colores de la dama.
Ni quiero que amargue el gusto
Quando a la mesa viniere,
Si acaso me aconteciere
Que me mira con disgusto.
Ni quiero estar en la cumbre
De justador en las fiestas,
Porque tanto hierro acuestas
Me da mucha pesadumbre.
Ni quiero estarme mojando
Si Hueve el cier^o a porfia,
Y eHa est& en la galeria
De quäl me pongo gustando.
Ni quiero a grandes rogar
Que procuren larga entrada,
Ni estar en misa cantada
Despaldas buelto al altar.
Ni oyr em pie sermon
En frente de la tribuna,
Sin escuchar cosa alguna
Y com poca devocion.
Ni quiero estar esperando
Al pasar la jelosia,
Asi os ha$en cortesia «
Destar un credo mirando.
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Po&ies burlesques et BatiriqueB inädites etc.
199
Ni al salir al corredor
El postrero quiero ser
Por mirar una muger,
Perdido por dar dolor.
Respuesta de don Do. de Mendo9a (Fo. 115 ).
Unas coplas me an mostrado,
Dicen son de tra cavallero
Questa ya determinado
No mirar por agujero.
De casa de la prin^essa
El senor se a despedido,
D^en que fue de corrido
Porque no entrava a la mesa.
Sea por lo qne quisiere,
Cierto fue inconsiderado,
Que pues nunca fue criado,
Porque despedirse quiere?
Yo le quiero responder
A este despedimiento,
Que con poco fundamento
Este hombre quiso ha9er.
„Las damas poco ruydo
Tuvieron, senor, con vos,
Porque, aßi me ayude Dios,
No saven si soys nacido.
Don Christobal abonar
No puede vuestra persona,
Aunque le venga ayudar
Sarria y el duque de Axjona.
De tarde comer, senor,
No echeis la culpa al terrero,
Pues no trae el Comprador
Que adere9e el cocinero.
No traer paje pulido
A9echando por rincones,
Es por falta de doblones
0 por no dalle vestido.
Jahrb. f. rom. u. engl. Lit. N. F. 11. 14
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200
A. Morel-Patio.
No negociar con dinero
Ya jo lo tengo entendido,
Que, aunque sois gran cavallero,
Deso estais mal proveido
Para poder corromper
Ningunas guardas pesadas,
Ni tampoco a las criadas
Ningun servicio hacer.
Si al xico preguntar
Quereis, si os sale al encuentro,
Las nuevas que aj alla dentro,
El no os las querr 4 contar.
Pues desengano esperar,
Por Dios, jo no s6 de qu6,
Porque cierto jo bien se,
Ninguna os quiso engauar.
Nunca hecistes tanto dano,
Ni anduvistes tan valido
Que fuesedes perseguido
De guardas ni de recano.
Y esto ate 8 tiguar 4 n
Testigos muy verdaderos,
Que son muchos cavalleros
Que todos lo jurar&n.
No pensar cosa en la cama
Para 4 las damas decir,
Aunque lo penseis, no aj dama
Que os la quiera a vos ojr.
Assi, senor, quel callar
Fuera mui mayor fine^a,
Que no venir a trovar
Coplas en cas de su alte9a.
Bien hareis de no justar,
Ni querer ser da^ador,
Pues justar, trovar, dan9ar
Ninguno lo a^e peor.
No ha^er negociacion
De en saraos tener lugar
Ser 4 muy gran discrecion
Porque no os lo querr 4 n dar.
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Polsies burlesques et satiriques inldites etc.
201
De en la cama mucho estar
Y no yr a las Descal^as,
Disculpa podeis bien dar,
Diciendo no teneis ca^as.
Oyr misa con devocion,
Es muy buena cristiandad,
Tenor menos yanidad
Y no tanta presuncion.
Quo cierto es gran fantasia
Querer vos ymaginar
Que dama os a de mirar
Al pasar la gelossia.
Que deis, senor, a entender,
Tambien es cosa ex9elente,
Que os a de yr criado a ver
De dama, estando doliente.
No hableys tan confiado,
Ni con tanta melodia
Tened, senor, cortesia,
Y en hablar, sed bien criado.
.Y os quiero aconsejar,
Y tomad mi pare^er,
Que no querais mas trovar
No os venga en cassa a llover.“
IV« Quintillas.
Sobre una cana. (Fo. 104 b .)
Dar cana a quien tantas tiene
Y cuydado & quien le sobra,
Es cosa que no conviene;
Cierto fuera mejor obra
Decir nos de donde viene.
Si es de pelo repelada
Es corta para cavöllo,
Si es publica o en^errada,
Dura y gruesa para vello,
Quien nos dir& su morada?
U*
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202
A Möbel- Fatio.
No fuera malo mirar
Que dais, senora, una cana
A quien las suyas dexar
Quisiera de mejor gana
Que las agenas tomar.
De parte puede ser ella,
Que si confesallo ossase,
Al gusto solo de vella
0 de ayudar a cogella
Todas mis canas quitase.
Senora, si es esa cana
Yuestra, por nueva inaner a,
En vos fruta tan temprana
Siendo mo9a tan lo9ana
Deye de ser de la vera.
Mas na9er en tal frescura
Tan vieja y tan triste planta,
Tomandola con cordura,
Mucho k todos nos espanta
Tal milagro de natura.
En la cave9a, a mi ver,
Tener una mo9a cana,
Es cosa de no creer,
Que de muy caliente ser
Yenga la fruta temprana.
Y no acabo de entender
Queste pelo que me distes
En vos pudiese na9er,
Si no que vos me le diste,
Para me desvane9er.
He pensado si saliö
Del almohada y llevado
Acaso fue aposentado
De donde al salir sintiö
Algun dolor el cuytado.
Sola una cosa embiastes
Mas muchas nos aveis dado
Em pensar si la hallastes
0 por Ventura sacastes
De algun lugar vedado.
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Podsiea burlesques et eatiriques inöditea eto.
203
De ser el Ingar estrano
Yo lo aseguro y lo fio,
Porqne en el grueso y tamano
Se ve que naciö em buen ano
Y en tierra de regadio.
Quiem pudiese adivinar
Donde esta cana a salido
Por yrse a desenfedar
A tan vicioso lugar
Que tarn presto a florecido?
Si con vela fue hallada
Esta cana que me distes,
Estava muy senalada,
Pues com poca luz la vistes
En tan obscura morada.
Si al sol se vino ä hallar
No fue muy gran cosa vella,
Porquel se quiso bajar
Do nunca suele llegar
A ver la posada della.
V. Sonetos.
Fo. 203 . Jorge, que fuy ladron hasta una paja,
En memoria de mi arte y sufidencia,
- A la puerta consagro del audiencia
Este dedal de plomo, esta navaja.
Nunca entre noche ni dia hize ventaja,
Ni entre manga o bragueta diferencia,
Qualquier bolsa me dava la obediencia,
Inclinavase a mi qualquier alhaja,
Teniendo tanta honrra ya ganada
No ay para qu6 bollar pisadas viejas
Y andar del blanco al negro salpicando.
Recojome, aunque tarde, ä la posada
Contento con dezar ambas orejas,
Por no quedar al sol bamboleando.
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204
A. Mowbl-Fatio.
Fo. 195 . Esta piedra punal de Ramaseso,
Este guante, este casco, este broquel,
La espada que revana, como en queso,
Bra^s, piernas, cabe$as a tropel,
No pudiendo sufrir tan grave peso,
Como es la vida ayrada del burdel,
Despnes de aver herido a Anton Sabueso,
Salta atras y a las puertas cuelga del.
Su cuerpo mas haspado que un harnero,
Un $efiro por medio de la paz,
A Vilches se recoge a ser ventero.
No por estar seguro y a solaz,
Mas por servir ä Dios mas por entero
Que reciba su alma en santa paz.
Fo. 200. Democrites deleytate y bevamos,
Que para siempre no emos de durar,
Ni puede para siempre nadie estar
En esta vida en que agora nos holgamoö.
Y pues perdemos quanto aca dexamos,
Con unguento oloroso nos holgar,
De guimalda8 la frente coronar
Se procure, que al fin al fin llegamos.
La honrra que me haze la mortaja
Quiero me la ha^er en este mundo,
Y remojarme en quanto vino s6.
Que ei de aca me lleva esta mortaja,
Quando mis guesos vayan al profundo,
Ahogueme el diluvio de Nohe.
Fo. 201. Este es el puro tiempo de enplearse
Quando el padre hebrero nos ensena,
Ora moßtrando cara alaguena,
Ora mostrando el cielo de enojarse.
Cada uno procure de mudarse,
Si no esta satisfecho de su duena,
Questar en um proposito, es de peha,
Y del hombre prüdente, mejorarse.
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Po&ies burlesques et satiriques inäditea eto.
205
Natura nos form 6 con mejor tino
De gusto, de elepcion, de quien, de quando
Y noaotros hazemonos atados.
El hombre tome exemplo en su vecino,
Pues vemos ä los gatos maullando
Por bodegas, desvanes y tejados.
Fo. 204 . 0 Venus! alcagueta y hech^era,
Que nos traes embaucados tierra y cielo,
Quantas ve^es, por falta de una estera,
As hecho monipodios en el suelo!
Quantas vezes te an bisto andar en cielo
Tras los planetas machos, cachondera,
Pegada pelo a pelo y abra<?ada
Y pellejo a pellejo fuera y dentro!
No me andes rodeando, mala vieja,
Que no tengo tan dura la costilla,
Guarda questa mi mano te apareja.
Con un quarto abrochado o candelilla
Un memini raudal de rabo a oreja,
Que nunca diö a muger hombre en Castilla.
Fo. 2io b . A yos, la ca$adora fea y flaca,
Que nunca os falta el moco y romad^o,
Porque un pastor a escuras os lo M90,
Si de casta os pre^ais, dona Vellaca!
Y si en la matadura de una haca,
Os (jebais al entrar por coberti^o,
Porque traeis el mar espantadi$o
, Gon que podreis sorver ima carraca?
Todos dicen ques luna a trochemoche
Y trae nos el seso a la redonda
Con esta vanidad y pro que sia.
Pues, si el sol no alumbrase a la cachonda,
No alcan9aria mas luz su senoria
Quel rabo de una negra a media noche.
Fo. 211. Preciavase una dama de parlera
Y mucho mas de grande appodadora
Y encontrando un galan, assi a desora,
Sin conocerle^ ni saver quien era,
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206
A. Morel-Fatio.
Le dixo, em ber su talle y su manera:
„Pare9eis a San Pedro“, y ä la hora
Eiyose muy de gana la senora,
Como si al propio aquel apodo fuera.
Bolbiö el galan y viö que no hera fea
Y en aquel punto, que all! se ve quien save,
Le respondiö, con un gentil aviso:
„Mi reyna, aunque Sau Pedro yo no sea,
A lo menos aqui traygo la llave
Con que le podrd abrir su paraysso.“
Notes.
L’orthographe suivie dana cette Edition princeps est celle du ms. qui
dcrit gdndralement 88 pour 8 , f pour et m ä la finale devant b et p 9
dans les monosyllabes, pour n; aeuls w et ü, i et j ont dtd diatinguds.
Nous navons pas admia non plus lea redoublements de lettrea k l’initiale.
En ne nous conformant pas aux prdcepteB de lAcaddmie espagnole
nous avona cru rendre un aervice aux drudita qui tenteraient de corriger
le texte aouvent corrompu de notre ms., aoit en ae livrant k des con-
jectures, aoit en comparant notre ddition ayec d’autrea copies. £a et
lä cependant nous n’avona pas hdaitd ä modifier certains paaaagea en
rejetant en note les le9ons de Toriginal. Le lecteur trouvera dana les
note8 qui suivent quelques corrections qui n’ont pas pu dtre faites a
temp8 8ur dpreuves.
1 . Satira k una alcahueta.
Cette aatire eat une imitation suivie et asaez exacte d’Ovide, Amorum
I, 8 (Est quaedam .... etc.),
p. 65 v. 1 sauer , lisez saver.
p. „ v. 5 tambien , lisez tarn bien .
p. 66 v. 87 vuestro , lisez nuestro.
p. 67 v. 8 ussa, lisez ussan .
p. 68 v. 3 porque duelos. Cette fin de vers ne a’entend pas. Peut-
etre faut-il lire porque duelos ... et voir dans ces mots le commencement
du proverbe: Duelos con pan son menos . Mais cela satdsfait peu.
p. 68 v. 29 sus, lisez las.
p. 69 v. 42 arugadas , lisez arrugadas .
p. 70 v. 15 d la madre . C’est-ä-dire Celestine.
2. Elegia de la pulga.
Cette pi&ce n’est pas inddite, ainai que nous Tavions cru tout
d’abord; eile a dtd publide paa les dditeurs de YEnsayo de una bibl.
esp. t. II, col. 437 88. qui Tont extraite d'une copie d'Opusculos de varios
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Podsies burlesques et eatiriques in&lites etc. 207
ingeniös sevillanos exäcutäe par Justino Matute. Ce ms. contient diverses
podsies, surtout des traductions d’Ovide, de Gutierre de Cetina, et notre
piece y porte le titre de: Epistola de Gutierre de Cetina , de la pulga.
Lee äditeurs n’ont pas agitä la qnestion de savoir si cette epistola doit
etre attribude ä Cetina, ou, contre Fautoritd de leur ms., k Mendoza.
Us ont remarqu£ seulemeut que la pifece en qnestion se retronve aussi
dans nn ms. intitnlä Rimas ineditas de Luis Barahona de Soto, ms. qui
a 6t6 l’objet d’une longue analyse dans le meme Ensayo (t. II,
col. 16 ss.); et ä ce propos ils se prononcent formellement en faveur de
Cetina (voy. col. 33). — Pour ddeider la qnestion d’authenticitd de
VElegia de la pulga il faudrait savoir qnel degrd d’autoritä on est en
droit d’attribuer an ms. de Matute. Or, nos informations k l’dgard de
ce personnage et de son travail se räduisent k la note snivante de
Gallardo: „Saco esta copia“ dit-il, en parlant d’une autre pifcce de
Cetina oontenue dans le möme ms., „de la que, refiri^ndose al manu-
scrito de la arzobispal de Sevilla, pone D. Justino Matute: Opusculos de
varios ingeniös sevillanos MS en 4° (que posee Fuenmayor)“. Nous nous
en tiendrons donc pour le moment k l’opinion de Hidalgo, le premier
dditeur des podsies de Mendoza, qui attribue formellement la Pulga a
ce dernier po&te. — Le h^ros de notre piöce a c616br6 aussi, et
avec plus gräce, dans une cancion de Burguillos (Lope de Vega), voy.
La Borotea et les Rimas de Burguillos ( Coleccion de las obras sueltas de
Lope. t. XIX).
p. 70 v. 6 veneciana fantasia. II s’agit du capitolo del pulice adressö
par le cäläbre venitien Lodovico Dolce k M. Francesco Amadi, qui se
trouve imprim6 a la suite des oeuvres de Bemi dans une Edition de 1542
(sans nom de lieu). Notre piece est une traduction assez exacte du
capitolo venitien.
p. 71 v. 13 atreuimientos lisez atrevimientos.
p. 71 v. 27 Peralvülo. „Pago junto a Ciudad Real adonde la Santa
Hermandad haze justicia de los delinquentes que pertenecen k su juris-
dicion con la pena de saetas.“ Covarrubias. Les allusions aux ex^cutions
qui se faisaient k Peralvillo sont fort nombreuseB dans la litt&ature
espagnole des XVI e et XVII e si&cles. En voici une que je trouve dans
une com£die de Rojas ( Entre bobos anda el juego 6d. Mesonero-Ro¬
manos p. 20):
Ya en las Ventas estamos
Bel rmg noble sehor Torrejoncülo
U del otro segundo Peralvillo,
Pues agui la hermandad mesonitante
Äsaeta d todo caminante .
3. Loa al cuerno.
p. 76 v. 23 Ce vers est corrompu. La le 9 on du ms. iustoria ne
donne aucun sens. On pourrait lire harian d’esto victoria, mais l’ex-
pre88ion hacer victoria est bien peu correcte.
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208
A. Moeel-Fatio.
p. 78 v. 9 Mars de Comualla. Le c^läbre roi Marc de Comuailles,
l’oncle de Tristan, se nomme Mares dans le Tristan de Leonis et aussi
dans VAmadis (voy. V6d. de Gayangos). La forme Mars a 6t6 ddter-
minde ici par la mesure dn vers.
p. 78. v. 24 principe illustre de Salerno. Une tr&s sötte composition
en prose attribude ä. Cetina: Paradoja en alabanza de los cuemos qne
M. A. Femandez-Guerra y Orbe a publice en partie ( Ensayo etc. I,
1332 ss.), nons explique Tailnsion de Mendoza. „Son tenidos los cneraos
en tanta estima que solos los principes y los grandes senores los usan,
unos por armas en los escndos, otros por tymbres o cimeras sobre las
armas.y no solamente los senores en Alemaüa, mas aun enltalia,
y en el reyno de Napoles traen los principes de Salerno sobre sus armas
y por pompa dellas nn par de cnernos muy grandes, los qnales tienen
en tanto por el blason dellos que traerian antes los cuemos sin las
armas que las armas sin los cuemos. “ J’extrais ce passage omis par
M. Femandez-Guerra d’un ms. de la bibl. nat. Esp. 364 fo. 324.
4. La 9 anahoria.
Le duc de Sesa auquel est adress^e cette pifcce doit 6tre Gon 9 alo
Femandez de Cordova, duc de Sesa y Baena, comte de Cabra qui 6tsit,
par sa mfcre, petit fils de Gon 9 alo Femandez de Cordova, le Grand
Capitaine (voy. Lopez de Haro Ndbiliario genealogico de los reyes y
titulos de Espana t. I p. 359 et t. II p. 333). Ce personnage joua un
röle important dans la guerre contre les Moriscos de Grenade et prouva,
dans plusieurs occasions, qu’il n’dtait pas indigne de l’illustre nom qu’il
portait (voy. Mendoza, Guerra de Granada p. 90 et passim 6d. Rosell).
Le pofcte contemporain de Mendoza, Cetina, a adress^ au duc de Sesa
un grand nombre de sonnete.
p. 186 v. 19 de camal. Le ms. porte en camal.
Satira ä las damas de palacio.
p. 192 v. 32 luego golondrina. Ms. luego londrina.
p. 194 v. 9 88. Allusions aux principaux personnages de la Diana
de Montemayor.
p. 194 v. 13 cartas de Tauocia. Je ne trouve aucun nom semblable
dans la Diane ; je substituerais donc volontiers ä ce mot Celia , nom de la
rivale de Filismena (voy. le liv. II de la Diana).
p. 196 v. 19 las DescaUgas. II s’agit du c^lebre couvent des Des-
coIqo8 Reales fondä par la princesse Dofia Juana fille de Charles
Quint (voy. Mesonero-Eomanos, El antiguo Madrid).
p. 196 v. 20 las Arrepentidas . Mendoza fait probablement allusion k la
maison de refuge des mageres arrepentidas ou recogidas appelde Cosa
real de Sancta Maria Magdalena (voy. Mesonero-Romanos, 1. c. p. 286).
Redondillas.
p. 196. D. Diego de Leyva. Sans doute le fils naturel dn cdl&bre
capitaine de Charles-Qnint Antonio de Leyva. „Muri6 u dit Haro Nobü.
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Poäsies burlesques et satiriques inedites etc.
209
II, 401 „peleando en el rebelion postrero del reyno de Granada, aviendole
embiado alli an Md. por general de la gente que estava en el rio de
AIman 9 ora <( . Voy. aussi la Guerra de Granada de Mendoza. p. 97 äd.
citee. La reproduction de la lettre en redondülas de ce personnage
ätait indispensable pour l’intelligence de la räponse de Mendoza.
p. 196 y. 6. Madodena. Probablement Magdalena de Bobadilla.
M. C. Rosell a donnd un extrait d’une lettre de Mendoza k cette dame
qu’il a emprunte k nn ms. de la bibl. nac. de Madrid (voy. Historiadores
de sucesos particulares I, p. VIII note). II est regrettable que le savant
äditeur n’ait pas jugd ä propos d’enrichir sa collection de pieces justi-
ficatives de quelques lettres de ce ms. qui, ä. en juger par ce court
ächantillon, doivent 6tre fort curieuses.
p. 196 v. 9 ss. Des trois personnages mentionnäs dans ce Couplet je
n’ai rdussi k identifier que le dernier. Le titre de marques de Sarria appar-
tenait ä cette epoque ä Fernando Ruiz de Castro, comte de Lemos, Villalva
y Andrada, qui fut vice - roi et capitaine gdnäral du royaume de Naples.
p. 197 v. 25 recano. II faut sans doute corriger regano , de m6me
qu’a la p. 200 v. 20.
p. 197 v. 26 Gaspar de Teves. Parait etre le pofcte dont les äditeurs
de VEnsayo de una bib. esp. ont publik une romance, voy. t. I col. 1030.
S o n n e t s.
p. 204 v. 1 . Je ne comprends rien k ce vers. Faut-il voir dans
Ramaseso le nom d’un vdlenton quelconque, c^lebre du temps de Mendoza?
p. 205 v. 7 et suiv. Une copie de ce sonnet se trouve dans le ms de la
bibl. nat. Esp. 314 fo. 197: eile peut servir a corriger le texte extrß-
mement corrompu de notre ms. — V. 13. 14. II faut lire avec le no 314:
Apegada con ellos pelo d pelo , Pelexo com pelexo dentro y fuera ; v. 18
— 20. Con un quarto abrochado d garafilla Un sepanquantos de oreja d
oreja Qual no se diö muger dentro en Sevilla.
p. 205 v. 33 pro que sia est inintelligible. Je conjecture porquerta
II ne nous reste plus qu'ä nous excuser auprös du lecteur de lui
avoir präsente un texte qui est bien loin d’ätre correct, qui aurait
besoin d’etre corrigä et expliquä en bien des passages beaucoup mieux
que nous n’avons äte ä mäme de le faire. Du reste, en publiant ces
quelques poäsies inädites de Mendoza nous n’avons eu d’autre intention
que de remplir provisoirement une lacune en profitant d’un manuscrit
qui ätait ä notre portee et de rappeier par lä aux Espagnols qu’ils nous
doivent une ädition compläte et critique des oeuvres poätiques de
Mendoza. C’est aux ärudits de Madrid qui ont k leur disposition, non
seulement les meilleurs mss. de cet äcrivain mais encore des ressources
de tont genre pour donner k ces textes un commentaire dont il ne
peuvent se passer, qu’il appartient d’accomplir cette t&che. Notre ädition
leur repräsentera la le 9 on d’un ms. dont il ne sera peut-ätre pas tout-
k -fait inutile de tenir compte: eile n’a pas d’autre prätention.
A. Morel-Fati o.
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Englische Lieder und Balladen ans dem
16 . Jahrhundert,
nach einer Handschrift der Cottonianischen Bibliothek des Britischen
Museums.
(Fortsetzung.)
XV.
Dämon und Pythias.
Klagelied des Pythias (Phintias) über die Verurtheilung
seines Freundes Dämon.
A b a 1 e t.
„Awak, ye wofull wight,
Which longe haue wept in woo.
Refigne to me your teares & playntes,
6 My haples hap to fhoo.
My woo no tong can teil,
Nor pen can well difcrye.
0! what a deth ys this to here:
Dämon my fr ende ys judged to dye!
10 The loffe of worldlye welthe
Mens wyfdome may reftore,
And philicke haithe proved helthe
A falve for every foore.
But my trew frend once loft,
15 No arte can well fupplye.
Than what a deathe ys this to here:
Dämon my frend is judged to dye!
2. wighth. MS. Der Gedanke ist: Fasse Muth, du Unglücklicher,
wer du auch seiest; überlasse mir deine Thr&nen und Klagen. — 6. hape.
— 8. Ogh. MS. — 12. helth. MS. — 15. harte. MS.
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Engl. Lieder u. Balladen aus dem 16. Jahrh.
211
My mouthe, refufe thy foode
That doethe thy lymes fufteyne!
20 Lett forrowe Tucke within this breft,
& ranfake every vaine!
Ton furyes all at once
On me your tormentes trie;
Why fhoulde I leve fence £at I here,
26 Dämon my frend is indged to dye!
Grype my, ie gredye gryffes,
& prefent panges of dethe,
Ye Tysters thre with creweil handes
Which fped other Ttoppe my brethl
30 Thrye me in clay alyve,
Some good hande cloffe myne eye.
0 deth, com nowe, sythens f>at I here,
Dämon my frend ys judged to dye ! u
22. Your. MS. — 26. gryffes = griffins. — 27. Und streckt eure
Todeskrallen nach mir aus.“ — 28. Die drei Furien sind gemeint. —
29. oghe. MS. — 80. Thrye =» throw; a lyve. MS.
XVI.
Eile mit Weile.
Ein Rathschlag für Verliebte.
Of lingeringe love mifliking growes,
Wh er ein our fanßes ebbes & flowes;
We lyke to day, we lothe to morne,
& dayly where we lyft we fcorne.
6 Take hede therefor.
Yf The myflyke, then love nomore.
Quicke fpede makes walte;
Love ys not gotten in Tuche hafte!
That Tute ys cold that Tone ys done,
10 The fehle forte are eafely wonne.
The hawke that Tonne comes by her praye,
May take a toye and foore away.
Marke what meanes thys:
Sum thinke to hyt, & yet they myffe.
16 Firft crepe, than goo;
In dede, ower love ys handled To.
9. Thate. MS. — 10 . eayfely. MS.
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212
Böddekeb.
For want of bellowes the fyer gooth owt;
Sum fay, the next way ys abowte.
The tre at first wyll yeld no frute,
20 Fewe thynges are hade withoute fute.
Serve longe, hope well!
Lo! here ys all J>at 1 can teil:
Tyme tryeth owt trowth,
And trowthe ys lykede, where yt gothe.
26 Sinne thinkes, all theres J>at they do feke:
Suche wantons woe but for a weke!
Sume woes, to prove there futtell wyttes,
Suche palferyes playes yppon the byttes.
Fyne heddes, god knowes,
SO That pluckes a nettle for a rofe!
There mett, there mache,
And faxe the wvrffe becauffe they Inache.
The fylle woman cannot reft,
For fuche as vse to love in jeft,
86 Suche men laye baytes in every noke,
Where every fyfhe dothe fpye the hoke.
Yll wäre got chepe!
That makes vs looke before we lepe.
Craft can cloke muche;
40 God fave all fymple fowles from fuche!
Thoughe lyngeringe love do laft fome wyle,
Yet lyngering lovers laughe & fmyle.
Who wyll not lynger for a daye,
Doth banyfhe hope and happe away.
46 So endes this daunce.
God fende all lyngerers lyckye chaunce.
Love muft be plyed!
Who like to fayle, muft wache a tydde.
18. a bowte. MS. „Der nächste Weg ist der Umweg.“ Dies scheint
ein Sprüchwort gewesen zu sein. — 26. „theres“ contrahirt aus „there is“.
28. Ich möchte „palferyes“ dreisilbig lesen und „playes“ elidiren. Der
Sinn wäre dann: „Solche (stattlichen) Sattelrosse auf ihr (gutes) Gebiss
hin.“ — 30. plukes; roffe. MS. —34. fhuche as vffe. MS. — 37. „Schlecht
die Waare, die wohlfeil gekauft!“ — 39. cloke = clutch. — 40. fron. MS.
xvn.
Dies Loblied auf die Musik muss seiner Zeit sehr volks-
thümlich gewesen sein. Darauf deutet nicht nur der Umstand
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Engl. Lieder u. Balladen aua dem 16. Jahrh. 213
hin, dass Shakespeare dasselbe kannte; er behandelt offenbar
in Romeo and Juliet, Act IV, Scene V, wo Peter die vier
ersten Zeilen des folgenden Gesanges recitirt, ein wohlbekann¬
tes und beliebtes Volkslied. In dem schon mehrfach erwähn¬
ten Paradice of Daintie Deuises aus dem Jahre 1576 findet
sich auch dieses Liedchen, unter dem Titel: In commendation
of Musick. (Siehe die Anmerkung zu der oben gedachten Stelle
aus Romeo and Juliet in Stanton's Ausgabe des Shakespeare.)
Hier wird dasselbe Richard Edwards zugeschrieben, dem Ver¬
fasser mehrerer Gedichte des Paradice of D. D. Er war Vor¬
sänger in Queen Elizabeth's Chapel und starb 1566 oder 67
(Ritson, Bibliographia Poetica). Percy hat auch dieses Lied¬
chen in seine Reliques of Ancient English Poetry aufgenom¬
men (Band I, pag. 161 der Tauchnitz Edition), indem er den
Text des Vesp. A. 25 zu Grunde legte und denselben mit Be¬
ziehung auf das Paradice of D. D. an einigen Stellen emendirte.
A fonge to the lute of mufioke.
Where gripinge greffes the hart wold wound,
& dolefull dumpes the mynde oppreffe,
Ther muficke wit her filver founde
6 With fpede ys wonte to fende Redreffe.
Of trobled myndes, for every fovre,
Swete mufike haithe a falve in ftore.
In joye yt makes our mirthe abounde,
In woo yt cheres our hevy fprites,
10 Be-ftrawghted heades relyeff haith founde
By mufickes pleafaunt fwete delightes.
Our fences all, what fhall I faye moore ?
Are fubjecte vnto mufickes lore.
The godes by muficke have there prayfe,
15 The fyfhe, the foule therein doth joye,
For, as the Romayne poetes fayes,
In feas, whom pyrates would deftroy,
A dolphin faved from death moft fharpe
Arion, playing on hys harpe.
6. In every sore, Percy. — 11. pleasauntes, MS. — 14. mufickes.
MS. — 16. The lyfe, the bou! etc. Percy. — 19. playng. MS.
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214
Böddekbb.
20 0 heavenly gyft, that mies the mynd —
Even as the fterne dothe rule the fhipper!
0 muficke, whom the godes affinde
To comforte manne, whom cares wold nippe.
Sence thow both manne & hefte doeft move,
25 What hefte ys he, wyll the difprove?
21 . shippe, Percy. _
xvm.
Klagelied
eines Ehemannes über die Herrschsucht seiner Frau. Auch
veröffentlicht durch Ritson in seinen Ancient Songs (vol. II,
pag. 36), unter dem Titel: The Discontented Husband.
A Ballet.
The man ys bleft,
That lyves in reft,
And fo can keepe hym ftylle,
And he is accurfte,
5 That was the first,
That gave hys wyff her wylle.
What paine & greff
Without relieff
Shall we pore men fuftayne,
10 Yff every gyle
Shall have her wylle,
& over vs fhall reigne!
Then all our wyves
Düring |>er lyves
16 Wyll loke to do the fame,
And beare in hand;
Yt ys as lande
That goeth not from the name.
There ys no man
20 Whofe wyfdome canne
Reforme a wylfull wyff.
But onely god,
Who maide the rod
For our vnthryfty lyffe.
4. a corufte. MS. — 10 . gyle *=*gill,a wanton wench, Kennett. It was
formerly a generic name for a woman. (Hwll. Dict.) — 11. wyle. MS. —
16. to do the same, nämlich reigne. — 16. „Und die Herrschaft ansüben“.
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Engl. Lieder a. Balladen aus dem 16. Jahrh.
215
** Let vs, therefor,
Ciye owt & rore,
And make to god requeft,
That he redreffe
This wilfolnes,
80 * And fet our harth at reft
Wherefor, good wyves,
Amend youre lyves,
And we wyll do the fame.
& kepe not ftylle
85 That nonghtye wylle
That haith fo evell a name.
84. ßyle. MS. — 86. wyie. MS.
XIX.
Loblied
auf das weibliche Geschlecht. Die Schmäher desselben sind
ja doch nur solche, denen die Trauben zu hoch hängen. (Je
zwei zusammengehörige Verse sind durch Binnen- und End¬
reim gebunden.)
A ballet.
Wyll ye complayne without a cawfe,
Even as the foxe fhall blame the graye?
What nede yow ftaine at mootes and ftrawes
6 When beames blake lythe in youre waye?
Moft that wyll fynd the greteft falte,
And laye fourthe ftylle the womans blame,
Of eyes half blynde are feene to halte
Ten tymes more yll, to f>er owne fhame.
10 For youre reproff loke you be fre,
Yff yow lyke refte, do well to pleaCfe;
Say well of love, let women be,
Yt fhall be beft for youre owne eaffe.
2 . cavITe. MS. — 3. grape kann nur gemeint sein. Der Reim erlaubt
nicht, diese Form für graye zu snbstituiren. — 5. „beam“ hier =■ band ot
straw. Siehe Hwll., Dict. — „blake“ (bleak) hier gelb. Siehe Hwll., Dict.
— 7. ftyle. MS. — 12 . „Lasst die Weiber in Ruhe“. — 18. (halbe. MS.
Jfthrb. f. rom. n. engl. Lit. N. F. XL 15
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216
Böddekbb.
Leave shecking tantes and relynge rymes,
16 Where into flute yowe beke the ftere,
& in the hauntes of your paftymes
Dyfprayfe but what yow can forebere.
And therefor fye the weake & ftronge,
Folyfhe nor wyfe, in corte nor coft;
20 That well can be from woman longe,
That dothe far myffe againft them moft.
Why fhould we chate or eke declare
Women to flayne as fancye lekkes?
No man but that a woman bere
26 In woo and payne full fortye wekkeg.
Where there ys want of women ryght,
Mens names from earth doth wane away,
And children wanteth in there fyght,
All joy and mirth falleth in decaye,
SO The nedfulnes of wemen fure
Ys fore mennes helte, in earth to dwell;
Ytt farre dowtleffe doth paffe the eure
For penn to write, or tonge to teil.
None could them myffe, but fhuld yt rew,
36 Thoughe fome ftrange carpe againft them bringe,
Therefor yt ys a taylle moft trew,
That fuche doth harpe on the wronge ftringe.
And this to racke once leamed I,
Well touching thofe, that wemen blame:
40 Men fynde moft fault where they would be,
Marke to purpofe how yt dothe frame.
14. relyng =- rallying. — 16. flute =* flood; atere, Steuer, comp,
steersmann, Bteersmate. — 17. cane. MS. — 18. fye defy. — 19. „in corte
and coat“ 8cheint eine aprichwörtliche Verbindung zu sein. — Weitere
Belege für dieselbe vermag ich nicht aufzufinden. — 23. Vielleicht: „Die
Weiber als Steine hinstellen, welche der Liebe entbehren.“ Die Form
„as“ als Relativpronomen und „fancy“ gleichbedeutend mit „love“, beides
ist in den älteren nordengliechen Dialekten nicht unüblich. „Stane“ ist die
gewöhnliche Form für „stone“ in eben diesen Dialekten, es würde dem
nach „ flayne“ in ftayne zu emendiren sein; lekk =■ lack. — 81. helte —
old age. — 36. carpe ist eine Form der nördl. Dialekte für talk. —
37. one, MS. — 40. „Wo sie nicht ankommen können.“ Vergl. Zeile 2.
— 41. purpoffe. MS. —
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Engl. Lieder u. Balladen ans dem 16. Jahrh.
217
Woman was founde a helpe moft fwete,
With man to dwel for his comforte,
As fcripture founde, who fo wyll wytte,
46 Doth playnly teil & make reporte.
Blame them with wronge J)at lyft, herefore,
To take for note to chek alwayes;
My wyll lyffe long for evermore,
They fhall be furo to have my prayfe.
49. (halbe. _
XX.
Klage
über die Sündhaftigkeit der Zeit, besonders über das Ueber-
handnehmen des Fluchens und Schworens.
God helpe vs all, god helpe vs all 1
With weping eyes to the we call!
ln deadly fynne let vs not fall!
But helpe vs all, but helpe vs all!
6 Where we profeffe in our baptyfme
The for to ferve & flye from fynne,
Tet day by day we fall therein.
God helpe vs all, god help vs all!
Godes name in vayne ofte tymes take we,
10 Sweringe thereby moft miferably,
Rentyng all the partes of hys bodye.
God helpe vs all, god help vs all!
Somtyme the people were very loth
At any tyme to fwere an oth,
16 Yff we fwere not, yt ys no trothe.
God helpe vs all, god helpe vs all.
A chyld that ys yonge and tender of age,
As sonne as he vttereth any language,
Anone with othes yt beginnithe to rage.
20 God help vs all, god help vs all!
Wherefor thefe wordes our god may fay
That are wrytten in the prophet Jfaye:
„My name ys blafphemed every day.“
God helpe vs all, god help vs all!
2. the — thee.
16 *
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218
Böddxker.
26 Tims vice vpon vice beginnithe to growe
Daylye amonge the people nowe,
(And) In the workes of faith [yt] ys very flow.
God helpe vs all, god help vs all!
XXI.
Thorheit der Liebe.
In scherzhaftem Tone wird die Liebe als eine Thorheit
geschildert, welche nichts als Unbehagen im Gefolge habe.
Zum Schlüsse fallt dem munteren Dichter ein, dass er als
Verfasser dieser Lieder ein noch grösserer Thor ist, als der,
welcher der Liebe nachhängt.
A Ballyt.
A horffe chuyng on the brydle
In £e ftable ys but idle;
So a lover, not well proving,
Is but idle in hys loving.
6 Oft complaning, finale redrefling,
Much difdaning, finale realising,
Much ensuyng, finale obtayning,
Much vneafe and lytle ganing:
Changing of hartes with ficklenes
iO Ys love, this idle bufynes.
Cullered wordes for outward feaning,
Croked fygnes for outward craving,
Inwarde mede and outwarde forowe,
Glad to night and mad to morowe,
16 Now in eafe for to be eafed,
Now content and now difpleafed,
Owtward joy and outward boafting,
Litle worthe and mykle cofting:
Thus fynding of new fanglenes
20 Ys love, this idle bufynes.
6. realefing. MS. — 9. Cuklenes. MS. — 11. To culler «■ to cull.
„Ausgewählte, geschickt gewählte Worte.“ fean, gew. faine =» to feign. —
14. made. MS. — 19. fanglenes. „Silly attempt, trifling scheine. It is
never used, or rarely, but in contenüpt with the epithet new.“ Johnson.
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Engl. Lieder n. Balladen ans dem 16 . Jahrh.
219
Much beginne and litle endid,
Much amiffe and litle mended,
Muche devifed, much invented,
Muche difpifed, nought contented,
26 Much complaning of hartes diTtreffe,
Muche thinge wrong and no redreffe,
Muche devising all for winning
As in the end as the beginninge:
Doting of braine with defünes
30 Ys love, this idle buünes.
Lytle fleping, mykle watching,
Mykle loking, lytle catching,
Often wyfbing, fmale thinges having,
Often fpending, fmale thinges faying,
36 Langhe love, lowre love, all one matter,
Lyke the nature of f>e water
Alwayes running, never feafing,
Yet j>e rever ftyll increafing:
So dothe J>e fole never feaffe
40 In love, this idle bufines.
I which do this love difcover,
Am as idle as the lover;
For my laboure nothing getting,
Nor to the lover no profitting,
46 To my harte no joy nor eafing,
Nnr to other nothing pleafing,
Voto my paine in £e writing
Paine to other in refyting:
Thus my labore may be thankeles
60 For my idle bufynes.
28. ine, MS.
xm
Ein junges Ehepaar«
Das Gedicht schildert den grausigen Kampf zwischen
zwei erst seit kurzer Zeit zusammengehörenden Ehehälften.
Die Ruhmredigkeit des geschlagenen Mannes und die Falsch¬
heit und Tücke seiner schwächeren Hälfte sind recht lebhaft
dargestellt
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220
Böddeker.
Ballet.
By weft off late as I dyd walke
In the pryme tyme of the day,
Yt was my chaunce to here the talke
Of two yonge folkes in fay.
6 They had not bene maried at the kyrke
Thre dayes then fully paffc.
The good man bad hys wyf to worke;
„Nay, foffc,“ qnod fhe, „no halt,
For now
10 I wyll,“ quod fhe,
„Not worke for the,
I make to god a vowe.“
„And yf thow wylt not worke“, quod he,
„f>ou drak, I fhall the dryve.“
16 „I would to god, thow knave,“ quod fhe,
„j>ou dürft f>at matter prove!“
The god man for to beate his wyffe
In hande a pafe he went;
He caught two blowes vpon his head
20 For every one he lent
In dede,
He never blan
Beating her, than
Tyll both hys eares dyd blede.
25 He was fo ftowte and fterae and ftoure
And fearfTe with her in fyght,
f>at even ypon the ftony flowre
She knockt his head full ryght.
The good wyffe was wonderous wake in hande,
30 FearefuJl, and nothing bold.
But he had never a fott to ftande
When fhe of hym caught hold
By the crag,
And with her fyft
36 His mouth fhe kyft
As faft as yt myght wag.
16. preve. MS. — 21. blande, MS. Die Form „blan u ist das Praeteritum
von to blinne, A. S. blinnan, aufhören. — 26. J>at foure. MS. — 33. crag »
neck (Kragen). „They looken bigge as bulls that been bäte, And bearen
the crag so stiff and so state. u Spenser, Shep. Cal. Sept. Handschrift:
crage. — 36. wagge. MS. —
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Engl. Lieder n. Balladen aus dem 16. Jahrh.
221
Now then fhe cryed lowd: „Alacke,
I do you well, to wytt.“
But he lay downe vpon his backe,
40 And fhe ftode on her fett,
Bending her felfe to hym apace
She cryed hym mersy then,
And pylled the barke even of hys face
With her commaundementes ten.
46 And oft
She dyd hym doffe
Abowe the noffe,
Tylf al hys facce was fofte.
Now when the neybowres hard the noyfe
60 So longe betwen them twayne,
They wyft, yt was no wanton toyes,
And faft thether they ranne.
But when they came, in vayne yt was,
The dore was fparred rounde.
66 The god wyffe cryed owt „Alas!“
But he lay on the grounde,
Well beate,
Lying alonge,
He fayd among
60 That better he would her heate.
Hys neybowres, they were fore afreyde
That he would kyll hys wyffe;
Then hym full instantly they prayde
To ftynt, and leave hys ftryffe,
66 And not his wrath vpon her wyrke,
They dyd hym all exorte.
„Nay, nay!“ quod he, „I fhall her teache,
How fhe fhall be fo fhorte
With me!“
70 Tet on his face
She layd apace
And cryed hym ftyll merfe.
Whiche thing to here the neyboures all
Dyd pytty her fo fore,
76 That to the good man they dyd call
And fayd: „For fhame, no more!“
43. „pylT' hier „abziehen, schälen“ (pellen).
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222
Boddkkeb.
He bad tbem then go pyke them bome
And there go medle them now.
„I am,“ quod he, „not Tuche a one
80 To leave fighting for yowe,
I trow. w
Yet for all this
They feid iwys
Smale neyboure-hede he dyd fhowe.
86 Some prayed hym, in avoyding cryme
That he hys hande would hold;
„Let her,“ quod he, „another tyme
Not be with me fo bolde!
For Turedly and owght I were
90 To bede her taunte or cheke!“
But he could fcante the Tarne declare,
She held To faTt hys neke.
In a bande,
„Alas!“ quod The,
95 „Wyll ye kyll me,
Swete hufbaund hold youre hande!“
His neyboures then were Tore afrayed,
That he would her devoure.
The dorres then being faft Tparred,
100 They threw them in the flowre*
The good wyffe lepte away apace,
Whom fhame had put to flyght,
Aud he well blowen abowt the face
Began to ftande vpright.
106 Nere made,
No wyght of Ikyll,
I think, judge wyll
But he J>er off was glade.
All-thoughe his bake were fomewhat duft
110 After a folyfhe guyTTe,
Yet was the man hym felfe fo luft,
That fcarcely he could ryffe.
The good wyffe dyd her chamber take,
Shewing her felf in drede.
116 To neyboures the god man myrth dyd make,
To them f>at fawe f>at dede,
109. All thoughe. — dust — dusted, „zerhauen.“ — 112. Coarly. MS.
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Engl. Lieder u. Balladen aus dem 16. Jahrh. 223
All and fome,
To whom he fware,
f>at he had thare
120 Slane her, had they not come.
With all yong marryed wyves I wyll
No Tuche mafters to prove,
But even obey youre hufbandes ftyll,
LeTTe they to worke yowe dryve.
126 And seing J>at yt ys not f>e beft
To leve in' debate and ftryffe,
God Tend *Ü1 them: ys quiet reft
May be with man and wyffe.
To the end
130 Grant vs all pray
Both night & day!
That god Tuch grace may Tendel
117. all and some — every one, eine sehr übliche Verbindung.
xxm.
Adam und Eva.
Poetische Behandlung der Geschichte des ersten Menschen¬
paares nach der biblischen Tradition.
A Ballet of Adam and Eve.
What tyme J>at god his holy hande
The lively fhape of Adam drew,
The heaven, £et fea, and eke drye land
Maid he, and |>er of toke a vewe:
6 Of all and every lyvinge thinge
Adame he was avaunlinge kinge.
Then did the lord a gardinge plante
Eftewarde to edome, where yt did growe
All inaner of tres, to fight pleafaunte,
10 Wherein he did adame beftowe,
Of all the frutes to take his fyll,
# Saving the tre of good and evyll.
1. god his ■- god’s. Das Possessiv-Pronomen als Ersatz des Genitiv
war nicht unüblich in dieser Zeit. — 6. avaunCinge ist das Part. Praes. von
to avaunfy (avauncy) to raise; „hoch erhaben.“ — 8. growe, MS.
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224 Böddekxb.
With fkylfulnes god did deviffe
A helpe for adame then to make.
16 He caufed a flumber on hym to ryffe,
Out of his fyde a rybe to take,
Wberewith he framed with breth of lyffe
Our mother eye, adames wyffe.
Then did f>e ferpent moft subtillie,
20 Caused |>e woman to breke godes will,
He caused her moft wofully
To eat the frute of good and evyll,
Whereby, when adam had done f>e fame,
f>e nakednes turnd them to fhame.
26 Then did the lord f>e ferpent curffe
Above all other beaftes in felde.
And to £e woman he faide thus: „In woe
And paine fcou Ihall bere child;
And f>ou, o man, in forowe and dred
30 With fwete of |>i browes fhalt eat |>i bread.“
16. one, MS.
XXIV.
Ehestand.
Das Liedchen behandelt in munterem Tone und scherz¬
hafter Weise den Gedanken, dass die Frau im Ehestande das
Regiment führt.
A mery ballett.
Now leffcen a whyle, and let hus finge
To this defpofed Company e,
Howe maryage ys a mervelous thinge,
A jolly difpofed Juberdie.
6 But fure, there ys no dowte to biowe
Of man and wyffe the maryed ftayte,
Yf he fay yea, and fhe say no,
Y hold a grote, the wyfe wyll hayte.
2. defposed (dispoaed), prägnanter Ansdruck für well disposed,
„heiter.“ „Wend thee from me, Venus 1 I am not disposed“ (ich bin
nicht aufgelegt): Shepherd’s Song of Venus and Adonis, 1600. •— 8. hayte
=— to Order, command.
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Engl. Lieder u. Balladen ans dem 16. Jahrh. 225
She thinkes hör felfe as good as he
10 At bede, and borde, and every daye,
And faythe, fhe muft his fellow be
As trewe as gofpell every waye.
Thoaghe the fcrypture fay, fhe ys
The weaker weffell in eftate,
16 Let hym fay that, yf fhe faye this,
I hold a grote, the wyffe wyll hate.
The hufbandes owght in every forte
To kepe there howfold companye,
For offt goode wyffe do fo reporte,
20 That lovis there hufbandes honefüye.
But have he chere, or have he geftes,
Come he early, come he laite,
Yf he fay no, and fhe faye yeffe,
I hold a grote, the wyffe will haitt.
26 What nedes the husbande carpe or caire
For any good wyffes hufwyfrye,
But that the wyffe be redye there
To fe all ordered hanfomelye?
And thoughe the wranglyng hufbande wyll
30 Have this or that iu leverall rate:
If he fay no, and fhe ftand ftylle,
I hould a grote, the wyfe wyll hate.
Thus to conclude I mak an ende
Of this defyred mery fonge,
36 God graunt that man and wyffe may mende,
And chaunge fches Orders, that be wronge.
Then god wyll bleffe them and there feede
That, being calld to this eftaite,
And in godes fere there lyffe to lede,
40 The man fhall graunt his wyffe to haite.
17. husbande, MS. — 26. my. MS. — 29. wanglyng. MS.
XXV.
Gebet des Grafen von Essex.
Der Dichter dieses Liedes ist Walter Devereux, erster
Graf von Essex und Vater des bekannten Günstlings der
Königin Elisabeth. Ein anderes Gedicht desselben Verfassers
ist in MS. Sloane 1998 des Britischen Museums erhalten; es
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226
Böddekeb.
führt den Titel: „ A godly and virtuous song“. Walter Devereux
starb im Jahre 1576. —
Das nachfolgende Gedicht findet sich (siehe Ritson, Bi-
bliographia Poetica) auch gedruckt in dem Paradice of Daintie
Denises, unter der Ueberschrift: The complaint of a sinner,
[made] and sung by the earle of Essex upon his death-bed
in Ireland.*)
A prayer of earle of essex deathe.
„0 heavenly god! 0 father dere,
Cast downe J)i tender eye
Vpon a wretche, J>at proftrate here
Before thie throne doth lye!
6 0 powre thie precious oyl of graice
Into my wounded harte!
0 let ]>e droppes of mercy waige
The rigoure of my Imarte 1“
„My fynfull foule fuppreffed fore
10 With cairefull clodges of fynne,
In humble wyffe fubmyttes ytt felfe,
j>i mercy for to wynne.
Graunt mercy, thou! 0 favioure fwete,
To me moft wofull thral,
15 Whoffe mornfall crye to the, o god,
To the for mercy call!“
„Thy bleffed wyll I have difpifed
Vpon a ftubboume mynde,
And to the fway of earthly thinges
20 My felff I have inclynde.
For-getting heaven and heavenly dorne,
Where god and faintes do dwell;
My lyfe hat lyke to treade the pathe,
j>at leades the way to helL“
21. For getting. MS. —
[*) Das vom Herrn Verf. erwähnte Gedicht im Ms. Sloane 1896 (nicht
1998) n. d. T. „A godly and virtuous song“ ist mit dem vorliegenden bi b
auf eine hier fehlende Schlusstrophe, die ich aber für unecht halte,
identisch und nach jenem Ms. neuerdings gedruckt in: „Poems of Lord
Vaux ec. ed. Grosart“ (s. unsere vorigjährige Bibliographie Nr. 591.).
Anm. d. Herausgebers.]
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EngL Lieder u. Balladen ans dem 16 . Jahrh.
227
26 „But nowe, my lorde, my lede-ftare bright,
I wyll no more do fo;
To thinke vpon my feringe lyfe
My hart doth melte for wo.
Alas! I fighe, Alas! I fobbe,
30 Alas! I do lament,
J>at ever my lycencyous wyll
So wickedly was bent. 44
„Se this, {»erfore: with earneft plante
I do f)i merry craye.
36 0 Lord, for thie great mercy fake
Let me |>i mercy have!
Restore to lyffe the wretched foul,
f>at eis ys lyke to dye!
My voyce vnio j>i name wyll I
40 Singe prayce etemally. 44
„Now bleffed be the father first,
And bleffed be the Tonne,
And bleffed be the holy goft
By whom all thinges were done.
46 Blyffe me, o bleffed trenitie,
With thie etemall graice,
§>at aff deathe my foule may have
In heaven a dwelling plaice. 44
26. Code Ctare. MS. — 33. Seth is. MS. — plante (plainte) war
früher in einigen Dialekten üblicher als complaint.
XXVI.
Das jüngste Gericht.
Das Gericht Gottes über die Menschheit wird geschildert
in Form einer Vision. Ohne Zweifel ist das Gedicht inspirirt
durch die Offenbarung des Johannes.
A ballet of the Judgment day.
As I lay mufing all alone,
I harde a voyce that lowde did crye:
„Come, gyve accompte now every one,
Even in the twinkling of an eye! 44
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228
Boddesee.
5 Wüh that I hard a trumpett blowe,
And one faying with a voice fo hie:
„Destroye all thinges, bothe hie and lowe,
Even in the twinklinge of an eye! u
„Go forthe,“ he f&id, „and do not ftant,
10 Throughout thia worM by & by,
And bringe them all to my Judgment,
Even in the twinküng of an eye! u
„Deftroy all palas, parkes, aud game,
Castells, and towers |>at be fo hye,
16 To all thinges lyving do the fame
Even in the twinklinge of an eye!“
„The gyauntes prowde and tyranntes feil,
Wo and al&s then fhall they crye;
For I wyll throwe them downe to hell
20 Even in the twinkling of an eye.“
„The earth and fea fhall not endure,
Nor yet the heavens that be fo hye;
Cofume them with a buraing fyer
Even in the twinkling of an eye!“
26 With that I fawe a cloud was bent,
And one fytting on yt fo hye,
Prepared for to gyve Judgment
Even in the twinkling of an eye.
Then all that in the earthe did reft,
30 Stode vpp before hym by and by;
The boke was opned, and all thinges preft
Even in the twinkling of an eye.
Devision was maide without delaye,
The good from bade continuallye;
36 Sentence was geven in f>at fame daye
Even in the twinkling of an eye.
The good on his right hand fhall ftande,
And prayfing hym moft joyfully,
With palmes of victorye in there hande,
40 Even in the twinklinge of an eye.
9. Stynt. MS. — 36. en. MS.
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Engl. Lieder u. Balladen aus dem 16. Jahrh. 229
The eyyü on hia leffc hande fhall go,
And cryinge out most lamentablye,
Sayinge: „Alas, comde ys oure woe
Even in the twinklinge ot an eye!“
Vnto £e good the lord wyll faye,
Speaking to them moft Joyfullie:
„ Pofeffe my joyes, that lafteth aye,
Even in the §>e thwinkling of an eye.“
Vnto the evyll the lord wyll terme
And fentence gyve moft terebly:
„Go to the fyer that ever fhall burne,
Even in the twinkling of on eye.“
Now let hus pray for chrift his fake.
41. one. MS.
xxvn.
Der glückliche Soh&fer.
A Ballett of a eheperd.
„I am a poore fheperd, yet bome of hye blöde.
This lyffe lykes me ao well, I thinke none fo good;
I reigne and I rowll my floke at my wyll,
My wheftell wyll make them to go or ftande ftyll.
Therefor I wyll prefume to fay this one thinge:
.Me thinke better kepe fheep, then be a ryche kinge.“
„A king cannot goyeme hys men as h6 lyft;
My fhepe wyll obeye when I blowe in my feit.
A kinge dothe feare treafon, he cannot well fleepe:
I fiep in my caftell amydlt of my fheepe.
Therefor I thinke, none wyll denye this one thing:
Better to keepe fheep, then to be a riche king.“
„A king dothe drinke poyfon in lys fhynnyng gold;
My bag and my bottell no poyfon wyll hold.
A king for his bufynes haith no quiet reft:
I fold vpp my fliep and go where I lyke beft.
|>erfore who can well fay and fwere this one thing,
But I lyye better then any ryche king.“
4. wheftell —» whistle. — 8. fest. MS.
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230 Böddekkb.
Yf kinges happ to fall, they cannot ryffe agayne;
20 Yf I fawll, I ryffe ftright — I fall in the playne.
A king ys not ryche, for he wanteth that he haith,
Ryche am I, contented with f>at nature gayeth.
f>erfor all men wyll fay and fwere this one thing,
J>at I lyve muche better then any riche king.
26 J am alwayes redy to dye for my fheep, v
From wolves and from lyons I wyll them faffe keepe.
A king wyll his people lofe for his owne gaine,
He wyll not defend them, but put them to paine.
j>erfor I may well fay, and fwere this one thing:
80 A fheperd ys better then any riche kyng.
xxvhl
Ermahnung.
Der Verfasser dieses Gedichtes wird John Rogers sein,
der Märtyrer in den Tagen der Königin Maria. Er hatte die
Kühnheit gehabt, öffentlich an St. Paul’s Cross flir die Auf¬
rechterhaltung der reformirten Kirche zu predigen, wurde in
Folge dessen gefangen gesetzt (1553), brachte zwei Jahre im
Gefängnisse zu und wurde 1555 in Smithfield verbrannt.
Zur Erklärung des Vornamens Matthew will ich die wohl¬
begründete Ansicht Ritsons (Bibi. Poet.) hier wortgetreu an¬
führen. Derselbe kannte übrigens unsere Handschrift nicht:
„The piece, commonly called „John Rogers primer“, was
printed, with other things, under the title of: „An exhortation
of Mathewe Rogers vnto his children“, 1559, 88 (Herbert,
1600); and entered to John Arnold 13^ October 1577. * Bab,
among the English works of Johannes Rogers, ennumerates
„Ad filios ex carcere, u L. I. — A copy, in the library'of Emanuel
College, bears the name of Thomas Mathew, which was as-
fumed by Rogers in his translation of the bible; and hence,
it may be, he obtained the name of Mathew Rogers, unless
it were, more likely, a mistake of M. (i. e. master) Rogers.
He, too, was a martyr in the sarne year with Smith, to whom
Foxe, a diligent collector, and good authority, ascribes the
poem in question.“
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Engl. Lieder u. Balladen aus dem 16 . Jahrh. 231
Der erwähnte Foxe (oder Fox) hat das nachfolgende
Gedicht veröffentlicht in den „Acts and Monuments“ (heraus¬
gegeben von G. Townsend, M. A. London, 1847), vol. VII,
pag. 359 ff. Er giebt seine Quelle nicht an, die wohl in der
von Ritson bezeichneten Kopie der Bibliothek des Emanuel
College zu suchen ist, denn „Ad filios ex carcere“ ist offenbar
mit unserem Gedichte identisch. Jedenfalls ist Fox dem Texte
des Vesp. A. 25 nicht gefolgt. Bei ihm findet sich keine
Strophenabtheilung. Ferner schreibt er je zwei Verse in
eine Zeile und scheint den dadurch entstehenden Binnenreim
nicht bemerkt zu haben; wenigstens verstosst seine Lesart
oft gegen denselben. Die Orthographie ist fyei ihm modemisirt.
— Die Bibelübersetzung des Tyndale wurde von Rogers
weitergeführt.
A Ballet
of a fatber, waming his chfidren to feare god and kepe bis com-
maundementes.
Geve eare, my children, to my wordes,
Wbom god baith dearly bougbt;
Lay vp my Lawes within youre harttes,
And printe tbem in youre thougbt.
5 For I, youre fatber, bave forefeen
The frayle & fyltbye waye,
Which flefhe and bloode would folowe fayne,
Even to tbere owne decaye.
For all and every lyving beefte
10 Theire cribbe do knowe full well,
But adames bayers above the reft .
Are redie to rebell.
And all the creatures of tbe earthe
Full well do kepe tbere waye,
15 But adams bayres even from tbere birthe
Are apte to go aftraye.
For earthe and alThes ys there ftrengthe,
Tbere glory, and there gaine,
And into affbes at tbe lengthe
20 They fhall retome againe;
14. can kepe, Fox. — 15. But man above all other bests — Is etc.,
Fox. — 18. reign, Fox; His — hiß. — 19. unto, Fox. — 20. Shall be, Fox.
Jahrb. f. rom. u. engl. Lit. N. F. n. 16
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282
Böddbxib.
For flefhe doth florifhe lyke a flowre,
And growe vpp lyke a graffe,
And ys confumed in fhorte howre,
As yt ys comed io paffe.
26 For I, the Imaige of youre yeres,
Youre treafure and youre truft,
Am dyinge now before youre faice,
And fhall confume to dufte;
For as you fe youre fathers flefhe
30 Confume nowe into claye,
Even fo fhall ye, my children deare,
Confume and weare awaye.
The fonne, the monne, and eke the ftarres,
That ferve both day and night
36 The earthe and every lyving thinge,
Shall be confumed quight;
And all the worfhipp that ys wrought,
That haithe bene harde or feen,
Shall clene confume and torae do nowght
40 As yt had never bene.
Therefore fe that you followe me,
Youre father and youre frende,
And enter into that fame lande,
Whiche never fhall have ende.
46 I leave you here a lytle booke,
For you to loke vpon,
That you may fe youre fathers faice,
WTien he ys deade and gönne.
Who for the hope of heavenly thinges,
60 While he did here remaine,
Gave ever all his golden yeres
In pryfon and in payne;
Where I amonge myne iron bandes,
Inclofed in the darke,
66 A fewe dayes before my deathe
Did diddicate this warke.
23. in an hour, Fox. — 24. brought to pass. Fox. — 25. In me. Fox
hat keine Strophen, dieser Vers schliesst sich bei ihm an den vorher¬
gehenden an. — 26 u. 27. Whom ye do see before your face, dissolved
into dufk. Fox. — 36. Shalbe. MS. — 38. heve, Fox. — 39. come. Fox.
— 41. that ye may follow one, Fox. — 66. Bat a few days etc. Fox.
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Engl. Lieder u. Balladen aus dem 16 . Jahrh.
233
And in example of youre youthe,
To whom I wyfhe all good,
I preache to you a perfitt truthe,
60 And feale yt with my blöde;
To you my heyres of earthly thinges,
Whiche I do leave behynde,
That you may reede, and vnderftande,
And kepp yt in youre mynde.
66 That as you have bene heyres of that
Whiche once fhall weare awaye,
Even fo ye may poffeffe that parte
Which never fhall decaye.
In following of youre fathers ftepps
70 In trewth, and eke in love,
Ye may be alfe heyres with hym
For evermore above.
Have god alwaies before youre eyes
With all youre whole intent,
76 Commyte not fynne in any wyffe,
Eepe his commaundement.
Abhore all ftrumpettes bayttes moft vile,
And alfo blafphamye,
And drinke not of |>er poyfon ftronge,
80 Feare leaft yt caufe the dye.
Gyve honoure to youre mother deare,
Remember well her paine,
And recompenoe her in her aige
The lyke with love againe.
86 Be alwaies ading at her hahde,
And let her not decaye;
Remember well youre fathers end,
Who fhulde have bene her ftaye.
Gyve of youre portyons to the poore,
90 As riches do aryfe;
And from the nedy naked fowle
Turne not awaye youre eyes.
67. in example to, Fox. — Die 4 Zeilen 57—60 stehen bei Fox
hinter 72. — 69. foot, Fox. — 71 und 72: That ye may also be his heirs for
evermore above. Fox. — 74. In all your whole intents Fox. — 76. com-
mandements, Fox. — 84. In like, Fox. — 88. That, Fox. — 89. portion,
Fox. — 91. Unsere Handschrift hat „thine eyes' 1 , was offenbar falsch ist.
Fox „your eyes.“
16*
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234
Böddexkb.
For he that will not here the crye
Of thofe that ftande in neede,
96 Shall crye hym felffe, and not be harde,
When he would hopp to fpede.
Yf god have geven to you encreafe,
And bleffed well youre ftore,
Remember you are put in traft
•100 To minifter the moore.
Bewaire of fowje and filthie luft,
Let fuche thinges have no plaice;
Kepe clene youre veffels in the lorde,
That he may you in-braicce.
105 Ye are the templea of the lorde,
For ye are dearly bought;
And they that do defyle the fame,
Shall furely come to nought.
Poffeffe not pride in any wyffe,
110 Buyld not youre howfe to hye,
But have alwaiea before youre eyes
That you are bome to die.
Defraude hym not that hyred ys
With laboure to fustaine;
116 But gyve hym alwaiea out of hand
His peny for hia paine.
And as you would an other man
Againft you fhuld procede,
Do ye the fame to them againe,
120 When they do ftande in nede.
And parte youre porcions to the poore
In monye and in meate,
And feed the fehle fainted fowle
With that whiäch ye fhuld eate.
125 That when youre membera do lake meat
And clothing to youre bake,
Ye may the b etter thinke on them,
That do bothe lyve and lake.
94. such as are in need. Fox. — 97. you great increase, Fox. —
102. Let whoredom have no place, Fox. — 109. in any case, Fox. —
110. nests too high, Fox. — 111. before your face, Fox. — 112. be born,
Fox. — 114. Hard labours to Cuftain, Fox. — 117. that other men. Fox.
— 119. again to them, Fox. — 123. fainted feeble soul, Fox. — 128. that
now do live and lack, Fox. — 129. also, Fox.
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Engl. Lieder u. Balladen ans dem 16 . Jahrh.
235
130
135
140
145
160
155
160
Afke counfaile alwaies at the wife,
Gyve eare ynto the end,
Refuffe not then the fwette rebukes
Of hym, that ys thie frende;
Be thankfull alwaies to the lord
With prayer & with praiffe,
Defyring hym in all youre workes
For to directe youre waies.
And fynne not lyke the fwinifhe forte,
Whofe bodies being feede,
Confume there yeres oppon the earthe
From belly onto bedde.
Seke firft, I faye, the lyving god,
Have hym alwaies before,
And then be fure that he wyll bleffe
Youre bafket and youre ftore.
And thus yf you directe youre wayes
According to this booke,
Then fhall they faye, that fe youre faice,
How like me you do loke.
And when you have thus perfitlye,
Vpon youre finger endes,
Poffeffed all within this booke,
Then gyve yt to youre frendes.
And I beseche, the almightie god
Replenifhe you with graicce,
That I may have you in the heavens,
And fe you faicce to faice.
And thoughe the fworde haith cutt me off,
Contrarye to my kinde,
That I could not enjoye yonre love
According to my mynde:
Yet do I hopp that, when the heavens
Shall vaniThe lyke a scrowle,
I fhall receyve you in perfyt fhapp
In bodye and in fowle.
131. „you“ für „then“ bei Fox. — 135. Desire you him in all your
deeds. Fox. — 142. Set him etc. Fox. — 147. ways, Fox. — 140—151.
„Und wenn ihr so den ganzen Inhalt dieses Buches vollkommen aus¬
wendig wisst.“ Rogers spricht augenscheinlich von dem Handexemplar
seiner Bibelübersetzung. — 153. the living God, Fox. — 161. when that,
Fox. — 163. your perfect shape, Fox. —
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236
Böddbkbb.
165 And that I may enjoye youre love,
And you enjoye the lande,
I do befeche the lyving lorde
To held you in his hand.
Farwell, my children, from the worlde,
170 Where ye muft yet remaine!
The lorde of oftes be youre defens
Tyll we do mette againe!
Farewell, my trewe and loving wiffe,
My children, and my frendes,
176 I hope to god to have you all,
When all thinges have there endes.
And yf you do abyde in god,
As you have nowe begönne,
Youre courffe, I warraunt, fhall be fhorte,
180 You have not long to rönne.
God graunt you fo to end youre daies,
As he fhall thinke yt beft,
That I may have you in the heavens,
Where I do hoppe to reft.
Quof> mathew Rogers.
167. God, Fox. — 179. will, Fox. — 180. for to run, Fox. —
181. yeare, Fox. — 183. That ye may enter into heaven, Fox. —
XXIX.
Der Verfasser dieses Liedes, den die Handschrift Taylor
nennt, ist wahrscheinlich Rowland Taylor, der Märtyrer,
welcher am 8. Februar 1555, also in demselben Jahre mit
Rogers und Smith, verbrannt wurde. Es ist wohl nicht zu
bezweifeln, dass der Schreiber der Handschrift von einer be¬
kannten Persönlichkeit spricht, dass er den [bekannten] Taylor
meint, wenn er den Dichter einfach als Taylor bezeichnet,
und dieser bekannte Taylor war eben Rowland Taylor. —
Dass er noch andere Gedichte verfasst habe, ist bis jetzt
nicht nachgewiesen; Ritson führt ihn in seiner Bibliographia
Poetica unter den Dichtern des 16. Jahrhunderts nicht auf.
— In den folgenden Versen wird gezeigt, dass die Zeichen
der Zeit, welche nach der Prophezeihung des Paulus das
Herannahen des jüngsten Tages verkünden sollen, ihre Er-
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Engl. Lieder u. Balladen aus dem 16 . Jahrh. 237
füllung gefunden haben; dass daher das Gericht über die Welt
bevorstehe. Die Stelle, auf welche der Dichter Bezug nimmt,
findet sich im II. Briefe an Timotheus, Kap. ID, Vers 1—5: This
know also, that in the last dais perilous times shall come.
For men shall be lovers of their own selves, covetous, boa-
sters, proud, blasphemers, disobedient to parents, unthankful,
unholy, without natural affection, trucebreakers, false accusers,
incontinent fierce, despisers of those that are good, traitors,
heady, high minded, lovers of pleasures, more than lovers of
God; Having a form of godliness, but denying the power thereof.
A Ballet of the last dayes.
Who wiflye wyll with goftlye eye
Confider how moft wretchedlye
To mifchefe men applye them,
Shall well perceyve fuche fynne & cryme
6 To flowe & reigne in this oure tyme,
By godes worde yf he trye them,
As never in no aige was founde
Sence men did lyve vpon the grounde;
For moft men nowe are geven hereto:
10 As luft do leade, fo they will do;
Nothing from fynne may them reftrayne,
No hope of joye, ne feare of paine.
Therefore they thinke, as thinketh me,
No heaven or hell at all to be.
15 Wherefore 1 fay, the Iudgment day
In no wiffe canne be farre away.
St. paule vnto his timothie
Doth fhewe by way of prophefie,
Thes daungerons dayes for-telling:
20 „Know £at in the laft dayes,“ faiethe he,
„Men lovers of them felves fhall be,
With pride pufft vp and fwellinge,
Faith brekers, fearffe, incontinent,
To parentes difobedient,
26 With mifchefes more difoiled there,
To longe to be rehearfed here.
All which we fe to trew, alas!
Fulfilled now & comd to pas
28. comd; von dem Verbum „to come“ bilden noch jetit einige
Dialekte schwache Formen.
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238
Böddekeb.
Throughe all eftaites, in eche degre.
80 Synfull wreclies iherefor are we,
Which only clame a chriftian name,
But have in dede denied the fame.
For fhall we hym a chriftian call,
That living here at fattans thrall
35 To mifcheffe ftyll do bent hym?
Whom neyther loffe of his good name,
Ne feare of god, nor worldly fhame,
In any wifTe wyll mend hym?
No, no, he ys not chriftes furely,
40 That fattans fervis ftyll doth plye.
To this our favioure dothe agre:
„Who fynnith, ys of the devyll,“ faith he,
„For chriftes fhepe his voice will here,
His preceptes kepp, hym love & feare. 14
45 The tre by name yf we would knowe,
The frute the fame to hus wyll fhowe.
Therefore canne he no criftian be,
Which lyves here thus offenfyffly.
A mervaile fure yt fernes to be,
60 That men fhuld lyve fo wickedly,
& godes worde preacht fo purely.
But lake of dicipline in dede
Ys caufe, why fynne doth fo excede,
Eche man (man) may fe yt furely.
65 For now the courfed blafphemer,
The dronkerd vile, & horemonger,
May frely synne, nothing ys faide,
A mocke or jefte there at ys maid,
35. do; der Conjunctiv war in den früheren Perioden der englischen
Sprache weit üblicher, als er jetzt ist. — 36—-38. Die Construction ist
nicht ganz’ logisch, indem der relative Anschluss, durch welchen das Object
bereits Ausdruck gefunden hatte, am Schlüsse der Periode nicht weiter
berücksichtigt wird. Oder sollte zu emendiren sein: „Who ne throngh
loCTe etc? — 39. christes, Genitivform =■ Christ’s. — 48. which; Im
Angelsächsischen war das Demonstrativum se, seö, }>ät zugleich Rela-
tivum, später wurde das neutrale {>at für alle Geschlechter gebraucht.
Daneben swä, swe, so, eigentlich Adverbium, und alfe, alf, as
(al—Bwä). Die Formen who, whiche (whilk) waren ausschliesslich inter¬
rogativ. Beachtenswerth ist, dass Ben Johnson die Form which als
Relativpronomen noch nicht anerkennen will. Er sagt, „one relative
who.“ — 51. Prägnanter Ausdruck mit Auslassung von „is“!
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Engl. Lieder n. Balladen aus dem 16. Jahrh. 239
No dewe correxione doth appeare
60 To make the refedewe for to feare.
0 wicked tymes! 0 manners wyld!
Where goodnes all ys clene exyld.
Then do I truft, goddes Iuftice muft
Poure downe from heayen his vengaunce juft.
66 But here at large for to debaite
The wickednes throughe eche eftaite,
A thankles laboure were yt!
For no man nowe may be contrould,
Or yf there faultes to them be tould,
70 Be fure, they wyll not beare yt.
Butt feke revengaunce furiouflye
Gainft thos that fhall the fame difcrye;
For truthe gettes hatred every-tfhere,
And flattery frendfhipp, this ys cleare.
76 He that wyll feke to lyve godly,
Muft fuffer reproche continually.
„He ys of the fpirite, lo!“ wyll they faye,
Good fellowfhipp now ys laid awaye.
0 curfed secte, which thus rejecte
80 Goddes worde, which fhuld our lyves directe!
Wherefore let thos which god do feare,
Prepaire them felves the croffe to beare,
& with fuch pacyence arme them,
That, thoughe the wicked boyle & rage
85 Againft the godly in fhis aige,
Confpiryng ftyll to harme them,
That yet throughe fuche offences they
Be never brought from chrift, there ftaye.
Paule faith: „Thos that lyve godly wyll,
90 Muft percicufion fuffer ftyll
Throughe many trobles, this ys plaine,
The heavenly kingdome to obtaine;“
Which dubtles drawethe very nere
And redye ys fourth-with to appere.
95 Then watch, & pray to god alwaye:
„Deferr not, lorde, thie Iudgment day.“
60. refedewe =— residue, lat. residuum, „der Niederschlag, der Rück¬
stand, der Rest“; hier „der zu bezahlende Rückstand“ für „die Ver¬
geltung.“ [Vielmehr unzweifelhaft franz. la recidive, also: der Rückfall
l n die Sünde. Anm. deB Herausg.] Taylor.
(Fortsetzung folgt.)
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La Baronessa di Carini. Leggenda storica popolare del sec XVI
in poesia siciliana. Con discorso e note di Salvatore
Salomone-Marino. Seconda edizione corretta ed arrichita
di nuovi documenti. Palermo. Luigi Pedone Lauriel, editore.
1873. X und 296 S. 8°. (Preis 3 Lire.)*
Die vorliegende neue Auflage eines herrlichen Erzeugnisses der
sicilischen Volksdichtung gibt mir eine willkommene Veranlassung,
auch an dieser Stelle auf dasselbe hinzuweisen, nachdem ich bereits
früher (in den Gött. GeL Ang. 1870 S. 1035 ff.) mich mit dem nämlichen
Gegenstände eingehend beschäftigt habe. Es wird daher genügen,
dass ich die vielfachen Ergänzungen, Zusätze und Erweiterungen
hervorhebe, welche dem Text und den Beigaben des Gedichtes
im Vergleich mit der früheren Gestalt beider zu Theil geworden
sind. Denn nachdem in wenigen Monaten die erste Ausgabe ver¬
griffen war, hat der verdienstvolle Sammler und Herausgeber der
disjecta membra der „Baronessa di Carini“ es sich eifrig ungelegen
sein lassen, die vorhandenen Lücken vermöge unablässiger, in den
verschiedensten Th eilen Siciliens unternommener Nachforschungen
zu ergänzen, wodurch es ihm in der That gelungen ist, neue
150 Verse zu entdecken und so das ganze, hochtragische Meister¬
werk jetzt in vollständiger Gestalt bieten zu können. Diese neuhin-
zugekommenen Theile desselben stehen den früher bekanntgemachten
an Frische der Farben und an Kraft der Pinselführung sowie in
den mannigfachen Schönheiten des Gedankens und der Empfindungen
nicht nach; was aber die Einleitung und die Anmerkungen betrifft,
so ist erstere in Betreff der Geschichte der erzählenden Volkspoesie
in Sicilien, namentlich der in Rede stehenden Dichtung, vielfach er¬
weitert, während die letztem durch Mittheilung einer grossen Zahl von
Urkunden vervollständigt sind die zur Aufhellung der historischen
Thatsachen, auf welche jene sich gründet, im ausgedehnten Masse
beitragen. Um bei einem Punkte der Einleitung einen Augenblick
stehen zu bleiben, erwähne ich, dass, wie sich erwarten lässt, in
Sicilien nicht weniger als in andern Ländern, wo in frühem
Jahrhunderten ähnliche Zustände herrschten und das durch auto-
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Kritische Anzeigen.
241
kratische Tyrannei und feudalen Druck ins Elend gestürzte Volk
besonders der untern Klassen nur unter den Banditen ein Bild
der Freiheit zu erblicken glaubte, die deren Leben und Thaten
feiernde Räuberpoesie in voller Gunst und Blüthe stand. Diese
Bemerkung ist schon oft gemacht worden; die zahlreichen Lieder,
welche Robin Hood und seine Gesellen, die neugriechischen
Klephten, die ungarischen „armen Burschen“, die spanischen
valientes und guapos u. s. w. zum Gegenstände haben, zeugen für
die Wahrheit derselben, welche auch Salomone-Marino mit mehr¬
fachen Beispielen belegt. Von diesen erwähne ich nur die auch
im Anhang hier abgedruckte Vita di Angelu Fcdcmeddu capu di
scwrrituri e la sua morti aUi 25 di aprüi (1566) und zum
ersten Male gedruckt in demselben Jahre, d. h. zu einer Zeit, wo
die Räuberbanden weit und breit auf der Insel umher raubten
und plünderten und Brandschatzungen erhoben uud nicht nur die
Bürger sondern die spanischen Vicekönige mit Schrecken erfüllten,
so dass ein Banditenhauptmann, Namens Vincenzo Agnello, so frech
war sich auf einem Hügel an der Spitze seiner in Reihe und Glied
und mit fliegender Fahne aufgestellten Bande dem Vicekönig, Herzog
von Medina-Celi zu zeigen und dabei die Trompete blasen zu lassen.
Was den Gegenstand des in Rede stehenden Gedichtes be¬
trifft, so bildet denselben der durch den Baron Vincenzo von
Carini an seiner achtzehnjährigen Tochter Caterina wegen eines
heimlichen Liebesverständnisses mit dem jungen Baron Vincenzo
Vemagallo verübte Mord. Die Unthat fand am 4. December 1563
statt und blieb wegen der hohen Stellung des mächtigen Hauses
der Familie Carini ungestraft; ja man wagte kaum davon zu sprechen;
gleichwol wurde sie, unmittelbar nachdem sie geschehen, in Verse
gebracht, wie aus einer Stelle erhellt, wo die ihre Tochter nur um
einige Monate überlebende Mutter als noch lebend, wenngleich nur
wie ein Schatten umherschleichend geschildert wird. Der Name des
Dichters ist jedoch trotz aller angestrengten Nachforschungen
Salomone-Marino’s unbekannt geblieben; seine Schöpfung dagegen
drang bald, nachdem sie hervorgetreten, ins Volk und fand unter
demselben von einem Ende Siciliens bis zum andern allgemeinen
Anklang, wobei es bemerkenswerth ist, dass einige Bruchstücke
sogar auf dem ganzen italienischen Festlande von Reggio bis Venedig
sich im Volksmunde wiederfinden. Es ist freilich schwer, wenn
nicht gar unmöglich zu entscheiden, ob dieselben von Sicilien aus
die Meerenge überschritten haben, oder ob nicht etwa der sicilische
Dichter gleich andern Volksdichtern alten, schon vor ihm vor¬
handenen Stoff als Gemeingut angesehen und f(lr seinen speciellen
Gegenstand verwandt; sicher ist es, dass die auf dem Festlande
vorhandenen Fragmente, welche das nach dem Tode der Geliebten
unternommene Hinabsteigen des jungen Vincenzo zur Hölle schildern,
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Kritische Anzeigen.
in Sicilien die am weitesten verbreiteten sind. Wie dem auch sei,
jedenfalls zeigen dieselben auf das schlagendste, dass der Dichter,
der klassische Bildung besessen haben muss, gleichwol sich auch
mit der Denk- und Gefühlsweise des Volkes, mit seinem Charakter,
seinen Ideen, seinen Ueberlieferungen vollkommen vertraut gemacht
hatte, wie dies gleichfalls aus den Anklängen an andere sicilische
Volksdichtungen hervorgeht.
Was die Beigaben anlangt, so folgen hinter dem früher 262,
jetzt in seiner Vollständigkeit 412 Verse enthaltenden Text zu¬
nächst zahlreiche Varianten und die, wie bereits angeführt, mit
vielfachen Zusätzen und Urkunden aus öffentlichen und Privat¬
bibliotheken und Archiven vermehrten Anmerkungen, ferner eine
neuhinzugekommene sehr elegante lateinische Uebersetzung des
Gedichtes von Canonicus Giuseppe Vaglia, Professor am Seminar
und Lyceum zu Monreale, demnächst fünf erzählende Volkslieder
(statt des früheren einen), durch welche ebenso wie durch die
mitgetheilten Actensttickei die in Rede stehende Dichtung und
deren Zeit in ein helleres Licht gestellt wird, endlich ein be¬
deutend vermehrtes Glossar, welches dem, der die allgemeinen
Regeln des sicilischen Dialekts kennt, im Verein mit den er¬
klärenden Anmerkungen unter dem Text jede Schwierigkeit im
Verständnis der Dichtung aus dem Wege räumt.
Da ich in der früheren Besprechung mich über den hohen
Werth der Baronessa di Carini so wie über die schätzenswerthe
literarische Ausstattung derselben eingehend ausgesprochen, so
war es im Obigen, wie schon bemerkt, lediglich meine Absicht
auf die zahlreichen und bedeutenden Vervollkommnungen hinzu¬
weisen, welche der zweiten Auflage zu Theil geworden sind, doch
wird es nicht unwillkommen sein, wenn ich schliesslich eine Probe
des Gedichtes mit einer möglichst buchstäblichen Umschreibung
in die Schriftsprache und den entsprechenden Stellen der lateinischen
Uebersetzung folgen lasse. Ich wähle dazu die ergreifende
Situation, wo das unglückliche Mädchen vor dem sie verfolgenden
Vater mit lautem Hilferuf verzweiflungsvoll von Zimmer zu Zimmer
flieht und endlich unter dem Dolchstoss eines ihn begleitenden
Schergep jammernd ihr junges Leben aushaucht.
Der Dichter schildert an jener Stelle zuvörderst wie die Be¬
klagenswerte in Liebesgedanken versunken am Fenster steht und
plötzlich eine Schaar Reiter nahen sieht (v. 119 —138).
,/Vju viniri ’na cavallaria;
Chistu 6 mö patri cbi veni pri mia!
Vju viniri ’na cavallarizza;
Forsi £ mö patri chi mi veni ammazza! . . .
Signuri patri, chi vinistu a fari? >
'Signura figghia, vi vegnu a ’mmazzari.’
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Kritische Anzeigen.
243
,/Signuri patri, accurdätimi un pocu
Quanta mi chiamu lu mö cunfissuri/
'Havi tant’ anni chi la pigghi a jocu,
Ed ora vai circannu cunfissuri?!
Chista 'un ö ura di cunfissioni
E mancu di riciviri Signori/
E comu dici st' amari palori,
Tira la spata e c&ssacci lu cori.
'Tira, cumpagnu miu, nun la garrari,
L'appressu corpu chi cci hai di tirari/
Lu primu corpu la donna cadiu,
L'appressu corpu la donna muriu;
Lu primu corpu l’happi 'ntra li rini,
L'appressu cci spaccau curuzzu e yini! u
Und weiterhin, wo der Dichter auf die näheren Umstände des
Mordes zurückkommt, heisst es ergänzend (v. 183—194):
„Oh chi scunfortu pri dd'arma 'nfilici
Quann* 'un si vitti di nuddu ajutari!
Abbauttuta circava l’amici,
Di sala in sala si vulia sarvari:
öridava forti: 'Ajutu, Carinm!
Ajutu, ajutu, mi voll scawnari!
Dissi arraggiata: 'Cani Carinisi! 9 *)
L’ultima vuci chi putissi fari;
L'ultima vuci cu l’ultimu ciatu,
Ca giä lu so curuzu £ trapassatu;
L'ultima vuci e l'ultimu duluri,
Ca gia persi lu sangu e lu culuri.“
*) „lnseguita dal padre, Caterina gridava: aJtUo, Carinm! ma nel
momento che quel mostro la feriva, gridb invece, non visto accorrer
nessuno, Cani Carinm! epiteto registrato nella legenda, e veramente
cagnesco, perdonabile a quella disgraziata in quell’ estremo momento,
ma non a chi anche oggi ingiuria i Carinesi, che sone in vero tra’ piü
gen tili, ospitali e cordiali Siciliani.“ So lautet die Bemerkung Salomone-
Marino’s zu einer Stelle der Einleitung; mir jedoch kommt trotzdem vor,
dass das allerdings nicht ehrenvolle Epitheton der Carineser ein tradi¬
tionelles, schon vor jenem entsetzlichen Tochtermorde vorhandenes
gewesen sei und der Dichter sich desselben bei dieser Gelegenheit bedient
habe, welche allerdings eine sehr passende war, wenn man auch nicht
leugnen kann, dass der Ausruf cani Carinesi im Munde einer hoch-
geborenen Jungfrau und im Augenblick des nahenden Todes nicht als
ganz an seiner Stelle oder doch nicht als ganz weiblich erscheint und
deshalb eben auch wol gar nicht von ihr gebraucht worden ist.
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Kritische Anzeigen.
In der Schriftsprache:
,,'Vedo venire una Cavalleria;
Questo b mio padre che viene per me!
Vedo venire una cavalleria;
Forse b mio padre che mi viene ad ammazare!. .
Signore padre, che veniste a fare?’
'Signora figlia, vi vengo ad ammazzare.’
,/Signore padre, accordatemi un poco
Fintantochö mi chiamo il mio confessore.’
'Hawi tanti anni che la pigli a giuoco,
Ed ora vai cercando il confessore?!
Questa non b ora di confessioni
E manco di ricevere il Signore’
E come dice queste amare parole,
Tira la spada e trapassale il cuore.
'Tira, compagno mio, non fallire,
Il secondo colpo che le hai da tirare!’
Al primo colpo la donna cadde,
Al secondo colpo la donna morl,
Il primo colpo lo ebbe tra le reni,
Il secondo le spaccö il cuorino e le vene.
Oh che sconforto per Talma infelice
Quando non si vide da niuno ajutare!
Sbigottita cercava gli amici,
Di sala in sala si volea salvare:
Gridava forte: 'Ajuto , Cartnesi!
Ajuto, ajuto, mi vuole scannare! 9
Disse arrabbiata: 'Cani Carinesi! 9
L'ultima voce che potesse fare;
I/ultima voce 0011' ultimo fiato,
Che gi& il suo cuorino b trapassato;
L^ultima voce e Tultimo dolore,
Che gib perdö il sangue ed il colore. u
Lateinische Uebersetzung:
,/Cemo equites multos venientes praepete cursu;
Hic meus est, inquit, genitor, qui me petit unam;
Cemo equites, forsan genitor mihi funera ducit.
Quid vis, o genitor?’ — 'Volo te nunc tradere leto.’
— 'Crimina cui fatear, veniat, patiare, sacerdos/ —
— 'Nunc petis a multis fuit hic cui lusus ab annis;
Non hoc tempus adest tua nunc peccata fateri,
Nec sacro extremum Christi te corpore vesci’.
Haec ubi dicta dedit genitor tristissima, ferrum
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Kritische Anzeigen.
245
Vagina eripiens, medium cor transfodit olli:
'Caede, comes, vanum ne vibres callidus ictum/
Ictu ad humum, primo fuerat collapsa puella;
Altero at aeterno clausit sua lumina somno:
Ictus namque prior confecit vulnere renes,
Posterior venas et mollia pectora rupit.
Anxia quaerebat fidos, Cuncta atria lustrans:
'Ferte, exclamat, opem quot continet Hiccara cives,
Ferte citi auxilium, genitor vult laedere guttur/
Vesano tum corde c Canes vos, clamitat, estis*.
Supremum hoc dictum, supremam duxit et auram,
Namque gravi fuerat transfossum vulnere pectus,
Atque color facie, cessit de corpore sanguis.“
Ich zweifle nicht, dass meine früheren und jetzigen Mit¬
theilungen das Verlangen einer näheren Bekanntschaft mit diesem
bewunderungswürdigen Gedichte erwecken, zugleich aber auch der
Herausgeber die wolverdiente Anerkennung seiner gelehrten und
angestrengten Nachforschungen finden wird.
Lüttich. Felix Liebrecht.
Ein Beitrag zur Uaberlieferung der Gregorlegende. Von
Dr. Hugo Bieling. Berlin, Götz. 1874. 4°.
Der Verfasser der vorliegenden Abhandlung wurde durch die
Ansicht, dass das von Luzarche (unter dem Titel: Vie du Pape
GrGgoire le Grand, legende framjaise. Tours, 1857) veröffentlichte
Ms. einer französischen Gregorlegende als unmittelbare Vorlage
des Hartmann’schen Gedichtes wohl schwerlich gelten könne, ver¬
anlasst, in London nach weiteren Versionen dieser im Mittelalter
so verbreiteten uud als Gemeingut mehrerer Nationen erscheinenden
Legende nachzuforschen. Seine Bemühungen wurden insofern
wenigstens von Erfolg gekrönt, als er wirklich ein altfranzösisches
Ms. entdeckte, welches u. A. auch eine Gregorlegende in 1874
Versen vollständig enthielt. Zwar wird auch diese Fassung nach
der Meinung des Verfassers nicht als unmittelbare Vorlage Hart-
mann's zu betrachten sein können; aber es lässt sich doch aus der
Combination sämmtlicher nun vorhandenen Texte eher eine Vor¬
stellung von dem höchst wahrscheinlich französischen Vorbilde
Hartmann’s gewinnen. Der Verfasser führt die Vergleichung im
Detail durch und erörtert in einer genauen und erschöpfenden
Untersuchung das Verhältniss der verschiedenen Fassungen zu
einander, sowie zu ihrem muthmasslichen unbekannten Vorbilde.
Ist die betreffende Stelle des Londoner Ms., wie es Dr. B. an-
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Kritische Anzeigen.
nimmt, an den Anfang des Gregorgedichtes zu setzen und nicht
an den Schluss des in dem Ms. voranstehenden Gedichtes (von
welchem Abschrift zu nehmen der Verfasser durch den Ausbruch
des Krieges 1870 leider verhindert worden ist), so wäre in dem
daselbst erwähnten „mestre albri, qui divins esteit mult vaillant“
ein Original Verfasser der Gregorlegende zu erblicken, welcher nach
der in unsrer Abhandlung ausgesprochenen Vermuthung vielleicht
mit dem vom Pfaffen Lamprecht als Verfasser des Alexanderliedes
genannteu Elberich von Bisenzün identisch wäre.
Auf Grund einer anderen Stelle der Handschrift liefert Dr. B.
den nur behutsam aufgestellten, aber nach unsrer Ansicht fast
unumstösslichen neuen und überraschenden Beweis, dass nicht
Gregor der Grosse, wie seither allgemein angenommen, sondern
Gregor V. als Held der Legende zu betrachten ist.
Nicht nur diese beiden interessanten Aufschlüsse über Verfasser
und Held der Legende und die Vergleichung mit Hartmann und
Luzarches Texten machen den neuen Fund werthvoll; auch der
Umstand, dass das Ms. in rein normannischem Dialekt geschrieben
ist, von welchem wir ja nicht allzuzahlreiche Dokumente besitzen,
lässt uns wünschen, dass das Ms., in das wir durch Mittheilung
längerer Stellen hier bereits Einblick erhalten haben, demnächst
uns vollständig in einer kritischen Ausgabe in die Hand gegeben
werden möchte.
Berlin. Dr. W. Mangold.
Schreiben an den Herausgeber.
Verehrter Herr Professorl
Da im vorletzten Hefte des Jahrbuchs die Prioritätsfrage in
Betreff der Etymologie refuser = refusare ausführlich erörtert
worden ist, so ersuche ich Sie ergebenst, im nächsten Hefte eine
Bemerkung zu wiederholen, welche ich in Kuhns Zeitsphr. XXI,
443 gemacht habe:
„Zu der Miscelle von Andresen, welcher refuser auf ein
Frequentativum refusare zurückführt, bemerken wir, dass Diez diese
Deutung schon längst in seiner Grammatik (nicht erst in der
3. Aufl. n, 401) gegeben, merkwürdigerweise aber im Wörterbuch
eine andere aufgestellt hat u .
Mit vorzüglichster Hochachtung
Ihr
H. Schuchardt.
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Beiträge zur Kenntniss der französischen Sprache des
XIV. Jahrhunderts.*)
B. Starke Conjugation.
Gerade auf dem Gebiete des starken Verbums machen
sich tiefgehende Abweichungen des modernen Französisch von
den altfranzösischen Dialekten geltend.
Zunächst ist das Bereich des starken Zeitworts ein etwas
beschränkteres geworden, theils durch Aussterben ganzer Verben,
theils durch Uebertritt desPerfects in die schwache Conjugation.
Gemein mit dieser letzteren hat die starke die Anfügung eines
paragogischen s, welche auch hier in 1. Sg. Präs. Impf. Ind.,
2. Sg. Imperat. und für die erste und dritte Classe der Perfect-
bildung in 1. Sg. dieses Tempus eintritt, wobei in der 3. Classe
der alte Flexionsvocal i verschwunden ist.
Ferner sind der uniformirenden Tendenz der modernen
Schriftsprache zahlreiche Nebenformen in der Infinitivbildung
zum Opfer gefallen, so dass immer nur eine in Geltung ge¬
blieben ist, andere sich höchstens in einzelnen Wendungen
oder in substantivischem Gebrauch erhalten haben, während
die solchen Nebenformen entsprossenen Futura und Condito-
nalia häufig kaum mit geringer lautlicher Modification fort¬
leben. Auch späte Neubildungen sind wohl an Stelle der alten
Infinitive getreten, oder die Abneigung gegen den Hiatus hat
neue Formen gestaltet.
*) S. Band XII. S. 155 ff. des Jahrbuchs.
Jahrb. f. rom. u. engl. Lit. N. F. II. 17
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Knaueb.
Dieselbe uniformirende Tendenz zeigt sich beim Präsens,
wenn in einer Anzahl von Fällen der Vocalunterschied zwischen
stamm- und flexionsbetonten Formen aufgegeben und der voll¬
tönende Diphthong auch in letztere eingedrungen ist, oder wenn
Nebenformen in einzelnen Personen mancher Zeitwörter ver¬
schwunden sind. Lautliche Modificationen des Stammvocals
und Consonanteneinschub (s, v) zum Zweck der Hiatustilgung
aber tragen noch weiter dazu bei, den Charakter des starken
Präsens zu verändern. .
Im Perfectum, dem specifisch starken Tempus, ist auf den
principiellen Unterschied zwischen stamm- und flexionsbetonten
Formen, wie er sich gemein romanisch gestaltet hat,*) völlig
verzichtet: in letzteren (also auch im ganzen Impf. Cj.) hat
die Abneigung gegen den Hiatus, selbst wo derselbe auf früh
erfolgter Ausstossung des ursprünglichen s beruhte, Syncope
des Stammvocals bewirkt; bei tenir und venir sind geradezu
die alten flexionsbetonten Formen durch Anbildungen an die
stammbetonten verdrängt worden. Ausserdem ist s vor t sowohl
in 3. Sg. wie in 2. PL Pf.**) durchweg ausgestossen, während
in 3. PL der sigmatischen Classe s und eingeschobenes t ge¬
meinsam durch Contraction geschwuuden sind.
Das Ptc. Pf. endlich ist besonders durch Syncope des
Stammvocals in der U-Bildung charakterisirt.
Für die Anfügung eines paragogischen -s in der
starken Conjugation hätten wir bereits bei der schwachen Ge¬
legenheit gehabt,***) Beispiele aus unseren Quellen anzuführen,
doch verzeichneten wir dort nur für 2. Sg. Imperat. einige Be¬
lege ohne den paragogischen Buchstaben.
Weitere Beispiele sind zunächst für 1. Sg. Praes. Ind.:
in alter Form di Cond. 25, 82; H. C. 24,3; 221,22; Cuv. 54.
*) S. Diez. Rom. Gramm. II 8 . 126.
**) Der accent circonflexe in 1. 2. Pl. deutet wohl, wie in der
schwachen Conjugation, in erster Linie den Ausfall des Consonanten und
die Syncope des Stammvocals, welche er im Ptc. Pf. mehrfach bezeichnet,
höchstens nebenbei an. Wenn das ausgestossene s auch nur in 2. PL
etymologisch begründet war, so war es doch durch Anbildung schon in
früher Zeit bekanntlich auch in 1. Pl. eingedrungen.
***) S. Beiträge im Jahrb. XII. S. 162.
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Beiträge zur Kenntniss der französischen Sprache des XIV. Jahrh. 249
850; Desch. 32; Fr. I. 29. 35; dy C. de Tr. 15, 6; Desch 19;
croi Cuv. 19; Fr. II. 351; croy C. de Tr. 22,23; Desch. 275;
dm Cond. 16,105; 54, 1112; Cuv. 373; Fr. II. 24; doy H. C.
3, 1; 56,19; Doc. or. VH; Desch. 3; operchoy H. C. 218,19;
perchoy ib. 222, 2 5; rechoy ib. 173, 23; m*)Cond. 58, 1272;
Cuv. 137. 6376; Fr. 1.14; voy H. C. 28, 6; Desch. 7; sai Cond.
23, 8; Cuv. 108. 149; say H. C. 6, 7; sgay Desch. 20; Fr. 1.5;
tray H. C. 94,8; vail Cond. 54,1117; voel Cond. 28,163; Fr.1.1;
veul H. C. 2,23; veueü C. de Tr. 23,13; vueil ib. 13,10; Desch. 20;
vuü Doc. or. VII; veil Cuv. 338; Desch. 246; craim Desch. 79;
plain H. C. 37, 24; Desch. 44; plaing Desch. 275; pren C. de
Tr. 17, 12; vien H. C. 5, 21; Cuv. 15249; Desch. 202; vieng
Cond. 60, 1339; H. C. 72,14; 'tim H. C. 72, 19; Cuv. 17897;
Desch. 28; tieng Fr. I. 245; muir H. C. 61,23; Cuv. 697; Desch.
83; quier H. C. 6, 8; requier C. de Tr. 21,12; Cuv. 7044; Desch.
113; met H. C. 77,10; Desch. 57; je soubmet Desch. 281; mit
modernem -s: dis Cuv. 16719. 16729. Desch. 87; dois H. C.
55,19 (im Reime); ib. 200,5; vois Cond. 34,400; deus (v. doloir)
H. C. 10,1; plains H. C. 10, 1; Desch. ISO; viens H. C. 89, 16;
111,18; Cuv. 4110; tiens Desch. 43 (im Reim); retiens Cuv. 771;
mes Cuv. 17880; Desch. 278;— für 2. Sg. Imperat. einerseits:
dy H. C. 217, 9; fay ib. 217, 8; faing C. de Tr. 28, 1; andrer¬
seits bois C. de Tr. 31, 4; — endlich für 1. Sg. Pf. einerseits,
vi Cuv. 856; Desch. 16. 55. 71; vy H. C. 23, 1; 52, 15; 59, 3;
ving H. C. 180,2; sceu Desch. 34; andrerseits:'vis H. C. 52, 16;
98, 19; 99, 15; 179,25; 197,21; Desch. 56; tins Desch. 161;
decheus H. C. 147, 16; sceus Desch. 34.**)
Aus der Gesammtheit der beigebrachten Belege ergiebt
sich, dass im Grossen und Ganzen die alte Form ohne den par-
agogischen Buchstaben noch herrschend ist und nur sporadisch
daneben in den meisten Denkmälern auch Formen mit -s Vor¬
kommen. Die meisten Beispiele standen uns in 1. Sg. Praes.
*) Der Herausgeber des Cond, behält selbst für den Anlaut das u
der Handschrift bei; schon der üebereinstimmung mit unseren übrigen
Quellen halber nehmen wir uns die Freiheit, es durch v zu ersetzen, wo
es wie im Anlaut unzweifelhaft consonantischen Charakter hat.
**) Für 1. Sg. Impf. Ind. mag das beim schwachen Verbum Bemerkte
genügen. Vgl. Beiträge im Jahrb. XII. S. 164. 165.
17*
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250
Knauer.
Ind. zu Gebote. Besondere Vorbedingungen aber für den An¬
tritt des paragogischen s, etwa hinsichtlich des Stammauslauts,
sind nicht erkennbar.
Weit seltener als in der schwachen Conjugation*) ist die
Abstossung des wohlberechtigten -t in 3. Sg. Perf. der starken.
So z. B. apercheu H. C. 74,10; sceu Fr. II. 25; acouru Cond.
60, 1333; mouru C. de Tr. 20, 6; morn Cuv. 6624; fu Cond.
13, 13; H. C. 1, 11 u. öfter; C. de Tr. 14,4; Cuv. 27; Desch.
177; Fr. I.- 4$ conny H. C. 148, 5; vally ib. 151, 6; 179, 22 (in
beiden Fällen y für u geschrieben). Also eine Reihe von Bei¬
spielen aus der 3. Perfectklasse. Ebenso in dem Latinismus
escripsi Fr. I. 70. In den übrigen Fällen haben wir es zwar
mit starken Verben, aber mit solchen Perfectbildungen derselben
zu thun, die mehr oder minder der Analogie der schwachen
Conjugation folgen, also nicht mehr eigentlich stark genannt
zu werden verdienen.
So z. B. cay (cadere) Cond. 32, 316; H. C. 230, 16; chay C.
de Tr. 28,16; cey Cond. 37, 478; 79, 2007: quey H. C. 28,16;
escei Fr. I. 6; eschei Fr. I. 59; crei Fr. I. 241; II. 10. 238; vei
ib. I. 14; pourvei ib. I. 12 und besonders: aherdy H. C. 190,9;
aerdi Cuv. 6851; lisi Cuv. 7093; lissi Fr. I. 17. 60; plaindi ib.
II. 266; complandi ib. I. 300; ataindi ib. I. 328 \ t toUi ib. I. 68
gegen ardit Desch. 242 u. restraingnit ib. 37.*)
Gerade diese Formen sind ohne -t auch der älteren Zeit
ganz geläufig. Die meisten geben uns noch Anlass zur Be¬
sprechung weiter unten.
In der 2. Perfectklasse wird das flexivische -t offenbar
zunächst durch das vorhergehende s geschützt. Mit -t andrer¬
seits finden wir nämlich u. a.: cheit Desch. 232; maintint Cond.
25, 59; vint ib. 29, 203; vit Cuv. 445; veit Fr. I. 9; vist H. C.
115,21; fist ib. 32,21; C. de Tr. 20, 25; Cuv. 2; Desch. 8;
Fr. I. 4; fit H. C. 74,15; Cuv. 7038; dist Cond. 18,175; Doc.
or v XXII; Desch. 8; Fr. I. 14; mist Cond. 29, 212; H. C.
36,5; E. M. II; Cuv. 21; Desch. 18; Fr. I. 13; mit H. C. 49;
22; ochist H. C. 222, 8; prist H. C. 2, 3; E. M. II; Cuv. 96,
*) S. Beiträge im Jahrb. XII. S. 163 f. Die Beispiele ardit und re-
straingnit sind dort nachzutragen.
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Beiträge zur Kenntniss der französischen Sprache des XIV. Jahrh. 251
Desch. 47; Fr. I. 8; reprist Cond. 18 ; 205; prit H. C. 55, 8;
conquist Descli. 70; Fr. I. 8; semonst Fr. II. 10; sist Cond. 26,
89; 36, 458; H. C. 161, 1; Fr. I. 57; assist Cond. 59, 1291;
reträist Fr. I. 23; pot Cond. 36, 469; H. C. 11,23; Cuv. 247;
Desch. 232; Fr. I. 39; put Fr. I. 74; sot Cond. 15, 86; H. C. 168,
12; Cuv. 518; Desch. 233; Fr. I. 19; vot Cond.49,927; H. C. 14,
13; volt H. C. 13,26; Cuv. 950; Fr. 1.18; voult Desch. 157; foult
Cuv. 15310. 15345; but Cuv. 6596; Fr. II. 388; crut (croistre)
Cond. 25, 85; acrut H. C. 2, 7; Desch. 70; crut (croire) Cuv.
7007; Fr. I. 11; congnut H. C. 5,4; Desch. 134; Fr. I. 127;
deut H. C. 4,19; dubt Desch. 254; dexibt Fr. I. 113; fut H. C! 2,7;
20,6; Cuv. 6481; Desch. 9; Fr. I. 4; morut Fr. I. 9; mourut
Desch. 110; esmut H. C. 21,9; Desch. 159; Fr. I. 5; percliut
H. C. 47, 20; Fr. I. 12; perceut Cuv. 105; pleut Doc. or. XI;
Cuv. 22560; sceut H. C. 8, 15; Cuv. 260; Desch. 244; Fr. 1.67 —
und so in der Regel.
a) Der Infinitiv.
Auf dem Gebiete des Infinitivs herrscht in unsem Denk¬
mälern ziemliche Mannichfaltigkeit, insofern als die verschie¬
denen alten Formen wohl noch üblich sind, aber daneben auch
moderne Bildungen mit Uebertritt in andere Conjugationen
oder mit Hiatustilgung auf dem einen oder anderen Wege sich
geltend machen.
So findet sich neben vcoir H. C. 5, 21; 10, 17; E. M. II;
Cuv. 351; Desch. 5; Fr. I. 13; pourveoir Doc. or. XXI u. s. w.
auch veir Cond. 18, 168; 81, 2107’; 163, 89; H. C. 5, 8; 25, 5;
102, 20; Desch. 277; pourveir Fr. I. 184; rcpourveir ib. I. 121
und dazu mit Syncope des Stammvocals einerseits das neufranz.
voir C. de Tr. 28, 5; pourvoir Fr. I. 213, andrerseits die auch
aus älterer Zeit bekannte Form vir*) Cond. 175, 228; Desch.
219 und pourvir pourvuir ib. 79; — neben chcoir Cuv. 160;
Desch. 51 auch ceir Cond. 35, 443; queir H. C. 155, 9; mesceir
Fr. I. 150; — ferner ardoir H. C. 40,22; 178, 26; Cuv. 143;
Desch. 107; Fr. I. 77. H. 225; — neben deccvoir Cond. 111,
350 decoivre, apercoivre ib. 110, 343. 344; — manoir H. C.
*) Vgl. Mätzner altfranz. Lieder S. 237 zu XXIX v. 35.
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252
Knauer.
15,4; remanoir Desch. 56; — mouvoir Desch. 189; — aparoiv
Cond. 39, 592; apparoir E. M. II:; Desch. 218 (im Neufranz,
durch die Inchoativbildung ersetzt); — plouvoir Desch. 223
neben pleuvoir Fr. I. 89; — voloir Cuv. 4373 (substantivisch)
neben vouloir Desch. 55; — neben pooir Cond. 36, 473; 73,
1813; E. Ml II; Cuv. 616; Fr. I. 2 (substantivisch) povoir Doc.
or. IV; Cuv. 618 und (substant.) ponher Doc. or. XVI: ersteres
mit wirklicher Hiatustilgung durch v wie in der modernen
Sprache, letzteres vielmehr mit graphischer Andeutung des
Hiatus.*)
Mit der Endung der 2. Conjugation sind anzufuhren: boivre
Cond. 127, 930 neben boire H. C. 98, 17; C. de Tr. 31, 2 und
baire Cond. 82,2124 — sämmtlich schon aus älterer Zeit belegt; —
coure Cond. 20, 244; courre Desch. 13; E. M. II; secourc H. C.
45,10; 187, 8; secourre Cuv. 15598; resqourre Fr. I. 373 neben
courir H. C. 139, 16; Cuv. 428; encourir Desch. 35 bereits mit
modernem Uebertritt in die 3. Conjugation; — querre Cond.
9, 17; 27, 153; C. de Tr. 26, 16; Doc. or. XXII; Desch. 27;
Fr. I. 3. 98; acquerrc Cuv. 342; Desch. 3; conquerre Cuv. 875;
requerre II. C. 33,3; Desch. 3 neben querir Cuv. 642. 18077;
Desch. 15; Fr. I. 3. 27; aöquerir Desch. 61; conquerir ib. 43; re-
querir ib. 23 — gleichfalls mit der Endung der 3. Conjugation.—
aherdre (cidhaerere) Desch. 175; — rcponre (;reponere , cacher)
Fr. I. 38; — semonre (summotiere) Cond. 168,118; Fr. 1.129;
semondre ib. I. 42; — touldre Desch. 269 neben tollir Cond.
180, 105; Desch. 111; tolir Cuv. 16777; Fr. I. 87: lauter Verba,
die dem Neufranzösischen ganz abhanden gekommen sind; —
escripre H. C. 42, 6 mit latinisirter Schreibung neben escrire
Fr. I. 244; — occire Cond. 67, 159Ö und ochire H. C. 16, 1 —
jetzt im Aussterben begriffen; — prandre Doc. or. HI neben
pranre ib. VI. —
Endlich verzeichnen wir noch mit der Endung der 3. Con¬
jugation: cremir Cond. 16,111; H. C. 236,2; Desch. 39; Fr.
II. 257 neben craindre Desch. 103: also die alte picardische
Form vor der neuen noch entschieden vorherrschend; — gesir
*) S. Beiträge im Jahrb. VIII. 407.
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Beiträge zur Kenntnis» der französischen Sprache des XIV. Jahrh. 253
H. C. 165, 22; Desch. 145; morir H. C. 15, 12; Fr. I. 12.
127; iaisir Cond. 39, 562.
Es lässt sich nicht verkennen, dass aus den citirten In-
finitivformen wesentlich der altfranzösische Typus spricht, wenn
auch die Reinheit desselben durch die eine oder andere moderne
' Form getrübt erscheint.
Von den Formen desFuturums und des Conditionales
bringen wir zunächst einige bei, die auf ältere, schon in unsem
Denkmälern nicht mehr vertretene Infinitivbildungen zurück¬
weisen, nämlich: crera H. C. 88, 19; creroit ib. 187,11; recrerai
Fr. II. 273 von dem normannischen Infinitiv crere (credere);
daneben mescroira Desch. 225; — gira H. C. 229, 23 zu dem
Infin. gire\ medray C. de Tr. 27,15 von dem Infin. medre f den
Burguy auch erwähnt.*)
Dagegen entsprechen den oben angeführten Infinitivformen
unmittelbar: courront Doc. or. III; secourra Desch. 26. 143; —
conquerroy**) C. de Tr. 25, 9; requerra Desch. 132; — cscriprons
Fr. I. 110; — prendrai Cond. 27, 139; prendras Desch. 96;
craindront Desch. 4 u. s. f.
Auf üblicher Syncope des Charaktervocals der Infinitiv-
endung beruhen: meskeroit Cond. 41, 654 von meskeoir ; — parra
H. C. 191, 15 von paroir ; — porai Cond. 54, 1130; pora Cond.
113, 440; Fr. I. 49; porons Fr. I. 20; pores Fr. I. 21; poi'cz H. C.
30, 17; poront Cond. 13, 6; Fr. I. 2; poroie Cond. 59, 1295; Fr.
I. 26; poroit Cond. 21, 49; Fr. I. 6; poriens H. C. 14. 8; 81, 11;
sowie mit verdumpftem Vocal: ponra Cond. 55, 1152; poures ib.
24,22; 77, 1948; pouroit ib. 21,35; 30,244; pourions Doc. or. XXI
von pooir ; — veray H. C. 99,17; veront Fr. 1.2; potirverai Fr. 1.15,
oder in anderer Schreibung vairai***) Cond. 73,1806 neben voiront
Cond. 32, 325 von veoir voir\ — ferner morrai Fr. I. 118; morra
H. C. 15, 16; Cuv. 15580; morrons Cond. 89, 21; E. M. II;
morroit Cond. 42, 701 und mourras Desch. 3; mourrois 2. PI.
•Fut.f) C. de Tr. 24,10 von morir tnourir.
*) Gramm, de la langue d’oil II. 174.
*♦) Ueber die Endung vgl. man Beitr. im Jahrb. XII. 175.
***) Burguy II. 72 weist diese Form dem Südosten der Champagne und
Lothringen zu und findet ihren Ursprung in der Mitte des 13. Jahrhunderts.
' f) Ueber die Endung vgl. man Beiträge im Jahrbuch XU. 168.
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254
Knauer.
In anderen Fällen erstreckt sich die Syncope auch mit
auf den Stammauslaut, der ausgefallen oder vocalisirt ist; so
namentlich in den Futurformen von savoir valoir voloir. Z. B.
sara Cond. 74, 1827; Cuv. 4381; sgara Desch. 10; sares Cond.
27, 148; sares Cuv. 470; saroit. H. C. 76, 16; sgaroient Desch.
251 mit Syncope des v, und saura Cond. 43, 740; s^auroient
Desch. 281; sauroient Fr. I. 7 mit Vocalisirung desselben; —
vaurez H. C. 23, 14; vauroit H. C. 33, 12; — vorai Cond. 48,
899; vora H. C. 7, 4; voront ib. 224, 4; voroie Cond. 59, 1296;
H. C. 27, 21 und voura Cond. 74, 1826. In derselben Weise
fauras Cond. 158, 410 von faUlir, assaurons H. C. 139, 7 von
assaillir .
Besondere Beachtung verdient dann die sehr häufige Ge¬
mination des r der Infinitivendung in Formen des Futurums.*)
In manchen Fällen liesse sie sich wohl auf Assimilation
zurückführen, wie z. B. in den Formen von voloir vorrai Cond.
54, 1128; vorroit ib. 38, 557; 60, 1343; vorroient ib. 29, 221 und
vourra Desch. 12 auf Assimilation von l an r. Weit öfter aber
tiitt sie lediglich als eine Stammverstärkung auf, so in den
Formen von cheoir seoir veoirpooir , wie z. B. cherra Desch. 144; —
serray ib. 137; — verrat Fr. I. 110; verra H. C. 112, 21; verront
Doc. or. III; Desch. 4; verroit Cond. 79,2015; Cuv. 1042; verriet
Cond. 93, 139; — porray H. C. 9, 24; po)ra E. M. II; Cuv. 7066;
porrons H. C. 81, 15; porrez E. M. II; Doc. or. XI; porront Cuv.
4148; porroit E. M. II und pourrons Doc. or. V; pourrez ib. XV;
pourront Desch. 7; pourroit ib. 13; pourroient Doc. or. I; Fr.
I. 86**). In fast allen diesen Formen geht ja die Gemination
bis auf den heutigen Tag durch.
Dieselbe Gemination des r zeigt sich in faurra Desch. 26
von faillir nach vocalischer Auflösung des Stammauslauts.
Offenbar das häufige Auftreten von Formen mit einfachem
*) Man vgl. das über die Gemination in dem Abschnitt 'Ortho¬
graphie* Gesagte: Beitr. im Jahrb. VIII. 22 ff.
*•) Die Form venrra von venir Desch. 149 steht daneben als weiteres
Zeugni8s jener höchst unmotivirten Gemination bei vorausgehendem
Consonanten, deren wir bei Besprechung der Orthographie sowie beim
schwachen Verbum schon Erwähnung thaten. Vgl. Jahrb. VIII. 27 und
m 173.
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Beiträge zur Kenntnißs der französischen Sprache des XIV. Jahrh. 255
und mit geminirtem r neben einander, wie bei den obgedachten
Zeitwörtern, zieht gelegentlich auch Vereinfachung eines ur¬
sprünglich geminirten r nach sich, so z. B. in tnorez H. C.
161, 21 und querez ib. 30, 12. —
Im Infinitiv schon, mehr aber noch in den Futurformen
spielt ferner der Einschub eines d zur Vermeidung einer un¬
beliebten Consonantenverbindung wie lr und nr eine gewisse
Rolle. Wenn er in der alten Sprache in freier Weise ge-
handhabt wird und keineswegs als unbedingt geboten erscheint,
so hat er sich dagegen im Neufranzösischen völlig fixirt> we¬
nigstens auf dem Gebiete der Infinitivformen, und unterbleibt
nur in 3. PI. Pf. von venir und tenir, so dass hier die Unbe¬
quemlichkeit der Aussprache fortbesteht.
Welche Stellung unsre Denkmäler aus dem 14. Jahrhundert
zu diesem Consonanteneinschub einnehmen, fanden wir bereits
im Abschnitt r Consonantismus* dieser Beiträge Gelegenheit zu
erörtern.*) Wir fanden noch völliges Schwanken, besonders
hinter n, doch schien der Einschub von d allmählich mehr und
mehr Platz greifen zu wollen, theils schon im Verein' mit den
sonstigen modernen Modificationen der Form, theils noch ohne
dieselben.
Als weitere Belege hierfür tragen wir an dieser Stelle
nach: prendras Desch. 96; prendront Cuv. 4500; — venront Cuv!
890. 4309; venroient Cond. 40, 623; Fr. I. 13; parvemes Cond.
26,121; revenres ib. 26,122; vendroit Cuv. 6384; advendra Descb.
94; devendrai Cuv. 804; souvendra ib. 126; — tenrai Cuv. 15315;
tenrons Fr. I. 41; tenront ib. I. 6; tenroit Cuv. 6392; maintenrez
H. C. 23, 8; niaintenroicnt Fr. I. 90; appartiendrait Doc. or. VHI;
maintendra Cuv. 4389; — fauldroit Desch. 207; — sauldroit ib.
249; saudrons Fr. II. 83; saudront Desch. 219; tolroit Fr. 1.87; —
vauldra Desch. 123; vmdroient Fr. I. 27; — voulroit Desch. 196;
vouldra Cuv. 4395. 15579; vouldroit C. de Tr. 23, 11; Desch.
109; voldroit Cuv. 6392; voudrai Fr. II. 237; vodres ib. I. 21;
vodront ib. I. 77; vodroient ib. I. 31.
Im Uebrigen beobachten wir in den hier und an der
früheren Stelle angeführten Formen sehr verschiedenes Ver-
*) Vgl. Jahrb. VIII. 392.
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256
Knauer.
fahren: die Formen von venir und tenir enthalten sich noch
beinahe durchweg der Diphthongirung des Stammvocals, sei d
eingeschoben oder nicht; wir verzeichneten nur aus Doc. or*
appartiendra appartiendront appartimdroit und aus Froiss. tienra.
Der Stammauslaut 1 (oder erweichtes 1) aber ist vor dem ein¬
geschobenen d bald erhalten, wie in voldrai voldroitj bald aus-
gestossen, wie in vodres vodront vodroit vodroient bei Froiss.,
bald in u aufgelöst, wie in saudrons sattdront y vaudroient } voudrai
voudra voudroient , bald neben der Auflösung noch graphisch bei¬
behalten,*) wie in fauldroit , sauldroit , vauldra , vouldra vouldroit
Und auch in den wenigen Fällen, wo der Einschub des d
unterblieben ist, finden wir theils Beibehaltung des 1 ohne Auf¬
lösung (; tolroit ), theils Auflösung desselben ( voura ), theils gra¬
phische Beibehaltung trotz Auflösung (faulra, voulra, voulrait
bei Desch.).
Bei tenir haben wir noch Nebenformen anzuführen, die
auf ältere zurückweisen: wir lesen maintaray H. C. 26, 14;
mainterez ib. 94, 16; mainteriez ib. 55, 24. Letztere beruhen
nur auf Vereinfachung des geminirten r einer südpicardischen
Form des 13. Jahrhunderts, welche sich durch Assimilation
erklärt;**) ersteres aber geht auf die in der Champagne und
nachmals in Isle de France beliebte Schreibung mit a zurück,
der also gleichfalls Assimilation des n von r und Vereinfachung
der Gemination begegnet sind. Wir gelangen mithinzu denFormen-
reihen einerseits: tenrai terrai terai, andrerseits: tanrai tarraitarai.
Für voloir sind noch einige Futurformen mit au statt o
zu verzeichnen, nämlich: vaura H. C. 56,22; vauroit Cond. 21,50;
H. C. 142, 19 — Formen, die auch Burguy aus dem Roman
de Brut und Henri de Valenciennes belegt.***)
Erwähnenswerth ist ferner zu boire 1. PI. Fut. burons
Cuv. 4166. Eine ähnliche Form mit Stammvocal u, aber mit
bewahrtem v dahinter weist Burguy im Beginn der 2. Hälfte
des 13. Jahrh. in der Picardie nach.f)
*) Vgl. Orthographie. Beitr. im Jahrb. VIII. 33.
**) Burguy I. 397 ff.
***) Burguy II. 105 ff.
t) Gramm, de la laugue d’o'il II. 125.
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Beiträge zur KenntnisB der französischen Sprache des XIV. Jahrh. 257
Von pmraw finden wir neben parra in H. C. auch die alte
Nebenform*) perra Desch. 81. —
Der letzte Punkt r auf den wir in dem Bereiche der Futur¬
formen unser Augenmerk zu richten haben, ist die bereits bei
der schwachen Conjugation besprochene**) Einschiebung eines
e vor dem r der Infinitivendung, zunächst in der II. Con¬
jugation, dann aber auch bei den Verbis auf -oir nach Ausstossung
des Charaktervocals oi.
Wir finden z. B. connisferont H. C. 113, 14; croistera
H. C. 222, 18; Desch. 96; famderes Fr. I. 21; meteroient Fr. I.
24; naistera Cuv. 117; prenderay H. C. 71, 12; prendera Fr. I.
8; prender& ib. I. 20; prenderoie Cuv. 880; entreprenderas Cond.
137, 1308 neben: mettront Desch. 80; prendray H. C. 93, 23;
C. de Tr. 18, 2; prendras Desch. 96; prendrant Cuv. 4£)00,
und ganz entsprechend auch: ardera H. C. 192, 23. 27; arde-
roie ib. 91, 17***); deveront Fr. I. 2; deveroit H. C. 6, 11;
deveroient Fr. I. 124; s 9 esmouveroit ib. I. 183; recheveray H. C.
94, 18; receverai Cuv. 6923; saverds Fr. I. 229 neben: devra
Cond. 36, 481 f); devriez Desch. 83.
Derartige Formen sind auch durch ältere Quellen bezeugt
und keineswegs blos aus dem normänn. Dialektgebiet, wo sie
sich aus der Infinitivendung - er für pic. bürg, -oir erklären
würden. Aus diesem Grunde mochten wir auch für unsere
Quellen aus dem 14. Jahrh. zur Erklärung dieser Formen
nicht auf die Infinitivendung - er zurückgehn, sondern lieber
Einschub von e nach Analogie der II. Conjugation annehmen.
b) Das Praesens.
Wir haben oben bereits das Auftreten des paragogischeri
-s in 1. Sg. mit behandelt und brauchen hier nur des Ver¬
bums faire wegen auf diesen Punkt zurückzukommen.
*) Burguy II. 42. **) S. Beitr. im Jahrb. XII. 175.
***) Da wir aus derselben Quelle oben den Infin. ardoir belegt haben,
gestatten wir uns die Futurformen an solcher Stelle mit aufzuführen
trotz der bekannten Infinitivformen ardre und norm, arder.
f) Es kann wohl keinem Zweifel unterliegen, dass wir in den
beiden Formen saueres und deura das u als consonantisch gelten lassen
müssen. Wir verfahren der Ausgabe des Froiss. gegenüber genau wie
gegenüber der des Cond.
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258
Knauer.
Bei faire lässt sich von einem paragogischen s nicht
reden, da die alten Formen von 1. Sg. auf einen dem lat. c
entsprossenen Consonanten auslauten *). Es steht aber in
offenbarem Zusammenhang mit dem gedachten Schwanken
zwischen Formen ohne paragogisches s und solchen mit dem¬
selben, dass in unseren Quellen auch das s der 1. Sg. Pr. I.
von faire häufig fehlt: augenscheinlich wird es auf eine Stufe
mit dem paragogischen Buchstaben gestellt.
So z. B. fay H. C. 94, 20; 225, 7; fax ib. 152, 1; Cuv.
7130; Fr. I. 275 neben: fais Cuv. 7109; Desch. 184 und fois
Cuv. 15446 — einer Form, die überhaupt erst im 14. Jahrh.
aufzutauchen scheint und dann noch langehin beliebt ge¬
wesen ist**).
Der Wandel des Stammvocals, welcher die stammbetonten
Formen den flexionsbetonten gegenüber häufig auszeichnet, ist
gewöhnlich ganz in der alten Weise durchgeführt: höchstens
dass sich dabei einige orthographische Schwankungen geltend
machen, wie wenn für das ältere ue zur Bezeichnung des
ö-Lauts oft das moderne eu auftritt Zur Anschauung stellen
wir Präsensformen zahlreicher Verba zusammen und zwar
immer, so weit uns die Belege nicht ausgehen, stammbetonte
flexionsbetonten gegenüber, denen sich dann Beispiele von Ab¬
leitungsformen der einen oder der anderen anreihen.
Von cheoir: 3. Sg. quiet H. C. 23, 22; 134, 19; mesquiet
ib. 220, 4; — 1 Pl. cheons E. M. II; — Cj. 3. Sg. chice Desch.
67; — Ptc. Pr. ceant Cond. 34, 405.
Von pooir: 1 . Sg. puis Cond. 50, 989; H. C. 2, 24; Fr.
I. 11; 2. Sg. pues Desch. 96; 3. Sg. puet Cond. 18, 204; H.
C. 2, 9; E. M. II; Desch. 2; Fr. I. 3; peut E. M. I; Doc. or.
XX; Desch. 104; 3. Pl. pueent Cuv. 4170; Fr. I. 152; paent
Desch. 266; Fr. I. 6; peuent H. C. 81, 4; Doc. or. III; Fr. II.
341; - 1. Pl. poons Cond. 17, 157; H. C. 113, 15; E. M. II;
Doc. or. XV; Fr. I. 45; 2. Pl. poes Cond. 18, 168; Fr. I. 69;
poez H. C. 194, 5; E. M. II; Cuv. 6840; — 1. Sg. Conj. puisse
Cond. 27, 132; 3. Sg. puist ib. 20, 24; H. C. 1, 4; 1. Pl.
*) Burg. norm, faz fas, pic. fac fach fais } später fais faich.
**) Burguy EI. 158.
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Beiträge zur Kenntniss der französischen Sprache des XIV. Jahrh. 259
puissicns Cond. 58, 1251; H. C. 105, 2; puissons H. C. 105, 3;
puisson ib. 48,19; puissions Doc. or. V; — 3. Sg. Impf, pooit
Cond. 21, 31; H. C. 18, 13; Cuv. 4477; 3. PI. pooimt Cond.
52, 1057; Fr. I. 19. 85.
Von veoir: 1 . Sg. voi Cond. 58, 1272; Cuv. 6376. 16727;
Fr. I. 14; voy H. C. 28, 6; Desch. 7; vois Cond. 34, 400; —
1. PI. veons Cond. 11, 88; Fr. I. 47; vtfons H. C. 123, 12;
164, 26; Cuv. 4406; Desch. 223; 2. PI. veez E. M. II; Cuv.
1001; Desch. 178; vees Fr. I. 172; — Impf. 1. Sg. veoie H.
C. 104, 7; 3. Sg. veoit Cond. 39, 591; Fr. I. 16; veoit Cuv. 161.
1013; Desch. 160; 3. PI. veoient Cond. 30, 234; Fr. I. 35; veoient
H. C. 51, 14; Cuv. 4431; Ptc. Pr. veant Fr. I. 46.
Von doloir: 1 . Sg. deus H. C. 10, 1; 2. Sg. deuls Desch.
96; 3. Sg. duelt ib. 17; dealt H. C. 171, 9; Desch. 12.
Von soloir: 3. Sg. suelt seult Desch. 12; 3. PI. senlent
ib. 20; — Impf. 1. Sg. souloie Desch. 44; 3. Sg. soloit Cond.
33, 355; 3. PI. souloient Doc. or. XX.
Von volovr: 1. Sg. vueil C. de Tr. 13, 10; Desch. 20;
veueil C. de Tr. 23, 13; veul H. C. 2, 23; veu ib. 120, 17;
veil Cuv. 338; Desch. 246; vuil Doc. or. VII; 2. Sg. veulx Cuv.
2371; veuls Desch. 96; 3. Sg. weut Cond. 31, 303; veut Desch.
45; veult H. C. 16, 19; C. de Tr. 33, 11; Cuv. 120; Desch. 2;
3. PI. vaelent Desch. 21; uellent Cond. 11, 94*); veulent E. M.
II; C. de Tr. 13, 16; Cuv. 6900; Desch. 7; veuUent E. M. I;
1. PI. volons Cond. 17, 159; 44, 746; E. M. II; Doc. or.
XVI; voulons Doc. or. I; Fr. I. 79; voullons Doc. or. XXI;
2. PI. vollez H. C. 7, 13; völes Fr. I. 95; — Conj. 3. Sg.
veuille E. M. I. II; veueille C. de Tr. 19, 7; veuUe H. C. 38,
26; vuille Doc. or. XI; veille Cuv. 4; 3. PI. veillent Cuv. 4118;
Imperat. 2. PI. vueillez Desch. 12; vueilliez ib. 3; vealliez
H. C. 63, 23; veuillids E. M. I; veilliez Cuv. 5. 923. —
Impf. I. 1. Sg. vouloie Doc. or. XXII; 3. Sg. voloit Cond. 33,
358; Cuv. 585; völloit H. C. 21, 10; vouloit Fr. I. 81; 3. PI.
voloient Doc. or. XV; Fr. I. 13; vouloient Desch. 238.
Von estovoir: 3. Sg. estuet Cond. 112, 420; 117, 566;
120, 700; Desch. 12; estoet Cond. 29, 201.
*) Offenbar Abkürzung von uuellent = vuellent; es reimt: puelent.
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260
SjiUIE.
Von nwvoir: 3. Sg. muet Desch. 20; tneut Cond. 31, 304;
esmuet Cuv. 133; esmeut Fr. I. 247; 3. PI. estnuevent Fr. I. 77;
esmeuvent H. C. 31,21; remuevent Cond 32, 312; — 3. Sg.
Cj. rnieve Fr. I. 76.
Von savoir : 1. Sg. sai Cond 23, 8; Cuv. 108. 149; say
H. C. 6, 7; sgay Desch. 20; Fr. I. 5; 3. Sg. set Cond 13, 1;
H. C. 1, 3; scet H. C. 36, 5; Cuv. 360; Desch. 10; Fr. L 137;
seit Cond. 20, 5; soit C. de Tr. 16, 9; 34, 9; 3. PI. seuent
Cond. 50, 971; sevent H. C. 226, 1; seuent Fr. L 2; scevent
H. C. 68, 17; Cuv. 49; Desch. 43; - 2. PI. saves Cond. 14,49.
Von numoir: 3. Sg. maint H. C. 43, 10; Cuv. 795; 3. PL
mainent H. C. 54, 5; — Cj. 3. Sg. remaingne H. C. 40,11; —
Impf. 3. Sg. manoit Cond. 24, 26.
Von paroir: 3. Sg. appert E. M. I; Desch. 3; — Cj. 3.
Sg. appere Doc. or. IX. X. XII.
Von courre: 3. Sg. queurt Cuv. 760; Desch. 138; Fr. L
179; 3. PI. ceurent Cond. 45, 787; queurent Doc. or. ID; queu-
urent Desch. 219; acuerent H. C. 120, 22; — Ptc. corant
Cuv. 59.
Von croire: 1. Sg. croi Cuv. 19; Fr. II. 351; croy H. C.
3, 1; C. de Tr. 22, 23; Desch. 275; — 1. PI. creons Fr. I.
42; — 2. PI. Imp. creee H. C. 29, 25; Cuv. 35. 4444; Desch.
148; crees Fr. I. 241; Impf. 3. Sg. crdoit H. C. 181, 23;
E. M. II; Cuv. 6622; Fr. I. 135.
Von covrir: 3. Sg. cuevre Cond. 17, 137.
Von morir: 1. Sg. muir H. C. 61, 23; Cuv. 697; Desch.
83; 3. Sg. tnuert H. C. 199, 3; Desch. 151; meurt H. C. 161,
17; 199, 3; 3. PI. meurerit Desch. 94; — Cj. 1. 3. Sg. muire
H. C. 183, 9: 198, 18; — Impf, moroü Cuv. 1005; mouroit
Cond. 26, 99.
Von qtierir: 1. Sg. quier H. C. 6, 8; requier C. de Tr. 21,
12; Cuv. 7044; Desch. 113; 3. Sg. quiert Desch. 7; — Cj. 3.
PI. quierent Cond. 43, 737.
Von venir: 1. Sg. vieng Cond. 60,1339; H. C. 72, 14; vien
H. C. 5, 21; Cuv. 15249; Desch. 202; viens H. C. 89, 16;
111, 18; Cuv. 4110; — Conj. 3. Sg. viengne Cond. 39, 580;
rcviegne H. C. 68. 16; 2. PI. viengniee Cuv. 94.
Von tenir: 1. Sg. tien H. C. 72, 19; Cuv. 17897; Desch.
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Beiträge zur Eenntniss der französischen Sprache des XIV. Jahrh. 261
28; tieng Fr. I. 245; tiens Desch. 43 (im Reime); retiens Cuv.
771; 3. Sg. Ment Cond. 28, 171; 3. PI. tiennent Cond. 17, 148.
Auch die Erweichung des Stammauslauts 1 in 1. Sg. Pr.
Ind. einzelner Verba scheint noch in alter Weise durchge¬
führt. Ausser voloir führen wir an: von valoir: vail Cond. 54,
1117 neben 3. Sg, vaüt ib. 24, 23; von soldre: 3. Sg. Cj. ab-
soüle Doc. or. VI. und reihen hieran noch die Formen: von
toldre: 3, Sg. I. touÜ Desch, 14; von saillir : 3. Sg. I. saut
Cond. 34, 389; assmlt Desch. 62.
Da sehen wir also die stammbetonten Präsensformen von
den flexionsbetonten noch principiell geschieden durch man¬
cherlei Wandel des Stammvocals, sei es Diphthongirung (von
o zu ue (eu) von e zu ie, von lat. I und e zu oi), sei es Trü¬
bung (von a zu ai, e); zuweilen auch die 1. Sg. sammt dem
Conj, noch durch eigne Vocalisirung ausgezeichnet. Conso-
nantischer Stammauslaut ist dabei dem üblichen Wandel im
Sg. unterworfen: 1 und n haben im 1. Sg. oder wenigstens
im Cj. die Erweichung angenommen, 1 ist ausserdem in 2.
3. Sg. dem bekannten Auflösungsmodus verfallen und v ganz
ausgestossen.
Zugleich beobachten wir einen gewissen Formenreich¬
thum, der sich in dem Auftreten von mancherlei Nebenformen
des einen oder andern Dialects äussert: besonders ragen in dieser
Hinsicht die Verba voloir und savoir hervor.
Wir widmen dem starken Präsens am besten eine be¬
sondere Betrachtung unter diesem Gesichtspunkt, da sich der¬
selbe bei einer ganzen Reihe von Zeitwörtern uns aufdrängt.
Neben den oben verzeichneten Formen von pooir findet
sich auch: 3. Sg. I. poet Cond. 10, 30 und öfter; Fr. I. 127;
3. PI. poeent Cond. 21, 43; 45, 788.
Von voloir führten wir oben neben den Formen mit dem
ö-Laut im Stamme auch 1. Sg. veil 7 3. Sg, Cj. veüle f 2. PI.
Imperat. veüHez , 3. PI, Cj. veillent, sowie 1. Sg. vuil und 3. Sg.
Cj, vuüle ; neben radicalem o auch ou in flexionsbetonten Per¬
sonen mit auf, also in letzterem Falle die moderne Ver¬
dumpfung neben dem alten Stammvocal. Noch mannichfaltiger
gestaltet sich das Bild dieses Zeitworts, wenn wir vervoll¬
ständigend hinzufügen: 1. Sg. voel Cond. 28, 163; Fr. I. 1;
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262
Knauer.
3. Sg. tmit Fr. I. 3. 164; volt Cuv. 736; Desch. 104; voolt
Fr. I. 164; voult ib. I. 57; voet Cond. 9, 9; vot H. C. 238, 19;
vault Fr. I. 3; 3. PI. voellent Cond. 9, 17; Fr. I. 10; vooUent
Fr. I. 75; 3. Sg. Cj. voelle ib. I 45; 2. Pl. Cj. voeUies ib. I. 118.
Bei savoir fallen uns oben, von graphischen Schwankun¬
gen abgesehen, neben set , seit und soit besonders auf; wir
bringen dazu von Formen des Conj. 1. Sg. saice Cond. 37,
504; 3. Sg. sache H. C. 64, 10; 2. PI. saichiez ib. 62, 5; saichies
C. de Tr. 28, 25 bei.
Das Verbum devoir tritt in 3. PI. I. und den davon ab¬
geleiteten Conjunctivformen bald mit ausgestossenem, bald
mit bewahrtem Stammauslaut auf, wie die Beisp. 3. PI. I. doient
Cond. 22, 78; Fr. I, 2. 49; 3. Sg. Cj. daie Cond. 11, 68; 37,
505; H. C. 53, 17; 91, 13; Cuv. 13692; Desch. 208; doye ib.
61; 1. PL Cj. doions Fr. I. 155; — 3. PI. I. doivent Cond.
61, 1372; H. C. 228, 10; Cuv. 6618. 16839; Desch. 4; Fr. H.
399 lehren.
Die Formen ohne v sind dem bürg, und dem picard.
Dialekte gemeinsam, die mit v gehören dem letzteren aus¬
schliesslich an und sind jüngeren Datums.*)
Von faire gedachten wir Eingangs der Besprechung des
Präsens der Formen: 1. Sg. fay fai fais fois. Ebenso lautete
der Imperat. fay . In den abgeleiteten Formen wechseln Stamm-
vocalund Stammauslaut: wir finden: Impf. l.Sg./asoieH.C.12,12;
3. Sg. fasoit Cuv. 15396; faisoit H. C. 14,15; 3. PI. fasoient ib. 8,
12; — Praes. Cj. 1. Sg. fache H. C. 216, 25; face ib. 239, 25;
3. Sg. fache ib. 5, 11; 28, 3; face Cond. 9, 19; Cuv. 143;
faice (aber im Reim: manace) Cond. 16, 109; 1. PI. fachons
H. C. 40, 22; faQons Doc. or. XTV; fariens ib. XXTV; 2. PL
facez ib. I; faciez ib. VHL XII. XXIV; Cuv. 151. 4266; 3. Pl.
faissent Doc. or. XXTV (sonst dort facent).
Bei metre sind neben 1. Sg. met mes (s. oben) 2. Pl.
mectes C. de Tr. 24, 13 und 3. Sg. Cj. maice Cond. 57, 1227';
mache H. C. 112, 10; 199, 23; mette ib. 135, 7 anzuführen.
In den Formen von prendre zeigt sich d bald, bald fehlt
es, und im letzteren Falle ist n oft erweicht oder verdoppelt.
*) S. Burguy II. 3 ff.
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Beiträge zur Kenntniu der französischen Sprache des XIV. Jahrh. 263
So: 2. Pl. prendez H. C. 28, 18; 3. PL prendent Fr. I. 11;
Imperat. prendons H. C. 157, 1; prendcs Cond. 10, 48; prende's
F. I. 76; Imperf. 3. Sg. Pl. prendoit H. C. 4, 3; Fr. I. 12;
prendoient Fr. I. 55; Pr. Cj. 3. Sg. prende H. C. 39, 15; Cuv.
6626; entreprende Fr. I. 196; Ptc. entreprendant H. C. 69, 12;
— und andrerseits: 3. Sg. Pl. Cj. prengne H. C. 40, 10;
praingne Doc. or. VI; prangne Desch. 21. 112; reprengne ib. 118;
praignent H. C. 57, 19; Ptc. prenant Doc. or. XII; prennani
Fr. I. 58; apregnant Cuv. 4146.
Von plaindre verzeichnen wir: 2. PL Imperat. plaindez
H. C. 231, 9.
Cremir zeigt: 1. Sg. craim Desch. 79; 3. Sg. craimt ib. 2;
craint ib. 103; 3. PL craingnent ib. 4; criement Fr. I. 142;
3. Sg. Cj. craingne Desch. 78.
Bei gesir begegnen uns nebeneinander: 3. Sg. gist Cond.
34, 381; C. de Tr. 29, 4 und giest C. de Tr. 28, 18.
Tenir hat neben den oben citirten Formen auch 1. Sg.
tain Desch. 210 aufzuweisen, eine Form, die Burguy*) mit
der Schreibung taing der Champagne zuerkennt. Ferner sind
bei tenir und venir die ursprüglich burgundischen Neben¬
formen des Conj. mit i als Stammvocal wenigstens Cond,
nicht ganz fremd: so z. B. 3. Sg. Pl. maintingne Cond. 27,
160; avingne : revingne ib. 28, 175. 176; revingnent: tingnent ib.
37, 493. 494.
Mustern wir die ganze Reihe dieser Formen noch ein¬
mal, so ergibt sich, dass sie ziemlich alle ohne Unterschied
auch der älteren Sprache geläufig sind und meist auf dialec-
tische Verschiedenheit hinauslaufen, sowie dass ihr Gebrauch
auch in unseren Quellen im Grossen und Ganzen der mund¬
artlichen Stellung derselben entpricht, wenn auch zuweilen eine
Vermischung der Formen eintritt. Hier und da zeigt sich
aber auch Jüngeres oder ganz Modernes neben dem Alten,
wie bei voloir, devoir, cremir.
Wir haben oben mit zahlreichen Belegen ausgeführt, wie
der principielle Unterschied zwischen stamm- und flexions¬
betonten Präsensformen auch in unsem Denkmälern aus dem
*) Gramm, de la langue dVil I. 385.
Jalub. f. roui. u. engl. Lit. X. F. II. 18
♦
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Knauer.
14. Jahrh. noch in voller Gültigkeit erscheint. Ganz freilich
bleibt die Formenvermischung der Uebergangszeit auch diesem
Gebiete nicht fern: vereinzelte Formen wenigstens documen-
tiren, dass die Vocalunterschiede ihren ursprünglichen Charakter
und Werth einbüssen, und dass namentlich der getrübte Yocal
auch in die flexionsbetonten Formen einzudringen versucht.
Durch solche neben dem Alten aufkeimenden Neubildungen
gewinnt natürlich das starke Präsens im 14. Jahrh. auch noch
an Mannichfaltigkeit.
So findet sich Fr. I. 118. schon die moderne Nebenform
für 1. Sg. Ind. von pooir: peus nach Analogie der übrigen
stammbetonten Formen.
So lesen wir das Ptc. Praes. von veoir: voiant Cond. 34,
413; 2. PI. lmperat. voiez C. de Tr. 24, 5; Desch. 26; 2. PI.
Pr. Ind. voes Fr. I. 68, den binnenfranzösischen Infinitiven voer
voicr vooir des 13. Jahrh. entsprechend.
Von savoir findet sich Fr. I. 372. 3. PI. Pr. Ind. savent ;
von aparoir: 3. Sg. Pr. Ind. apart Doc. or. XVII; von courre:
3. Sg. Pr. Ind. court Cuv. 4504; Desch. 28. 199; Fr. I. 82.
183; von croire: 2. PI. lmperat. croiez Desch. 77.
Hinzu kommt noch das allmähliche Eindringen der mo¬
dernen Hiatustilgung bei Verbis wie pooir und dire, bei jenem mit
v, bei diesem mit einem etymologisch berechtigten s vollzogen.
Neben den oben beigebrachten Formen von pooir lesen
wir: 1. PI. I. povons H. C. 82, 6; Doc. or. VHI. XXI; 2. PI.
I. poves E. M. I; povez Desch. 126; 3. PI. I. pevent E. M. I;
Desch. 103; peuvent E. M. II; il puevent Fr. I. 44; povent Fr.
I. 381; Impf. 3. Sg. povoit Cuv. 1043; Desch. 22. 244; Fr. L
124; 1. PI. povions Doc. or. XII; 2. PI. poviez ib. XV; 3. PI.
povoient Desch. 274; Fr. I. 86. In den flexionsbetonten Formen
ist also mit der Hiatustilgung noch keine Verdumpfung des
Stammvocals zu ou verbunden.
Bei dire herrscht der Hiatus noch vor, die Formen mit
eingeschobenem s sind ganz spärlich vertreten.*) Z. B. 3. PI.
•) Wir dürfen uns hierüber nicht wundern angesichts des Umstan¬
des, dass diese Formen mit Hiatus notorisch noch sehr lange beliebt
waren. Trägt doch Corneille kein Bedenken 1. Sg. Cj. die anzuwenden
(Horace 111, 8).
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Beiträge zur Eenntniss der französischen Sprache des XIV. Jahrh. 265
I. dient Cond. 14, 54; 32, 324; H. C. 21, 20; 225, 10; C. de
Tr. 15, 24; Cuv. 956. 6873; Desch. 50; Fr. I. 3; Cj. 1. Sg.
die H. C. 75, 7; 3. Sg. die ib. 74, 5; C. de Tr. 25, 4; Cuv.
973. 16744; Desch. 11; maudie Cuv. 811; 2. PI. dies C. de Tr.
23, 13; dagegen: 3. PI. I. disent Cond. 14, 31; E. M. I.
Zum Schluss noch einige vereinzelte Bemerkungen.
Das lat. ducere kommt als simplex noch vor: z. B. 3. Sg.
duit Desch. 53.
Eigenthümliche, zum Theil latinisirende Formen finden
sich von escrire : z. B. 3. PI. Pr. I. escripsent Fr. I. 3; 3. Sg.
Impf, csa'ipvoit ib. I. 64; escripsoit ib. I. 188
Endlich enthalten zwei von unsem Quellen, H. C. und Desch.,
die Präsensformen: 3. Sg. l.puelt H. C. 142,12; peult ib. 121, 8; 3.
PI. I. puelent ib. 138,18; Desch. 272; puellent ib. 7.102. Ihnen zur
Seite stehen in H. C. 3. Sg. Pf. poult 238, 22 und polt 209, 11.
Burguy*) will derartige Formen auf das lat. poliere zurück¬
führen, während Diez**) in ihnen nur Formen von pooir mit
Anbildung an die von voloir sieht. Allerdings nimmt Diez
dabei nur auf die Perfectformen Bezug und lässt das Vor¬
kommen analoger Präsensformen ganz unerwähnt***); doch
versagt seine Erklärung auch bei diesen keineswegs, und wenn
wir die formenschaffende Macht des Princips der Analogie,
auf dessen Walten wir auch im Verlaufe dieser Untersuchungen
oft genug gestossen sind, bedenken und die absolute Identität
der Bedeutung jener Formen in allen citirten Fällen mit denen
von pooir berücksichtigen, so fühlen wir uns in der That ge¬
neigt, eher Diez als Burguy beizustimmen f).
c. Das Perfectum.
Da wir sowohl das Verhältnis des paragogischen s in
1. Sg. wie den Abfall des 4 in 3. Sg. im Eingang dieses gan-
*) S. Gramm, de la langue d’oil II. 61 f.
**) Rom. Gramm. II 8 249. Anmerkung.
***) Oder sind die in Klammern angeführten Formen poelt etc. in
Wirklichkeit etwa Präsensformen? Man sollte fast meinen.
f) Ein Analogon zu der vermutheten Anbildung ist ausser dem
von Diez angeführten solt (sapuit) auf dem Gebiete des Englischen das
Prät. could (ags. cüde, altengl. coude coud) nach would und should. Vgl.
Mätzner, Engl. Gramm. 1*. 411.
18 *
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266
Kmaukr.
zen Abschnitts betrachtet haben, so ist der erste Punkt, auf
den wir bei diesem specifisch starken Tempus unser Augen¬
merk richten, die in der Uebergangszeit beginnende Ver¬
mischung der stamm-und der flexionsbetonten Formen, zwischen
denen (1. 3. Sg. 3. PI. einerseits, 2. Sg. 1. 2. Pl. sammt ganzem
Conj. Impf, andrerseits) das correcte Altfranzösisch strenge
Scheidung im Princip aufrecht erhielt
Eine gesonderte Stellung nehmen in dieser Hinsicht die
beiden Zeitwörter vmir uud tenir ein, in so fern als bei ihnen
jener Unterschied später durch völlige Anbildung von 2. Sg.
1. 2. Pl. an die stammbetonten Personen verwischt worden
ist, während im 14. Jahrh. oft auch umgekehrt die Bildung
der flexionsbetonten Formen ausschlaggebend für. das ganze
Tempus erscheint*). In unseren Quellen zeigt sich noch
durchweg der alte Stand der Sprache, wenn wir vergleichen:
1. Sg. ving H. C. 180, 2; 3. Sg. i int Cond. 29, 203; 3. Pl.
rinrent Fr. 1. 13 und öfter; vindrent C. de Tr. 21, 6; E. M. II;
Doc. or. XX; Cuv. 989. 4430; Desch. 235 und: 1. Pl. vemtnez
H. C. 174, 4; vcnimes Fr. I. 229; Impf. Cj. 1. Sg. venisse Doc.
or. XXII; 3. Sg. venist Cuv. 613. 22595; Fr. I 17. 70; con-
renist H. C. 151, 23; 2. Pl. venissiez Desch. 220; 3. Pl. venissent
H. C. 57, 11; 174, 22; Fr. I. 23; — 1. Sg. Uns Desch. 161;
3. Sg. maintint Cond. 25, 59; 3. Pl. tinrent Cond. 34, 394;
H. C. 106, 4; Cuv. 4295; Fr. I. 13; tindrent Cuv. 17025;
Desch. 240 und Impf. Cj. 3. Sg. teniat Desch. 181.
Also von Formenanbildung in dem einen oder anderen
Sinne keine Spur.
Die Form 1. Pl. Pf. viemez v. venir H. C. 88, 2, die
auch der Herausgeber in seinen Anmerkungen besonders her¬
vorhebt, scheint ganz willkürlich gemodelt.
Eingehendere Besprechung aber verdienen die Formen,
bei denen es sich, theils ohne den Ausfall eines s, theils
nach solchem Ausfall, um Formenvermischung durch Vocal-
synkope handelt. Die verschiedensten Perfectbildungen werden
hiervon betroffen: die erste Klasse mit veoir und faire; die
zweite, soweit nicht ein Consonant der sigmatischen Flexion
*) Barguy I. 392.
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Beiträge zur Kenntniss der französischen Sprache des XIV. Jahrh. 267
vorangeht, und namentlich die dritte, soweit nicht liquider
Stammauslaut den Stammvocal vor der Berührung mit dem
Flexionsvocal schützt. Ueberall zeigen die flexionsbetonten
Formen ein aus dem ursprünglichen Stammvocal hervorgegan¬
genes e vor i und u, die Tendenz der Sprache geht aber
später dahin, diesen Hiatus durch Synkope des e zu tilgen
und somit diese Formen den stammbetonten äusserlich zu as-
similiren, ein Verfahren, das im modernen Französisch völlig
durchgeführt erscheint und in der Uebergangszeit seinen An¬
fang nimmt.
Bei den Personen, die wir oben als stammbetonte be¬
zeichnet haben, waltet allerdings in den verschiedenen Perfect-
klassen verschiedenes Verhältniss ob: in der ersten und zweiten
repräsentirt‘der Stammvocal i den lat. Stammvocal, in der
dritten dagegen entstammt u bekanntlich der Endung und es
ist nur in den meisten Fällen der ursprüngliche Stamm ganz
auf den anlautenden Consonanten reducirt. Doch möchten
wir uns immerhin die Freiheit gestatten, der Kürze halber
für das ganze starke Perfect uns der Eintheilung in stamm¬
betonte und flexionsbetonte Formen zu bedienen. Eine Son¬
derstellung nehmen nur Verben der dritten Klasse wie savoir
avoir pooir etc. ein, in so fern als ihre stammbetonten For¬
men nicht minder als ihre flexionsbetonten bei den Verhält¬
nissen des Hiatus mit betheiligt sind, da ja hier der Stamm¬
vocal von Aussto8sung verschont geblieben ist und doch nicht
alle Mundarten in gleicher Weise au zu o verdichtet haben.
Mit den sogleich beizubringenden Beispielen vervollstän¬
digen wir unter etwas anderem Gesichtspunkte das, was wir
beim Vocalismus*) über die Hiatus Verhältnisse auseinander¬
gesetzt haben. Ausdrücklich sei hier wiederholt, dass wir in
bloss metrischer Verschiebung eigentlich nichts specifisch
Modernes sehen dürfen, da sie auch im guten Altfranz, nicht
selten ist; wenn wir an dieser Stelle wie früher beim Voca¬
lismus auch diese Erscheinung besonders berücksichtigen und
belegen, so geschieht es zur Vervollständigung des vom Hiatus
auf dem Gebiete des starken Perf. zu gebenden Bildes und
*) S. Beiträge iin Jahrb. Vill. 404 ff.
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268
Knauer.
weil wir immerhin in dem häufigen Verstummen des e eine Vor¬
stufe zu seinem Verschwinden zu sehen berechtigt sind*).
Für unsere Prosadenkmäler müssen wir uns natürlich bloss
an die graphische Gestaltung der Perfectformen halten.
Zuerst heben wir eine Reihe von flexionsbetonten Per¬
fectformen hervor, die noch einen älteren Stand der Sprache
vertreten, nämlich den ursprünglichen Sibilanten im Inlaute
erhalten haben, und denen somit Hiatus ganz fremd ist. Es
betrifft dies also die zweite Perfectklasse nnd zugleich auch
faire, dessen Perfectbildung ja praktisch mit der sigmatischen
zusammenfällt **).
So lesen wir: 1. PI. Pf. fesimes Fr/I. 145; 2. PI Pf.
fesistez H. C. 72, 15; Impf. Cj. 1. Sg. fesisse Cond. 16, 102;
H. C. 174, 6; 3. Sg. fesist Fr. I. 17; 3. PI. fe^issent H. C.
229, 3; Fr. I. 20. — 2. PI. Pf. mesistes Cond. 54, 1119; Impf.
Cj. 3. Sg. mesist H. C. 165, 27; Fr. 1.98; promesist E. M. H.;
— conquesist Fr. n. 10.
Im Uebrigen lässt sich von den Perfectformen, in welchen
der Vocal des Stammes und der der Endung wirklich an einander
rücken, im Allgemeinen so viel sagen, dass in unseren Denk¬
mälern der Stammvocal e mit einer gewissen Zähigkeit fest¬
gehalten, wenigstens graphisch, und nur von dem einen oder
anderen metrische Verschleifungin ausgedehnterem Masse geübt
wird; am strengsten verfährt Cond.; wirklich graphisch voll¬
zogene Synkope, welche die flexionsbetonten Formen mit den
stammbetonten ganz auf eine Stufe stellt oder bei der Son¬
derklasse beiden Arten von Formen den modernen Typus
leiht, ist allenthaben noch ziemlich selten, selten namentlich
in unseren Prosadenkmälern.
Der Hiatustilgung gegenüber macht sich aber bei Froiss.
auch Formenvermischung im anderen Sinne geltend, indem näm¬
lich der Hiatus durch falsche Analogie aus den flexionsbetonten
Formen auch in ursprünglich stammbetonte eindringt.
Zum Beleg dieser Bemerkungen eitiren wir zunächst,
•) Als eine Form, die in jenem Process auf halbem Wege stehen
geblieben ist, ragt ja das Perf. j'eus in die moderne Sprache hinein, sein
Dasein der Abneigung der Sprache gegen zu magere Wortgebüde verdankend.
**) S. Diez. Rom. Gramm. II 8 . 243.
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Beiträge zur Kenntniss der französischen Sprache des XIV. Jahrh. 260
soweit uns Beispiele zur Hand sind, eine Reihe solcher
flexionsbetonten Formen, in denen das Metrum uns den be¬
stehenden Hiatus verbürgt, und stellen ihnen gleich die stamm¬
betonten, eben so correct altfranz., zur Seite.
Wir finden: 3. Sg. PL Impf. Cj ..feist H. C. 15, 12; Cuv.
495. 616; feissmt Cuv. 6892 neben: Pf. 1. Sg. fis Cond.
16, 97; 56, 1174; Desch. 56. 177; 3. Sg. fist Cond. 14, 32;
27, 145; H. C. 32, 21; 78, 18; C. de Tr. 20, 25; Cuv. 2;
Desch. 8; firent Desch. 22; Impf. Cj. 3. Sg. veist Cond. 29,
215. 216; H. C. 79, 24; Cuv. 961; 2. PI. veissiez Cuv. 967;
Desch. 175; 3. PI. veissent Cuv. 4226 neben Pf. 1. Sg. vy H.
C. 23, 1; 52, 15; vi Cuv. 856; Desch. 16; 3. Sg. vit Cuv. 445;
3. PI. virent H. C. 31, 8; Desch. 43; Pf. 1. Sg. dis H. C. 3,
10; 3. Sg. dist Cond. 18, 175; Desch. 8; 3. PI. dirent H. C.
20, 22; 97, 11; Pf. 3. Sg. PI. ?nist Cond. 29, 212; H. C. 36, 5;
Cuv. 21; Desch. 18; mirent Cuv. 4125; Desch. 235; Pf. 1. 3. Sg.
quis H. C. 232, 17; conquist Desch. 70; Fr. I. 8; Pf. 3. Sg. PI.
but Cuv. 6596; Fr. II. 388; btirent Cond. 43, 728; H. C. 98,
13; Fr.1.89; Impf. Cj. 1. Sg, d eusse Cond. 26, 111; 3. Sg. deustll.
C. 81, 25; Cuv. 16747; 2. PI. dcussiez Cuv. 17958; 3. PI. deussent
Cuv. 17838 neben: 3. Sg. PI. Pf. dubt Desch. 254; durent Cond.
49, 946; Desch. 255; Pf. 3. Sg. PI. apper^ut Desch. 193; per-
ch/iit H. C. 47, 20; Fr. I. 12; perchu H. C. 18, 26; reput Cuv.
15387; rechat Fr. I. 9; perchurent Fr. I. 47; repirmt Desch. 241;
Impf. Cj. 3. Sg. conneust Cond. 31, 281; reconneust H. C. 214,19
neben: Pf. 3. Sg. PI. connut H. C. 71, 17; congmtt H. C. 5,
4; Desch. 134; Fr. I. 127; connurent Cond. 31,278; congnurent
Cuv. 1000; reconnurent H. C. 100, 5; Pf. 3. Sg. PI. mut
Desch. 238; esmut H. C. 21, 9; 86, 11; Desch. 159; Fr. 1.5;
II. 34; esmwrent Cuv. 4089; Fr. I. 8.
Dazu: Pf. 1. Sg. eus Cond. # 157, 385; 3. Sg. e'ut Cond.
33, 378*); Impf. Cj. 1. Sg. eusse Cond. 26, 112; 3. Sg. eust
*) Die Stelle lautet:
Li A>is volla hors des arcons,
K’ou ceval tenir ne se peut
Pour le ruiste cop que il eut.
Letztere Form, die jedenfalls mit Hiatus zu lesen ist, erweist auch peut als
Perfectform; dieses aber gestattet der Vers, so wie er vorliegt, nicht, zwei¬
silbig zu lesen.
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270
Knauer.
Cond. 28,180; H. C. 19, 12; Cuv. 23; 3. Pl. eussent Cuv. 6370;
Impf. Cj. 1. Sg. peusse H. C. 70, 22; 3. Sg. peust Cond. 43,
730; Cuv. 6414; 3. Pl. peussmt H. C. 58, 7; Cuv. 15420; Pf.
3. Sg. pleut H. C. 177, 22; Impf. Cj. 3. Sg. pleust ib. 116,
15; Pf. 3. Sg. sceut Cuv. 231; Impf. Cj. 3. Sg. seust Cond.
53, 1067; sceust Desch. 101.
Hieran reihen wir Belege des zum Mindesten graphisch
vorhandenen Hiatus aus unsem Prosadenkmälem.
Z. B. Pf. 1. Pl. feismes Doc. or. XXHI; Impf. Cj. 1. Pl.
feissions Doc. or. XH; feissons Doc. or. XVI; Fr. I. 145;
3. Pl. feissent Doc. or. XXH; Pf. 1. Pl. veisms Doc. or. XXIII;
Impf. Cj. 3. Sg. veist Fr. n. 193; pourveist ib. I. 19. 138; Pf.
2. Pl. deistes E. M. I; Impf. Cj. 3. Sg. deist Doc. or. XXII; Pf.
2. Pl. promeistes E. M. I; Impf. Cj. 3. Sg. s’aseist Fr. I. 26;
II. 242; Pf. 2. Pl. deustes E. M. I; Impf. Cj. 1. Sg. deusse Doc.
or. XI; 3. Pl. deussent Fr. I. 93; Pf. 3. Sg. eut Fr. I. 6; 1. Pl.
eusmes ib. I. 165; 3. Pl. eurent ib. I. 4; Impf. Cj. 1. Sg. eusse
Doc. or. XI; 3. Sg. eust Fr. I. 23; 3. Pl. eussent ib. I. 60; Pf.
3. Sg. peut Fr. I. 127. 148; 3. Pl. peurent ib. I. 47; Impf. Cj.
3. Pl. peussent Doc. or. XV; Pf. 3. Sg. pleut Doc. or. XI; Impf.
Cj. 3. Sg. pleust ib. XI; Pf. 3. Sg. sceut Fr. I. 67; sceu ib. H. 25;
3. Pl. sceurmt ib. I, 27.
Was dann weiter Beispiele mit deutlicher metrischer
Verschleifung des graphisch bestehenden Hiatus anlangt, so
haben wir namentlich aus H. C., Cuv. und Desch. deren eine
ganze Reihe bereits beim Vocalismus*) angeführt und zwar
zum Theil sammt den Versen, in welchen sie standen. Doch
mögen sie der Vollständigkeit halber hier in anderer Gruppirung
nochmals eine Stelle finden.
So: Impf. Cj. 2. Pl. veissiez Desch. 43; Impf. Cj. 3. Sg.
Pl. deist Desch. 21; deissent ib. 54; Impf. Cj. 3. Sg. d$yst H.
C. 79~ 26; 115, 15; Cuv. 4423; Desch. 21; 2. Pl. d^ssiez ib.
175; 3. Pl. deussmt ib. 102; Pf. 1. Sg. decheys H. C. 147, .16;
Pf. 1. Sg. eu Cond. 140, 1401; <ms H. C. 9, 24; 83, 16; 219, 14;
3. Sg. &t Cond. 115, 523; H C. 27, 25; 46, 27; Cuv. 17966;
3.* Pl. eyrent H. C. 98, 13; Impf. Cj. 3. Sg. eust H. C. 157, 16;
*) S. Beiträge im Jahrb. VIII. S. 406 f.
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Beiträge zur Kenntniss der französischen Sprache des XIV. Jahrh. 271
Cuy. 16775; 1 . Pl. eusiens H. C. 105, 1; eussiens Cuv. 16855;
Pf. 3. Pl. peurent H. C. 58, 6; Impf. Cj. 3. Sg. Pl. peust Desch.
130; pgussent H. G. 121, 17; Pf. 3. Sg. pl$ut Cuy. 22560; Impf.
Cj. 3. Sg. pleut (sic!) ib. 123; Pf. 1. Sg. sc$n sceus Desch. 34;
3. Sg. scent H. C. 8, 15; 41, 25; Cuv. 260. 663T 7068. 7112;
sgeyt Desch. 244; 3. Pl. sceurent H. C. 41, 23; Cuv. 15412;
seurent H. C. 238, 5; Impf. Cj. 3. Pl. sceussent Cuv. 17032; Pf.
37 Sg. t^t H. C. 93, 12.
Von den wenig zahlreichen Fällen wirklich graphisch voll¬
zogener Syncope des Stammvocals waren einige Belege:
Impf. Cj. 3. Pl. dassent Desch. 251; — Impf. Cj. 3. Sg.
regust Fr. I. 113; 3. Pl. rechussent ib. I. 114; — Pf. 3. Sg. chut
Desch. 64; — Pf. 3. Sg. put Fr. I. 74; 1. Pl. pusmes ib. I. 185;
3. Pl. purent ib. I. 40. 76; — Pf. 3. Sg. plut Desch. 182.
Die letzte Erscheinung, deren wir oben hinsichtlich der
Hiatusverhältnisse im starken Perfect gedachten, war das Ein¬
dringen des Hiatus in Formen, denen er eigentlich fremd sein
soll. Es zeigt sich in einer Reihe von Fällen, besonders bei
Froiss., der Stammvocal e auch den stammbetonten Formen
eingefügt, welche somit durch falsche Analogie den flexions¬
betonten angebildet scheinen. Für die dritte Perfectklasse hat
dieses Auftreten des Stammvocals etwas Berechtigtes, da ja dort
die betreffenden Personen denselben ganz eingebüsst hatten uud
dies secundär sein mag: es schliesst sich auch nicht nur die
oben erwähnte Sonderklasse (savoir awoir pooir ) jener Trennung
der Personen nicht an, sondern manche Dialecte führen sie
überhaupt bei der U-Bildung nicht durch und behalten den
Stammvocal allenthalben ausser in 1. Sg. bei.*) Für die erste
und zweite Klasse hingegen ist ein derartiges Verfahren durch¬
aus widersinnig, da auf diese Weise der lateinische Stamm¬
vocal phonetisch oder wenigstens graphisch doppelt ausgedrückt
erscheint.
So lesen wir für 3. Sg. Pl. Perf.: veit Fr. I. 9; vei ib. I. 14;
pourvei Cuv. 18048; pourvei Fr. I. 12; veirent ib. I. 20.**) —
*) Vgl. Burguy II. 6. Das Gebiet für dieses Verfahren soll ein
Strich im nordwestlichen Frankreich sein.
**) Nur die Formen von veoir lassen noch eine andre Erklärung zu:
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272 Knaubh. Beiträge z. Eenntniss d. franz. Sprache d. XIV. Jahrh.
feist ib. I. 139; promeit ib. I. 178; — dgttf H. C. 4, 19; deubt
Fr. I. 113; deurent ib. I. 53; — apercheu H. C. 74,10; aperc$ut
Cuy. 711; percetU ib. 105. 18478; rec^upt ib. 93; receut ib. 6474.
6575. 22684; receyrent ib. 16844; recheurent H. C. 238, 11; —
congneut Fr. I. 9; reeongneut ib. I. 368; congnenrent ib. I. 104; —
esmetU Cuv. 6512.
Die Beispiele aus der ersten und zweiten Perfectklasse
sind durchaus charakteristisch für die Uebergangszeit mit ihrer
ungeschickten Formenvermischung. Dem modernen Princip der
Hiatustilgung aber, dessen erste Ansätze wir im Vorausgehenden
verfolgten, laufen die sämmtlichen Bildungen direct zuwider,
und dass die moderne Sprache von ihnen nichts wissen kann x .
ist daher selbstverständlich.
0. Knauer.
(Schluss folgt.)
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Der Troubadour Marcabru.
(Fortsetzung.)
4.
Es sind noch zwei und dreissig von Marcabrus Gedichten
übrig, die im ganzen denselben moralisierenden Character
haben. Sie enthalten Klagen über die zunehmende Verderbtheit
der Welt. Wie sittenlos in der That diese Zeit war, zeigt
recht anschaulich das von Bartsch in dieser Zeitschrift 6, 231
geschilderte Leben des Troubadours Wilhelm von Bergueda.
Marcabrus Worte sind meist ganz allgemein gehalten,
dieselben Klagen kehren immer wieder. Verschwunden ist
Jugendsinn (joves), Freigebigkeit (donar), Freude und Lust
(joi, deport), Trefflichkeit (proeza), Tüchtigkeit (valor), höfisches
Wesen (cortezia). Statt dessen fuhren Schlechtigkeit (malvestat ,
avoleza), Habsucht (cobeida), Geiz (escarsedat), Betrug (enjan),
Faulheit (tmailla) das Scepter. Marcabru liebt es, diese Be¬
griffe zu personificieren und gibt, meist in allegorischem Ge¬
wände, über das eben angeführte Thema stets neue Varia¬
tionen. Einige Beispiele mögen dazu dienen, seine Art zu
veranschaulichen.
'Ueber eine Sache wundre ich mich, dass ich Geiz und
Betrug immer keimen und blühen sehe. Nach welcher Seite
ich mich auch wende, höfisches Wesen und feines Benehmen,
Werth, Tüchtigkeit und Lust sehe ich auf keiner Seite her-
schen. Dieser Verleumder schneidende Zungen, die Gott ver¬
nichte, machen Trefflichkeit schwankend und fördern Schlech¬
tigkeit. Aber den braven sage ich und will sie bitten, dass
keiner sich zu jenen halte, wenn er in Trefflichkeit bleiben
will.' (Oimais dei esser alegrans.)
* Jugend wird treulos und trügerisch, Freigebigkeit geht
zu Grunde, es ist eine ausgemachte Sache, dass Tüchtigkeit
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274
H. Slthter.
wankt, und Schlechtigkeit Mutter und Tochter beherscht/
(Bel tries quan la failla fana.)
' Jugend hat kein Leben, denn getroffen haben sie zwei
Pfeile: Schlechtigkeit und Habsucht, innen zwischen Herz
und Galle, und schwer ist ihnen herauszukommen, denn nicht
lässt sie sich heilen von Gemeinheit und Faulheit/ (Quan
Vaura doussana bufa.)
'Ich glaube, die Welt wird nicht mehr lange bestehen nach
den Worten der Schrift, da der Sohn dem Vater untreu wird und
der Vater dem Sohne. Jugend ist von ihrem Wege abgeirrt, so
dass sie verfallt, und Freigebigkeit, ihre Schwester, macht sich
heimlich aus dem Staube/ (Dirai vos en mon lati.)
'Ich höre nicht Sang noch Widerhall und sehe keinen
Zweig mit Blüthe. Doch habe ich einen seltsamen Ruf ver¬
nommen: von Freude, die sich beklagt, dass sie von Schlech¬
tigkeit gezüchtigt wird. Trefflichkeit ist verbannt, und die
besten sind nichtswürdig/ (Per Vaura freida que guida.)
'Werth ist ganz heruntergekommen und in das Kehricht
gefallen. Seitdem Geld Rom käuflich macht, glaube ich, dass
sie nicht Nutzen davon haben werden, die von dieser Gefahr
die. Schuld tragen. Schlechtigkeit trägt den Schlüssel und
jagt Trefflichkeit in die Verbannung. Die meisten dieser fleisch¬
lichen Welt haben Jugend vertrieben (?), so dass ich keinen
finde, was mir sehr leid ist, den cortezia behersche mit bie-
derm Herzen, so dass sie sich nicht zu beklagen brauchte/
(La vers comens quan vei del fau.)
'Ich wage es nicht, nach meinem Wunsche von einem
Geschlechte zu reden, das sich gemein macht, das Schlechtig¬
keit zerbricht und zerrüttet. Denn unter Tausenden finde ich
nicht vierzig deren, die Trefflichkeit lieben. In einem Schlosse
haben sie dieselbe belagert und schiessen auf sie mit hundert
Steinschleudrem ... Jeder ruft: Feuer und Flamme! Drauf!
Hinein! Nehmt sie gefangen! Stürzen wir Freude und Jugend,
und Trefflichkeit werde getödtet! ... Die edle Sache (la
fromm causa) ist gefangen und findet nicht Frieden noch
Ruhe, wenn sie nicht Einsiedlerin oder Nonne wirdl Jeder
zerreisst sie und zerbricht ihr die Zähne, und ich weiss ihr
nur einen Verwandten von Portugal bis Friesland. Herzoge
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Der Troubadour Marcabru.
275
und Könige fürwahr haben ihr zuerst den Mund verschlossen.
Von einer kleinen Handlung machen sie grossen Lärm. Sie
schämen sich der Freigebigkeit/ (Bel m'es quan la ram chanfa.j
Ausgeführter ist die Allegorie in zwei Gedichten.
Das eine vergleicht die Welt mit einem Garten und hat
als Refrain die Worte Weide und Holunder . 'Ich bin nach¬
denklich über einen grossen Garten, wo es manche gute Pflan¬
zen gibt. Zierlich sind die Pfropfreiser und die Früchte
fleischig, die misrathen sein sollten. Blätter und Blumen er¬
scheinen am Apfelbaume, am Reifen sind Weide und Holun¬
der, und da der Kopf hol (badalucs) ist, sind die äussem
Glieder traurig. Todt sind die ersten guten Bäume und die
überlebenden sind Zweiglein und Halme.... Geschäftig sind sie
sich zu tummeln, mit Versprechungen sind sie prahlerisch,
beim Halten — Weide und Holunder, daher heissen sie Schlaf¬
mützen und Schreier bei mir und allen andern Söldnern . . .
Ich weiss, die Todten waren ihnen überlegen, und die meisten
der Lebenden sind achter Holunder , und glücklich könnt ihr
den nennen, der Lorber und Olive findet ... Die Braven schütze
Gott, die vollen Werth haben. Die mächtigen Bösewichte glei¬
chen dem Holunder, daher die Welt hol (badalucs ) ist, woraus
Unheil und Wirrsal entsteht. 5 (Al departir del bau tempier.)
Im andern wird die zunehmende Sittenlosigkeit mit einem
Baume verglichen, der sich überallhin ausdehnt. 'Er ist hoch
und gross, verzweigt und belaubt und wunderbar gewachsen,
und er hat so die ganze Welt eingenommen, dass ich mich
nach keiner Seite wenden kann, ohne zwei oder drei seiner
Zweige zu sehen. Daher hat er sich so erhoben und nach
allen Seiten ausgedehnt, dass er über die Pyrenäen gekommen
ist bs nach Frankreich und Poitou . Und er ist in solche
Sicherheit gelangt, ich sage die Wahrheit nach meiner Mei¬
nung, dass er stets sein Grün bewahren wird. Er hat so fest
Wurzel gefasst, dass er schwerlich jemals abgehauen wird, denn
die Wurzel ist Schlechtigkeit, wo Jugend ganz im Elend stirbt.
.. . Ich wundre mich über die Machthaber, deren so viele jung
und alt, Könige, Grafen und Admirale (amiratz) und Prinzen an
dem Baume hängen. Denn sie knüpft daran Geiz (escarsedatz, der
Reim verlangt aber ein W 7 ort auf — es), der ihnen das Herz
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276
H. SUCHIER.
so erschlafft, dass keiner mehr entrinnen wird. Jugend ward
einst keck genannt, aber jetzt ist sie so abgefallen, dass sie
nie wieder so sehr zu Ehren kömmt, dass ihr Freude gezeigt
wird. Denn Schlechtigkeit hat sie besiegt, dass sie ihr nicht
wieder entrinnen konnte, seit Recht und Treue von ihr wich/
(Pos Vivems d'ogan es anaz.)
Auf einen Punct kömmt Marcabru in allen didaktischen
Gedichten zurück. (Nur in Al departir und Aujaz ist keine
Rede davon, doch finde ich auch im letztem Gedichte V. 15
eine Andeutung.) Es ist diese die Klage darüber, dass es an
der Tagesordnung sei gegen Liebe und Ehe zu sündigen.
Auch hier zeigt er dieselbe Neigung zu Bildern und
Gleichnissen.
Wol stirbt vor Hunger und Kälte wer von Liebe beklom¬
men ist. Liebe begehre ich nicht, noch ersehne ich sie, so¬
viel Betrug versteht sie mit Lügen ... Wol ist von thörichter
Last beladen, der um Liebe in Unruhe ist. Herr Gott, wie
unselig ward der geboren, der sich von solcher Thorheit nährt.
(Ans gxiel terminis verdei.)
Schon Diez hat S. 48 Beispiele solcher Redeweisen an¬
geführt aus dem Liede Dire voil senes doptansa, in welchem
die Vergleiche am meisten gehäuft sind.
Auf diesem Gebiete geht Marcabru auch ins einzelne.
Er tadelt die Liebe, die unbeständig ist und nicht an einem
Gegenstände festhält (El son V. 3—6, 9—12); die Liebe, die
mehrere zu gleicher Zeit umfasst (Cortezamen V. 27—30 Eire
voü)] die Liebe, die um Geldes willen sich hingibt (Ans qael
V. 26. L’ivems V. 33-36).
Wollen wir nun Marcabrus Ansicht über die Liebe wei¬
ter verfolgen, so werden wir, um ihn zu verstehen, von den
Anschauungen seiner Zeit ausgehen müssen, indem er sich
als ein strenger Sittenrichter damals herschender Zustände
zeigt. Es wird hier am Platze sein, das eigenthümliche der
ritterlichen Liebe kurz hervorzuheben.
Da die jungen Mädchen des Adels im Mittelalter fast
vollständig vom Verkehre mit der Männerwelt abgeschlossen
wurden, brachten die unverheiratheten Männer ihre Hul¬
digungen den Frauen dar. Nun lag zwar nahe, dass sich
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Der Troubadour Marcabru.
277
der Gemahl ein solches Verhältnis verbat; aber gleichwol
entstand die Sitte, adliche Frauen in Liedern zu preisen, und
der Mann musste sich um so mehr gedulden, als es einerseits
für ihn eine Ehre war, wenn seine Gattin den gefeierten
Mittelpunct von Liedern bildete und ihm andrerseits das Recht
blieb, selbst mit der Frau eines andern ein gleiches Verhält¬
nis zu beginnen. Dass aber die Sänger sich mit der Erlaub¬
nis, der Dame ihre Lieder zu weihen, nicht begnügten, ist
leicht begreiflich, und so geschah es denn, dass wie der
Ritterstand die Adelsstufen, so die Liebe die ehelichen Ver¬
bindungen durchkreuzte. In dieser Form findet sich die Liebe
zuerst in Stidfrankreich ausgeprägt. Bald aber ist diese Mode¬
krankheit über die Pyrenäen und über die Loire, über den
Rhein und endlich über die Alpen gedrungen und hat überall
das ritterliche Leben und die höfische Dichtung angesteckt.
Wie es scheint, ist England bis zu einem gewissen Grade
und nur der Skandinavische Norden ganz verschont geblieben.
Zwar war es keineswegs erforderlich, dass die Geliebte
verheirathet war, aber bei weitem die meisten Troubadours
haben Frauen geliebt. Brachte aber ein Mann einem Fräulein
seine Huldigungen dar, so schwanden seine Ansprüche durch¬
aus nicht, wenn die Dame verheirathet wurde, im Gegentheil
bekam er erst dann das Recht, die höchste Gunstbezeugung
sich auszubitten.
Wie ist diese auffallende Erscheinung zu erklären, dieses
Ideal der Liebe, dem der Ehebruch unentbehrlich ist, und
das doch die ganze ritterliche W'elt beherscht hat? Denn
auch in den Artusromanen liegt dieselbe Anschauung vor,
welche die Ehe als kein Hindernis der Liebe zu einem dritten
ansieht, und auf beiden Gebieten, auf dem des Romans und
dem der Lyrik, haben sich dieselben Vorstellungen ganz unab¬
hängig von einander und auf getrenntem Boden herausgebildet.
Manchen hat gewis der Reiz der Gefahr angezogen, den
ein solches Verhältnis nun einmal, mit sich brachte, und der
sich in der That kaum verlockender schildern lässt, als dieses
in den Albas oder Tageliedem geschieht.
Gaston Paris (rev. crit. 1874 S. 133) erklärte die Frauen¬
verehrung (la courtoisie) als eine von den christlichen und
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278
H. SüCHIER.
ritterlichen Anschauungen bewirkte Readion gegen den Mi߬
brauch der Gewalt , der sich noch im Culturzustande des
10. Jahrhunderts zeigt, und den uns manche Nordfranzösische
Chansons de geste so lebhaft vor Augen führen. Vielleicht
dürfen wir die ritterliche Liebe eine Readion gegen die Con-
ventionsheirathen nennen, die im Mittelalter durchaus im Adel
herschend waren und ja auch heute noch den schlimmsten
Feind ehelicher Liebe bilden. Eine Ehe, in der ein Mädchen
der Stimme ihres Herzens entgegen verheirathet wird, bringt
die arme um den schönsten Duft ihres Jugendglücks und hat,
wo nicht ein starker moralischer Kern vorhanden ist, noch
heute oft genug ein aussereheliches Liebesverhältnis zur Folge.
Natürlich, nachdem die höfische Liebe einmal ausgebildet war,
blieb sie nur als eine fortgepflegte und weiter gebildete Mode.
Für ihre Anfänge aber können wir mit Bestimmtheit anneh¬
men, wenn die Mehrzahl der Provenzalischen Frauen in einer
ihrem Herzen zusagenden Ehe gelebt hätten, die Entstehung
einer solchen Mode wäre nicht möglich gewesen. Odieme
von Tripolis und Margarete von Ventadour, von denen ich
wahrscheinlich gemacht zu haben glaube, dass sie Liebesver¬
hältnisse mit Troubadours unterhielten, lebten mit ihren Gat¬
ten in Zwiespalt. Vielleicht war Margaretes Verhältnis zu
Bernhard das wahre Motiv, das Ebles bewegte, sich von ihr
scheiden zu lassen.
Was nun Marcabrus Ansicht über die ritterliche Liebe
betrifft, so verurtheilt er auf das entschiedenste das Buhlen der
Ehemänner. Mit den kräftigsten Ausdrücken zieht er gegen
sie zu Felde und verschmäht auch die anstössigsten Worte nicht.
'Ich will nicht unterlassen den Beweibten ihre bekannten
Vergehen vorzuhalten. Ich weiss nicht, welche Autorität sie
lehrt Buhlen zu sein. Sie gleichen dem galanten Esel, der
mit seinem Herrn zu spielen gedachte, als er ihn mit seinen
Hunden springen sah.’ (Pos l’ivems.)
'Beweibte, die besten auf der Welt wäret ihr, aber ihr
macht euch ein jeder zu Buhlen, was euch verwirrt, und ver¬
tauscht werden die Weiber. Daher ist Jugend entstellt (?),
und man nennt euch Hahnrei. Den Ruhm des Schadens und des
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Der Troubadour Marcabru. 279
Betrugs, wohin ich auch gekommen bin, haben die Beweibten/
(Al prim.)
Liebschaften verheiratheter Frauen verdammt Marcabru
keineswegs im Prinzip, wie man demnach erwarten sollte.
Vielmehr was dem Manne verboten wird wird der Frau er¬
laubt. Die Frauen werden nur getadelt, wenn sie mit frem¬
den Ehemännern Verhältnisse eingehen, und wenn sie ihre
Liebe an einen Unwürdigen wegwerfen.
'Die falschen Richter, die Räuber, die falschen Ehemänner,
die Meineidigen, die Mörder, die Verläumder, die feilen Zungen,
die Klosterzerstörer und jene geilen Personen, die nach den
Gatten andrer lüstern sind, werden den Gewinn der Hölle
haben/ (Pos mos coratge)
Das Gedicht Soudadier per cui es jovens hat kein andres
Thema als die putaria.
'Ebenso sind die Frauen trügerisch und verstehen zu trü-.
gen und zu lügen. Daher lassen sie fremder Männer Kinder
von ihren Gatten grossziehen. Daraus entstehen die schlech¬
ten Gedanken, dass nicht einer Freude noch Lust liebt, und
man nicht wagt unter sich davon zu reden/ (Oimais dei
esser alegrans)
Marcabru richtet seinen Tadel besonders gegen die Be¬
wachung der Frauen durch eigens dazu angestellte Wächter,
sogenannte Guirbauts , zumal wenn die Ehemänner, die ihre
eignen Frauen einsperren, zu gleicher Zeit die Frauen andrer
umschwärmen. (El son) Ein solcher darf sich nicht darüber
beklagen, wenn ihm die eigne Gattin untreu wird. (Bel m 9 es
qt«m la rana chanta.)
'Manche Vornehme schliessen ihre Weiber in Häuser
ein, auf dass kein fremder eintreten könne und halten Guir¬
bauts am Kamine, denen sie befehlen, die Frauen zu bewachen.
Aber wie Salomo sagt, können sie keine schlimmem Diebe
bekommen als diese Burschen, die den Sprössling zum Kuckuk
machen, und sie verziehen die kleinen Guirbauts (lor Guirbaur
dos ) und meinen ihren Söhnen Liebe zu erwecken/ (. L’autrier
a Vissida d y abriu)
'Eine Dame kennt nicht wahre Liebe, die den Guirbaut
des Hauses liebt. Ihre Begier macht ihn hündisch, wie die
Jahrb. f. rom. u. engl. Lit. N. F. II. 19
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280
H. SüCHlEB.
Windhündin den Köter. Daraus entspringen die erbärmlichen
Grossen, die nicht Mahl noch Gabe spenden\ (L’ivems.)
Wie hier die Schlechtigkeit der Grossen aus ihrer Ab¬
stammung von Guirbauts erklärt wird, so betrachtet auch
sonst Marcabru unwürdige Liebschaften der Frauen als den
Quell aller der Uebel, die er sonst bekämpft. Ein Geschlecht*
das aus unreinem Samen erwachsen, könne nicht bieder sein.
(Lcmqmn cor V. 36—37. Per l’aura V. 23 — 24. Bel m’es
quan la rana chanta V. 57—60.) Daher schreibt er, wenn
die Schurken Jugend aus ihrer Wohnung vertrieben haben,
die Schuld davon der Mutter zu (Aujaz V. 16).
Die Liebe, die sich der angeführten Vergehen schuldig
macht, nennt Marcabru die falsche Liebe (fals’amor) und sieht
als ihre eigentlichen Verfechter die Troubadours an, die er
Schurken, glatte Zungen, Zerstörer wahrer Freundschaft (tor-
.badors d’amistat fma) nennt (Per Vaura).
* Troubadours mit kindischem Sinne erregen Kummer bei
den Biedern und züchtigen, was Wahrheit an die Hand gibt,
und machen die Worte mangelhaft verwirrt und stellen auf
eine Linie falsche Liebe gegen ächte, während ich sage: wer
sich zur Liebe rüstet wird mit sich selbst uneins*. (Per savil.)
'Ich werde mich nicht wieder mit Herrn Ebles 1 ) Bande
abgeben, die ihre thörichte Gesinnung aufrecht erhält der
Vernunft zuwider. Denn ich sagte, sage und werde sagen was
Liebe und Lieben ruft, und wer Liebe tadelt lästert* (L’ivems.)
Mit grösstem Schmerze klagt Marcabru, dass sein ernster
Mahnruf wirkungslos verhallt 'Ich säe meine Strafpredigten
auf die wahren Felsen, die ich nicht keimen noch blühen säe.*
(Pos s’enfoillisson li verjan.)
Allein stand Marcabru mit seinen Anschauungen keines¬
wegs, obgleich er ausruft: 'Ueber diese Geisel beklagt sich
Marcabru ohne Gefährten.* (Lo vers comensa.) Aehnliche Kla¬
gen kehren auch bei einer Reihe von andern Troubadours
wieder. Freilich hat keiner so ausschliesslich und mit solcher
Entschiedenheit als Marcabru dieses Thema behandelt Ich
l ) Ich vermuthe, dass Ebles II. von Ventadour gemeint ist, an dessen
Hofe Marcabru war, ehe er zu Audric zurückkehrte.
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Der Troubadour Marcabru. 281
nenne Alegret (Ara pareisson l’arbre sec), Bemat de Yenzac
und Peter von Auvergne.
Die beiden Gedichte Bernhards von Venzac (das dritte
ist eine religiöse alba) wenden Ausdrücke und Vergleiche an,
die auffallend an Stellen aus Marcabrus Gedichten erinnern.
Bernhard erwähnt in dem einen (Ivems vai el tems tenebros)
einen Grafen Hugo (wol Hugo n. von Kodes 1156 — 95), in
dem andern (Pos vei lo temps fer frevoluc) einen Bischof von
Kodes (wol des Grafen Bruder Hugo). Vielleicht war er noch
Zeitgenosse Marcabrus.
Peters Verhältnis zu Marcabru ist ein Räthsel, zu dessen
Lösung ich nicht gelangt bin. Auch Peter hat didactische
Gedichte verfasst, die auffallend an Marcabrus Art erinnern.
In Abans queil blanc poi sian vert beklagt er sich über den
Verfall des joven, in Bela m’es la flors tfaguilen über das
Buhlen der Ehemänner, in En esbiu quan cridal jais über die
falsche Liebe. Dass die Frauen sich wegwerfen bildet wie
bei Marcabru auch bei ihm den Grund des Verfalls. 'Ein
Gatte, der einen andern Gatten leiden lässt, muss denselben
Geschmack empfinden, denn theuer soll kaufen wer theuer
verkauft. Und der Eifersüchtige setzt ihr Wächter, der ihm
sein Weib schwanger lässt von einem Guirbcmdo , eines Guir-
baut Sohne. Daraus entspringen die Elenden, dass keiner
Werth noch Tüchtigkeit liebt. Ach! wie haben sie Jugend'
sinn heruntergebracht * (Bela m’es). 'Wol weiss grünes Gras
zu weiden eine Frau, die den Gatten anklagt, um ihre schlechte
Handlung zu verheimlichen. Daraus entspringt das verlassene
Geschlecht, dass keiner von Trefflichkeit zu reden wagt. Aber
schlechte Frucht gibt schlechten Geschmack ... In Wölfe
sind die Hirten gewandelt, die die Schafe hüten sollten 9
(Abans).
Peter unterscheidet im Schlüsse eines Minneliedes (Ab
fina joia comensa) zwischen einem Lieben 'nach Gascognischer
Art und nach unsem Gesetzen* (tal dompna dm sui amaire
non ges a la lei Guascona: segon las nostras amam). Ich weiss
diese Stelle ebensowenig zu deuten als das Gedicht Bel m’es
quan la roza floris, das für Peters Verhältnis zu Marcabru
von besonderm Werthe sein müsste. Diez glaubt S. 49, mit
19*
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282
H. SüCHlKR,
dem, der die Freude der Welt stört und der Sohn einer nie¬
drigen Creatur ist, sei Marcabru gemeint. Aber dann ist
jedenfalls sehr auffallend, dass es am Schlüsse heisst: 'Mar¬
cabru hat mit grosser Vollendung in gleicher Weise gedichtet*.
Peter lag wol ein Gedicht Marcabrus in gleicher Form vor,
obwol unter Marcabrus erhaltenen Gedichten keins in der
Form mit Bel rries quan la roza floris übereinstimmt. Nach
Diez ist auch im Schlussvers von Marcabru die Rede, aber
dann müsste statt des Praesens nais vielmehr das Perfectum
stehen. Ich theile das Gedicht hier mit.
Der Kaiser, der in V. 12 erwähnt wird ist der 1157 ver¬
storbene Alfons VIII. Der in V. 8 angeredete König ist Sancho
III. von Castilien (1157—8). Das Gedicht ist nicht lange nach
Alfons Tode verfasst. (Milä S. 82.)
Handschriften: E Paris 1749 S. 52 b . T Paris 15211
Bl. 152 Beide stammen aus einer Quelle vgl. V. 8.
Bel m'es quan la roza floris,
El gens terminis s'enansa.
Fas un vers a m’aventura
Don mos cors es en balansa
5 Pel dous chan del rossinhol,
C’aug chantar la noit escura
Per los vergiers e pels plais.
Reis, per Crist! ja n[o]s fail l[o rjisr,
Quar Masmut no3 fan sobransa.
10 Coms ni dux non senh sentura
Meils de vos feira de lansa.
Per l’emperador me dol,
C ; a moutas gens fei fraitura;
Tals en plora que n'a jais.
16 Vostre coratges s'eBclarzis,
Quar n’avetz bon’esperansa.
Sobre paguans, gen tafura,
Cavalguatz eenes duptansa.
4. em belansa T. — 6 . pels T. — 6. nueit E, nuot T. — 7. uer-
durs E; pels v. e pels plans T. — 8. crestians faillitz E, cristians fellis T.
— 9. Masmutz - faun E; mas tau 9 T. — 11. mieils E. — 13. car T. —
17. gens E. —
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Der Troubadour Marcabru.
283
Premiers penretz Labadol l ),
20 E si anatz a dreitura
Tro a Marroc, feiran lais.
Sei quel joi del setgle delis,
Vei que son pretz dezenansa.
Fils es d’avol criatura
25 Que fai ayol demostransa
E per tan non baisal col,
Quar gitatz es a noncura;
Estai mais entrels savais.
Per mi non die tan m'abelis
30 Quan vei mout gran alegransa.
Amors vol calonjas, dura
E nön pot aver fizansa,
Sil camal amar non vol.
Quar vei que cors non a cura
35 Mas de senhor que engrais.
Chantadors, lo vers vos fenis.
Aprendetz la comensansa!
Marcabru s per gran dreitura
Trobet d’altretal semblansa,
40 E tengon lo tug per fol
Qui no conois sa natura,
E noill membre perques nais.
19. penres E, prenet 9 T. — 20. ab E. — 21. fieran E; dretf a
mon roc faran T. — 26. per ce fai auol mostransa T. — 26. ni p. t. nom
abasal c. T. — 28. etrals T. — 30. molt E. — 31. amars T; canlongias
T. — 32. no pot hom a. f. T. — 33. cel E , si T; armar E , arma T.
— F. 39—42 sind in E bis auf die Buchstaben — gon lo tug — o ill
mem — ausgeschnitten. — 40. tengola tut T.
Dass Marcabrus Sittenpredigten die Angriffe seiner Zeit¬
genossen zur Folge hatten deutet er selbst an. 'Von achter
Dichtergabe trage ich Feuerstein, Zunder und Stahl. Aber
die geringen Troubadours, die Zänker, die Störenfriede machen
meinen Sang lächerlich * (Lo vers comens). Noch im 13. Jahr¬
hundert wird Marcabru öfter wegen seiner Schmähreden auf
die Liebe getadelt. So in der oben angeführten Lebensnach¬
richt, so von dem Verfasser des Breviers der Liebe (vgl. Chr.
l ) l’abadol? Tarestol vermuthet Milä.
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284
H. SlJCHIEB.
proy. 318,25 ff. und Mahn Ged. I. S. 186). Matfre versichert,
dass Marcabru im Pfuhl der Hölle weile, da er in seinem Leben
das Böse, das er von der Liebe gesagt hatte, nicht zurückgenom¬
men noch ob seiner sündigen Schmähreden auf die Liebe Reue
gezeigt (a. a. 0. S. 187). Trotzdem citiert er ihn an andern
Stellen als Autorität.
Aus dem Ende des 12. oder dem Anfänge des 13. Jahr¬
hunderts haben wir ein Gedicht des Yizgrafen Raimon Jordan
von Saint-Antoni, das die alten Troubadours widerlegen soll,
welche die Liebe und die Frauen geschmäht haben. Da Mar¬
cabru als der Repräsentant dieser Richtung angeführt wird,
theile ich das Gedicht hier mit.
Handschriften: A Paris 856 Bl. 154*. B Y. 11—20. 1—10
citiert im Breviari d’amor Mahn Ged . 18 . 186 . 207 und Jahrbuch
V 402 . 404* Ich habe auch die vier Pariser Handschriften des
Breviari verglichen. A und B stammen aus derselben Quelle,
vgl. V. 17. 18.
Nom puesc mudar no digua mon vejaire
D’aisso don a j al cor molt gran dolor,
Et er me molt mal e greu a retraire,
Quar aquist antic trobador
6 Qu’en son passat, die que son fort peccaire,
Qu’ilh an mes lo segl’en error,
Que an dig mal de domnas a prezen,
E trastug silh qu’o auzon crezols en
Et autreyon tug que ben es semblansa,
10 Et aissi an mes lo segl’en erransa.
E tug aquist que eron bon trobaire
Tug se fenhon per lial amador.
Mas ieu sai be que non es fis amaire
Nuls hom que digua mal d’amor,
16 Enans vos die qu’es ves amor bauzaire
E fai Tuzatge al trattor
TCel] que de so, on plus fort s'[i]aten,
[Plus] ditz [de] mal aissi tot a prezen.
Quar neguns hom s’avia tota Fransa
20 No pot ses don’ aver gran benestansa.
1. No p. A. — 2. iror? error. A. — 12. per lial fehlt B. — 20. bena-
nanssa B.
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Der Troubadour Marcabru.
285
E ja nulhs hom que sia de bon aire
No sufrira qu’om en digua folhor.
Mas silh que son ves amor tric e yaire
Ho tuzonon 1 ) e sen tenon ab lor.
25 Quen Marcabrus a ley de predicaire
Quant es en gleiza ho denant orador
Que di gran mal de la gen mescrezen,
Et el ditz mal de donas eis samen;
E die vos be que non les grans honransa
30 Seih que ditz mal d’aisso don nays enfansa.
Ja no sia negus meravellaire,
S’ieu aisso die ni yuelh mostrar alhor
Que quascus hom deu razonar son fraire
E quega domna sa seror,
35 Quar Adams fo lo nostre premier paire
Et [nos] avem damidieu ad auctor.
E s’ieu per so vuelh far razonamen
A las domnas, no m’o reptes n7en.
Quar dona deu az autra far onransa,
40 E per aisso ai n'ieu dig ma semblansa.
24. hocaizonon? —- 34. Hs. que ja, — 39. Hs. razonansa.
Aber die erwähnten Dichter beurtheilen Marcabru ent¬
schieden einseitig, wenn sie ihn nur als Feind der Liebe dar¬
stellen. Auch Diez stellt Marcabru nur als Gegner der Liebe
hin, er scheint nur solche Gedichte gekannt zu haben, in
welchen dieser der falschen Liebe seine Waffen zukehrt. Aber
Marcabru bekämpft keineswegs die Liebe überhaupt, vielmehr
preist er die wahre oder ächte Liebe (ftn’ amor oder verai’ amor)
in sieben Gedichten, unter denen freilich keins ist, in dem
er nicht zu gleicher Zeit über die Schlechtigkeit und die
falsche Liebe Klage führte.
Marcabru bedient sich hier mit Vorliebe des didactischen
Ausdrucks. Wir können darin die ersten Spuren von der dem
Mittelalter eigenthümlichen Idee einer Wissenschaft der Liebe
(vgl. Diez, Beiträge S. 12) erkennen.
'Falsche Freunde, schlechte Liebhaber setzen die Liebe
herab und erhöhen das Verbrechen. Doch glaubt nicht, dass
s ) vgl. Lex. Rom. V. 367.
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286
H. SüCHIER.
Liebe schlechter werde, denn soviel ist sie werth als zuerst
Alle Zeit hatte sie ächte Farbe und stets dasselbe Aussehen.
Kein Mensch kennt ihres Werthes Ende noch Beginn/ (Bel
rries quan son li fruit madur.)
'So lange gute Jugend Vater der Welt und ächte Liebe
Mutter war, wurde Biedersinn aufrecht erhalten heimlich
und öffentlich, aber jetzt haben ihn erniedrigt Herzoge, Könige
und Kaiser ... Die Liebe, deren Vertreter ich bin, ist aus edler
Art entstammt/ (El son desviat chantaire.)
'Wer ein Lieb erkannt hat von einer einzigen Farbe, er¬
halte es weiss ohne Kränkung und ohne Nebel. Denn bunte
Liebe hat nach meiner Meinung verrätherische Sitte/ (En
dbriu.)
'Wer gute Liebe als Nachbarin hat und von ihrem Solde
lebt, Jugend und Tüchtigkeit neigt sich ihm und Preis ohne
Tadel, fester Sinn mit wahrer Rede, und nicht braucht er
besorgt zu sein vor dem trut dullurut n'Aiglina/ (L’ivems vai
el temps s’aizina.)
'Wer ohne Tücke Liebe beherbergen will muss mit
Höflichkeit sein Haus bestreuen. Er werfe Thorheit und
Ueberhebung hinaus. Werth und Freigebigkeit muss er zu
Dienern haben ohne Tadel/ (Lo vers comensa.)
'Liebe hat die Bedeutung von Smaragd und Sardina und
ist der Freude Gipfel und Wurzel. Denn mit Wahrheit herscht
sie, und ihre Macht waltet über aller Creatur. Dieser Gefährte
zeigt, dass $r nicht nach zwei Seiten hin wandelt, welcher
gute Liebe als Nachbarin hat mit süssem Sehnen eines Ver¬
langens, mit sicherm Vertrauen, mit weissem, hellem, wahrem,
reinem. Nach Wort, That und Aussehen entsteht sie aus
wahrer Herzlichkeit und verspricht sich und gibt sich hin,
wenn nur die Gabe sich nicht verschlechtert, und wer sich
ihr nicht nähert trägt den Namen eines Thoren/ (Per samt
tenc ses doptansa.)
'Hei! ächte Liebe, Quell der Güte! Weil du die ganze
Welt erleuchtost, bitte ich dich um Gnade vor jener Qual
(der Hölle) und vertheidige mich, dass ich dort nicht weile/
(Pos mos coratge s’esclarzis.)
Der Gegensatz der falschen und ächten Liebe kehrt immer
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Der Troubadour Marcabru.
L'87
wieder im prov. Minnesang. Weitläufig hat Matfre im perilhos
tractat davon gehandelt. Dass er auch den Deutschen Minne¬
sängern nicht fremd war, zeigt folgende Strophe Neidharts
von Reuenthal (hg. v. Haupt 32, 36):
Wllen dö die herren höher minne phlägen,
Und dö si bl herzenliebe gerne lägen,
Dö künde sl vor liebe der minne nicht betragen.
Nu ist ez an die valsehen minne komen.
Diu hät der werden minne ir lop benomen.
Niemen sol mich fürbaz vrägen.
Marcabrus Ansichten über die Liebe würden uns ohne
Zweifel viel deutlicher sein, hätten wir von seinen Erlebnissen
nähere Kunde. Gewis dürfen wir ihm nicht glauben, wenn
er versichert, er habe nie geliebt (im Schluss von Dire voil
senes doptansa). Wer mit solcher Erbittrung die falsche Liebe
verdammt, hatte gewiss herbe Erfahrungen aufzuweisen. Er
selbst gibt uns über diese nur wenige Andeutungen. Von
Liebe bewegt erscheint Marcabru ausser in dem oben be-
sprochnen Minneliede auch im folgenden Gedicht.
'Wer da will glaube thörichter Profezeiung! Nur be¬
wahre mich Gott vor Unbeständigkeit. Denn in solche Liebe
wage ich mich, wo es nicht Betrug noch Lärm gibt. Denn
Sommer, Winter und Frühling stehe ich in grosser Freude
und stünde in noch grösserer mit ein wenig Sicherheit. Nim¬
mer werde ich es glauben, und wenn es mir einer zuschwört,
dass Wein nicht von der Traube komme und man durch
Liebe nicht besser werde. Denn dass einer durch sie schlech¬
ter werde, davon haben wir nie gehört. Mein Werth ist er¬
höht durch die Beste, aber doch habe ich Bangen, so dass
ich nicht wage mich zu rühmen aus Furcht um das, darein
ich meine Hoffnung setze/ (Bel m’es quan son li fruit madur.)
Dass Marcabrus Hoffen zu Schanden wurde, erfahren wir
aus andren Stellen. Die Geliebte, welcher er den Staar als
Boten sendet (in der oben besprochenen Romanze Estomel),
wird in sehr üblem Lichte geschildert. Ueber eine Geliebte,
die ihm Qual und Kummer bereite, hören wir ihn auch in
den didactischen Gedichten klagen.
'Ich bin in Mühsal versetzt und auf die Wage gehoben
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288
H. SüCHIER.
von der hier, die mich bekümmert und in diesem Schwanken
hält, die mit süssem Geschmack die Worte ihres trügenden
Köders würzt. . Mit trügerischem Sehnen, mit Sprödigkeit
und Verwirrung nährt Liebe die Sehnenden, die sie dreht
und wälzt in Wirrsal. Denn mich hat eine anmassender
Weise mit solcher Anmassung genährt/ (Contra Vivem.)
'Wer jemals werth und liebevoll war um Frauen, der
mag sich wol davon lassen. Denn ebensoviel als er wird ein
Landstreicher bekommen, oder noch mehr, wenn er mehr er¬
ringen kann. Und ich könnte es wol beweisen durch meine
Dame na Cropafort , aber ich will sie nicht bloss stellen/ (Oimais.)
Marcabru sagt sich daher im Liede Ans quel tcrminis verdei
ganz von der Liebe los. 'Ich war ein Narr (Hs. fiüs) der Liebe
zu dienen, aber jetzt sind wir an der Scheidung. Um Liebe
pflege ich froh zu sein, aber sicher werde ich es nie wieder,
denn eine hat mich betrogen und verrathen, so dass ich mich
ganz davon lossage . 9
Vielleicht dürfen wir die Lieder, in denen er liebt 1 ) und
die ächte Liebe preist 2 ), in eine frühere Periode setzen, die¬
jenigen, in denen er sich über seine Geliebte beklagt 5 ), sich
von der Liebe lossagt 4 ) und schliesslich die Liebe überhaupt
verdammt 6 ), in eine spätere.
Marcabrus Satzbildung ist einfach und klar. Die Schwie¬
rigkeiten, die seine Sprache bietet, liegen in seiner Vorliebe
für gesuchte Vergleiche, seltne Worte und schwere Reime,
auf deren Anwendung er sich nicht wenig zu Gute thut.
Daher beginnt er ein Gedicht (Per savil): 'Für weise halte
ich ohne Zweifel ihn, der aus meinem Gesang erräth, was
jedes Wort aussagt sowie die Rede entfaltet, denn ich selbst
bin dem Irrthum ausgesetzt bei Aufklärung dunkler Rede*.
*) Lanquan fuelhon li boscatge.
*) El son desviat chantaire. Bel m y es quan son li fruit madur. En
abi'iu. L’ivems vai el temps s , aizina. Lo vers cotnensa. Per savil tenc
ses doptan8a. Pos mos coratge s , esclarzis. Wol auch Doas cuidas ai
compaignier.
*) Estomd. Contra Vivern. Oimais.
4 ) Ans quel terminis verdei.
b ) Dire voil senes doptansa.
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Der Troubadour Marcabru.
289
Der dunkle Ausdruck ist die Ursache davon, dass manche
seiner Lieder in der Ueberliefrung arg entstellt sind. In einem
Liede (A Valena del vent doussa) vermag ich nicht einmal mehr
die ursprüngliche Folge der Reime zu erkennen. Diez sagt
S. 47: 'Seine Lieder sind dergestalt mit Schwierigkeiten über¬
laden, dass wir kaum den vierten Theil derselben rein ver¬
stehen*. Um so mehr versteht es sich, dass für mich in den
meisten Gedichten das dunkle überwiegt, und nur eine kleine
Zahl mir ganz verständlich ist. Damit ist schon gesagt, dass
diese Arbeit eine erschöpfende Darstellung von Marcabrus
Leben und Dichten entfernt nicht zu geben vermag.
Wie mangelhaft Marcabrus Gedichte überliefert sind, lässt
sich daran erkennen, dass sich Stellen, wo Verse oder Stro¬
phen ausgefallen sind, nicht selten aufweisen lassen. Mehr¬
fach haben die Entstellungen sogar die Reime betroffen. Man
findet copaire 20, 23 statt eines Reimes auf — ada ; forvenir
21, 17 statt eines Reimes auf — as , matinada 24 Ä , 15 statt
— ia, salutz und escarsedatz statt zweier Worte auf — es 37,
33. 47. Ebenso findet man bei Jaufre marritz statt eines
Wortes auf — ir (Pro ai V. 15).
Stets einen einfachen, oft sogar anmuthigen Ton schlägt
Marcabru an, wenn er von der wahren Liebe spricht. Als
Beispiel mögen zwei Strophen dienen aus En abriu.
7 Qui a drut reconogut d’una color,
Blanc lo tenha ses ledenha 1 ) e ses brumor,
9 Quamors vaire 2 ) a mo vejaire a l’uzatge del trachor.
16 Si m’amia non crezia enganador,
Lauzengier ni malparlier encuzador,
18 Seus seria, sim volia, ses bauzia e ses error.
Von Marcabrus zwei und dreissig didactischen Gedichten
haben nur zehn rein didactischen Character. Eins ist eine
Tenzone mit Hugo Catola, in der Marcabru die fals’ amor an¬
greift, während Catola die Liebe vertheidigt. (Amics Marcha-
*) Hier taucht das von Paul Meyer im Boethius V. 73 entfernte
Wort wieder auf.
a ) Ueber vaire vgL die Anm. zu S. 307.
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290
H. SuCHIER.
brun car digam.) Zwanzig haben einen lyrisch-beschreiben¬
den Eingang. Sie beginnen mit Naturschilderungen und gehen
dann zum Theil ohne ersichtlichen Zusammenhang in Ausfälle
gegen die falsche Liebe und die Habsucht der Grossen über.
Noch auffallender ist der Anfang des Gedichts: L’autrier a
l’issida Sabriu. Hier bilden die ersten beiden Strophen den
erzählenden Eingang einer Pastorele, während die folgenden
mit Klagen über den Verfall der Jugend und die Bewachung
der Frauen fortfahren. Der Schäferin, mit welcher sich der
Dichter unterhält, sind diese Klagen in den Mund gelegt.
Solche Sirventese in Pastorelenform waren auch später noch
im Gebrauche, wie Guirauts von Bemeil Gedicht Lo dous
chan Sun auzel (Diez S. 146) und Paulets von Marseille
L’autrier m’anav’ab cor pensiü (Diez S. 583) beweisen.
Die erwähnten Naturschilderungen beziehen sich auf die
vier Jahreszeiten und lassen eine Eintheilung in Frühlings-,
Sommer-, Herbst- und Winterlieder zu, von denen die Früh¬
lingslieder die zahlreichsten sind (bei Marcabru zwölf) 1 ). Der
Monat ist nur in zweien genannt (En abriu , L’autrier a l’issida
Sabriu). Es ist der April, der dem Provenzalischen Dichter
dieselben Dienste leistet als dem Deutschen der Mai.
5.
Wilhelm VII. hat in seinen Gedichten fünf Verse an¬
gewandt: Verse von vier Silben mit männlichem Ausgang,
Verse von acht Silben mit männlichem Ausgang, Verse von
sieben Silben mit weiblichem Ausgang. Letztere kommen nur
in einem einzigen Gedicht vor (Farai chansoneta nova), wo
sie mit männlich ausgehenden Achtsilblem verbunden sind.
In den dreien mit Compaigno beginnenden Gedichten sind Elf-
silbler mit Fünfzehnsilblem verbunden, eine Form, der man
*) Ein Sommerlied ist Assaz m’es bei d temps essuich. Herbstlieder
sind; Bd mes quan la foilla fana. Bel m’es quan son li fruit madur.
Pos la foilla revirola. Winterlieder: Al prim comens dt l’ivemail (Ans
qud terminis verdei). Contra l’ivem que s’enansa. Lo vers comens quan
vei del fau. Per l’aura freida que guida. Ein formeller Unterschied
scheint zwischen Frühlings- und Winterliedem nicht zu bestehen.
Digitized by
Google
Der Troubadour Marcabru.
291
Keltische Grundlage zuschreibt. Von dieser Form abgesehen
haben also alle Verse, die Wilhelm anwendet, vier oder acht
Silben.
Von Cercamon haben wir vier Gedichte: eins zeigt nur
männliche Achtsilbler, in zweien sind männliche Achtsilbler
mit weiblichen Siebensilblem verbunden wie bei Wilhelm, im
vierten erscheint neben diesen beiden Versen zum ersten Mal
der männliche Siebensilbler.
Audrics Lied zeigt Vier- und Achtsilbler.
Mannigfaltiger werden die Formen bei Marcabru . Fünf
und dreissig seiner Gedichte zeigen nur die schon bei seinen
Vorgängern belegten Formen. Die männlichen Siebensilbler
bilden den einzigen Vers von Ans quel terminis verdei und
sind in acht Gedichten mit weiblichen Siebensilblem ver¬
bunden 1 ). Eins dieser Gedichte (Oontra l’ivem que s’enansa)
zeigt eine kunstvolle Reimverschlingung. Marcabru wendet
darin den grammatischen Reim an, die einzelne Strophe ist
reimlos.
Es bleiben also noch sieben Gedichte, die noch nicht be¬
legte Versformen zeigen.
Die Form, die Wilhelm VII. in den Gedichten Cowpaigno
anwendet, gebraucht Marcabru in En abriu. Bei Wilhelm
geht ein Reim durch das ganze Gedicht. Die Strophe besteht
aus drei Versen, von denen die beiden ersten elf Silben und
nach der siebenten Silbe eine (männliche oder weibliche) Caesur
haben, während der zweite Halbvers je nach der Beschaffen¬
heit der Caesur drei oder vier Silben hat. Der dritte Vers
hat fünfzehn Silben und nach der siebenten weibliche Caesur.
Nur das Gedicht Corwpaigno farai un vers lässt auch männ¬
liche Caesur zu. Bei Marcabru hat die Strophe genau die¬
selbe Gestalt, nur ist sie mit Binnenreim versehen, der an
derselben Stelle verschiedener Strophen ohne Unterschied
männlich und weiblich sein kann. Der Vocal der zweiten
Reimsilbe des weiblichen Binnenreims kann vor folgendem
l ) Die einsilbigen Refrains von L’ivems vai el temps tfaizina und
den dreisilbigen Escoutaz! von THre voil senes doptansa habe ich hier¬
bei nicht in Anschlag gebracht.
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292
H. SüCHIKR.
Yocal Elision (oder Synaerese) erleiden, (wie in den S. 289
angeführten Strophen). 1 )
Mit Binnenreimen andrer Art versehen hat Diez diese
Yersform in einem Französischen Gedichte nachgewiesen
(Altrom. Sprachdenkm. S. 125 vgl. auch Rochat im Jahr¬
buch XI, 74. 89). In der Provenzalischen Literatur erscheint
sie meines Wissens nur noch in drei Tenzonen:
Bertran vos c’anar soliatz ab lairos Mahn Ged. 534.
NAimeric [digatz] queus par d’aquest marques Arch. 34, 404.
N Aimeric queus par del pro Bertram flAurel Arch. 34, 404.
Da in den drei Tenzonen die letzten drei Reime jeder Strophe
dieselben sind (— aire), so scheint eine der drei Tenzonen
das Modell der beiden andern gewesen zu sein. Unter den
Verfassern der ersten Tenzone verstehe ich daher nicht wie
Diez S. 124 zwei alte Dichter Bertran und Augier, auch nicht
wie Bartsch die um fast ein Jahrhundert auseinander liegen¬
den Dichter Guilhem Augier und Bertran von Lamanon, son¬
dern Augier Figueira und Bertran d'Aurel.
Zu besprechen ist hier noch ein Gedicht Serveris, in
welchem ich jedoch die erwähnte Versart nicht zu erkennen
vermag, die Bartsch darin zu finden glaubte. Da ich weder
Miläs (S. 378) noch Bartschens Verstheilung (Jahrbuch IV,
340) billige, theile ich die erste Strophe nach meiner Vers¬
theilung hier mit und bemerke nur, dass wer will die zehn
kurzen Verse zu vier langen auf einen Reim (der aber mit
jeder Strophe wechselt) vereinigen kann. Meine Eintheilung
in fünf- und sechssilbige Verse wird durch die Form der
Tomadas bestätigt.
Taus afans pezans
E dans tan grans d'amor
Ay sens jay, qu’esmay,
Esglay mi fai, don plor.
! ) Die Handschrift 866 enthält hinter dem Gedichte En abrtu den
Anfang eines Gedichtes von P. Bremon (Bl. 346 c ):
En la mar sai anar e d’estiu e d’ivem,
E sai tan navegar, perque dreg me guovern,
O non cre que de re negus me descazern.
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Der Troubadour Marcabru.
293
5 Quar del car cors dar
Nom par m’ampar, qu’amar
Mi fai ses dar d’aussor.
Las! tan pas-m’al pas
Qu’al vas an; mas atras
10 Nom trairai per paor.
Marcabrus Gedicht Bel mes quan la foilla fana zeigt weib¬
liche Siebensilbler und weibliche Fünfsübler.
Die beiden Theile der Romanze Estomel haben weibliche
Siebensilbler, männliche Dreisilbler und weibliche Fünfsübler . *
Soudadier per cui es jovens hat männliche Achtsilbler,
weibliche Sechssübler 7 männliche Viersilbler.
Lo vers comensa hat männliche und weibliche Viersilbler,
männliche und weibliche Sechssübler. Dass in diesem und dem
vorhergehenden Gedichte Zehnsilbler mit Caesurreim vorliegen,
halte ich für wahrscheinlich, wage es aber nicht zu be¬
haupten.
Nur aus weiblichen Zehnsilblem bestehen die beiden
Gedichte, die noch übrig sind (Ben for’cib lui honiz lo ric
bamage , Aujaz del chan com enans se meülura), von denen das
eine in oder nach dem Jahre 1180 entstand.
Es ist eine Thatsache, die sich aus der zu Anfang dieser
Abhandlung festgestellten Reihenfolge der ältesten Troubadours
ergibt, dass sich des Zehnsilblers, des später so beliebten
Verses der Provenzalischen Canzone, kein Troubadour vor
Bernhard von Ventadour bediente. Den Beginn von Bern¬
hards dichterischer Laufbahn haben wir oben zwischen 1148
und 1152 angesetzt; dieselben Jahre können wir als die Zeit
ansehen, um welche der Zehnsilbler in die Provenzalische
Lyrik Eingang fand. Mit seinem Erscheinen scheint sich der
erste Einfluss Nordfranzösischer Dichtung auf die Provenza¬
lische Kunstlyrik geltend zu machen.
Eins der ältesten Gedichte in Zehnsilblem, das sich an¬
nähernd datieren lässt, ist das Sirventes Tostemps serai sirvens
pei m deservir von Augier de Vianes, das zwischen 1151 und
1155 gedichtet zu sein scheint. Augier ist vielleicht der erste
Troubadour, der sich in Oberitalien aufhielt.
Von der epischen Caesur des Zehnsilblers findet sich bei
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294
H. SüCHlER.
Marcabru nur ein Beispiel (Anjas V. 34). Bernhard von Venta-
dour hat die epische Caesur ganz verschmäht, offenbar weil
ein Wechsel der Silbenzahl bei gleicher Melodie dem Ge¬
sanges-Vortrag hinderlich sein musste. Statt ihrer führte er
die s. g. lyrische Caesur ein, indem er den Halbvers mit
epischer Caesur um seine erste Silbe verkürzte. Nur in dem
Gedichte Per Christ amor en gentil loc saubes findet sich die
epische (weibliche) Caesur in jedem 4. und 8. Verse der
Strophe. Hier hat sie Bernhard als Gesetz seiner Strophen¬
bildung eingeführt, so dass Bartsch (Sancta Agnes S. XXVII),
der diese Regelmässigkeit übersah, keineswegs berechtigt war,
dieses Gedicht Bernhard abzusprechen. Es ist meines Wissens
das einzige Provenzalische Gedicht, das diese Eigenthümlich-
keit der Form zeigt.
Erst weit später gelangte der Alexandriner in die Pro¬
venzalische Lyrik. Das älteste lyrische Gedicht in Alexandri¬
nern scheint von Guillem von Saint-Leidier zu sein. (Pos tan
mi fors amors que mi fai entremetre.) Die übrigen Gedichte in
Alexandrinern gehören dem 13. Jahrhundert an. 1 )
Was die Strophenbildung bei Wilhelm (W.), Cercamon (C.),
Marcabru (M.) und Jaufre Rudel (J.) betrifft, so gestatten
die vorhandenen Formen die Eintheilung in folgende zwölf
Klassen. 2 )
I. Eintheilige Strophen = A.
1) auf einen Reim
W. 3. 4. 5, M. 6. 23. 3 )
2) mit gepaarten Reimen
M. 8.
3) mit gekreuzten Reimen, deren Entstehung wol in der
mit Binnenreim versehenen einreimigen Strophe zu suchen ist
M. 9. 12.
*) Es sind folgende Nummern im Verzeichnis an Bartschens Grund¬
riss: 76, 12. 119, 9. 192, 1. 236, 11. 316, 5. 330, 20. 336, 64. 389, 36.
(Dieses Gedicht ist von Guillem de la Tor.) 487, 24. 34. 37.
*) Natürlich ist diese Eintheilung nur ein Versuch.
3 ) Die Nummern beziehen sich für Marcabru auf meine Liste (S. 132),
für die übrigen Dichter auf Bartschens Verzeichnis.
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Der Troubadour Mareabru.
295
II. Strophen aus zwei gleichen Theilen = AA.
(Die zweite Klasse und M. 12 von der dritten Klasse
lassen sich auch hierher ziehen.)
4) mit umarmenden Reimen
abb a abb a M. 3.
5) mit Schweifreim, der wol aus dem gekreuzten Reime
durch Wiederholung des ersten und dritten Verses herzu¬
leiten ist.
Ausser Audrics Lied gehören hierher M. 15. 16. 21. 39. 41.
III. Strophen aus zwei ungleichen Theilen = AB.
Der erste Theil übertrifft den zweiten stets an Umfang.
6) die einreimige Strophe um einen oder mehrere ab¬
weichende Reime am Schlüsse vermehrt.
um einen Reim W. 10, M. 5. 22.
um mehrere M. 30 (wo ich Binnenreim vermuthe).
42.
7) dieselbe Form, nur dass im ersten Theile der Strophen
statt Einreimigkeit Wechsel der Reime stattfindet.
abbaa-b l ) (Form scheinbar AB JL),W.8 J. 3 — abbcac-
de f C. 2 — abb c - d M. 2? — afebc-adM. 35 — ab a c d c -
de f 2 ) M. 33 — abb a-cd scheint die Grundlage von M. 14
zu bilden — abaa-efM. 4 — a abb - c c d M. 38. Str. 3.
4. — a abb - c cb Str. 7. — abb a - c c d J. 1 Form (A AB)
— ab c d - a c e J. 5.
Der erste Reim der Strophe kehrt gern als letzter wie¬
der 3 ): abb c - d d a C. 3 — aabb-ca M. 20 — a abb - c c a
M. 38 Str. 5. 6.
IV. Strophen aus zwei gleichen Theilen, denen ein un¬
gleicher vorhergeht = AB- B.
*) Dass hier der Schlussreim schon im ersten Theile der Strophe
vorkömmt, schien mir unwesentlich.
*) Griechische Buchstaben sollen eine abweichende Silbenzahl an¬
deuten.
8 ) Das in der mlat. Poesie und zum Theil auch in der Französischen
herrschende Gesetz, dass die mit männlichem Verse beginnenden Stro¬
phen mit weiblichem schliessen und umgekehrt, hat in der prov. Poesie
keine Geltung gehabt. Im Prov. stimmen der erste und letzte Vers der
Strophe in der Regel in der Reimart überein.
Jahrb. f. rom. u. engl. Lit. N. F. II. 20
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H. SüCHlBB.
8) die Strophenform der sechsten Klasse durch Wieder¬
holung der zwei oder drei letzten Verse vermehrt.
Zwei Verse werden wiederholt W. 2. 6. 7. 11. 12 1 ), M. 7.
27, drei M. 1. 28.
9) die Strophenform der siebenten Klasse durch Wieder¬
holung der zwei oder drei letzten Verse vermehrt.
(aab-c)-bc*) W. 1 — (aab-a)-ba M. 17 — (abbc-d)-cd
M. 25 — (a b a - ß) - a ß M. 31.
V. Strophen aus drei ungleichen Theilen = AB-C.
Der dritte Theil ist kürzer als die Summe der beiden
ersten.
10) die Strophenformen der achten und neunten Klasse in
dem ersten oder zweiten der gleichen Theile metrisch ge¬
ändert.
Die Aenderung findet im ersten Theile statt in M. 18.
(aaa-ö)-ad, wo d in d verkürzt ist, im zweiten Theile
in M. 24 (aaa-b )-yyyyyyß } wo die sieben kurzen Verse
die Wiederholung der beiden langem (ab) vertreten.
VI. Strophen aus zwei gleichen Theilen, denen ein un¬
gleicher folgt = AAB.
Der dritte Theil ist kürzer als die Summe der beiden
ersten.
11) die Strophenform der sechsten Klasse im ersten aus
vier Versen bestehenden Theile mit Kreuzreim versehen.
Scheint jünger als die IV. Abtheilung (A BB), da bei Wilhelm
kein Beispiel vorkömmt.
abab-cd C. 4 M. 34 — abab-ccd M. 26. 38.40. J. 2 —
abab-cdc M. 32. 37. — abab-cde M. 36. — abab-bcd J. 6.
Der erste Reim der Strophe kehrt als letzter wieder:
abab-cca M. 29.
Die meisten der hierhergehörigen Formen haben sieben
Zeilen.
*) Nach Bartsch entstand diese Strophenform aus der vierzeiligen
einreimigen Strophe, welche nach der dritten und vierten Zeile einen
refrainartigen Einschub empfing. (Jahrbuch XD. 3 ££)
*) Ich zerlege die Strophen in die Bestandteile, aus denen sie ent¬
standen zu sein scheinen; eine Zerlegung nach dem Schema (ABB)
wäre überflüssig.
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Der Troubadour Marcabru.
297
Man könnte auch die Formen mit gepaarten (aabb-ca)
und umarmenden Keimen (abba-cd) 9 die ich zur siebenten *
Klasse setzte, als besondre Klassen hierherziehen.
VII. 12). Folgende Strophenformen scheinen der Verdopp¬
lung eines Verses oder Reimpaares ihre Entstehung zu ver¬
danken. (Durch dasselbe Prinzip schien auch die fünfte Klasse
aus der dritten entstanden zu sein.)
oder abab-b^ C 1 (Form AAB oder
ABB)-a^ad-efe M. 10— a Jj^cd-de M. 11 — ®}&cdd-
ccb M. 19, wo der erste Vers gedoppelt, der vierte getheilt ist
ab\
ab)
(c\
Y c
c
cc-de J. 4 — ababab\c\bT&. 13. Wenn wir den Kreuz¬
reim aus dem Binnenreim ableiten (vgl. das über die dritte
Klasse gesagte), so müssen wir die letztere Strophe als aus
einer Strophe von vier Langzeilen (bbbb) entstanden ansehen;
die ersten Hälften der drei ersten Langzeilen wurden mit dem
Reime a versehen, während die vierte Langzeile ihre erste
Hälfte verdreifachte und mit sich selbst reimen liess
Die angeführten Strophen der siebenten Abtheilung haben
mindestens acht Zeilen.
Die vorstehende Klassificierung lässt erkennen, dass die
erste und die sechste Klasse den Ausgangspunct der Entwick¬
lung bilden; auf die erste Klasse gehen alle übrigen, auf die
sechste alle von 7 bis 12 zurück. Bei Wilhelm VH. sind nur
die 1. 6. 7* 8. und 9. Klasse vertreten; die übrigen mögen
zum Theil (etwa die 2. 4. 11. und 12. Klasse) erst nach ihm
entstanden sein.
Von den 63 Gedichten, die in Betracht kamen, gehörten
7 zur ersten, 7 zur zweiten, 17 zur dritten Abtheilung; 13 bil¬
deten die vierte, 2 die fünfte, 11 die sechste, 6 die siebente.
Bernhard von Ventadour wendet nur zwei dreitheilige
Strophenformen an: AAB (ab ab .. .) und AyB (abba...).
Die Form ABB ist bei ihm ganz ausser Gebrauch gekommen.
Von Gedichten, in denen die verschiedenen Strophen
Wechsel in der Reimordnung zeigen, habe ich nur die Reim-
20 *
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298
H. SuCHIKB.
folge der ersten Strophe berücksichtigt. Hierher gehört Wil¬
helms Ab la dolsor (aabcbc Str. 1. 2., bbcaca Str. 3—5);
Marcabrus Pax in nomine domini und Per l’anra, wo die
letzten Verse der Strophe abwechselnd auf ab und ba aus¬
gehen; der Form von Contra Vivem scheint die Form abbacd,
baabdc zu Grunde zu liegen; ( A Valena del vetit doussa ist
unbestimmbar); ferner Jaufres Quan lo ritis (abcdace Str. 1.
2., cdabcae Str. 3—5) und Bels m f es Vestius (abbaccd
Str. 1. 2. 5. 6., baabccd Str. 3. 4. 7. 8.)
Wechsel der Reime und der Reimordnung zugleich zeigt
nur Marcabrus Pos mos coratge s'esclarzis, das vier Strophen¬
formen aufweist (ababccd Str. 1. 2., eeffggh Str. 3. 4.,
iikklli Str. 5. 6., mmccddc Str. 7.) 1 ).
Dieselbe Strophenform kehrt bei Wilhelm, Cercamon,
Marcabru und Jaufre in fünf Fällen wieder 2 ):
1) in den drei Gedichten Wilhelms, die mit Cotnpaigno
beginnen. [Marcabrus En abriu .]
2) in Wilhelms Farai und Pos vezem. Weniger strenge
ist die Form von Un vers farai . [Marcabrus Lo vers cmnens.]
3) Wilhelms Pos de chantar und Marcabrus Emperaire
per vostre prez. [Hugo Catolas Tenzone Amics Marchatmm .]
4) Marcabrus Oimais und Pos Vivems .
5) Wilhelms Mout jauzens und Jaufres No sap chantar.
(Doch bei Jaufre kein Wechsel der Reime und bei Wilhelm
kein Refrain.)
Das ganze Gedicht besteht bei Marcabru meist aus sieben
(10 Ged.) oder neun Strophen (10 Ged.). Weniger häufig
kommen Gedichte von sechs (6 Ged.), acht (5 Ged.), zehn
Strophen (5 Ged.) vor. Am wenigsten Strophen (1) hat Mar¬
cabrus Gedicht Ben for f ab lui, am meisten (24) Dire voü
senes doptansa, wo man aber die Aechtheit von 11 (nur in
zwei Handschriften erhaltenen) Strophen bezweifeln kann.
*) Verwandte Form hat die Tenzone Peters von Auvergne Amics
Bernart de Ventadorn, wo jedoch die Reime des Abgesanges durch alle
Strophen dieselben bleiben.
2 ) Die in Klammern angegebenen Gedichte zeigen geringe Abweichun¬
gen in den Reimen.
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Der Troubadour Marcabru.
299
Bei Wilhelm herschen die coblas Singulars vor (5 Ged.).
Doch kennt er auch coblas unissonans (2 Ged.) und doblas
(1 Ged.). Die drei einreimigen Gedichte, die mit Compaigno
beginnen, sind dabei nicht gezählt
Cercamon hat in einem Gedichte coblas singulars, in
dreien unissonans.
Marcabru hat coblas unissonans (19 Ged.), doblas (9 Ged.),
singulars (8 Ged.), setenas in der Romanze vom Staar (vgl.
Bartsch im Jahrbuch I. 175), wo auch dem ersten Theile ein
Geleit folgt. (Marcabru 2. 6. 13. 23. berücksichtigte ich nicht).
Die reimlose Strophe kennt nur Marcabru (Contra l’ivem).
Im vers del lavador kehrt das erste Strophenpaar als drittes,
das zweite als viertes wieder.
Jaufres Gedichte zeigen nur coblas unissonans.
Bei Bernhard von Ventadour überwiegen die coblas unis¬
sonans noch weit mehr über die doblas als bei Marcabru,
während die singulars durch nur ein Beispiel vertreten sind.
(Lanquan vei la foilla.)
Die Zahl der Geleite beträgt bei Wilhelm 0 (4 Ged.),
1 (4 Ged.), 2 (Ben voll). Einem Ged. fehlt der Schluss. Aehn-
lich ist das Verhältnis bei Marcabru, wo nur drei Gedichte
zwei Geleite haben.
Es ist eine Sitte, die später ausser Gebrauch gekommen
zu sein scheint, dem Geleite andre Reime als der letzten
Strophe zu geben. Dieses ist der Fall bei Wilhelm in Farai
chansoneta nova, bei Marcabru in den beiden Theilen der
Romanze Estomel.
Auch bei coblas doblas und singulars gehen stets ein¬
zelne Reime durch alle Strophen. Eine Ausnahme machen
nur drei Gedichte: Wilhelms Un vers farai, Cercamons Car
vei fenir, Marcabrus Pos mos coratye .
Die Strophe hat bei Marcabru meist sechs (15 Ged.) oder
sieben Verse (10 Ged.); weniger häufig acht (6 Ged.). Ich
führe an, dass von Wilhelms Gedichten 6 aus Strophen von sechs
Versen, von Jaufres 4 aus Strophen von sieben Versen bestehen.
Körner hat Wilhelm nur in Pos de chantar , bei Cercamon
und Marcabru sind sie häufiger. Das Verstecken der Reime,
das Cercamon liebt (weniger Marcabru, vgl. Boas cmdas, Per
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300
H. SüCHlEB.
savil)j kennt Wilhelm noch nicht. Ebensowenig lässt er ver¬
schiedene Reime im Laute sich nähern. Für letzteres gewährt
ein Beispiel Cercamon: ira is is era er er ira (Per fn'amor);
mehrere Marcabru: ail ur ail ail iz uz (Al prim comens); aire
aire uda uda ada aire (El son); eilla oilla eüla oilla uga eil
eil oc (Bel m 3 es quan s’azombral treilla); ansa alh ans alha
esc esca (Contra Vivem). Marcabrus Contra Vivem ist wol das
älteste Gedicht mit grammatischen Reimen.
6 .
Die Kunstlyrik einer jeden mittelalterlichen Literatur ist
aus zwei Fermenten gebildet worden, einem ausländischen
und einem nationalen ausser in Südfrankreich. Wenn es auch
in den verschiedenen Ländern schon vor der Einwirkung des
Provenzalischen eine nationale Lyrik gab, gezeitigt wurde die
Blüthe des Minnesangs doch erst durch den Einfluss der Pro¬
venzalischen Dichtung. In der Provence selbst ist ein Ein¬
fluss von aussen nicht nachgewiesen.
Zwar behauptet Fauriel den Einfluss der Spanisch-Arabi¬
schen Poesie auf die Provenzalische. Soweit ich mich jedoch
nach der ebenso anziehenden als lehrreichen Darstellung
Friedrichs von Schack (Kunst und Poesie der Araber in
Spanien und Sicilien. Berlin 1865) über diesen Gegenstand
orientieren konnte, sind derartige Einwirkungen nicht vor¬
handen. Von höfischer Frauenbebe ist bei den Arabern keine
Rede. Von Dichtungsformen könnte nur die Form der Dansas,
wie sie von Paul Meyer (les derniers troubadours S. 522)
definiert ist (vgl. Leys d'amors I, 198. 202. 340. 354), durch
Spanische Vermittlung aus Arabischer Quelle herzuleiten sein.
Sie stimmt ganz mit der von Schack II. S. 120 dargelegten
Form der Arabischen Muwaschahat und Zadschal überein. Auch
hier bildet das der ersten Strophe vorausgeschickte Reimsystem
(respos) den Schluss jeder Strophe, während der erste Theil
jeder Strophe von diesem System abweichende Reime bietet.
Schack hat diese Form ausser im Spanischen, wo sie zumal
in Pastorelen beliebt ist, auch im Portugiesischen und Italie¬
nischen nachgewiesen. Im Provenzalischen wendet sie beson¬
ders Guiraut d’Espanha, ein Troubadour aus Toulouse, in
neun Gedichten an (vgl. S. 301).
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Der Troubadour Marcabru.
301
Je geringer der Arabische Einfluss ist und je später er
auftritt, um so bedeutungsvoller wird die Kenntnis des Pro-
venzalischen Volksliedes, das für den Pro venzali sehen Minn e-
sang den einzigen und für die höchste Entwicklung der mittel¬
alterlichen Kunstlyrik den frühesten Ausgang bildete. Proven-
zalische Volkslieder scheinen aus der Zeit, wo sich das Ver¬
hältnis zur Kunstlyrik, die anfangs unter dem Einfluss des
Volksliedes stand, noch nicht umgekehrt hatte, nicht erhalten
zu sein. Bekannt ist die Stelle, wo Guiraut von Bomeil
wünscht, sein Lied möge von den Mädchen am Brunnen
um die Wette gesungen werden 1 ). Gewis haben die Mäd¬
chen am Brunnen ihre Lieder gesungen, ehe es Trouba¬
dours gab.
Was ich als das sicherste Merkmal Provenzalischer Volks¬
poesie ansehen möchte, ist der Gebrauch reimloser Verse und
die Assonanz. Letztere lässt sich zum Beipiel aus der sicher
volksthümlichen Ballade A l’entrada del temps clar (Bartsch
Chrest. prov. 107) belegen. Ausserdem sind freilich assonie-
rende Gedichte selten genug 2 ).
In der Romanze des Grafen von Poitou Un vers farai
pos me someil ist der vierte Vers der Strophe in der Regel
reimlos, zuweilen aber mit der ersten Reimsilbe assonierend
oder gereimt. Auch in dem halbprovenzalischen Gedichte
Froh dolor quid faciam (vgl. Bartsch im Jahrbuch XII. 2),
das gewis alt ist, finden sich Assonanzen.
Den Schluss der Pariser Handschrift 1749 bilden zwei
Gedichte Guirauts d'Espanha, welchen zwölf anonyme Gedichte
vorausgeschickt sind, die ausser einem Descort sämmtlich die
Form der dreistrophigen Dansa zeigen. Bartsch schreibt im
Verzeichnis des Grundrisses diese zwölf Gedichte Guiraut
x ) Qui ques n'azir, mi sap bo
Quant aug dire per contens
Mo aonet rauquet e clar
E Taug a la font portar. (Lex. Rom. I. 377.)
*) Eine ganze Reihe von Assonanzen findet sich in den Anciennes
po&ies religieuses, die Paul Meyer herausgab. (Bibi, de l’Ecole des
CharteB 1860 S. 481.) Sonst erscheinen sie hier und da als Licenzen,
vgl. Bartsch, Lesebuch 133, 61-62. 137, 13—14. R. Choix 4, 134.
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302
H. SuCHIEB.
d’Espanha zu. Für neun Gedichte gebe ich ihm Recht, in
welchen Karl von Anjou, die Gräfin Beatrix , der Versteck¬
name Bel Proensal, des Dichters Geliebte Berengueira genannt
werden, Namen, die ausser Beatrix sämmtlich auch in Guirauts
Gedichten Vorkommen. Diese neun Gedichte zeigen vollkom¬
mene Reime, drei (Dona sitot nous es preza , Gen rriauci, Si
la bella quem plai nom plai) sogar den grammatischen Reim.
Anders steht es um die drei übrigen (Per amor soi gal , Si
nom secor dona gaja , Lo fin cor quietis ai). Das erste erweist
sich dadurch, dass die erste und dritte Zeile der Strophe
reimlos ist, als volksmässig, und die Assonanz bestätigt diess
(crida: artigua, ela: erbeta.) Diez hat in den Altrom. Sprach-
dehkm. S. 119 dieses Kleinod mitgetheilt, das nahezu die einzige
volksmässige Provenzalische Pastorele ist, die wir besitzen.
Die beiden andern Gedichte haben in der überlieferten Gestalt
ebenfalls assonierende und reimlose Zeilen. Von Guiraut sind
sie sicher nicht; ob wir aber ächte Volkslieder in ihnen er¬
kennen dürfen, wage ich nicht zu entscheiden.
Eine andre volksmässige Pastorele (Lautrier al quint jom
d , abril) gab P. Meyer, les demiers troubadours S. 520 heraus.
Die erste und die dritte Zeile jeder Strophe sind bald gereimt
(rieu: aizien) bald assonierend (April: espin’) bald reimlos
(gardin: amors, honor:* maridar).
Eine volksmässige Gattung von Gedichten erwähnen die
Verfasser der Leys d’amors I. 152: sie nennen dieselben
mandelas. Es heisst an der angeführten Stelle, man wisse
nicht woher sie kommen noch wer sie mache; eigentümlich
sei ihnen die Assonanz (sonansa borda). Dass die beiden
Strophen, welche die Leys zur Illustrierung der Assonanz
anführen, Proben ächter Volkspoesie sind, ist unverkennbar.
Wahrscheinlich sind es zwei mandelas. Sie lauten:
Encarcer&t tenetz mon cor, amors!
E deliurar nol pot antra mas vos.
Quar fis aymans secors no vol lunh temps
Si no de Hey, on sos volers es ferms.
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Der Troubadour Marcabru.
303
I/amors qu’ieu port a midons es tan granda
Qu’ieu lo thezaur del realme de Fransa
No vuelh per mieu ni maior escazuta
Perque ramor de liey n’agues perguda.
Dass bei Marcabru der Einfluss des Volksliedes wirksam
war, lässt sich schon aus der frühen Zeit, in der er lebte
und dichtete, vermuthen. Mehrere der Züge, die für ihn
charakteristisch sind, deuten in der That darauf hin.
An das Volkslied erinnert bei ihm einmal der einfache
Ausdruck , der sich besonders an den Stellen zeigt, wo von
der wahren Liebe die Rede ist Auch die Vorliebe für den
didactisehen Ton, die überall durchblickt, scheint volks-
mässig.
Zweitens die Singbarkeit einiger Strophen. Als Bei¬
spiel führe ich die erste Strophe des Liedes Uiverns vai el
tetwps s’aizina an, die man nur zu lesen braucht, um zu
beobachten, wie sich unwillkürlich eine Melodie einstellt.
L’ivems vai el temps s’aizina
Que verdejon li boisso,
El flors pareis en Teßpina
Don s’esjauzo l’auzelo.
6 Ai!
Ja devenon d amor gai,
C’usquecs ves sa par s'atrai
Oc!
Segon plazensa corina.
Der dritte volksmässige Zug bei Marcabru ist die Vor¬
liebe für den Refrain . Marcabru ist der erste Troubadour,
bei dem der Refrain erscheint. Er findet sich in sechs Ge¬
dichten. In fünf Fällen besteht er aus einem Worte, das
jedesmal Reim wort ist und für sich allein einen Vers bilden
kann, wie in der eben angeführten Strophe. Er lautet Escoutaz
(Dire voll), cuidar (Boas cuidas) 7 vilana (L’autrier jost’una
sebissa), Ai und Oc (L’ivems), lavador (Rax in nomine domini.)
In Al departir lautet er dreimal sauzes e saücs , dreimal
nur saücs. Der Refrain bildet niemals den Schluss der Strophe.
Ferner theilt Marcabru mit dem Provenzalischen Volks¬
lied© das Verschmähen des Zehnsilblers . Es ist bekannt,
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304
H. SüCHIBB.
dass im volksmässigen vers der Achtsilbler, in der kunstmässigen
Canzone der Zehnsilbler herschender Vers ist. (Diez, Altrom.
Sprachdenkm. S. 91. Bartsch, Grundriss S. 32.) Dieses ist
auffallend, da in der Französischen Lyrik gerade die ältesten
und volksmässigsten Lieder den Zehnsilbler zeigen. Später
sah man den Zehnsilbler als das eigentliche Merkmal der
Canzone an und glaubte, vor Einführung des Zehnsilblers
hätte kein’ Gedicht ccmso, sondern alle hätten vers geheissen,
eine Meinung, deren Unrichtigkeit sich freilich leicht nach-
weisen lässt. Die richtige Auffassung lehren uns die Lebens¬
geschichten Marcabrus und Peters von Auvergne.
Wenn es in Marcabrus Leben heisst, in seiner Jugend
habe man noch nicht die Benennung ccmso gehabt, sondern
alles, was man gesungen, seien vers gewesen, so lehren uns
Marcabrus Yersarten die Stelle so verstehen, dass der Zehnsilbler
damals noch nicht in die Provenzalische Lyrik eingeführt war.
Yon Peter von Auvergne heisst es: Canzonen dichtete
er keine, denn damals hiess noch kein Gedicht Canzone
sondern nur vers . In der That haben wir von Peter von
Auvergne vier und zwanzig Gedichte, von denen nur in zweien
(Dejostals und Söbrel veil) der Zehnsilbler vorkömmt.
Bei beiden Dichtem ist das Fehlen des Zehnsilblers um
so auffallender, als ihre dichterische Thätigkeit noch eine
geraume Zeit nach 1150 umspannt, wo Canzonen- mit Zehn-
silblem längst zur Mode geworden waren. Marcabru und
Peter gehören beide der Richtung an, die theure Reime
(rims cars) und dunkle Worte liebt. Zu derselben sind auch
Raimbaut von Orange und Gavauda der Alte zu rechnen.
Von Raimbaut haben wir nach Bartsch ein und vierzig
Gedichte. Zwei davon (N. 35. 38) sind nicht berechtigt (vgl.
über das eine S. 294 Anm. 1); dafür ist Ar vei escur e trebd
cel , das bei Bartsch unter Raimbaut von Vaqueiras steht, von
ihm. Unter den vierzig Gedichten Räunbauts von Orange
kommen Zehnsilbler nur in einem einzigen vor (Sil cors es
pres la lengua non es preza)
Von Gavauda sind elf Gedichte vorhanden. Nur in einem
kann man Zehnsilbler mit Caesurreim annehmen (En no sui
pars), wenn man, nicht mit Raynouard die Theilung in vier-
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Der Troubadour Marcabru.
305
und sechssilbige Verse vorzieht. Das einzige unter Gavaudas
Gedichten, in welchem ausserdem Zehnsilbler Vorkommen,
begegnet auch unter den Namen zweier andern Troubadours.
Ich möchte vermuthen, es sei Bernhard von Ventadour
gewesen, der den Zehnsilbler in die Provenzalische Lyrik ein-
geführt hat. Im Ende des 12. oder im Anfang des 13. Jahr¬
hunderts scheint man vielmehr Guiraut von Bomeil dafür ge¬
halten zu haben 1 ). Denn im Leben Peters von Auvergne,
dessen Verfasser den Delphin von Auvergne als Gewährsmann
anführt, heisst es, Guiraut habe die erste Canzone gedichtet,
die je verfasst wurde. Ich gestehe, dass ich diesen Punct
nicht aufzuhellen vermag. Vielleicht beruhen die Worte der
Lebensgeschichte auf einem Misverständnisse der Thatsache,
dass auch Guiraut von Bomeil anfangs der dunkeln Richtung
angehörte, und das wahre mag sein, dass er, indem er
seine erste Canzone dichtete, Peter von Auvergne den Preis
des Minnesangs abgewann. Die wenigen Gedichte aus dieser
Periode Guirauts (Ans que veignal nous fruitz tendres, Quan
brancal brondels e rama , Quan la brm’aura s’esbicha) zeigen
keinen Zehnsilbler.
Der berühmte vers Peters von Auvergne: Dejostals breus
jorns eis loncs sers und die Gedichte Amaut Daniels beweisen,
dass man später auch die Zehnsilbler mit schweren Reimen
versah, was Marcabru und der Graf von Orange noch nicht
versuchten.
Ueber den kunstmässigen Character des Zehnsilblers hat
schon Diez (Altrom. Sprachdenkm. S. 91—93) völlig klar ge**
sehen, was für eine Zeit, wo noch Cercamon für den Ver¬
fasser von Pos nostre temps comens’a brunessir galt, in der
That zu bewundern ist.
Endlich scheint sich auch in den Naturbeschreibungen
*) Diez S. 129. 133 — 4 scheint Guirauts poetische Thätigkeit zu
spät angesetzt oder doch zu weit ausgedehnt zu haben. Die Könige
Ferdinand und Alfons, welchen das Lied Ges de sobrevoler nom toil ge¬
widmet ist, hält Diez für Alfons IX. von Leon (1188—1230) und Ferdi¬
nand Ul. von Castilien (seit 1217). Mit demselben Rechte dürfen wir
wol Ferdinand U. von Leon (1167—88) und Alfons III. von Castilien
(1168—1214) darunter verstehen.
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306
H. SüCHIER.
mit denen Marcabru seine didactischen Gedichte beginnt, ein
volksmässiger Zug zu verrathen. Dass derartige Eingänge
dem volksmässigen vers eigenthümlich waren, bestätigen
wiederum die Lebensgeschichten.
Von Peter von Valeira, Marcabrus Zeitgenossen und
Landsmann heisst es: 'Er dichtete vers sowie man sie da¬
mals machte, von geringem Werthe, von Blättern und von
Blumen und vom Gesang der Vögel. Seine Lieder hatten
keinen grossen Werth noch er selbst*.
Von Jaufre Rudel wird ausgesagt: 'Er dichtete auf seine
Geliebte, die Gräfin von Tripolis, manche guten vers und mit
guten Melodien, aber mit ärmlichen Worten (ab patibres motz) 9 .
Von Jaufres sechs Gedichten beginnen fünf mit Naturschil¬
derungen und zeigt keins den Gebrauch des Zehnsilblers.
Ich erwähne, dass unter den vier Minneliedem Wil¬
helms VII. zwei Frühlingslieder und ein Herbstlied sind, und
dass auch Cercamons drei Lieder von der den Dichter
umgebenden Natur ausgehen. Ich habe schon S. 159 ausge¬
sprochen, dass ich unter den vers e pastoretas a la usama
antiga , die er gedichtet haben soll, Lieder im Volkstone ver¬
stehe, die seit der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts, wo
man einer andern Geschmacksrichtung zu huldigen begann,
der Verachtung und darum der Vergessenheit anheim fielen 1 ).
In Bezug auf die Reime schloss Marcabru sich nicht an
das Volkslied an, da er die Assonanz verschmähte. Reimlose
Zeilen finden sich zwar, sind aber ohne Zweifel durch die
Ueberlieferung verderbt (vgl. S. 289).
Die erwähnten Züge werden noch characteristischer für
die nationale Lyrik Südfrankreichs, wenn wir diese zur älte¬
sten nationalen Lyrik Nordfrankreichs in Gegensatz stellen.
Hier finden, wir einen halbepischen Ton und auch in der
Form einen engen Anschluss an das Volksepos 2 ). In der
Provence (ähnlich wie im alten England) zeigt der Inhalt
l ) Im Leben Peters von Auvergne heisst es, er sei der erste gute
Troubadour gewesen.
*) In einer beliebten Form Nordfranzösischer Volkslieder ist z. B.
die Alba Guirauts von Borneil gedichtet: Reis glorios verais lums e
clartatz . *
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Der Troubadour Marcabru.
307
rein subjective Poesie ohne epische Beimischung, und auch
die Form lässt erkennen, dass sie sich aus Volks- und vielleicht
Kirchen-Poesie ohne Vermittlung einer Epik herausbildete.
Später hat das Nordfranzösische Volkslied auf das Pro-
venzalische eingewirkt. Im Laufe des 13. Jahrhunderts hat
sich das letztere auch den Zehnsilbler angeeignet. Beides
zeigt der Anfang des in Sancta Agnes citierten Liedes:
El bosc d’Ardena, justal' palais ausor . Auch der Alexan¬
driner mag im 13. Jahrhundert in Südfrankreich volkstüm¬
lich geworden sein. Wenigstens zeigen ihn drei Gedichte,
deren Form in Sancta Agnes nachgeahmt wird (V. 643. 1412.
535 vgl. Bartschens Einleitung S. XXX.)
Auch in den Liedern späterer Troubadours zeigt sich
der Einfluss des Volksliedes unverkennbar, wo die Worte
Bel m’es qxuxn fast den stehenden Eingang der Naturschilde¬
rungen bilden, welche dann ein: * Da bann ich nicht umhin
zu singen oder zu lieben 9 mit dem folgenden verknüpft.
Dass auch Bernhard von Ventadour durch Volkslieder
beeinflusst war, lassen schon Ausdrücke wie Ai deusl ar
sembles ironda, que voles per aire (prov. Lesebuch 50, 63)
ahnen. Ich will hier noch auf den Umstand aufmerksam
machen, dass ein Gedicht Bernhards mit dem Deutschen Volks¬
liede So viel Stern am Himmel stehen in der Form genau
übereinstimmt und auch in Inhalt und Ton nahe Verwandt¬
schaft zeigt. Es ist das folgende.
Handschriften: A Riccardi 2814 S. 103. B 1 Paris 22543
Bl. 12» B* Paris 856 Bl. 51 b . C l Modena N. 51 C % Vat. 5232
Arch. 33,456 C* Paris 12473 Bl. 21° und 854 Bl. 33» C 4 Ric¬
cardi 2909 Bl. 28 b C b Mailand R. 71 sup. Bl. 16 b . Vgl. die
Lesarten zu V. 34. 49. Im Register von B 2 wird das Gedicht G .
de Quintenac beigelegt.
Lo temps vai e ven e vire 1 )
Per joms, per mes e per ans,
Et eu las! non sai que dire,
C’adea es us mos talans;
2. ioms eB 1 , iom z C 4 C 8 .
*) Bernhard wendet hier die Französische Form an im Reime zu
dire. Aehnliche Reime hat Arnant Guillem de Marsan (vgl. Bartsch
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308
H. SüCHlEB.
6 Ades es ns e nos muda,
C'una 'n yoil e n'ai yolguda
Don anc non aic jauzimen.
Pus ela non pert lo rire,
A mi ’n ven e dols e dans,
10 C'aital joc m'a fait assire
Don ai lo pejor dos tans.
C'aitals amors es perdnda
Qu'es d'una part mantenguda,
Tro que fai acordamen.
16 Ben deuri'esser blasmaire
De mi meteis a razo,
C’anc non nasquet cel de maire
Qui tan servis en perdo.
E s'ela no m'en chastia,
20 Ades doblaral folia,
Quel fols non tem tro que pren.
Jamais no serai chantaire
Ni de rescola n Eblo,
Que mos chantars non val gaire
26 Ni mas voutas ni mei so,
Ni res qu'eu fassa ni dia
No conosc que pros me sia
Ni noi vei meilluramen.
Sitot fatz de joi parvensa,
30 Mout ai dins lo cor irat.
6. noifl C\ nou b C\ nouis C 4 . — 9. ue dols B* C 1 C 1 C\ — 10. car
tal B l C*. — 11. ei C l C 8 C 4 C\ - V. 16—17 fehlen C l ; mezeis C* C\
— 18. qui fehlt B 1 C l C* C 4 ; tan seruiBsa B 1 C 4 , tan seruici C\ tan
eeruizi C 8 . — 19. caetia nur C l C 8 . — 22. cantaire nur C\ — 23. ni
blon C l C\
Lesebuch 132, 39. Anm.): terre: guerre , t re: dire, guerre: querre.
Bei ihm sind sie wol eher Gascognische als Französische Formen. (Als
solche fasst sie Bartsch auf Grundriss S. 61.) Zwar zeigt das älteste
Denkmal des Gascognischen Dialectes (das funfsprachige Descort Balm-
baute von Vaqueiras V. 26 — 82. 48 — 49 vgl. P. Meyer, Recueil d’anciens
textes S. 90 — 91) keine Spur dieses e. Dagegen erscheint letzteres in
den Fors de Bearn, z. B. conegude cause, en plenere cort (a. a. O. S. 181).
Ein Beispiel aus Marcabru ist die Form vaire vgl. oben S. 289.
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Der Troubadour Marcabru.
309
Qui vi ancmais penedensa
Faire denan lo pechat?
On plus la prec, plus m*es dura,
Mas si’n breu no s’i meillura,
86 Vengut er al partimen.
Pero ben es qu'elam vensa
A tota sa volontat,
Que, s’el'a tort o bistensa,
Ades n’aura pYetat.
40 Que so mostra Tescriptura:
Causa de bon’aventura
Yal us sols joms mais de cen 1 ).
Ja nom partrai a ma vida
Tan com sia sals ni sas,
46 Que, pos Parma n'es issida,
Balaia lonctemps lo gras.
E sitot no s'es coitada,
Ja per me non er blasmada,
Sol d’er adenan s'emen!
60 Ai! bon’amors encobida!
Cors ben faiz, deljatz e plas!
Ai! fresca cam colorida
Cui deus formet ab sas mas.
Totztemps vos ai desirada,
66 Que res autra no m’agrada,
Autr'amor no voil nlen.
82. peccat nur B l C 1 C 4 . — 84. ei em breu no ei A } ein breu no
d B\ dm breu non si J?*, sen breu iom nos C l C 9 , sin breu temps nois
C\ sen breu nos C 4 , sen breus ioiz nos C 6 . — 42. vs sol iornz A, un sol
iorns B\ un sols ioms U 8 , un sol iom C 1 C* C*C 6 ; que cen B l B * C 4
C 5 . — 44. saus nur C* C 4 . — 49. sesmen A; sol m do al denant si ment
B\ sol mi do adenant semen B *; sol deus C 1 — 5 ; zacemen C\ cemen
C* C 8 , sement C 4 , semen C 6 . — 61. deliatz A f deliat B 1 C 4 C a , delgat
B\ fehlt in C\ delgatz C\ grailes C 9 . — 62. si fresca aura C\ fresca
cara (ai fehlt) C* C 9 . — 63. ab] de A; las C 1 C 9 C 4 C 6 .
l ) Ygl. Ps. 88, 11. quia meliw est dies una in atriis tuis super
millia.
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310
H. Süchier. Der Troubadour Marcabru.
Doussa res ben enseignada!
Cel queus a tan gen formada
M'en do cel joi qu'eu n’aten.
67. dolsa (dol^a) alle ausser B l C % .
Nicht genug, dass bei Negern und Indianern die Mutter
Mama genannt wird, dass überall, wo erzählende Poesie sich
entwickelt, dieselben Stoffe der Dichtung wiederkehren: das
genus homo offenbart seines Herzens Sehnen zu verschiedenen
Zeiten, in verschiedenen Sprachen, unter getrennten Himmels¬
strichen auch in denselben Liedern. Das ist nicht auffallen¬
der, als dass auch die Rose überall denselben Duft von sich
haucht. Es ist ja derselbe Frühlingssonnenstrahl, der aus
der erwärmenden Erde die jungen Blumen und aus der auf¬
gehenden Menschenbrust die jungen Lieder lockt.
Leider ist uns die Melodie von Lo temps vai e ven e vire
nicht erhalten, es wäre kaum überraschend, wenn auch sie
mit der Melodie von So viel Stern am Himmel stehen über¬
einstimmte.
Paris, 20. Juni 1874. Hermann Suchier.
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Die Alliteration bei Chaucer.
Zu folgender Untersuchung wurde ich besonders angeregt
durch die Abhandlung des Herrn Professor K. Regel über
„Die Alliteration im Layamon" welche im ersten Bande der
Germanistischen Studien p. 171 ff. veröffentlicht ist. Hierin wird
dargelegt, wie die Alliteration, die urgermanische äussere Be¬
zeichnung des Verses noch im Layamon überraschend häufig
auftritt, nachdem das Gesetz des Reimes auch bei den ger¬
manischen Völkern längst zur Geltung gekommen war. Ich
möchte nun an dieser Stelle den Versuch machen zu zeigen,
dass sich das Auftreten der Alliteration in noch viel spätere
Zeit erstreckt, dass wir sie noch häufig in den Gedichten
Chaucer's vorfinden, und zwar in grösserer Ausdehnung, als
man zu erwarten geneigt sein sollte.
Ehe ich jedoch zu diesem meinem Thema selbst übergehe,
glaube ich noch einige allgemeine Bemerkungen vorausschicken
zu müssen, welche sich auf die Alliteration in der deutschen
und englischen Poesie zugleich beziehen sollen. Die Ge¬
schichte der Alliteration in England und Deutschland ist
nicht zu trennen.
Im Allgemeinen hat sich die früher so weit verbreitete
Alliteration ja auch noch in der Gegenwart in den germa¬
nischen Sprachen wenigstens in einzelnen Formeln erhalten,
welche, aus der ältesten Zeit herstammend, noch jetfct unserem
Munde geläufig und unserem Gefühle sympathisch sind. Diese
alliterirenden Formeln in den lebenden germanischen Sprachen
sind die einzigen Reste der in den ältesten Zeiten unserer Li¬
teratur allgemein angewandten Art, Verse und zusammengehörige
Wörter mit einander durch ein äusseres Band zu verknüpfen.
Es ist nun gewiss interessant, auszugehen von den ältesten,
Jabrb. f. rom. u. engl. Lit. N. F. II. 21
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312
Lindxkr.
regelmässig alliterirenden germanischen Denkmälern und zu
beobachten, wie allmählich die Anwendung der Alliteration
immer mehr und mehr zurücktrat, bis sie jetzt auf wenige
gewissermassen erstarrte Formeln beschränkt ist.
Der Gebrauch der Alliteration ist eine besondere Eigenthüm-
lichkeit des germanischen Stammes und liegt auch in dem
Character seiner Sprache begründet. Dies wird u. A. ausführlich
dargelegt von Ferd. Wolf in seinem Werk „Ueber die Lais,
Sequenzen und Leiche" Heidelberg 1841. Er sagt p. 41:
,‘Aus diesem Streben (nämlich den blos rhythmischen Zeilen
auch eine äusserlich (für das Ohr) erkennbare Begrenzung
zu verleihen) entstand gleichsam unbewusst und wie von selbst,
instinctmässig, die Bezeichnung der symmetrischen Glieder
und Abschnitte durch den verbindenden Gleichklang, was na¬
türlich in den Sprachen, in denen der Consonantismus vor¬
herrschend ist (wie in den nordischen) durch Wiederholung
gleichklingender Anlaute an bestimmten (starkbetonten) Stellen
(Alliteration), und bei denen, in denen der Vokalismus über¬
wiegt (wie in den südlichen), durch An- und Gleichklang der
Auslaute (Assonanz und Consonanz) geschah". Schon vermöge
der Lautconstruction der Sprachen war also die Alliteration
auf ein bestimmtes Gebiet, auf das nördliche beschränkt,
während wir sie bei den Sprachen des Südens, besonders also
bei den romanischen nie angewandt finden. Denn wir dürfen
hierbei nicht an die in der späteren französischen Kunstpoesie
vorkommende rohe Art der Alliteration denken, deren Name,
rime senee oder sesne, saisne sie als eine den Sachsen ent¬
lehnte Form ausdrücklich bezeichnet. Ebensowenig dürfen
uns andere Stellen einfallen, an denen sich im Lateinischen
die Anwendung des Stabreimes bemerklich zu machen scheint,
z. B. bei Cicero, De senectute, wo er sagt: „Sensim sine sensu
aetas senescit". Es findet sich hier und da eine Stelle, wo
zum Zweck der Lautmalerei ein solcher Anklang an Allitera¬
tion sich entdecken lässt. Vergl. darüber F. Wolf a. a. 0. p.
173, 12.
Unbeachtet will ich auch die Alliteration bei den früheren
lateinischen Dichtem lassen. Man vergleiche hierüber be¬
sonders: August Fuchs „die romanischen Sprachen in ihrem
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Die Alliteration bei Chaucer.
313
Verhältnisse zum Lateinischen“ p. 260 ff. Die Form der
nordischen Poesie wurde nun von der südlichen Art und
Weise so beeinflusst, dass erstere allmählich ganz ver¬
drängt, und als allgemeines Princip nicht der gleiche Anlaut,
sondern der gleiche Auslaut angenommen wurde. Indessen
ging diese Umwälzung nicht ohne Kampf vor sich. Wir haben
noch die Beispiele dafür, wie Reim und Alliteration mit ein¬
ander stritten, eine Zeitlang sich das Gleichgewicht hielten,
bis schliesslich der Reim bei den germanischen Völkern die
Oberhand gewann. Es liess sich eben die Alliteration nicht
in kurzer Zeit verdrängen. Zäh hingen die Germanen an
ihrer alten Art zu dichten und wandten sie gerade da an,
wo, wie Regel a. a. 0. p. 173 sagt, „die poetische Darstellung
am stärksten aus dem Tone der Nachbildung in die schwung¬
volle Lebendigkeit volkstümlicher Dichtung übergeht“. An
den Stellen, wo Lust und Leid des menschlichen Herzens, wo
die Verteidigung von Haus und Hof, wo die Bewegungen
des innersten Lebens und Webens des Germanen besungen
werden sollen, wird der fremde Schmuck des Reimes*) in der
Periode, welche auf die ausschliesslich alliterirende folgt, ver¬
worfen und zu der der nördlichen Sprache eigentümlichen
Alliteration zurückgegriffen. Dasselbe sagt F. Wolf a. a. 0.
p. 39: „Dass in den germanischen und skandinavischen
Schriftdenkmälern des Mittelalters diese Reim- und Strophen¬
form**) seltener vorkommt, liegt teils in dem noch lange
fortdauernden Gebrauch des Stabreims und dem vorherrschen¬
den System der Alliteration überhaupt...“.
Die Alliteration war viel zu tief in dem Wesen der ger¬
manischen Sprachen begründet, um von den Reimgedichten,
welche in der zweiten Hälfte des neunten Jahrhunderts, be¬
fördert durch die christlich-lateinische Poesie des Mittelalters,
in der germanischen Literatur auftauchten, sofort vollständig
*) Dass der Endreim in der That anfangs nur als Schmuck des
alliterirenden Verses angewandt wurde, darüber vergleiche Ferd. Vetter:
Zum Muspilli und zur germanischen Alliterationspoesie. Wien 1872,
p. 20 und 22.
**) rime couäe.
21 *
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314
Lindneb.
verdrängt zu werden. Cf. Aug. Koberstein’s Grundriss der
Geschichte der deutschen Nationalliteratur. 5. Aufl. v. K.
Bartsch, Leipzig 1872, p. 36. Es hat also eine gewisse Pe¬
riode gegeben, in welcher Alliteration und Reim bei uns neben
einander bestanden haben. Dieser Uebergang hat natürlich
bei den verschiedenen Völkern germanischer Abkunft längere
oder kürzere Zeit gedauert, bis endlich in der Poesie das
Princip des Reimes die absolüte Oberhand gewann, und die
Alliteration nur noch in spärlichen Resten fortlebte.
Ich bemerkte soeben, dass in der Poesie der Gebrauch
des Stabreimes nach und nach verschwand. Damit wenden
wir uns zu einem andern Felde auf dem Gebiete der Geschichte
der Alliteration. Ich möchte diese neue Phase mit einigen
Worten von Moritz Heyne einleiten.
Dieser hat die Reste der Alliteration, welche sich in den
friesischen Gesetzen vorfinden, zusammen gestellt in seiner
Dissertation:
„Formulae alliterantes ex antiquis legibus lingua Frisica
conscriptis extractae et cum aliis dialectis comparatae“ Halle
1864. Er sagt p. V: „.postquam enim in carminibus,
ubi locum suum antiquitus habebat, alliteratio adhiberi de-
sita est, non omnino quidem illa interiit, sed vitam produxit
inopem quidem illam quodammodo et oppressam, in formulis
illis solemnibus, quibus homines utebantur in variis causis
atque negotiis cum reddendo et exequendo iure coniunctis.
Sed cum hac ratione vis vitalis alliterationis fere cesserat,
factum est, ut vix alia quam unius eiusdemque generis voca-
bula alliteratione inter se iungerentur“
Hierdurch wird eine neu hervortretende Entwickelung im
Gebrauch der Alliteration bezeichnet Sie tritt, nachdem ihre
Herrschaft auf dem Gebiete der Poesie ein Ende genommen,
in die Sprache des gewöhnlichen Lebens über, und zwar zu¬
nächst als Trägerin einer besonderen höheren Bedeutung. Wir
finden sie angewendet in der Gerichts- und Kanzelsprache,
wie z. B. ein Blick in die Old English Homilies zur Genüge
darthut. Aus der durchgreifenden Anwendung der Alliteration
in den ältesten Denkmälern können wir wol mit Sicherheit
vermuthen, dass sie auch in der Sprache des gewöhnlichen
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Die Alliteration bei Chaucer.
315
Lebens häufig ihren Platz fand — vielleicht als mnemotech¬
nisches Hilfsmittel, wozu sie ja auch in den zu jener Zeit meist
mündlich fortgepflanzten Dichtungen diente. Später jedoch,
als die Poesie sie nicht mehr ausschliesslich anwandte, trat
sie mehr und mehr in gewissen erstarrten Formeln in die
Sprache des Verkehrs über, die sich theilweise bis heute er¬
halten haben, und von ,denen die Kunstdichter, wie weite!*
unten gezeigt werden soll, vielfach Gebrauch machten.
Wenn wir nun die Geschichte der Alliteration von ihrer
anfänglichen Alleinherrschaft auf dem Gebiete der Poesie bis
zu ihren Resten, den alliterirenden Formeln der Jetztzeit, ver¬
folgen, stossen wir in der mittelhochdeutschen und mittel¬
englischen Periode auf eine eigentümliche Erscheinung. Die
Alleinherrschaft der Alliteration hatte ein Ende, als im neunten
Jahrhundert die Reimgedichte Boden gewannen. Dann beginnt
die Zeit des Kampfes zwischen Alliteration und Reim, aus
dem letzterer siegreich hervorging. Da — also zu einer Zeit,
wo die Reimgedichte allgemein und ausschliesslich im Ge¬
brauch waren — bemerken wir, dass plötzlich wiederum neben
dem Reim auf die Alliteration zurückgegriffen wird, dass die
späteren Kunstdichter sich ihrer gelegentlich wieder bedienen.
Diese Erscheinung tritt uns vom Ende des zwölften Jahrhun¬
derts an entgegen. Die damaligen Dichter suchten nach einem
neuen Mittel ihren Versen Schmuck zu verleihen und vermehr¬
tes Interesse hervorzurufen. Was war natürlicher, als die
Alliteration zu. diesem Zwecke wieder ins Leben zu rufen,
welche in früheren Jahrhunderten so ganz und gar der Poesie
ihren eigenthümlichen, dem germanischen Wesen so entspre¬
chenden Character aufgedrückt hatte. Aus diesem Grunde
begegnen wir einer zweiten, man möchte sagen „Blütheperiode“
der Alliteration vom zwölften Jahrhundert an, welche sich
indessen wesentlich von der ersten unterscheidet. In jener
ersten, früheren Periode ist die Herrschaft des Stabreims un¬
beschränkt, er ist der unmittelbare Ausdruck germanischer
Poesie und Gefühls, in dieser zweiten, späteren Blütheperiode
ist er nur den ausschliesslich in Reimform abgefassten Ge¬
dichten als Schmuck beigegeben; er zeigt sich nicht mehr als
die ursprüngliche Form germanischen Singens und Sageus,
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316
Lindneb.
sondern als Beigabe, als Interesse erregendes Moment der
Reimgedichte. Dies letztere Nebeneinanderbestelien von Alli¬
teration und Reim hat also im 13. resp. 14. Jahrhundert eine
ganz andere Bedeutung, als in der Zeit, wo es noch fraglich
war, welches von beiden Principien zur allgemeinen Geltung
kommen würde. Daran ist natürlich bei den Kunstdichtem
nicht zu denken. Der Reim war längst in den allgemeinen
Gebrauch übergegangen, und die gelegentliche, absichtliche
Anwendung der Alliteration konnte und sollte damals auf die
äussere Form der Gedichte keinen umgestaltenden Einfluss
mehr ausüben. Man griff nur deshalb auf die Alliteration
wieder zurück, um dem Verse mehr Lebendigkeit und Festig¬
keit zu verleihen, um ein neues Interesse dadurch wach zu
rufen, dass eine Saite von Neuem angeschlagen wurde, deren
Ton im Herzen der germanischen Stämme noch keineswegs
verklungen war. Das Volk hatte den Gebrauch des Stabreims
bewahrt, hier, im Verkehr des gewöhnlichen Lebens, war er
beibehalten worden, als seine Anwendung in der Poesie nicht
mehr stattfand, und hier war der Ort, wo die späteren Dichter
ihn wieder aufsuchten und in die Poesie zurückversetzten. Die
alliterirenden Formeln der Umgangssprache waren es wol zu¬
nächst, welche wieder hervorgezogen wurden, nach ihrem Vor¬
bilde wurden neue gebildet und zwar je nach Bedürfinss um
so mehr, je weniger solche im Munde des Volkes noch leben¬
dig waren. Dies Neubilden von alliterirenden Verbindungen
und die Wiederholung von alten ähnlichen Formeln zeigt sich
auch, wie Regel a. a. 0. p. 176 betont, schon im Layamon
ganz deutlich. Dieselbe Meinung über die späteren alliteriren¬
den Reimgedichte äussert Ferd. Vetter a. a. 0. p. 22; „Wenn
aber umgekehrt die Reimpoesie .... gelegentlich statt der
reimenden alliterirende Verse bildet., so ist dies ein
Zurückgehen auf die ältere Form, ähnlich wie die Reime der
Lateiner lange nach Annahme der griechischen Formen, ....
und noch weniger kann es auf fallen, wenn der Spätere, der
beiderlei Vorbilder vor sich hatte, in demselben Vers Reim
und Alliteration (hier gewiss als blosser Schmuck) verbindet
Aehnliche Künsteleien zeigt ja die weitere Geschichte der
Alliteration .... in Menge“. Darauf folgen eine ganze Reihe
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Die Alliteration bei Chaucer. 317
von Beispielen für die Verbindung von Alliteration und
Reim.
Mit der Untersuchung über das Vorkommen der Alli¬
teration bei mittelhochdeutschen Dichtem hat sich Ignaz von
Zingerle beschäftigt in seiner Schrift: „Die Alliteration bei
mittelhochdeutschen Dichtem", Wien 1864. Auch er theilt
dieselbe Ansicht, wenn er p. 71 sagt: „War auch der alte
alliterirende Vers als solcher längst verschwunden, so griff
die freie Alliteration seit dem Ende des zwölften Jahrhunderts
desto mächtiger um sich und wurde von den Dichtern auch
absichtlich, theils zur rhythmischen Malerei, theils als blen¬
dende Spielerei benützt, um dem Verse mehr Kraft, Fülle und
Wohlklang zu geben". Denselben Gedanken drückt er p. 69
aus: „... allein solche Verse begegnen uns nicht selten, die
uns das volle Streben des Dichters zeigen mit Alliteration
den Vers zu schmücken". Bei den Gedichten des 13. resp. 14.
Jahrhunderts ist also die Alliteration nur ein Schmuck der
Reimgedichte, während bei den Gedichten der früheren Periode,
also im 9. u. 10. Jahrhundert der Reim als Schmuck der alli-
terirenden Verse diente. Indessen auch diese zweite Blüthe-
periode des Stabreims dauerte nicht lange, er verschwand zum
zweiten Male aus der Poesie, um wiederum in erstarrten For¬
meln in die Umgangssprache überzutreten, so dass einige Ver¬
suche in neuerer Zeit denselben wiederum in der Poesie an¬
zuwenden sich verhältnissmässig wenig Beifall errungen haben,
und die Erinnerung an die Alliteration jetzt nur noch in
wenigen Verbindungen fortlebt. In England zeigt sich der
Verfall der zweiten Blütheperiode der Alliteration besonders
deutlich. Noch bei Spenser finden wir in seinem „Shepherd's
Calendar" offenbar mit Absicht:
,But home bim hasted with furious heate,
Encreasing bis wrath with m&ny a threate;
His harmful hatchet he hent in hand u .
Schon Shakespeare macht die Anwendung des Stabreims
lächerlich, und legt ihn gewöhnlich komischen Personen in
den Mund. So z. B. im „Midsummer-nightfs dream":
„Wherat with blade, with bloody blameful blade,
He bravely broached his boiling bloody breast“.
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318
Lindneb.
An einer andern Stelle, in „Love’s LabouFs Lost“ lässt er
den Holofernes ausrufen: „I will something aflfect the 1 etter,
for it argues facility: The praiseful r princess pierced and
pricked a pretty pleasing pricked“.
Daraus erkennt man einerseits, dass der Gebrauch der
Alliteration von Shakespeare als veraltet angesehen und ver¬
spottet wurde, andererseits aber, dass sie zu seiner Zeit noch
häufig angewendet werden musste, da er sich noch die Mühe
giebt, sie auf solche Weise lächerlich zu machen. Zu Chau-
cer’s Zeit lag die Sache anders, wie ich nachher mich bemühen
will darzuthun.
Zunächst muss ich mich wieder zurückwenden und noch
eine Ursache hervorheben, weshalb die Alliteration bei den
höfischen Dichtem so willkommenen Eingang fand. Sie erhielt
eine ganz besondere Begünstigung dadurch, dass die Tauto¬
logie anfing beliebt zu werden. Zingerle sagt a. a. 0. p. 49:
„Enthalten viele der angeführten Alliterationen auch eine
Wiederholung des Begriffes, so begegnet uns zuerst bei Gott¬
fried von Strassburg das Streben, den Begriff eines Wortes
durch den gleichen oder engverwandten eines zweiten zu ver¬
stärken, kurz, zwei gleichbedeutende Wörter neben einander
zu stellen, wodurch nicht selten Alliteration entsteht. Be¬
sonders ist dies bei Konrad v. Würzburg der Fall“. Dieser
Gebrauch der Tautologie und damit verbundene Alliteration
griff sehr weit um sich, wie Zingerle a. a. 0. p. 52 bemerkt:
„Einen bedeutenden Vorschub giebt der Alliteration im Mittel-
alter die pleonastische Wiederholung des schon im Verbo aus¬
gedrückten Begriffes durch das gleiche Substantivum, welche viel
weitere Ausdehnung hat, wie im Neuhochdeutschen. Oft wird
der Verbalbegriflf durch das gleiche Adverb gestärkt“. Auch diese
Erscheinung werden wir bei der speciellen Behandlung der
Alliteration bei Chaucer vorfinden.
Für die deutsche Poesie ist also das Vorkommen der
Alliteration bis ins spätere Mittelalter hin genügend darge-
tlian. In geringerem Masse ist dies geschehen für die englische
Poesie. Es liegen über die Untersuchung des Gebrauches der
Alliteration in den verschiedenen Perioden der englischen
Sprache hauptsächlich folgende Arbeiten vor: Schmeller,
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Die Alliteration bei Chaucer.
319
Ueber den Versbau der alliterirenden Poesie besonders der
Altsachsen. Abhandlung der philos.-philol. Klasse der bai¬
rischen Akademie 1869. Moritz Heyne, Heliand 1865, Beö-
vulf 1868. Schubert, De Anglosaxonum arte metr. Berol.
1870. Jessen, Grundzüge der altgermanischen Metrik, in der
Zeitschrift für deutsche Philologie II, 164 ff. Dazu kommt
die schon oben öfters angeführte Arbeit Regels, „Ueber die
Alliteration im Layamon“, welche den Gebrauch derselben im
Halbsächsischen ausführlich erörtert. Ausserdem finden sich
hier und da mancherlei kurze Andeutungen hierüber, wie z. B.
in der Dissertation von Franz Ludorff, „Ueber die Sprache
des altenglischen lay Hauelock The Dane.“ Münster 1873.
Er giebt einige kleine Hinweise auf alliterirende Verse im
Hauelock auf Seite 9: „Durch das ganze lay hindurch finden
sich Anklänge an die Alliteration früherer Zeiten, welche sich
damals im Norden Englands noch in den volksthümlichen
Liedern behauptete, um 50 Jahre später noch einmal zu fast
allgemeiner Geltung zu gelangen. Alliterirend sind
V. 82. And in feteres ful faste festen,
163. He greten and gouleden and gouen hem ille,
234. Ther was sobbing, siking and sor.
An diese Gedichtsform erinnern ausserdem die sehr häufigen
Wiederholungen eines mit einem Konsonanten beginnenden
Wortes (zumeist als Attribut) in demselben, oder mehreren
auf einander folgenden Versen, vergl.
V. 1063. Hw he was fayr, hw he was long,
1064. Hw he was wis, hw he was strong etc.
Dies wären die wichtigsten über die Alliteration im Eng¬
lischen vorhandenen Schriften. Im Ganzen ist also auf diesem
Gebiete verhältnissmässig nur wenig gearbeitet worden. Be¬
sonders für die zweite alliterirende Blütheperiode in der eng¬
lischen Poesie ist noch viel zu thun übrig. Desshalb habe
ich es des Interesses nicht für unwerth gehalten einen Beitrag
zur Geschichte der Alliteration in England dadurch zu geben,
dass ich das bekannteste und bedeutendste Dichterwerk der
mittelenglischen Periode einer Untersuchung über das Vor¬
kommen des Stabreimes darin unterzogen habe. Alliteration
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320
Lindnkr.
und Reim finden sich in Chaucer’s Canterbury Tales häufig
vereinigt, obwohl letzterer zu damaliger Zeit als strenges Ge¬
setz von den Kunstdichtem beobachtet wurde. Er war nicht
mehr wie Regel a. a. 0. p. 173 vom Layamon behauptet „für
unsem Dichter nur ein äusseres, fremdgebliebenes Gesetz, wel¬
ches zu seinem inneren Geiste nur in schwachem oder in gar
keinem Verhältnisse steht, und darum auch nur sehr geringe
Entwickelung erfahren hat, ungefähr so, wie wir dies bei den
Dichtem des 9. Jahrhunderts bemerken, welche, der eben vor
ihnen noch geübten Alliteration den Rücken wendend, die neue
Regel schüchtern und ungeschickt zu befolgen anfangen“.
Chaucer legt oft grosse Kunstfertigkeit in den Reimen an den
Tag*) und seine besondere Freude daran sieht man an der
häufigen Anwendung des Binnenreimes, z. B.
V. 499. That first he wroughte and afterWards he taughte.
Im Allgemeinen ist also der Reim für Chaucer schon bin¬
dendes Gesetz. Ich will nun im Folgenden zunächst die
Gründe auseinanderzusetzen versuchen, welche Chaucer, den
anerkannten Kunstdichter, bewogen, auf die Alliteration manch¬
mal zurückzugreifen. Wir werden dabei das specielle Zusam¬
menwirken der schon oben angeführten Gründe für das Wie¬
deraufleben der Alliteration wieder erkennen.
Unser Dichter war seiner ganzen Lebensstellung nach ein
Mann, der das Volk von den höchsten bis zu den niedrigsten
Ständen genau zu beobachten Gelegenheit hatte. Mit wie
grossem Erfolge er diese Gelegenheit ergriff und jedem Stande
seine besonderen Eigentümlichkeiten ablauschte, das sehen
wir in seinen Canterbury Tales. Jede der darin vorkommen¬
den Personen ist der Typus ihres Standes. Sie werden nicht
nur ihrem äussem Auftreten, ihrem Denken und Fühlen nach
geschildert, sondern ihnen auch die Sprache in den Mund ge¬
legt, die ihnen angemessen war. Ich meine damit natürlich
nicht, dass sich die Dialecte etwa besonderer Berücksichtigung
von Chaucer zu erfreuen gehabt hätten (nur selten finden wir
Dialectproben, z. B. in The Reeves Tale, wo Chaucer denen
*) Vgl. Die UeberSetzung von Hertzberg p. 47.
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Die Alliteration bei Chaucer.
321
aus Cambridge die Formen makes, fares, fin^s, bringes, says
etc. in den Mund legt. Vgl. Mätzner, Engl. Grammatik, Berlin
1873, p. 357), sondern die im Volkstone und in der Volks¬
sprache abgefassten Erzählungen der niederen Personen, und
die im höheren Styl und edlerer Rede geschriebenen Ge¬
schichten Yon Leuten aus den höheren Ständen. Wie ich
schon oben hervorzuheben Gelegenheit nahm, war aber das Ge¬
fühl und die Freude an alliterirenden Wendungen im Volke
lebendig geblieben, und zwar musste das jedenfalls zu jener
Zeit in noch weit höherem Masse gelten, als jetzt, wo viele
der damals noch gebräuchlichen Formeln inzwischen verloren
gegangen sind. Wenn nun Chaucer den Volkston nachzuahmen
bestrebt war, so war er fast gezwungen, auch solche alliteri-
rende Formeln und Verbindungen mit in seine Gedichte auf¬
zunehmen. Bei den Erzählungen, welche er Personen aus den
besseren Ständen in den Mund legt, hatte er das nicht nöthig,
da sie, meistens von Normannen abstammend oder in deren
Anschauungen und Sitten erzogen, sich gewiss wenig um die
Form und den Inhalt der alten Gedichte kümmerten, während
die, meist von den Angelsachsen abstammenden unteren Klas¬
sen des Volkes die Lieder, welche von den Grossthaten ihrer
Väter erzählten und dadurch auch das Gefühl und die Hin¬
neigung zur Alliteration treuer bewahrten.*) Nun hatte aber
Chaucer während seiner langjährigen Stellung als Controller
of the customs im Hafen von London — ein Amt, welches
er nach ausdrücklichen Zeugnissen persönlich verwalten musste,
und wofür er keinen Stellvertreter einsetzen durfte, cf. Ghaucer
ed. Robert Bell, Vorrede p. 22. ChauceFs Cant. Tales über¬
setzt v. Wilhelm Hertzberg, Hildburghausen 1866, p. 29. Am
8. Juni 1374 wurde der Dichter zu diesem Amte berufen und
erst am 17. Februar 1386 erhielt er die Erlaubniss, sein
Steueramt durch einen Bevollmächtigten verwalten zu lassen.
Vgl. Hertzberg, a. a. 0. p. 31. — gewiss alle Tage vielfache
*) Vgl. Hertzberg a. a. 0. p. 45: „Aber gerade zu Chaucer’s Zeit
begann die ursprüngliche Versbildung der Angelsachsen mit Wiederauf¬
nahme der Alliteration durch Piers Ploughman’s Visions und ähnliche
religiöse Tendenzgedichte in den unteren Volksschichten wieder populär
zu werden.“
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322
Lindher.
Gelegenheit, die,Sprache des Volkes kennen zu lernen und zu
studieren. Das hat er auch gethan. Unser Dichter, ein Mann
von ungemein scharfem Beobachtungssinn, machte sich die so
gesammelten Erfahrungen zu Nutze und die Früchte seines
Studiums von Welt und Menschen finden wir in den Canter-
bury Tales niedergelegt. Es kommt für uns hier besonders
eine Seite in Betracht, nämlich die Redeweise des Volkes,
und gerade an den Stellen, wo der gewöhnliche Mann spricht,
besonders auch in den Prologen finden wir ganz auf¬
fallend die reimenden Verse durch Alliteration zusammenge¬
halten, wie ein Blick auf diese Stellen zur Genüge beweist.
Die Nachahmung der Volkssprache ist also das eine
Moment, welches den Dichter drängte, die Alliteration wieder
zu beleben. Dazu kommt noch ein zweites. In allen seinen
Erzählungen treten seine Sympathieen mit alter Art und Sitte
hervor. Er war in seinem Innern dem Volke zugethan und
der Character des Angelsachsen zeigt sich bei ihm mehr her¬
vortretend, als der des Normannen. Hertzberg sagt dies mit
kurzen, treffenden Worten a. a. 0. p. 53: „Es ist fast, als
wollte sich seine angelsächsische Natur (die übrigens auch
aus seiner Vorliebe für handfeste Volkscharactere hervorleuch¬
tet) an der fremdbürtigen französischen Kultur in ihm dadurch
rächen, dass sie dieser empfindsamen, vomehmthuenden,
parfümirten Hofdame eine Hand des allematurwüchsigsten
plumpsten Baueruwitzes ins Gesicht wirft“. So können wir
wol auch mit ziemlicher Gewissheit annehmen, dass bei ihm
die Neigung zu der altgermanischen Alliteration, ihm selbst
vielleicht unbewusst, noch in hohem' Grade vorhanden war,
wenngleich sonst seine Verse der allmächtigen Herrschaft des
Reimes ganz und gar unterlegen sind. Wir beobachten, wie
er bei Schilderungen von Kampfesscenen und mächtigen Be¬
wegungen zu dem Stabreim zurückgreift und oft durch diese
Mischung von Alliteration und Reim die herrlichsten Effecte
hervorbringt. Man lese nur die Schilderung des Turniers in
der Erzählung des Ritters, um das Gesagte bestätigt zu fin¬
den. Die näheren Beispiele hierfür folgen unten. Von regel¬
mässig alliterirenden Versen kann natürlich im Allgemeinen
keine Rede mehr sein. Die Alliteration zeigt sich bei Chaucer
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Die Alliteration bei Chancer.
323
nur noch in vereinzelten Stellen, die zwar häufig genug Vor¬
kommen, sich jedoch auf gewisse Formeln und rhythmische
Malerei beschränken.
Schon im Layamon treten, wie aus der Abhandlung von
Kegel hervorgeht, eine ganze Reihe neuer Formeln auf, die
sich in der alten Sprache nicht entdecken lassen. Dies musste
um so viel mehr bei Chaucer der Fall sein, zu einer Zeit, in
der sich die alten Formeln noch bedeutend verringert hatten.
Er suchte aber den Volkston anzuschlagen, dazu war die
Anwendung alliterirender Verbindungen unumgänglich noth-
wendig, wie oben gezeigt ist, darum musste der Dichter, wenn
die noch im Volke lebendigen Formeln nicht ausreichten, neue
Formeln schaffen. Diese Aufgabe hat er mit feinem poetischem
Tactgefühle gelöst. Dass er dessen mit so glücklichem Er¬
folge fähig war, bezeugt sein ihm angeborenes Gefühl für
die Alliteration.
Dies ist nach meiner Ansicht die naturgemässeste Er¬
klärung für das Vorkommen der Alliteration bei Chaucer.
Wenn man indessen die weiter unten angeführten Stellen
überliest, könnte man doch zu der Frage geneigt sein, die
Zingerle a. a. 0. p. 7 bei der Besprechung von Fischers
„Nibelungenlied oder Nibelungenlieder?“ und dessen Zusammen¬
stellung der alliterirenden Verse im Nibelungenliede aufwirft:
„Aber was ist damit bewiesen? Manche der aufgeführten
Stellen schliessen allerdings fast die Möglichkeit eines Zufalles
aus, andere können aber gar wohl zufällig entstanden sein,
und nimmt man erst die Verse mit zwei Stäben und die mit
zwei verschiedenen einander durchkreuzenden Stabreimen hinzu,
was doch — legt man einmal Gewicht auf die Sache — kaum
unterlassen werden dürfte, so gewinnt der Zufall immer mehr
Spielraum und es möchte schwer sein eine feste Grenze zu
ziehen“. Zingerle hält also die alliterirenden Verse im Nibe¬
lungenliede im Allgemeinen für durchaus zufällig, nur einige
meint er p. 8 „sind insofern nicht zufällig, als der Dichter
sie hie und da als Mittel rhythmischer Malerei absichtlich
gebraucht“. Er dehnt darum den Kreis seiner Untersuchung
noch weiter aus und zieht auch andere mittelhochdeutsche
Dichtungen hinein, Kudrun, Alpharfs Tod, Ortnit, Wolf-
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324
Lindneb.
dietrich, Rosengarten, jüngem Titurel, Lohengrin. Dann geht
er auf die Gedichte über, welche kurze Reimpaare mit Alli¬
teration zeigen: Die Krone des Heinrich von Türlein, Martina
von Hugo von Langenstein, Ulrich von Liechtenstein. Er weist
daran nach, dass auch bei anerkannten Kunstdichtem die
Alliteration vorkommt, und dass noch bis weit ins Mittelalter
hinein der geheimnissvolle Zug geht, zwei gleich inlautende
Wörter zusammenzureihen.
Wenn wir nun auf unsere Frage wieder zurückkommen:
„Was ist damit bewiesen, dass einzelne Verse bei Chaucer
alliteriren? Es kann ja dabei Zufall mitgewirkt haben,“ so
haben wir eine doppelte Antwort bereit:
1) War die damalige Zeit, wie Zingerle a. a. 0. p. 69
sagt, für Sang und Klang so empfänglich, dass man an den
Kleidern selbst Glöcklein trug*), so mussten die Leser solcher
gekünstelter Verse an derartigen klingenden Spielereien im
Verse besonderes Behagen finden. Deshalb gebrauchte Chaucer
häufig alliterirende Wendungen — wenn wir von seiner eigenen
Freude daran zunächst noch ganz absehen — zum Schmuck des
Verses. Dies schliesst natürlich jeden Zufall aus und bezeugt
die absichtliche und bewusste Anwendung der Alliteration.
Er benutzt sie zur rhythmischen Malerei, welche von den
damaligen Kunstdichtem sehr hoch gehalten wurde, was auch
u. a. die vielen onomatopoetischen Verse in den Canterbury
Tales darthun, von denen ich einige hier anführen will. Man
kann im Vers 170 und 171 deutlich das Geläut der Glöck¬
chen an dem Zügel des Pferdes heraushören:
.men might his bridel here
Gingeling in a whistling whistling wind as clere
And eke* as loud as doth the chapel belle.
*) Dazu vergleiche Vers 169—171, in denen Chaucer den Aufzug
des Mönchs beschreibt:
„And whan he rode men might his bridel here
Gingeling in a whistling wind as clere
And eke as loud as doth the chapel belle.“
Vgl. auch die Anmerkungen zu dieser Stelle in den Ausgaben von
Richard Morris, Oxford 1873, Notes p. 124, und von Robert Bell, London
1870 p. 84, Anm. 4.
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Die Alliteration bei Chancer.
325
Ich habe diese beiden schon angeführten Verse hier noch
einmal wiederholt um im nächsten Verse den Unterschied in
der Malerei des Kirchengeläutes von den obigen anschaulicher
zu machen:
V. 3655: Till that the helles of laudes gan to ringe.
In Vers 2339 und 2340:
And as it queinte it made a whisteling
As don these brondes wet in hir brenning,
kann man ganz deutlich das Knistern der Feuerbrände heraus¬
hören. Dem Homer ähnlich, dem Anfang der Ilias, wo
das Klirren der Pfeile im Köcher des Apollo in de*n bekann¬
ten, onomatopoetischen Verse geschildert wird, scheint V. 2360:
.the arwes in the cas
Of the goddesse clatteren fast and ring.
Einige andere Verse dieser Art, von denen die beiden letzten
ausserdem noch alliteriren, will ich noch als Beispiele hier
kurz anführen:
2434: And with that sound he herd a murmuring
Ful low and dim.
4099: With kepe, kepe; stand, stand; jossa warderere.
2602: Now ringen trompes loud and darioun.
2616: He rolleth under foot as doth a balle.
2607: Ther shiveren shaftes upon sheldes thicke.
2693: His brest to-brosten with his sadel bow.
Diese wenigen, schnell herausgegriffenen Beispiele mögen für
unseren Zweck genügen. Wichtig sind besonders die beiden
letzten Verse, da sie onomatopoetisch und alliterirend zugleich
sind und dadurch auch die Anwendung der Alliteration zur
Lautmalerei ausser Zweifel gestellt ist.
2) Schon oben habe ich auseinandergesetzt, dass Chaucer,
wenn er die Volkssprache nachahmen wollte, gezwungen war,
sich der im Volke lebendig erhaltenen alliterirenden Formeln
zu bedienen und, wo diese nicht ausreichten, neue nach freier
Wahl zu bilden. Hierbei lässt sich natürlich nicht haarscharf
entscheiden, welche von diesen alliterirenden Verbindungen
von dem Dichter mit Absicht gewählt sind, und welche wir
etwa seiner unbewussten, fast instinctmässigen Neigung zu
dieser alten Form verdanken. Das ist aber im Ganzen von
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326
Lindreb.
geringem Belang. Denn jedenfalls zeugt das häufige Vor¬
kommen solcher Formeln und deren wiederholte Anwendung
davon, dass der Dichter sie mit Vorliebe gebrauchte, mag er
dies bewusst oder unbewusst thun, und der Gedanke, dass sie
alle nur zufällig in die Verse gekommen wären, muss darum
schwinden. Wir werden also alliterirende Formeln verschie¬
dener Art antreffen, solche, welche schon die alte Sprache
kannte und sich erhalten hatten, und solche, für die sich
Belege aus der alten Sprache nicht auffinden lassen, die also
von Chaucer neugebildet sein müssen. Bei den letzteren kann
man allerdings vielleicht zugeben, dass in einigen Fällen Zufall
mitgespielt habe.
Aus allem Gesagten ergiebt sich, dass sich eine gewisse
Analogie im Gebrauche der Alliteration bei Chaucer und den
späteren mittelhochdeutschen Dichtungen zeigt.
Ich will nun zunächst einige vollständig alliterirende
Verse folgen lassen und dann die einzelnen alliterirenden
Formeln anführen, wobei ich jedoch eine, auch nur annähernde
Vollständigkeit bei der Menge des Materials zu erzielen nicht
im Stande war. Indessen hoffe ich, dass das Angeführte ge¬
nügen werde für meinen Zweck, das häufige Vorkommen alli-
terirender Verbindungen bei Chaucer darzuthun. In der An¬
ordnung dieser Formeln halte ich mich ganz an die vortreff¬
liche Eintheilung der alliterirenden Formeln im Layamon in
Hegels Aufsatz. Um Wiederholungen zu vermeiden werde ich,
wenn nöthig, darauf verweisen.
Zunächst begegnen wir einer ganzen Reihe von Versen,
welche als solche alliteriren und nicht blos alliterirende
Formeln enthalten. Diese Verse alliteriren theils vokalisch,
wie z. B. V.
3473: And ever he gapyd wpward to the eyr.
3547: Anongo get us fast into this in.
10351: My 22nglish eek is insufficient;
theils der Natur der Sprache angemessen vorzugsweise con-
sonantisch. Von letzteren gebe ich hier einige Beispiele*): V.
*) Ich citire die Beispiele nach der Routledge edition, illustrated
by Edward Corbould, weil darin die Verse nnmerirt sind.
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Die Alliteration bei Chancer.
327
18: That hem hath holpen, whan that they were seke.
40: And whiche they weren, and of what degre.
47: Pul worthy was he in his Lordes werre.
öl: At Alisandre he was whan it was wonne.
Aehnlich V. 59: Whan they were wonne.
70: He never yit ro vilanye ne sayde.
(Durch die Häufung der Negationen entsteht überhaupt von
selbst Alliteration, wesshalb ich solche Verse auch nicht weiter
anführen will.)
80: A lover, and a lusty bacheier.
81: With lockes crull as they were laide in presse.
713: Pul wel he wiste whan that song was songe.
804: And for to maken you the more mery.
871: And brought her home with him in his contree.
933: I wretched wight, that wepe and wayle thus,
934: Was whilom wif to.
1182: And bare away the hone betwix hem bothe.
Ein ganzer Cyclus von alliterirenden Versen findet sich bei
der Schilderung des Turniers in The Knightes Tale. Hier
bringt die Verbindung von Alliteration und Reim die wunder¬
barsten Effecte hervor. Man vergleiche V.
2604 u. 5: In gon the speres sadly in the rest;
In goth the sharpe spore into the side.
2607: Ther shiveren shaftes upon sheldes thicke.
2612: Out brest the blood, with sterne stremes rede.
2613: With mighty maces, the bones they to-breste.
2614: He through the thickest of the throng gan threste.
2615: Ther stomblen steedes strong etc.
2618: And he him hurtleth with his hors adoun.
Alliterirend sind ferner V.
2651: His hardy herte might him helpen nought.
3534: Hastow not herd how etc. Aehnlich 3538.
3536: That al the world with watir.
3567: Than shalt thou hang hem in the roofe ful hie.
3578: As doth the white doke after her drake.
3598: Men sayn thus; send the wyse and say nothing.
3618: He wepeth, wayleth, maketh sore chere.
3619: He siketh, with ful many a sore swough.
3707: I may not ete more than a mayde.
3718: Wilt thou than go thy way therwith? quoth she.
Jabrb. f. rom. u. engl. Lit. N. F. II. 22
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328
Lindnkb.
Die letzten Verse sind alle der Erzählung des Müllers ent¬
nommen und bestätigen meine obige Bemerkung, dass sich
in den Erzählungen von Leuten niederen Standes die Allite¬
ration öfter angewandt findet. Dann gehören hierzu V.
6600: And thilke man that now hath wedded thee.
10326: This noble king was clepid Cambuscan.
10485: Stent in the court as stille as any stoon.
10756: The falcoun moste falle fro the fist.
11010: A tale or two or breken his behest.
11054: To take him for hire husbond and hire lord.
11128: That loveth hire husbond as hire hertes lif.
11297: In word ne werk as far as I have wit.
11336: Up to the heavens his hondes gan he hold.
11466: That hath this mones mansions in mind.
13635: Say now somewhat sin other folk han saide.
13721: For in this world no woman is worthy.
13906: And breke hem bothe bak and every bon.
Dies sind nur sehr wenige Beispiele von den vielen vollständig
alliterirenden Versen. Ich führe nicht mehr an, da sich Jeder
mit leichter Mühe das Verzeichniss derselben vervollständigen
kann. Von Zufall kann dabei schon deshalb nicht die Rede
sein, weil Chaucer sie fast nur als Nachahmung der Sprache
des Volkes bei der Schilderung heftiger äusserer oder innerer
Bewegungen anwendet.
Dasselbe was Regel p. 175 von Layamon behauptet, dass
sich seine Freude am vollen Gleichklang ganz besonders deut¬
lich ergebe aus seiner sehr häufig hervortretenden Neigung
zur Wiederholung mehrerer Wörter am Anfänge auf einander
folgender Verse gilt auch von Chaucer. Auch hier will ich
mich bei der grossen Zahl von Beispielen, die sofort in die
Augen fällt, nur auf wenige beschränken:
V. 2573—75: And after rood the queen and Emelye
And after hem of ladyes another companye,
And after hem of comunes after her degre.
404 u. 5: His stremes and his dangers him bisides,
His herbergh and his mone, his lodemenage.
2275: Up roos the sonne, and up roos Emelye.
983: Thus ryt this duke, thus ryt this conquerour.
11044: And many a labour, many a gret emprise.
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Die Alliteration bei Chancer.
329
2775—77: Alas the deth! alas rnin Emelye!
Alas departing of our companye!
Alas min hertes quene! alas my wif!
1872—1874: Who looketh lightly now but Palamon?
Who springeth up for joye but Arcite?
Who coud it teil, or who coud it endite . . .
Ferner wäre hier zu vergleichen die Stelle V. 2927—2960.
Dann V. 11458 bis 11461. V. 590—592. Von des Dichters
lebhafter Freude am Gleichklang legt auch die Anwendung
von Wortspielen Zeugniss ab. Vgl. V.
10419: Al be it that I can nat sowne his style ,
Ne can nat clymben over so heigh a style.
10569: And yit is glas nought like aisschen of ferne
But for they han yknowen it so ferne .
11035: Colours ne know I non, withouten drede,
But swiche colours as growen in the mede.
Hierzu wäre ferner zu rechnen die Wiederholung bestimmter
Satzformeln, welche der Dichter häufig mit epischer Behag¬
lichkeit gebraucht. V. 10485 und 3472: „still as eny stoon w ,
10788: „deed as eny stoon u , 776: „domb as eny stoon a . Die
Verbindungen: „wel I wot, you wote oder thou wost w : 742,
773, 11008, 11284, 11311, 11353. „Now wol I stint“ in V.
1336, 2481, 11126. „If you lest, as him list, ther him leste“
in V. 11353, 13975, 11163, 10919. „I undertake“ in V. 3532,
3541, 3577. Auch hier mögen diese wenigen Beispiele ge¬
nügen, da sie nur mittelbar zu unserem Thema gehören. Im
Allgemeinen wird daraus ersichtlich, dass der Dichter die
Wiederholung nicht nur eines Wortes (mit derselben oder in
anderer Bedeutung), sondern auch ganzer Phrasen (von denen
einzelne sogar alliteriren, wie z. B. still as any stoon) häufig
in Anwendung bringt. Somit haben wir den Boden vor¬
bereitet, um uns nun zu den alliterirenden Verbindungen und
wiederholten derartigen Formeln selbst zu wenden. Die Zu¬
sammenfügung von Eigennamen mit alliterirenden Beiworten,
die im Layamon sehr häufig ist, cf. Regel p. 176 und 177,
findet sich bei Chaucer selten. Man könnte dies vielleicht
anoehmen in folgenden Bindungen: V. 1331: Juno jalous.
1948: Cresus caytif. 3657: amerous Absolon.
22 *
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330
Lindneb.
In der folgenden Anordnung richte ich mich ganz nach
Kegels Eintheilung. Er behandelt die alliterirenden Verbin¬
dungen im Layamon von 3 Gesichtspunkten aus. Er fasst
das etymologische, begriffliche und grammatische Verhältnis,
in dem die alliterirenden Worte zu einander stehen, nach ein¬
ander ins Auge. Diese Eintheilung empfiehlt sich auch für
unsere Untersuchung. Wir kommen also zunächst zu den
Wendungen, in welchen
A. Worte desselben Stammes alliteriren:
Vgl. Regel p. 178.
A manly man, V. 167; draw a draught 398; song was
songe, 713; teil a tale, 737, 794, 833, 892, 3111, 10320,
10482, 11009, 13636, 13775, 13894, 13931, 13974, 4454. Im
Layamon: teilen tale cf. Regel p. 184. The carter overiden
with his cart, 2024; saugh a sighte, 2335, Lay am. iseon siht
cf. Regel p. 183; brond brenning, 2340, Layam.: baemen, brune,
Regel p. 178. Auch im Altfriesischen zu finden, cf. Moritz
Heyne: Formulae alliterantes etc. p. 7: Mith ene bernande
bronde, 31, 11 Leg. Rüstringens, und: mith eine bernande
bronde, 76, 27, Leg. Emsigens. Gaf hem giftes, 2737; work
to wirche, 3308, 11184, Layam. wurchen werk, Regel p. 185;
die of deth, 11322, Layam. ähnlich dejen, dede, Regel p. 179;
hasty hast, 3545, bathed in a bath, 6836.
Diesen rein äusserlichen Gesichtspunkt, dass Wörter des¬
selben Stammes neben einander treten und der Natur der
Sache gemäss alliteriren, verlassen wir nun und wenden uns
B. Zu dem begrifflichen Verhältniss, in welchem
alliterirende Wörter zu einander stehen:
1) Concrete Begriffe treten zusammen, weil die durch
sie bezeichneten Gegenstände oder Personen innerhalb der¬
selben Lebenssphäre naturgemäss neben einander vorzu¬
kommen oder wirksam zu sein pflegen: Regel p. 186.
Holte and heth, V. 6; fowl in flight, 190; seynt of silk,
330, fleissh and fish, 346, Layam. fisc and flaesc, Regel p. 186;
braun and bones, 548, 13947; buried and brent, 948; hont
and hom and houndes, 1678, Layam. hunten homes, hundes
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Die Alliteration bei Chaucer.
331
cf. Regel p. 189. Aehnlich im Altfries. Cf. Moritz Heyne
a. a. 0. p. 31, 281: Hengstes höf und hundes töth etc. 226,
31, Leg. Ems., und Hanxstes hoff and hundes tusch, anda
swines tusch anda hoyne eitsel, anda hriders horn, ieftha
skeppes hom anda olla diares d£tha. 227, 31, Leg. Ems.
Werres with woundes, 2004; barbour and bowcher, 2027; lyon
and lepart, 2182; hood ne hat, 3124; blood and bones, 3127;
keen and cold, 10371; in word ne werk, 11297; shaftes,
sheldes, 2607, Lay am. sceldes and scaftes, Regel p. 193; stile
and ston, 13727; wery and wet, 4105; town and tour, 7936;
word and werk, 7904 cf. 11297.
2) ln ganz ähnlicher Weise gesellen sich abstracto
Begriffe zu einander, weil die in ihnen enthaltenen Zustande,
Thätigkeiten oder Eigenschaften nach dem natürlichen Ver¬
laufe der Dinge in gemeinsamen Lebenssphären gewöhn¬
lich auf einander folgen oder sich mit einander- verbinden:
cf. Regel p. 197.
Sentence and solas, 800; hope and herte, 1880; a legende
and a lyf, 3143; al this wo and al this werk, 11418; worthy,
wise, 11099; war and wise, 311, Layam. wis and war, cf.
Regel p. 210.
3) Noch häufiger ist es nicht sowohl die Zusammen¬
gehörigkeit an sich verschiedener Begriffe innerhalb eines
äusseren sachlichen Gebietes, als vielmehr ihre innere be¬
griffliche Aehnlichkeit selbst, was ihre gewohnheits-
mässige Verbindung veranlasst; einander nahe liegende oder
gleichlautende Ausdrücke, welche wenig unterschiedene
Seiten derselben Vorstellung enthalten, werden lediglich zur
nachdrücklicheren Hervorhebung des Gesammtbegriffs in leben¬
digem Parallelismus durch das Band des gleichen Anlauts zu
einander gesellt: cf. Regel p. 201.
Ne herde ne hyne, 605; compleyne and crye, 910; ire
and iniquity, 942; weepeth, wayleth, 1223, 1297, 3618, 9089,
11131, 11428, Layam. wepen and wanen, Regel 209; in mind
and memory, 1908; knotty, knarry, 1979; swymbul, swough,
1981; comfort, countenance, 2012; stem and stoute, 2156,
ähnlich Layam. strong and staerk, Regel p. 208; faire,
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332
Lixdner.
freissche, 2388; sick and sore, 2806, Layam. sare and sorje,
Regel 205; hakke and hewe, 2867; dayes and duracioun, 2998;
wane and wende, 3027; matrimoyn or mariage, 3097; wild
and wood, 3517, Layam. wod and wild, Regel p. 211; clepe
ne crye, 3589; through and tubbe, 3627; sweite and swete,
3703, ähnlich Layam. swinc and swaet, Regel p. 201; fantasie
and vanite, 3833; demen and devise, 10575, ähnlich Layam.
don, demen, Regel p. 212; dike and delve, 538, Layam. delven
die, Regel p. 236; drugge and drawe, 1418, ähnlich im Alt¬
friesischen, cf. Moritz Heyne a. a. 0. p. 10, 47: thä driwanda
and thä dreganda, 123, 5. Rüst, al thet ma driwa and drega
muge, 164, 9, Br., driwant and dregant god, 165, 4 Br., alle
thet thör ma driwa and dregha muge, 196, 13, E., driwen
ieftha dregen god 197, 24 E. Vgl. tryben noch tragen Weis-
tömer I, 355. Bare and plain, 11032; his lady and his love,
11108, 6812; god and governour, 11343; halke and heme,
11433.
4) Mit derselben Natürlichkeit, mit welcher wir bisher
gleichartige und nahe zusammen liegende Begriffe nach dem
Gesetze des Parallelismus mit einander vereint gefunden haben,
sehen wir in andern Fällen die formelhafte Verbindung um¬
gekehrt durch den begrifflichen Gegensatz herbeigeführt
werden; cf. Regel p. 211.
By dale and eke by doun, 13725, Layam. dal, dune
Regel p. 212; loth or leef, 197, 1839, Layam. leof, lad, Regel
p. 213. Auch im Altfriesischen, cf. Moritz Heyne a. a. 0. p. 19,
159: Thä letha alsa thä liava, 6, 9, Huns. Tha liava antha
letha, 6, 9 Ems. Vgl. Nieman ze liebe noch ze leide, statuta
Dinkelsbühliensia (Haupt, Ztschrft. Vn, 95). Zue lieb und zue
leidt, Weistümer II, 164. Von rechte ne sal niemanne wisen
liebe noch leyde, praefat. in specul. saxon. (ed. Göschen p. 6).
Weder durch lieb, leyd ... Lex Carolina, art. HI. Queint and
quicked, 2336; foul and fayr, 10435; friend or foe, 10450;
sleen or save, 11287; win, wo, 11094.
Bisher haben wir die alliterirenden Verbindungen nach
zwei Gesichtspunkten hin betrachtet, nach dem etymologischen
und dem begrifflichen. Es erklärt sich aus der wurzelhaften oder
begrifflichen Gleichheit der Wörter zugleich auch ihre nahe-
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Die Alliteration bei Chaucer.
333
liegende Anwendung und Neigung zu alliterirenden Fo.rmeln.
Dasselbe ist der Fall, wenn wir sie von einer dritten Seite
untersuchen und das
C. Grammatische Yerhältniss
näher ins Auge fassen, in dem die alliterirenden Wörter zu
einander stehen. Besonders die wiederholten alliterirenden
Formeln finden hierin ihre Erklärung, dass sich unter dem
Einfluss der grammatischen Beziehungen allmählich solche
Wortverbindungen festgesetzt haben.
1) Substantivum und Adjectivum in attributiver oder
auch prädicativer Verbindung. Ygl. Regel p. 217.
Straunge strondes, 13; straunge stream, 466; meke mayde,
89, 3202; freshe flowres, 90; simple smiling, 119; fair forehead,
154; faire of face, 13632; faire forest, 13684; worthi wommen,
217, 461; pitous passioun, 13878; mad man, TaleofMelib. p.
377; robus riche, 298; heigher hand, 401; parfight practisour,
424; brood as a bocler, 473; shiten shepherd, 506; longe lene
leggus, 593; whelkes white, 634; pore parsoun, 480; feigned
flatery, 707; garden grene, 1069; waste walles wyde, 1333,
1882; gaude grene, 2081; bright brest-plat, 2122; rubies reed,
2166; woodes wylde, 2311, Layam. wilde wude, Regel p. 221;
sorwes sore, 2421; fayn as foul, 2439; hihen halles, 2465;
hilleB hie, 7921", stoute stremes, 2612; mighty maces, 2613;
the thickest throng, 2014; hardy herte, 2651; grove grene,
2862; his rode was red, 3317; lovely look, 3342; wikkede
wight, 3484; hasty hast, 3545; gret grace, 3560; wedded wyf,
3609; busy as bees, 10296; wide world, 11133; woundes wyde,
10469, 4482.
2) Verbum oder Adjectivum binden sich mit dem
Adverbium oder Substantivum, welche ihre adverbia-
lische Nebenbestimmung enthalten. Vgl. Regel p. 221.
Reyced in Ruce, 54; foughten for our faith, 68; clad in
coote, 103; clad in clothes, 901; ful faire and fetysly, 124, 275,
541, 575, 608, 3319; sinote smerte, 149; gaudid with grene, 159;
hunting, for the hare, 191; ful fat, 200; ful free, 13651; ful faire,
13938;ful fin, 13783,455,3794; ful freissch,367; farsud ful,233;
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334
Lindneb.
wondurly wel, 417; wandering by the weye, 469; short shouldered
551; take by taille, 572; to give of his good, 613; wynne to
wyf, 1291; hent by the herte, 1302; bigge of bones, 1426;
riden ryally, 1687; wash with water of a welle, 2285; feyne
on fote, 2552; fight your fille, 2561; pight him on the pomel,
2691; sike sore (oder sorwefully 11894) and sayde, 3488,
11316, 6810; sothly sayn, 3670, 11082; smellen swete, 3691;
ryse rathe, 3766; doun descend, 10637; warish of his wo,
11474; wounded with woundes, Tale of Melib. p. 347.
3) Substantivum und Verbum sind im Verhältniss
von Subject und Prädicat mit einander verbunden. Vgl
Regel p. 230.
A route rood, 2496; shaftes shiveren (upon shouldres),
2607; speres sprengen, 2609; steedes stomblen, 2615; grass
groweth, 10467.
4) Verbum und Substantivum treten auch sehr häufig
als Prädicat und Object in alliterirende Bindung. VgL
Regel p. 236.
The venym voide, 2753; brest breken, 2693; make melodie,
9; bord bygonne, 52; bar a bracer, 111; dronken her draught,
135; sheeldes seile, 280; soth to say, 286, 9106, Layam. suggen
sod, Regel p. 242; make mencioun, 895, 1937; stynte stryf,
2452, see a sight, 2656; harwed helle, 3512; leese his life,
3521, Layam. leosen lif, Regel, 239; sharpeth shar, 3761;
hold your hest, 11376, 11475; lede Ttiir lives, 11056, 5578,
Layam. leden lif, Regel p. 239.
Ich hoffe, dass diese wenigen Beispiele genügen werden,
um auch im Mittelenglischen das häufige Vorkommen allite-
rirender Verbindungen ausser Zweifel zu setzen. Jeder kann
sich mit leichter Mühe das Verzeichniss derselben vervoll¬
ständigen. Es kommt mir an dieser Stelle hauptsächlich
darauf an, diese Abhandlung eine Fortsetzung von Regels
Untersuchung der alliterirenden Formeln im Halbsächsischen
sein zu lassen, und zu zeigen, dass sich bei Chaucer noch viele
der alten alliterirenden Wendungen, die schon verloren gegangen
sind, neben sehr vielen anderen vorfinden, welche sich noch
theilweise in der heutigen Sprache erhalten hahen. Es fehlt
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Die Alliteration bei Chaucer.
335
nun noch der gewiss interessante Nachweis des Vorkommens
alliterirender Formeln im Altenglischen, um die Geschichte
der Alliteration in England in volles Licht gestellt zu sehen.
Wie ich schon oben hervorzuheben Gelegenheit hatte, würde
diese Arbeit allerdings auf manche Schwierigkeiten stossen
müssen, da sie sich so ziemlich in der Mitte zwischen der
ersten und zweiten Blütheperiode des Stabreims ihr Gebiet zu
suchen haben würde, nichtsdestoweniger aber das allgemeine
sprachgeschichtliche Interesse in Anspruch nehmen dürfen.
Rostock, im November 1874.
Dr. F. Lindner.
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Nachlese auf dem Gebiete romanischer Etymologien
(Fortsetzung).
H.
„Unzweifelhaft ist branca [ital. altspan, altport. provenz.,
franz. branche, prov. auch Masc. branc Kralle , Zweig ] ein
sehr altes romanisches Wort, ja vielleicht schon der römischen
Volkssprache bekannt: für Ersteres spricht die ital. Ableitung
hrancicare mit palatalem c, indem solche Verbindungen nur
aus alten Stämmen hervorgingen oder doch in alter Zeit ent¬
standen; für Letzteres das Dasein des Wortes im Walachischen
mit eigenthümlicher Bedeutung [br$nc$ Hand, Vorderfuss].“
Diez Wörterb. I. S. 81. — Dass branca schon in der ru-
stiken Latinität gebräuchlich war, erhellt aus den römischen
Agrimensoren oder Gromatikern, bei denen wir p. 309 der
Lachmann-Rudorffschen Ausgabe (Berol. 1848) lesen: si
branca [so anstatt des Acc.] lupi habuerit facta . . . si
branca ursi habuerit . .
Wenn bei Diez I. 89 nach Anführung des althochdeutschen
hurst, hrusta d. i. Borste , Kamm (etwas Struppiges) in Bezug
auf die französischen Composita rebours Gegenstrich , und
rebourser, rebrousser gegen den Strich d. h. gegen die Borste
eines Thieres fahren, auf das mittellateinische rebursus strup¬
pig hingewiesen wird, so ist dazu zu bemerken, dass diese
(z. B. von Vossius de Vitiis p. 263 bezeugte) mittellateimsche
Form selbst wieder auf ein römisches burrus zurückgeht;
denn in dem Italacodex des Grafen von Ashburnham findet
sich — wiewohl mit einer anderen Bedeutnng — nicht blos
das jenem analoge Adjectiv reburrus, Lev. 13, 41: si autem
secus faciem capillus defluxerit de capite eius, reburrus
[LXX: ctvcapdkavrog] est, welches ausserdem bei Labbaeus L
155: reburrus, avdöiXXog, dva<pcckavros , und in dem von
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Nachlese auf dem Gebiete romanischer Etymologien. 337
Angelo Mai edirten Thesaurus (Auet Class. VIII. p. 509)
angeführt ist, sondern auch in den beiden nachfolgenden Ver¬
sen das Substantiv reburrium = avag>alavt(o^a 9 Lev. 13,
42 sq.: si autem fuerit in calvitio eius sive in reburrio eius
tactus candidus .., lepra est in calvitio eius aut in reburrio
eius etc.
Für das lateinische cassare = cassuin reddere sind I. 116
Sidonius und Cassiodorus als Gewährsmänner angeführt; dieses
Verbum tritt jedoch schon in einer früheren Zeit zu Tage,
z. B. in der lateinischen Bearbeitung der Homilien des Ori-
genes in Numer. von Rufinus, welche aus dem Ende des 4.
oder dem Anfänge des 5. Jahrh. n. Chr. stammt, wo es Hom.
XX. §. 1 heisst: cassatur ergo et in irritum deducitur numerus.
Daran, dass die romanischen Sprachen nicht aus dem Schrift¬
latein, sondern vielmehr aus der Volkssprache der Römer her-
vorgegangen sind, sieht man sich erinnert durch folgende
Angaben I. 132: „Coitare altital., span, portug. prov. cuidar,
altfranz. cuidier denken, sorgen; von cogitare. Subst. alt¬
ital. coto, altspan, cuida, portug. cuido, prov. cuit, cuida,
altfranz. cude; span. port. cuidado Sorge." Denn in den
ältesten lateinischen Bibelübersetzungen, deren Idiom fast durch¬
gängig den einstmaligen sermo plebeius vor Augen stellt, be¬
deutet — wie ich in meiner Schrift Itala und Vulgata S. 308.
352 nachgewiesen habe — cogitare sehr oft sorgen, fis-
Qig,vav y sowie cogitatio und cogitatus Sorge,
Anlässlich der gewiss richtigen Ableitung des ital. con-
trata, contrada, und des französ. contree Gegend vom
latein. Adverb contra [eigentlich = das Entgegenliegende] ist
I. 138 bemerkt, das Suffix ata füge sich sonst nicht an Par¬
tikeln. Nachweisbar aber sind wenigstens zwei dergestalt ge¬
bildete Adjective bei den Gromatikern, nämlich citratus und
ultratus, jenes (mit ager und mit pars verbunden) p. 247, 6.
291, 13. 17. 292, 17, dieses p. 247, 7. 291, 6. 8. 11. 292, 9. 14.
Als substantivirtes Neutrum stellt citratum p. 290, 18 sq.
291, 11. 15. 292, 12; ultratum p. 290, 18 sq. 292, 11. In
Anbetracht dessen lässt sich kaum bezweifeln, dass die er¬
wähnten italienischen und französischen Ausdrücke in einem
römischen contrata ihren Ursprung haben.
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338
ÜÖN8CH.
In dem lateinischen Evangeliencodex Cantabrigiensis aus
dem 6. Jahrh. n. Chr. finden sich neben den gewöhnlichen
Formen jejunamus und jejunantibus (Matth. 9, 14. Act 13, 2)
die anderweitigen: jajunans (Matth. 4, 2. Act. 10, 30) und
jajunassent (Act. 13, 3); ebenso jajunare . . jajunabunt
(Matth. 9, 15), hier aber mit einem dem a der ersten Silbe
übergeschriebenen e. Es wird mithin in dem Vaterlande jener
Handschrift neben der schriftmässigen Schreibung und Spre-
chung jejunare auch die provinciale oder ^rustike jajunare
üblich gewesen sein, welche der Corrector für weniger ange¬
messen hielt. Im Hinblicke darauf wird man sich die Ent¬
stehung des spanischen Zeitwortes ayunar nicht so zu denken
haben, dass in demselben a vor [jejjuncure gesetzt ward (I.
214 f.), sondern vielmehr so, dass bei ayunar jenes volks¬
tümliche jajunare zu Grunde gelegt und der Anlaut j vor
a abgeworfen wurde. Wahrscheinlich ist das walachische
azunä ebenso zu erklären.
Zu I. 224: „Gronda ital., churwälsch grunda, franz.
severonde, henneg. souvronte, altfranz. souronde Wetter¬
dach; von subgrunda bei Varro, wo es dieselbe Bedeutung
hat," erwähnen wir, dass allem Vermuthen nach grunda
schon bei den Römern vorhanden gewesen ist; denn bei
Labbaeus I. 83 findet sich folgende Glosse: „Grunda, 6tsyrj
xal xb vh\q rov Ttvkeäva i^% ov vitoöreyov“ Das italienische
und churwälsche Wort würde demnach für das Grundwort
selbst zu halten sein.
Bei den Romanen erhielt das lateinische ingenium in
seinen davon abgeleiteten Formen ingegno ital., altspan, en-
geno, prov. engeinh, engin, franz. engin (I. 237) auch die
Bedeutung 'künstliche Maschine 9 . Dass ihm diese aber schon
auf römischem Gebiete mitunter beigelegt worden ist, erhellt
aus der Passio sanctorum quatuor coronatorum, einer Märtyrer¬
legende, die ihren wesentlichen Bestandtheilen nach im 4.
Jahrh. n. Chr. niedergeschrieben zu sein scheint.*) Daselbst
*) Passio sanctorum quatuor coronatorum , herausgegeben von Wilh.
Wattenbach mit archäol. und chronol. Bemerkungen von D. Benndorf
und Max Büdinger. Leipzig 1870.
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Nachlese auf dem Gebiete romanischer Etymologien. 339
nämlich heisst es c. 2: „Quodam vero die dixit ad Simplicium
Nicostratus: Frater, quomodo ferramentum tibi confringitur?
Dixit autem ad eum Simplicius: Rogo te, tempera mihi ferra¬
mentum, ut non confringatur.' Dixit ei Claudius: Da mihi
omne ingenium artis. Et dum dedisset ei omnem scul-
pturam ferri, dixit Claudius: In nomine domini nostri Jesu
Christi sit hoc ferrum forte et sanum ad facienda opera. Ab
eadem hora coepit Simplicius omnem artem quadratariam cum
ferramento suo sicut Symphorianus bene et recte operari. —
Da hier ingenium artis dasselbe bezeichnet, was in andern
Sätzen ferramentum und ferrum genannt ist, so muss inge¬
nium damals s. v. a. künstlich hergerichtetes Werkzeug
bedeutet haben, in welchem Sinne seine romanischen Nach¬
bildungen noch jetzt gebraucht werden. Nebenbei ergibt sich
aus dem obigen Passus der Legende, dass temperare schon
dazumal härten oder stählen hiess, wie tremper bei den
heutigen Franzosen.
Was die Herkunft von pantöfola,pantilfola, ital., walach.
pantofle, span, pantuflo, franz. pantoufle (1.302) anlangt,
so möchten wir uns die Frage erlauben, ob vielleicht an das
Varronische pannuvellium (L. L. V. 23, 114) gedacht wer¬
den könnte. Daraus konnte pannuvlia, pantufla u. s. w. her¬
vorgehen mit der Bedeutung einer aus Spulgam gefertigten
Fussbekleidung.
Die aus peregrinus erweichte italienische Form pelle-
grino nebst der provenz. pelegrin (I. 311) hat eine latei¬
nische Vorgängerin schon in einer aus dem 4. Jahrh. stam¬
menden christlichen Inschrift der Stadt Rom, wo sie als Name
erscheint. Bei de Rossi*) nämlich lautet diese Grabschrift p.
82, Nr. 144 (aus d. J. 360 n. Chr.): Pelegrinus in pace cum
uxorem suam Silvanam quiexibit . . .
In demselben reichhaltigen und interessanten Sammel¬
werke begegnen uns drei Namensformen, welche für die Be-
urtheilung der bei Diez I. 318 f. besprochenen romanischen
Wörter piccolo, picciolo, piccino ital., span, pequeno,
*) InscriptioDe8 Christianae urbis Romae septimo saeculo antiquiores
ed. Jo. Bapt. de Rossi. Vol. I. Romae 1857—61.
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340
Rönsch.
portug. pequeno von Belang sein dürften. Wir beschränken
uns darauf, die betreffenden Inschriften mitzutheilen. Zunächst
p. 177, Nr. 404 [ann. 392 n. Chr.]: Dep Pitzinnina in pacc
r .. . . que vixit ann XXVI .... Sodann p. 235, Nr. 556
[ann. 406]: Hic positus est Argutio Pitinnus. . Ingleichen
p. 242, Nr. 572 [ann. 407]: Y kal Feb exsivi Pisinnus , . .
ius de corpore annoro V et mensis VII ... Zu Nr. 404 hat
de Rossi bemerkt: Notandum nomen Pitzinnina, quod vul¬
garis vocabuli piccinina et pizzinina antiquissimum exemplum
est; caeterum pisinnus et pisinna pro pnsillus et pusiUa
veteres Latinae voces sunt, quae in Ghristianis epitaphiis plus
semel nobis occurrent. Ferner zu Nr. 556.: Pitinnus, opi-
nor, pro pisinnus (piccino). . A pisinnus deductum est co-
gnomen Pisinio, quod in ethnico titulo legimus apud Maffeium,
Mus. Yer. 161, 7, et est vtcoxoqmstixov omnino quäle heic ab
argutus Argutio.
I. 368: „Scandeila ital., span, portug. catalan. escan-
dia u. a. Formen, im spätem Mittellatein scandula feiner
Weizen oder Spelz ... Es kann aus candidus abgeleitet sein,
mit verstärktem Anlaut . . .“ Wir sehen hier nicht ein roma¬
nisches, sondern ein echt römisches Wort vor uns; denn in
dem Edictum Stratonicense de pretiis rerum aus dem Jahre
303 n. Chr. findet sich bereits (p. 316 bei Zell I.): scandu-
lae sive speltae. Isidorus hat davon nachstehende Etymologie
gegeben, über deren Richtigkeit man freilich in Zweifel sein
kann, Origg. XVII. 3, 11: Scandula [al.: scindula] a divisione
vocata; duplex est enim scanditurque [al.: scinditur], id est
dividitur.
Ob das Verbum s tan care = sistet'e, das im Italienischen
vorhanden und aus dem das französ. etancher, hemmen ,
stopfen I. 397 f. hervorgegangen ist', schon im Lateinischen
gebräuchlich war, ist zweifelhaft. Zwar hat es Salmasius in
alten Handschriften des Serenus Sammonicus gefunden, in
welchen das Lemma des 22. Cap. lautete: Ad medendum re-
iectionem cibi et sanguinem stancandum (cf. Voss, de Vitiis
p. 752); diese Ueberschrift jedoch kann möglicherweise der
Zusatz eines späteren romanischen Abschreibers sein.
I. 400: „Stoppia ital., prov. estobla, franz. £touble
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Nachlese auf dem Gebiete romanischer Etymologien. 341
Stoppel . Das latein. Wort ist stipula: da aber aus betontem
lat. i kein rom. o hervorgeht, so ist dies ein unbrauchbares
Etymon, doch öflhen sich zwei Wege zur Erklärung des frag¬
lichen Wortes. Entweder hat sich in Latium selbst eine Ne¬
benform stupula ausgebildet . . . oder das, wie es scheint,
aus stipula entstellte früh vorkommende deutsche Stoppel
hat auf die reine romanische Form eingewirkt...“ Die ganze
Schwierigkeit hebt sich Angesichts der wohlverbürgten That-
sache, dass stipulae im rustiken Latein stupulae und selbst
stuplae gelautet hat. Lesen wir doch in dem uralten Bauern¬
kalender bei Gruter p. 138: stupulae incendmt[ur ?], in
der anderen (della Valle’schen) Abschrift desselben aber die
synkopirte Form stuplae.
Zum italienischen vermiglio = roth I. 441 lässt sich
erwähnen, dass vermiculus schon in der römisch-katholischen
Vulgata die Scharlachfarbe bezeichnet, Exod. 35, 25: dede-
runt hyacinthum, purpuram et vermiculum [in der alexan-
drinischen Version tro xoxxivov] ac byssum.
In Betreff des italienischen Adj. bisbetico wunderlich }
phantastisch II. 12 möchten wir eine Entlehnung aus dem
Griechischen annehmen. Bei romanischen Umgestaltungen sol¬
cher Art geht, wie wir früher gesehen, bisweilen die das
Wort beginnende Präposition ganz oder zum Theil verloren.
Da ferner der Zweifel- und Streitsüchtige sich in seinen Be¬
hauptungen oft wunderlich und phantastisch zeigt, so konnte
bisbetico mit dieser Bedeutung recht wohl aus atMpiaßrjTixog
hervorgehen.
Bei corribo, corrivo leichtsinnig , leichtgläubig II. 23
könnte vielleicht an die Herleitung von concreditivus =
vertrauensselig, leichtgläubig gedacht werden, da Adjectivbildungen
auf ivus im Spätlatein sehr häufig auffcreten. Allein die hier¬
bei vorauszusetzende Silbenabschleifung und Zusammenziehung
ist am Ende doch allzu bedeutend. Näher liegt die Ableitung
von rivus, so dass man annimmt, der Ausdruck Canalgenosse
oder Mitbewässerer sei in tadelndem Sinne gebraucht worden,
weil man das Sichhergeben zu einer solchen Theilhaberschaft
entweder dem für eine eigene Canalanlage nicht sorgenden
Leichtsinn oder der auf eine ungestörte Mitbenutzung rech-
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342
Rünsch.
nenden Leichtgläubigkeit zuschrieb. Das b in corribo würde
beim Hinblicke auf die überaus häufige Vertauschung des b
und v im rustiken Latein nicht auffallen.
II. 38: „Gruzzo, grüzzolo ital. = Haufe zusammen-
getragener Dinge , walach. gruetzi; wohl deutscher Herkunft,
vgl. Schweiz, grütz Gemisch von allerJumd Gesätne ... tf . Der
lateinische Ausdruck für altes Gerümpel, Trödelwaare (mithin
für ebenfalls zusammengetragene Dinge) ist scruta, orum,
woraus möglicherweise durch Umstellung des anlautenden s
an das Ende gruzzo entstehen konnte. Ebenfalls nach dem
Wortende hingerückt ist das s in der bei Labbaeus I. 45 er¬
sichtlichen Form crusta, welche durch yQvxa erklärt ist,
während dasselbe dem griechischen Etymon yQvrr\ ganz fehlt.
In Bezug auf die italienischen Verba intuzzare und
rintuzzare 1) die Spitze Umschlagen, stumpf machen, 2) däm¬
pfen, zähmen, ist II. 40 gesagt, ihre Herkunft aus intundere,
intusus sei trotz der übereinstimmenden Bedeutungen eine
grammatische Unmöglichkeit, nur intusare, intugiare habe
daraus entstehen können. Allein man wird jene — gerade
durch die Uebereinstimmung der Bedeutungen so nahe gelegte
— Ableitung gleichwohl aufrechthalten können, wenn man
erwägt, dass von tundere nicht blos tusus, sondern auch
tunsus stark im Gebrauche war, auch bei den Compositis.*)
Aus dieser Form tunsus ist einestheils tozzo dick und kurz
II. 75, gedrungen [eigentlich: klein gestossen], anderenteils
intuzzare hervorgegangen, ähnlich wie im römischen Volks-
munde formonsm zu formossus sich gestaltet hatte.
Was peritarsi sich scheuen , sich schämen HL 52 anlangt,
so sind es zwei Möglichkeiten, dieses italienische Zeitwort
herzuleiten, welche ich der Erwägung anheimgeben möchte.
Das Volkslatein liebte secundäre Verbalbildungen aus Sub¬
stantiven, namentlich aus solchen auf or; vgl. dulcorare , fri-
gorare, saporare, torporarc, vigorare in meiner Itala u. Vtdg .
S. 155. 161 f. Auch muss pavor nach der Appendix zum
*) Belege zu tunsus, obtunsus, retunsus, detunsus siebe bei
Neue Formenlehre der lat. Sprache. 2. Th. Mitau 1861. S. 446 f. Auch
im Edict. Straton. p. 313 steht optunsi pectoris. Noch weitere
Zeugnisse für obtunsus s. bei Hüdebrand zum Glossar. Parisin. p. 226.
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Nachlese auf dem Gebiete roinanischer Etymologien. &43
Probus (Diez II. 399) yolksthümlich paor gelautet haben.
Demgemäss konnte peritarsi aus einem noch weiter gekürzten
paoritare se entstanden sein. Eine zweite Modalität würde,
falls die dabei anzunehmende Consonantenverhärtung an an¬
deren Fällen nachgewiesen werden könnte, sich wegen der
Identität der beiden Bedeutungen noch mehr empfehlen. Konnte
nicht aus dem lateinischen vereri, veritus sich scheuen, sich
schämen , das Participialverbum veritare gebildet werden?
Wurde dann der Anlaut v in p verhärtet, so stellte sich pe¬
ritarsi heraus.
Bei dem italien. serqua = ein Dutzend II. 66 denkt
man unwillkürlich an ter quatuor. Darf man es auch davon
ableiten? Vielleicht eher von siliqua, woraus silqua und
dann sirqua, serqua wurde (vgl. felzare, ferzare; scalmo, scarmo
II. 28), etwa mit derselben Bedeutung wie duclla , cf. Isidor.
Origg. XVI. 25, 15: Sextula bis assumpta duellam facit, ter
posita staterem reddit.
Von pdlam bildete man depälare und propälare. Ein ana¬
loges Compositum expälare = ins Offene und Freie hinaus
errichten würde dem italien. spaldo (veron. venez. spalto)
Erlcer II. 68 sich zu Grunde legen lassen. Der Ausdruck für
ErJcer in den Digesten proiectum (XLIIL 17, 3, 6. 24, 22,
4) ist auf eine ganz gleiche Weise gebildet.
Unter totovia versteht der Spanier die Haubenlerche (II.
121), = alouette huppee . Diese und die übrigen Bezeichnungen
derselben, Schopf- und Kuppenlerche (galerita bei dem älteren
Plinius), deuten darauf hin, dass totovia mit toppo ... I.
417 zusammenzustellen sein wird. Aus dem spanischen tope
= altfranz. top Schopf wurde topita^ tovia, davor aber trat
das reduplicirende to. Ohne Zweifel sollte durch die Redupli-
cation die Intensität der Beschopfung und die pittoreske Be¬
weglichkeit des Kopfschmuckes bezeichnet werden*). Im Portu-
*) So nannten die Römer den Schmetterling pa-pil-io d. h. der
FlügeUchwinger. „Die Reduplication drückt.. die häufige Wiederholung
dea Flügelachwingens und dea dadurch auf unaer Auge uud Empfindungs¬
vermögen hervorgebrachten Sinneaeindruckes aus. 11 Corssen über Aus¬
sprache, Vocaüamua und Betonung der lat. Sprache. 1. Leipzig 1868.
S. 526 f.
Jfthrb. f. rom. u. engl. Lit. N. F. II. 26
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344
RÖN8CH.
giesischen verwandelte sich mit der Verallgemeinerung der
Bedeutung die Reduplicationssilbe to in co, aus totovia
wurde cotovia und dieses Wort bezeichnete nunmehr alle
Lerchenarten überhaupt, während dagegen im Französischen
auch diese — wohl behufs der Nachahmung des Gesanges
noch mehr veränderte — Form (cochevis) die ursprüngliche
Bedeutung Haubenlerche beibehielt. Von den mundartlichen
Ausdrücken coutelou, cotrelm, coutriaux (DL 121) ist meines
Dafürhaltens cotrelus unverkennbar eine Entstellung ans
xoQvdcdog, der griechischen Bezeichnung für Schopflerche,
Darüber, dass das spanische sancochar halb gar hocken
nicht von subcoctus , wie Cabrera und Diez angenommen
haben (II. 176), herkommt, kann bei der Unmöglichkeit der
Entstehung von san aus sub kein Zweifel obwalten. Auf semi-
coctus vielmehr weist sowohl die Form als auch der Umstand,
dass dimidia coctura ein oft wiederkehrender technischer Aus¬
druck bei Apicius ist.
Kann ttftano span, portug., tuetano span. Mark der
Knochen II. 189 für eine aus medullaneum oder aus medi-
tullianeum abbrevirte und entstellte Form angesehen werden?
Zu coiller altfranz. beerdigen . . . mittelhochd. küle,
niederrhein. kaul Grube II. 261 lässt sich vielleicht eine
Notiz der römischen Agrimensoren über die volksübliche Be¬
nennung der Armen-Begräbnissstätten verwerthen, nämlich
p. 55, 8 sq.: loca suburbana inopum funeribus destinata, quae
loca culinas appellant.
II. 262: „Von coq abgeleitet ist Adj. coquet gefallsüchtig
(sich brüstend me der Hahn) u , Die Richtigkeit der Ableitung
dieses spät entstandenen, erst — wie man annimmt — unter
Katharina von Medicis im 16. Jahrhunderte am Pariser Hofe
aufgekommenen Adjectivs erleidet keinen Zweifel. Allein die
Motivirung durch: C sich brüstend wie der Hahn* scheint
uns nicht ganz zutreffend zu sein, da das Sichbrüsten einen
fremdartigen, dem der Gefallsucht heterogenen Begriff in die
Erklärung bringt. Hähnisch, coquette, wird die Henne
genannt, nicht weil sie wie der Hahn gefallen will und sich
brüstet, sondern weil sie dem Hahne gefallen möchte, indem
sie beflissen ist, durch allerlei augenfällige, lockende Geber-
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Nachlese auf dem Gebiete romanischer Etymologien. 345
düngen sich des Hahnes Gunst und Gunstbezeigungen zuzu¬
wenden.
H. 304? „Ficelle franz. Bindfaden; Dimin. von filum,
gleichsam filicellum mit verändertem Genus wie in cerveile
aus cerebellum . . tt . Hierzu erwähnen wir, dass schon auf rö¬
mischem Gebiete das masculine filus auffcritt, nicht blos bei
Amobius I. 59 (Itala u. Vulg. S. 267), sondern auch bei Lu-
canus VI. 457 (460): Traxerunt torti magica vertdgine fili,
und im Commentar des Yerecundus [6. Jahrh. n. Chr.] zu dem
Canticum Ezechiae (bei Pitra, Spicil. Solesm. Tom. IV. Paris.
1858. p. 74): Omnes homines fili tenues quodammodo de-
putamur et unam omnes facimus telam, natura nos artifice
contexente, et dum morimur, singillatim rumpitur filus. —
Selbst das diminutive filicellus ist als Name in einer christ¬
lichen Inschrift aus Nola bei de Rossi p. 480 aus dem Jahre
538 n. Chr. bezeugt, welche beginnt: Filicellus subd....
Mit Recht sind H. 309 französ. frayeur, prov. freior
Schrecken . . esfreyar, esfreidar als Bildungen von frigi-
dus bezeichnet. Im Spätlateinischen gab es wirklich ein Subst.
frigdor; vgl. Gloss. Parisin. p. 7, 74: algor, frigus, frigdor.
262, 154: rigor, severitas vel stupor frigdoris. Es war von
frigidus, frigdus ebenso gebildet wie caldor (bei Non. p. 46)
von caliduSj caldus . Auch die synkopirten Formen des Zeit-
und Eigenschaftswortes sind bezeugt Parisin. p. 148, 245:
frigduit, altit. 7, 79: alsosus, frigdosus. — Gloss. Papiae:
frigdor, frigus, frigidum; frigduit, alsit; frigdent, frige-
scunt et frigdescere, frigidum esse ... u. a.
Das französische landier Feuerbock zum Auflegen des
Holzes , baskisch landera n. 357 lässt ein lateinisches Subst.
landicarium voraussetzen, gebildet aus landix, das in den
Priapischen Gedichten [78, 5 sq. Büchel.: misella landice vix
posse iurat ambulare prae fossis] in obscönem Sinne steht, eigent¬
lich aber den Holzrost oder Feuerbock bezeichnet haben wird
nach Ausweis der Andeutungen bei Labbaeus L 103: landica,
i<5%uQadt,v [wofür Vulcanius p. 230 iö%a()a yiwauceCa liest]; lan¬
dice s, itityaQig, — i<S%aQU aber ist H. 80 durch craticula erklärt.
II. 428: „Sobriquet franz. Spottname } sonst auch sot-
briquet geschrieben, so dass es aus sot einfältig und dem
23*
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346 Rönsch. Nachlese auf dem Gebiete romanischer Etymologien.
sinnverwandten altfranz. briquet (vgl. ital. bricchetto kleiner
Esel) zusammengesetzt sein könnte: donner un sobriquet ä
qlqun Jemand einen Einfaltspinsel ankängen ... u Wir sind der
Ansicht, sobriquet komme vom lateinischen rictus aufgeris¬
sener Mund , fletschende Spottgrimasse, mit vorangestelltem sub
zur Bezeichnung des Heimlichen und hinter dem Röcken des
Verspotteten Geschehenden, vgl. siibsannatio . Nahe lag die
Uebertragung von der Geberde des Spottes auf den Spott¬
namen. Die Schreibung sotbriqiiet wählte man zur Gewin¬
nung einer Etymologie für das nicht verstandene Wort.
Mit derselben Präposition scheint uns dasjenige Etymon
zusammengesetzt zu sein, welches für Soubrette franz. Kammer¬
jungfer (im Schauspiel) IL 430 anzunehmen sein dürfte. Die
Lieblingszofe wurde bei den Römern nach epigraphischen Zeug¬
nissen delicata genannt, sie hiess aber auch abra, indem man
das durch delicata [= aßgcc] übersetzte Fremdwort beibehielt
(so im Buche Judith 10, 2. 5. 10 in der Vulgata und in vor-
hieronymianischen Versionen). Aus diesem abra nun könnte
durch Voranstellung eines sub und Anhängung der Diminutiv¬
endung, welcher Endungszuwachs die Syncope des a herbei¬
führte, Soubrette entstanden sein, so dass es mithin seiner
Formation nach eigentlich ein Unterzöfchen bezeichnete.
n. 443: „Treper, triper altfranz., trepar provenz.
hüpfen, springen; ein mehreren Sprachen eigenes Wort: nieder-
länd. trippen, neuhochd. trippeln, engl, trip, kymr. tripio,
breton. tripa. Daher neufranz. trepigner trappeln , das aber
ein Nomen trepin voraussetzt...“ Die verschiedenen lateini¬
schen Verba genügen, wie es scheint, zur Ableitung aller
dieser Formen. Neben trepidare mit seiner ursprünglichen
Bedeutung trippeln, hin- und herlaufen finden wir bezeugt
tripudiare bei Livius; trepudiare im Glossar. Parisin. p.
286, 115 sq., und im Amplon. p. 381, 56; tripodare bei
Orelli 2271^ tripedare bei Labbaeus I. 188. Für das französ.
trepigner lässt sich wahrscheinlich eine durch n erweiterte
Form tripudinare supponiren nach Analogie der neben
scrutari im Volksmunde mit derselben Bedeutung gebräuchlich
gewesenen Verbalform scrutinare (s. meine Itala u. Vulg . S. 158).
Hermann Rönsch.
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Englische Lieder und Balladen ans dem
16. Jahrhundert,
nach einer Handschrift
der Cottoniani8chen Bibliothek des Britischen Museums.
(Fortsetzung.)
XXX.
Kampflied.
Eine Aufforderung an alle Christen, als tapfere Soldaten
unter dem Banner ihres Hauptmanns Christus muthig gegen
den Satan zu kämpfen und die Sünde *zu besiegen. —
A Ballet»
diclaring howe ewerye chriftian* ought to prepaire thern felffe to
warre & for to fight valiantly ynder the banner of his capton
chrift; to be songe after: Rowe well, you maryners.
Marche out, godes foldiours!
Youre enimies be fure at hand;
No doute ye muft have warres,
Se there-for juftlye that ye ftand.
A daungerous battall muft be fought
For youre falvacion, which chrift bought.
To lofe youre right, do not confent,
But fight in faith with good intent,
Hope well, & ftand ftoute,
& You fhall wynne the feld, no dowbte.
Fight, Sirs, tak paine
Lyke fouldyers trewe to youre captaine.
11. „Bemüht euch wie Soldaten, die ihrem (eurem) Führer treu er¬
geben sind.“
5
10
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348
Böddeker.
Youre captaine ys even chrift,
Who died once to fave hus all;
15 And he ys redy dreft
To help his fouldyers when they call,
That cleave to hym in armoure dight
Againft his enimye for to fight.
Sattan ys youre enemy,
20 Who doth invaide you fubtillye
All waies, no dowbtte,
Both night and daye he gooth abowtte.
Therefor watch well,
That you his dvinges maye expell!
25 He ys a fubtill child,
And he doth fflatter craftelye
Tyll he have you beguild,
YnlelTe youre armoure redy be
Towarde his blowes in youre affaires;
30 For he will you invaide vnwares.
Leame for to knowe his fubtill waies,
Stande ftoutte in faith at all effaies!
Whereby marke this:
You purchafe everlaftinge bleffe;
35 Or eis his gaine
Confiffceth in everlafting paine.
You muft be diligent
To ferve youre captaine daye and night;
Then he ys redy bent,
40 To ayde and help you in youre feighte
From fattan rage, f>at ys fo feil,
Whoffe force ys fuche, no tong can teil.
Yet chrifte, youre maifter, paffeth all!
Yf you in faith on hym do call,
45 He ys redy
To help hys faithfull floke trulye.
Wherefore feare nought,
But chrift wyll fave |>at he haith bought.
14. died ist hier zweisilbig zu lesen. Die Endungen ed und es
haben bei Chaucer gewöhnlich syllabische Geltung, zur Zeit Shakespeare^
wenigstens in grösserem Umfange als heute. — drest „bereit“; to dress
(frz. dresser) urspr. 1) to prepare, 2) to adom. — 17. dight, Pari
Praes. zu to dight = to prepare; ags. dihtan „in Ordnung bringen, ein¬
richten,“ nhd. dichten. — 40. feighe. MS.
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Engl. Lieder u. Balladen aus dem 16. Jahrh.
349
He ys a ftrong defence,
50 A faithfull frend to Tuche as call.
Suche ys his providence,
He paieth his fouldyers dubble all,
That ftand to hym to fight f>e feld,
And vnto fattan doth not yeld.
55 Theye fhall have düble hier, no doubt,
j>at manfully doth fight yt out.
Fight, Tyrs, with Tynne,
The heavenly cytti you Thall wynne.
For To chrift faid,
60 His fouldyers truly Thuld be paicL
Stand ftoute, be not affraide,
& take no truce with fattan then.
Youe nede not be difmaide,
For chrift wyll aide you every man,
65 That fight his banner to vphold.
Go to, good chriftians, be you bold:
Youre fight in faith fhall fonne prevaile,
& make youre enimies for to quäl.
Fight harde, not ceaffe!
70 You muft with hym proclame no peace,
For yf you do,
He wyll gyve you the over-throwe.
For this youre enemie
Full fubtillie wyll you affaile,
75 He worketh craftely
& feaneth peace for to prevaile.
But have youre armoure in youre hand,
His fiery dartes for to withftande;
Day and night loke youe be fure,
80 This fpirituall warre muft styll endure
Within youre corps, affure you this.
Therefor not staye,
But fight with fynne both night & day.
64. doth, 3. Pers. PL Im ags. ebenso wie im südlichen Dialekt des
altengl. war eth das Suffix nicht nur für die 3. S. Praes. Ind., sondern
auch für den ganzen PL Praes. Ind. — 68. heavenly cytti „die himm¬
lische Stadt“, den Himmel. — 68. quäl, gew. quail „verzagen, den Muth
verlieren“, eigentlich „to have one’s blood curdled“; itaL quagliare, frz.
cailler, lat. coagulo „gerinnen“.
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350 Böddbkeb.
85 Then he [>at ys fo ftout
To put his enimye to the flight,
He fhal be fure, no dowte,
To purchaice heaven, that citi bright.
He {>at in faith dotb light bis lampe,
90 To-breake |>e feidge & curfed campe
Of fattan & bis wicked crewe,
j>at chrift fouldioures dotb purfewe. '
Therefor begin,
& fight in faitbe to conqnere fynne.
95 Take paine, watcb harde,
f>e heavenly joyes ys youre rewarde.
Thus I fhewed here
Good chriften fouldyers how to figbt;
Tou muft in faith be cleare,
100 % & ftyll endure botb day & night.
An elmytt stronge of faith do make,
& patyently youre trobles take,
& have fure boppe what chrift haith faide,
For-whie bis promis doth not faide.
105 Tbroughe faitbe herein
You wynne the feld of deadly fynne.
Then god wyll faye:
„Come, reigne witb me in heaven for aye“.
90. feidge =■ Biege. — 101. elmytt = helmet.
XXXI.
Auch dieses Gedicht behandelt die Sündhaftigkeit des
Zeitalters. Zwischen dem folgenden Liede und den beiden
unmittelbar vorangehenden zeigt sich eine auffällige innere
Verwandtschaft. Der Gedanke liegt nahe, dass sie einem und
demselben Verfasser angehören, zumal sie in der Handschrift
hinter einander stehen. Dieser würde dann der in der Ein¬
leitung zu XXIX erwähnte Rowland Taylor sein.
Another ballet,
of this prefend tyme or worlde.
Hardnes ys headftrong,
And will not be hampered;
1. Hardness Härte, hier „Unbarmherzigkeit“. 2. „Und will sich
nicht hindern lassen.“
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Engl. Lieder u. Balladen aus dem 16. Jahrh.
351
Largnes ftrate lated,
And pride fo muche pampered;
6 And fpend-all with fparing
Ys fo well acquanted,
That lyberall free hartes
In fhrine may be fainted.
Hould-faft will gyve nowyght,
10 Welth femeth fo nedye
That wellheade ys ftopped;
Full mouthes are fo gredy,
And leane flees are feding
That longe haith bene pyned;
*15 None maye be loked to,
Tyll hungre have dined.
Lande backe, faith ftowtneffe,
Let frendes be first placed.
Flatterers are favored,
20 & truthe ftyll defaced;
Ys ever kept the harmeleffe,
Awed melan fafting;
Do-wronge doutes nothinge
The deathe eyerlafting.
26 Feare-nowght fpede better
Then dowbte of offendinge;
Marre-all, that micher,
Think never of amendinge;
And concyence canne catche alle,
30 Yet talke muche of Jefu.
But nedye helpe who lyfteth,
You fynde fewe that eaffe you.
3. lated =* letted „versperrt“; ags. lettan „to hinder, to stop“.
Dazu let sbst. „hindrance“. Die Formen des Praet. und Part, sind im
altengl. schon gewöhnlich kontrahirt in lett. Die Form late als Imper.
dieses Verbums findet sich bei Robert Mannyng. — „der Weg der mit-
theilenden Liebe (Freigebigkeit) ist versperrt“. — 9. nowyght ältere
Form für nought. — 11. wellheade „Quelle“. — 16. Lande, Imper.
von to lande (lend) „gehen“; ags. gelandian „landen, ankommen“; nhd.
„landen“. Im altengl. erscheint das Wort sehr häufig, und zwar regel¬
mässig in der Bedeutung „gehen“. — 93. doute fürchten; afrz. douter
„zweifeln“ und „fürchten“. — 97. micher „Faulenzer“.
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352 Böddbkeb.
Highe officce forgetteth
Lowe frendes, that never fayled;
35 Tyme past nothinge thinks on,
When Tome wepte & waled.
And Seketh praiffe, canne but promife,
Quickly repenttes hym;
When you call on hym full cloffe,
40 He abfentes hym.
Now flightes, the ynTavory,
Ys now the ringe-leder;
Old truthe nothing fett by,
Which was the trew treafor;
45 Aud vertue thus abufed
The World over-floweth.
What this wyll come to,
At the length, |>e lord knoweth!
Mycheffe, thus maifter
50 Men bent to fuche madnes;
May chaunge, er we looke,
Oure mirthe to great fadnes.
Thus, coming to conclufion,
Call playneffe to mynde!
65 Hatte overthwerte wrangling,
Left truth be maide blind.
36. thoughon. MS. — 37. feke. MS. but fehlt. — 41. flightes
„contrivance, artifice“. — 42. ringe-leder „Reigenführer 41 .
XXXH.
Weilm&chtslied,
in welchem die Geschichte der Geburt Christi nach der bibli¬
schen Ueberlieferung erzählt wird.
A oarrvll
of the birthe of chrift.
The vnderfonge.
The golden tyme ys nowe at hande,
The daye of joye from heaven doth fpringe;
Salvacyone over-flowes the lande,
Wherefore all faithfull thus may fingen
5 Glorye be to god moft hie,
And peace on the earth continuallye,
And vnto men rejoylinge.
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Engl. Lieder u. Balladen aus dem 16. Jahrh. 353
The birth of chrift, who lyft to here,
To this oure fonge lett them gyve eare,
10 Which fhowes the fame moft playnlye.
The angell gabriell from above
Was fent by god to breake his love
Vnto the yirgin marye;
Who faide: „Haile, marye, full of graicce!
15 BleiTed art thow of womans rayce,
The lorde ys with the fertainly,
As he haith fent the worde by me. u
When fhe hard this, fhe was affrayed,
And caft in her mynde, what he hadde faide,
20 The angell faide: „Feare not, marye,
The fonne of god dothe dwell with the.“
j,Lo, in thie wombe thou fhalt conceyve
And beare a fonne, whofe name fhall have
The gloryous name of Jefus.
He fhall be greate in maiftrie,
And calde the fonne of god moft hie,
Who füll fhall dwell amongft hus.
The lorde for hym fhall well provide
The feate of his father davyde,
And he fhall reigne for evermore,
A fafegarde ftyll vnto the poore;
Whofe kingdome fure fhall have no ende,
But ftyll in joyes the tyme do fpende.“
The virgin faide to th’angell than:
„Howe fhall this be, I knowe no man?“
The angell aunfwered [|>en] and faide:
„The holye goft, be not affraide,
From heaven fhall dbme vpon the;
And by the graice of god moft hie
40 Powre fhall over fhadowe the,
I teil the truthe, beleve me;
And alfo thie cofen elizabethe
So in lykewife conceyved haithe.
Thus god canne make the barren tre
45 To budde with frute moft pleafauntlye.“
Then mary faide with one accorde:
„Behould the hande-mayde of the lorde!
The will of god be done in me,
As yt fhall pleafe his majeftie.“
17. the * thee, Pron. Pers. — 19. cost — casi — 34. thangell. MS.
25
30
35
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354 Böddkkkb.
60 When fortye weke were commed & gönne,
In bethleem this our lorde was bome,
As efaye he did prophefye.
The fheperdes keping fheepe by night,
The lorde did compaiTe them with light,
65 His angell walking harde bye.
The fheperdes then were foore diftnaide.
The angell faide: „Be not affraied,
I bringe yon tidinges of fuche joye,
As sattans force canne not deftroye*
60 For-whye, to you ys bome this daye
The favioure of the world, I faye;
This ys the figne, where you fhall fee
A fwelded child in maunger lye. w
The fheperdes ftright to Bethleem wente,
65 As they by th’angell than were fent,
Where Josephe was withe marye.
And as the angell to them faide,
They founde the child in maunger layde,
Whom they dyd worfhipp trulye.
70 And fprede abrode, what they did fee,
As th’angell tould them certainlye;
Rejoyfing greatly at the same,
And praifinge godes moft holye name
For sending doune his only fonne
75 For our falvocyone to be.
Which was as now this chriftenmas.
Rejoice therefor, bothe more & leffe.
52. Die Prophezeiung ist übrigens nicht bei Jes&ias, sondern bei
Micha zu finden. — 65. thangell. MS.—63 fwelded =« swaddled.
xxxm.
„M. Thom is the author of a poem in „The Paradice of
Dainti Deuises“, 1576. The letters M. T., subscribed to
another in that collection, are supposed to belong to the
same person. M. seems to be frequently used for master.“
Kifson, Bibi. Poet — Dies wird der Verfasser des nachfol¬
genden Gedichtes sein. Ueber ihn sagt die Einleitung zum
Paradice of D. D. (abgedruckt im 3. Bande des British
Bibliographer von Brydges und Joseph Haslewood, London
1812): He is as unknown as Hill etc. — Von den beiden
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Engl. Lieder u. Balladen aus dem 16. Jahrh. 355
Liedern, welche wir im P. of. D. D. von Thom finden, enthält
der Vesp. 25 keines. Doch verräth eins derselben, unterzeichnet
M. T., an Form und Inhalt eiue auffallende Aehnlichkeit mit
Nr. IV unsrer Sammlung (So longe may a droppc fall. ..)
Ellin = Ellen, Helene. Wir haben es also mit einer Dichterin
' i.
zu thun. Ist dieselbe identisch mit der Person, welcher das
d. of. D. D. den Namen Thom beilegt, so müsste M. (Master)
als commune aufgefasst und als „Dichterin“ (Meisterin) ver¬
standen werden.
Das Lied ist an den Geliebten gerichtet, den die
Dichterin um Ge'genliebe anfleht. Sie gesteht ein, dass sie,
vordem eine Spröde, plötzlich vom Pfeile Cupidos getroffen
ist und bittre Schmerzen leidet. Das Feuer und die Kraft
der Sprache, sowie die Technik der Gedanken, machen dies
Liedchen zu einer Perle unter den Erzeugnissen der Lyrik
des 16. Jahrhunderts.
t
Ellin Thorae songe:
Would god, that deth with cruell darte,
& fatall fefters thre
Before kad perft my virgins harte,
Er I did fancye the.
6 Cupido then his force had bent
& golden boure in vaine;
My womans harte hade not be rent
With this moft rewfull paine.
His denting darte no Toner flew
10 From fownding lilver ftringe,
But pinchinge paines, eke dolores newe,
Within my breit did fpringe,
0 lukeleffe happ, unhaply luke!
Some lyones me feede,
15 Some sawage tiger gave me fuke,
Yn-thankfulnes me brede!
In der Ueberschrift muss „fonge“ als Yerbalform aufgefasst
werden, da Ellin Thorne kein Genetiv sein kann. — 2. Die Furien sind
gemeint.
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356
fi#DDBKB&.
Eis I not once had fencied the,
WholTe fhynning comely gracce
Conftraines me nowe to rune, I fe,
20 A captives rufull rayce.
0, fpile me not, but fpedely
Thie mercy here extende!
And I wyll ferve the faithfully
Vnto my latter ende.
30. fpile, neuengl. spül; ags. spül an „vernichten, zerstören".
XXXIV.
Loblied auf Zion — worunter die Kirche zu verstehen
ist —; seine Festigkeit sollen alle Nationen bewundern. Die
Phantasie des Dichters ist zu mystisch, um ein klares, poetisch
durchsichtiges Bild hervorzubringen.
Ueber die Person des Dichters, der den Namen Hart-
forth führt, ist nichts bekannt.
A S o n g e
of Ladie Sion the churche.
A Balet
of Sir Peter Hartforth, making upon the.fpalme vicare of
hovedon departed. *
Ego, ros campi in the feld,
The farest that can be,
Et lilium convalium
Among my lovers fre.
6 My cytie fhall full well endure,
Her grounde-worke ftill doth ftay
Vpön the holy Hills full fure,
Yt canne no tyme decaye.
God loves the gaittes of Sion beft,
10 His graice dothe there abide;
He loved them more then all the reft
Of Jacobes tentes befyde.
Full glorious thinges reported he
In Sion and abrode;
16 Great thinge, I faye, are faid of the,
Thow Cyttie of our god.
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Engl. Lieder u. Balladen aus dem 16. Jahrh.
357
On rahabe I will caft'an eye,
& beare in mynd the fame;
& babilon fhall eke applye,
20 & learae to knowe my name.
Lo, paleftme, and tire alfo,
With ethiophe likewyffe,
A people old full long ago
Where bome & there did ryffe.
26 Off syon they fhall faye abrode,
That divers men of fame
Have there fpronge vp, & the hie god
Have founded faft the fame.
In there recordes to them yt fhall
30 Throughe godes de vice appere,
Of Syon, that the cheffe of all
Had his beginninge there.
The trumpeters with fuche as fing
Therein great plentie be,
36 My fontaine & my pleafaunt fpring
Are compaft all in the.
XXXY.
Alles ist eitel.
Das Lied vergleicht den Frühling mit dem Jugendalter
des menschlichen Lebens, und knüpft daran die Ermahnung,
auch in der Blüthe der Jahre an die Vergänglichkeit alles
Irdischen und an das Jenseits, an die Ewigkeit zu denken.
Ueber die Person des Dichters, den die Handschrift
Pearson nennt, ist nichts bekannt.
Another ballett,
Pearfon doing.
(Maid in may 1678 — at Yorke.)
The fragraunt flowers frefhe to vewe
In may moft pleafaunt ys,
Doth yeld to man there bewtifull hewe,
That god faith framed sertis.
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358 Böddskk*.
5 Then man, confyder thine eftate,
Compared a flower to be;
For come thou early, come thow laite,
Before that thow fhalt dye.
So pleafauntly doth florifhe maye
10 ln his appointed tyme;
When june apperes, then flydes away,
And withered ys in fynne.
Lykwyffe fhall man, fo frefhe of hewe,
With valiaunt youthe decaye,
16 Confume to deathe, this ys moft trewe,
As flowers that faide in maye.
And as the man greatly delight
To vewe thie collowres ftraunge,
With fragraunt fmelle, bothe daye & night,
20 Which fodainlye dothe chaunge:
Even fo fhall man with bewties brave,
His pompe & coradge ftute,
Shall chaunge as flowers with withered ftave,
Which of the earthe tote roote.
25 No flower fo frefhe or fragraunt fmell,
But yt haith lofte his vewe;
Nor man fo frefhe in youthe fo well,
But he haith chaunged his hewe.
Sence now thus man compared ys
30 Moft lyke the flowers that hye
Them felves in to the earthe fertis,
Doth fhew that man fhall dye.
Then let (let) hus counte our lyffe the flower,
And youthe as luftye maye,
35 Which fhall be chaunged in fhorte howre,
As fcripture playn dothe faye.
And call on god, our heaven by king,
Our foules to mortifie,
j>at after dethe he will hus bringe
40 To his etemitie.
12. in fynne „endlich“; frz. enfin. — 13. (rehfe, MS. — 22. state
c=* stout. „Erlea myzt, and lordes ßtut, As cherles shal yn erthe be put**.
MS. Harl. 1701, f. 50.
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359
Engl. Lieder u. Balladen aus dem 16. Jahrh.
XXXVI.
Lohn der Mildthätigkeit.
Dieses Lied, welches zur Barmherzigkeit ermahnt, und
zugleich den, welcher der Mahnung nicht folgen will, auf
die Höllenpein des „reichen Mannes“ verweist, ist ebenfalls
von Pearson, dem Dichter des vorigen Liedes.
Another song
of T. Pearfon doing.
0 man, refraine thie vile defyre,
Subdewe thie luft in-Ordinate;
Tere-leJTe thow kindleft a flamyng fyer
Of godes wrathe, envy, or hate.
6 Thou knoweft not, what a poyfon ftronge
Thou heapeft vpp with-in thie breft,
When that thow doft a poore man wronge,
The lorde wyll revenge the poore requeft.
For lyke as the affe ys lyons praye,
10 So ys the poore the riche mans meate;
As in experiens everye daye,
Howe that the riche the poore dothe eate.
And as the woolfe devoure the lambe,
Which of the flefhe & blöde do feede,
15 So dothe the riche & covetuous man
Oppreffe the poore, or cauffe to nede.
But as the tre that bereth frute
After the leaffe yt doth decaye,
So man fhall leave his mynde & vaine fute,
20 & turne in th’ende to clotte of claye.
But lett not covetuoufn§s the torne,
For to releve & helpe the poore,
Feare leffe in hell therein thou boume,
& bide in tormentes evermore.
26 Example of „dives“ we maye reede fertaine,
As feripture plainly dothe hus teil;
For denyed of lazarus his hunger to fuftaine
In perpetuall tormentes in hell dothe dwell.
16. do nede. MS. — 20. thende. MS. — 21. torn „abwenden“} frz.
tourner.
Jahrb. f. rom. u. ei^gl. Lit. N. F. II. ii-A
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360 Böddekeb.
Therefor gyve vnto the poore Tome parte
30 Of that which god haith gevin to the,
& with fre will & faithfull harte
Gyve, that thou maift let no man fe.
Then fhall thou be exalted hie
In clowdes of heaven celeftiall,
35 Where ever ys joy & melodye.
God graunt to hus that plaice etemall!
XXXVII.
Das folgende Liedchen ist sowohl in Hinsicht auf seine
Idee, wie auf den Ton, in welchem dieselbe poetische Form
erhalten hat, ein echtes Volkslied zu nennen. — Was die
Unterschrift anlangt, so ist kaum daran zu zweifeln, dass allein
der Buchstabe G. auf den Verfasser hinweisen soll, während
Poete denselben als Dichter bezeichnet. Es könnte G. Poete
auch als Pseudonym aufgefasst werden. — Ein Dichter Dargeson
ist nicht bekannt.*) „Donkin auch wohl nicht Eigenname,
sondern „Herrchen“ (Junker). Deminutiv zu don, lat. dominus.
(Neuengl. don „a fellow of a College“).
A mery Ballet
of the Hathome tre,
to be fonge after Donkin Dargefon.
It was a maide of my countre,
As fhe came by a hathorne-tre
As full of flowers, as might be feen,
She merveld to fe the tre fo grene.
5 At laft fhe afked of this tre:
„Howe came this frefhnes vnto the?
And every brauche fo faire & cleane?
I mervaile f)at f>ou growe fo grene.“
The tre maid anfwere by and by:
10 „I have good cauffe to growe triumphantly;
The fweteft dew |>at ever be fene
Doth fall on me to kepe me grene.
*) [„Donkin Dargeson“ ist auch nur Bezeichnung des Liedes nach
dessen Melodie das vorliegende gesungen werden soll. Lemcke.]
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Engl. Lieder n. Balladen ans dem 16. Jahrh.
361
„Yea“, quoth J>e maid, „but where J>ou growe,
f>ou ftande at Lande for every blowe,
Of every man for to be seen;
I mervaile |>at f>ou growe fo grene. u
„Though many one take flowers from me,
& manye a brauche out of my tre,
I have fuche ftore, they wyll not be fene,
For more & my twedges growe grene.“
„But howe, and they chaunce to cut the downe
And carry thie braunches in to the towne?
Then will they never no more be fene
To growe againe fo frefhe & grene.“
„Thoughe that you do, yt ys no boote,
Withoute they cut me to the roote;
Next yere againe I will be fene
To bude my branches frefhe and grene.“
„And you, faire maide, canne not do fo;
For yf you let youre maidhode goe ;
Then will yt never no more be fene
As I with my braunches can growe grene.“
The maide with that begane to blufhe,
And tumed her from the hathome bufhe.
She thought herfelffe fo faire & clene,
Her bewtie ftyll would ever growe grene.
What that fhe harde this marvelous dowbte,
She wandered ftyll then all aboute;
Sufpecting füll what fhe would wene,
Her maidheade loft would never be feen.
With many a fighe fhe went her waye,
To fe howe fhe maide her felf fo gay,
To walke, to fe, and to be fene,
And fo out-faced the hathome grene.
Befides all that yt put her in feare
To talke with companye anye where,
For feare to lofe the thing that fhuld be fene
To growe as were the hathome grene.
35. thoughe MS.; he felffe. MS. —
24 *
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362
Böddekeb.
But after this never I could here
60 Of this faire mayden any where,
That ever fhe was in foreft fene,
To talke againe of the hathome grene.
G. Poete.
Loblied
auf die Zufriedenheit.
Als Dichter wird bezeichnet ein T. Kicheson. Ein
Dichter der Zeit, in welcher unser Lied entstand, hiess Thomas
Richardson. Ritson sagt über ihn in seiner Bibi. Poet.: Thomas
Richardson, sometime student in Cambridge, wrote „ A proper
new song, to the tune of „I wish to see those happy daies“
in „A handfull of pleasant delites“, 1584". — Ein andrer
Dichter des 16. Jahrhunderts, auf den die Bezeichnung der
Handschrift passen könnte, ist nicht bekannt.
To the tonne of: „The raire & greatest gift“,
The happieft man f)at nowe doth lyve
Haith fure fome ftaye of wretched ftaite;
Dame fortoune fo her gyftes doth gyve,
f>at all ar fubjecte vnto faite.
6 The poore & riche in eche degre
Are yext with greffe, by proffe we fe.
Yet hap what hap, fall what may fall,
A lyffe content excedethe all.
The riche man, being miffe-content,
10 Ys porer then the poreft wight;
Our riches to hus are but lent,
For to beftowe the fame aright
And hus the fcriptures cals by name
But only ftewerdes of the fame.
16 Yet happ what hap, fall what may fall,
„I lyffe content" excedethe all.
The golden cheft decayes by reft,
The fturdie fteile ys perft in fpaice;
All worldly welth muft paffe to duft,
20 & mortall thinges muft rune J>at raice.
1. doft. MS. — 13. cals by name „nennt“ — 18. Cfceile „Stahl,
Schwert“, jetzt steel. — perft, Part. Praet. zu perce, frz. percer, neuengl.
pierce; „Der härteste Stahl zerbricht im Laufe der Zeit“.
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Engl. Lieder u. Balladen aus dem 16. Jahrh.
363
And tyme wyll bringe all thinges to end,
Wbich god or fortoune here doth lend.
Yet hap'what hap, fall what may fall,
„I lyffe content“ excedethe all.
25 What meane this gredie fnaching then?
What meanes this pilling of the poore?
What makes fo many idle men
To go abrode from dore to dore?
But only wante & idle lyffe,
30 Which throughe the world ys growne fo ryfe.
Yet hap what hap, fall what may fall,
„I lyffe content“ excedethe all.
The molyng oxe deferves meat,
The laboring foule doth earae his hier,
35 The fweating perfoun muft nedes eate,
Good reafon doth the fame require.
The blinde, f>e ficke t the halt, & lame,
For pytte fake, muft have the fame.
Yet hap what hap, fall what may fall,
40 „I lyffe content“ excedethe all.
Good Lord, preferve thou this plaice
With all the people in the fame;
& graunt hus all to have the graice
To honoure fo thie holy name;
45 That with hus all thou pleafed may be,
When the in glory we fhall fe.
Let come, good Lord, what pleafe the fhall,
Thie will be done, we do praie all.
0 T. Richefon.
34. eare. MS. — 46. the, Prou. Pers „Dich“.
XXXIX.
Mahnung an alle diejenigen, welche in den Stand der
Ehe treten wollen, der göttlichen Vorschriften für Verheirathete
zu gedenken.
A ballet
of mariage.
Who fo in wedloke doth intend
A trade for lyfe vnto the end,
Godes ordinaunce he muft embrace,
& in godes feare muft rune his raice.
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364
Böddekeb.
6 In paradice god by & by
Joynde man & woman joyfully,
That ecbe to other fhuld reforte
For ayde, & help, & for comforte.
For help to ftay that filthie rage,
10 Which doth incomber every aige;
And for to comforte man alfo
In helth, in ficknes, welth, & wo.
And frerfore god haith maid them one,
Both one in flefhe, & eke in bone;
15 To th’end they fhuld be one in hart,
& eche from other never ftarte.
15. thend. MS. — _
XL.
Klagelied
eines Unglücklichen, den die Liebe, der Wein und das Würfel¬
spiel ins Verderben gestürzt haben.
A notable Instmcyon
for all men to beware the abufes of dyce, wyne, & women.
Dives eram dudum,
Sed tria me fecerunt nudum:
Alia, vina, .venus,
Tribus his fum factus egenus.
5 Yf mufinge thos that do behould
My woe & rufull ftaite,
Shall ponder well the fequales here,
That muünges will abaite; ^
For thoughe that painfull penury
10 Doth pine & penche me nowe,
Yet was I furnifht once with welthe,
As well as fuche as yowe,
Tyll that the glybbe & gilfull dycce,
The fwete & pleafaunt wynne,
15 Allured me to ventre courte,
Where theye were gaye & fynne.
Qui non affueffit
Dum juveniffit,
A.. tus nefcit
20 Defcedere quando fenefcit.
1. Die beiden ersten Worte der zweiten Zeile (My woe) bilden im
MS. das Ende der ersten. — 10. penche — pinch. — 13. gilfull, jetzt
guileful. — 14, 16. wynne, fynne *= wine, fine. —
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Engl. Lieder n. Balladen aus dem 16 . Jahrh. 365
Whoffe gilefull waies & graiceleffe ftepps
When I begänne to goe,
Then heapes of micheffes did enfew,
& wrought me all this woe.
25 For thes triftles Companyons
From graice alured to vice,
Bo that my delectacyon,
When I was once at dyce,
Was woundes! & bloode body! & fyddes!
30 With other dredfull othes,
When I had togged away thereat
My monye & my dothes.
Post vinum verba,
Post imbres nafcitur herba,
35 Post flores fructus,
Post maxima gaudia luctus.
gaine when lucke did vaunce my ftaite,
Then was I brave & tryme
As he whoffe ftaite ys worfhipfull,
40 I would refemble hym
In outwarde pompe & glyttering fkewe,
Adomed with veftures fynne;
Vnfemly muche for myn eftaite,
Whereat fome did repyne;
45 And thus confumed I my yeres
With fporte & pleafaunt playe.
In feafting, & in banketinge,
At dyce, & wyne all day.
0 lucra
50 Damnofa,
Invenis pecuniam,
Et perdis jufticiam.
And when the eveninge did aproche,
I trode the trayce & waye
55 To venus palacce, there to daunce
Among the ladyes gaye,
Whose courtelyke countenaunce and chere
The more I did aprove
The leffe I could with-drawe my felffe
60 From there accurfed love.
21. „gilefull waies & graiceleffe ftepps“ ist Objekt zu goe. —
57. „and chere“ bildet im MS. den Anfang der Zeile 58. —
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366
Böddekbr.
Thus drowned I was in folies pitt
demororum By there allnres and gile,
ebrietM. Moft falslye teaming love on me,
That lafted out a while.
65 Adam, fampfon, loth, david,
Sic Salomon femina decepit,
Quis modo tutus erit!
For as they then imbraced me,
When poundes in purffe were bent,
70 So was I haitfuU in there fight,
When all the Tarne was fpent;
As forton favored myn eftaite,
cerere^e So dyd I ebbe & flowe,
iHget Yenas. Some tyme by welth fet vp on hie,
75 Some tyme throwne downe To lowfe,
That to odious was my name
In venus courte & plaicce,
When that my robbes were worne to ragges,
& welth was waxen baice.
Etiftmsi Let this example of my Imarte
pcrie^cu- Teach others to bewaire
pidinis armia. Of women, dice, and wynne alfo,
Which haith maide me thus baire.
For when my parentes gave to me
85 Greate heapes of gold fo fynne,
That I confumed at dauncing ftate
On women, dyce, and wynne;
For thes vnthriftes applyaunt were
To Ihare me and all fuche,
90 As youthfull were, and of fome welthe,
Tyll they had robed my puche.
Then was my mynd all difmaid,
When welth was worne awaye,
With all my eftimacyone
95 & porte that was fo gaye,
That hardly I reftrayned my fbeppes
From there accurfed raicce,
That tong and harte to tybome tre
With heavie harte & faice.
100 For tybome tyde men gave attemptes
To bringe me to that lore,
To whome yf I hade geven confent,
I had pal'ed dere therefore.
72. forton „Fortuna“. — 98. Tyburn ist der Name eines ehe¬
maligen Richtplatzes in London; Tyburn tree daher „Galgen“. —
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Engl. Lieder u. Balladen aus dem 16. Jahrh. 367
Such be the daungers of all thes
105 That from godes feare declyne,
Yelding them felves to idlenes,
To women, dice, & wyne.
In tyme, therefor, hold faft his love,
Lyve ever in his feare,
110 Which ys a treafure paffing all
That can not fall nor weare.
For as they cannot want or quäle,
That on hym doth depend,
So they that do neglect his graice,
115 Can have no hapie end.
Quid vaict »ru? Thouglie they be mightie, ftronge, & ftowte,
Having millions of gold,
veuerari ? There mifere may be as myne,
Which now doth quake for cold.
120 Eche man doth fe that glittering gold,
And Ornamentes moft gay
Be godes good gyftes and creatures which,
He geveth and taketlie away.
Timor domini Why fhould we then truft in that mould,
pecoata. In bewtie, or m powre,
126 In honoure or in dignitie,
Which perifhe in an howre?
Such ys the force and powre of hym
Whos hande none can refift,
130 He lyfketh vp and throweth downe,
He ruleth as he lyft.
Obay him, therefore, all youre lyffe,
Praiffe hym & praye hym ftyll
To ftay you ever by his graicce,
135 That you may do his wyll.
Then fhall youre ftepps be ftayed well,
You can not treade amyffe,
But walke directly vnto hym,
Where he for ever ys.
140 Which path god graunt hus all to lend,
The well to walke therein,
And to be myndfull of that price,
Which once he paide for synne.
122. Which bildet im MS. den Anfang der folgenden Zeilen. —
140. lend „gehen 11 ; ags. landian.
(Fortsetzung folgt.)
Böddeker.
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Kritische Anzeigen.
Antikritik.
Die Zeitschrift für deutsche Philologie, Ergänzungsband
S. 582 ff., enthält aus der Feder des verstorbenen Julius Brakel-
mann eine Kritik meiner altfranzösischen Romanzen und Pastourellen,
die mich zu einigen Bemerkungen veranlasst. Der ganze Ton
dieser Recension ist ein etwas animoser, und wenn auch der
Herausgeber der Zeitschrift 'einige rein persönliche Wendungen’
getilgt hat, so ist des persönlich Gereizten doch noch genug übrig
geblieben. Die Ursache dieser Grundstimmung ist mir keineswegs
verborgen. Der Verf. der Kritik hat seine Eitelkeit dadurch ver¬
letzt gefühlt, dass ich ihn mcht genannt habe. Das ist richtig,
ich habe ihn weder im Guten noch im Bösen genannt, aber seinen
Abdruck von A immer citiert und auf seine demselben beigegebenen
Bemerkungen gelegentlich Bezug genommen; es fragt sich nur
was schonender war, seine Verkehrtheiten, wo sie nicht ungerügt
bleiben durften, mit oder ohne Nennung seines Namens anzuführen
und zurückzuweisen.
Die Sache selbst angehend, so bin ich weit davon entfernt
gegen die aus nochmaliger Benutzung der Handschriften (und
zum Theil, wie bei A , des Originals, während mir nur eine Copie
zugänglich war) gewonnenen Berichtigungen etwas einzuwenden:
im Gegentheil bin ich dankbar dafür. Dass bei einem zahlreichen
handschriftlichen Apparat Versehen leicht Vorkommen, wird jeder
wissen, der derartige Arbeiten unternommen hat. Die für höchst
genau geltenden Variantensammlungen Lachmanns zu den Nibe¬
lungen und zur Klage geben davon merkwürdige Proben. Und
wer wüsste nicht, dass selbst, wo es sich um eine einzige Hand¬
schrift handelt, spätere Collationen derselben immer wieder manche
frühere Lesung berichtigt haben! Ich bemerke ferner, dass von
den schon früher gedruckten Texten ich mir vorher besondere
Abschriften gemacht hatte und diese bei den Collationen der Hss.
zu Grunde legte. Daher ist es denn sehr begreiflich, wenn nicht
jede orthographische Variante notiert wurde, etwa ein vous des
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Antikritik.
369
Abdrucks in vos oder umgekehrt verändert ward. Das Gleiche
gilt bei den nach einer Handschrift copierten Texten, in welche
die Varianten der übrigen Handschriften eingetragen wurden; dass
auch hier nicht auf alle orthographischen Abweichungen namentlich bei
den für die Textconstituierung unwichtigeren Handschriften geachtet
wurde, ist selbstverständlich. Freilich ist es bequemer und an¬
genehmer, alle Handschriften vor sich zu haben imd darnach
einen Text auszuarbeiten als auf einer literarischen Heise das
Material zu sammeln und nachher zu Hause kritisch zu gestalten. Aber
wie viele sind in der Lage sich jahrelang nach Paris setzen zu können,
und werden die es können auch immer die richtigen Leute sein, um
schwierige kritische Aufgaben zu bewältigen? Wenn man nun noch,
wie Brakeimann gethan, selbst die geringfügigsten Dinge zusammen¬
sucht, so kann man allerdings eine quantitativ sehr reichhaltige
Nachlese halten, zumal wenn man böswillig genug ist, die Gründe
manches Umstandes nicht sehen zu wollen, oder zu unfähig, um
sie zu begreifen. Von der Seite 343 mitgetheilten provenzalischen
Fassung des Liedes I, 36 lag ein Abdruck in Mahn's Gedichten
vor; das ist der Grund gewesen, weswegen ich in Klammern nur
einige Textverbesserungen mitgetheilt, im Uebrigen aber mich nicht
für verpflichtet erachtete, die Handschrift genau zu reproducieren.
Mitunter war es mir lieb zu ersehen, dass mein auf Conjectur
beruhender Text die Lesart des Originals, von dem mir nur
die Copie vorlag, hergestellt hat; so I, 37, 31. Bei manchen der
Angaben B’s. möchte ich doch noch bescheidene Zweifel äussern,
so I, 57, 115; sollte hier F wirklich nicht tant ta samors haben?
Dass in E si stehe, habe ich gar nicht behauptet; ich habe in den
Varianten angegeben si] tant F d. h, statt des in den Text ge¬
setzten si hat F tant ; jede orthographische Abweichung anzugeben,
halte ich mich nicht für verpflichtet, am wenigsten wo ich wie
bei den Liedern von Audefroi le Bastart eine gleichmässige
Schreibung durchzuführen versucht habe. Derselbe auf Unkenntniss
der Grenzen in den Mittheilungen des kritischen Apparates be¬
ruhende Vorwurf wird bei I, 58, 4 erhoben. Hier gebe ich an
cansainte A, cansinte 2?, encainte E F; Br. bemerkt dazu c enchaintc
2^, und will damit meine Variantenangaben als ungenau und un¬
vollständig hinstellen. Aber hier handelt es sich nicht darum, die
Orthographie anzugeben, sondern darum, dass E F gegenüber von
A B die Conjunction weglassen; dass bei A B die Orthographie
berücksichtigt ist, liegt in der hervorragenden Stellung, die ich
diesen Handschriften mit Recht eingeräumt habe. Ein gleicher
Fall liegt 70, 22 vor, wo ich als gemeinsame Lesart von E F
angab bete tres douce et a cörs gent , F hat nicht a cors , sondern au
cors , Br. liest ancors , was sicher unrichtig; auch hier kam es nur
darauf an die abweichende Gesammt- oder Classenlesart von E F
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370
Bartsch.
gegenüber von A B hervorzuheben, und dabei war eine kleine Ab¬
weichung zwischen E und F unwesentlich. Wenn II, 3, 48 bemerkt
wird, die Berner Handschrift habe iuaulz , nicht viaulz , und 56 iuaus
nicht viaus , so möchte ich fragen, was das mit einer Berichtigung
meiner Lesarten zu thun hat. Ich gab an, wie Hofmann gelesen, und
habe ausdrücklich seinen Namen bei der betreffenden Lesart beigefügt,
womit doch ersichtlich für Jeden, der überhaupt sehen will und sehen
kann, bezeichnet ist, dass ich die Lesung von Hofinann für eine
nicht richtige hielt, während die Copie Mouchet das richtige hat
Ebenso verhält es sich mit II, 4, 18. 20. 30. H, 12, 95. H, 17,
41. Das gleiche gilt von H, 4, 37, wo ich angab 'ne Mouchet’;
Hofmann las richtig me\ worin also berichtigt denn Br. meine
Varianten? Bleibt nicht bestehen, dass Mouchets Copie wirklich ne
hat? Der Fall wiederholt sich n, 17, 2. — n, 6, 48 bemerkte
ich 'poi fehlt keineswegs in A\ allerdings mit Bezug auf Brakel-
mann's Angabe, der das Wort als fehlend bezeichnet hatte. Meine
Lesart bezieht sich doch, wie jeder Sachverständige sofort erkennt,
darauf, dass das in meinem Texte stehende Wort poi nicht in A
fehle, was aus Brakeimanns Abdruck geschlossen werden musste.
Dass es sich hier nicht um die mundartliche Schreibung des Wortes in
A handelt, sondern um die Existenz desselben, ist selbstverständlich.
Nim giebt Br. selbst an, die betreffende Stelle des I. Bd. der
Mouchet’schen Abschrift sei durch das Auftröpfeln einer ätzenden
Flüssigkeit unleserlich geworden; also imleserlich ist das Wort,
nicht aber fehlt es. 'Errathen’ habe ich es keineswegs, sondern
da ich vorher den Text nach L copiert hatte, so konnte ich das
was Br. unleserlich schien, leicht lesen. Wenn aber 'keine
grossen kritischen Eingebungen’ dazu gehörten ein poi zu ergänzen,
warum hat denn Br. das Wort nicht in dem seinen Abdruck der
Mouchet’sehen Copie beigegebenen kritischen Anmerkungen er¬
gänzt? Er hat doch da neben vielem verkehrten viel unwichtigeres
notiert. — II, 6, 61 hat allerdings nicht L par ci , sondern Af, B’s.
Berichtigung ist demnach eine halbe, es hat eine Vertauschung
der handschriftlichen Sigeln in meinem Drucke stattgefunden.
II, 26, 16 wird bemerkt, dass C mi deboute hat, mein Text liest me
deboniet. War hier eine Variante anzugeben nothwendig? Nach
meinem Grundsätze gewiss nicht, da es sich nur um eine unbedeutende
Formabweichung der nicht an der Spitze stehenden Handschrift
handelt. III, 2, 9 bemerkt Br., F habe nicht ie nui , sondern cor
ieu ae. Diese Angabe bezweifle ich vorläufig noch, jedenfalls aber
müsste die Berichtigung lauten, nicht ie nai, sondern ieu as, denn
dass car in F fehle, steht in meinen Varianten durchaus nicht.
III, 4, 21, wird bemerkt, dass nach 'rmdt fehlt Ö’, etwas ausgefallen
sein müsste; was ausgefallen ist war doch leicht zu sagen, nämlich
die Verszahl 23, auf welche sich die angegebene Variante von F
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Antikritik.
371
bezieht. Wie hier, so war auch III, 5 der Irrthum bezüglich des
Vorkommens dieses Liedes in A bei einigem Nachdenken doch
leicht zu errathen. Ich hatte in meinen Aufzeichnungen 'Bern.
Hs. 231’; dies bedeutete die Nr. 231 der Berner Bibliothek (bei
mir K)] bei der Zusammenstellung der Lesarten hielt ich es für
Berner Hs. ( A ) Blatt 231 und daraus erklärt sich die irrige Angabe
bei den Varianten 'A 231* auf die einfachste Weise. Die Be¬
merkung zu V. 10, ramicr sei wohl nur ein Schreibfehler für
ruinier geht nicht an meine, sonders an Bochats Adresse; da ich
ausdrücklich dessen Abdruck citiert und die Berner Hs. nicht selbst
benutzt habe, so weiss ich nicht, worin hier eine Berichtigung meiner
Lesarten liegen soll. IH, 13, 9 wird bemerkt, es stehe in der
Hs. nicht sot reter, sondern regreter; es steht aber sot regreter. 14, 44
steht allerdings nicht am in der Hs., aber auch nicht ainsi, sondern am;
und so hatte meinDruckmanuscript; dass dies vom Setzer aisi gelesen
wurde, begreift sich leicht. IH, 22,15 gab ich an, B Niesen (statt com
m’cn des Textes) com ie$ Br. bemerkt dazu, N habe cou ie . Viel¬
mehr con ie habe ich gelesen, con ist aber nur orthographische Ab¬
weichung von com, es handelt sich hier darum, dass beide Hand¬
schriften B N abweichend ie statt m'en haben; und selbst wenn
N cou hätte, so wäre das nur ein Schreibfehler für con y den
besonders zu notieren gar kein Grund vorhanden war, da die
Lesart von N sich einer besseren (von B) unterzuordnen hatte.
III, 30, 1 gibt mein Apparat an cueillies M L. Br. bemerkt dazu
L habe cueilliees. Hätte er beachtet, dass ich hier M voraus ge¬
stellt habe, während die natürliche Ordnung L M gewesen wäre,
so hätte er bei einigem Nachdenken wohl gefunden, dass dies ab¬
sichtlich geschehen sei. Es ist die Schreibnng derjenigen Hand¬
schrift angegeben, die voran steht (Af); cueilliees in L ist nur
abweichende Schreibung nicht Lesart, und hier kam es nur darauf
an, dass diese beiden Handschriften L M nicht faülies haben wie im
Texte steht, sondern ein anderes Verbum. Zu HI, 30, 51 bemerkte
ich 'wie 38\ Br. meint 'nämlich in X, was hinzugefügt werden
musste*. Keineswegs, sondern auch die andern Handschriften
weichen hier ebenso von meinem Texte ab, wie es bei Vers 38
angegeben ist. HI, 32, 16 gab ich an corroies L M, Br. bemerkt
L habe coroies\ also dieselbe Kleinigkeitskrämerei, die schon mehr¬
fach hervorgehoben wurde. Es kommt hier doch nicht darauf an,
ob die eine der beiden Handschriften die Schreibung mit einfachem
r hat, sondern darauf, dass beide den Plural statt des Singular
setzen. Hätte ich ganz genau sein wollen, so hätte ich auch
hier statt L M schreiben müssen M X, aber diese Abweichung
war viel zu unbedeutend, mehr Grund hatte die Umstellung der
Buchstaben IH, 30, 1, weil cueillier eine Nebenform des Verbums,
nicht blos orthographische Abweichung ist. III, 43, 30 bezweifle
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372
Babtsch.
ich die Angabe Brakeimanns, dass N testez habe; ich habe wenig¬
stens in den Text von L, den ich zuerst abschrieb, als Variante
von N desier eingetragen. III, 45, 42 fehlt allerdings nicht die
ganze Zeile in L, sondern nur La, was Br., wenn er überhaupt
den Fehler corrigieren wollte, bemerken musste. Die Bemerkungen
zu ID, 48, III, 52, 3. 5 gehen mich nichts an, da sie Lesefehler
der Mouchetschen bezw. Hofmannschen Lesung berichtigen. LL1,
49, 22: warum hier mit gesperrten Lettern ein ganzer Passus
meiner Anmerkungen wiederholt wird, ist mir unerfindlich. Es
geschah wohl nur, um der Welt recht augenfällig zu verkünden,
dass Dr. Brakeimann eine richtige Conjectur gemacht, wobei ich
(wie gewöhnlich) seinen Namen verschwieg, die ich aber gegen
Hofmanns unmögliche Lesart vertheidigte. Mein Verbrechen besteht
darin, dass mir entgangen war, dass Br. in einer Recension der
Hofmannschen Publication dessen Lesung ebenfalls schon gerügt
und für falsch erklärt hatte. Aber hat er denn, wie er behauptet,
diese Conjectur uait für uaif, auf die er sich so viel zu Gute thut,
zuerst gemacht? Er bemerkt ja selbst, dass schon St. Palaye über
uaif geschrieben habe 'p. 0. va-t-il\
Im zweiten Abschnitte seiner Kritik, e Ausgelassene Varianten’
bemerkt Br., er habe ein einheitliches Princip in dem, was als
Variante notiert oder weggelassen sei, nicht entdecken können.
Es wird sich darum handeln, ob das nicht vielleicht nur an dem
Auge des 'Entdeckenden* gelegen. Denn dass dieser mit den bei
Variantenmittheilung längst üblichen von mir keineswegs erfundenen
Grundsätzen nicht vertraut war, haben wir schon aus mehreren der
besprochenen Stellen ersehen. Alle Herausgeber, die überhaupt
eine Variantensammlung nicht als einen wüsten, nur möglichst
gross zu machenden Haufen von verschiedenen Lesarten, sondern
als in der Absicht bestehend betrachten, daran die Geschichte der
Textüberlieferung anschaulich und übersichtlich darzustellen —
sind wohl darin einig, dass man unmöglich alle orthographischen
Varianten angeben kann und soll. Nur wo eine einzige Handschrift
vorliegt, wird man auch das orthographische Verhältniss zwischen
ihr und dem gegebenen Texte genauer berücksichtigen. Bei
grösserem Apparate wird man im Allgemeinen die Orthographie
der dem Texte zu Grunde gelegten Handschrift oder Handschriften
bei den Lesarten berücksichtigen, ohne dass man sie aber in solcher
Vollständigkeit anzuführen braucht, um daraus das Bild der Hand¬
schrift reconstruieren zu können. Am wenigsten wird das dann
nothwendig sein, wenn von einer Handschrift oder einem Liede
derselben bereits ein Abdruck vorliegt.
Bei den als minder wichtig erkannten Handschriften wird*
noch weniger eine Rücksicht auf die Schreibung derselben erwartet
werden dürfen. Ueberhaupt wird, je grösser der Apparat ist, die
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Antikritik.
373
Mittheilung der Lesarten umsomehr beschränkt werden müssen.
Eine Auswahl wird daher jede Variantensammlung bleiben; auf
die Ansicht des Herausgebers wird es dabei natürlich wesentlich
ankommen, was er für wichtig oder weniger wichtig erachtet. Ob
ich ein bestimmtes Princip gehabt, wird sich am besten an .der
Widerlegung der gegen mein Verfahren erhobenen Einwände zeigen.
Dass ich das Princip auszusprechen die Verpflichtung hatte, bestreite
ich. Dies wäre nur dann nöthig gewesen, wenn das Princip ein
neues war. Die Forderung aber beweist, dass Brakeimann in der
Geschichte der Kritik auf verwandten Gebieten ein völliger Neuling
war. Ich brauche um so weniger mein Verfahren zu erläutern,
als ich seit nahezu zwanzig Jahren dasselbe auf deutschem wie
auf romanischem Gebiete geübt habe. Aber auch wenn ich ein
Anfänger gewesen wäre wie Brakeimann, als ich meine Romanzen
und Pastourellen herausgab, so würde ich es nicht für nothwendig
erachtet haben, allgemein anerkannte Principien erst zu begründen
und zu proclamieren. Ein grosser Theil der 'ausgelassenen Varianten*
bezieht sich auf nicht angegebene orthographische Abweichungen.
Manche Auslassungen räume ich ein; sie sind namentlich leicht
erklärlich bei zahlreichem Apparate, so I, 38, wo acht Handschriften
Vorlagen, und doch hat Br. hier nur eine unwesentliche Variante
als fehlend herausklauben können, und noch dazu ist söine Angabe
unvollständig. Er bemerkt, dass I, 38, 14 statt chantoit L lese
chanta; das ist richtig, aber auch N hat so, was er nicht bemerkt
hat. I, 43, 36 ist bei mir nicht angegeben, dass die Hs. puceUe,
nicht pucdette hat; aber die Bemerkung von Br., die Aenderung
meines Textes sei nicht noth wendig, da der Vers assoniere, ist un¬
richtig; in allen übrigen Strophen reimt an dieser Stelle genau
eile in beiden Reimworten; für die Assonanz puceUe: Chansonette müsste
aber erst aus dem Liede selbst eine Analogie beigebracht werden.
Anderes gehört nicht in die Categorie ausgelassener Varianten,
ein solcher Fall ist I, 52, 100 a la lor statt en la lor: dies zu ändern
würde ich mir nicht erlaubt haben, da beide Handschriften überein¬
stimmen und ihre Lesart keinen Anstoss giebt. I, 67, 20 ist se
von L übersehen; was aber soll es heissen 'was eine ganz gute
Lesart’ ist? Nicht darum handelt es sich, ob die Lesart an sich
gut und verständlich, sondern ob sie die richtige ist. Da nun F
mit M N gegen L stimmt, so ist nach meinen Grundsätzen, die
allerdings Br. nicht kennt, mit jener 'ganz guten Lesart’ von L
nichts anzufangen. Zu H, 12 wird bemerkt, dass die Verse nach 93
doch wohl echt seien: ich habe sie für Zusätze eines Schreibers,
besser wohl eines Ueberarbeiters erklärt. Sie stehen in A und R,
was ich bei der nahen Verwandtschaft beider Handschriften nicht
für beweisend halte. Br. meint, er begreife nicht, wie man an-
nehmen könne, dass A und B hier aus einer Quelle stammen.
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374
Bartsch.
Allerdings thun sie das. Nur ist es nicht so aufzufassen, als wenn
beide Abschriften 6iner Handschrift seien, sondern sie weisen auf
eine Vorlage zurück, die eine theilweise Ueberarbeitung und
Interpolation war. Von dieser aus ist durch Mittelglieder, die wir
nieht besitzen, der Text weiter verändert worden, woraus die Ab¬
weichungen von AB sich erklären. Für seine Ansicht, dass die
Verse nach 93, die den Strophenbau zerstören, echt seien, musste
Br. erst nachweisen, dass dergleichen Einschiebungen in das
Strophengebäude und zwar vom Dichter herrührend, wirklich Vor¬
kommen. Für meine Ansicht aber kann ich als Analogie eine unter
Walthers von der Vogelweide Namen überlieferte Strophe anführen
(Lachmann 37, 34—38, 9)^ vgl. über dieselbe und ihre Unechtheit
Germania VI, 203. — Was die Bemerkung zu 73 mit 'ausgelassenen
Varianten* zu thun hat, ist nicht abzusehen. Und was soll das
heissen, dass ich 'sogar* mel für mal setzen wollte. Br. scheint
nicht zu wissen, dass mel eine gar nicht seltene Form von mal
ist./ Die Bemerkung zu 2 betreffend habe ich zu erwidern, dass
die Umstellung von Worten (in V. 25) eine viel einfachere
Aenderung ist als die Aenderung zweier Worte.
Ich komme nun auf die 'Orthographie und Textbehandlung im
Allgemeinen*. Hier zeigt sich wieder recht, wie wenig Br. fähig
war, auf eine Behandlung, die über ein mechanisches Festhalten
an der Schreibung der Handschriften hinausgeht, einzugehen. In
Bezug auf die Schreibung der Namen, auch darin, wo sie im
Nomin. oder in obliquer Form stehen, habe ich mich nach den
Handschriften gerichtet; wenn also Jake de Cambrai und Jakes
d’Amiens in meinen UeberSchriften neben einander erscheinen, so
ist dies nach der Hs. geschehen. Doch das sind Kleinigkeiten,
welche ich gerne preisgebe und auf die ich durchaus kein Gewicht
lege. Wichtiger ist die Textbehandlung selbst. Br. greift Au-
defroi le Bastart heraus, um ein Beispiel meiner Inconsequenz
recht grell zu zeigen. Ich hatte bemerkt (zu I, 56), ich hätte die
Schreibung von EF gewählt. Das bezog sich natürlich darauf,
dass diese Handschriften, was die Orthographie betrifft, hier des¬
wegen bevorzugt seien, weil A eine ganz andere Mundart als
Audefroi zukommt, bietet. Es sind demnach alle lothringischen
Formen in A beseitigt und die von EF dafür gesetzt worden.
Wenn nun also belle in V. 1 aus A beibehalten wird, so gehört
das durchaus nicht in jene Categorie; EF haben bele, es ist be¬
kannt, dass die Geminationen W, rr in den Handschriften oft ver¬
einfacht werden, während die Beime und Assonanzen zeigen, dass
die Gemination empfunden imd festgehalten wurde, weshalb man
nur ganz ausnahmsweise Wörter wie belU auf cele (celat ) oder
ähnliches gereimt findet. Freilich folgt daraus noch nicht mit
Nothwendigkeit, dass man durchgängig gegen die Handschriften
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Antikritik.
375
die Gemination durchführen müsste; wo sie aber von den Hss.
geboten ist, ist sie unbedenklich beizubehalten. Das hätte auch
59, 5 geschehen sollen, weil A pucelle hat. Wo A nicht vorlag,
habe ich die Schreibung mit einem l aus EF bewahrt, weil sich
nicht beweisen lässt, dass hier die Schreibung des Dichters selbst
consequent gewesen sei. Finden wir nicht ganz dasselbe bei Aus¬
gaben auf verwandten Gebieten? Wir sind im Altfranzösischen
noch lange nicht so weit vorgegangen wie in der Regelung der
mittelhochd. Schreibung seit Lftr. hmn.nTi . Und doch wird man auch
hier bei Liederdichtern, deren Texte aus Handschriften in ver¬
schiedener Schreibung entnommen sind, Ungleichartigkeiten der
Schreibung in unsem Ausgaben finden. Uebrigens will ich
kleine Inconsequenzen in der Schreibung gar nicht in Abrede
stellen; sie fallen dem, der einen Text gedruckt vor sich sieht,
leichter ins Auge als dem, der aus der wechselnden Orthographie
vieler Handschriften den Text gestaltet, wobei er natürlich in
erster Linie an andere Dinge zu denken hat. Da kann es denn
allerdings leicht Vorkommen, dass man hin und wieder in der
Schreibung minder wichtiger Dinge sich vergreift. So verhält es
sich mit den Formen eus und eaus, die einmal nach F y einmal
nach E gegeben sind. Handelte es-sich hier um einen Punkt, wo
die Aussprache des Dichters festzustellen wäre, so würde das
Schwanken nicht zu billigen sein; allein wer will beweisen, dass
Audefroi eus oder eaus geschrieben und gesprochen hat? Daher
ist es in diesem Falle wirklich indifferent, für eine Form entscheiden
konnte und wollte ich mich daher nicht. Ein anderer Fall, in
welchem mir Inconsequenz vorgeworfen wird, bezieht sich auf die
verschiedene Schreibung von paine etc., das in 57 mit einem n,
dagegen 59, 106 ff. mit nn geschrieben ist. Der Grund ist ein¬
fach der, dass in diesem Liede EF zu Grunde lagen, von denen
wenigstens die eine Handschrift immer nur einfaches n hat, da¬
gegen 59, 106 ff. ist A allein Grundlage, und deren Schreibung
in diesem Punkte, bezüglich dessen sich etwas sicheres für den
Dichter nicht ausmachen lässt, beibehalten, wiederum aber mit
Ausscheidung und Beseitigung der lothringischen Eigenheiten, die
der Mundart des Dichters widerstreiten. Wiederum ein anderer
Fall ist der Wechsel zwischen o und ou in 57. Ich habe o ge¬
schrieben, wo eine Hs. es darbot, dagegen ou gelassen, wo beide
ou haben. Dies ist bei amaur V. 39 der Fall, wie mit dolour
V. 105, dagegen V. 103 ist dolor geschrieben (im Refrain), weil
dieser (bei Str. 1) dolor , nicht dolour hat und diese Schreibung ist
daher selbstverständlich im Refrain, den bei den folgenden Strophen
die Hss. ja nicht vollständig geben, beibehalten worden. Genau
so verhält es sich mit den andern angeführten Worten aus
Audefroi’s Liedern: pleure ploure plore sind in verschiedenen Liedern
Jahrb. f. rom. u. engl. Lit. N. F. II. 25
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376
B AKT SCH.
anch Massgabe der Handschriften geschrieben, aus dem einfachen
Grunde, weil auch hier die Aussprache und Schreibung des Dichters
sich nicht feststellen lässt. Oder getraute sich Br. das? Will er
entscheiden, ob devant oder* davant die vom Dichter gesetzte Form
sei? Auf welcher Seite ist also die Willkür? Ich habe, wo keine
Hülfsmittel für die Entscheidung Vorlagen, die Schreibung der
Handschrift bewahrt, wo mehrere Handschriften, habe ich die
etymologisch ursprünglichere Schreibung vorgezogen, ohne aber
dadurch mit Sicherheit behaupten zu wollen, dass sie die vom
Dichter gewählte sei und ohne sie dabei gegen die Hss. überall zu
setzen. Wo dagegen die Aussprache des Dichters sicher war,
habe ich sie ohne Rücksicht auf die Handschriften durchgeführt.
Dies ist der Fall bei der Erweichung von z zu s. Hier kommt
es nicht, wie Br. meint, auf ein Gleichmachen fürs Auge an,
sondern auf eine wirklich verschiedene Aussprache. Denn dass
das auslautende z eine andere Aussprache gehabt als s, ist gewiss,
freilich nicht in allen Mundarten. Wenn nun Audefroi (I, 68)
reimt esmaiAs, correcies, enrag’As , deschacids auf mescktes, chids, so
ist ersichtlich, dass er in seiner Mundart nicht esmaiez etc. ge¬
sprochen und geschrieben haben kann, sondern dass sich ihm das
z zu s erweichte. Da er ein genau reimender Dichter ist, so
ist die Verschiedenheit der Aussprache des z y wie gering sie auch
von der des s gewesen sein mag, zu constatieren, imd bei einem
Dichter, der s : z reimt, im übrigen aber nur genaue Reimbindungen
hat, folgt daraus, dass er eine Verschiedenheit von s : z nicht
gekannt, mithin der schärfere Laut des z im Auslaute ihm nicht
zukommt. Wenn ich bei Baude de la Kakerie s und z neben
einander nach Massgabe der Handschriften stehen liess, so geschah
es, weil hier keine beweisenden Reime vorliegen, weil der Dichter
Assonanzen zulässt (< gardin: dit: delit ), also bei ihm auch eine Reim¬
bindung s : z statthaft ist.
Auf die Ansicht über die Heimat der meisten Pastourellen
einzugehen, liegt hier kein Anlass vor. Ich habe in der Vorrede
die Ansicht ausgesprochen, dass die meisten Pastourellen dem
nördlichsten Theile Frankreichs angehören, und demgemäss nicht
in ihrer ursprünglichen Mundart überliefert seien. Dies bezieht
sich natürlich vorzugsweise auf die Handschriften ABC, die in
Lothringischer Mundart geschrieben sind und die weitaus die meisten
Pastourellen enthalten. Aber nicht in Lothringen, sondern in der
Picardie ist die eigentliche Entwickelung der Pastourelle zu suchen.
Dass die picardischen Dichter späterer Zeit (etwa seit 1260, viel¬
leicht auch schon früher) gewiss vielfach in der Sprache von
Isle de France, die damals schon ziemlich allgemeine Literatur¬
sprache geworden, gedichtet haben, nehme ich an, und mein Ver¬
fahren gegenüber Jaques von Amiens zeigt dies, indem ich ihn
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Antikritik.
377
nicht in picardischer Mundart, sondern in der von Isle de France
gegeben. Mein Verfahren ist also zunächst ein negatives: ich habe
bei den Liedern, die durch locale Beziehungen auf den Norden
hinweisen, aber in ABC uns erhalten sind, das lothringische
Gewand abgestreift, ohne aber die picardische Mundart durchzu-
führen, weil ich der Ansicht bin, dass die späteren wenigstens
strebten ihre Sprache möglichst der von Isle de France anzunähem.
Das ist auch das gegenüber Audefroi dem Bastart beobachtete
Verfahren, und nur einzelne Picardismen, die in Reimen eine
Stütze fanden, blieben unangetastet. Also auch hier ist mein
Verfahren keineswegs ein inconsequentes und die Bemerkungen
Brakeimanns beweisen nur, dass er entweder nicht nachgedacht
hat oder überhaupt zum Nachdenken über solche Dinge unfähig war.
Seine Ansichten über den metrischen Bau der Pastourellen
deutet Br. nur an, ich verzichte daher darauf einzugehen. Aber
das einzige Beispiel metrischer Unregelmässigkeit, auf das er sich
bezieht (I, 52), sowie das was er in einer früheren Abhandlung
über die Pastourellen vorbrachte, gibt mir keine sonderliche Vor¬
stellung vQn seinen metrischen Kenntnissen.
Doch schon zu lange habe ich die Geduld der Leser des
Jahrbuches in Anspruch genommen. Ich muss verzichten, auf alle
Einzelheiten der Kritik einzugehen. In dem Abschnitt € einzelne
Besserungen und Bemerkungen zum Texte 9 findet sich manches,
was ich gern als Besserung anerkenne, wie ich mir Überhaupt
nicht einbilde, die Kritik und das Verständniss der Texte zum
Abschluss gebracht zu haben. Und kein Einsichtiger und billig
Denkender wird sich darüber wundern. Blicken wir auch hier auf
verwandte Gebiete, die eine längere Geschichte haben, so will ich
gar nicht davon reden, wie unsere griechischen und lateinischen
Autoren immer und immer wieder Gegenstand der Textbesserung
und neuer Erklärung werden: ich lasse das, bei Seite, weil hier
meist die Ueberlieferung um viele Jahrhunderte von der Ab¬
fassung der Werke entfernt ist. Aber die näher liegende und
analogere altdeutsche Literatur zeigt uns, wie keineswegs mit
einem Male abschliessende Textausgaben geliefert wurden. Wer
Lachmanns Ausgaben, deren hohe Bedeutung für die Geschichte
der Kritik ich immer anerkannt habe, einen abschliessenden
Character beilegt und in Bezug auf Genauigkeit und Zuverlässig¬
keit der Angaben in den Lesarten für allen Ansprüchen genügend
hält, der mag es thun; wer jedoch selbst nachgeprüft hat und sich
nicht absichtlich blind macht, wird zu anderer Ueberzeugung kommen.
Ich will nur noch etwas über die Bemerkungen zu dem
Handschriftenverzeichniss sagen, was principieller Natur ist und
wiederum zeigen wird, wie wenig Brakeimann von der eigentlichen
Aufgabe der Kritik eine Ahnung hatte. Ich hatte gesagt, dass
25*
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378
Babtsch.
ich die Handschriften C nach dem Werthe, den sie für die Kritik
haben/ geordnet hätte. Brakeimann bemerkt dazu: 'Das soll
doch wohl heissen nach der Zahl der einschlägigen Stücke, die sie
enthalten?’ Keineswegs, sondern wirklich ihr Werth für die Kritik
ist gemeint: dass dieser Werth ganz unabhängig ist von der
Schreibung und Orthographie, weiss jeder, der sich überhaupt mit
wissenschaftlicher Kritik beschäftigt hat. Dass es aber Br. nicht
weiss, geht aus seiner weiteren Bemerkung hervor: 'ich werde
doch nicht behaupten wollen, dass Q in seiner ganz ausnahmslos
verderbten Sprache für die Textkritik werthvoller sei als T oder
F’, und ebenso bezüglich D, er begreife nicht wie diese Handschrift
mit ihrer 'italienisirenden Schreibung’ vor E F stehen könne. Wenn
ich T eine so späte Stellung anwies, so konnte sich das nur auf
die Lieder beziehen, deren Quelle ich nicht zu entdecken vermochte,
die ich also aus T entnahm. Eine moderne Abschrift aber konnte
ich bei der Unzuverlässigkeit derselben nicht mit den alten Hand¬
schriften gleichstellen. Das6 ich die Abschrift des Ms. Clairembault,
durch Meyer auf falsche Fährte geführt, nicht gefunden habe, thut
mir leid, da meine Sammlung dadurch um einige Stücke zu kurz
gekommen ist. Ich würde aber, da es nur moderne Abschrift eines
nicht mehr existierenden Originals ist, trotzdem T nicht höher hinauf
gerückt haben. ÜVW sind Handschriften, welche fast nur Frag¬
mente enthalten, und deshalb an den Schluss gestellt.
Es ist dankenswerth, dass am Schlüsse eine Anzahl von
Druckfehlern berichtigt ist; darunter hat sich aber einiges ein-
gesohlichen, was ich nicht als Druckfehler, überhaupt nicht als
Fehler anerkennen kann, sondern aufrecht erhalten muss. So S. 60
(I, 57, 44), wo ich schrieb m’ont si fern d’un dart d’amors quel
euer me blece ; Br. betrachtet quel als Druckfehler und will qu'el
euer haben. Aber warum hätte man nur sagen können 'der mich
in das Herz verwundet’ und nicht ebenso natürlich 'der mir das
Herz verwundet?’ (quel «== que le). S. 64 (I, 58, 2) ist demenlet
ebenfalls kein Druckfehler, sondern diese Form steht in A, und
ist ein beibehaltener Picardismus, über dessen Berechtigung man
streiten kann: doch das ist eine andere Sache und jedenfalls gehört
das nicht in die Kategorie der Druckfehler. S. 159 vermisst Br.
Anführungszeichen bei V. 31. 33. 45; aber warum hier Anführungs¬
zeichen? Der Redende ist ja derselbe, der im ganzen Liede als
sprechend eingeführt wird. Dann müsste man überhaupt alle in
erster Person redenden Lieder zwischen Anführungszeichen setzen,
was wohl niemand im Ernst einfallen wird. — S. 175 (II, 56, 21)
teüz euide panre hi faut ist es keineswegs nothwendig hi faul zu
schreiben, sondern faut ist absolut gebraucht ebenso wie panre. —
S. 270 (HI, 28, 40) verlangt Br. car on enmaine Marot$ ich schrieb
en maine, und dies ist durchaus berechtigt, en hat die Bedeutung
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Antikritik.
379
'fort, hinweg’ und ist keineswegs untrennbar mit dem Verbum
verbunden. Selbst wenn die Hs. in einem Worte enmaine
schriebe (sie hat getrennt en maine wie mein Text), würde
noch gar nicht nothwendig sein, en mit dem Verbum zusammen¬
zuschreiben.
Wir wollen nun aber einmal sehen, wie der, der an meinem
Buche so viel auszusetzen findet, selbst die Kritik und kritische
Grundsätze handhabt. Er hat in diesem Jahrbuche IX, 315 ff.
eine Anzahl Pastourellen veröffentlicht 'genau nach den Hand¬
schriften ’ wie er sagt und mit Angabe 'aller einigermassen
wichtigen Varianten’. In der ersten Pastourelle hätte V. 3 sospris,
was A hat, ebenso erwähnt werden müssen als sor für soz
in Z. 12 erwähnt wurde. Z. 12 ist unbemerkt geblieben, dass L
hat blanchete et de bete ator, et fehlt in BM, auch bei Br., der
doch den Text von L geben will und die Abweichung gar nicht
erwähnt. V. 15 hat M cel destor statt ce destor , und jenes ist die
richtige Lesart, die nicht einmal angegeben ist. V. 16 hat L nicht
notet£, wie man nach der Schreibung note[le]te glauben sollte, sondern
notePie; dass M die richtige Lesart hat, bleibt wieder unerwähnt.
V. 17 ist fälschlich schon zum Liede gezogen, ein Beweis, wie
wenig der Herausgeber vom Sinn und vom metrischen Bau ver¬
standen hat; auch ist ni statt n'i geschrieben. V. 18—21 sind
ganz falsch abgetheilt, enuit soll auf dit reimen, was erst spät
vorkommt; aber schlimmer ist, dass mal cmiit geschrieben ist, also
enuit wohl = enui, die richtige Lesart male nuit hat M, was gar
nicht angegeben ist. Ebenso wenig, dass M statt des unstatthaften
gute das richtige guete hat. V. 22 hat L allerdings bebement, Br.
fügt in Klammem bei: l. belemcnt- dass das richtige aber in M
steht, verschweigt er. Auch bemerkt er den metrischen Fehler
von L gar nicht und gibt auch in den Lesarten nicht an, dass
B M das fehlende ma vor damoisele haben. War das keine
'einigermassen wichtige Variante?’ V. 28 fehlt das Komma nach
sire; denn Br. wird doch nicht haben sire dex verbinden wollen?
V. 30 wird die orthographische Variante priere aus B mitgetheilt,
aber nicht die andere proiere aus M , von welcher praiere in L
nur eine Entstellung ist. V. 31 fehlt, dass B pastorete statt —eie
hat, was doch eine wirkliche Lesart, nicht abweichende Orthographie
wie in V. 30 ist. Die Lesart zu 32 (vielmehr zu 32. 33) ist so
ungeschickt und unklar wie möglich angegeben. V. 40 fehlt eine
Interpunction nach pieca . Dass in V. 42 s’ele gelesen werden
muss, wie mein Text (HI, 45, 41) hat, gieng natürlich über des
Herausgebers metrisches Verständniss hinaus. V. 43 ist der
metrische Fehler in L trotz der Uebereinstimmung von B M (La)
unbemerkt und ungebessert geblieben; in derselben Zeile steht est
statt ert , und dass es nicht Druckfehler, bestätigen die Lesarten.
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380
Bartsch.
V. 44 ist wiederum der metrische Fehler von L unberichtigt ge¬
blieben, und was schlimmer, in den Lesarten gar nicht angegeben,
dass B M das fehlerhafte et nach cors nicht haben; ebenso wenig
ist bemerkt, dass B statt out das Präsens ait hat. Bei V. 50 ist
zwar eine Variante aus B angegeben, aber nicht, dass B departir
statt partir hat, wodurch der Vers in B erst wieder auf seine
Füs8e kommt. V. 55 ist nicht erwähnt, dass B statt (fest blos
est hat; ebenso dass statt (fest or im folgenden Verse in B steht
si est . — Bei der zweiten Pastourelle ist übersehen, dass dieselbe
auch in F sich findet, und dadurch natürlich abgesehen von dem
Werthe dieser Hs. für die Kritik der Variantenapparat unvoll¬
ständig geworden. Doch davon sehe ich ab. Aber was soll V. 16
heissen Guis dist: quator aura me'ülor —? während es heissen
muss Guis dist qu’ator aura meülor; erst 19 geht dieser Text in
directe Rede über, die F schon 16 beginnt. Dass seignor V. 20
zwischen Kommata gesetzt werden muss, versteht sich von selbst.
V. 54 ist en pris statt enpris (von mprendre ) geschrieben; V„ 69
ot si vint statt ont si vint , wie M ganz richtig hat (= F), denn
Berrin ist Dativ. Die Lesarten sind sehr mangelhaft angegeben.
Clochete V. 11 hat nicht nur M sondern auch V. In der folgenden
Zeile hat N et de la statt et a Za; in der dann folgenden mera
statt fera . V. 27 liest N (= F) bien statt blau. V. 28 M la
mestrie richtig statt la metrie, und N lestampie, was beides nicht
bemerkt ist. V. 32 hat N die grammatisch richtigere und ältere
Form sarain(==* F ), während LM sarre. V. 37 hat nicht nur M bien
statt biau, sondern auch N (= F ); vgl. zu 27. V. 44 hat N
nicht estor , sondern (= F) destor. V. 49 hat M (== F) lerboie
statt larbroie. V. 55 hat N (= F) flautet statt chalemel. V. 60
N (= F) ne für ncl. — In Nr. 3 findet sich gleich bei der ersten
Zeile eine recht nette Bemerkung. Im Texte steh1 Quant la seson
renouvde d’aoust , que mais est passez ; dazu unten: 'es ist wohl
cVaoust renouvde umzustellen’. Die romanische Metrik kann für den
Nachweis des neunsilbigen Verses dankbar sein; leider ist nur
übersehen, dass der erste Vers mit renouvde schliesst, d’aoust zum
folgenden Verse gehört, und es zwei ganz gewöhnliche Veröe von
sieben (acht) Silben sind. Das sind die Folgen von der Ansicht
über den freien metrischen Bau der Pastourellen! Dass in der
zweiten Zeile mais nicht in das allein sinngemässe marz verwandelt
ist, wird niemand, der Vorstehendes mit Aufmerksamkeit gelesen,
befremden. Einen recht hübschen Reim findet man in dem Refrain;
da soll mere reimen auf cha$t6e\ nur schade, dass es chasttä heisst,
und dass das nach mere fehlende de nicht bloss in V, sondern in
allen drei Handschriften ganz richtig steht. V. 14 steht im Texte
fu (rez) finez, danach sollte man glauben, dass L wirklich so lese;
aber dies eingeklammerte rez steht in keiner Handschrift, alle drei
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Antikritik.
381
haben fu finez. V. 18 statt sus X haben MN seur. Die richtige
Lesart in V. 17. 18 hat nicht nur Af, sondern auch N. Y. 23 ist
el statt et wohl nur ein Druckfehler. Y. 25 fehlt am Anfang s/,
das alle drei Hss. haben und das dem Yerse nothwendig ist.
V. 28 hat X allerdings verai , aber P, was nicht bemerkt ist, das
metrisch allein richtige vrai, und W, was ebenfalls nicht erwähnt
wird, gai. In der nächsten Zeile fehlt nicht blos servirai in X,
sondern vorher noch vos, das MN haben. Dass die beiden letzten
Strophen in N fehlen, ist gar nicht angegeben. Y. 44 steht in
L nicht mourroiz, sondern m'ocirroiz , und das am Anfang des
Verses fehlende fet eie steht in M. V. 46 steht fuit keines¬
wegs in X, sondern ganz richtig fui (= M). V. 50 hat M
car für que ; V. 51 seur statt vers; Veri 52 car statt que. . Wer
freilich auf diese Weise Pastourellen kritisch herstellte, musste zu
wnnderlichen Ansichten über ihren metrischen Bau kommen. —
In Nr. 4 schreibt der Herausgeber V. 4 magrec statt m’agree.
Wer das hübsche quator aus Nr. 2 im Sinn hat, und hier als
Analogie quairer statt qu'airer (V. 40) findet, wird darin keine
Druckfehler, sondern Zeichen grober Ignoranz erblicken. Der
metrische Fehler in V. 50 ist natürlich unbemerkt geblieben. Die
Desart disoit V. 6 aus M fehlt; ebenso V. 20, wo M me statt
vous hat. V. 22 mag das grammatisch unrichtige oi statt oit,
wie beide Hss. haben, ein Lese- oder Druckfehler sein. Dass Y. 25
effreee geschrieben werden musste, ist natürlich wieder übersehen.
V. 57 steht m’a demoree statt ma demoree, wieder ein guter Beweis
des Textverständnisses.
Das sind vier von den sechzehn herausgegebenen Pastourellen
und ich darf versichern, dass die übrigen, was Genauigkeit der
Angaben und Verständniss von Inhalt und Form betrifft, nicht um
ein Haar besser ediert sind. Ob ein Solcher zum Kritiker meines
Buches berufen war, und ob, wenn er es zu kritisieren den Beruf
fühlte, bei Vergleichung des früher von ihm herausgegebenen mit
den betreffenden Stücken meines Buches er nicht des Unterschiedes
von seinem Machwerk sich bewusst werden musste — das würde
ich ihm, wenn er noch lebte, zu bedenken gegeben haben. Es hier
auszusprechen schien mir am Platze, denn es kann manchem
Jüngeren eine Warnung vor raschem Urtheilen über Dinge sein,
deren Verständniss ihm noch nicht aufgegangen ist.
Die Brakelmannsche Becension ist mir, ausser den wirklichen
Berichtigungen und Besserungen meines Buches, die aus nochmaliger
Einsicht in die Handschriften gewonnen sind, insofern lehrreich
gewesen, als sie mir gezeigt hat, dass die Ansichten über Kritik
und kritische Behandlung romanischer Denkmäler in der That erst
in wenigen Köpfen zur Klarheit gekommen sind. Die hierauf
zielenden Angriffe, die aus Unverstand oder Böswilligkeit, wahr-
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382
Kritische Anzeigen.
scheinlich aus beidem vereint entsprungen sind, abzuwehren, war
ich nicht nur mir selbst schuldig, sondern hielt es auch im Inter¬
esse der Wissenschaft für wttnschenswerth, da dieselben Miss¬
verständnisse und verkehrten Ansichten bezüglich der Textbehand¬
lung noch öfter Vorkommen können, bei diesem Anlass über die
Principien derselben einige Andeutungen zu geben.
Heidelberg, 24. December 1874. K. Bartsch.
1) Die Volkslieder des Engadin. Von Alfons von Flugl
Nebst einem Anhänge engadinischer Volkslieder. Strassburg
1873. 8. 85 S.
2) Ein altladinisches Gedicht in Oberengadiner Mundart.
Herausgeg. übers, und erklärt von A. Rochat. Zürich 1874.
8. 56 S.
Zwei sehr schätzbare Publicationen, von welchen wir wünschen,
dass sie Anregung geben mögen, fleissiger als bisher geschehen,
den Ueberresten engadinischer Volksdichtung nachzuspüren und
dieselben durch Schrift und Druck zu fixiren, ehe sie in dem
Strome unserer raschlebigen Zeit zu Grunde gehen; denn es ist
wohl ausser Zweifel, dass unter dem romanisch redenden Theile
des Bündnervolkes echte Volkslieder trotz aller Verluste immer
noch in weit grösserer Zahl und von literarhistorisch wichtigerem
Inhalte umlaufen, als bis jetzt, wie uns scheint, nach ziemlich
einseitigen Grundsätzen gesammelt und veröffentlicht worden sind.
Nr. 1 giebt eine gute Uebersicht über die Geschichte der
engadinischen Volksdichtung von den ältesten, dem 15. Jahrh. an
gehörenden, leider aber nur in dürftigen Fragmenten erhaltenen
historischen Liedern an. Mit Bedauern ersieht man daraus, dass
dem Puritanismus der Reformatoren der Untergang eines wahr¬
scheinlich sehr reichen Schatzes ächter Volksdichtungen zur Last
fällt, den sie nach und nach durch geistliche Lieder aus dem
Gedächtnisse des Volkes verdrängten, und dass erst im vorigen
Jahrhundert sich wieder eine weltliche Volksdichtung entwickelte.
Einige Ueberbleibsel aus jener früheren Zeit, darunter einige wegen
ihrer sagenhaften Anklänge sehr interessante, theiltHerrv.Flugi mit.
Dass die neuere ladinische Volksdichtung bei ihrer späten Entfaltung
nicht mehr dieselbe Ursprünglichkeit, Natürlichkeit und Frische
besitzt, welche eine Volksdichtung im vollen Sinne des Wortes
kennzeichnen, ist selbstverständlich und ergiebt sich aus Hm. von
Flugi’s Characteristik, wenn er es auch nicht geradezu ausspricht.
Dennoch sind die im Anhänge in Originaltext und Uebersetzung
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Kritische Anzeigen. 383
mitgetheilten 12 Lieder, welche sämmtlich dem letzten Jahrh. an¬
gehören, als Proben einer Spätblüthezeit nicht uninteressant.
Nr. 2. Das von Rochat hier zum ersten Male herausgegebene
Gedicht in ladinischer Mundart hat den am 4. Sept. 1618 durch
einen Bergsturz herbeigeführten Untergang des bündnerischen
Dorfes Plurs zum Gegenstände. Protestanten wie Katholiken sahen
in dieser Katastrophe ein Gottesgericht und beuteten dieselbe je
nach ihrer Weise aus. Dies Gedicht, welches den Pfarrer Gritti
von Suz (f 1639) zum Verfasser hat, drückt die Gefühle der
protestantischen Partei aus. Es besteht aus 20 Strophen von je
7 sechssylbigen Versen und ist poetisch völlig werthlos, desto
wichtiger aber als seltenes Sprachdenkmal. Man muss es daher
Rochat grossen Dank wissen, dass er dasselbe zur Unterlage sehr
eingehender und scharfsinniger Erörterungen über die Lautlehre
der Oberengadiner Sprache benutzt hat, zu welchen aber auch
Flugi’s Volkslieder und der von Böhmer publicirte Tobia heran¬
gezogen worden sind. Dem Texte des Gedichtes ist eine deutsche
Uebersetzung gegenüber gestellt. L.
Zeitschriften.
Romania. Nr. XI. P. 321. Le Havet. Oi et Ui en
fran^ais. Untersuchung über die Geschichte beider Diphthonge be¬
züglich ihrer phonetischen Geltung. — P. 339. A. Mussafia.
Berta de li Gran PiG. Die schon früher angekündigte Episode aus
dem cod. GalL XII der Marciana. — P. 365. Victor Smith.
Chants du Velay et du Forez. Verschiedene Versionen der u.
d. T. „La fille du Roi“ schon früher bekannten normannischen
Romanze. — MGlanges. P. 371, P. M. Sur les serments de
842. Ueber die Formen savir, podir und dist. — P. 373. G. P.
Un fragment de Renart. Bruchstück aus einer verlorenen, zu
keiner der bekannten Familien gehörenden Handschrift, welches
sich auf einem Bücherdeckel der künigl. Bibliothek zu Brüssel
gefunden hat und verschiedene gute Lesarten darbietet. — P. 377.
Jules Cornu. Etymologies. Ueber amonestar und malade. Als
Etymon des letzteren Werkes schlägt der Verf. male hdbitus statt
male aptus vor .— P. 379—418. Comptes-rendus: Joret, duC.
dans les langues romanes (Darmestetter), Hill, Metrum der Chanson
de Roland TG. P.), Jubinal, Ouevres de Rutebeuf (P. M.), Wailly,
Joinville (G. P.), Mussafia, Zur Katharinenlegende (G. P.),
Cancionero de Stuniga (Morel-Fatio), Bernoni, Fiabe veneziane
(G. P.). — PGriodiques.
Jahrb. f. rom. u. engl. Lit. N. F. H. 25 **
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384
Kritische Anzeigen.
Nr. XII. P. 433. P. M. Etüde sur une charte landaise
de 1268 ou 1269. Der Yerf. bespricht die Lautverhältnisse dieser
dialectisch interessanten Charte und giebt ein Verzeichniss der
darin vorkommenden bei Raynouard fehlenden Wörter. — P. 443.
A. Darmestetter. Deux 616gies du Vatican. Eine hebräische
und eine französische Elegie aus einer vaticanischen Handschrift,
beide ursprünglich in rabbinischen Buchstaben geschrieben und
hier transscribirt und erklärt — P. 487. N. de Wailly. Letter
& M. G. Paris sur le texte de Joinville. — P. 494—498.
Comptes rendus: Lindner, Beziehungen der Ortnit zu Huon
de Bordeaux (G. P.), d' Ancona, Ciullo d’Alcamo (G. P.), Rochat,
altladinisches Gedicht (G. P.), Sabatier, Chansons höbraico-proven-
$ales (G. P.). — P. 500. P6riodiques. — P. 506. Chronique.
Berichtigungen.
S. 142 Z. 10 v. o. lies 8 . 306 statt S. 172.
S. 164 Z. 6 v. u. lies (J3 1 ) statt (B).
S. 168 Z. 16 v. o. tilge das Komma vor perdet.
S. 169 Z. 4 v. u. lies S. 327 statt S. 189.
S. 160 Z. 1 v. u. lies Schluss folgt statt Paris, 20 Juni.
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Die Nasalität im Altfranzösischen.
Denen, die sich mit Altfranzösisch beschäftigen, dürfte
vielleicht das, was in den nachstehenden Zeilen vorgebracht
werden sollte, nicht neu sein, daher könnte eine Erörterung
über den Gegenstand überflüssig erscheinen, jedoch dürfte wohl
daran erinnert werden, dass wir weder bei Diez noch bei G.
Paris in seiner Ausgabe der Vie de St. Alexis genügende Aus¬
kunft über den Gegenstand finden. Diez I 3 , 219 sagt: „Von
weit grösserem Belang ist ein anderes Ereignis, vermöge
dessen diese Liquida ( n ) als articulierter Laut verschwindet,
aber nicht ohne dem vorhergehenden Vokal etwas von ihrer
Natur mitzutheilen, ihn nasal zu machen. Dieses Phänomen
kommt im Süd- und Nord westen sowie im Osten vor, überall
aber nur partiell: in Portugal, nicht in Spanien, in Frankreich,
nicht in Provence, in einem Theile von Oberitalien, nicht in
den übrigen Gegenden, nicht in der Walachei.“ Bestimmter
noch erklärt sich Diez über das Wesen der französischen
Nasalität I 8 , 448: „Wohl zu merken ist nun hierbei, dass
durch jenen Nasallaut zum Theil die vorhergehenden Vokale
in ihrer Natur geändert werden, ohne dass diese Aenderung
graphisch angezeigt wird, weil man auf die Etymologie Rück¬
sicht nahm.“ Da sich G. Paris (Alexis p. 82) des Ausdruckes
«voyelles nasales» bedient, und er ferner eine bereits begonnene
«nasalisation» von en und an annimmt, so geht daraus hervor,
dass er auf dem Standpunkte von Diez steht, dass er für das
Altfranzösische dieselbe Nasalität wie im Neufranzösischen
annimmt, dass also die Vokale in ihrer Natur zum Theil ver¬
ändert worden sind, und dass das darauffolgende N seine
Consistenz verloren hat. Ob eine solche Erscheinung schon
im Vulgärlatein vorlag, darüber sind die Meinungen getheilt,
Jahrb. f. rom. u. engl. Lit. N. F. II. 26
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386
A. Mebes.
Corssen glaubt sie nicht annehmen zu dürfen, während
Schuchardt (Vokalismus d. Vulgärlateins I, 112) einer solchen
Annahme nicht abgeneigt zu sein scheint und dabei die
Möglichkeit nicht ausschliesst, dass die Nasalität wieder hätte
verloren gehen können, wenngleich er sich nicht verhehlen
kann, dass die Anzahl der Falle y wo im Romanischen die
Nasalität auf gegeben wurde, nur eine geringe ist.
Da reimende Gedichte über das Vorhandensein der Nasa¬
lität Nichts lehren, so sind zur Untersuchung über das Wesen
der altfranzösischen Nasalität folgende assonirende Dichtungen
benutzt worden: 11. Jhr. — Vie de St. Alexis (Alex.), Chanson
de Roland (Röl.), Voyage de Charleinagne (Charl.), Isembart
et Gormond (Gorm.); 12. Jhr. Amis et Amiles (Am. A.),
Aie d' Avignon (A. d'Ävig.), Charrois de Nimes (Char. de N.),
Prise d'Orenge (P. d'Orenge), Fierabras (Fier.), Renaus de
Montauban (Ren.), Moniage Guillaume (Mon. Guil.), Jourdains
de Blaye (Jourd. B.), Couronemens LooTs (Cour. Loois),
Covenans Vivien (Cov. Viv.); 13. Jhr. — Otinel (Oi), Huon
de Bordeaux (Huon Bor.), Gui de Bourgogne (Gui Bour.),
Chanson de Girbert de Metz, bei Böhmer, Rom. Stud. Heft IV,
1874 (Girbert), Floovant (Flo.), Parise la duchesse (Par. 1. d.),
Gaydon (Gay.), Gaufrei (Gauf.).
Was zunächst I betrifft, so ist dieses, wie schon G. Paris
(Alex. p. 270) angedeutet hat, sehr spät nasal gesprochen
worden und hat dann den jE-Laut angenommen. Da Palsgrave
(L/esclarcissement d. 1. langue franf. p. 6) von einer nasalen
Aussprache des I nichts weiss, so ist auch damit sicher er¬
wiesen, dass I bis zu dem Jahre 1530 seinen reinen voka-
lischen Laut behalten hat und erst nach dieser Zeit in den
2?-Laut übergetreten sein kann. Die nachstehenden Beispiele
mögen als Beweis hierfür dienen: Alex . IV sc. 20d garir:
poverins, 45d quis: vin, 57a parchemin: mercit, 57d escrist:
revint. Bol. v. 139 enclin: hastifs, v. 146 fiz: Sarrazins, v. 175
vint: gentilz, v. 202 quinze: olive, v. 411 tint: oir, v. 1131
Sarrazins: mercit, v. 1245 fin: ferir, v. 1930 quinze: beneisse,
v. 2395 vint: pareis, v. 3500 avint: vis, v. 3663 tindrent:
ydeles. Charl . v. 366 Constantin: bastid, v. 381 marin: serit,
v. 437 vin: viz, v. 464 vint: leisir, v. 466 marchis: vins,
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Die Nasalität im Altfranzösischen. 387
y. 625 suvint: ascarnit, v. 741 dist: acerin; Gorm. v. 166
mist: tint, v. 436 cusin: revertir, v. 442 ermin: forciz, y. 458
Margari: chemin. — 12. Jhr . — Am. A. v. 284 emprinse:
ire, v. 285 ire: quinze, v. 287 prinse: traitres, v. 543 vint:
mis, v. 906 chemin: Paris, v. 1130 oir: reprins, v. 1431
mauberiii: o’i, v. 1777 Denise: quinze, v. 1795 vie: prinse,
v. 1948 devint: conjoir, v. 2399 vin: menti, v. 2608 arrabi:
pelerin. Alex. 12* sc. v. 181 servi: vint, v. 391 tramist:
soustint, v. 688 pelerins: venir, v. 980 vint: empalir, v. 1033
pelerins: ensevelir, v. 1054 pelerins: tolir. A. dtAvig. p. 5
Auboin: si, p. 47 detindrent: rive, p. 47 escrite: prince, p. 80
lin: promis, p. 81 quint: assi^, p. 93 latin: ferir, p. 118
cosins: delis. Char. de N. v. 320 Tori: vin, v. 979 mis:
escrins, v. 981 Sarrazins: entrepris. P. d’Orenge v. 547 assis:
Guielins, v. 549 enclin: pris, v. 557 tolir: Sarrazin, v. 697
cit: lin, v. 701 cit: palasin, v. 1318 vinrent: riche, v. 1345
vint: si, v. 1633 vin: servir. Fier . p. 51 samin: mis, p. 51
Alinpentin: forbis, p. 148 fuis: prins: rains: roncins. Ren.
8,20 roncins: partis, 143,14 vindrent: mainie, 159,1 tint:
cordeis, 159,9 vint: anemi, 216,26 convenir: cousins, 263,30
ocis: cousin, 264,21 chemin: vesti, 405,21 Sarrazin: di. Mon.
Guil. p. 617 Espolice: tindrent. Jourd. B. v. 458 bacin: dit,
v. 562 prinses: ville, v. 689 fin: mis, v. 953 quinze: franchise,
v. 1300 vint: ci, v. 1672 dit: matin, v. 2344 prinst: departis,
v. 2510 arrabi: devint. Cour. Loöis v. 1441 tenir: fin, v. 1445
pelerin: Avril, v. 1484 vint: ami, v. 1696 vint: Looys, v. 1706
mis: devint, v. 1708 fin: mis. — IS. Jhr . — Ot. p. 9 Sar-
rasins: vis, p. 9 cousins: gentis. Huon Bor. p. 18 Gerardin:
menti, p. 20 cousins: mi, p. 20 escrins: gris, p. 27 devint:
resbaudis, p. 38 tint: cris, p. 138 roncins: mis. Gui Bour.
p. 14 dit: vin, p. 86 matin: venir, p. 123 revindrent: saillirent,
p. 128 angevins: mis. Giriert p. 448,4 lit: matin, p. 451,23
vint: dormir, p. 465,28 vint: Landri. Flo. p. 1 devint: escrit,
p. 18 fin: guerpir, p. 32 tint: ferit, p. 51 vinrent: finent,
p. 53 tindrent: finent, p. 56 tint: mis. Par. I. d. p. 14 venir:
Martin, p. 15 fin: saillir, p. 15 vint: menti. Alex. 13* sc.
v. 198 fins: plevis, v. 660 pelerins: noris, v. 662 vins: paradis,
v. 875 pelerins: plevis, v. 1018 fins: plevis. Gay. p. 24 matin:
26*
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388
A. Mebes.
garni, p. 34 fins: fiz, p. 42 vint: il, p. 42 retint: menti, p. 42
tint: morir. Gauf. p. 16 pris: sains, p. 18 Sarrasins: vis,
p. 190 Faradin: couvri, p. 190 fresnin: demi.
Wie Palsgrave noch nicht ein nasales I kennt, so ist ihm
gleichfalls noch nichts von einer nasalen Aussprache des U
(Ü) (1. c. p. 7) bekannt. Demnach hat also Ü seinen reinen
yokalischen Laut bis zum Jahre 1530 bewahrt und erst nach
dieser Zeit den des nasalen o angenommen. Die nachfolgenden
Beispiele werden die Richtigkeit der Angabe Palsgrave's bis
zum Ende des 13. Jahrhunderts bestätigen. 11. Jhr . — Bol.
y. 1043 brun: fut, v. 1047 fuit: uns, v. 1953 bruns: agut,
v. 2089 brun; plus, v. 2097 Loum: entendut, v. 2814 drut:
aun, y. 2816 brun: dux, v. 3926 brun: fendut, v. 3950 renduz:
uns, v. 3952 Basbrun: fust. Charl. v. 534 brun: vestut, v. 536
vertut: brun, v. 677 uns: fud, v. 745 bruns: jus. — 12. Jhr.
— A. (FAvig. p. 3 Leun: chevelu, p. 3 Valbrun: vaincus,
p. 5 brun: meu, p. 31 bruns: tu, p. 35 bruns: fu, p. 101
escus: bruns. Cour. Lochs v. 1190 un: fu, v. 1221 bruns:
rompuz. — 13. Jhr. — Flo. p. 13 bruns: agu. Gay. p. 17
Leun: vertu. Gauf. p. 210 rendu: un.
IE ist im Neufranzösischen vor auslautendem oder kompli-
zirtem N in den IE- Laut übergetreten. Die Assonanzen im
Altfranzösischen zeigen, dass IE rein vokalisch mit dem Laute
des nfr. e ferme und einem vorgeschlagenem I gesprochen
wurde. Diese Aussprache währt bis gegen das Ende des
13. Jahrhunderts, im Gaufrei p. 106 reimt aber schon einmal
plain: paien, also ist bereits IE in den ZE-Laut übergetreten.
Dieser Lautwandel kann aber erst dem Ende des 13. oder
dem Anfänge des 14. Jahrhunderts angehören, da im Huon
de Bordeaux, Gui de Bourgogne, Floovant, Gaydon und
Girbert de Metz ien noch mit reinem ie assonirt. — 11. Jhr.
— Alex. 50b sostient: almosnier, 68a volentiers: Eufemien,
68 d provendiers: cristiens. Bol. v. 24 paiens: Chevalier, v. 43
mien: chief, v. 116 tient: chief, v. 254 bien: Olivier, v. 469
curuciez: tient, v. 548 Chevaliers: crient, v. 1508 paien: chiet,
v. 1686 bien: grief, v. 1884 recumenciet: chrestiens, v. 2203
vient: culchiet, v. 2682 piez: chrestiens, v. 2684 chief: bien.
Charl. v. 23 bien: chier, v. 776 bien: celiers. Gorm. v. 348
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Die Nasalität im Altfranzösischen.
389
mustier: bien, v. 337 vient: vergib, v. 372 rien: ciel, v. 412
bien: conseillier. — 12. Jhr. — Am. A. v. 1933 bien: eslaissiez,
y. 2206 doien: Chevaliers, v. 2330 vient: assiet. A. $Avig.
p. 37 arbalestiers: riens, p. 55 Ayen: Olivier, p. 56 paiens:
prisier, p. 59 paiens: trenchiä, p. 81 revient: quiert, p. 99
Ayen: Chevalier. Alex. 12 e sc. v. 256 tien: repairier, v. 265
bien: aprocier, v. 779 soustient: prouvendiers, v. 960 Eufemien:
blastengier, v. 1038 prouvendiers: crestiens. Char. de N. v. 542
Orliens: quier, v. 683 respondiä: bien, v. 727 rien: esligier,
v. 738 jugier: rien. P. dH Orenge v. 365 rien: enragiez, v. 888
paiens: Chevalier, lim . 139,37 tient: ciel, 167,15 sien: grailoier,
167,22 vient: plenier. Mon. Guil. p. 620 lessier: vient, p. 684
vient: resoignier, ib. aversiers: revient. Jourd. B. v. 668 bien:
ciel, v. 1625 paien: drescie, v. ‘2038 bien: cerchi6, v. 2109
vient: esbanoier. Cour. Loois v. 101 Orliens: fier, v. 113
losangiers: Orliens, v. 115 vient: chacier, v. 1280 crestien:
mengier, v. 1536 acroissiez: sostient, v. 1840 depecier: crient.
— 13. Jhr. — Huon Bor. p. 2 legiers: paiens, p. 3 Orliens:
plenier, p. 6 denier: vient, p. 7 acointier: biens, p. 12 vient:
plenier, p. 13 souvient: fier, p. 15 ciel: bien, p. 124 aprocies,
paiens. Gui Bour. p. 14 Renier: bien, p. 14 vient: plaidier,
p. 24 Chevaliers: biens, p. 110 sachies: paiens. Giriert p. 521,4
espie: rien. Flo. p. 26 Galiien: liez, p. 74 renoie: Galien,
p. 74 bien: ier, p. 75 paiens: daries. Gay. p. 6 tient: estrier,
p. 7 bien: chief, p. 8 bien: fief, p. 53 Orliens: laissier.
Gaufrei p. 106 paien: plain.
Was den Vokal O anbetrifft, so sehen wir denselben
gleich in dem ersten französischen Denkmale ohne Nasalität
auftreten. G. Paris (Alex. p. 82) nimmt, da es die Assonanzen
streng beweisen, daher noch keine Nasalirung des 0 (U) an.
Gegen die Geltung dieser Annahme für ein volkstümliches
Gedicht erklärt sich Löschhom (Zum norm. Rolandsliede p. 30):
„Dass Paris sich mit jener Beobachtung im directen Wider¬
spruch zu der bisher geltenden Ansicht von der Priorität des
ON UN befindet, welche durch den Gebrauch mittellateinischer
Gedichte gestützt wird (Diez I 3 , 449) — gehört nicht hieher.“
Der von Löschhom erhobene Einwand ist aber wenig be¬
weisend, da N und M im Vulgärlatein nur orthographische
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390
A. Mebes.
Varianten sind, ferner werden die zahlreichen Beispiele zeigen,
dass ON (UN) in der That sehr spät nasal gesprochen wurden.
Wenn im Rolandsliede schon fast ganze Tiraden auftreten, die
nur auf ON (UN) ausgehen, so beweist dies noch nichts dass
ON(ÜN) nasal gesprochen worden ist, sondern es zeigt dies
nur, dass sich schon sehr frühzeitig eine Neigung zum voll¬
kommenen Reime offenbart, ausserdem zeigen die zahlreichen
Beispiele aus dem Rolandsliede, in denen ON (UN) mit reinem
0 (U) assonirt, dass 0 nicht nasal gesprochen worden ist.
Bevor wir die Beispiele geben, welche darlegen, dass 0
(U) vor N im Altfranzösischen nicht wie nasales nfr. ON
gesprochen worden ist, mögen erst einige andere darthun,
dass R auf ein vorhergehendes 0 (U) keinen Einfluss ausübt,
dass R ein vorhergehendes 0 (U) nicht sonor wie im Neu¬
französischen färbt, denn wäre dies der Fall, so würde etlichen
Beispielen für ON (UN) die Beweiskraft abgehen. Alex . 1
prot: color, 14 precios: amour: honor. Rol. v. 597 cors: oz,
v. 599 esforz: repos, v. 601 col: tresors. Am. A. v. 857
pecol: jors, v. 1662 amor: prouz, v. 1679 flor: tout, v. 2727
desouz: borc. A. (S Avig. p. 44 portes: aportent: enclose, p. 46
col: port, p. 51 nos: effors. Char. de N. v. 185 cort: toz,
v. 302 nioult: ancessor. Jourd. B. v. 128 touz: secors, v. 141
tristor: noz, v. 325 Raoul: cort. Cour. Lodis v. 25 mort: los,
v. 933 corz: nos. Gui Bour. p. 117 consort: cors: esfort: col:
nos, p. 179 vous: dolor: color. Flo. p. 18 enor: nos, p. 19
desoz: seignor. Gauf. p. 32 noz: jor.
Wir haben aus den vorstehenden Beispielen gesehen, dass
R auf 0 (U) keinen Einfluss ausübt, ebenso wirkt N auf
vorhergehendes 0 nicht ein, und 0 behält vor auslautendem
wie komplizirtem N seine reine vokalische Aussprache. Die
nachstehenden Beispiele zeigen, dass ON (UN) bis gegen das
Ende des 13. Jahrhunderts ohne Nasalirung des 0 (U) ge¬
sprochen worden ist, da aber bereits Palsgrave (1. c. p. 7)
die nasale Aussprache des ON (UN) lehrt, so fällt die Nasa¬
lirung von ON (UN) und der Uebergang aus dem Laute des
geschlossenen 0 in den des offenen in die Jahre 1300—1500.
— 11. Jhr. — Alex. 40d reconoissent: encombrent, 43a Rome:
cointes, 44c grabaton: dolor, 60a somonse: Rome, 60b Rome:
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Die Nasalität im Altfranzösischen.
391
fandet, 60d fregondent: dote, 72a emperedor: oraisons. Bol.
v. 10 Sarraguce: umbre, y. 15 encumbret: dulce, v. 16 dulce:
cunfundre, v. 216 nevuld: Guenelun, v. 377 home: cunte,
v. 414 empereur: Guenelun, v. 637 nusches: jacunces, v. 640
unches: butet, v. 772 gemun: plurt, v. 922 nostre: juindre,
v. 1025 empereur: respunt, v. 1218 hom: nevold, v. 1224
irur: esperuns, v. 1359 poinz: vos, v. 1498 tresturnet: cun¬
fundre, v. 2184 suis: münz, v. 2431 flur: Otun, v. 2559 hom:
nus, v. 2589 escarbuncle: butent, v. 2873 plurt: amunt, v. 2893
baruns: nevuld, v. 3644 turnet: enbrunchet, v. 3760 sunt:
voiz. Charl. v. 493 nus: Carlun, v. 495 sunt: curs, v. 499
deus: puin, v. 505 bon: nul, v. 566 Girunde: sumes, v. 572
undes: escure, v. 855 vus: abandun. Gönn. v. 278 dous:
abandon, v. 537 pruz: paveilluns, v. 546 jor: paveillön. —
^ 12. Jhr. — Am. A . v. 254 mangons: noz, v. 457 semondre:
home, v. 464 sejome: contes, v. 856 maison: pecol, v. 859
paor: raison, v. 1640 jors: contremont, v. 1681 glouz: baron,
v. 2726 donjon: desouz, v. 2732 limons: vouz. A. d’Avig.
p. 39 nombre: coronne, p. 39 contes: Borgoine, p. 39 Romme:
confondre, p. 78 amont: tour, p. 87 Gironde: home. Alex.
12 e sc. v. 2 non: oissor, v. 656 Toivre: cointes, v. 670 amour:
non, v. 943 fonde: redoutent, v. 950 empereour: non, v. 973
plouros: baron, v. 1058 son: jour, v. 1067 empereour: orison.
Chor, de N. v. 186 toz: baron, v. 188 non: seignor, v. 190
estolt: felon, v. 192 peor: Mont, v. 202 prou: don, v. 305
pou: repont, v. 308 cort: don, v. 962 grocent: honte. P. dS Orenge
v. 214 amor: reson, v. 223 poing: trestot/ v. 517 tor: sont,
v. 525 Yaudon: nos, v. 533 nevou: Mahom, v. 966 preudome,
Hongre, v. 969 Barceloigne: derompre, v. 971 oncles: Babi-
loine, v. 1127 gloton: nos, v. 1219 traison: proz, v. 1250
parfont: prou. Ben. 139,4 nevos: regions, 139,14 home: oiaques,
158,22 savomes: monde, 176,36 vos: raison, 180,13 vos: mellerons,
181,4 adous: fussons, 188,33 anguisos: garison, 191,11 tos:
pardon, 192,22 mult: selonc, 202,6 selonc: menor, 207,9 nos:
esperon, 218,23 joios: esporon, 247,37 tous: Yon, 247,4 jou:
baron, 404,20 mont: mult. Mon. Guil. v. 154 none: encontre,
v. 213 encontre: gote, v. 885 sort: fuison. Jourd. B. v. 2412
Orimonde: homes, v. 2416 Babilohine: ondes, v. 2418 encontre:
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392
A. Mebes.
doze. Couk Loois v. 74 homes: Gironde, v. 1767 envoion:
vos, v. 1778 compaignons: tot, v. 1791 poigneor: homs,
v. 1795 moult: menton, v. 1801 prou: font, v. 1911 oncles:
corone, v. 1915 home: oncles, v. 2096 mont: ros, y. 2108
vos: pont. Cov. Viv. v. 1643 anor: bandon, v. 1646 baron:
dolor. — 13. Jhr. — Huon Bor . p. 212 bouton: dolour, p. 283
tesmoing: baron, p. 299 besoing: avon. Gui Bour. p. 79
misodor: arjons, p. 80 ton: nous, p. 106 environ: jor, p. 106
desous: reont, p. 106 bruior: bozon, p. 107 jor: boton, p. 107
color: gascon. Flo. p. 18 genoilkms: nos, p. 45 loint: barons.
Par. I. d. p. 4 donron: traitor, p. 4 traitor: chaanon. Gay.
p. 9 gloriouz: Gaydons, p. 17 gloriouz: Gaydon, p. 29 poingneors:
compaingnons, p. 32 felon: jor, p. 32 adous: Sansons.
Aus allen bis jetzt gegebenen Beispielen hat sich ergeben,
dass im Altfranzösischen I, O, Ü und IE durch nachfolgendes
komplizirtes N keine nasale Klangfärbung erhalten und ihren
reinen vokalischen Laut sicher bis gegen das Ende des
13. Jahrhunderts bewahren. Der Umstand, dass N auf vor¬
hergehendes I, O, Ü und IE keinen Einfluss ausiibt und
ihnen keine nasale Klangfärbung mittheilt, dürfte uns mit
Recht unsicher machen, ob wir dem N einen solchen Einfluss
auf E und A einräumen dürfen. P. Meyer (Mem. de la Soc.
de linguistique de Paris, I, 244—276) hat in einer eingehenden
Arbeit über AN und EN dargelegt, wann diese Laute sich
zu mischen begannen. Diese Erscheinung tritt gegen das
Ende des 11. Jahrhunderts zum ersten Male im Rolandsliede
(G. Paris, Alex. ß. 36) auf, von dieser Zeit an haben EN
und AN gleiche Aussprache, wenn auch nachmals EN und
AN wieder in den Reimen gesondert werden. Wie nun EN
zu AN werden konnte, erklärt Diez I 3 , 448 folgendermassen:
„Dass diese dem Provenzalen unbekannte Schmelzung des M
und N sehr früh angefangen, dafür spricht in der Litteratur
die Identität der Assonanzen AN und EN, welche beide nicht
anders als wie nasales AN (Diez meint die nfr. Nasalität)
gesprochen werden konnten, wenn sie reimen sollten.“ P. Meyer
(1. c. p. 246) ist derselben Meinung, denn er sagt: «Le passage
de l’e ä Ta ne pourrait se justifier de meine. Aussi est-il
necessaire de supposer qu'au temps oü le son en s'est confondu
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Die Nasalität im Altfranzösischen.
393
avec le son an , Yn faisait dejä corps avec la voyelle. Ce
n'est pas e pur qui est devenu a pur, mais e nasalise qui est
devenu a nasalisö.» Aus dem Umstande, dass im Alexius ent
und ant noch getrennt sind und ausserdem nicht mit reinem
E und A, sondern nur unter sich assoniren, glaubt G. Paris
(Alex. p. 82) eine schon ziemlich weit entwickelte Nasalität
herleiten zu müssen. Wenn nun der U-Laut wirklich zu dem
des A durch die Nasalirung des E zu A geworden wäre, so
hätte ursprüngliches A vor komplicirtem N wie nfr. nasales
AN gesprochen werden müssen. Dass nun AN im Altfran¬
zösischen nicht wie nasales nfr. AN gesprochen worden ist,
soll hier gezeigt werden. Zunächst aber ist darzulegen, dass
Consonanz + N oder M auf vorhergehendes A keinen Ein¬
fluss ausübt. Bol. v. 6 muntaigne: enaimet, v. 8 recleimet:
ateignet, v. 909 Moriane: Espaigne, v. 1082 blasme: Espaigne,
v. 1091 venget: aimet, v. 1102 damage: Espaigne, v. 1345
target: blasme, v. 1717 damage: blasme, v. 2322 Bretaigne:
Maine, v. 2913 Espaigne: reialme, v. 2914 reialme: pleigne,
v. 3038 Alemaigne: altre, v. 3631 Naimes: magnes, v. 3985
Espaigne: Juliane. Cour. Loöis v. 19 Bretaigne: Tosquane,
v. 917 homage: blasme, v. 924 domage: pasme. Char. de N.
v. 162 blasme: autre. Cov. Viv . v. 1358 Valgaiche: Quartaige:
Buriane: Tosquane: mehaigne, v. 1654 gage: mehaignent,
v. 1656 engraigne: alaine. Jourd. B. v. 993 mesaasme: arde,
v. 1006 pasme: Huistasce, v. 2685 paingne: naige. GN hat
ferner im Neufranzösischen auf vorhergehendes A keinen
Einfluss ausgeübt, ebenso bedingt Doppelconsonanz keine
Nasalirung des vorhergehenden Vokals.
Hieran mögen sich diejenigen Beispiele anschliessen, welche
darlegen, dass AN nicht nasal gesprochen wurde. — 11. Jhr.
— Alex. 91 d dolente: femme, 122d anemes: grande. Bol.
v. 830 cuntenance: chevalchet, v. 837 hanste: rereguarde,
v. 839 marche: escange, v. 1091 venget: aimet, v. 1272
passet: hanste, v. 1405 sucurance: Guanes, v. 1786 temples:
peine, v. 1790 entendent: aleine, v. 1843 barbe: France,
v. 2317 reflambes: Moriane, v. 2830 guanz: amiralz, v. 3620
reconuisance: Neimes, v. 3706 France: sale, v. 3714 eschange:
parle ; v. 3716 marche: estrange, v. 3935 Carles: quaraute.
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394
A. Mebks.
v. 3986 Juliane: conoisance; y. 4 remaigne: fraindre, y. 827
cumpaigne: dutance, v. 834 pleigne: France, v. 910 Espaigne:
vantance, v. 912 cumpaigne: lance, v. 914 fiance: pleignet,
v. 1086 estrange: cumpaigne, v. 1088 graigne: angles, v. 1399
sanglente: enseigne, v. 1402 femmes, atendent, y. 1790 peine:
escientre, v. 1845 irance: cataigne: Espaigne, v. 2326 Romaine:
Flandres, v. 2328 Puillanie: fiance, v. 2910—2914 chambre:
estrange: cataignes: Espaigne :,reialme: pleigne, v. 3084 France:
cataigne, v. 3089 Espaigne: cunoisance, v. 3092 Carlemagne:
flambe, v. 3094 Romaine: eschange, v. 3623 remainent: de-
mandent, v. 3709 catanie: prendre, v. 3718 angles: remaigne,
v. 3976 France: Alemaigne. Chart v. 93 plain: Berteraram
(ai ist noch reiner Diphthong in dieser Dichtung), v. 264
grant: beaus, v. 266 glazaus: seant, v. 286 main: amblant,
v. 293 estant: grizain, v. 295 main: adreceement, v. 471
olivant: plain, v. 793 pleines: descendre, v. 795 ente: aime.
Gorm. v. 63 champaine: grande, v. 74 lande: alme. — 12. Jhr.
— Am. A. y. 516 France: chatainne, v. 518 demande: fame,
v. 520 mainnes: France, v. 2045 desrubainne: entrent, v. 2048
sempres: demainnent, v. 2226 demainnent: abitacle. A. J Avig.
p. 40 fame: entendre, p. 53 compaigne: commence, p. 53
Elainne: gente, p. 56 t'ame: France, p. 74 dame: ensenble,
p. 75 Ardanne: Prouvence. Char. de N. v. 975 lances: en-
saignes, v. 977 grifaigne: France. P. d’Orenge v. 183 vaillance:
Ardane, v. 185 poissance: Alemaigne, v. 192 Jordane: ample,
v. 195 lances: ensaignes, v. 196 ensaignes: Orenge, y. 198
praigne: France, v. 201 Espaigne: gente. Alex. 12° sc. v. 1209
dolente: femme, v. 1345 estrange: ames, v. 1346 ames: repen-
tance, v. 1348 salmes: grande. Ben. 142,3 ceigne: ensamble,
142,6 ensanble: Maine, 142,11 Espaigne: Gorlande, 142,15
grande: gaaigne. Jourd. B. v. 1643 creante: roiaume, v. 1644
roiaume: Alixandre, v. 1647 montaigne: lance. Cour . Loois
v. 11 exemple: avenante: roiaumes, v. 15 Charlemaine: France,
v. 17 apende: Alemaigne: Cov. Viv. v. 1352 porfendre: alaine,
v. 1355 Burienne: pendre. Bataille d f Alischam v. 1604 estrange:
sofraigne. — 13. Jhr. — Floovant p. 7 France: Champene,
p. 43 grande: Bretaigne, p. 43 lance: esparniace, p. 43 creance:
Bretene, p. 43 grande: esparniace, p. 33 esciantre: taile, p. 44
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Die Nasalität im Altfranzösischen.
395
montaigne: Oriande. Aus den vorstehenden Beispielen dürfte
sich ergeben haben, dass A vor folgendem komplizirtem N
noch im 13. Jahrhundert seinen reinen vokalischen Laut hatte.
Da nun ferner EN mit diesem .A-Laut assonirt, so geht daraus
hervor, dass EN nicht wie nasales AN gesprochen wurde,
also kann auch nicht der Uebertritt aus dem E - in den A-
Laut durch die Nasalität erfolgt sein, und die Deutung von
Diez sowie die von P. Meyer verliert mithin ihren wesent¬
lichen Erklärungsgrund. Zahlreich sind die Beispiele, wo im
Altfranzösischen A für etymologisches E eintritt, und hier
ist es meistens nicht ein komplizirtes N , welches den .4-Laut
hervorruft, sondern die verschiedenartigsten Consonanten wie
Consonantengruppen stehen dahinter. Diese Vorliebe für den
.4-Laut hat nun die alte Sprache aus dem Vulgärlatein herüber¬
genommen, da sehen wir dieselbe Erscheinung in der grössten
Ausdehnung auftreten (Schuchardt, 1. c. I, 206—223, III,
106—111). Wie ist der ^4-Laut in pareat, taratrum, marca-
toris, marcado, marcadus, novarca, quarcus, pargamina, sacena,
aclesia, nactar, ador, congragati, mamoriae, panates zu er¬
klären, doch nicht durch ein Einwirken des folgenden Conso-
nanten. Nicht gering ist ferner die Anzahl der Fälle, wo im
Vulgärlatein A für E vor komplizirtem N steht, so (Schuchardt,
1. c. I, 211 — 212) Kalandas, Jalandia, Calandia, Kalandino,
lorandrum, Herannius, Sisanna, excellans, trian, trians, Biban-
tia, Conbulantia, invanti, inantare, inantaculum, mantum,
‘ostantandum, pallante, parantalia, Pantasilea, piantisimo
tantoria, triantes, triante, ferner Schuchardt, 1. c. III, 107
bis 108: edanda, repetandum, defansam, quotians, trianti,
treantes, triantes. Wir sehen also hier schon vielfach A für
den -E-Laut geschrieben, und in vielen Worten mag das Volk
A gesprochen haben, wenngleich A nicht überall in der Schrift
durchdrang. Das vielfache Vorkommen des^l-Lautes im Vulgär¬
latein vor komplizirtem N für E dürfte wohl am besten seine
Erklärung in der grossen Vorliebe der Volkssprache für diesen
Vokal finden. Wenn wir in der Passion und im Leodegar noch
Assonanzen finden, welche zeigen, dass ent und ant mit reinem
vokalischem E und A gesprochen wurden, so darf nicht ausser
Acht gelassen werden, dass der Sprachcharakter dieser Denk-
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396
A. Mebks.
male ein zweifelhafter ist* In der heiligen Eulalia finden wir
nur ent unter sich reimen, ebenso im Alexiusliede. Aus dem
Umstande nun, dass im Alexius EN und AN getrennt sind
und nur unter sich reimen, glaubt G. Paris auf eine Nasa¬
lität und verschiedene Aussprache von EN und AN schliessen
zu dürfen; mit demselben Rechte könnte man aber auch für
die Redaction des 13. Jahrhunderts den Schluss folgern, dass
EN und AN noch verschieden gesprochen wurden, da EN
und AN nur getrennt reimen, während in der Redaction des
12. Jahrhunderts EN und AN gemischt sind. P. Meyer (1. c.
p. 252) hat schon bemerkt, dass die Trennung von EN und
AN in den ältesten französischen Denkmalen ihren Grund
vielleicht in der gelehrten Bildung der Dichter gehabt haben
könne, denn er sagt: «. .. ä ce fait on pourrait, non sans quelque
apparence de raison, objecter que ces premiers textes ont ete
ecrits par des clercs, curieux de conserver le plus possible de
Torthographe latine», dagegen führt er aber folgendes an:
«En anglo-normand en et an sont toujours restes distincts, et
ils le sont encore aujourd'hui dans les mots romans, qui
sont passes dans l’anglais.» Gegen diese letzten Worte ist zu
entgegnen, dass das erste anglonorm. Werk, der Computus
des Philipp von Thaun, erst aus dem Jahre 1119 stammt und
dass dieses Werk auf lateinischen Quellen beruht, ferner sind
uns keine anglonorm. volkstümlichen Dichtungen überliefert,
die anglonorm. Dichter haben vielmehr sämmtlic^i gelehrte
Bildung, ausserdem begegnen wir ja derselben Trennung von
EN und AN bei gelehrten Dichtem auf dem Festlande, nach¬
dem EN und AN gleich lauteten. Ferner ist zu bemerken,
dass französische Wörter sehr spät in das Englische ein-
dringen, so finden sich in den 32,000 Versen des Brut
von Layamon, der dem Ende des 12. oder dem Anfänge des
13. Jahrhunderts angehört, nur 50 französische Wörter, dann
ist ausserdem nicht ausser Acht zu lassen, dass afr. A und E
im Englischen die mannigfaltigste Behandlung erfahren haben
(cf. Mätzner, Engl. Gramm. I, 101 und 104 ff.). Zweifelhaft
dürfte es daher sein, ob die Sonderung der Reime auf EN
und AN im anglonorm. Dialecte ihr Dasein der verschiedenen
Aussprache von EN und AN verdankt.
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Die Nasalität im Altfranzösischen.
397
Aus der geführten Untersuchung dürfte sich gewiss er¬
geben haben, dass E zu A nicht vermittelst der Nasalität
wurde, sondern dass der J.-Laut in den Fällen, wo wir im
klassischen Latein E haben, sein Dasein der Vorliebe der
Vulgärsprache für A verdankt und nicht erst im Französischen
durch die Nasalität eingetreten ist. Da Palsgrave (1. c. p. 2)
die nasale Aussprache des A lehrt, so fällt der Uebergang
aus dem reinen -A-Laut in den des nasalen in die Jahre 1300
bis 1500.
Die richtige Darstellung der altfranzösischen Nasalität
dürfte auch ein neues Licht auf einige bis jetzt dunkel ge¬
bliebene Theile der altfranzösischen Verbalflexion werfen. So
hat bis jetzt Diez II 3 , 226 noch keine genügende Erklärung
für die sonderbare Erscheinung zu geben gewusst, dass die
erste Pers. Plur. aller Conjugationen im Präsens und Imperfect
auf ons ausgeht. Die von Delius (Jahrbuch für roman. Lit.
IX, 225) versuchte Erklärung, dass die eintretende Nasalirung
die drei Vokale A, E, 1 in den abgekürzten Endungen ams,
ems , ims in den Laut des dumpfen 0 zusammenfasste, ist nach
obiger Darstellung der altfranzösischen Nasalität von der Hand
zu weisen. Gering sind in der That die Anzahl der Fälle, in
denen lat. A zu 0 wird, so in: tabanus (taon), fantasma
(fantome), phiala (fiole), natalis (noel), articulus (orteil),
patella (poele), fagus (fouet). Bei phiala finden wir auch den
entsprechenden Uebergang im Provenzalischen (Diez I 3 , 424).
Der O-Laut findet sich ferner in den Flussnamen Somme und
Dordogne, in denen sich die Entwickelung des O-Lautes aus
dem des A durch das Vulgärlatein bis ins Französische ver¬
folgen lässt. Für Samara hat Greg. Tur.: Sumina, Fortuna-
tus: Sömena. Spätere: Somona, Sumna, Somna; für Duränius
finden wir bei Greg. Tur.: Dorononia, t>ei Isid. Pac.: Domo-
mia, bei Eginh.: Domonia, bei Andern: Dordonia (Schuchardt,
1. c. III, 80). Ferner entwickelt sich im Vulgärlatein häufig
0 aus ö, so in: clumat (Schuchardt, 1. c. I, 169—177), de-
lubrum bei Isid., Dolobella, Acriones, Afronio, fasionus,
Memona, Niconor, troiecto, Boloniani, fiola, numerarorius,
privatoria, selbst lat ä wird zu o, z. B. quodratus, desgleichen
auslautendes a, z. B. etium, propalum. Aus diesen Beispielen
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398
A. Mebes.
lässt sich schliessen, dass in dem Vulgärlatein, welches in
Nordfrankreich gesprochen wurde, sich aus portamus eine
Form portömus gebildet haben mag, und dass die übrigen
Conjugationen sich an die erste angebildet haben mögen, da
eine Entstehung der Flexionsendung ons aus a + dem aus
der unbetonten in die betonte Silbe herübergezogene u un¬
möglich ist, indem ons immer auf geschlossenes o reimt.
Ich glaube nun vermittelst der gegebenen Beispiele ge¬
zeigt zu haben, dass das Altfranzösische nicht eine Nasalirung
der Vokale im Sinne der neueren Sprache kannte, in dem die
Vokale vor N ihren reinen vokalischen Laut bewahrt haben,
demnach kann man in der alten Sprache nur von einer
nasalen Aussprache der Consonanten N und M sprechen, dass
aber diese Consonanten nasal gesprochen wurden, zeigt das
frühe Verstummen gewisser Consonanten nach N und M. Die
ultfranzösische Nasalität ist demnach dieselbe wie im Portu¬
giesischen (Diez I 3 , 382), wo gleichfalls N und M nasal ge¬
sprochen werden, ohne aber das Wesen des Vokales zu ändern;
die altfranzösischen nasalen Laute sind mithin keine Vokale,
da sie konsonantische Elemente enthalten.
Es bliebe nun noch die Frage zu lösen übrig, wie die
Buchstaben N und M nach einem reinen Vokal nasal ge¬
sprochen werden konnten. Der Buchstabe M findet nur geringe
Verwendung in der älteren Sprache, fast durchgängig schreibt
diese N f wo die neuere Sprache Af setzt, dieser Umstand und
der, dass nasales Af in der neueren Sprache dieselbe Geltung
wie N hat, dürfte wohl die Behauptung rechtfertigen, dass
altfranzösisches nasales Af dieselbe Aussprache wie altfranzö¬
sisches nasales N hatte. Da die Nasalirungsmethode der
neueren Sprache nun ganz verschieden von der der älteren ist,
so will es den Anschein haben, als ob diese ältere Art der
Nasalirung der neueren Sprache gänzlich abginge. Aber dies
scheint nur, und wenn dies bis jetzt noch nicht erkannt
wurde, so liegt es daran, dass das Wesen des Lautes, in dem
sich die alte Nasalirungsmethode erhalten hat, in Deutschland
ganz verkannt wird und selbst in Frankreich sehr Wenige
ihn richtig zu erklären wissen, Littre in seinem Wörterbuche
(s. 1. G) meint das Richtige, ist sich jber selbst nicht über
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Die Nasalität im Altfranzösischen.
399
die Hervorbringung des Lautes ganz klar. Dass die ältere
Schreibung ung, crieng etc. wenig beweisend für eine Aus¬
sprache des N ist, hat Diez P, 449 nachgewiesen. Belehrend
und wichtig für die Aussprache des N dürfte aber folgende
Schreibung sein: Roh v. 250 luign, v. 762 poign, v. 1232
essoign, v. 1366 besoign, v. 1824 puign, v. 1897 loign, v. 1903
poign, v. 2379 lign, v. 2701 poign, v. 3194 cumpaignz.
Parise la Duchesse p. 5 viegn, p. 34 tesmoign etc. Da der
Franzose die.Consonantengruppe GN nur mittelst eines noch
angefügten E sourd aussprechen kann, so geht daraus und
aus der zeitig eintretenden gänzlichen Aufgabe dieser Schreibung
hervor, dass in diesen Fällen das G vor N nicht gesprochen
wurde, ausserdem kann auch das G in den Fällen viegn, lign,
poign, tesmoign etc. nicht eine modifizirte Aussprache des
vorhergehenden Vokals andeuten, da sich aus den oben ge¬
gebenen Beispielen ergeben hatte, dass i, ie, oi etc. im Alt¬
französischen vor folgendem N rein vokalisch gesprochen
wurden, demnach kann diese Schreibung nur die besondere
Art der Aussprache des N andeuten. Da ferner die alte
Sprache das mouillirte N bald durch GN oder NGN , bald
nur durch N notirt, so liegt wohl die Annahme nahe, dass
im Altfranzösischen auslautendes und komplizirtes N wie das
mouillirte N in Espagne gesprochen worden ist. Diese An¬
gabe könnte genügen, wenn die Deutschen den französischen
son mouille richtig bildeten. In Deutschland wird aber dieser
Laut ganz falsch gesprochen, falsch gelehrt und ebenso falsch
figurirt. Unsere Hilfsmittel, selbst Sachs, figuriren diesen Laut
mit nj. Wir Deutsche, ausgenommen die Schweizer, sprechen
aber das j palatal, während in diesem Falle die Franzosen ein
reines vokalisches i sprechen, ferner sprechen wir das n nicht
nasal, während es die Franzosen hier nach ihrer W^ise nasal
sprechet. Ueber die Natur dieses Lautes hätten wir eigent¬
lich schon lange im Klaren sein müssen, denn schon Steffen-
hagen (Franz. Orthoepie, Parchim 1841) erklärt ihn richtig,
auch Mätzner weiss das Richtige, seine Erklärung ist aber
zu kurz und wohl deshalb bis jetzt übersehen worden, er sagt
Gramm, p. 29 Nr. 5: „In der Verbindung mit n (gn) bildet
es einen nasal gefärbten Schmelzlaut, der sich annähernd
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400 , A. Medes. Die Nasalität im Altfranzösischen.
durch ng (nj) versinnlichen lässt/ Alle übrigen Lehrbücher
geben den Laut falsch an, selbst Brücke (Grundzüge der
Physiologie p. 70), erst Rumpelt (Das natürliche System der
Sprachlaute p. 89 ff. Halle 1869) erklärt ihn wieder richtig. Die
Revue critique 1872, Nr. 33, p. 103 erkennt besonders die
Richtigkeit der Darstellung des Lautes gn an. Ohne die
Kenntniss der Stellung der Sprachwerkzeuge dürfte es aber
schwierig sein, den Laut richtig zu bilden. Die Stellung der
Sprachwerkzeuge ist folgende: Die Zunge wölbt sich nach
oben, lässt zwischen sich und der oberen Mundhöhle nur
einen geringen Raum und legt dann ihre Spitze an die unteren
Zähne. Welchen Vokal man nun auch vor gn zu sprechen
hat, die Stellung ist dieselbe; haben wir also Espagne zu
sprechen, so bringen wir die Zunge in die beschriebene
Stellung, articuliren ein reines a , darauf ein französisches
nasales n (Benecke, die franz. Aussprache p. 91 ff.), an welches
ein vokalisches, kurz gesprochenes i, das mit dem kurz ab-
gestossenen Laute des e sourd endigt, sich anschliesst. In
der eben beschriebenen Weise kann also im Altfranzösischen
N nasal gesprochen worden sein, nur fällt im Altfranzösischen
der kurze ie -Laut weg. Aus dieser denti-palatalen oder auch
dorsalen Aussprache des n lässt sich die neuere Nasalirungs-
methode (cf. Rumpelt 1. c. p. 89,ß), welche nicht gutturaler
Natur ist, ohne erhebliche Schwierigkeit herleiten; da ausser¬
dem die eben beschriebene Aussprache des N ohne die Ver¬
mittelung eines darauffolgenden e *sourd sehr schwierig ist,
so ist es erklärlich, dass N mit der Zeit seine Consistenz
verlor und seino Natur auf den vorhergehenden Vokal über¬
trug. Ob nun in der neuern Sprache N ganz und gar seine
Consistenz verloren hat, ist noch nicht endgültig entschieden,
da Lücking in der letzten Zeit nachgewiesen hat, dass die
neufranzösischen voyelles nasales Consonanten sind, Was nun
noch eine Stütze in dem Wesen der altfranzösischen Nasalität
findet.
Breslau.
Albert Meb es.
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Beiträge zur Kenntniss der französischen Sprache
des XIV. Jahrhunderts.
(Schluss.)
Gewisse andere Perfectformen unsrer Denkmäler verdienen
darum besondere Rücksicht, weil sie das Gepräge eines be¬
stimmten Dialectgebiets deutlich zur Schau tragen. Dies sind
einerseits dritte Personen Plur. Perf. der zweiten Klasse mit
der alten picardischen Endung - issent (-isent)*) statt -irent,
wie z. B. fissent Cond. 29, 225; Fr. I. 14. 18; fisent Cond. 50,
994; j parfisent H. C. 174, 7; dissent Fr. I. 19; missent Cond. 49,
940; Fr. I. 23; entremissent Cond. 49, 939;**) prisent H. C.
192,18; Fr. I. 207; prissent ib. I. 28; asissent ib. I. 26; guissent
ib. I. 39 etc.
Andrerseits haben wir Imperfecta Conj. der dritten Klasse
im Auge, die zwischen u und dem Sibilanten noch ein i ent¬
halten, also den alten Flexionsvocal bewahrt haben. Auch
diese Formen kommen einem Theil des picardischen Dialect¬
gebiets zu, nämlich speciell dem Hennegau und Ostflandem,
und zwar gehören sie schon der zweiten Hälfte des 13. Jahr¬
hunderts an.***)
Belege aus unseren Quellen sind: deuist Cond. 31, 298;
H. C. 107, 20; Fr. I. 68; deuissiez E. M. I; deuissent Fr.1.125; —
Nur die Formen von veoir lassen noch eine andre Erklärung zu:
es könnten wie crey crei (s. oben) auch Bildungen nach Analogie der
schwachen Conjugation zu dem Infinitiv veir sein, auch ist ja wie bei
jenen in 3. Sg. das -t abgestossen. (Diese Anmerkung gehört zum Schluss
des vorigen Artikels N. F. II. 271, woselbst sie durch ein Versehen bis
auf die erste Zeile ausgefallen war.)
*) S. Diez Rom. Gramm. II 3 . 244.
**) Cond. 19, 208 findet sich: S'ü missent painne au retenir. Aber
wir können darin kaum eine Perfectform sehen. Als Conjunctivform würde
sie Hiatustilgung zeigen, wie die oben citirten Beisp. dussent u. s. f.
*♦*) S. Burguy II. 7.
Jahrb. f. rom. u. engl. Lit. N. F. n. 27
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402
Knaukb.
pierceuist: receuist Cond. 36, 453. 454; — congneuissent Fr. II.
215; — esleuissent Cond. 17, 146; — meuist meuissent Fr. I. 98
neben den burgundischen Formen: esmuist esmuissent ib. 1.79; —
euisse H. C. 59, 2; Fr. I. 3; euist Cond. 28, 173; H. C. 14
11; Fr. I. 9; euissions ib. I. 54; euissies ib. I. 56; euissent H. C.
164, 3; Fr. I. 20; — peuisse ib. I. 118 ; peuist Cond. 21, 32; 28,
174; H. C. 105, 8; 238, 10; Fr. I. 33; peuissetU Cond. 17,145;
19, 207; H. C. 108, 19; Fr. I. 35; — ptäiist H. C. 55, 21; —
seuist Cond. 46, 841; Fr. I. 49; seuissent ib. I. 47.
Dass die drei Hauptquellen, denen die Beispiele für die
eine wie für die andere Erscheinung entnommen sind, Cond.,
H. C. und Froiss., picardischen Charakter tragen, und dass
speciell der erstere und der letztere Autor aus dem Hennegau
stammten, ist bereits in der Einleitung zu diesen Beiträgen
hervorgehoben worden.*)
Wie beim Präsens drängt sich uns auch beim Perfectum
die Nothwendigkeit auf, bei der Zusammenstellung und Er¬
örterung der Perfectbildungen die Mannichfaltigkeit in Neben¬
formen in den Mittelpunkt unserer Betrachtung zu rücken.
Zunächst haben wir hierbei die Sonderklasse der U-Bildung
im Auge, die nicht blos wie in den oben citirten Beispielen
mit dem Diphthong eu (eu y u) im Stamme auftritt, sondern eben
so gut mit dem Stammvocal o.
Neben eut etU eyrent ; peut peut put pusmes peurent pur ent]
pleut pleut plut; sceut sceu sceus sceut sceurent lesen wir
in ebendenselben Quellen: ot Cond. 13, 20; H. C. 2, 3; Cuv.
55; Desch. 28; Fr. I. 6; orent Cond. 17, 141; H. C. 17, 5; Cuv.
140; Desch. 70; Fr. I. 27; — pol Cond. 36, 469; H. C. 11, 23;
Cuv. 247. 750; Desch. 232; Fr. I. 39; porent Cond. 44, 752;
H. C. 82, 2; Desch. 160; Fr. I. 13. 137; — sot Cond. 15, 86;
H. C. 168, 12; Cuv. 518; Desch. 233; sgot ib. 197; Fr. I. 19;
sorent Cond. 17, 142 etc. Es begegnen sich also picardische
Formen (eu) und burgundische (o) innerhalb desselben Denk¬
mals und bei einem und demselben Zeitwort.
Ein einzelnes Zeitwort, bei welchem das Perfect in ver¬
schiedenartiger Gestalt aufzutreten pflegt, ist sodann prendre.
*) S. Jahrb. VIII. 18 ff.
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Beitrage zur Eenntniss der französischen Sprache des XIV. Jahrh. 403
Auch in unseren Quellen zeigt es sich bald ohne, bald mit
Nasalirung.
Z. B. 1. Sg. pris H. C. 18, 11; 3. Sg. prist ib. 2, 3; 55, 9;
Cuv. 96; Desch. 47; Fr. I. 8; aprist Cond. 19,206; reprist ib.
18, 205 neben: 3. Sg. print C. de Tr. 19, 1; Cuv. 446.16769;
Desch. 117; prinst H. C. 180, 21; oprinst Desch. 8; 3. PI.
prinrent H. C. 11, 21; Cuv. 6931; C. de Tr. 21, 8; prindrent
Cuv. 16850; Desch. 244.
Die flexionsbetonten Formen haben s im Inlaut meist be¬
wahrt, wie die oben angeführten Beispiele mesist etc., aber
doch keine Nasalirung. Z. B. 2. PI. presistes : represistes Cond
18, 189.190; 3. Sg. PI. Impf. Cj. presit (für presist ) Cuv. 16642;
presist Fr. I. 7; presissent ib. I. 35.
Burguy*) erkennt die nasalirten Formen als die jüngeren,
obschon sie sich späterhin wieder verloren haben und den
stammbetonten unnasalirten das Feld haben räumen müssen.
Unsere Belege thun wenigstens dar, dass das 14. Jahrhundert
keineswegs ausschliesslich nasalirte Formen in dem Perf.
von prendre kennt.
Mit zahlreichen Formschwankungen stellt sich uns weiter
das Perfect des Zeitworts völoir dar. Wir lesen: Pf. 3. Sg. vot
Cond. 49, 927; H. C. 14.13; 64, 6. 8; volt H. C. 13, 26; 62, 20;
Cuv. 950; Fr. I. 18. 39; voult H. C. 107, 14; Cuv. 748; Desch.
37. 157; vault H. C. 235, 23; 236,13; vast Cuv. 601. 6429;
2. PI. vosistes H. C. 72, 12; 3. PI. vorent H. C. 79, 4; vorrent
Fr. I. 53. 64; vourent H. C. 81, 27; Fr. II. 61; vouldrent C. de
Tr. 34, 19; Desch. 147; voldrent Cuv. 22606; voudrent E. M. II;
vodrent Fr. 1.123; vaurent H. C. 121, 27; Impf. Cj. 3. Sg. volsist
H. C. 79,8; Cuv. 4465; vousist ib. 261; vosist H. C. 143, 8;
Cuv. 506; Fr. 1.17; vausist H. C. 50,11; 127,26; 1. PI. vosisiens
ib. 181, 12; vosisions Fr. I. 96; 2. PI. vosisies H. C. 15, 11;
* vcmsism ib. 34,3; 3. PI. vatmssent Doc. or. XV; vosissent Fr. 1.98.
Ueberblicken wir diese Formen, so ergiebtsich zuvörderst,
dass sie noch ganz den altfranzösischen Typus tragen und noch
nicht zu der modernen, obschon im Lateinischen vorgezeich¬
neten U-Bildung übergegangen sind. Die ursprünglich wohl zu
*) Gramm, de la langue d’o'il II. 196.
27*
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404
Knauer.
Grunde liegende sigmatische Bildung*) aber hat verschieden¬
artige Gestalt gewonnen, je nach der Behandlung des s und
des l. Jenes ist nur in 3. Sg. PI. Pf. fast durchweg geschwunden,
dieses bald ausgestossen, bald bewahrt, bald in u aufgelost
und dann auch häufig graphisch wieder beigefügt**). Ausser¬
dem ist neben dem gemeinfranzösischen Stammvocal o auch
das speciell picardische a wenigstens bei H. C. reichlich
vertreten. Von dem auch bei diesem Verbum vorkommenden
Einschub eines euphonischen d in 3. PL Pf. werden wir alsbald
besonders reden.
Mit den Formen von voloir berühren sich theilweise die
von voloir ; doch ist hier im Perfect die U-Bildung die einzige,
wie zu allen Zeiten, und nur im Impf. Cj. zeigt sich auch die
S-Bildung vertreten. So 3. Sg. Pl. Pf. vally (f. vallu) H. C.
151, 6; vallurent ib. 127,12; 3. Sg. Pl. Impf. Conj. vausist Desch.
55. 217; Fr. II. 193; vaulsist Desch. 224; vausissent Fr. I. 124.
Mehrformig wie in alter Zeit ist auch das Perfect des
formenreichen, dem lateinischen cadere entsprossenen Zeitworts,
dessen Verwendung der modernen Sprache mehr und mehr
abhanden kommt, das aber weit über das 14. Jahrhundert
hinaus seine Rolle gespielt hat. Die etwas jüngere artesische
U-Bildung ist in unseren Quellen seltener vertreten; s. o. chut
aus Desch.; die Endung -i, durch welche dieses Perfectum sich
der 3. schwachen Conjugation gleichstellt, herrscht vor, und
es handelt sich daneben nur um Verschiedenheit des Stamm-
vocals (a od. e). Wir lesen: 3. Sg. Pf. cay Cond. 32, 316; H. C.
230,16; chay C. de Tr. 28,16 neben cey Cond. 36,478; 79,2007;
quey H. C. 28, 16; cheit Desch. 232; escei Fr. I. 6; eschei ib.
I. 59; 3. Sg. Impf. Conj. ceist Cond. 38, 558 etc.***)
In doppelter Form gleichfalls ist das Perfect von croire
*) So Diez Rom. Gramm. II 3 . 260, während Burguy II. 100 nicht
von derselben ausgehen will.
**) S. Beiträge im Jahrb. VIII. 33.
***) Die Form cherrent Desch. 111 in der Stelle:
En vaal cherrent , le temps fut lors inique .
kann gleichfalls nur 3. Pl. Pf. von chioir sein, obschon sie befremdlich
erscheint. Vielleicht ist cheurent oder churent zu lesen. Die 3. Sg. chut
findet sich ja ib. 64 in ganz ähnlicher Verbindung: En chut ä val.
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Beiträge zur Kenntniss der französischen Sprache des XIY. Jahrh. 405
vertreten. Wir finden: 3. Sg. crei Fr. I. 241; II. 10. 238 neben
crut Cuv. 7007; Fr. I. 11 wie in alter Zeit.
Dagegen hat croistre nur die eine U-Bildung: z. B. 3. Sg.
Pf. crut Cond. 25, 85; acrut H. C. 2, 7; Desch. 70.
Als charakteristische altfranzösische Perfectformen, auf
welche die spätere Zeit ganz verzichtet hat, zum Theil sogar
ohne Ersatz vermittels der Durchführung anderer Bildungen
zu schaffen, führen wir aus unseren Quellen an: von re-
manoir 3. Sg. remest H. C. 171, 4; — von occire 3. Sg.
ochist H. C. 222, 8; 3. Sg. Impf. Cj. occesit Cuv. 22475; — von
semondre (summoncre) 3. Sg. semonst und 3. Sg. Impf. Cj. se-
monsist Fr. II. 10; — von traire 1 . Sg. tray Doc. or. XXII (statt
des correcten trais) ; 3. Sg. retraist Fr. 1.23; 3. PL traissent*)
ib. I. 33; 3. Sg. Impf. Cj. traisist ib. II. 173; — von j plovoir
3. Sg. plout Fr. I. 89; — von tolir 3. Sg. toult Cuv. 15310.
15345 neben tolli Fr. I. 68; — von gesir 3. PI. jurent Desch. 241.
Von den hierunter vertretenen Zeitwörtern sind im mo¬
dernen Französisch bekanntlich remanoir sowie tolir ganz und
occire sowie semondre fast ganz verschwunden, während traire
als Simplex wenigstens seine ursprüngliche Bedeutung ungemein
verengert hat.
Die Perfectformen von escrire treten wie seine Präsens¬
formen in einigen unserer Quellen, besonders bei Froiss., in
eigenthümlicher latinisirter Gestalt auf, eine Erscheinung, die
schon Burguy nicht unerwähnt lässt**)
Wir finden z. B. 3. Sg. escripsi Fr. I. 70; escripst Desch. 30;
1. PI. escripsons E. M. II; 3. Sg. Impf. Cj. escripsist Fr. I. 70.
und 3. PI. Pf. escrisirent ib. I. 306, letztere Form nur durch
den Mangel des lateinischen# von den anderen unterschieden.
Zwei phonetische Punkte, die bei der starken Perfect-
bildung eine wesentliche Rolle spielen, sind: die Behandlung
des Sibilanten vor der Personalendung der 3. Person Sg. Perf.
und der Consonanteneinschub (d oder t ) in 3. PI. Pf. Sind auch
*) Der picardischen Endung -issent für diese Person haben wir
bereits Erwähnung gethan und sie mit zahlreichen Beispielen aus un¬
seren Quellen belegt.
**) Gramm, de la langue d'oil II. 156.
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406
Knauer.
die Belege hierfür zum grossen Theile bereits in den ange¬
führten Perfectformen mit enthalten gewesen, so dünkt es uns
doch nöthig, diese Gesichtspunkte noch besonders hervorzu¬
kehren und die betreffenden Erscheinungen im Zusammenhang
zu erörtern.
In der 3. Person Sg. Perf. der sigmatischen Klasse hat
naturgemäss ursprünglich vor -t ein s aufzutreten, dasselbe
ist aber späterhin im Unterschied von dem s der 3. Sg. Impf.
Conj. einfach ausgestossen worden.
Unsere Quellen behalten jenes s zwar nicht mehr durch¬
weg bei, einige von ihnen zeigen aber doch eine Vorliebe für
dasselbe. So lesen wir ausser den oben citirten Formen fist
dist mist conquist prist prinst ochist retraist noch: fist Fr. I. 4;
dist Doc. or. XXII; Fr. I. 14; mist H. C. 25, 26; Fr. I. 13;
rist Cond. 58, 1280; sist ib. 26, 89; 36, 458; H. C. 161, 1; Fr.
I. 57; II. 172; assist Cond. 59, 1291. Ja falsche Analogie lässt
sogar ein s vor dem -t der 3. Sg. Pf. da auffcreten, wo es nicht
hingehört; denn wir finden eben so gut das Beispiel H. C.
115, 21 und werden weiter unten aus C. de Tr. oust ust von
avoir und aus Cuv. fust von estre beibringen.
Andrerseits haben wir jedoch auch Beispiele mit ausge-
stossenem s zu verzeichnen, wie: fit H. C. 74,15; Cuv. 7038;
meffit ib. 726; escrit H. C. 242, 19; mit ib. 49, 22; print s. o.;
prit H. C. 55, 8.
Den Einschub von d zwischen nr und zwischen Ir haben
wir bereits beim Consonantismus*) und wiederum bei der Futur-
‘ bildung zu erwähnen gehabt. In 3. PI. Pf. wiederholt sich
dieselbe Erscheinung und zwar mit gleich schwankendem Ver¬
fahren.
Wir hatten oben Gelegenheit tindrent und vindrent aus
C. de Tr., E. M., Doc. or., Cuv., Desch. neben tinrent und vinrent
aus Cond., H. C., Cuv., Fr.; prindrent aus Cuv., Desch. neben
prinrmt aus H. C., Cuv., C. de Tr.; voldrent aus Cuv., vouldrent
aus C. de Tr., Desch., vodrent aus Fr., voudrent aus E. M. neben
vorent vourent vaurent aus H. C. anzuführen — in der letzten
Reihe von Beispielen das Auftreten des d ziemlich unabhängig
*) S. Beiträge im Jahrb. VIII. 392.
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Beiträge zur Kenntniss der französischen Sprache des XIV. Jahrh. 407
von dem Schicksal des vorangehenden l. Es fällt hierbei in
die Augen, dass H. C. und Fr. am meisten Abneigung gegen
den Einschnb von d an den* Tag legen, Desch. dagegen ihn
mit Vorliebe übt.
Nach dem Einschub von t zwischen dem s der sigmatischen
Klasse und der Endung - rent sehen wir uns aber in unseren
Quellen vergeblich um: es scheint auf dieser Stufe der Sprach-
• entwickelung jenes alte st vor der Endung der 3. PL Pf. völlig
geschwunden zu sein; wir lesen kein distrent etc., sondern nur
firent dirent mirent u. s. f.
Wir wenden uns nunmehr zur Betrachtung der Einbusse,
welche die starke Conjugation durch Uebertritt in die
schwache zu leiden beginnt, resp. der Fälle, wo beide Con-
jugationsweisen sich bei demselben Verbum begegnen.
Während in der alten Sprache bei morir im Perf. neben
der U-Bildung auch die schwache Form (mon) im Gebrauch
ist, zeigen "unsre Quellen ganz wie das Neufranzösische aus¬
schliesslich jene starke Form. Z. B. 3. Sg. PL moru Cuv. 6624;
morut Fr. I. 9; mouru C. de Tr. 20, 6; mourut Desch. 110;
morurmt Cuv. 1034; moururent Desch. 108.
Dass dagegen bei cheoir die schwache Bildung vor der
U-Bildung vorherrscht, ersahen wir schon oben.
Ein andres Zeitwort, welches schon in der älteren Sprache
doppelte Perfectform, eine starke sigmatische und eine schwache,
besitzt, ist ardre . Es ist von demselben aus unseren Quellen
die schwache Form 3. Sg. Pf. ardit Desch. 242 beizubringen.
Von dem ihm äusserlich ähnlich erscheinenden Zeitwort
aerdrc (adhaerere) liegt gleichfalls eine schwache Bildung vor,
dieselbe ist aber der älteren Zeit noch unbekannt, nämlich
3. Sg. Pf. aherdy H. C. 190, 9; aerdi Cuv. 6851. Im Neufran¬
zösischen ist letzteres Verbum gänzlich verschwunden, ardre
ist wenigstens völlig veraltet und lebt nur noch in wenigen
Formen und Redensarten.
Dagegen erfreuen sich andre, an dieser Stelle zu nennende
Verba gedeihlichen Fortlebens.
Das Verbum lire , das in der alten Sprache sowohl mit
sigmatischer wie mit der U-Bildung im Pf. auftritt (lis u. lui)
und auch im Neufranzösischen ausschliesslich in der einen
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408
Knaueb.
starken Perfectform wenigstens (Ins) verwandt wird, zeigt in
unseren Quellen mehrfach Ansätze zu schwacher Bildung; wir
finden 3. Sg. PL lisi Cuv. 7093; -lissi Fr. I. 17. 60; lissirent
ib. I. 20.
Ferner bricht bei den von lateinischen Verbis auf -ng&re
abstammenden Bildungen die schwache Perfectform bereits
durch, von der dann wirklich der eine Typus in der modernen
Sprache recipirt und alleingültig geworden ist. Während wir
bei Cond. 40, 603. 604 im Reime die starken Formen 3. Sg. Pf.
atainst: fainst finden, begegnen wir bei Froiss. den Bildungen:
3. Sg. PI. Pf. complandi I. 300; plaindi II. 266; ataindi I. 328;
refraindirent II. 339; plaindirent I. 78; consbraindircnt II. 108
und bei Desch. 37 der Form 3. Sg. Pf. restraingnit — letzteres
bis auf eine kleine graphische Abweichung ganz dem modernen
Typus entsprechend, erstere Formen aber mit strenger Fort¬
führung des specifischen Infinitivgepräges.
Mit schwacher Perfectform tritt auch das Verbum saurdre
(surgere) auf: z. B. 3. PI. Pf. sourdirent Fr. I. 392. Der Conj.
Imperf. aber zeigt dieselbe Einmischung der Inchoativbildung,
die wir beim schwachen Verbum*) zu belegen und zu be¬
sprechen hatten; denn wir finden 3. PI. Impf. Conj. sourdesissent
Fr. I. 102.
Wenn wir endlich E. M. II. die Form 3. Sg. Impf. Conj.
ardeist von ardre finden, so können wir einen Augenblick in
Verlegenheit sein, sie zu erklären, wenn wir nicht in ihr einen
einfachen Schreibfehler sehen wollen. Die correcten Formen
*) S. Beiträge im Jahrb. XII. 172. Zu den dort beigebrachten Be¬
legen tragen wir an dieser Stelle noch nach: 3. Sg. Impf. Cj. combatssist
H. C. 166, 20 und respondesist E. M. II. Dass respondre ausschliesslich
als schwaches Verbum in unseren Quellen figurirt, versteht sich; Belege
s. in dem oben angeführten Abschnitt: Jahrb. XII. 163.
Wir wollen nicht verabsäumen, darauf hinzuweisen, dass jene Perfect-
bildungen der 2. Conjugation mit inchoativischer Beimischung combatesist
entendesist respondesist etc. äusserlich eine gewisse Aehnlichkeit mit den
starken sigmatischen Perfectformen ohne Synkope des s zur Schau tragen,
mit Formen also wie die oben citirten festst mesist conquesist. Möglich
immerhin, dass diese letzteren altertümlichen Bildungen, die wir ja
nicht nur bei Cond, und in H. C., sondern auch bei Froiss. fanden, ihre
Erhaltung dem Einfluss jener Formen mit zu verdanken haben.
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Beiträge zur Kenntniss der französischen Sprache des XIV. Jahrh. 409
wären stark arsist und schwach ardist , bei inchoativischer Bei¬
mischung könnten wir noch ardesist erwarten. Letzterer
Form steht obige ziemlich nahe, nur wäre nach Analogie des
Verfahrens bei der starken sigmatischen Perfectbildung Synkope
des s eingetreten. Wollen wir nicht auf die unbelegte In-
choativbildung ardesist recurriren, so bietet sich uns zur Er¬
klärung noch die Analogie der sigmatischen Perfectklasse mit
vocalischem Stammauslaut, wo 3. Sg. Impf. Conj. durchweg
auf - eist (für -esist) auslautet: in so fern der 3. Sg. Pf. dit
(für dist ) die 3. Sg. Impf. Conj. deist zur Seite steht, könnte
falsche Analogie wohl auch neben der Inchoativform ardit eine
Conjunctivform ardeist erzeugt haben. Indessen legen wir auf
das vereinzelte Beispiel durchaus keinen grossen Werth und
bescheiden uns gern, vielleicht nur die mögliche Genesis eines
Schreibfehlers im Vorstehenden dargethan zu haben.
In der Form 3. Sg. Impf. Conj. deusist H. C. 141, 27
können wir vollends nichts weiter als eine Verirrung erkennen,
bei welcher etwa Wortbilder wie fesist u. drgl. die Hand des
Schreibers geleitet haben mögen. Der Vers: II cteusist regarder
con faxt sont sy parent gestattet noch dazu die Aenderung in
deuist ohne Weiteres. Wir werden übrigens doch auf ähnliche
Bildungen auch bei estre stossen.
d) Das Participium Perfecti.
Von den drei Klassen der Participialbildung [-s (lat. -sus),
-t (lat. tus), ~ut (lat. -utus für -itus)] interessirt ulis vorwiegend
die letztere. Wir haben sie in zweifacher Hinsicht zu be¬
trachten, einmal betreffs der Beibehaltung oder Abstossung
des Endconsonanten -t, dann, wie das Perfectum, betreffs der
Hiatusverhältnisse. Ein dritter Punkt, dem wir Beachtung zu
schenken haben, ist das Auftreten von Nebenformen und der
Uebertritt aus einer Klasse in die andere.
Das auslautende -1 der U-Klasse findet sich weit seltener
erhalten als abgestossen. Wir lesen zwar: but Desch. 215;
connut H. C. 111,12; encourut im Fern. PI. encourtdes Fr. 1.10;
dech^yt (von dechevoir) H. C. 87, 15; perchut ib. 237, 3; recut
Cond. 120, 685; acrut (von acroire ) H. C. 5, 18; eut ib. 137, 4;
jut (von gesir ) Cond. 76,1917; H. C. 175, 14; veut Cond. 38,
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410
KtTACEB.
544; 81, 2087; H. C. 164, 14; venut Cond. 163, 70; revenut ib.
36, 495; vollut H. C. 2, 13; — aber Formen wie: beu Cond
59, 1311; C. de Tr. 26, 18; Cuv. 6638; beu Fr. I. 28; — ceu
Cond. 34, 400; H. C. 160, 10; cheu Cond. 121, 731; cheu
C. de Tr. 28, 12; queu. H. C. 12, 26; 158, 3; releJu Cond. 34,
391; — congneu C. de Tr. 28,14; congneu Desch. 268; Fr. I. 1;
reconneu Cond. 31, 293; H. C. 74,11; reeongnu Cuv. 516; —
courti Desch. 190; — conceu Fr. I. 60; deceu Desch. 147; degu
ib. 31; deceu Fr. 1.104; percheu H. C. 237, 6; per ceu Cuv. 6741;
parceu Desch. 190; recheu H. C. 13, 10; 160, 18; receu Cuv.
13568; receu ib. 464; Desch. 124; receu Doc. or. H; — ereu
(von croire) Cond. 29, 218; Cuv. 18107; Desch. 233; mescru
H. C. 20, 24; — acre'u (von croistre) Desch. 46; recreti Cond. 83,
2152; recreu Fr. I. 310; — cremu Cond. 148, 47; H. C. 12, 23;
Desch. 5; Fr. 1.213;—(fett Doc. or. XI; du ib. XVIII; dehn ib. XVI;—
eu H. C. 81,12; Cuv. 16775; eu Doc. or. II; — fern Cond. 57,
1220; — geu Cond. 94,179; gqu Desch. 84; — leu E. M. II;
Fr. I. 4; leu Desch. 187; esleu H. C. 12, 25; Doc. or. VIII;
esleu Desch. 161; esleu Fr. I. 20; eslu ib. I. 294; — ramenleu
Cuv. 1021; ramentu Fr. I. 32; — meu H. C. 211, 3; meu E.
M. II; esmeu H. C. 13, 7; Cuv. 398; esmeu E. M. I; Fr. I. 7; —
neu (von nuire ) Desch. 190; — peu Desch. 282; Fr. II. 60; —
pleu (von plaire ) Doc. or. XI; pleu Desch. 217; — phm (von
plovoir) Desch. 272; — sceu H. C. 13, 24; Cuv. 6661; sceu
Desch. 68; sceu E. M. II; Fr. I. 17; — veu Cond. 14, 45; H. C.
126,23; Cuv. 63; C. de Tr. 26,3; veu Cuv. 17966; Desch. 44;
veu E. M. II; Doc. or. X; Fr. I. 1; vu Desch. 109; pourveu H.
C. 13, 22; Cuv. 389; Desch. 26; — retenu Cond. 15, 61; — venu
Cond. 15,62; - tollu H. C. 13,21; 28,14; Desch. 159; tolu
Cuv. 15313; — vollu H. C. 14, 22; 82,19; volu E. M. II; Doc.
or. XIV; Cuv. 17799; voulu E. M. I; Doc. or. XXIV; Desch.
190 u. s. f. bilden durchaus die Regel.
Es geht schon aus diesen Beispielen hervor, dass hin¬
sichtlich des Hiatus*) beim Particip ähnliche Verhältnisse be¬
stehen wie beim Perfectum. Da ist der alterthümliche Hiatus
*) Wir haben uns gestattet, den wirklich vorhandenen und durch
das Hetrum constatirten Hiatus durch ' auf e durchweg zu bezeichnen.
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Beiträge zur Kenntniss der französischen Sprache des XIV. Jahrh. 411
vertreten in den Beispielen beu, ceu cMu queu rekeu , congneu
reconnSu, deceu percheu percdu parceu recheu receu creu acreu recr&u,
eut eu, gdu, esleu, ramenteu, meu esmeu, neu , sceu, v6ut veu
pourveu unsrer poetischen Denkmäler, und zum mindesten
graphisch in den Beispielen beu , congneu , conceu deceu receu,
reereu , deu*), eu, leu esleu , meu esmeu, peu, pleu, sceu, veu
unsrer Prosaquellen.
Da liegt metrische Verschleifung vor in Fällen wie cheu,
decheut receu, geu, leu esleu, pleu, pleu, sceu , veu.
Da sehen wir endlich die Hiatustilgung auch graphisch
vollzogen durch Ausstossung des ursprünglichen Stammvocals
in: but, connut recongnu, degu perchut recut, acrut mescru, du,
jut, esht, ramentu, vu.
Offenbar überwiegen die Formen mit bewahrtem Stammvocal.
Wir lassen den Umstand nicht ausser Acht, dass die
Formen mit Synkope des Stammvocals zum grössten Th eile
auch der älteren Sprache bekannt und geläufig sind: um so
mehr nur ist dann zu betonen, dass die moderne Tendenz der
Hiatustilgung in unseren Quellen aus dem 14. Jahrhundert
verhältnissmässig noch so wenig Einfluss auf die Participial-
bildungen gewonnen hat.
Gepaart ist die Hiatustilgung in einer beträchtlichen Zahl
von Fällen mit der Bewahrung des auslautenden ~t, gepaart
also gerade anscheinend Modernes und Alterthümliches, aber
freilich ist bei Formen wie z. B. connut und jut nur ihr Fort¬
leben seit älterer Zeit zu constatiren.
Diejenigen von unseren Quellen, welche relativ die meiste
Neigung zur Hiatustilgung im Particip zeigen, sind H. C.,
Cuv., Desch.
Auch in einer Anzahl von anderen Fällen verdient das
Vorhandensein von Nebenformen besonders erwähnt und be¬
trachtet zu werden.
auch bei Beispielen aus Cond, und C. de Tr., wo die Herausgeber selbst
sich keines derartigen Zeichens bedienen. Im Uebrigen sind wir genau
der Bezeichnung der Herausgeber gefolgt, so weit sie uns dem wirklichen
Verhältniss des Hiatus zu entsprechen schien.
*) Die Form dehu mit Andeutung des bestehenden Hiatus durch h
.führten wir bereits beim Vocalißmus auf. S. Beitr. im Jahrb. VHI. 407.
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412
Knauer.
Ohne Uebertritt ans einer Klasse in die andere sind als
solche zu nennen: pris IL C. 3, 2; Cuv. 440; entirepris Desch.
100; repris Cond. 14, 34 undprms C. de Tr. 14, 10; Desch. 31;
esprins ib. 27; — dist statt dit Cuv. 6473:*) escrit Doc. or. XV
und escript C. de Tr. 34, 10; Doc. or. VII. XI.
Meistentheils aber liegt dabei ein Uebertritt aus einer
Klasse in die andere vor.
Mit Uebertritt aus der sigmatischen in die T-Klasse finden
wir: ochit H. C. 233, 9. Schwanken zwischen der T-Klasse und
der U-Klasse begegnet bei den Verbis auf -uire: neben äuit
Cond. 53, 1076; 105, 157; Desch. 45 lesen wir dedut Doc. or. I;
decuit ist Cond. 123,781 zu belegen; von nuire aber kommt
ausser der oben beigebrachten alten Form neu Desch. 190
auch nuit ib. 195 vor, ganz nach Analogie der von ducere ab¬
stammenden Zeitwörter gebildet.
Bei lire ist neben den oben citirten Formen len esleu eslu
auch die T-Bildung vertreten [altfr. leit lit neben leut lut,
nejifr. lu ], wenn auch nur in flectirter Gestalt: eslis H. C.
146, 13 u. öfter; esliz Cuv. 22784.
Einen ganz aparten Formenwechsel beobachten wir bei
dem anomalen vivre: wir finden Cond. 46, 824 das Ptc. vit nach
der T-Klasse, genau von *victus gebildet wie dit von dictus ,
während die alte Sprache nur vescti und vesqui, die moderne
väcu kennt.
Uebertritt aus der U-Klasse in die sigmatische kommt in
dem gleichfalls vereinzelten Beisp. encours Fr. L 306 (s. oben
encourut aus derselben Quelle und couru. aus Desch.) vor, das
sich übrigens nicht blos an die lateinische Bildung eng an-
schliesst, sondern auch sein Analogon in den italienischen
Formen Perf. corsi, Ptc. corso, sowie selbst auf französischem
Gebiete in der vereinzelten Form eneursist Trist. II. 91**) findet.
Schliesslich führen wir noch Participien von specifisch
altfranzösischen Verben aus unseren Quellen auf, die der mo-
*) Es liegt auf der Hand, dass wir diese Formen nicht auf eus eurent
mit graphisch vollzogener Hiatustilgung zurückführen dürfen: u hat hier
nicht seinen gewöhnlichen phonetischen Werth.
**) S. Burguy II. 147.
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Beiträge zur Kenntniss der französischen Sprache des XIV. Jahrh. 413
demen Sprache mehr oder weniger ganz abhanden gekommen
sind. So aus der S-Klasse: ars Fr. I. 82 (v. lat. ardere)\ ahers
ib. I. 70 und mit picardischer Diphthongirung ahiers Cond.
Doc. or. VI; auroient Fr. I. 7; — theils ist, ganz wie bei an¬
deren Verbis auf - oir (s. oben), hinter dem Stammauslaut ein e
eingeschaltet, womit der consonantische Charakter dieses Aus¬
lautes constatirt ist: so z. B. averay Desch. 229; avera H. C.
26, 8; averons Fr. I. 38; averont H. C. 31,19; averoit Cuv. 17051;
Fr. I. 30. Ganz vereinzelt ist auch Gemination des r einge¬
treten, bei welcher sich in diesem Falle an eine Assimilation
denken liesse, wenn wir nicht an zahlreichen anderen Bei¬
spielen dieses Verfahren bereits als blosse Stammverstärkung
erkannt hätten (s. oben). So nämlich arrez Desch. 173.
Von dem Perfect brachten wir bereits oben bei Betrach¬
tung dieses Tempus eine reiche Zahl von Formen mit eu bei,
sowohl mit Hiatus, wie mit metrischer Verschleifung: so eus
ent ensmes eurent (fasse eust eussent , eu gus eut eurent eust eusiens
eussiens etc. Hinzuzufügen sind aber noch mancherlei charakte¬
ristische Formen aus verschiedenen Dialecten.
Normannische Perfectformen gebraucht C. de Tr., wir lesen
daselbst 3. Sg: out 17, 4; 3. PI. ourent 20, 22, sowie mit an¬
derer Schreibung 1. Sg. us 26, 3; 3. PI. urent 26, 18*). Auch
finden wir die Form oust ziemlich häufig, so 14, 17. 21; 20,19;
23, 18; 28, 8; 31, 2. 8; 34, 1 und zwar in solcher Verbindung,
dass wir darin 3. Sg. Pf. (nicht Imperf. Cj.) erkennen müssen,
desgl. ust 19, 19.
Letztere Formen stellen sich also dem oben aus H. C.
angeführten vist an die Seite und verrathen wie dieses den
Einfluss falscher Analogie, bei der offenbar von Perfectbil-
dungen der S-Klasse ausgegangen ist.
Burgundisches treffen wir bei Desch. in 1. Sg. Pf. oy 34;
3. Sg. PI. ot orernt citirten wir schon oben aus demselben
Denkmal.' Dass aber darin eben so gut die picard. Formen
gebräuchlich sind, geht nicht bloss aus dem erwähnten 1. Sg.
eus hervor, sondern auch aus 3. PI. Pf. eurent ib. 111; 3. Sg.
*43, 739; 98, 76; C. de Tr. 17, 8; Cuv. 4390; Desch. 12; aurions
*) S. Diez, Rom. Gramm. II 3 . 248.
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414
Knaueb.
151,143 (y. lat. adhaerere ); remes Cond. 71, 1720; remez H. C.
96,13 (v. lat. remcmere ); repus Cond. 101, 9 (v. lat. reponere),
eine Nebenform zu repuns, die auch Burguy aus dem Roman
de Mahomet belegt*); semons Cond. 53, 1092 und dem Reime
non zu Liebe mit abgestossenem s: semon Cond. 70, 1698 (v. lat.
summonere ); sors ib. 107, 219 (y. lat. surgere)-, tors ib. 123,
785 (v. lat torquere ).
Aus der U-Klasse würden hierher die oben verzeichneten
Formen gehören: tollu tolu (v. lat. tollere) und ramenteu rammtu
(von ramentevoir aus lat. re ad mentem habere).
Fälle, wo die moderne Sprache zwar nicht das ganze
Verbum, wohl aber das Ptc. Pf. eingebüsst hat, bieten sich in
den oben citirten Formen: geu jut und cremu (durch craint ersetzt).
e) Die Hülfsverba.
• Dieselben treten im Grossen und Ganzen in den correcten
altfranzösischen Formen des einen oder anderen Dialectes auf.
Avoir.
Das paragogische s in 1. Sg. Pf. ist allerdings öfters schon
vorhanden: so führten wir oben aus Cond, eus (: desconneus)
neben eu an, aus H. C. eus\ in derselben Weise us C. de Tr.
26, 3 \ je rii eus Desch. 85.
Beim Futurum sind die verschiedenen Bildungsweisen ver¬
treten: theils ist v ausgestossen wie in Fut. 1. Sg. aray H. C.
12, 13; Desch. 1; arai Cuv. 129; 3. Sg. ara Cond. 62, 1396;
C. de Tr. 21, 15; Cuv. 145; Desch. 15; 1. PI. aron C. de Tr.
22, 6; 2. PI. ares Cond. 27, 147; arez Doc. or. XXI; Cond. 1. Sg.
aroie H. C. 6,23; 3. Sg. aroit Cond. 91, 69; Desch. 6; 1. PI.
ariens Cuv. 22664; 3. PI. aroient Doc. or. XXI; Fr. II. 209; —
theils ist es consonantisch oder vocalisirt**) beibehalten wie in:
auray C. de Tr. 23, 8; Doc. or. VH; aurai Fr. I. 24; aura Cond.
Impf. Cj. eyst 41 und sogar mit moderner Ausstossung des s:
qut 21.
*) S. Gramm, de la langue d’oil II. 14.
**) Hier lässt sich natürlich nicht mit absoluter Sicherheit das eine
oder das andre sagen: nach modernem Brauch wäre der Diphthong au
anzusetzen, doch ist auch avra etc. denkbar, besonders angesichts der
zugleich angeführten Formen avera u. drgl.
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Beiträge zur Kenntniss der französischen Sprache des XIV. Jahrh. 415
Eine ganz charakteristische picardische Form hat Froiss.
in 1. Sg. Pf. euch I. 84 aufzuweisen. Ebenso ist altpicardisch
ausser den oben angeführten Formen das Imperf. Conj. euisse
u. drgl., auch 2. Pl. Pf. euistes Cond. 58, 1262.
Aus dem Imperf. Ind. erwähnen wir die charakteristischen
Bildungen: 1. 3. Pl. avoiens Doc. or. XVII und avoent Cond.
64, 1473. Letztere Form nöthigt uns eine frühere Behauptung*)
zu berichtigen, als ob die bekannte Imperfectendung -oe**) in
unsem Quellen ganz unbekannt sei; in ersterer Form aber
sehen wir unregelmässiger Weise das oi ungeschwächt auch
vor der betonten Flexionsendung figuriren.
Estre.
Im 1. Sg. Praes. Ind. haben wir es sowohl mit der voca-
lischen Form sui als auch mit der sibilirten suis zu thun***);
jene, die ältere, findet sich z. B. Cond. 34, 404; H. C. 2, 26;
Cuv. 337; Desch. 1; Fr. I. 268; diese, die jüngere, H. C. 26, 9.
11; C. de Tr. 21, 17; Cuv. 13590. 22730; Desch. 2. 35; Fr.
L 159 — also, von Cond, abgesehen, beide Formen durchaus
neben einander.
Auch in 1. Sg. Pf. ist paragogisches -s nicht unbekannt,
wir lesen fas H. C. 70, 10; 84, 10; Desch. 56; Fr. I. 5 neben
fu Cuv. 17837; Desch. 1; ausserdem ist aber auch die alte
Form mit dem Flexionsvocal i noch im Gebrauch, der ja in
dieser einen Person dieses einen starken Perfects allen Dia-
lecten gemeinsam ist. Es findet sich fui Cond. 45, 779; Fr.1.50.
Die übrigen Personen des Perfects sind meistentheils ohne
den Flexionsvocal gebildet: wir verzeichneten schon oben zahl¬
reiche Belege für 3. Sg. fu fut und finden ausserdem: 1. Pl.
fusmes Doc. or. XXII; fümes Fr. I. 50; 2. Pl. fustes Cond. 58,
1264; 84, 2209; 3. Pl. furent Cond. 49, 945 etc.; daneben nur
]. Pl. fuimes Fr. I. 161.
*) Beitr. im Jahrb. XII. 166.
**) S. Burguy I. 219.
***) Ueber das chronologische und topische Verh<niss beider Formen
vgL man Burguys eingehende Darlegung a. a. 0.1. 261. Jedenfalls handelt
es sich nur um einen Wechsel in der Schreibung, der lautlich nicht zur
Geltung kam.
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416
Knauer.
Jene Formen dürfen wir im Wesentlichen als die gemein¬
gültigen der älteren Zeit bezeichnen; die letzte mit dem
Flexionsvocal ist anscheinend die alte burgundische, vermuth-
lich aber eher als einer der Latinismen, die wir bei Froiss.
keimen, und als direct nach fuimus gemodelt anzusehn.
Beliebter ist der Flexionsvocal jederzeit im Impf. Conj
gewesen, und nur der normannische Dialect hat ihn stets ver¬
mieden; so kommt es, dass auch unsre Quellen aus dem 14.
Jahrhundert ihn in zahlreichen Formen dieses Tempus auf-
weisen, wie bei anderen starken Yerbis (s. oben), so auch bei
estre. Z. B. 1. Sg. fuisse Cond. 82, 2116; H. C. 116,15; 1. PL
fuissons ib. 106, 25; fuissions Fr. I. 79; 3. PL füissent Cond.
33, 374; Fr. I. 18. 61. Ohne Flexionsvocal lesen wir hingegen:
3. Sg. fast Cond. 84, 2189 und mit moderner Ausstossung des s
füt' Cuv. 22717; 1. Pl. fussons Doc. or. XVI; 3. PL fussent
Desch. 21.
Auch Formenvermischung aber tritt im Perf. und Imperf.
Conj. dieses Hülfsverbums zu Tage. Einmal dringt der Sibilant
auch in 3. Sg. Pf. ein, ganz wie wir dies schon bei verschie¬
denen Beispielen ( vist , oust ust ) constatiren mussten: wir finden
fust als Perfectform Cuv. 3; dann aber stellt sich noch Ana¬
logie der dritten starken Perfectklasse, speciell wohl nach
Analogie von avoir, auch ein e vor dem u ein in Beispielen
wie 3. Sg. Impf. Cj. feust Doc. or. DI; feust Cuv. 6741*). Das
Beispiel aus Cuv. bezeugt, dass dies nicht bloss eine Schreibung
mit stummem Buchstaben war, sondern dass man mit Hiatus
aussprach. — Auffälliger noch sind 3. Sg. Pl. Impf. Cj. fusist
H. C. 134,16 und fusissent ib. 134, 10. Sie entsprechen der
Bildung deusist , die wir aus demselben Denkmal oben schon
beibrachten, und sind wie diese wohl als Versehen zu be¬
zeichnen, aus denen wir immerhin den Hang der Uebergangs-
zeit zur Formenvermischung herausfühlen mögen.
Betreffs des Präsens ist weiter zu vermerken, dass ver¬
schiedene Personen des Indicativ und des Conjunctiv mit scharf
ausgeprägten dialectischen Formen noch auftreten. So zeigen
neben dem Infinitiv lestre Cond. 36, 481 2. Sg. Pl. Pr. Ind. die
_ «
*) Burguy I. 262 gedenkt dieser Formen gleichfalls.
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Beiträge zur Kenntniss der französischen Sprache des XIV. Jahrh. 417
picardische (aber auch auf das burgundische Gebiet sich er¬
streckende) Diphthongirung zu ie: ies Cond. 156, 342; iestes ib.
14, 58; H. C. 196, 7;*)— 1. 3. PL Ind. schwanken wenigstens
in der Schreibung: somez H. C. 88, 10, sommez ib. 100, 3; sont
C. de Tr. 32, 11 und normannisch sunt ib. 14, 3. Im Coiy.
aber braucht Froiss. auffälliger Weise neben soions I. 145;
soyes I. 195 auch die rein normannische Form seyes I. 56,
wenn wir dem Herausgeber trauen wollen.
Endlich sind, wie in der alten Sprache, auch in unseren
Quellen das Imperf. Ind. und das Fut. doppelformig: neben den
gewöhnlichen Formen giebt es directe Nachbildungen des lat.
eram und ero, häufig mit picard. Diphthongirung des Stamm-
vocals e zu ie.
So lesen wir neben Impf. Ind. 3. Sg. estoit Cond. 25, 54;
59,1289; H. C. 8, 4. 7; 20, 21; 2. PI. estoiez Doc. or. VII; 3. PL
estoient Cond. 29, 207 etc. auch Imperf. Ind. 3. Sg. Pl. ert
Cond. 25, 62; H. C. 20, 23; Desch. 234; iert Cond. 13, 14;
25, 55 u. öfter; H. C. 42, 19; ere Cond. 15, 72; 61, 1375; erre
ib. 59, 1290; erent ib. 14, 29; 24, 47; 29, 110; ierent ib. 35, 439;
yerent H. C. 8, 6.; Die Doppelform im Auslaut, die wir bei
3. Sg. beobachten, ist gleichfalls schon früher vorhanden gewesen.
Entsprechend haben wir im Fut. neben serai Cond. 114, 470;
sera ib. 45, 795; seres ib. 26, 115; sereys ib. 174, 181 auch andrer¬
seits: 1. Sg. iere Cond. 102, 53; ierc ib. 114, 469;**) 3. Sg. ert H.
C. 39, 20; 183, 15; Cuv. 430.433.864. 7108; Desch. 219; iert
Cond. 36,482; H. C.&l, 14; Cuv. 2273; Desch. 118; yert Desch. 30.
Vom Ptc. Pf. verzeichnen wir als Beleg mit auslautendem
- 1 : estet Cond. 34, 392; H. C. 171, 23.
*) Einer sonderbaren Form von estre begegnen wir in H. C., in
dessen Schreibung überhaupt viel Willkürliches sich geltend macht: wir
finden 87, 22; 110, 21; 145, 9; 155, 1 esse in Verbindungen wie qu'esse
chy? qu'esse que tu dis? Es kann nur eine graphische Entstellung, resp.
rein phonetische Schreibung von est-ce sein. In ähnlicher Verbindung
ist auch bei Froiss. einmal est zu es entstellt, nämlich in d quoi es-gou
hon? I, 19. Dieselbe Form ist auch in Quellen aus dem XV. Jahrh. zu
finden, vgl. z. B. P. L. Jacob, Recueil de Farces. Paris 1859. p. 243.
**) Der Vers lautet: Et sans fauser ierc votre amie , lässt also die
einfache Aenderung der befremdlichen Form ierc in iere nicht zu.
Jahrb. f. rom. u. engl. Lit. N. V. II. 28
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418
Knauer.
Werfen wir nun znm Schluss einen Rückblick auf alle
jene einzelnen Züge, die wir an dem Zeitwort des 14. Jahrh.
auf Grund unsrer Quellen zu erkennen im Stande waren, und
suchen wir zu einem Gesammteindruck der Physiognomie dieses
Redetheiles zu gelangen.
Wir fanden den altfranzösischen Typus schärfer beinahe
ausgeprägt, als wir hätten erwarten dürfen.
Bei den Endungen Hessen sich zwar Ansätze zum Mo¬
dernen beobachten; aber das paragogische -e in 1. Sg. Pr. I.
wie in 3. Sg. Pr. Cj. war doch keineswegs alleinherrschend,
und wo es fehlte, ging dem consonantischen Stammauslaut
der altfranzösische Wandel noch nicht ab; das paragogische -s
aber trat sogar ziemlich sporadisch auf und wiederum selten
ohne jenen Wandel des Stammauslauts auch in 1. Sg. Praes.
wo wir es noch am stärksten vertreten fanden. Der End-
consonant der 3. Sg. Pf. -t war wenigstens in der schwachen
Conjugation meistentheils abgestossen und nur in der starken
meist erhalten. Im Imperf. Ind. trat das gemeinfranzösische
-i oi - der Endung in der Regel auf (nur von avoir ein Beispiel
mit -oe-) und in 1. Sg. war dabei höchst selten -e durch das
moderne -s verdrängt.
In 1. Plur. begegneten wir im Haupttempus den Endungen
-on und -ons, im Nebentempus meist -iens (-/ons). In
2. PI. standen sich je nach dem mundartlichen Charakter des
Denkmals pic. -es und norm, (bürg.) -ez, die moderne Form,
gegenüber, und nur in C. de Tr. war auch das binnenfranz.
-ois üblich. Zugleich konnten wir (und zwar nicht bloss für
das 14. Jahrh.) das Auftreten der picard. Diphthongirung ie
auch in dieser Endung constatiren.
Das Part. Pf. fand sich archaistischer Weise noch in
manchen Quellen mit -t geschrieben, besonders in der 1. Con¬
jugation, aber die vocalisch auslautende Form, die wir nicht
als ursprünglich picardisch zu erkennen vermochten, erschien
doch als die gemeingültige, während im Femin. der 1. Con¬
jugation die bekannte Endung -ie sehr beliebt war und so¬
gar rücksichtlich des consonantischen Stammauslauts weiter
ging als in älterer Zeit.
Im Imperf. Conj. der 1. Conjug. zeigte sich noch ver-
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Beiträge zur Kenntniss der französischen Sprache des XIV. Jahrh. 419
einzelt bald i, bald e statt des Charaktervocals a, in der
2. und 3. beobachteten wir bei demselben Tempus die
bekannte unregelmässige Einmischung des inchoativischen
Elements.
Auf dem Gebiete der Futurformen waltete auch beim
schwachen Verbum häufig Synkope und Metathesis, selten
Assimilation des consonantischen Stammauslauts. Verein¬
fachung von geminirtem r, wo jene Vorgänge r an r gerückt
hatten, war dabei nicht ungewöhnlicher als unorganische
Gemination desselben Consonanten. Der Synkope des e der
Infinitivendung in der 1, Conjug. aber stand in der 2. Ein¬
schub eines solchen vor r bei der Futurbildung. gegenüber
und erschien in verschiedenen Quellen beinahe als Regel;
wir begegneten ihm nicht nur bei schwachen, sondern ebenso
gut bei starken Zeitwörtern und waren geneigt, dasselbe Ver¬
fahren nach Ausstossung des ursprünglichen Charaktervocals
in Futurformen der Verba auf -oir zu erkennen.
Die Verba mit besonderen Eigenthümlichkeiten oder
Anomalien waren diesen im Grossen und Ganzen treu ge¬
blieben: noch war bei amer, mener, esperer, peser , trover etc.
der alte Vocalwechsel, bei dotier die Trübung des Vocals
und Nasalirung in 1. Sg. Pr. I. und dem Conj. unvergessen,
aber die Unterschiede fingen an verwechselt zu werden, oder
der Analogie des übrigen Verbums gelang es, die alten
charakteristischen Formen zu verdrängen. Aehnlich erging
es ha'ir, wo wir den getrübten Vocal auch in flexionsbetonten
Formen auftauchen sahen und sich auch bereits ein erster
Ansatz zur modernen Inchoativbildung zeigte.
Wenig vermindert war der Formenüberfluss bei aler und
suivre , bei jenem herrschten im Cj. Praes. die Ableitungen
von vadere mit oi als Stammvocal und häufiger Ausstossung
des s vor, dieses folgte meist der 3. Conjugation. Die später
defectiven Verba issir und dir hingen dem altfranzösischen
Charakter noch treu und vollentwickelt an.
Auf dem Gebiete des starken Verbums im Besonderen
war der altfranzösische Charakter nicht allzusehr getrübt.
Reichthum an Nebenformen zeigte sich schon beim Infin.,
meist alten Formen, doch waren auch moderne mit Ueber-
28 *
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420
Knaüeb.
tritt in andere Conjug. (courir querir ) oder mit Hiatus¬
tilgung durch Vocalsynkope (mV) wie durch Consonanten-
einschub (povoir ) vertreten. Einzelne Infinitivformen der alten
Zeit lebten wenigstens in den Futurbildungen fort. Im Uebri-
gen zeigten diese nur das übliche Verfahren, namentlich
auch die Gemination des r zur Stammverstärkung; der Ein¬
schub von d war noch schwankend, doch schien er uns an
Boden zu gewinnen; sehr schwankend war jedenfalls dabei
das Verfahren hinsichtlich der Diphthongirung des Stammvocals
und der Behandlung des Stammauslauts.
Beim Präsens sprang zuerst ins Auge, wie streng im
Princip (abgesehen von orthographischem Wechsel) der Unter¬
schied zwischen stamm- und flexionsbetonten Formen aufrecht
erhalten war, auch im Verein mit etwaigen Modificationen
consonantischen Stammauslauts. Auch fehlte es nicht an
charakteristischen Formen aus diesem oder jenem Dialecte, die
uns aus alter Zeit bekannt, während wirklich specifisch Mo¬
dernes nur vereinzelt auftauchte ( yoloir , devoir, cremir ). Die
wenigen Fälle von wirklicher Verwischung und Verwechslung
des alten Unterschieds, Ansätze zum Modernen (bei pooir ,
veoir, savoir , aparoir , courre , eroire) fielen gleichfalls nicht be¬
deutend ins Gewicht, mehr noch die Hiatustilgung bei pooir
und selbst noch die mit s bei dire , für die wir wenigstens
ein Beispiel fanden.
Auch beim Perfectum sahen wir den alten Unterschied
zwischen stamm- und flexionsbetonten Formen noch durch¬
gehend, so bei tenir und venir und namentlich in den zahl¬
reichen Fällen, wo der Hiatus zwischen Stammvocal und
Endungsvocal die Formen mit Flexionsbetonung vor den an¬
deren charakterisirt. Wenn nicht durch Bewahrung des in¬
lautenden s der sigmatischen Form dem Eintritt des Hiatus
überhaupt vorgebeugt war — eine ältere Stufe des Sprach-
standes, die wir immerhin noch in einigen Beisp. vertreten
fanden —, so haftete der Hiatus jenen Formen in der Regel
an, und das moderne Princip der Synkope durften wir höch¬
stens in der häufigen metrischen Verschleifung und in ein¬
zelnen Belegen, wo es graphisch zum Ausdruck gekommen
war, gewahren. Andrerseits drängte sich, jenem Princip der
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Beiträge zur Kenntniss der französischen Sprache des XIV. Jahrh. 421
Hiatustilgung zum Trotz, unberechtigter Hiatus nach Analogie
der flexionsbetonten Formen gelegentlich auch in einzelne stamm¬
betonte ein, selbst bei Bildungen der 1. oder 2. Perfectklasse. Also
die moderne Tendenz der Uebertragung- und Uniformirung
von Formen nach der einen wie nach der andern Richtung
hin war schon erkennbar, aber altüberlieferten, charakteristischen
Bildungen gegenüber noch ziemlich machtlos.
Ferner waren picard. Eigenthümlichkeiten, die wir aus
älterer Zeit kennen, auch noch reichlich vertreten, so die
Endung -issent in 3. PI. und die Erhaltung des Flexionsvocals
i im Conj. Imperf., während auch Formen mit dem Stempel
anderer Mundarten mit unterliefen. Von Beschränkung in der
Mannichfaltigkeit der Formen war überhaupt noch wenig zu
spüren: prendre bald mit, bald ohne Nasalirung; voloir, ob¬
schon noch der U-Bildung fremd; valoir , cheoir , croire, bei
denen mehrerlei Bildungen nebeneinander hergingen, legten
Zeugniss hiervon ab, und noch in anderen Fällen trat der
alten starken Bildung eine neue, schwache an die Seite, sei
es eine ephemere wie bei lire, sei es fast schon die später¬
hin herrschende wie bei den Verbis auf - ndre; nur morir
schien der alten U-Form entsagt zu haben. Entschiedene
Latinismen traten in den Präsens- wie Perfectbildungen von
escrirc zu Tage.
Zugleich fand sich auf dem Gebiete auch dieser Stamm¬
form manches altfranz. Verbum noch reich vertreten, dessen
die folgenden Jahrhunderte ganz oder theilweise verlustig
gegangen sind, mochten auch einzelne ( aerdre , sourdre ) der
starken Form untreu geworden sein. In lautlicher Hin¬
sicht war das alterthümliche s vor -t in 3. Sg. Pf. noch ziem¬
lich beliebt und trat sogar auf, wo es kein Recht hatte; der
Einschub von di n 3. PI. zur Hebung der unbequemen Ver¬
bindungen nr und Ir wurde sehr willkürlich und frei gehand-
habt, während sr im gleichen Falle nicht mehr ein t in die
Mitte nahm, sondern sein s einbüsste.
Das starke Participium der U-Klasse hatte sein 4 mit
Vorliebe abgeworfen, und hinsichtlich des Hiatus stand es
auf derselben Stufe wie die flexionsbetonten Perfectformen.
Ausser mancherlei Nebenformen mit und ohne Uebertritt aus
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422 Beiträge zur KenntniBs der französischen Sprache des XIV. Jahrh.
einer Klasse in die andere, theilweise aus den alten Dialecten
bekannt, fehlten auch Beisp. dafür nicht, dass charakteristische
starke Participien uns ein später untergegangenes oder de-
fectiv gewordenes Verbum noch repräsentirten. Eigenartigen
Bildungen begegneten wir nur bei vivre und courre an ganz
vereinzelten Stellen.
Avoir trug noch das Gepräge der verschiedenen altfranz.
Dialecte an sich, obschon dem picard. das Uebergewicht zu¬
kam; sein Futurum hatte v nicht durchweg ausgestossen,
sondern ebenso häufig consonantisch oder vocalisch beibehalten
oder auch wie andre Verba derselben Endung ein e zwischen
v und r eingefügt.
Estre endlich zeichnete sich durch pic. Diphthongirung
des Stammvocals im Infin. wie in 2. Sg. PL Pr. Ind. aus, wie
es auch an dem Flexionsvocal i im Perf. zuweilen fest¬
gehalten hatte. Imperf. Ind. und Fut. erfreuten sich noch un¬
vermindert der alten Doppelform. Die Formenvermischung
durch falsche Analogie aber fiel besonders grell ins Auge bei
Perfectform en mit eti im Stamme.
Leipzig, im Juli 1874.
Otto Knauer.
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Kritische Anzeigen.
DANTE, secondo la tradizione e i novellatori. Ricerche di
Giovanni Papanti. In Livorno, coi tipi di Francesco Vigo,
editore. 1873. 8°. XII und 207 Ss.
Dieses durch seine äussere Ausstattung wie durch seinen
Inhalt gleich anziehende Buch des um die italienische Literatur
schon so vielfach verdienten gelehrten Bibliophilen, dessen vor¬
trefflicher Katalog seiner kostbaren Sammlung italienischer Novel¬
listen erst vor Kurzem in diesen Blättern besprochen worden ist,
bietet uns, wie es in der Widmung an A. D’Ancona heisst, 'per
la prima volta insieme raccolte, tutte le novelle, facezie, tradizioni
e aneddoti storici risguardanti il divino Allighieri, che formano,
si puö dire, la leggenda di lui*. Indem ich, was eine genauere
Inhaltsangabe und Würdigung des Buches anlangt, auf die Be¬
sprechungen desselben von L. Savorini im Propugnatore, Vol. VI,
Parte II, S. 492—497, von I. Del Lungo im Archivio storico
italiano, Serie terza, T. XVTLI, S. 518—520, und von G. Paris
in der Revue critique 1874, No. 36, verweise, gebe ich hier eine
Anzahl Ergänzungen und Berichtigungen zu einigen der Anmer¬
kungen Papanti’s, welche die Verbreitung gewisser Dante-Anekdo-
ten ausserhalb Italiens und ihre Quellen und Seitenstücke behan¬
deln. Ich habe dabei ein paar Mal im Interesse der Leser, welche
Papanti’s Buch nicht vor sich haben, die fraglichen Dante-Anek¬
doten hier wiederholt.
L
S. 38 ist folgende Anekdote aus Benvenuto’s von Imola Com-
mentar zur Göttlichen Komödie mitgetheilt:
Accidit autem semel quod dum Giottus pingeret Paduae ad-
huc satis juvenis unam capellam in loco ubi fuit olim theatrum
sive arena, Dantes pervenit ad locum. Quem Giottus honorifice
receptum duxit ad domum suam, ubi Dantes videns plures infan-
tulos ejus summe deformes et, ut cito dicam, patri simillimos,
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424
Kritische Anzeigen
petivit*): Egregie magister, nimis miror quod cum in arte pictoria
dicamini non habere parem, unde est quod alias figuras facitis
tarn formosas, vestras vero tarn turpes? Cui Giottus subridens
praesto respondit: Quia pingo de die, sed fingo de nocte. Haec
responsio summe placuit Danti, non quia sibi esset nova, cum
inveniatur in Macrobii libro Saturnalium**), sed quia nata vide-
batur ab ingenio hominis.
Zu Papanti’6 Anmerkung sind mehrere Nachträge aus Oester-
ley ? s Citaten zu Pauli’s Schimpf und Ernst No. 412 zu entnehmen,
Man ygl. besonders Jo. Bromyard, Summa praedicantium Vll.
1: . . . sicut respondisse dicitur quidam pictor, qui pulcherrimas
fecit imagines et turpes habuit- filios, de quo cum aliqui loque-
rentur***), dixit, non esse mirabile, quia pinxit de die et finxit
de nocte. Johannes Pauli erzählt sehr hübsch: Uf ein mal was ein
ein maler, der malt die aller hübschesten Jesuskneblin, das fich
iederman darab verwundert. Aber fein husfraw macht im fo un¬
geschaffen kind, eins het ein groß mul, das ander was schwarz,
das drit fchilhet, etc. Und wan man in fragt, wie es kem, das
er fo hübfche kindlin malt, und sein husfraw so ungeschafne kind
mächt, fo fprach er: Die hübschen kind mach ich in dem tag, und
die andern mach ich in der nacht. (De mane pingo, de nocte fingo.)
II.
Der besprochenen Anekdote aus Benvenuto’s von Imola Com-
mentar folgt ebendaher eine andere, in welcher unter andern Fragen
auch die an Dante gerichtet wird, woher es komme, 'quod tot
millia pauperum non deglutiunt paucissimos divites*. Dieselbe Frage
stellt Arlotto einem 'che faceva professione di savio e ei mara-
vigliö di ogni cosa’. Arlotto fragt: 'come i poveri non saccheggias-
sero i ricchi sendo tanto maggior numero ? . (Scelta di facetie,
motti, burle e buffonerie di diversi, cio& del Piovano Arlotto, del
Gonelia, del Barlacchia, et altre assai di diversi, Vicenza 1661,
pg. 58. Les contes et fac6ties d 1 Arlotto, avec introduction et notes
par P. Risteihuber, Paris 1873, pg. 33.)
III.
Sacchetti s Novelle von Dante und dem Schmied (bei Papanti
S. 53) findet sich in deutscher Uebersetzung in Arnim's Tröst
*) Es ist wol quaesivit zu lesen.
**) Bei Macrobius II, 2 sagt L. Mallius: In tenebris enim fingo,
luce pingo.
***) So bei Th. Wright, A Selection of Latin Stories from Manuscripte
of the XIII. and XIV. Oenturies, London 1842, No. CXXVIII, der eine
Handschrift des Bromyard im Britischen Museum benutzt hak In dem
mir vorliegenden Nürnberger Druck vom J. 1518 steht: cum sibi loqneretur.
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Kritische Anzeigen.
425
Einsamkeit oder Zeitung für Einsiedler, 1808, No. 17, S. 135,
mitgetheilt, und der 'Einsiedler’ macht dazu die Anmerkung:
'Vielleicht hat sich Dante seit der Zeit im Himmel anders bedacht
und möchte viel darum geben, lieber von einem ehrlichen Schmied
nach seiner Art begriffen, als von tausend Gelehrten wegen der
Geschichte der Poesie durchgeblättert zu werden’.
IV.
Zu Sercambi’s Novelle 'De bonis moribus’ (S. 65—67) hat
Papanti in der Anmerkung (S. 72 f.) meine in diesem Jahrbuch
XII, 351 f.*) gegebenen Vergleiche nicht blos citiert, sondern auch
in Uebersetzung mitgetheilt, jedoch ungenau. Ich habe dort mit
Beziehung auf die Erzählung in des Papstes Innocenz III Buche
'De contemptu mundi’ (II, cap. 39) gesagt: 'Dieselbe Geschichte,
ein wenig anders eingekleidet, findet sich in Pauli’s Schimpf und
Ernst No. 416 und daraus, nur sprachlich verändert, in Weidners
Teutscher Nation Apophthegmata, Amsterdam 1655, IV, 127.
In Melandefs Jocoseria 1, No. 264 — wörtlich wiederholt in den
Doctae nugae Gaudentii Jocosi, Solisbaci 1713, pg. 222 — wird,
mit Berufung auf L. Milichius in Oratione contra immoderatum
vestitum, von dem berühmten Humanisten Busch erzählt, er sei
u. s. w.’ Dies ist also wiedergegeben: 'La quäle storia, senz J
alcun cambiamento, tornasi a leggere in Doctae nugae . . .; e con
qualche Variante nella raccolta del Pauli. . ., non che nelle Teut¬
scher Nation Apophthegmata . . . e nella Jocoseria . . . Anche da L.
Milichius in Oratione ... si racconta del celebre umanista Buschio,
il quäle u. s. w.’ Ein paar Zeilen weiter ist die 'köstlich ge¬
fütterte Schaube’ in Kirchhofs Wendunmuth, Buch I, Cap. 122
— nicht 'vol. I, pag. 122’ — falsch übersetzt 'il berretto ricca-
mente guamito’, es muss vielmehr etwa heissen 'la pellicia ricca-
mente foderata’, und wieder ein paar Zeilen weiter ist 'eine Zeit
lang’ falsch übersetzt 'gi& da lungo tempo’, und statt 'Erdfurt’
war an dieser Stelle 'Erfurt’ zu schreiben ('Erdfurt’ ist die von
Kirchhof gebrauchte alte Namensform). — D’Ancona hatte in seiner
Anmerkung zu obiger Novelle Sercambi's auf einen in L. Gonzen-
bach s Sicilianischen Märchen, I, 258 erzählten Schwank von dem
Volksnarren GiufA verwiesen. Papanti aber hat S. 74—81 die
vortreffliche gereimte Bearbeitung dieses Schwankes in sicilianischer
Mundart von V. Gangi (Favuli ed autri poesii, Catania 1839,
pg. 99) und ihre Nachbildung in toskanischer Prosa von A. Longo
(Aneddoti siciliani, Catania 1845, p. 47) mitgetheilt, wofür man
ihm dankbar sein muss. Eine sehr hübsche Version desselben
Schwankes findet sich auch in Giuseppe PitrA’s Fiabe, novelle
*) Nicht 'fascicolo XII’.
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426 Kritische Anzeigen.
e racconti popolari siciliani, Vol. III, Palermo 1874, S. 365, und
lautet:
Giufä com’ era menzu lucchignu*) nuddu cci facia ’na facci**),
comu dicissimu di ’mmitallu o di däricci quarchi cosa***). Giufä
yu 'na vota nna na massaria, pi aviri quarchi cosa. Li massa-
rioti comu lu vittiru accussl squasunatu, pocu mancö ca 'un cci
abbiaru li cani di supra; enni lu ficiru jiri cchiü tortu ca drittu.
So matri oapiu la cosa, e cci pricurau 'na bella bunäca, un paru
di cäusi e un gileccu di villutu. Giufä, vistutu di camperi, iju a
la stissa massaria; e ddocu vidistivu li gran cirimonii! . . e lu
, 'mmitaru a tavula cu iddi. 'Sennu a tavula, tutti cci faclanu ciri¬
monii. Giufä pi 'un sapiri leggiri e scriviri comu cci vinia lu
manciari, pi 'na manu si jinchia la panza, pi 'n 'äutra manu chiddu
ch' avanzava si lu sarvava nta li sacchetti, nna la cöppula, nna
la bunäca; e ad ogni cosa chi si sarvava dicia: 'Manciati, rubbi-
ceddi mei, cä vuätri fustivu 'mmitati! ,
V.
Zu der S. 67 ff. mitgetheilten Novelle Sercambi’s 'De justa
responsione’ bemerke ich, dass die Frage, welche einer der Narren
des Königs von Neapel an Dante richtet: 'perchä la gallina nera
fae ruovo bianco?’ auch in Giulio Cesare della Croce's Bertoldo
vorkömmt, wo sie Fagotto, ein 'Parassito* des Königs Alboin,
unter andern an Bertoldo richtet.
Zu dieser Novelle vgl. auch unten Abschnitt X.
VI.
S. 96 sagt Papanti mit Bezug auf die S. 90, I in italienischer
Uebersetzung und S. 92, 1 im Originalf) mitgetheilte Facetie des
*) Che ha dello scemo, mogio.
**) Nessuno gli facea una gentilezza.
***) Come sarebbe a dire d’invitarlo o di dargli qualche cosa (da
mangiare).
t) Papanti hat die Facetie aus einer Florentiner Handschrift ab¬
gedruckt, aber der Text ist durch mehrere Fehler entstellt, seien es nun
wirklich Fehler der Handschrift oder Druckfehler. Man lese ineptiae
statt inetiae — contemneret statt conteneret — habearis statt hdberis —
jpauper es et statt pauper et — me ditdbit statt te. — Ueberhaupt leiden
m Papanti’s sonst so correctem Buche die lateinischen Citate oft an
Druckfehlern. So lese man S. 32, Z. 6 v. u. Res memorandae , S. 33,
Z. 3 commune, Z. 9 moleste, S. 37, Z.14 v. u. octo , S. 38, Z. 16 Macröbii,
S. 132, Z. 17 mentitus , S. 153, Z. 13 abutens , S. 154, letzte Zeile scisci -
tabatur , S. 171, Z. 13 v. u. appareretque, S. 172, Z. 12 commingit. Auch
die Interpunction der lateinischen Citate ist sehr mangelhaft. — Ein
paar nicht lateinische Druckfehler sind: S. 27, Z. 13 v. u. dürstern (statt
diistem), S. 42, Z. 11 romang de la Lovraine (statt rotnangiers de la Lor¬
raine), S. 73, Z. 9 v. u. literaturc (statt Literatur).
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Kritische Anzeigen.
427
Poggio: 'in tedesco ö riferita da Seb. Brandt in Esopus. Das
Leben und Fabeln Esopi (Strassburg, Christian Müller 1579, pg.
278. — Ein höfliche antwort Dantis)’. Dies ist falsch. Sebastian
Brant hat die Facetie nicht deutsch erzählt, sondern sie findet
sich lateinisch in seinem lateinischen Aesop — 'Esopi appologi
siue mythologi cum quibusdam carminum et fabularum additioni-
bus Sebastiani Brant’*) — S. D 5*~ b ('Dantis Florentini faceta re-
sponsio’). Brant hat nemlich den Aesopischen Fabeln etwa andert¬
halb hundert Geschichten und Fabeln beigefügt, welche er aus
verschiedenen, meist nicht genannten Schriftstellern, namentlich
aber aus den Facetien des Poggius, gesammelt, und die er fast
immer mit lateinischen Distichen eingeleitet hat. Diese von Brant
gesammelten Geschichten und Fabeln sind nun, von einem unbe¬
kannten Uebersetzer ins Deutsche übersetzt**), seit 1535 den
Ausgaben des Steinhöwelschen deutschen Aesops beigefügt worden,
und so findet sich denn in ihnen auch die obige Dante-Facetie des
Poggius***). — Eben diese Dante-Facetie hat Albert Friedrich
Mellemannus f) in lateinischen Hendecasyllaben bearbeitet, welche
in den Delitiae Poetarum Germanorum IV, 506 stehen und dar¬
aus von Papanti a. a. 0. mitgetheilt sind. Die Ueberschrift des
Gedichtes lautet in den Delitiae ' Indocti facile inveniunt patronum,
ex Sebastiano Brandio’, Papanti aber hat die drei letzten Worte
weggelassen.
Es ist Papanti imbekannt geblieben, dass auch Hans Sachs
die in Kede stehende Dante-Anekdote in einem am 7. März 1563
verfassten Gedicht behandelt hat. Es ist betitelt f Historia. Dantes
der Poet von Florentz’ und steht im andern Theil des fünften
und letzten Buchs seiner Gedichte (Nürnberg 1579, S. CCLXXVHI).
Der 'Beschluss’ des Gedichts beginnt mit den Worten:
Doctor Sebastianus Brand
Der thut uns die Geschieht bekandt.
Auch Hans Sachs hat also aus Brant’s besprochener Sammlung
— natürlich in der UeberSetzung — geschöpft, die er auch für
manche andere Gedichte benutzt hat ff).
*) Vgl. Panzer’s Annales typogr. VI, 174. und Zarncke’s Ausgabe
von BranPs Narrenschiff S. 474.
**) Vgl. Wackemagel, Geschichte der deutschen Litteratur S. 359,
Anm. 262, Goedeke, Grunariss I, § 114, 4 und im Orient und Occident
I, 646.
***) In der mir vorliegenden Ausgabe: f Esopue leben vnd Fabeln,
mit sampt den Fabeln Amani, Adelfonsi, vnd etlichen schimpffreden
Pogij. Darzu außzüge schöner Fabeln vnd exempeln Doctora Sebastian
Brant, alles klärlicn mit schönen figuren vnd registem außgestrichen 9
(Friburg im Brißgaw 1655, 4°) findet sich f Ein hoffliche antwurt Dantis
Florentroi ’ S. CXXXj.
f) Bei Papanti a. a. 0. steht aus Versehen 'Mellemanni.’
ft) Ich lasse hier den Anfang des Gedichtes von Hans Sachs folgen,
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Kritische Anzeigen.
An dieser Stelle sei noch bemerkt, dass auch die S. 91, III
mitgetheilte Facetie des Poggius (vgl. dazu die Nota S. 177 f)
in S. Brant’s Sammlung S. G iiij b (De importuno sollicitatore) und
in deren mir vorliegender Uebersetzung S. cxlviij b (Von einem
vngesttlmmen emianer) sich findet.
VII.
Einer Chronik von Venedig aus dem 16. Jahrhundert ist der
nachfolgende Schwank entnommen:
Ritrovavasi in Venezia Dante fiorentino, e fu invitato dal
dose a desinar a tempo di pesce. Erano oratori che lo precedeva,
e loro avevano grossi pesci davanti, e Dante piü piccoli, il quäle
ne tobe uno e se lo pose all* orecchio. II dose li domando ciö
che voleva dir questo. Rispose, che suo padre era morto in questi
man, e che domandava al pesce novelle di lui. II dose disse:
der deshalb besonders interessant ist, weil wir daraus sehen, was Hans
Sachs überhaupt von Dante wusste:
Als Dantes Aligorius,
Der hoch Poet Laureatus,
Wohnet in der Statt zu Florenz,
Ehrlich und wol mit Reverenz,
Der von seiner Mißgönner Schar
Fälschlichen angeklaget war,
Auß der Statt on Schuld ward ver-
triben,
Der darnach ist ein Zeitlang bliben
Zu Paris auf der hohen Schul,
Da er besaß der Künsten Stul,
Ein Poet und sinnreicher Dichter,
Künstlicher Carmina ein Schlichter,
Da er macht manch löblich Gedicht,
Nemlich ein Buch, darinn bericht
Ganz artlich, subtil und gering
Himlisch, hellisch, irdische Ding,
Künstlich beschrib und declarirt.
Mit scharfem Sinn urabspeculirt,
Welliches noch wird hocn geacht,
Bei den Glehrten künstlich verbracht,
Und nach dem er auß Frankreich zug,
Er sich zu Canis Grandi schlug,
Dem Herrn von der Leitern zu Bern,
Der glehrte Leut bei jm het gern
u. s. w.
Woher hat Hans Sachs die Kenntniss von dem, was er hier über Dante
sagt? Es ist durchaus nicht unwahrscheinlich, dass er die 1559 zu Basel
gedruckte Uebersetzung des Basilius Joannes Heroldt von Dante’s f Mon-
archey’ gekannt hat, aber was Heroldt in der Vorrede über Dante mit¬
theilt, stimmt doch nicht ganz genau mit H. Sachs. Man vergleiche
selbst! Heroldt sagt S. A 8 b : Dantes, so im jar M.CC.LXV. geborn,
von iugent auf in allen künsten geübt, kam seines alters im XXXV. jar
zü Florenz in seinem vatterland an das höchste ampt, das man die Prior
nennt. Wol, ehrlich, aufrecht, doch streng und prächtig hielt er sich.
Und weil zwo partheyen in der statt, eine die weiß, die ander die
schwarz genannt, nach vil zanks ward er Dantes botschaftweis zum
Bapst Bonifacio geschickt, entzwischen seine widersächer jne und ander
der schwarzen rott der statt verweisend, sein haab und güt dem gemeinen
seckel zuzog[en], also das der gut mann nach vilem, das er vergebens under-
stünd einzukommen, gnötigt ward bei dem Herren zü der Leitern, da¬
mals Herren zü Dieterichs Bern, sein narung zü süchen. Derweilen auch
war es ietzt zü Paris, dann zü Padua auf den hochen schülen, arbeitet,
schreibt von der Helle, vom Fegfeur, vom Paradeis, auch sunst vil
schöne dings, biß sich begab, das Keiser Henrich des namens der
sibende sein Romzug fürnam u. s. w.
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Kritische Anzeigen.
429
Ben, che ve diselo? Bispose Dante: El dise, lui e i soi compagni
esser troppo giovini e non si ricordano, ma che qui ne sono di
vecchi e grandi che mi sapranno dar novella. E il dose gli mandö
nn pesce grando.
Zn diesem Schwank, der von Dante sonst nirgends erzählt
wird, hat Papanti S. 157—164 zahlreiche Parallelen theils nur
citiert, theils abgedruckt, unter letzteren auch aus dem Athenäus
— jedoch nur in lateinischer Uebersetzung — die Erzählung vom
Dichter Philoienus und dem Tyrannen Dionysius, die älteste aller.
Mehrere Nachträge bieten Oesterley’s Nachweise zu Pauli’s Schimpf
und Emst, Anhang No. 7*), und ausserdem kann ich noch folgende
beifügen. Hans ‘Sachs (Gedichte, 5. Buch, Nürnberg 1579, S.
CCCXCIIII) hat 'Anno Salutis 1563, am 23. Tage Octobris/ unter
dem Titel 'Der grosse Fisch Mulus* die Geschichte von Philoxe-
nus, ganz so wie sie im Athenäus erzählt ist, als Schwank be¬
handelt**) und sagt im 'Beschluss*:
Wie das Plutarchus uns beschreibet.
Woher Hans Sachs die Geschichte kennt und wie er dazu kömmt,
den Plutarch, der sie meines Wissens nirgends erzählt hat, als
Gewährsmann zu nennen, habe ich noch nicht ermittelt. — In der
im J. 1606 zuerst erschienenen 'Histoire macaronique de Merlin
Coccaie’***) — einer freien prosaischen Uebersetzung der macaroni-
schen Phantasiae des Merlinus Coccajus, d. i. Teofilo Folengo —
vertheilen im XV. Buch Balde, Leonard und Cingar eine von
Boccal lecker zubereitete grosse Steinbutte unter sich, so dass für
Boccal nur die Sauce übrig bleibt. Von einem mitleidigen Reise¬
gefährten erhält Boccal aber einige kleine Fische, die er mit den
Köpfen in seine Ohren steckt. Auf die Frage seiner Genossen
erwidert er dann: 'H y a aujourd’huy quatre sepmaines que j’en-
voyay en la mer ma femme, pour apprendre 4 nager; maintenant
j'ay une grande envie de s^avoir nouvelles de son estat: et, pour
ceste cause, j’esleve mes petits poissons 4 mes oreilles, pour 89 a-
voir d’eux si eile est du tout morte, ou si eile s’esbat 14 bas avec
ceux qui y sont; mais ils me respondent qu’ils sont nais n'agueres,
*) Vön dieser Erzählung, welche sich in der Strassburger Ausgabe
des Schimpf und Ernstes von 1533 als Nr. 234 findet, ist die von Papanti
S. 161 aus dem Thr^sor des räcräations, Douay 1605, S. 262, abgedruckte
Erzählung die Uebersetzung.
**) Er beginnt: Philoxenus, der alt Poet,
Künstreich, doch gar kein Reichthum het,
War bei Köng Dionysio,
Welcher jn unterhielt also u. s. w.
***) Histoire Maccaronique de Merlin Coccaie, prototype de Rabelais.
Avec des notes et une notice par G. Brunet. Nouvelle Edition revue et
corrig^e sur l’^dition de 1606 par P. L. Jacob, bibliophile. Paris 1859.
S. 249—64.
Digitized by LjOOQle
430
Kritische Anzeigen.
tellement qu‘ils n’ont point de cognoissance dans ce faict: mais oe
turbot plus vieil, avec lequel ces trois compagnons discourent avec
la dent secretement, m’en pourroit mieux parier: et partant je vou-
drois bien qu’il me fust permis d’en deviser un pen avec luy*. Man
gibt ihm lachend den Kopf des Fisches, denn: la teste du poisson
est celle qui seule peut parier, le ventre ne peut dire mot, la
queuö est muette; mais la teste en pourroit discourir, la langue
luy formant les parolles. Ich bemerke noch ausdrücklich, dass
die ganze Geschichte von der Vertheilung des Fisches u. s. w.
eine Zuthat des französischen Uebersetzers ist*). — In einem von Fr.
Linnig in der Zeitschrift für deutsche Mythologie und Sittenkunde
III, 56 erzählten Märchen von einem Sauhirten und einem R&ths-
herra nimmt der erstere, der bei letzterem isst, eins der ihm Vor¬
gesetzten kleinen Fischchen und hält es an sein Ohr. Der Herr
fragt: 'Was horchst du da?’ Der Junge erwidert: 'Mein Vater
ist im Rheine ertrunken, darum wollte ich dieses Fischchen fragen,
wo er wäre?’ 'Und was sagt es denn?’ 'Es sagt, es könne nichts
wissen, weil es noch zu jung sei, das wüssten nur die grossen
Fische da/ So bekam der Junge mit guter Ehre auch die grossen
Fische. — In einer Variante dieses Märchens, welche Simrock in
seinen 'Deutschen Märchen* (Stuttgart 1864), Nr. 53, unter dem
Titel 'Bauer und Edelmann* erzählt, findet sich ein eigentümlicher
Zug. Der Edelmann erlaubt dem Bauer, den grossen Fisch nach
seinem ertrunknen Vater zu fragen. Darauf spiesst ihn der Bauer
an die Gabel und hält ihn ans Ohr; alsbald aber führt er ihn
zum Mund und beisst ihm den Kopf herunter. 'Bauer, wer hat
dir das erlaubt?* fragt der Herr. 'Gnädiger Herr*, ist die Ant¬
wort, 'der Fisch gestand mir, er habe meinen Vater gegessen,
dafür muss ich ihn wieder essen*. — Fr. Wöste bemerkt in der
Zeitschrift für deutsche Mythologie ni, 307 in Bezug auf obiges
Märchen: 'Der Passus vom Fischeessen kömmt in der Gegend von
Hagen als selbständiger Schwank vor. Als solchen hat ihn schon
der Holländer Paffenrode versificirt. VgL dessen Gedichten, 1676*.
VIH.
Zu der Anmerkung S. 166 ff. über die Anekdote von Dante
und Gran Cane’s Neckerei mit den Knochen bieten Oesterley’s Nach¬
weise zu Kirchhofes Wendunmuth II, 121 ein paar Nachträge**).
*) Auf die Stelle in der Histoire macaronique bin ich durch Louis
Moland hingewiesen worden, der in seiner Ausgabe der Oeuvres com-
pl&tes de La Fontaine, T. II (Paris 1872), pg. 148 (Anmerkung zur Fabel
Le Rieur et les Poissons) die f Histoire macaronique de Merlin Coccaie,
Paris 1606, II, 25’, citiert.
**) Oesterley citiert auch: 'Eyring 2, 106 (von Socrates)’; an dieser
Stelle wird aber — nicht von Socrates, sondern — von dem Cyniker
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431
Wenn aber Gas ton Paris in seiner oben erwähnten Anzeige von
Papantis Buch in der Revue critique von dieser Anekdote sagt:
'Cette mßme anecdote, fort alteree, se retrouve mise sur le compte
d’Adelgis 4 la table de Charlemagne dans la chronique de Nova¬
löse HI, 21*)’, so will mir dagegen scheinen, dass unsere Anek¬
dote und die Geschichte von Adelgis ganz unabhängig von ein¬
ander sind. In den verschiedenen Fassungen unserer Anekdote
wird während eines Gastmahles, um einen der Gäste lächerlich zu
machen, veranstaltet, dass bei Aufhebung der Tafeln alle Knochen
sich vor dieses Gastes Platz finden, der nun wegen seiner schein¬
baren Gehässigkeit verspottet wird. Wie ganz anders alles im
Chronicon Novaliciense! Quodam tempore — heisst es da —, cum
cunctum Italiae regnum sub ditione Caroli pacifice subsisteret,
ipseque in Ticinensi civitate* quae alio nomine Papia apellatur,
resideret, Algisus, Desiderii regis filius, per semetipsum ausus
est quasi explorando accedere, cupiens scire quae agebantur vel
dicebantur, ut mos est invidorum. Erat enim ipse a iuventute,
ut supra retulimus, fortis viribus animoque audax et bellicosissi-
mus. Qui cum in predictam introisset civitatem, agnitus est
omnino a nemine. Venerat itaque ibi navigio, non ut regis filius,
sed ceu foret de mediocri vulgus modicaque militum turba con-
stipatus. Cumque a nemine militum otius agnosceretur, tandem
postremo agnitus est ab uno suo notissimo et patri suo quondam
fidelissimo. Eratque tamdiu, quo patrem et regnum amiserat. Qui
cum vidisset se omnino ab illo agnosci, et celari non posse, ver-
ba deprecatoria coepit illum rogare ut per sacramentum fideli-
tatis, quod nuper patri suo et sibi feeerat, regi Carolo suam essen-
tiam non insinuaret. Adquievit ille statim et ait: 'Per fidem meam,
non te prodam alicui, dum celare te potero.’ Ad quem Algisus:
'Rogo ergo te, o amice, ut hodie ad mensam regis, quando pran-
surus est, in sumitate unius tabularum colloces me ad sedendum,
et omnia ossa quae levatura sunt a mensa, tarn came detecta,
quamque cum came de conspectu seniorum vexentium sublata, ante
me quaeso ponere studeto/ Qui ait illi: 'Faciam ut cupis/ Erat
enim ipse, qui cibos regios solito inlaturus erat. Cumque ad ex-
pectatum iam venissent prandium, fecit ille omnia, ut dicta fuerant.
Algisus vero ita confringebat omnia ossa comedens medullas, quasi
leo esuriens vorans predam. Fragraenta ergo ossium iaciens subtus
tabulam, fecitque non modicam pyram. Surgens namque inde Al¬
gisus ante alios abiit. At rex cum surrexisset a mensa, perspexit
et vidit pyram predictam subtus tabulam, et ait: 'Quis*, inquid,
Diogenes eine gar nicht hergehörige Anekdote erzählt. Es ist die auch
von Papanti S. 172, Zeile 9 ff. aus dem Democritns ridens mitgetheilte
Anekdote.
*) In der Revue critique ist fälschlich f II, 22’ gedruckt.
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'o Deus, hic tanta confregit ossa? ’ Cumque omnes respondissent
se nescire, unus adiecit et ait: 'Vidi ego hic militem residere per-
fortem qui cuncta cervina ursinaque ac bubina confregebat ossa, quasi
quis confringeret cannabina stipula.’ Vocatusque est mox ille in-
lator ciborum ante regem. Cui ait rex: 'Quis vel unde fuit ille
miles, qui hic sedit et tanta ossa edens confregit?’ Respondit et ait:
'Nescio, mi domine.’ Et rex, 'Per coronam’, inquid, 'capitis mei,
tu nosti.’ Videns. autem se deprehensum timuit ilicoque conticuit
Cum autem rex animo percepisset, quod Algisus fuisset ille, valde
doluit, quod ita inpunis omisisset illum abire.
IX.
S. 197 gibt Papanti aus den Memorie per servire alla Vita
di Dante Alighieri etc., raccolte da Giuseppe Pelli, Firenze 1823,
pg. 84, folgende Stelle:
ü P. Appiani, di cui ö da vedersi quanto scrive il Co. Mazzu-
chelli nel vol. I degli Scrittori d’Italia , pg. 885, racconta che
Francesco Stabili*), dopo essere stato alla corte del pontefice Gio¬
vanni XXÜ in qualita di suo medico, si portö in Firenze, e che
strinse amicizia con molti uomini di lettere, e particolarmente con
Dante Allighieri, col quäle si occupava a sciorre varie questioni,
che scambievolmente si proponevano, e ad insegnare al medesimo
Dante l'astronomia. Narrano anche circonstanziatamente che tralle
questioni propostesi, una fu quella che Varie vincevä la natura, a
sostener la quäle, Dante disse avere ammaestrato un gatto a reggere
una candela di sego mentre scriveva. Cecco desiderö vederne la
prova, ma allorchö il gatto eseguiva la funzione imparata, Cecco
mise fuori una pignatta che aveva seco, nella quäle erano alcuni
topi, lo che il gatto vedendo, lasciö cader la candela e corse loro
dietro, e cosl Cecco vinse la questione. Non ö credibile per altro
che Dante, impegnato in studj cotanto severi, si occupasse di sl
piccole e difficili bagattelle.
Die von G. Pelli hier benutzte Erzählung des Jesuiten Paolo
Antonio Appiani ist aus dessen Lebensbeschreibung des Cecco
d’Ascoli von D. Bernino, Istoria di tutte TEresie, T. in, Venezia
1745, pg. 451, veröffentlicht und lautet also**):
Ex Cicchi operibus intelligimus, quaspiam de implicatis am-
bagibus quaestiones ab Aligherio Stabili nostro propositas, a Sta¬
bili Aligherio enodatas fuisse, istumque ab illo nonullarum rerum
coelestium hausisse cognitionem. Inter utrumque aliquando acerrime
*) Fr. Stabili, autore del poema VAcerba, piü comunemente cono-
sciuto sotto il nome di Cecco d’Ascoli, dal luogo donde sortiva i natali
nell 1 anno 1261; fu arso in Firenze, quäle eretico, il 16 Settembre del
1327. V. Gio. Villani, Cronica [Anmerkung Papanti’s].
**) Nach gütiger Mittheilung meines Freundes D’Ancona.
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433
dispntatum est, an ars natura fortior ac potentior existeret. Ne-
gabat Stabilis, cum nulTae leges corrumpere naturam possint:
Naturalia enim divina quadam providentia constituta semper firma
atque immobilia sunt, ut ait textus in § Sed naturalia. Just, de
jur. natur. gent. et civil. Aligberius, qui opinionem oppositam
mordicus tuebatur, feiern domesticam Stabili objiciebat, quam ea
arte instituerat, ut ungulis candelabrum teneret, dum is noctu
legeret vel coenaret. Cicchus igitur, ut in sententiam suam Ali-
gherium pertraheret, scutula assumpta, ubi duo musculi asserva-
bantur inclusi, illos in conspectum felis dimisit, quae naturae in-
genio inemendabili obsequens, muribus vix inspeetis, illico in terram
candelabrum abjecit et ultro citroque cursare ac vestigiis praedam
persequi instituit. Sic adversarius, qui philosophi rationibus non
flectebatur, felis exemplo superatus est.
Woher Appiani diese Erzählung hat, gibt er leider nicht an.
Papanti theilt in seiner Anmerkung zu der Stelle aus Pelli
eine der Facezie des Arlotto mit (Confonde il piovano un filosofo)
und verweist ausserdem auf eine Erzählung in T. Delaberrenga’s
Miche letterarie, Venezia 1842, pg. 185 (Scomraessa di un poeta)
und auf das Dictionnaire .. . des proverbes et des locutions prover-
biales de la langue fran^aise, Bruxelles 1850, pg. 43. Es ist ihm
aber entgangen, dass die Geschichte von der das Licht haltenden
Katze und den Mäusen schon als Fabel der Marie de France und
eines ungenannten mittelhochdeutschen Dichters und als Theil der
bekannten ursprünglich lateinischen, aber viel übersetzten und
bearbeiteten Geschichte von Salomon und Markolf vorkömmt. Die
Fabel der Marie de France (bei A. C. M. Robert, Fables inedites,
I, 155) erzählt ganz kurz, dass eine Katze abgerichtet gewesen
sei, ein Licht zu halten, und dass ein Mann sich vorgenommen
habe, sie ihres Amts vergessen zu machen*); deshalb habe er
eine Maus gefangen und sie mit dahin genommen, e oü li chat la
gent deporte’; dort habe er, mit einem Faden an einem Fuss sie
festhaltend, sie vor der Katze herum laufen lassen, worauf alsbald
die Katze das Licht habe fallen lasseu und auf die Maus los ge¬
sprungen sei. In dem deutschen Beispiel (in Lassberg’s Lieder¬
saal II, 47) ist die Sache etwas mehr ausgemalt: die Katze ge¬
hört einem Herrn von hoher Art und hält beim Essen die Kerze,
ein Gast wettet 100 Mark, sie ihre Gewohnheit vergessen zu lassen,
verschafft sich drei lebende Mäuse und lässt das nächste mal beim
Essen eine nach der andern los. Die Katze beachtet die erste
kaum, nach der zweiten blickt sie schon mit starker Begier, und
als er die dritte los lässt, springt sie nach. — Im Salomon und
*) Uns autres hom s’est pourpenzez
Que le chat taudra son meistier.
Jahrb. f. rora. u. engl. Lit. N. F. II. 20
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434 Kritische Anzeigen.
Marcolphus wird erzählt, dass Markolf bei einer besondem Gelegen
heit eines Nachts unter anderem*) behauptet, 'plus valere naturam,
quam nutrituram’**), was er am nächsten Tage beweisen solL
Sal.: Quare dixisti plus valere naturam quam nutrituram? Marc.:
Sustine paululum, et antequam dormias, ostendam tibi. Die autem
transeunte et hora coenae adveniente, rex sedit ad coenam cum
maximo apparatu suorum: et Marcolphus sedens cum aliis inclusit
tres mures in manicam tunicae suae: fuerat enim in curia regis
Salomonis catus ita nutritus, ut omni nocte rege coenante *teneret
candelam, duobus pedibus coram universis coenantibus st’ans et
duobus pedibus lucernam tenens. Cum jam bene omnes coenassent,
Marcolphus emisit unum de muribus, quem cum catus despexisset
et post illum ire voluisset, nutu regis est retentus: dumque de
secundo mure factum fuisset similiter, Marcolphus emisit tertium
murem, quem cum catus conspexisset, ultra non tenen9 candelam,
sed eandem rejecit et post murum currens illum apprehendit. Hoc
Marcolphus videns dixit ad regem: Ecce, rex, coram te probavi,
plus valere naturam quam nutrituram.***) — Endlich ist noch
auf die efst kürzlich im 4. Bande von G. Pitrü’s oben citierten
'Fiabe, novelle e racconti popolari siciliani’ erschienene Erzählung
No. CCXC zu verweisen. Hier ist es ein 'principi capricciusu di
Palermu’, der seine Katze dressirt hat, bei Tafel das Licht zu
halten, und ein Freund beweist ihm durch eine losgelassene Maus
die Wahrheit des Ausspruchs 'l'arti si parti e la natura vinci’.
X.
Zum Schluss mache ich noch auf die folgende Stelle in John
Cower’s Confessio Amautis (Buch VII, in R. Pauli s Ausgabe Bd. III,
S. 163) aufmerksam,
I not if it be ye or nay, SÄ
How Dante the poete answerde yocabmtur.t)
*) Vgl. meinen Aufsatz in der Germania XVIII, 150, 151.
**) Vgl. den Schluss der Fabel der Marie de France:
On fait maint hon pav norreture,
Mais tout ades passe nature.
In dem deutschen Prosabuch von Salomon und Markolf — in von der
Hagen’s Narrenbuch S. 243, 247, 248 — ist das Lateinische wörtlich
übersetzt: die Natur sei stärker als die Nahrung. Im deutschen Gedicht
von Salomon und Markolf heisst es V. 775: f die natur gewonheit ver-
dribet* und V. 875: f die natur ge vor gewonheit’.
***) Die Erzählung in Hans Vintler’s Pluemen der Tugent V. 6764—83
stimmt grösste ntheils wörtlich mit dem deutschen Gedicht von Salomon
und Markolf V. 881—905. Markolf und Salomon’s Katze kommen auch
bei B. Waldis II, 22, Agricola, Sprichwörter No. 131, Eyering, Sprich¬
wörter I, 118 (vgl. auch II, 12), Kirchhof, Wendunmuth IV, 168 vor. Vgl.
auch noch das Grimmische Wörterbuch V, 283.
f) R. Pauli I, pg. XL1V sagt: the marginal Latin index are un-
doubtedly Gower’s own composition.
V
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435
To a flatrour, the tale I herde.
Upon a strife betwene hem two
He said him, there ben many mo
Of thy servauntes than of min.
For the poete of his covine
Hath none, that woll him cloth and fede,
But a flatrour may reule and lede
A king with all his londe about.
So stant the wise man in doubt
Of hem, that to foly drawe.
For such is now the comun lawe.
Eine genau hierzu stimmende Erzählung findet sich in Papanti’s
Buch nicht. Einigermassen ähnlich ist, wenn in der einen Novelle
Sercambrs (bei Papanti S. 67 ff.) einer der Narren des Königs
Robert von Neapel zu diesem sagt: *0 re, aldii a dire che Dante
sia savio: io per me nol credo, perocchö 1 savio uomo sempre
acquista, e acquistando vive con onore; e lui vituperoso si vive > ,
— worauf Dante dem Narren erwidert: 'Se Dante trovasse tanti
matti quanti trovate voi, elli sare’ meglio vestito che voi, perö
che naturalmente il senno de ? essere piü pregiato clr e’ matti n£
buffoni.’ Aehnlich ist aber auch die Anekdote von Dante und
dem Possenreisser des Can Grande, wie sie Poggio (bei Papanti
S. 92) und Michele Savonarola (daselbst S. 94) erzählen. Bei
Poggio fragt der Possenreisser den Dichter, warum dieser als
Weiser und Gelehrter arm, er aber als Narr und Unwissender
reich sei, und Dante antwortet: 'Quando ego reperiam dominum
mihi similem et meis moribus conformem, sicuti tu tuis, et ipse
similiter me ditabit/*) Bei M. Savonarola fragt der Narr, der
von seinem Herrn ein schönes Gewand erhalten, den Dichter: 'Tu,
cum taute toe lettere e tanti toi soniti e libri fati, non hay may
ricevuto in dono una tale vesta/ und Dante erwidert: 'Tu dici
biem il vero, e questo t’6 intervenuto, e non ad me, il perch£
trovato hay di toi, et io non ho trovato anchora di mei. 9 Vespa-
siano da Bisticci (bei Papanti S. 116) erzählt, ein Narr des Königs
von Frankreich, der täglich vom Könige beschenkt wurde, habe
zu Dante gesagt: 'Meser Dante, quando verrä il tempo vostro?’
Dante habe erwidert: 'Sa' tu quando sarä il tempo mio? quando
e’ sarä uno prencipe che sia piü simile a’ costumi mia, che a’ tua/
— Ferner steht der englischen Erzählung die Petrarca’s (bei Pa¬
panti S. 32., I), wo Can Grande selbst zu Dante mit Bezug auf
einen an seinem Hof lebenden Possenreisser sagt: 'Miror, quid
causae subsit, cur hic, cum sit demens, nobis tarnen Omnibus
*) L. Carbone’s Erzählung bei Papanti S. 111
Setzung der Facette des Poggius.
ist nur eine Ueber-
29 *
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placere novit et ab omnibus diligitur, quod tu, qui sapiens diceris,
non potes,* — worauf Dante sagt: 'Minime mir&reris, si nosses,
quod morum paritas et similitudo animorum amicitiae causa est’.*)
Weimar, December 1874.
Reinhold Köhler.
Le livre des mestiers. Dialogues fran^ais-flamands com-
posßs au XIV. siede par un maltre d’&cole delaville
de Bruges. Publi6 par H. Michelant. Paris, Tross
1875, in 4° (VI SS. Einleitung; Text, 46 leider unbezifferie
Seiten). In zwei Spalten, die eine für den franz., die andere
für den fläm. Text (letzterer in goth. Lettern) gedruckt.
Das unter obigem Titel von Michelant nach einem Pariser
Ms. herausgegebene Werkchen — von Enschede in Hartem in an¬
tiker Weise typographisch verziert und mehr auf Absatz bei Bi¬
bliophilen als bei Sprachforschern berechnet — ist seinem Inhalt
nach ein für französisch und flämisch lernende Schüler abgefasstes
Gesprächbtichlein in der Art desjenigen, welches Hoffmann von
Fallersleben vor 20 Jahren dem 9. Band seiner Horae Belgicae
einverleibt hat. Allem Anschein nach in der ersten Hälfte des
14. Jahrh., von einem in der flandrischen Hauptstadt Brügge
lebenden und seiner Sprache nach aus der Picardie gebürtigen
Schulmeister geschrieben, bietet es für nordfranzösische Sprach-
kunde eine ziemlich reiche Ausbeute au lexikalischen Details, die
ich mir hier, so weit sie Interesse zu wecken scheinen, in der
Ordnung ihres Vorkommens im Buche aufzuzählen vornehme. Ich
ziehe dabei das Flämische nur in sofern herein, als es zur Er¬
klärung des Französischen dienlich sein kann. Der Text des Ver¬
fassers ist im Ganzen der Grammatik seiner Zeit und Mundart
angemesseu, und die vielen Ausschreitungen in der Anwendung
der Flexionslehre können eben so sehr der Nachlässigkeit des Ab¬
schreibers oder des Druckers (denn der Druckfehler giebt es die Menge),
als seiner eigenen zugeschrieben werden. Auch die Schreibung
ist nicht immer konsequent; garde wechselt mit warde; foin (Heu)
mit fouin; die Endung ier (arium) mit eir (orilleirs, escuellier);
die Schreibweise lupaerd, emplaestre , monstaerde, prieme, mentier,
caproen, chaintuere, weist auf flämischen Einfluss. Der Herausgeber
*) Auf Petrarca’s Anekdote verweist H. Morley, Engliah Writers,
Vol. II, Part I, London 1867, S. 129 bei Erwähnung obiger Stelle Gower’e.
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*437
hat sich der diakritischen Laut-Zeichen enthalten; nur dem parti-
zipialen 6 und Subst.-Suffixe t 6 hat er eine Ausnahme gestattet,
aber auch die zuweilen am Unrechten Ort, so S. 25 emploiiG u.
S. 44 fretiß wo die weibliche Endung ie geboten war; da er den
Akut nicht durchweg verschmäht hat, hätte er ihn auch da an¬
wenden sollen, wo er Missverständnissen vorbeugt, z. B. die Hühner
(poulles) von den Hennen (poulles) unterscheiden lässt.
S. 3 fielles, ohne Zweifel ein Schreib- oder Druckfehler statt
filles („vos fieus et vos fielles“). — neveus et nieches wird wegen
der Doppeldeutigkeit des Ausdrucks näher bestimmt durch den
Zusatz che sont li enfant de vos freres et de vos seurs. — avdt
une maison, in meinem Hause, d. h. in seinen verschiedenen Theilen.
S. über diese Bedeutung der Präp. aval mein Gloss. de Frois-
sart. — dont on ne puet seuver, deren man nicht entrathen kann;
wahrscheinlich sevi'er zu lesen. — boins degres pour monter es
loges d. h. die oberen Zimmer eines Hauses; so auch bei Frois-
sart. — goutiöres dales ou desous les severondes ; bekanntes Wort
(= lat. subgrunda), das ich hier wegen der fläm. Uebersetzung
durch ozicn erwähne, welches bei Kilian oos, oos-drup heisst und
als romanisches Wort gedeutet wird, gls. hausi-guttas. — S. 4
sargis, wollene Bettdecken, wohl Plural einer Form sargil (ml.
sarcilis). — bankier, Schemel-Ueberzug, ml. bancale, scamnale. —
lezons, übersetzt durch Ilsen (Kil. lijs, lijse, = scamnum); scheint
aus dem Fläm. gebildet. — best ans, fl. scraghen; hestal f. estal
findet sich öfter. — tierrin, = terrine (s. Littrß). — lots d’estain
et demi lots , ein Flüssigkeits-Mass,' ml. lotum; „le pinte nomme on
en aucim lieu chopine dropisse et le lot une quarte.“ — S. 5 flaske —
bouteille; — potlouche, Topflöffel; — escucüicr, fl. scotelvat,
Schtisselbehälter. — kemineus (cheminel), Feuerböcke; ich nehme
hier Anlass die Frage aufzustellen, ob chenet nicht eher aus
chem(i)net, als aus chien abzuleiten ist. — cstcnaille, tenaille, Zange
(anderswo auch estenelle); wegen des Präfix zu merken; vgl. escar-
boucle. — cravet a char, Fleischhaken; dim. von crau; vgl. dtsch.
Kraue, Kräuel. — coutiel minchoir, ein Hackmesser für Gemüse. —
forgier, Koffer = ital. forziere (Diez, H, 31); fläm. fortsier; s.
mein Glossaire de Lille, p. 7. — escoi'cheul, Schurz; ich kannte
bisher nur das einfache escour; es ist jedoch icorcheu noch im
Pikardischen üblich. Corblet irrt sich mit seinem Etymon coriaceus,
ledern; es kommt wie das deutsche schürzen, von escourcier, s.
meine Anm. zu Berthe aus grans pies, 720 — S. 6 escamxne,
Sieb, verlesen für estamine. — Wanket, weisses Kleid. — bajouwe,
Kinnbacke (eines Menschen); ich sehe nicht ein warum ha nicht
für bas stehen sollte; erwähnt ja Littr 6 , der an das pejorative
ha denkt, doch selbst den alt-engl. Ausdruck nether cheke. —
bochine , Nabel, wohl verlesen für bothine (= boudine, bodäne);
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(h st. t findet sich noch unten bei bouther. — S. 7 moule, henne-
gauische Form für moelle. — tcarcolct, fläm. hoofcleed fKopf-
kleid); wörtl. ein Halsschützer. — du venison (Wildpret); merke
das Genus. — S. 8 moissor i, Sperling (s. Diez, unter moineau). —
mascngkc = mßsange. — pinjon (pigeon), häufig in den Dial. des
Nordens. — lirnoge, Feldhuhn; viell. Sumpfhuhn, yon limosus? s.
Dief unter totanus. — chuisne, Storch, wohl fehlerhaft für chiusne,
eine freilich seltsame Bildung aus ciconia (es steht neben chisne,
Schwan). — fichau, fl. fitsau (bei Kil. visse, fisse, vitsche) =
engl, fitchet (iltis), afrz. fissau . — S. 9 cas comus — Eulen. —
esclevis = fl. schelvisch; daraus scheint das moderne eglefin, aigre-
fih geworden zu sein. — rivis, fl. rivisch, unter den Seefischen
aufgeflihrt; wohl eine Zusammensetzung aus visch, aber nirgends
verzeichnet und mir unverständlich. — herenc fres et flcts (fl.
verseil ende but), also platt gedrückt? Was ist aber herenc vivdai
(fl. vivelo)? — hmon (Du Cange hano ), nach H6cart der von
Linn6 mit gadus .aeglefinus bezeichnete Seefisch; andere deuten
das Wort durch merlus, Stockfisch; im Flämischen steht coc (also
das entsprechende roman. Wort). — rocke (in Verbindung mit
crcviche ,), ein Flussfisch, übersetzt durch fl. bliek, also Weissfisch;
demnach verschieden vom dtsch. röche; wohl von russus (vgl.
dtsch. rothaug); Hßcart erklärt das hennegauische Wort durch cy-
prinus rutilus. — S. 10 Pouplins et canestiaus; üder ersteres s.
poupelin bei Littre; dem letzteren entspricht fläm. canstclifighen ,
verderbt nach Kil. aus krantsclmgh (ein Kranz- oder Rundkuchen);
das frauz. Wort ist also germanischer Abkunft. — froumcgic ,
übersetzt durch bicst = colostra die erste Milch der Kuh nach dem
Kalben. — crckes, fl. crieken, das dtsche krieche, also Pflaumen¬
schlehe (das Wort wird neben cherises aufgeflihrt); es hat jetzt
noch diese Bedeutung in Nordfrankreich. — fourdine, bei Corblet
fourdroine, fruit de l’epine noire, bei Cotgrave fourdrine
= prunelle (Schlehe). — frankes fneurcs, fl. moerbeyeren
(Maulbeeren). — nois gauke y fl. okernot, s. Littre und Diez
unter gauge; das Wort lautet deutsch wallnuss. — sauch ,
11. vougliel; das fläm. Wort ist unfindbar, das franz. bedeutet Weide
und ist das lat. salix, wofür die Flamänder wilghe sagen. — sa-
longhc (rouchi salimpic), marsault (salix caprea). — confire de
graine, 11. coffelie ende (sic) greinen; unter den Blumen erwähnt;
mir unbekannt; viell. confire zu lesen. — ape (= lat. apium),
sonst ache. — S. 11 porjon (auch porion), in den Mundarten
noch üblich für Lauch (poireau). — poürchclaine > (zwischen laitue
und cresson), in der fläm. Kolonne ebenso wiedergegeben; ohne
Zweifel ist portulak gemeint (s. Diefenbach), das auch ital. por-
cellana heisst (das deutscho borzel). — fencrelc , Fenchel, Neben¬
form von fenouil. — tercheul, Kleie (bei Corblet tcrchcu). Woher
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439
so genannt? — catel (fl. auch catel); eine Tuch Verkäuferin sagt:
„ich lasse Ihnen das Tuch wohlfeil ab, voire pour catel “; was will
das heissen? — S. 13 heaume, eine Münzsorte; caiiere , fl. zetellaer,
ebenfalls. — S. 14 clau, Nagel, als Mass für Rohwolle, auch
pierre wird als solches genannt. — fronchin, fl. fronsiin, weiter
unten fransijn, ein französisches Pergament. — arpoy (H6cart: ar-
poix), wörtl. = Harz-pech; sieu = suif. — S. 15 espimtre, ein
Metall (zwischen argent und vif argent), fl. spiautre; mir unbe¬
kannt. — morgan, fl. smelte („ora ferrea vel argentea balthei“
Kil.). Corblet citirt aus dem J. 1453 die Verurtheilung eines
Mannes, der unter anderm auch die morgaus (sic) an einem Frauen¬
gürtel abgeschnitten hatte, und frägt, ob das Wort ein „porte-
clef“ bedeute. Die Kilian’sche Definition passt vollkommen zu
unserer Stelle: „coroies, chaintures, boucles et mOrgans.“ — alouiere ,
Jagdtasche, etymologisch Lerchensack. — huvet, Kopfschmuck. —
pentoir, Strick zum Aufhängen der Wäsche. — S. 18 broie, fl.
brake; es wird befohlen dem Pferd die „broies“ anzulegen, damit
es nicht ausschlägt beim Beschlagen; ohne Zweifel Mauleisen. —
S. 19 resuichc le chanap, verlesen für resinche; über resinchier,
spülen, s. m. Gloss. de Froissart s. v. rechincier. — S. 20 jungnct,
Monat Juli. — vcr, Frühling. — S. 21 Chumkesme (lies chiunkesmc,
wie auch an andern Stellen chiunc st. chuinc ), Pfingsten; im Fläm.
steht hier sinxcncn (weiter oben sinxendagh); diese Form mit s.
st. des*etymol. p war in der That lange üblich und wurde durch
das franz. cinq veranlasst. — S. 23 espoi, Bratspiess. — S. 24
cscuräs ches pots contre ches hauts jours (mit Rücksicht auf, oder
anlässlich dieser Festtage). — cspargier, streuen (sonst espardre). —
S. 25 encorc dont = fl. nogthans, dtsch. dennoch; auch S. 26,
32 u. 42; sonst gebraucht der Yerf. auch non pourquani — esbourer,
enlever les noeuds du drap, noper; csbouressc, nopeuse, fl. nop-
starigghe. — S. 26 unes estraintes , fläm. lendenier, ein anliegendes
Oberbeinkleid. — vieus waricr, fl. oude cleedermaker (diese Schreib¬
weise erinnert an „dürrer Obsthändler“); über das Wort, s. Gloss.
de Froissart 8. v. vißswarier (Trödler). — estouper, stopfen (ein Loch
in einem Kleid). — S. 27 tramisier = tamiser; gleich daneben
Subst. tamis (fl. teemse). — S. 28 caucheteur, faiseur de chaus-
sures. — S. 30 baurgne , fl. losch, also im Sinne von schielend
(s. Diez). — S. 31 fouain, Heu; weiter oben stand fain. — S. 32
moudre , melken; noch übliche Form; für lat. molere hat unser Verf.
maurre {au für ou kommt noch öfter vor; so causu f. cousu,
cauper f. couper). — chcraine, baratte (Butterfass; fl. keeme, vgl.'
ags. cerene, cyrin, engl, churn; deutsch kerne (s. Grimm). Unser
Wort findet sich bei HGcart unter der Form serenne, gleichfalls
bei Sigart (der serum als Etymon angiebt). — plaqueur für pla-
fonneur ist jetzt noch im Schwange. — S. 33 plouroir, fl. ploral,
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440
Kritische Anzeigen.
whrsch. ein Leichenmantel. — evillc *= aiguille. — Vom candilleur
(Kerzengiesser) wird gesagt, er verkaufe gute Kerzen mit guten
lyumignons (Dochten), fläm. Icdementen. Das frz. lumignon hat
vielleicht ursprünglich mit lumen nichts zu thun; die Form lemignon
liesse sich eben so leicht auf ml. licmm (aus licimen) zurückführen,
das wohl auch im fläm. leem-bint (woraus lemmet) steckt; eine
nähere Untersuchung der betreffenden Wörter, bei denen ellychnium,
lichinus, licium in einander spielen, wäre zu wünschen. Ueber
unser fl. Jedemmt finde ich keinen Nachweis. — S. 34 Hainivicrs,
1. Hainuiers. — chippier = cepier, Gefangenwärter. — enfourcheur
de femmes, von enforchier (force), nothzüchtigen; der Flamänder
sagt noch verkrachten (von kracht «=» kraft). — csforcs , nicht
etwa Störche, sondern Habichte (asturco). — S. 35 soursemc, häu¬
fig vorhanden. — batear d Varket, fl. koutenflaerre, verstehe ich
in beiden Sprachen nicht; es wird von ihm gesagt, sein Dekan
habe ihm das Handwerk gelegt, bis er seine Gerechtsame erworben
habe. — uenibelkin , ein germ. Wort, Dimin. des engl, wimble,
Bohrer; norm, wimbiet; auch findet man guibelet und gibelet (noch
gebräuchlich, s. Littrß) = engl, gimlet; trotz der von mir im
Dict. aufgestellten Ansichten, wäre ich nicht abgeneigt das viel¬
gestaltige vilebrequin auf wibdkin zurttckzuführen. Im Fläm. steht
spikelboren. — trnlier, Zöllner (telonarius). — S. 36 deiiier , fl.
teerninckmakere; deit, Würfel, fläm. teerninghe; die franz. Form
weist auf digitus. — S. 33 louwcrcsse, fl. besteetsterigghe (EL
commendatrix ancillarum); wörtl. eine Vermietherin, heute sagt
man placeuse). — santieu, gesund, eine Ableitung von sante. —
royaulmc mit der merkwürdigen Bed. Königsfest, in Verbindung
mit neuches (Hochzeitsfest) gesetzt — S. 39 esmancier des ale-
melles, Klingen mit einem Hefte versehen. — dire ä tous les dens ,
laut und unumwunden verkündigen. — S. 40 luisel, fl. dootscrin
(Todtenschrein, Sarg); im Norden ist luseau, luset noch sehr im
Brauch; Diez leitet es, nebst span, lucillo, steinernes Grab, von lo-
cellus, Kästchen. — eher ge (cierge), im Sinne von Leuchter, fl.
stallicht (von stallen, stellen). — bochülon = bücheron. — ser -
ment = sarmentum (sarpere), aber im Sinne von Hau-Werk¬
zeug. — csconsette (für de sconsettes ist d’esconsettes zu lesen),
lanterne sourde (bei HGcart econse)\ von absconsus. — kerlce pi-
kardische Form für Charge, Last. — S. 41 brouteur = brouetteur,
übers, durch fl. cordewaghencrudere, (einer der auf einem Schub¬
karren, eigentl. Strickkarren, Gemüse zu Markt führt). — S. 42
crinchon, Grille, Heimchen; auch bei Hecart; Corblet verzeichnet
crignon, crinon. — flucr, fliessen (vom Papier oder Pergament);
man sagt jetzt gewöhnlich dafür boire. — S. 44 orison, Gebet,
männlich gebraucht („en tous mes orisons 41 ); vgl. oben venison.—
S. 45 orreste, fl. oreeste, Sturmwetter oder Platzregen; wahrsch.
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Kritische Anzeigen. 441
eine Anbildung von orage an tempestas. — cncre, Dinte, männ¬
lich gebraucht („li eueres n’est mie kiers“).
An grammatikalischen Eigentümlichkeiten halte ich nur eine
erwähnenswert, weil sie mir bisher gänzlich fremd geblieben,
nämlich das Conjunktiv-Präsens aul cche bei Verben 1. Conjug.:
S. 7 quellechar volGs que je vous acateche\ S. 18 ains qu’il ne
bouteche; S. 24 je voel qu’ü me fouüleche (von fouiller = fouler,
walken; der Herausgeber hat fälschlich gedruckt fouilhe che; der
Sinn ist: ich will, dass er für mich walke); S. 25, et s’a bien ä
faire qu’elle tvagneche mout; S. 31 il faurra qu’il le boyve melsme
ou que le gctcche devant les pourchiaux. Ist diese Inchoativ¬
form schon irgendwo besprochen worden? — Ferner scheint mir
noch bemerkenswert der Dativ aewmi (S. 1, se vous encontrGs
acunui), den ich in einer ganz entsprechenden Stelle des Hoff-
mann’sehen Gesprächbüchleins (S. 70 se vous encontr^s aucunnui)
vorfinde. Diez und Burguy kennen die Form nur aus einer Stelle
des Gregor, wo sie Genitivbedeutung hat; unsere Schulbücher be¬
weisen deren einstige Verbreitung im Volksgebrauche für den Casus
obliquus im Allgemeinen.
Dr. Aug. Scheler.
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Bibliographie des Jahres 1873.
I. Zur französischen Literaturgeschichte.
Von Adolf Ebert.
A.
1. Manuscrits de la bibliothöque de Saint-Omer. (Saint-Omer.)
4°. 455, 39, 90 p.
Es ist das von Michelant 1845 - verfasste und 1861 im 3. Bd. des
Catalogue gönöral des mss. des bibliotheques des döpartcments bereits
veröffentlichte Handschriftenverzeichniss, welches hier aber durch ein
Supplement vermehrt ist, das die Beschreibung von 44 nach 1845 an¬
geschafften Msb. und eine Anzahl von Verbesserungen und Zusätzen zu
den Notizen Michelants enthält. S. darüber Rev. crit. Nr. 46.J
2. Les anciennes bibliotheques de Paris etc. par A. Franklin
[s. J. 70. Nr. 3]. Tome III. XXIV. 643 p. avec CLII planches
et vignettes. 40 Fr.
Theil der Hist, gdner. de Paris.
3. La premiöre bibliotheque de l’hötel de ville de Paris
(1760—1797) avec les preuves extraites des Archives nationales
et des papiers de la ville, par Tisscrand. 4°. XII, 132 p.
Aus der Histoire generale de Paris. — Diese Bibliothek wurde durch
ein Legat des Procureur du roi et de la ville, Antoine Moriau begründet.
S. übrigens Journ. des Sav. p. 658.
4. Oeuvres posthumes de J. M. Querard , publ. par J. Brunei.
Livres perdus er exemplaires uniques. Bordeaux. 8°. 104 p.
5. Les savants Godefroy, m6moires d’ane famille pendant
les XVI., XVII. et XVIIL siöcles. 8°. 420 p.
Eine Familie von Gelehrten, von welchen einzelne auch als Historiker
und Herausgeber von Werben der Nationalliteratur sich verdient gemacht
haben. Der Verf. selbst ist ein Godefroy, Marquis von M^nilglaise.
S. Journ. des Sav. p. 533 u. Bibi, de PEc. des Chartes p. 128.
6. Histoire litteraire de la France, ouvrage commenc6 par
des religieux Ben6dictins etc. [s. J. 69. Nr. 8]. Tome XXVI.
Quatorziöme siede. XXIII, 595 p.
Behandelt u. a. die jüngsten Chansons de geste und einen Artikel
von Paulin Paris.
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Zur französischen Literaturgeschichte.
443
7. Histoire de la litt6rature dramatique en France depuis
ses origines jusqu’au Cid, par H. Timer. 8°. X, 632 p. 7 1 /* Fr.
Das Buch gibt die Vorlesungen, die der Verf. an der Facultd des
lettres von Besanpon gehalten hat; nach einer Beurtheilung von G. P.
in der Rev. crit. 74, Nr. 23 eine oberflächliche Arbeit.
8. Histoire de la musique dramatique en France, depuis ses
origines jusqu’ä nos jours, par G. Chouquct. (Ouvrage couronnö
par l’Institut). 8 Fr.
S. darüber Rev. crit. 74. Nr. 19; besonders hervorzuheben ist, dass
der erste Abschnitt dem liturgischen Drama des Mittelalters gewidmet ist.
9. Zum normannischen Rolandsliede, von M. Löschhorn.
Leipzig. (Dissert.) 35 p.
Vgl. Romania Nr. 6.
10. Noms de peuples paiens dans la Chanson de Roland,
par G. Paris .
In: Romania Nr. 7 (vgl. auch Nr. 8).
11. Ueber die Quelle Ulrichs von dem Türlin und die älteste
Gestalt der Prise d’Orenge, von H. Suchier. Paderborn. 44 p. 6 Sgr.
S. über diese scharfsinnige Untersuchung, die der altfranz. und der
deutschen Literatur gleichermassen zu Gute kommt, Literar. Centralbl.
Nr. 30 u. Romania Nr. 5.
12. Ueber eine bisher unbekannte „branche“ der Chanson
de geste Fierabras, vou G. Gröber.
In: Verhandlungen der 28. Versammlung deutscher Philo¬
logen. Leipzig 1873. S. 209 fl*.
Es ist die von dem Verf. nach der Handschr. Nr. 528 der Hannover¬
schen Stadtbibliothek herausgeg. Destruction de Rome (s. unten Nr. 42),
von welcher hier eine sorgfältige Analyse gegeben und das Verhältniss
zu dem Fierabras eingehend erörtert wird.
13. Anciennes traductions fianpaises de la Consolation de
Boöce, conserv6es ä la Bibliothöque nationale, par L. Belisle.
In: Bibliothöque de l’Ecole des Chartes.
Vgl. Romania Nr. 6 p. 271 ff.
14. La Chronique de Louis XI, dite Chronique scandaleuse,
faussement attribu£e ä Jean de Troyes, restitu6e ä son v6ritable
auteur. 8°. 96 p.
15. L’Hötel de Rambouillet, essai d’histoire litteraire par
Wässer. Breslau. 4°. 36 p.
16. Vies des poetes bordelais et perigourdins, par Guillaume
Colletet, publ. d’aprös le mscr. autographe du Louvre avec notes et
appendices par Ph. Tamizey de Larroque. Bordeaux. 8°. 104 p.
Aus der Collection m^ridionale T. IV. Vier Biographien, nämlich
von Lancelot de Carles , Etienne de la Boetie, Jean du Vigneau , Marc
de Mailliet f welche npeh aus dem bei dem Brande des Louvre vernichteten
Manuscript Colletet’s stammen. Aus diesem waren schon früher manche
veröffentlicht worden, auch von dem Herausgeber selbst, vgl. J. 68, Nr. 24
u. J. 63—64, Nr. 125.
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444
Bibliographie von 1873.
17. La littGrature contemporaine en province, portraits bio-
graphiques et litteraires, par Th . Geslain. 12°. 382 p.
Die Provinzialdichter sind: A. de Sigoyer, H. Violeau, A. Paban,
M rae Penker, Magu, Robinot-Bertrand, A. Millieu, A. Braudouin, E. de
Verri&res, J. Reboul, J. Soulary, E. Bazin, J. Prior, A. Bordes, Aimd
Giron u. die Brüder des Essarts. S. Journ. des Sav. p. 592.
18 . Balzac. — Le testament de Balzac, publ. pour la prem.
fois avec un facsimile par G. Babinet de Rencogne. 8°. 10 p.
Aus dem Bulletin de la Soc. arch^olog. et histor. de la Charente 1870.
19. Battaille-Purö. — Vincent de Bataille-Fure, poete bear-
nais, par Azais. Montpellier. 8°, 8 p.
20. Bernart de Ventadorn. — Biographie des Troubadours
Bernhard von Ventadorn, von H. Bischoff. Berlin. 8°. 82 p.
(Götting. Dissert.)
S. im vorigen Bd. d. Jahrb. S. 341 die Anzeige von Suchier.
21. Clotilde de Surville. — Les poesies de Clotilde de
Surville, 6tude par A. Loquin . Bordeaux. 8°. 244 p.
22. Clotilde de Surville. — Une fausse r6surrection littßraire.
Clotilde de Surville et ses nouveaux apologistes, par JGuiUemin .
8°. 45 p.
23. Clotilde de Surville. — Marguerite Chalis et la legende
de Clotilde de Surville. Etüde sur Pauthenticite des poesies de
Clotilde de Surville par A . Mazon . 12°. 122 p.
Die vorstehenden 3 Schriften sind gegen die in der vorigen Bibliogr.
Nr. 20 verzeichnete Mac^’s gerichtet und werden von der Rev. crit. 74,
Nr. 22 gerühmt.
24. Clotilde de Surville. — Clotilde de Surville et ses
poesies (documents inedits), par H. VaschaXde. 8°. 31 p.
S. die abfertigende Kritik dieser Vertheidigung der Authentie der
Dichtungen Clotilde’a in Rev. crit. Nr. 9.
25. Comiuines. — Die ethisch-politischen Grundanschauungen
des Philipp von Comynes, von W. Arnold. Dresden. (Progr. des
Vitzthumßchen Gymn.)
S. darüber Rev. crit. 74, Nr. 29.
26. Jaufre Rudel. — Der Troubadour Jaufre Rudel und
seine Werke, von A. Stimming. Kiel. 8°. VT, 71 p. 24 Sgr.
S. im vorigen Bd. d. Jahrb. S. 337 die Anzeige von Suchicr.
27. Labö, Louise. — Louise Lab6. Zur Geschichte der franzö¬
sischen Literatur des XVI. Jahrh. von E. Laur. Srassburg. 8°.
84 p. 16 Sgr.
28. La Quintinie. — Notice sur Jean de La Quintinie, son
style et son caractüre, par Dctnouceaux. Versailles. 12°. 23 p.
Aus dem Journal de Seine-et-Oise, 72.
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Zur französischen Literaturgeschichte.
445
29. Malherb©. — Etüde sur la langue et la versification
de Malherbe, par E. Beckmann . Elberfeld. 8°. 74 p. 15 Sgr.
S. darüber die sehr anerkennende Beurtheilung der Rev. crit. 74, Nr. 2.
30. Marguerite d'AngOUlöme. — Notice sur Marguerite
d’Angoulöme, par Pellisson. Angoulöme. 8°. 54 p.
31. Moliöre. — Moliöre, sa vie et ses Oeuvres, par Claretie.
12°. 197 p. 3% Fr.
32. Moliöre. — Moliöre et les mödecins au XVII. siöcle,
par Drouineau. 8°. 36 p.
33. Montaudon, Mönch von. — Der Mönch von Montaudon,
ein provenzalischer Troubadour: sein Leben und seine Gedichte,
bearbeitet und erläutert mit Benutzung unedirter Texte von E.
Philippson. Halle. 8°. 99 p. 25 Sgr.
S. im vorigen Bd. d. Jahrb. S. 339 die Anzeige von Suchier.
34. Peire Vidal. — Explication de la piöce de Peire Vidal
„Drogoman seinha“ par P. Meyer.
In: Romania Nr. 8.
35. Philippe de Remi. — Philippe de Remi, sire de Beau-
manoir, jurisconsulte et poöte national du Beauvaisis (1242 —1296),
par H. L. Bordier. 8°. 422 p.
In dieser von L. D. in der Biblioth. de l’Ecole des Ch. p. 601 sehr
gerühmten Monographie finden sich auch die meisten der Gedichte
Philipps, welche nur durch ein Msc. der Bibi, nation. erhalten sind.
Von den bekannten Romanen (La Manekine u. Blonde d’Oxford) ist bloss
eine Analyse gegeben. Vgl. auch Rev. crit. 74, Nr. 44.
36. Renaut de Lonens. — Renaut de Louens, poöte franc-
comtois du XIV. siöcle, par A. Yayssiere. 8°. 16 p.
37. ScudÖry, M 1,e de. — Mademoiselle de Scudöry, sa vie
et sa correspondance, avec un choix de ses poesies, par Balheiy
et Boutron. 8°. VIII, 540 p. 8 Fr.
S. Rev. crit. Nr. 19.
38. Villon. — Notice sur Francois Villon d aprös des docu-
meuts nouveaux et inedits tires des depöts publics, par A. Vitu.
8°. 56 p. 3 Fr.
39. Villon. — Francois Villon et ses legataires, par A. Longnon.
In: Romania: Nr. 6.
S. über diese und die vorausgehende Abhandlung, welche wichtige
Beiträge zur Lebensgeschichte Villons mittheilen, Rev. crit. Nr. 38.
40. Voltaire. — Voltaire et la societö fran^aise au XVIII.
siAcle. Voltaire auxDelices. Par Desnoiresterres. 8°. 513 p. 7V 2 Fr.
Vgl. Jahrg. 70, Nr. 29.
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446
Bibliographie von 1873.
B.
41. La Passion de Christ, texte revu snr le manuscrit de
Clermont-Ferrand, par G. Paris .
In: Romania, Nr. 7.
Eine Ausg., die sich würdig den andern kritischen Ausgaben des
Herausgebers zur Seite stellt.
42. La Destruction de Rome, premiöre brauche de la chanson
de geste de Fierabras, publ. par G. Groeber .
43. A fragment of Partonope of Blois from a msc. at Yale
Royal in the possession of Lord Delamere. Printed for the Roxburgh
Club. London. 4°. II, 11 p.
44. Floriant et Florete, a metrical romance of the XIY. Century,
edit. from a unique msc. at Newbattle Abbey by Fr. Michel. Printed
for the Roxburgh Club. London. LXV, 296 p.
S. Mussafia’s Kritik dieser Ausgabe im Literar. Centralbl. 1875, Nr. 2.
45. Recueil g£n6ral et complet des F^bliaux des XIII. et
XIV. si&cles, imprimes ou inedits, publ. d’aprös les mss. par A. de
Montaiglon. Tome I. 8°. XXI, 332 p. 10 Fr.
S. die eingehende Beurtheilung von P. M. in der Rev. crit. Nr. 4,
wonach namentlich in der Textkritik die Ausg. sehr viel zu wünschen
übrig lässt.
* 46. Del tumbeor Nostre-Dame, fabliau, publ. par W. Förster .
In: Romania, Nr. 7.
47. Die provenzalische Liederhandschrift Cod. 5232 der Vati-
canisehen Bibliothek nach der Abschrift von E. Stengel.
In: Archiv f. d. Stud. d. neueren Spr. LI. Bd.
48. Le roman de Blandin de Cornouailles et de Guillot Ardit
de Miramar, publ. pour la prem. fois dapr&s le ms. unique de
Turin par P. Meyer .
In: Romania, Nr. 6.
Yon diesem höchst wahrscheinlich im 14. Jahrh. verfassten Roman,
dessen Autor unbekannt ist, hat schon Raynouard Lex. rom. T. I. eine
Analyse gegeben. Der Schreiber der Handschr. war ein Italiener, der
Verf. nach P. Meyer vielleicht ein Catalane.
49. Chansons de P. de Bonsard , P. Desportes et autres, mises
en musique par Nicolas de La Grotte, valet de chambre et organiste
du roy. Paris 1575. Par Adrien Leroy et Robert Ballard, im-
primeurs du roy etc. Nouv . 4d., facsimile, augmentee d une notice
par A. de Bochambcan. 8 9 . XV, 48 p.
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Zur französischen Literaturgeschichte.
447
50. Aubignä, Agrippa dV — Oeuvres complötes de Theodore
Agrippa. d’Aubign£, publ. pour la prem. fois d’aprös les mss. ori-
ginaux, accompagnäes de notices biographiques, littßraires et biblio-
graphiques, de variantes, d’un commentaire, d’une table de noms
propres et d ? un glossaire, par E. Beaume et de Caussade. Tome I.
8°. XVII, 609 p. 10 Fr.
Dieser Band enthält ausser der Einleitung die Memoires (Sa vie ä
ses enfants, wie der wahre Titel ist) und Lettres. S. über diese wichtige
Au8g., die einen weit bessern Text als die frühem bietet, Rev. crit. 74, Nr. 2.
51. Balzac, Guez de. — Lettres de Jean-Louis Guez de Balzac,
publ. par Pk. Tamizey de Larroque . 4°. 458 p.
Aus den Documents inödits publ. p. les soins du minist, de Tinstr.
pubL 170 ungedruckte Briefe des bekannten Epistolographen, von dem
Ilerausg. mit sehr schätzbaren erklärenden Anmerkungen versehen. S. Rev.
crit. 74, Nr. 32.
52. Brantöme. — Oeuvres complötes etc. publ. par L. Lalanne
[s. J. 70, Nr. 31]. Tomes V et VI.
53. Caylas, Marquise de. — Souvenirs de la marquise de
Caylus, nouv. e'd. soigneusement revu sur les meilleurs textes con-
tenant la prßface et les notes de Voltaire avec une 6tude sur
l’auteur, un commentaire bistorique et une table analytique, par
M. Ec Lescure. 16°. 236 p. 2% Fr.
Diese Ausg. wird von der Rev. crit. 74, Nr. 22 gerühmt.
De8portes. — S. oben Nr. 49.
54. Dü Vair. — Lettres inedites de Guillaume Du Vair,
publ. avec avant-propos, notes et appendice, par Ph . Tamizey de
Larroque. 8°. 78 p.
In 75 Expl., Auszug aus der Revue de Marseille et de Provence. —
Im Appendix finden Bich Mitteilungen über Du Vair’s Correspoudenz
mit Malherbe und ein Memoire über Du Vair’s Leben von Claude Le
Peletier. S. Bibi, de l’Ec. des Ch. p. 130 u. Rev. crit. Nr. 36.
55. Froissart. — Chroniques publ. par Lme [s. J. 71—72,
Nr. 71]. Tome IV. (1346—56). LXXI, 425 p. 9 Fr.
56. Malherbe. — Les Premiers vers de F. de Malherbe
(Traduction de Pepitaphe de Geneviöve Rouxel), publ. d’apres le ms.
de Facques de Cahaignes, par Trebutien. Caen. 8°. 35 p.
57. Margnerite de Navarre. — Les Marguerites de la mar-
guerite des princesses. Texte de Tedition de 1547, publie avec
introduction, notes et glossaire par F. Frank , et accompagne de
la reproduction des gravures sur bois de Poriginal et d’un portrait
de Margnerite de Navarre. 16°. CVII, 480 p.
Es ist dies die Sammlung der Werke der Königin, die zwei Jahre
vor ihrem Tode erschien.
58. Marion. — Rondeauix et vers d’amour, par Jelian Marion,
poäte nivernais du XVI. s., publ. pour la prem. fois par P. Blanchemain.
8°. 116 p.
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448
Bibliographie von 1873.
59. Moliöre. — Moliöre’s Werke mit deutschem Commentar,
Einleitungen und Excursen herausg. von A. Laun . Berlin. 8°.
Bd. 1—3. 2% Thlr.
S. über diese Ausg. die Kritik von Schuchordt im Lit. Centralbl. Nr. 37.
60. Montaigne. — Les essais de Montaigne, reimprimes sur
1‘edition originale de 1588, avec notes, glossaire et index, par
H. Mothcau et D. Jmaust, et precedGs d’une note par S. de Sacy .
Tome I. 8°. XVII, 347 p. (Mit Portrait). 12% Fr.
61. Montaigne. — Des vaines subtilitez, par Montaigne;
suivant la copie imprimee 4 Bourdeaux 1553. Rouen. 12°. 5 p.
Montandon. — S. oben Nr. 33.
62. Montesqnien. — Lettres persanes par Montesquieu avec
preface, notes et variantes, index philosophique, bistorique et litte-
raire, par A. Lefbvre,. 2 Voll. 12°. XVI, 210, 222 p. 5 Fr.
(Nouv. collect. Jannet.)
Die Constituirung des Textes, welche auf Grund der ersten und der
letzten Original-Ausg. ausgeführt ist, lässt nach der Rev. crit. 74, Nr. 20
nichts zu wünschen übrig.
Philippe de Remi. — S. oben Nr. 35.
63. Philippe de Thann. — Li cumpoz Philipe de Thaün.
Der Computus des Philipp von Thaun, mit einer Einleitung über
die Sprache des Autors herausgeg. von E. Mall. Strassburg. Kl.
8°. VIII, 176 p.
S. über diese treffliche Ausg. Literar. Centralbl. 1874, Nr. 48.
64. Rabelais. — Oeuvres, ed. conforme aux derniers textes etc.
[s. J. 71—72. Nr. 83]. Tome 3.
65. Rabelais. — Oeuvres collationnees p. la prem. f. etc. par
Burgaud des Marets et Rathei'y. Sec. dd. [s. J. 70, Nr. 48].
Tome II. 638 p. 4 Fr.
S. darüber Rev. crit. 74, Nr. 43.
66. Racine. — Oeuvres, ed. Mesnard [s. J. 71—72, Nr. 86].
Tome VIII. 808 p.
67. Retz, de. — Memoires du Cardinal de Retz adresses
4 M mc de Caumartin, suivis des instructions inedites de Mazarin
relatives aux Frondeurs. Nmv. dd. f par Aimd Champöllion-Figeac.
5 Voll. 8°. LXXVII, 1747 p.
Ronsard. — S. oben Nr. 49.
68. Saint-Simon. — Memoires du duc de Saint-Simon publies
par Clidruel et A. Regnier fils, et collationn6s de nouveau pour
cette edition sur le ms. autographe avec une notice de Samtc-Beuvc.
Tome I. 12°. XLVII, 512 p, 3% Fr.
S. Rev. crit. Nr. 28, nach welcher Kritik die Ausg. in Bezug auf
den Text vortrefflich ist, aber rücksichtlich der historischen Erklärung
zu wünschen übrig lässt.
V
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Zur italienischen Literaturgeschichte.
449
Zur italienischen Literaturgeschichte.
Von Adolf Tobler.
A.
1.
69. JBibliografia italiana, giomale deir As&ociazione tipo-
grafico-libraria italiana compilato sni documenti comunicati dal
Ministero delT Istruzione pubblica. Anno VIL Firenze. Prezzo
per Tltalia. 1. 7. 50; per TEstero 1. 9.
Erscheint den 15. und den 30. jedes Monats.
70. Bibliotheca Casinensis seu codicum manuscriptomm series
per paginas singillatim enucleata, notis, characterum speciminibus
ad unguem exemplatis ancta cura et studio monachorum ordinis s.
Benedicti abbatiae montis Casini. Tomus primus. Ex typographia
Casinensi. CIX — 290 p. 4°. 1. 100.
71. I Manoscritti italiani ehe si conservano nella Biblioteca
Roncioniana di Prato per Cesare Guasti . Propugn. VI l, 151—167.
S. Bibliogr. 1870 Nr. 138. Von grösserer Bedeutung ist hier einzig
eine ausführliche Notiz über eine unvollständige Hds. der Div. Commedia
sammt Commentar.
72. La Nazionale Biblioteca di Parma, relazione di Federigo
Odorici. Torino. 92 p. 8°.
Geschichte und Beschreibung der 1761 von dem Turiner P. Paciaudi
gegründeten Sammlung mit Notizen über die Vorsteher der parmensischen,
mit der die palatinische verbunden, (Mazza, Affb, Canonici, Andres,
Pezzana) und Verzeichniss der Handschriften, die vor dem 16. Jahrhundert
geschrieben sind (mit Ausschluss der De Eossianischen, deren Verzeichniss
bereits gedruckt war). S. Riv. Europ. marzo.
73. Deila Biblioteca Brancacciana di Napoli relazione di
Angdo Beatrice. 16 p. 8°.
74. La Biblioteca universitaria di Napoli relazione di G .
Minervini. Napoli. 28 p. 8°.
75. Deila Biblioteca Mediceo-Laurenziana di Firenze per
lab. dott. Niccolb Anziani. Firenze 1872. 40 p. 8°. 1. 1,50.
76. Notizie della Biblioteca Alessandrina nella R. Uni¬
versität di Roma per Enrico Narducd. Roma 1872. 52 p. 8°.
77. Notizie intorno alla R. Biblioteca Universitaria di Pavia
di Vittorio Piccaroli. Pavia. 60 p. 8°.
78. Notizie intorno alla Biblioteca Nazionale di Milano
di Giuseppe Sacchi. Milano. 40 p. 8°:
79. La R. Biblioteca Marciana di Venezia. Venezia. 88p. 8°.
80. Cenni storici della R. Biblioteca Estense in Modena
con appendice di documenti. Modena. LII—96 p. 8°.
Jahrb. f. roin. u. engl. Lit. N. F. II. 3Q
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450
Bibliographie von 1873.
2 .
81. Perchö la letteratnra Italiana non sia pöpolare in Italia,
lettere critiche di Ruggiero BongM. Terza edizione aumentata e
coiTetta. Milano. 310 p. 18°. 1. 4.
1856 erschienen die'geistreichen Briefe im Spettatore, dann 1856 zum
ersten Mal zu einem Buche gesammelt. S. N. Antol. die., il Convegno nov.
3.
82. Notizie storiche snlla Universität libera degli stndi
di Ferrara per E. CugusirPersi. Ferrara. 100 p. 4°.
83. Cenni storici snlla regia Universität di Torino, origine,
vicende e condizioni attuali dell’ universitä. Torino 1872. 176 p.
4°. con 4 tavole. 1. 8.
84. Cenno storico snlla R. Universität di Pavia, notizie sugli
stabilimenti scientifici. Pavia. 190 p. 4°.
85. Cenno storico sopra TUniversität di Urbino del dott.
Antonio Ragazzi. Urbino. 18 p. 8°.
S. N. Antolog. 1874 genn.
86. Notizie snlla Universität di Siena del prof. Luigi Moriani.
Siena. 152 p. 8°.
87. Cenni storici snlla Regia Universität di Padova, origini,
vicende e condizioni attuali delT universitä, notizie sommarie sugli
istituti scientifici. Padova. 228 p. fol.
88. Bibüografia Siciliana ovvero gran dizionario bibliografico
delle opere edite e inedite, antiche e moderne di autori siciliani e
di argomento siciliano stampate in Sicilia e fuori per Giuseppe M.
Mira. Palermo, fase. I—VI. 232 p. 8°. Jede Lieferung 1. 1.
S. Arch. stör, sicil. I p. 283. In der nämlichen Zeitschrift faac. 3
und 4 beginnt ein Saggio di giunte e correzioni zu Mira’s Werk von
Giuseppe Salvo Cozzo.
89. Biografla di Mantovani illnstri pel prof. Lorenzo Ruggeri.
Mantova, fase. I. 16 p. 8°.
26 Lieferungen zum Preise von 26 Cent, sind in Aussicht gestellt.
90. Bibüografia Pistoiese di Vittorio Cappom. fase. I. Pistoia.
16 p. 8°. (Edizione fuori di commercio, fatta pei soli associati.)
91. GÜ Scrittori di Bergamo delle famigüe Medolago e
Tasso di Bamäba Vaerini. Pubblicazioni del prof. ab. Alessandri.
Bergamo. 104 p. 4°. (per nozze, 104 esempl.)
92. La letteratnra veronese per G. B. C. Giuliaru (Fort¬
setzung.) Propugn. VI 1, 168—234 e VI 2, 184 e 428.
S. Bibliogr. 1871-2 Nr. 140.
93. Gngüelmo I e il Vespro sioiüano nella tradizione
popolare deüa Sicüia per Giuseppe Pitre. Palermo.
94. La storia nei canti popolari siciliani per S. Salomonen
Marino. Arch. stör, sicil. Anno I fase. 1 e 2.
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Zur italienischen Literaturgeschichte.
451
4.
95. Storia dei viaggiatori italiani per Gaetano Branca.
Torino. 500 p. 8°. 1. 4.
S. Riv. Enrop. apr., wo einige Ungenauigkeiten des verstorbenen
Verfassers gerügt werden; eine ausführliche Besprechung widmet dem
Werke Kohl in den Gött. Gel. Anz. Stück 34.
96. La fllosofia della storia nei pensatori italiani pel prof.
Bartolommeo Fontana . Imola. 362 p. 8°. 1. 5.
Sechs Vorlesungen, drei über G. B. Vico, je eine über Romagnosi,
Balbo, Campanella. S. Riv. Europ. die.
5.
97. Nnovi saggi critici di Francesco De Sanctis. Napoli.
364 p. 16°. 1. 4.
98. ImpreS8ioni letterarie di P. G. Molmenti. Venezia.
188 p. 16°. 1. 2,50.
Charakteristik von 23 italienischen Autoren der Gegenwart. Das
Verzeichniss derselben und eine Beurtheilung des Buches s. Riv. Europ.
giugno; s. auch L’Eco dei giovani, die. und Riv. ital. 16 giugno 1874.
99. Cari estinti, bozzetti letterarii di Carlo Catmzaro.
Firenze. 88 p. 18°. 1. 1.
Teobaldo Ciconi, Carlo Varese, Emilio Poggi, J. U. Tarchetti,
F. DalP Ongaro, Carlo Mascheroni, Gius. Bianchetti, Vincenzo Martini,
Pietro Giannone, Gius. Pieri, Angelo Brofferio. S. Riv. Europ. ott.
100. Studii dl letteratnra e d’arte di Tullo Massarani.
Firenze. 528 p. 18°. 1. 4.
Inhalt: Gli studii italiani in Francia; Vittorio Alfieri e le sue opere
minori; dei classici latini nelle versioni inglesi e dei poeti inglesi nelle
versioni italiane; Enrico Heine, il movimento letterario in Germania.
S. Riv. Ital. marzo 1874. N. Antol. marzo 1874.
101. Tre discorsi di Ferdinando Gnesotto. Cesarotti, Livio,
Cicerone. Padova. 90 p. 8°.
S. Riv. di filol. e d’istruz. dass. Anno II, fase. 6.
102. Colle 2 lone di alcnni scritti letterari e scolastici.
Prose e poesie dei prof. Valeriano Grengoli. Vol. I. Bologna. 112 p. 8°.
103. Ricordi biograflei di A. De Gubeinatis. Pagine estratte
dalla ßtoria contemporanea lettaria italiana in servigio della gio-
ventü. Firenze 1872. 540—XXIII p. 8°. 1. 5.
Sammlung der 42 Biographien der ersten Serie, welche 1872 und 1873
in der Riv. Europ. nach und nach gedruckt worden waren. Zu den 14 in
der Bibliogr. 1871—2 Nr. 170 bereits genannten Personen gesellen sich
noch folgende: 15. Pietro Selvatico Estense, 16. Federigo Sclopis, 17. Sil-
vestro Centofanti, 18. Michelangelo Caetani, 19. Giambattista Giuliani,
20. Francesco Dali’ Ongaro (f 10. Jan. 1873), 21. Francesco De Sanctis,
22. Luigi Settembrini, 23. Ruggiero Bonghi, 24. Giuseppe Fiorelli,
26. Pasquale ViUari, 26. Emilio Frullani, 27. Aleardo Aleardi, 28. Anselmo
Guerrieri-Gonzaga, 29. Giuseppe Revere, 30. Giovanni Prati, 31. Amaldo
Fusinato, 32. Paolo Giacometti, 33. Tommaso Gherardi dei Testa, 34. Giu¬
seppe Tigri, 36. Pietro Fanfani, 36. Michele Coppino, 37. Tommaso Vallauri,
38. Ercole Ricotti, 39. Luigi Schiaparelli, 40. Pierluigi Donini, 41. Vincenzo
Garelli, 42. Giuseppe Filippo Baruffi. — S. II Convegno, die., Rev. Crit. 1874.
30*
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452
Bibliographie von 1873.
104. Francia ed Italia ossia i manoscritti francesi delle
nostre biblioteche con istndii di storia, letteratura ed arte
italiana di Carlo Morbio, Milano. 322 p. 8°. - 1. 6.
S. Riv. Europ. giugno. Das Werk hat nichts gemein mit des Ver¬
fassers älterer Publication Manuscrits relatifs ä l’histoire et ä la littärature
de France döcouverts en Italie par Charles Morbio. Milan 1839. XIX p.
8°. (60 ExempL, nicht im Handel). Ein Cenno bibliografico mit Bezug
auf das grössere Buch, von G. Mussi ist in Mailand erschienen 1873.
15 p. 18°. Ein Theil des Francia ed Italia ist zuerst im Arch. stör,
ital. Sez. 111 T. XVII erschienen unter dem Titel: Nuovissimi Studj su
Brunetto Latini, Dante e Petrarca e sul loro soggiomo in Francia.
6.
105. Bagnoli. Ancora di Cesare Bagnoli di Bagnacavallo,
lettera ... di F. ImbrianL Propugn. VI 2, 139—164.
S. Bibliogr. 1871—2, Nr. 184.
106. Balbo. Cesare Balbo, discorso del prof. Carlo Magenta .
Firenze. 48 p. 8°. gr.
107. Baretti. Giuseppe Baretti e i suoi tempi, discorso del
prof. Eusebio Garizio. Torino 1872. 28 p. 8°.
108. Battagüa. Di D. Damiano Battaglia bagnacavallese e
de' suoi autografi specialmente di uno affatto inedito, che si con-
servano [nella hinzuzufügen] patria biblioteca per C. T. Luigi
Balduzzi. Propugn. VI 2, 381 — 402.
Battaglia’s (geb. 1769, gest. 1854) Gedichte sind in Bologna 1844
gesammelt erschienen. Ungedrucktes liegt noch handschriftlich vor.
Ausführliche Mittheilungen gibt Balduzzi aus einem unvollendeten grössem
Gedichte in Terzinen, in welchem der alte geistliche Herr über seine
LebensschickBale und Studien gereimten Bericht erstattet.
109. Bianchetti. Giuseppe Bianchetti, racconto biografico di
Luigia Codemo di Gcrsteribrand. Riv. Europ. die.
Bianchetti (s. Bibliogr. 1868 Nr. 214) ist 1872 einundachtzigjährig
in Treviso gestorben. Die Verfasserin, welche dem Geschilderten persön¬
lich nahe gestanden hat, weiss von ihm ein lebendiges Bild zu gestalten.
110. Boccaccio. Diporti letterari sul Deeamerone del Boccaccio
di Felicc Tribolati. Pisa. X—292 p. 16°. 1. 4.
Sammlung von zehn früher im Borghini und andern Zeitschriften
zerstreut erschienenen Aufsätzen. S. N. Antol. genn. 1874; Arch. stör,
ital. S. HI T. XVIH. Propugn. VII 1, 308.
111. Boiardo. The Orlando Innamorato of Boyardo by J.
Addington Symonds . The fortnightly Review, 1 dec.
112. Botta. Carlo Botta e le sue opere storiche per Paolo
Pavesio. Riv. Europ. marzo, apr., maggio ecc.
Die auch im Jahre 1874 weitergeführte Arbeit ist seither als Buch
erschienen.
113. Brocchi. Elogio di Giambattista Brocchi per Antonio
Stgppmi. Bassano. 44 p. 8°.
Vermuthlich handelt es sich um den auch als eifrigen Pfleger der
Dantestudien bekannten Naturforscher aus Bassano (f 1826).
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Zur italienischen Literaturgeschichte.
453
114. Bruno. Giordano Bruno, discorso del prof. Pietro Bionda.
Lecce. 42 p. 4°.
115. Bruno. Di alcuni grandi Italiani dimenticati e di Gior¬
dano Bruno cenni storici di Napoleone Corazzini con prefazione del
prof. Abele Mancini. Firenze. 208 p. 16°.
S. Propugn. VI 1, 472.
116. Buonarroti. De Michaele Angelo Bonarrotio carminum
scriptore, ad facultatem litterarum in Divionensi Academia thesim
proponebat Eugenius Nagcotte. Mäcon. 8°.
117. Campello. Deila vita e degli scritti del conte Bernardino
di Campello, storico e letterato spoletano del secolo XVII, studi
di Antonio Cristofani. Assisi. 72 p. 8°.
118. Dali’ Ongaro. Francesco Dali’ Ongaro ricordo di Carlo
Baffaello Barbiera . Venezia. 96 p. 18°. 1. 1,50.
S. Riv. Europ. ott., L’Eco dei gioyani die., Riy. ital. 15 maggio 1874,
Conyegno genn. 1874.
119. Dante. Bibliographia Dantea ab anno MDCCCLXV
inchoata. Edidit Julius Petzholdt . Supplementum. In Petzholdt’s
N. Anzeiger. Januar.
S. Bibliogr. 1871—2. Nr. 222.
120. Dante. Un dantista olandese, cenni biografici sul dottore
Giovanni Corrado Hacke van Mynden interprete olandese della Di-
vina Commedia per G. van Ticnhaven. Riv. Europ. ott.
Geb. 11. Nov. 1814 in Harlem, gest. 8. Jan. 1873.
121. Dante. Dante secondo la tradizione e i novellatori,
ricerche di Giovanni Papanti. Livorno. 207 p. 8°. 1. 6.
S. Propugn. VI 2, 492 (Savorini), Riv. Eur. die., Arch. stör. ital.
S. III, T. XVIII, Riv. ital. 15 apr. 1874, Rev. crit. 1874 Nr. 36 (G. P.).
Hier ein kleiner Nachtrag: El gran poetfi Dante Florentino fu<5 tau
donoso como avisado, y los floreutines le tenian en tanto como 6\ los
tenia en poco, por ver la ciudad de Florencia poblada de hombres que
tenian de lo mucho poco y de lo poco mucho; inhadado testo, desapare-
ciöles de manera que iba entre eilos y no le podiau hallar, y no pudiendo
vivir sin 6\ no sabian que hacerse para hallarlo; aconsejöles un sabio
filosofo y dixoles: Fl Dante es tan sabio qne no le hallaran sino para
responder y dar cabö k una muy avisada razon que la vyese coraenzada
y no acabada, porque no tema sufrimiento que estd sin acabar lo que
estä bien erapezado; y os aconsejaria que fu&edes diciendo por la ciudad
estas palabras; qui sä lo bene? Y diciendo los florentines esto, oyeron
al Dante que iba disfrazado entre ellos, y respondiö les: qui ha provato
lo male/* D. Luis Milan, El Cortesano (1561). Mad. 1875*
122. Dante. Dante von M. Rieger. Separatabdruck aus
„Altes und Neues“, Erbauungsblatt für gebildete evangelische
Christen. Wiesbaden.
123. Dante. Dante und die beiden Confessionen von E.
Feuerlein. In v. Sybel’s histor. Zeitschr. Heft 1.
124. Dante. Dante et ses doctiines tht'ologiques contenues
dans la Divine ComGdie, thäse pour le doctorat par Edouard Daniel .
Antibes. 315 p. 8°. gr.
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Bibliographie von 1873.
125. Dante. Essai sur la Divine Com6die de Dante, ou la
plus belle, la plus instructive, la plus morale, la plus orthodoxe
et la plus meconnue des epop^es mise a la port6e de toutes les
intelligences et dedi6e ä la jeunesse de nos ecoles par Edouard
Daniel . Paris. 318 p. 8°.
Vielleicht nur zwei verschiedene Titel Eines Werkes?
126. Dante. Dante e la Divina Commedia, lettera ad un
professore di scuole ginnasiali di D . A. Massacccsi. JesL 14 p. 8°.
127. Dante. Alcune parole sul commento della Divina Com¬
media, lettera di M. A. Smania a Giuseppe ab. prof. Zanchi. Verona.
26 p. 8°. gr.
128. Dante. Les Penalites de TEnfer de Dante, suivies
d’une etude sur Brunetto Latini appr6cie comme le maltre de Dante
par M. J. Ortolan. Paris. 177 p. 12°.
Der Verfasser ist ein kurz vor Erscheinen des Buches verstorbener
Professor der Rechte an der Pariser Facultät.
129. Dante. LTtalia nella Divina Commedia del dott Cesare
Loria, seconda edizione riveduta e notevolmente accresciuta dalT
autore. Firenze. 2 vol. 1. 6.
Die erste Ausgabe s. Bibliogr. 1868 Nr. 240; über die zweite s. Riv.
Europ. marzo.
130. Dante. Boetius und Dante von Prof. Dr. Gustav Adolf
Ludwig Baur. [Zur Feier des Reformationsfestes und des Ueber-
gangs des Rectorats auf D. Adolf Schmidt ladet hiermit ein der
Rector der Universität D. Hermann Brockhaus durch den designierten
Decan der theologischen Facultät D. Gustav Adolf Ludwig Baur.]
Leipzig. 44 S. 4°.
Lehrreiche Zusammenstellung der Gedanken, welche Dante aus Boetius
sich angeeignet hat, dessen Lebensumstände sorgsam erörtert und mit
Dante’s Schicksalen parallelisirt werden.
131. Dante. Dante e i Pisani, studi storici di Giovanni Sforza.
Angez. von G. Crespan Arch. ven. T. VI P. I p. 149; von A. Bn.
Lit. CentralbL Nr. 46. Früher war die Arbeit im Propugn. erschienen,
s. Bibliogr. 1869 Nr. 211.
132. Dante. Diporto dantesco. Grinvidiosi nello Stige —
le tre regioni infemali — gli sconoscitori della Divinitä per Isidoro
Del Lungo. N. Antol. apr.
133. Dante. Dante’s Matelda von Pr eg er. Sitzungsberichte
der philosophisch-philologischen und historischen Classe der k. bayr.
Akademie der Wiss. zu München. Heft H, (Auch besonders ab¬
gedruckt.)
„Es ist unwahrscheinlich, dass Dante das von Lubin (La Matelda di
Dante Allighieri, Graz 1860) und Böhmer (Jahrb. d. deutschen Dante-
Gesellsch. 111) in Anspruch genommene Buch der jüngern Mechthild (von
Hackeborn), das Buch der geistlichen Gnaden, gekannt hat. — Es ist
gewiss, dass Dante das Buch der ältern Mechthild (von Magdeburg,
herausg. von P. Gail Morel, Regensburg 1869 und behandelt von Preger,
Sitzungsber. 1869 11 2 S. 151 ff.), das fliessende Licht der Gottheit, gekannt
haben kann. — Es ist sehr wahrscheinlich, dass er es wirklich gekannt
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Zur italienischen Literaturgeschichte.
455
und diese ältere M. zum Prototyp für seine Matelda genommen hat. u —
Abhandlung von hervorragender Bedeutung, die auch für den „veltro“
und für „tra feltro e feltro“ eine überzeugende Erklärung gibt. Angezeigt
im Centralbl. 1874 Nr. 9 und von Hamberger, Jahrbücher f. deutsche
Theologie 18. Band S. 684.
134. Dante. Sul significato allegorico della Lucia di Dante
Alighieri discorso del prof. Baffaello Fomaciari . Lucca. 24 p. 8°.
135. Dante. II pie fermo, studio di Giuseppe PetruccL
Civitaveccliia. 16 p. 8° (per nozze).
136. Dante. Studj ed osservazioni di Pietro Fanfani sopra
il testo delle opere di Dante. Firenze. 356 p. 16°. L 3.
S. Propugn. VII 1, 279 (1874)' Anzeige von Bertocchi.
137. Dante. La selva, le belve e le tre donne della Divina
Commedia, idea di un nuovo cojnmento esposto in due discorsi da
I. Calvori Villa Giulia Monte d’Ago yicino Ancona nel maggio 1870.
Torino. 87 p. 8°. 1. 0,80.
Der Wald: das politische Parteileben der Heimat; der sonnige Hügel:
dauernder Ruhm durch heilsames Wirken im Staat; die drei Thiere:
Florenz, Frankreich, das päpstliche Rom (oder auch der Neid, der
Hochmut, die Habgier vou Florenz); der andere bessere Weg: die christ-
liche Epik, bei welcher dreierlei in Betracht kommt: 1. Gedankengehalt,
nämlich Philosophie und Christenthum (donna gentile und Lucia), 2. in
der Anschauung Gottes geläutertes Liebesgofuhl (Beatrice), 3. Form oder
literarische Bildung (Virgil). — Die Begründung geschieht mit Scharfsinn
und Umsicht, aber nicht ohne Gewaltsamkeit. — Eine Anzeige in der
Riv. Eur. die.
138. Dante. Della necessita di tomare allo studio di Dante,
aggiuntavi una interpretazione di un döcumento e di un passo per
A. Besi e F. Bagatta. Venezia.
139. Dante. La lupa nell’ allegoria della Divina Commedia
per L. Picchioni . Propugn. VI 1,5 — 21.
Nachgelassene Schrift des 1869 Verstorbenen.
140. Dante. Osservazioni sulla Divina Commedia per Sal -
vatore Betti. Propugn. VT 1, 22—26.
141. Dante. Sul „De vulgari eloquentia“ di Dante per
Francesco IfOvidio. Arch. glottol. ital. II 59 — 110.
In Bezug auf die Authenticität, die Abfaesungszeit, den beabsichtigten
Umfang des Werkes gibt die Abhandlung kaum Neues; als zusammen¬
hängender Commentar und Kritik des ersten Buches, wozu sie im weitem
Verlaufe wird, zeichnet sie sich durch Sorgfalt und durch Unbefangenheit
des Urtheils aus. Die Ansicht, dass die Dichtungen der sogenannten
sizilianischen Schule in ganz anderer Mundart abgefasst gewesen seien
als sie überliefert sind, scheint durch die vorgebrachten Argumente nicht
ausreichend erwiesen. Hinsichtlich der von Dante gegebenen kleinen
Proben von Mundarten durfte auch der Bemerkungen Grion’s im
Propugn. HI 1, 84 ff. und IV 1, 152 gedacht werden.
141 a . Dante. Dante Alighieri s Monarchia. 1. Theil. Von
H. Derichstoeiler . Programm des Collegiums von Gebweiler. 35 S. 8°.
S. Witte’s Prolegomena zu seiner Ausgabe der Monarchie, Wien, 1874,
S. XL und XLIX.
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Bibliographie von 1873.
142. Dante. La Vita nuova e il Canzoniere di Dante Alighieri
per L. Picckioni. Propugn. VI 1, 63—89.
Der Artikel ist schon 1868 aus Anlass der Ausgabe Giuliani's
(Bibliogr. 1868 Nr. 344) geschrieben, der Verfasser 1869 gestorben.
143. Dino. Dino Compagni poeta per Paolo TedcschL N.
Antol. genn.
Eine gute Charakteristik der Intelligenza , deren Autorschaft dem
Chronisten gelassen wird. Grion’s Schrift (Bibliogr. 1$71—2 Nr. 268)
betrachtet auch Tedeschi mit Unrecht als nicht ernst gemeint.
144. Emiliani-Giudici. Sulla, vita e le opere di Paolo
Emiliani Giudici, discorso del prof. Mario ViUarcale . Palermo.
145. Emiliani-Giudici. Due parole di commemorazione sopra
Paolo Emiliani-Giudici di Aleardo Aleardi. Firenze. 8 p. 8°.
146. Filangieri. Gaetano Filangieri o Tidea dello stato nella
filosofia italiana del secolo XV1H, lettura fatta il 17 marzo 1873
al R. Liceo Galvani da S. F. De Dominicis. Bologna. 50 p. 8°.
147. Foscolo. Rivelazioni storiche intomo ad Ugo Foscolo,
lettere e documenti tratti dal Regio Archivio di Stato in Milano
da Lodovico Corio dottore in scienze storiche-filologiche. Milano.
152 p. 8°. 1. 2.
Nach Riv. Europ. ott. ergäben sich aus Corio's Forschungen für
Foscolo Handlungen grosser Charakterschwäche und Erbärmlichkeit.
A. D’A. nimmt in der N. Antol. Foscolo gegen des Verfassers Anklagen
in Schutz, und- in der That ergibt sich aus den für den Biographen
übrigens in der That recht wichtigen Aktenstücken als Schlimmstes die
Anwandlung, die einmal über ihn kam, der österreichischen Regierung
nach ihrer Rückkehr in die Lombardei sich als Redactor einer Zeitschrift
anzubieten, „die der öffentlichen Stimmung im Geiste der österr. Re¬
gierung einen Impuls“ geben sollte. In Wien schien er dazu nicht zu¬
verlässig genug und mit gutem Grund.
148. Galilei. Lettere inedite a Galileo Galilei per cura di
Ariuro Wolynski . Riv. Europ. marzo.
149. Galilei Di Galileo Galilei considerato come fondatore
del metqdo sperimentale e precursore della moderna teoria dinamica,
discorso di Pietro Gambera. Novara. 24 p. 8°.
150. Galilei. Le relazioni di Galileo con alcuni Pratesi a
proposito del „Falso Buonamici“ scoperto dal sig. Th. Henri Martin
per Cesare Gnasti. Arch. stör. ital. S. m T. XVII.
151. Giannone. Ultimi giorai di Pietro Giannone (per Angelo
De Ghibernatis), Riv. Eur. genn.
Der patriotische Dichter aus Modena ist den 24. Dez. 1872 in Florenz
sechsundachtzigjährig gestorben; eine biographische Skizze hatte die Riv.
Europ. im Nov. 1872 gegeben.
152. Giusti. Il Giusti. Direzione e amministrazione, Tipo-
grafia Cooperativa, via de* Macci, N. 61. Firenze. 1. 5 all’ anno.
Ein Sonntagsblatt von je 8 Quariseiten, das sich zur Aufgabe macht,
Giusti’s Gedichte und nachher andere Schriften desselben zu erklären.
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Zur italienischen Literaturgeschichte.
457
aber auch anderweitige „coserelle graziöse e istruttive“ zu veröffentlichen,
die sich auf ihn beziehe oder irgendwie an seinen Namen anknüpfen
lassen. Die Redaction scheint Herr P. Fanfani zu führen. Die erste
Nummer (6. Juli) gibt einen ebenso geschmacklosen als weitschweifigen
Commentar zur „Dampfguillotine“; die Beigaben sind weder anmuthig
noch lehrreich, aber recht kindisch.
153. Giusti. Giuseppe Giusti e la sua satira di Gherardo
Ncrucci. Riv. Europ. ag.
Der Artikel macht in seinem Eingang frühere Schriften über den
Dichter namhaft.
154. Giusti. Giuseppe Giusti, saggio critieo di Viäorio BaccL
Messina. 36 p. 8°.
155. Gozzi. Gasparo Gozzi e il suo Osservatore, lettura fatta
all’Accademia di Brera da Giovanni Bosone. Torino.
156. Gu&rino. Del Guarino e de’ suoi tempi per Giacinto
Onofri. N. Antol. sett.
157. (Guerrazzi.) Ein Dichter der „Giovine Italia“ von
Wilhelm Lang. Im neuen Reich Nr. 51, Band II 945—962.
Kurze Biographie und wohlgelungene Charakteristik des Politikers
und des Schriftstellers.
158. Guerrazzi. Cenni biografici intorno a F. D. Guerrazzi
scritti da Giuseppe Corona. Biella. 52 p. 8°. 1. 1.
Enthält auch Bruchstücke von Briefen Guerrazzi’s an den Verfasser.
159. Guerrazzi. F. D. Guerrazzi par Marc Monnier . Bibi.
Univers. de Genöve nov.
160. Guerrazzi. F. D. Guerrazzi, studio di P. G. Molment i .
Venezia.
161. Guerrazzi. F. D. Guerrazzi per Agenore Gelli. Arch.
stör. ital. S. III T. XVIII p. 515—518.
162. (Guidiccioni.) Una fenice fra i letterati del Cinquecento
per Raffaello FomaciarL N. Antol. luglio.
163. Leopard!. Giacomo Leopardi presso i Tedeschi per B.
Zumbini . N. Antol. genn.
Der Verfasser zeigt ziemlich vollständige Kenntniss der in Betracht
kommenden Arbeiten, die ihn übrigens wemg befriedigen; auch dem im
Ganzen wohl unterrichteten Brandes (s. Bibliogr. 1869 Nr. 349) werden
ein paar Verstösse nachgewiesen; freilich lange nicht so arge noch so
viele, wie Hamerling (1866) sie sich hat zu Schulden kommen lassen,
dessen Uebersetzung jeden Augenblick die lächerlichste Unkenntniss der
Elemente der Sprache offenbart. Unbillig ist Zumbini nur gegenüber
denjenigen Deutschen, welche ihre Charakteristik LeopardTs ebenso sehr
auf die Briefe als auf die Dichtungen und die übrigen für die Oeffentlich-
keit bestimmten Schriften Leopardi’s gründen und darum selbstverständlich
zu einem weniger einheitlichen, von Schwankungen und Widersprüchen
und Schatten weniger freien Bilde seiner Persönlichkeit gelangen. Die
Literaturgeschichte würde schwerlich dabei gewinnnen, wenn sie das Ver¬
hältnis ausser Acht lassen wollte, welches zwischen der thatsächlichen
Persönlichkeit des Dichters und derjenigen besteht, als welche er sich im
Kunstwerke gibt. Wo die letztere näherer Betrachtung werth ist, da ist
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458
Bibliographie von 1873.
es meist auch die erstere; der Geschichte fallen beide gleichcrmassen
anheim, wenn Geschichte nicht eine gleichförmige Reihe eintöniger Elogi
und Discorsi per le feste scölari werden soll. Dass bisher irgend wer
von Leopardi anders als mit der gebührenden Pietät gesprochen hätte, ist
mir nicht bekannt.
164. Leopardi. II „Consalvo“ di Giacomo Leopardi per P. G.
II Convegno, giugno.
165. Lionardo. Lionardo da Vinci scienziato e filosofo. Vita
e scritti secondo nuovi documenti per Luigi Ferru N. Antol. febbr.
Im Anschlüsse an zwei 1872 erschienene Schriften Saggio suIle opcre
(anonym) und UzieUi, Eicer che.
166. Machiavelli. I Discorsi di Niccolo Machiavelli sopra
la prima deca di Tito Livio per Carlo Gioda. N. Antol. maggio.
Vorläufige Probe aus dem 1874 erschienenen grössem Werke des
Verfassers.
167. Hanzoni. Der am 22. Mai erfolgte Tod des am 7. März
1785 geborenen Verfassers der Promessi Sposi hat eine Menge meist
kürzerer Publicationen veranlasst, welche wohl nur zum kleineren
Theile beanspruchen als Beiträge zur Literaturgeschichte zu gelten.
Da dem Verfasser dieser bibliographischen Notizen nur sehr wenig
davon zu Gesichte gekommen ist, befindet er sich nicht in der Lage
das Bedeutendere aus der Menge auszuscheiden und ist genöthigt
sehr vieles anzuführen, übrigens überzeugt, dass er lange nicht
vollständig ist. Ein etwas summarisches Verfahren ist hier wohl
gerechtfertigt:
Kürzere Artikel in Zeitschriften : von G. Puccianii , N. Antol.
giugno; A. de Circourt Bibi. univ. et Revue suisse, juillet; Marc
Mormicr , Revue des deux mondes, juillet; H. Hornberger , Spener’sche
Zeitung Nr. 341; — Allg. Augsb. Zeitung Nr. 164 und 166, —
Riv. Europ. giugno, wo vier Grabreden abgedruckt sind, und luglio,
wo allerlei Anekdoten, Notizen über literarischen Nachlass sich
finden, — Unsere Zeit von Gottschall 9. Jahrg. 18. Heft; A. Weigert,
Blätter f. lit. Unt. Nr. 39. F. Sclopis, Atti della R. Accad. delle
scienze di Torino, vol. Vni disp. 6; Fischer , Mag. f. Liter, des
Auslandes, Juni (übersetzten „II Convegno“, luglio); Gitdio Carcano,
Rendiconti del reale Istituto lombardo S. II T. VI (auch besonders er¬
schienen, Milano, 52 p. 8°. 1. 1); A. Paoli, L’Eco dei giovani
II 2, f. 2.
Besonders erschienene Nekrologe: Giovanni Beda Bona, com-
memorazione . ., Venezia, 28 p. 8°. L. 1; Giuseppe Eovani , la
mönte di A. M., Milano; V. Bersezio, studio biografico e critico,
Torino (zuerst in der Gazzetta piemontese erschienen; s. N. Antol. ott.
und Wissenschaft!. Monatsblätter 1874 Nr. 6); Ferdinando GalanU,
discorso .., Venezia (s. Riv. Europ. ott.); Nonce Bocca, Conference ..
reproduite et compl£t6e, Paris, fr. 1 (enthält nach Riv. Europ. ott.
unter Anderem einige Notizen, welche M’s Aufenthalt in Frankreich
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Zur italienischen Literaturgeschichte.
459
und seine erste Ehe betreffen und die Angaben früherer Biographen
berichtigen); Gianbattista Siragusa, lezione straordinaria .., Palermo;
G. Molena, Di A. M., Baasano, 12 p. 8°.; Orlando Garbar ini, lettera
(oder lettura?) . ., Parma, 24 p. 8°; Fr. Trevisan , lettura .
Mantova. 36 p. 8°.
Weiter sind anzuführen:
Alessandro Manzoni e si suoi scritti per Antonio Bcflbiani, con
incisioni intercalate, Milano. 396 p. 8°. 1. 2,50.
Alessandro Manzoni, cenni sulla sua vita e le sue opere di
Fdice Vcnosta. Milano. 208 p.' 16°. 1. 1.
Enthält nach der Riv. Europ. einige neue Angaben, so über Manzoni’s
frühste Jugend und über seine Lebensweise.
Discorso sulle opere di Alessandro Manzoni per N ’. Romano .
Napoli. 18°. 1. 2.
Endlich über einzelne M. betreffende Fragen u. dgl.:
Manzoni e Leopardi per Terenzio Mamiani . N. Antol. ag.
Un prezioso documento di A. Manzoni per Giuseppe Puccianti.
N. Antol. luglio.
Ein Brief an Sismondi.
Alessandro Manzoni ossia del progresso morale, civile e lette-
rario quäle si manifesta nelle opere di A. M., letture fatte avanti
il reale Istituto Lombardo dal dott. A. Ruccellati prof. ord. di diritto
penale nella R. Universitä di Pavia. 2 vol. 8°. 1. 9.
Veranlasst durch die Angriffe Settembrini’s. S. Bibliogr. 1871—1872
Nr. 318 und Riv. Eur. dicembre.
Di un pregiudizio letterario intorno i Promessi Sposi per Luigi
Morandi. Riv. Europ. ott. ecc.
Auch besonders gedruckt mit einem Briefe Manzoni’s als Anhang,
Firenze. 66 p. 8°. 1.1. Der Verfasser erhebt sich gegen die viel¬
verbreitete Ansicht, Manzoni habe durch die in der Ausgabe von Mailand
1840—1842 vollzogene gründliche Umarbeitung der Sprache seines 1825—
1826 zuerst erschienenen Romanes im Sinne möglichster Durchführung
des heutigen florentiner Sprachgebrauchs seinem Werke Schaden gethan,
die schlichte Natürlichkeit des Ausdrucks beeinträchtigt.
Sopra alcuni appunti fatti alle opere di A. M. dal prof. L.
Settembrini per E. Arpesani. Convegno. Vol. I disp. 1.
La materia de’ Promessi Sposi per Francesco De Sanctis .
N. Antol. ott. — I Promessi Sposi, ebenda die.
Alessandro Manzoni e la „morale cattolica“ commentario del
can. Giov . Finazzi. Bergamo. 98 p. 8°. 1. 1,50.
S. Riv. Europ. die.; die Schrift enthält auch einen früher nicht ge¬
druckten Brief M’s • den Verfasser.
Manzoni e la sua scuola, discorso critico del prof. Filippo Capri
con appendice di due lettere e una poesia dello stesso Manzoni.
Reggio di Calabria.
Der Verfasser sieht in Manzoni’s katholischer Gläubigkeit den Kern
seiner dichterischen Leistungen, was ihm Grund wird auch die Zukunft
Italiens an die Bedingung seiner Katholicität zu knüpfen. S. Riv. Eur.
genn. 1874.
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460
Bibliographie von 1873.
168. Mascheroni. Biografia di Lorenzo Mascheroni per
Camillo Ugoni. Bergamo. 114 p. 8°.
Die Biographie des durch Monti’s Mascheroniana auch mit der Ge¬
schichte der Dichtung zusammenhängenden Mathematikers ist heraus¬
gegeben aus dem Nachlasse des 1856 verstorbenen verdienten Literar¬
historikers durch dessen Bruder Filippo, welcher dieselbe „per ragioni
estrinseche all' argomento“ dem vierten Bande des Werkes „Deila lette-
ratura ital. nella seconda meta del sec. XVIII“ nicht hatte einverleiben
wollen, obschon er sie als „scritta con grande diligenza e apprezzata
molto dal cav. Carlini“ zu bezeichnen hatte; b. daselbst S. 542.
169. Medici. Lorenzo de ? Medici, discorso letto nel liceo
Dante li 6 aprile 1873 dal prof. Agenore GeUL Firenze. 24 p. 8°.
Zuerst im Arch. stör. it. gedruckt.
170. Metast&sio. Di Pietro Metastasio e delle sue ceneri
lettera ad Achille Monti di Oreste Raggi. Riv. Europ. ag.
Lobrede auf den Dichter aus Anlass des Vorschlages sich bei den
Wiener Behörden um Auslieferung der Gebeine des Dichters an seinen
Geburtsort Rom (das Haus ist Via de 1 Cappellari Nr. 35) zu bemühen.
171. Monti. Vincenzo Monti studiato nell' archivio di stato
milanese pel dott. Lodovieo Corio. Riv. Europ. sett. ott.
Die als bisher ungedruckt im Anhang veröffentlichten kleinen Schriften
Mouti’s hat Cesare Cantu, wie er in der Perseveranza (abgedruckt Riv.
Europ. die. S. 187) in Erinnerung bringt, schon 1864 unter dem Titel
„L’Istituto italiano e la Crusca“ mit einigen weitern edirt und seine
Publication 1868 wiederholt in seinen „Italiani contemporanei“, endlich
neuestens noch einmal in seinen „Italiani illustri.“
172. Monti. Vincenzo Monti, ricerche storiche e letterarie
di Ächille Monti. Roma. VI—428 p. 16°. 1. 4.
Erweiterter Wiederabdruck der von der Bibliogr. 1870 Nr. 202 er¬
wähnten Schrift sammt dem darauf bezüglichen Artikel Santini’s (s. ebenda)
und vieler andrer an verschiedenen Orten gedruckter, Monti betreffender
Aufsätze. Die Riv. Europ. 1874 genn. anerkennt die Wichtigkeit der
Schrift, rügt aber das Uebermass von Eifer seitens des Verfassers, welches
ihn oft ungerecht werden lasse. S. auch N. Antol. 1874 genn.
173. Muratori. II centenario di L. A. Muratori per Niccold
Tommasöo. Arch. stör. it. S. III, T. XVII.
174. Neri. Ippolito Neri, cenni biografici e critici di Mariano
Bargellinl Empoli. 50 p. 8°.
Ausführliche Anzeige von J. Del Lungo N. Antol. 1874 apr. — Neri
(1652—1708) ist der Verfasser des heroisch-komischen Epos „La Presa
di Samminiato.“
175. Omato. Deila vita e degli scritti di Luigi Ornato.
discorso del dott. Leone Ottölenghi. Casale. 38 p. 8°.
Philolog aus dem Anfänge dieses Jahrhunderts.
176. Petrarca. Petrarca e Laura, storia della loro vita e
dei loro amori per P. Be Nardi. Milano. 92 p. 16°.
177. Petrarca. Paulus Vergerius Leben Petrarcas. Deutsch
von Hcrrmmn Müller . Mag. f. Liter, des Auslandes. Nr. 37 ff.
Die Uebersetzung folgt weder dem Abdrucke des Textes bei Tommasini
(Petrarca redivivus, p. 176—184), noch dem bei De Sade, sondern einer
Pergamenthds. der Universitätsbibliothek zn Greifswald.
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Zur italienischen Literaturgeschichte.
461
178. Petrarca. Die erste Biographie Petrarcas in Deutschland,
von Ludwig Geiger . Mag. ftir Lit. des Auslandes. Nr. 42,
Notiz über eine handschriftlich in München vorhandene, 1477 ab¬
gefasste, als Biographie nicht eben werthvolle Schrift des Humanisten
Rudolf Agricola (1443—1485).
179. Petrarca. Ueber eine bisher nicht gedruckte Schrift
Petrarca’s von Herrmann Müller . Mag. f. Lit. d. Ausl. Nr. 39, 40.
Eine Pergamenthds. des 15. Jahrh. der Greifswalder Universitäts¬
bibliothek enthält unter Anderem die Schrift „contra Gallum quendam
innominatum, sed in dignitate positum invectiva,“ welche mit einer be¬
kannten Schrift ähnlich beginnenden Titels nicht identisch ist.
180. Petrarca. II Petrarca 6 artista o poeta? Risposta di
Eugenio Arnoni. Firenze. 8 p. 8°.
181. Ricciardl. Memorie autografe di un ribelle, di Giuseppe
Ricciardi. Milano. 350 p. 8°. 1. 3,50.
Zuerst in Paris 1857 erschienen. Der noch lebende Verfasser, von
welchem eben eine „Storia documentata della sollevazione delle Calabrie
del 1848“ erschienen ist, ist besonders politisch thätig gewesen, und so
sind denn auch seine Denkwürdigkeiten, die vom Jahre seiner Geburt
bis zu dem seiner Verbannung aus dem Königreich Neapel (1806—1836)
reichen, besonders für die politische Geschichte von Bedeutung. Da er
aber viel von seinen Berührungen mit Monti, Pindemonte, Manzoni,
Leopardi, Niccolini u. s. w. berichtet, ist auch für die Literaturgeschichte
sein Werk nicht unwichtig. S. Riv. Europ. luglio.
182. Rncellai. Orazio Ricasoli Rucellai e i suoi dialoghi
filosofici, conöiderazioni di F. Palermo. Prato. 274 p. 16°.
183. SarpL Fra Paolo Sarpi, discorso letto nella festa sco-
lastica del 17 marzo 1873 dal prof. LuigiLavi. Bergamo. 52 p. 32°.
184. Tasso. Une descente aux Enfers, le golfe de Naples.
Virgile, le Tasse par H. Johanct. Paris. 12°. Avec la carte des
Enfers. fr. 3.
185. Tasso. Studi nuovi sopra del Tasso alienato per Filippo
Cardona. N. Antol. febbr.
Entschiedene Constatirung und Specificirung der Geisteskrankheit.
186. Venerosi. Notizie inedite intomo a Brandaligio Venerosi
poeta pisano per C. Lupi. N. Antol. ag.
187. Vico. G. B. Vico ed il suo secolo per Niccold Tommasdo.
Roma.
Bloss neuer Abdruck einer ältem Schrift, welche wenig sachliche
Aenderungen erfahren hat; s. Carlo Lozzi in Riv. Europ. 1874 febbr. p. 520.
188. Uggieri il Danese nella letteratura romanzesca degli
Italiani (I. article) per Pio Rqjna. Romania II 153—169.
Fortgesetzt 1874 Romania III 31—77.
189. Le Fonti del Novellino per Alessandro D*Ancona.
Romania II 385—422.
Fortgesetzt 1874 Romania III 164—194.
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462
Bibliographie von 1873.
B.
1.
190. Collezione di opere inedite o rare dei primi tre seeoli
della lingna pubblicata per cura della R. Commlssione pe’ testi
di lingua. Bologna. 8°.
Del Trattati morali di Albertano da Brescia volgamza-
mento inedito fatto nel 1268 da Andrea da Grosseto pubblicato
a cura di Francesco Selmu XVII—396 p. L 8.
Die Uebersetzung ist einer magliabechi’schen Hds. entnommen,
neben welcher zur Vervollständigung des letzten (chronologisch ersten)
Tractates zwei weitere Handschriften, zur Besserung des ersten
(chronologisch zweiten) Tractates eine fernere Handschrift benutzt
wurde, die nach Seite XIV der Laurenzianischen, nach S. 377 der
Palatinischen Bibliothek zugehört. Auch zwei (Sundby unbekannt ge¬
bliebene) Handschriften der lateinischen Originaltract&te ans Turin sind
gelegentlich zu Rathe gezogen. Der UeberBetzer nennt sich S. 40
Andrea da Grosseto und bezeichnet Paris als seinen Aufenthaltsort
S. 174 wiederholt sich letztere Angabe mit Hinzufügung der Jahres¬
zahl 1268; alle drei Angaben finden sich vereinigt S. 286. Nach SeLmi
stimmen die früher bekannt gewordenen Uebersetzungen, die anonyme,
welche de’ Rossi 1610 edirte, und die des Soffredi del Grazia, heraus¬
gegeben 1832 durch Ciampi, für längere Stellen mit der des Andrea
wörtlich überein, die erstere von S. 322 (bei Andrea), die letztere von
S. 117 an. — Andrea gibt die Tractate nicht in der chronologischen
Folge ihrer Entstehung; dem ersten Tractate Albertano’s „De Amore
et Dilectione Dei“ (1238) entsprechen des Uebersetzers Tractate IH
u. IV (S. 175—286 und 287—375), dem zweiten „De Arte loquendi et
tacendi“ (1245) der Tractat I (S.’ 1—40), dem dritten „Liber con-
solationis et consilii“- (1246) das zweite Buch des ersten Tractates (S. 41
—174); als zweiter Tractat betitelt nämlich der Uebereetzer nichts. —
Sundby’s bezügliche Arbeiten sind Selmi unbekannt geblieben.
Esemplare della Divina Commedia donato da Papa (Bene-
detto XIV) Lambertini ecc. Vol. III. Paradiso. XXVI—
715 p. 1. 14,30.
Den ersten Band s. Bibliogr. 1870 Nr. 222; der zweite scheint
1872 erschienen zu sein und ist der Bibliographie entgangen.
191. Scelta di ouriositi letterarie inedite o rare dal secolo
XIII &1 XVII. Bologna. 16°.
129. Prose inedite del eav. Leonardo Salviati raccolte
da Luigi Manzoni. XLV—178 p. 1. 6.
S. meine Besprechung Gött. Gel. Anzeigen, Stück 35.
130. Volgarizzamento del Trattato della cura degli occhi
di Pietro Spano, codice laurenziano citato dagli accademici della
Crusca, ora per la prima volta stampato a cura di Francesco
ZambrinL XXX—95 p. 1. 4.
131. Trattato dell’ arte del ballo di Guglielmo Ebreo
pesarese. Testo inedito del sec. XV a cura di F. Z(ambrwi') m
XIX—112 p. 1. 4.
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Zur italienischen Literaturgeschichte.
463
Nach einer magliabechi’schen Handschrift. Der Verfasser be¬
zeichnet sich als Schüler des Cay. Domenico da Ferrara, von welchem die
Communalbibliothek von Siena einen ausführlichen Trattato di Ballo
(Liber Ballorum) handschriftlich aufbewahrt. S. auch A. D’A. in N.
Antol. ag.
132. Lettere scritte a Pietro Aretino emendate per cura
di Teodorico Landoni. Vol. I. P.I. XXXVI—344 p. 1.12,50.
Abdruck der Ausgabe von 1661.
133. Rime di poeti italiani del secolo XVI a cura di A. C.
VII—159 p. 1. 5.
Die Dichter sind: Trissino, Bembo, Sannazaro, Tansillo, Montemagno,
Vittoria Colonna, Castiglione, Amalteo und andre minder bekannte.
134. Novelle di ser Andrea Lancia, secolo XIV (per cura
di Giovanni Papanti ). 75 p. 1. 2,50.
Drei Novellen von den Cento Novelle antiche, als deren Verfasser
D. Carbone (s. seine Schulausgabe 1868 S. VIII) Andrea Lancia bezeichnet
hat, da sie sich in dem handschriftlichen Commentar Lancia’s zu seiner
Ueber8etzung der Remedia Amoris (herausg. von Zambrini 1860 in
Prato) finden. Papanti druckt sie hier genau nach der Handschrift ab
mit Nebenstellung des Borghini’schen Textes der Novellen V, LIX, C
von den Cento Novelle und Angabe der von Manni, Ghio, Parenti
nöthig gefundenen Aenderungen an denselben und der von Carbone
in seiner Ausgabe an dem Wortlaute der Laurenzianischen Hds. vor¬
genommenen. Anhangsweise ist eine vierte Novelle aus Lancia’s Werk
mitgetheilt, das an solchen Geschichten reich sei nsoll. (1 .Ipocras fue
di bassa nazione e povera. 2. Due assenpli troviamo altrove che per
grande gioia puote 1’uomo morire. 3. Come un re per mal consiglio
aella moglie uccise i vecchi di suo reame. 4. Meleager e Athalanta.)
Ueber die streitige Autorschaft siehe D’Ancona in Romania II 404 ff.
135. I cantari di CardtLino, giuntovi quello di Tristano
e di Lancielotto, quando combattettero al petrone di Merlino,
poemetti cavalereschi pubblicati per cura di Pio Rajna. LXXIII
—64 p. _ 1. 5,50.
192. Canti popolari in dialetto sassarese con osservazioni
sulla pronunzia di S. A. il principe Luigi Luciano Bonaparte .
Fase. I, IL Cagliari. 192 p. 32°. 1. 1.
193. Centuria di canti popolari siciliani ora per la prima
volta pubblicati da Giuseppe Pitrö. L’Eco dei giovani. Anno II,
vol. 2, fase. 2. 3. 4.
Auch besonders erschienen 44 p. 1. 1.
194. XV Canzoni popolari in dialetto titano per cura di
Vittorio Imbriani. Propugn. VT 1, 337 — 349.
Tito in der Basilicata.
195. XXXIII Canti popolari di Mercogliano (Principato
ulteriore) per cura di V. Imbriani . Propugn. VT 2, 317 — 338.
196. Saggio di Habe e novelle popolari siciliane per Giuseppe
PitrL Palermo. 2 vol.
Anzeige Riv. Sicula Die. 1872.
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464
Bibliographie von 1873.
197. Nuovo saggio di flabe e novelle popolari siciliane
raccolte ed illustrate da G. Pitrd. Riv. di filol. romanza I 113 ff.
Auch besonders erschienen, 36 p. 8°. 1. 2. S. Anzeige in Academy
Nr. 85 (Ralston).
198. Otto flabe e novelle siciliane raccolte dalla bocca del
popolo ed annotate da Giuseppe Pitrd. Propugn. VI 2, 84— 122.
199. Novelline popolari siciliane raccolte in Palermo ed
annotate da Giuseppe Pitrd. Palermo. 16°.
200. Raccolta di tradizioni sarde per Carlo Brundo. Fascic. II.
Cagliari. 140 p. 16°. 1. 1,25.
Die erste Lieferung s. Bibliogr. 1869 Nr. 292. Anzeige in L’Eco dei
giovani, die.
201. La Fola del Mnretein, novellina popolare bolognese
pubblicata da Carolina CoronedirBerti. Riv. Europ. febbr.
Das allem Anscheine nach treu dem Volksmunde nacherzählte Märchen
in bologneser Mundart zeigt grösste Verwandtschaft mit dem 39. des
Basile, mit dem es auch den Namen Znarel (=» Jennariello) gemein hat,
nur dass derselbe hier nicht dem treuen Halbbruder sondern dem Prinzen
beigelegt ist, zu dessen Bestem Jener den Kpjnpf mit dem Drachen wagt
und in einen Marmelstein verwandelt wird. Die weitern Abweichungen
zu erörtern ist hier nicht Raum.
202. Flabe e novelle veneziane popolari raccolte da 2). G .
Bernoni. Venezia. 16 p. 16°.
203. Fiabe popolari veneziane raccolte da J). G. Bet-noni.
Venezia. II—111 p. 8°. 1. 3.
S. Schuchardt Lit. Centralbl. 1874 Nr. 2; G. Paris Romania III 418.
204. Leggende fantastiche popolari venbziane raccolte da
l)om. Gius. Bernoni. Venezia. 24 p. 8°. 1. 0,60.
Dies und das Vorangehende besprochen von Liebrecht Gött. Gel.
Anz. Stück 35; s. auch Riv. Europ. ott., N. Antol. sett. (A. D’A.).
205. Paralipomeni della novellaja milanese per V. Imbriani .
Propugn. VI 1, 142 —150.
S. Bibliogr. 1871-2. Nr. 401.
206. Giuochi fancinllescbi monferrini e d’altre parti d’Italia
fra loro comparati, raccolti da Giuseppe Ferraro . Riv. Europ. die.
p. 77—92.
207. Pregbiere popolari veneziane raccolte da Dom. Gius.
Bernoni. Venezia.
62 theils Gebete theils auf die Feiertage bezügliche Lieder. S. N.
Antol. 1874 febbr.
208. Che COSa ö amorei 1 Sonetti tratti da un codice estense
del secolo XV (pubbl. da A. Capelli, per nozze). Modena.
S. A. D’A. in N. Antol. luglio. Die sechs Sonette rühren her von
Antonio Beccari aus Ferrara, Petrarca, Pietro aus Siena und von Un¬
bekannten und waren theilweise ungedruckt. Alle handeln von dem
Wesen der Minne.
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iur italienischen Literaturgeschichte. 465
209. II Canzoniere vaticano 3214 per Luigi Manzoni. Riv.
di filol. romanza. I 71 ff.
Beschreibung der Handschrift und Abdruck der früher nicht ver¬
öffentlichten Stücke.
210. Rime genovesi della fine del secolo XIII e del prin-
cipio del XIV edite ed illustrate da N. Lagomaggiore. Arch. glottol.
ital. Vol. II fase. 2.
Abdruck des älteren ersten Theiles der jetzt dem Abgeordneten
Molffno in Genua gehörigen Handschrift, aus welcher 1847 Bonaini
12 historische Dichtungen herausgegeben hatte. Die lateinischen Gedichte
sind ausgeschlossen, die altgenuesischen dafür alle mitgetheilt (138 Stücke,
die aber theilweise unvollständig sind, da der ältere Theil der Hds. von
seinen ursprünglich 108 Blättern an verschiedenen Stellen im Ganzen
41 eingebüsst hat). Erläuterungen sollen folgen.
2X1. Venti sonetti inediti del secolo XIII per cura di
Alessandro Tf Ancona. Propugn. VI 1, 350—371.
Aus der vaticanischen Hds. 3793, deren vollständigen Abdruck
D’Ancona in der Collezione geben wird. Dazu gehören Osservazioni
critiche im Propugn. VII 1, 62—68, Bemerkungen von Fachgenossen,
welche D’A. mittheilt und bespricht.
212. Ballate inedite di incerti rimatori anticM. Ravenna.
12 p. 8°.
213. Strenne nuziali del secolo XIV pubblicate dall' avv.
Giuseppe Beriolacci. Livorno. 72 p. 8°.
Hochzeitspublication in 104 Exemplaren.
214. Due frammenti di romanzi cavallereschi con illustra-
zioni per Pio Bajna. Riv. di filol. romanza. Vol. I fase. 3.
Aus dem ambroeianischen Miscellancodex 95 sup., der um 1430 ge¬
schrieben ist. Die beiden Stücke, von denen der Herausgeber nicht zu
sagen wagt, ob sie dem nämlichen Stücke angehörten, hält er für Bestand-
theile von Versionen der Karlasage, die auf italienischem Boden entstanden,
nicht französische Dichtungen in italienischer Prosa wiedergeben. Die
Mundart, die sorgsam geprüft wird, ergibt sich als altmailändische,
wenig in ihrer Reinheit beeinträchtigt durch Abweichungen, welche als
Wirkungen der Bekanntschaft mit toscanischer Literatur anzusehn sein
mögen.
215. Lettere di moderni accademici della Crusca (Monti,
Botta, Muzzi, Giordani, Niccolini, Gioberti, LambruSchini) per cura
del prof. Pietro Fcrrato . Padova. 16 p. 8°.
S. Propugn. VII 2, 452.
216. Dodici lettere di celebri cinquecentisti non mai stam-
pate (Soccini, Tolomei, Foglietta, Danti, Aldo Manuzio ecc.) per
cura del prof. Pietro Ferrato. Padova. 16 p. 8°.
217. Lettere di celebri scrittori dei secoli XVI e XVII
per cura del prof. Pietro Fcrrato. Padova. 16 p. 8°.
Zehn Briefe von Domenichi, Serdonati, Egnazio Danti, Bargagli,
Guglielmini, Magalotti, wie Arch. Veneto T. VI P. 1 angibt.
218. Lettere inedite di Carraresi ülustri per cura di Giovanni
Sforza . Propugn. VI 1, 481.
Fortgesetzt ebenda VI 2,123 und VII1,106. Die Verfasser, über deren
Lebensumstände der Herausgeber Mittheilungen macht, sind Emanuele
Jahrb. f. rom. u. engl. Lit. N. F. II. 31
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4G6
Bibliographie von 1873.
Repetti (1776-1862), Carlo Finelli (1782—1863, Bildhauer), Pellegrino
Rossi (f 1849), Bernardo Kaggi (Bildhauer, f 1862), Angiolo Pelliccia
(Chirurg 1791—1863), Pietro Tenerani (Bildhauer, + 1863).
219. Lettere di Ugo Foscolo, Giuseppe Mazzini, Gustavo
Modena. Milano. 14 p. 8°. (Nozze Cairoli-Sizzo).
220. Tre epistole inedite di A. Canova, V. Konti e U. Foscolo
pubblicate nell’ occasione del matrimonio Palazzoli, premessa una
lettera del coraüne zio M. A. Stnania. Verona. 16 p. 8°.
221. La Baronessa di Carini, leggenda storica popolare del
secolo XVI in poesia siciliana con discorso e note di Scdvatore
JSalomone-Marino . Seconda edizione corretta ed arricchita di nuovi
documenti. Palermo. 296 p. 8°. 1. 3.
S. Bibliogr. 1870 Nr. 233, A. D’A. in N. Antol. ag., Riv. Europ. luglio,
Arch. stör, sicil. Anno I fase. 3 e 4, Th. de Puymaigre in Polybiblion
August, Propugn. VI 2, 308 und in diesem Jahrb. oben S. 240.
222. II Convito fatto ai flgliuoli del Re di Napoli da
Benedetto Salutati e Compagni mercanti fiorentini il 16 febbrajo
del 1476 (per cura di . . Palagi ). Firenze (per nozze).
Culturhistorisch merkwürdige Schilderung. S. A. d\A. in N. Antol. apr.
223. La Battaglia di Mont' Aperto per cura deir ab.
Antonio Ceruti. Propugn VI 1, 27 — 62.
Bericht eines unbekannten Sanesen aus einer lückenhaften ambro-
sianischen Handschrift, welche 1440 von einem Giacomo di Mariano an¬
gefertigt ist.
224. La virtü delP acquavite, testo del secolo XIII per la
prima volta pubblicato (per cura di F. Zambrini ). Bologna. 22p. 8°.
225. Somma delle penitenze di Fra Tommaso d’Aquino del-
l’ordine de' predicatori, per cura di Ghdiano Vanzoi’mi. Propugn.
VI 1, 406. •
Fortgesetzt ebenda VI 2, 31; VII 1, 69. Der Herausgeber h< für
möglich, dass die Schrift ursprünglich italienisch abgefasst sei.
226. Specchio dei Monaci, volgarizzamento del buon secolo
a cura di Vincenzo Di Giovanni . Propugn. VI 1, 113—120.
Aus einer Handschrift der Communalbibliothek zu Palermo: das
Original ist das öfter mit den Werken des h. Bernhard zusammen ge¬
druckte „Speculum monachorum“ des Mönchs Arnulpbus (11. Jahrh.).
227. Sposizione della messa e Transite della vergüte Maria,
testi inediti dell’ Ambrosiana a cura di Antonio Ceruti. Propugn.
VI 2, 403—418.
228. Leggenda di santa Tecla non mai stampata, per cura
di J. G. Isola. Propugn. VI 2, 48—73.
Handschrift der Universitätsbibliothek in Bologna aus dem 16. Jahrh.
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Zur italienischen Literaturgeschichte.
467
229. Leggenda di s&n Giovanni Battista, testo inedito
magliabechiano con dne lande in onore del medesimo santo. Imola.
24 p. 8°. _
230. Ciriffo Calvaneo, testo a penna del buon secolo. Capitoli
tre per saggio. 8, 12 p. 16°. Imola. (Per nozze Bianconcini-
Calletti).
Was mag hinter dem befremdlichen Titel stecken? Wie kommt das
Werk in das „buon secolo?“ Warum ist von Luca Pulci nicht die Rede?
Der Bibliograph bittet um Aufschluss.
2 .
231. Albertano. Albertani Brixiensis Liber Consolationis et
Consilii, ex quo hausta est fabula de Melibeo et Prudentia. Edidit
Thor Stmdby. Havniae. XXIV—136 p. 8°.
S. Gött. Gel. Anz. Stück 24 (Tobler); Lit. Centralbl. Nr. 23 (A. B_n).
232. Aldovrandi. Quattro lettere inedite di Ulisse Aldovrandi
a Francesco I de’ Medici granduca di Toscana. Firenze. 16 p. 8°.
Der berühmte Naturforscher und Polyhistor aus Bologna (1622—1606).
233. Aleardi. Aus den Dichtungen Aleardo Aleardi’s. Freie
und treue Ueberfragungen von einem Gastfreund auf italienischem
Boden. Basel. 1 Thlr. 2 Sgr.
S. Blätter f. lit. Unterh. 1874 Nr. 11.
234. Altieri. Li Nuptiali di Marco Antonio Altieri pubblicati
da Enrico Narducci. Roma. L—194 p. fol. L 20.
Einleitung über das Leben und die Schriften Altieri’s, eineß gelehrten
rümischen Adligen aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Das
zura ersten Mal gedruckte Werk besteht aus Gesprächen, welche die zu
des Verfassers Zeit in Rom herrschenden und die Hochzeitsbräuche des
Alterthums zum Gegenstände haben, aber sehr viele anderweitige sitten¬
geschichtlich merkwürdige Dinge zur Sprache bringen. Es ist auch
interessant durch die provinzielle Färbung seiner Sprache. S. N. Antol.
1874 febbr.
235. Arlotto. Les Contes et Faceties d’Arlotto avec intro-
ductions et notes par P. Ristelhubcr. Paris. 12°. 1. 5.
S. Riv. Europ. ag.; Rev. crit.
236. Bald!. Lettere di Bernardino Baldi cavate dagli auto-
grafi che sono a Parma nell’ archivio di stato. Parma. 188 p. 8°.
237. B&rbieri. Lettere inedite dell’ ab. prof. Giuseppe
Barbieri all 7 ab. prof. Melchior Cesarotti (per cura delT ab. Fran¬
cesco Corradmi). Padova. 20 p. 8°.
238. Bargagli. Le novelle di Scipione Bargagli premessavi
la narrazione dell’ assedio di Siena per cura di Luciano JBanchi.
Siena. 226 p. 16°. 1. 3,50.
S. N. Antol. 1874 genn.
239. Bembo. Quattro epistole di Pietro Bembo. Venezia.
16 P- 8 °-
Nach Arch. Ven. T. VI P. 1 eine ganz unzuverlässige Edition durch
einen Anfänger.
31*
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468
Bibliographie von 1873.
240. Borgliesi. Due lettere inedite del eonte Bartolomeo
Borghesi a Francesco Del Furia in Firenze a cura di Z. Gargiolli .
Propugn. VI 2, 419—422.
241. Botta. Lettere di Carlo Botta al conte Tommaso Littardo.
Genova. 160 p. 8° gr. Con due fotografie.
242. Buti. Novella di Romeo di Francesco da Buti, testo
di lingua. 12 p. 8°. Livorno.
243. Cavalcanti. Due novelle di Andrea Cavalcanti per la
prima volta stampate (per cura di Giov. Papanii). Livorno. 24 p.
8°. (Per laurea, 130 esemplari fuori di commercio.)
244. DalT Ongaro. Scritti darte di Francesco Dali' Ongaro.
Edizione postuma con cenni biografici, illustrazioni e ritratto del-
Fautore. Milano. XXIII—368 p. 8°. 1. 6, 50.
S. Riv. Europ. luglio.
245. Dante. Traduction en vers inedite de la Divine Com6die
de Dante d'aprös un manuscrit du XV® siöcle de la Bibliothöque
de FUniversite de Turin par Charles Casati. Memoires de la Societö
des Sciences de Lille. 1872. 23 p. 8°.
Wohl die öfter erwähnte Uebersetzung, von welcher zuletzt Stengel
„Mittheilungen aus französischen Handschriften der Turiner Universitäts¬
bibliothek“ S. 3 gehandelt hat; doch setzt dieser die Handschrift in’s
16. Jahrhundert.
246. Dante. L'Enfer, poöme de Dante Alighieri, traduction
en vers par Bene Älby avec une introduction et des notes ä chaque
chant. Chant V. Turin. 36 p. 18°.
Nicht im Handel.
247. Dante. II canto XXXIII delF Inferno tradotto in dialetto
veronese col testo a fronte da A . G . Verona. 8°.
248. Dante. Dantis Alighierii Cantica de Inferis latinis
versibus. Ivrea. 144 p. 8°.
250. F08C010. Lettere inedite di Ugo Foscolo tratte dagli
autografi con note e documenti per cura del prof. Pcrosino. Torino.
XII— 381 p.
Die Briefe reichen von 1803 bis 1826 und sind zum grössten Theil
an die nächsten Angehörigen des Dichters gerichtet. Beigefügt sind
27 Briefe von Giulio, Ugo’s Bruder, an diesen und 5 von ihrer Schwester
Rubina. Das letzte Drittel des Buches enthält Briefe Foscolo’s an Ver¬
schiedene. S. R. F. in N. Antol. ag.
251. Foscolo. Dei Sepolcri, carme di Ugo Foscolo commentalo
per uso delle scuole dal prof. U. A. Canello . Padova. 1. 1,50.
S. N. Antol. 1874 febbr.
252. Giordani. Lettere inedite di Pietro Giordani a Luisa
Kiriaki-Minelli (per cura del prof. Oliva). Rovigo. (Per nozze).
S. A. D’A. in N. Antol. ag. Es sind 13 Briefe.
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Zur italienischen Literaturgeschichte. 469
253. Gir&ldi. Una poesia inedita del proposto Lionardo
Giraldi per cura di AchiUe Neri. Propugn. VI 2, 74.
Ein florentinischer Dichter in der burlesken Gattung aus dem Kreise
Magliabechi’s und Aprosio’s (1607—1678).
254. Machiavelli. Le Istorie fiorentine di Niccolö Machiavelli
ridotte alla yera lezione su codici e stampe antiche per cura di
P. Fanfani e L. Passer ini , con un ragionamento sulla vita del-
l’autore autenticato da molti documenti inediti. Firenze. XCVI—
424 p. 16°. 1. 4.
Die übrigen Werke M’.s sollen in entsprechender Bearbeitung folgen.
S. R. F. in N. Antol. maggio, Augsb. Allg. Zeitg Nr. 128, Hillebrands
Italia Band II (Lang).
255. Malatesti. Versi inediti di Antonio Malatesti per cura
di Achille Neri . Propugn. VI 1 , 90—112.
Sorgfältig bibliographisch eingeleitet
256. Manfredi. Lettere inedite di Eustachio Manfredi pubbli-
cate da Tito Nistri. Pisa. 32 p. 8°. (Per nozze.)
Nur in 60 Exemplaren.
257. Manzoni. Ode di Alessandro Manzoni sulla rivoluzione
di Francia del 1830 (inedita). Aggiuntovi il Cinque maggio dello
stesso autore. Firenze. 16 p. 18°. 1. 0,60.
258. Manzoni. Manzoni e la Crusca, lettera inedita di
Alessandro Manzoni (per cura di A. De Gubematis). Riv. Europ. die.
Manzoni lehnt den 7. Sept. 1855 den von der Crusca an ihr corre-
spon ehrendes Mitglied gerichteten Auftrag, eine Lobrede auf Antonio
Bosmini zu verfassen, ab, indem er sich der schönen Aufgabe nicht ge¬
wachsen nennt. Zugleich bezeichnet er sich überhaupt als unwürdig
der Mitgliedschaft „cnm’ accademia che & sopra una lingua che son per-
suaso di non sapere. E ciö che me ne persuade . . ., b il confrontare
la scarsa e incerta cogmzione che ne ho, con quella sicura e piena che ho
d’un* altra lingua, voglio dire la milanese, della quäle, senza vantarmi,
potrei esser maestro“.
259. Monti. Lettere di Vincenzo Monti e di Costanza sua
figlia pubblicate (per nozze) da Achille Monti. Imola. 20 p. 8°.
Drei Briefe von Interesse für den Biographen, s. Riv. Europ. maggio,
260. Muratori. Lettere inedite di L. Ant. Muratori. Firenze.
16 p. 8°.
261. Serdon&ti. Scelta di proverbi italiani tratti dalla raccolta
fatta da Francesco Serdonati che si trova nella biblioteca maglia-
bechiana per cura di Pietro Ferrato. Propugn. VI 1 , 128—141.
Eine Ausgabe der ganzen Sammlung des Serdonati, welche zu den
Sprichwörtern ausführliche Erklärungen und Beispiele gibt, durch Giuseppe
Frizsd ist versprochen.
262. Serdonati. Novellette tratte dai proverbi fiorentini
inediti di Francesco Serdonati (per cura del prof. Pietro Ferrato ).
Padova.
S; A. D’A. in N. Antol. apr.
263. Tasso. La Jerusalem delivree suivie de FAminte.
Traduction par A. Desplaces . Paris. 430 p. 12°. 1. 3,50.
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470
Bibliographie von 1873.
264. Vida. Das Schachgedicht des Hieronymus Yida metrisch
übersetzt und mit Hinleitung und Anmerkungen versehen von Alex.
Saldi. Berlin. XII—47 S. 8°. 15 sgr.
S. Lit. Centralbl. 1872 Nr. 52; Blätter f. bayer. Gymnasialschulwesen
IX, 2. _
265. Ariosto. Poema sacro dettato dallo spirito di Lodovico
Arioßto al medio Francesco Scaramuzza. Saggio di commedie dettate
dallo spirito di Carlo Goldoni al medio Francesco Scaramuzza. Parma.
XVI—916 (!) p. 8°. L 5.
Dass das Medium (oder der Unternehmer, für den es arbeitet) der
Meinung ist, es könne der poetischen Production der Gegenwart nicht
schaden, wenn Ariosto vom Jenseits ans sich daran betheilige, macht
seinem Urtheile alle Ehre.
III. Zur spanischen Literaturgeschichte.*)
(Diese und die folgenden^ Abtheilungen vom Herausgeber.)
A.
266. Boletin de la libreria (publicacion mensual). Obras
antiguas y modernas. Madrid, libreria de M. Murillo, calle de
Alcalä No. 18. 8°. (Suscricion: un ano, extranjero, 8 Fr.)
Ce bulletin mensuel qui parait depuis le mois de juillet 1873 donne
la liste de presque tous les hvres publiös ä Madrid et des ouvrages im¬
portante imprimös dans les provinces. (M.-F.)
267. Catälogo de la biblioteca de Salvä escrito por D. Pedro
Salvä y Mallen, enriquecido con la descripcion de otras muchas
obras, de sus ediciones etc. Tomo I. XXXII, 706. Tomo H, 900 p.
Valencia, Ferrer de Orga 1872. gr. 8°.
Mr. Pedro Salvä, fils du libraire bien connu Vicente Salvä, a eu
l’excellente idöe de rddiger un catalogue de la magnifique collection de
livres espagnols r€unis par son pöre et par lui. Ce catalogue, qui com-
prend 4070 num^ros (c’est ä dire un nombre au moins double de volumes)
a 6t6 fait avec beaucoup de soin, les döscriptions sont exactes, les ren-
eeignements bibliographiques nombreux et sürs, les reproductions en fac*
simile des marques d’imprimeurs etc. gönöralement bien executöes. On
trouve aussi dans ce catalogue la d^scription d’nn certain nombre de
manuscrits. La mort a surpris Mr. Pedro Salvä au moment oü venait
d’ötre terminöe Timpression du premier volume. Les fils, MM. 0. et E.
Salvä ont achevä la publication de l’oeuvre de leur pfcre. (M-.F.)
268. Catälogo de las obras existentes en la Biblioteca del
Ateneo Cientifico y Leterario de Madrid. Madrid, impr. de B. Labajos.
4°. VIH-609 p. 24 rs.
•) Die schätzbarsten Beiträge zu dieser Rubrik verdanke ich der
Güte des Herrn Morel-Fatio in Paris. D. Herausg.
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Zur spanischen Literaturgeschichte.
471
269. Apuntes histöricos sobre el archivo general de Simancas.
Por Francisco Römero de CastiUa . Madrid, Murillo, 1873. XXIV-
165 p. 8°.
270. Catälogo de algunos libros, folletos y articulos sueltos
referentes & la vida y a las obraß de Miguel de Cervantes Saavedra,
que ha lograda reunir la constancia de un Cervantista 1687—1872.
Sevilla 1872. 4°. 12 p. 4 2 col.
271. La cour littetaire de Don Juan II, roi de Castille, par
le comte de Puymaigre . Paris. 2 vols. 8°. 234-223 p.
S. Revue crit. 1874. Nr. 1.
272. Historia de la Universidad de Oviedo y noticia de los
establecimientos de ensenanza de su distrite, por el Dr. 2>. F.
Canella y Secades , acad6mico correspondiente de la Historia y
Nobles Artes de San Fernando etc. Oviedo, impr. de E. Uria.
4°. 508 p. (M.-F.) . 34 rs.
273. Etudes sur l'ancien theatre espagnol par M. A. Fee ,
raembre de l’Academie nationale de medecine. Paris. 8°. II—433 p.
Enthält eine Uebersetzung des „Honrador de su padre“ des Diamante
mit Angabe der von dem span. Verfasser aus dem Cid des Corneille
übersetzten Stellen, sodann Auszüge aus den „Mocedades del Cid“ des
Guillen de Castro mit den Parallellstellen aus dem Cid, einen kurzen
und äusserst oberflächlichen Aufsatz „Sur les grands auteurs dramatiques
espagnols 14 , eine Uebersetzung von Rojas’ „Dä rey abajo ninguno“ und
„Lo que son mujeres“ und endlich des 19. und 20. Aktes der Celestina.
274. De TAmadis de Gaule et de son influence sur les
moeur8 et la litt£rature au XVI. et au XVH. si&cle avec une
notice bibliographique par Eugene Barei . Deuxi&me Edition, revue,
corrigße et augmentöe. Paris. 8°. X-234 p.
La premi&re Edition de cette 6tude a paru en 1853. L’auteur a
corrigä son travail en tenant compte de l’introduction de Gayangos aux
„Libros de caballerias“; il n’a pas cherch^ k ddterminer quel pouvait 6tre
l’original de la Version de Montalvo. Dans la „“Notice bibliographique“
se trouve une d^scription insuffisante de l’Amadis de 1508 conservde
dans la biblioth&que au baron Seillidre. (M.-F.)
275. Luis de Leon und die spanische Inquisition von Dr.
Fr. Heinrich Reusch . Bonn, Eduard Weber 1873. VI et 124 p. 8°.
Excellente monographie; la partie bibliographique est tr&s soignde.
L’auteur aurait pu citer ä la note de la p. 21 l’article de J. M. Guardia:
Frag Luis de Leon ou la poisie dans le cloitre (Revue germanique janvier
1863 p. 307 es.) (M.-F.)
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472
Bibliographie von 1873.
B.
276. Obras escogidas de filösofos, con un discurso preliminar
del S or Don Adolfo de Castro . Madrid, Rivadeneyra. gr. 8°.
(L-611 p.)
Contient: 1) Le traitd De beneficiis de Seneque (traduction de
Fernandez Navarrete imprim^e pour la premifcre fois ä Madrid en 1627);
2) Aforismos mordles du mßme (trad. publice par Juan Alvarez,
Coimbra 1666), des extraits (traduits) des oeuvres de Ramon Lull;
3) Cuestiones de filosofia moral de Alonso Tostado; 4) Extraits des oeuvres
morales de Fray Antonio de Guevara; 6) Controversia con el doctor
Sepulveda acerca de los Indios, Tratado sdbre la esclavitud de los Indios,
Discar so pronunciado ante el emperador Carlos V 1619, deux courts
extraits de la partie in^dite de YHist. gener. de las Indias , de Fray
Bartolom^ de las Casas; 6) Extraits de YArte de los contractos de Bar¬
tolom^ de Albomoz; 7) Introducion a la sabiduria, Del socorro de los
pobres etc. de Juan Luis Yives; 8) Apuntamientos de como se deben re -
formar las doctrinas etc., hechos al rt\f X. S. (Philippe II) de Pedro
Simon Abril; 9) Tratado de la victoria de si mismo de Fr. Melchor Cano;
10) Coloquio del conocimiento de si mismo et Coloquio de las cosas que
mejoran este mundo etc. de Oliva Sabuco de Nantes Barera; 11) Dialogo
de la dignidad del hombre de Fernan Perez de Oliva; 12) Examen de
ingeniös de Juan Huarte de San Juan; 13) Centelias de varios conceptos
de Joaquin Setanti; 14) El discreto, Oräcido manual y arte de prudencia ,
El Mroe de Baltasar Gracian.
L’introduction de l’dditeur ne se distingue ni par la largenr des vues,
ni par une Erudition solide en mati&re d’histoire de la philosophie. (M.-F.)
277. Sociedad de bibliofilos andalnces.
Diese Gesellschaft hat von 1868—1872 eine Reihe von
Publicationen erscheinen lassen, von welchen folgende hieher gehören:
1. Teatro espahol anterior k Lope de Vega. Comedia de Na. Sa.
de Guadelupe. — Comedia prödiga por Luis de Miranda. Sevilla.
2 vol. 12°.
2. Poesias del doctor Juan de Salinas, natural de la ciudad de
Sevilla. Sev. 1871. 2 vol. 12°.
3. Obras de Felix Jos<5 Reinoso. Tomo I. Poesias. Sevilla. 1872.
12°.
278. Libros de antano nnevamente dados k luz por varios
afioionados.
I. Entremeses de Luis Quinones de Benavente, edicion dirigida por
D. Cayetano Rosell. Madrid, Alfonso Durä,n 1872. P. I. äXVIII-
469 p. 8°.
II. El Cortesano del conde Baltasar Castellon traducido por Boscan,
edicion dirigida por D. Antonio M. Fabiö. Madrid, Alfonso Durim
1873. LXXI et 681 p. 8°.
Voy. Revue Critique 1874 Nr. 49. (M.-F.)
279. Coleccion de libros espanoles raros ö enriosos publi-
cada por los S rei Marques de la Fuensanta del Valle y don Jos6
Sancho Rayon.
Y. Comedia llamada Selvagia, compuesta por Alonso de Villegas
y Selvago. — Comedia Serafina. 16, XIV, 403 p. 8°. Madrid,
Dur an 1873.
VI. Comedias indditas de Frey Lope Felix de Vega Carpio. Tomo I,
XVI, 496 p. 8°. Madrid, Duran 1873. voy. Lope de Vega.
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Zur spanischen Literaturgeschichte.
473
280. Calderon. Calderon’s Dramas: the ‘Wond er-Working
Magician, Life is a Dream, the Purgatory of Saint Patrick. Now
first translated from the Spanish in the metre of the original by
Denis Florence Mac Carthy . London. 8°. 382 p. 10 sh.
281. Biblioteca catalana de les mes principals y eletes obres
en nostra llengua materna escrites axi en est principat com en los
antichs realmes de Mallorca y Valencia, fetes estampar ab gran
esment per amadors de les lletres de la terra sots direcciö den
Marian Aguilö y Fuster. Barcelona lliberia d’Alvar Verdaguer,
any MDCCCLXXII. 8°.
Chaque mois parait un fasciqule de quatre feuilles dont le prix est
fixö ä, une peseta a Barcelone
Qnatre textes paraissent ä la fois. Ce sont:
I. Libre dels feyts esdevenguts en la vida del molt alt senyor rey
En Jacme lo conqueridor; tret del M. S. inödit de Pöblet, del any 1343.
(13 feuilles imprimös, et un fac-simile.)
II. Libre in&dit dels feyts darmes de Catalunya, compost per Mossen
Bernat de Boades e acabat en 1420. (13 feuilles imprimöes.)
III. Libre apellat Genesi de scriptura, tret del M. S. de Mossen
Guillem Serra, del any 1451; ara per primera vegada publicat per en
Miquel Victoriä, Amer. (Version catalane du compendium proven 9 al de
la Bible, dont Bartsch a publik un extrait dans sa Chrestomathie jyro-
ven^ale p. 385 ss. Cette publication est terminöe, eile est accompagnöe
d’un glossaire et d’un fac-simile du manuscrit.)
IV. Libre del valerös e strenu cavaller Tirant lo Blanch, escrit per
Mossen Johanot Martorell; estampat en vista de la edici6 princeps de
Valencia de 1490 y la de Barcelona de 1497. (24 feuilles imprimös). (M.-F.)
282. Can 9 oner de les obretes mes divulgades en nostra
lengua materna durant los segles XIV, XV e XVI. Barcelona,
estampa de Celesti Verdaguer y C*., any MDCCCLXXÜI. 4°.
I. Cobles de la ballesta per cantar, e a la fi l’albada de „Anauvosen
a mia amor“. Tretes de dos mss. del quinzen segle. 4 p.
II Cobles novament fetes per Pere Viberga contra tots los delats
de Cathalunya y seca^os de Antoni Roca etc. Barcelona mil e cinch
cents quaranta e quatre. 8 p.
III. Los goigs de la gloriosa mare de Deu de la Concepcio: los
quals se cantan en la sglesia de la Encarnacio. Estampats en la noble
e leal ciutat de Valencia. 4 p.
IV. Cobles en llahor de la gloriosa verge y martyr Sancta Eularia.
Estampades en la ciutat de Valencia en casa de Hubert Gotard, any mil
cinch cents vuytanta nou. 4 p.
V. Cobles novament fetes sobre los formenters y usurers ab un
vilancet. Estampades en la ciutat de Barcelona per P. Regnier. 12 p.
VI. Testament den Bernat Serradell de Vieh, any MCCCCX1X.
(5 feuilles imprim^es).
Cette collection de po&ies catalanes du XIV. au XVI., dont le
directeur est M. Marian Aguilö y Fuster, est tres bien imprimöe avec de
caract&res qui rapellent ceux de la fin du XV. s. et orn£e de reproductions
de vignettes et de bois de l’öpoque. (M.-F.)
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474
Bibliographie von 1873.
283. Ein katalanisches Thierepos von Ramon Lull. Von
K. Hofmann. Mönchen 1872. 4°. 70 S. % Thlr.
Separatabdruck aus den Abhandlungen der k. bair. Akademie der
Wissenschaften.
IV. Zur englischen Literaturgeschichte.
A.
284. The English Catalogue of Books, comprising the contents
of the „London' 4 and the „British 44 Catalogues, and the principal
Works published in the United States of America and Continental
Europe , with the dates of publication in addition to the size,
price, edition and publishers name. Compiled by Sampson Law .
[s. J. 1864. Nr. 156.] Vol. II. January 1863 to January 1872.
roy 8°. 452 p. L. 1. 10 sh.
295. A first Sketch of English Literature. By Henry Morley .
8°. 920 p. 9 sh.
Eine Uebersicht der englischen Literaturgeschichte, als Leitfaden
zum Gebrauche neben dem noch unvollendeten grossen Werke des Verf.
S s. unsere Bibliographie J. 1865 Nr. 4 und 1867 Nr. ll£) bestimmt
)ie Form ist eine annalistische, indem nicht die einzelnen Schriftsteller*
im Zusammenhänge behandelt werden, sondern die literarische Bewegung
in chronologischer Ordnung, so dass z. B. Milton’s Leben und literarische
Thütigkeit in drei verschiedene Perioden auseinanderfallen, eine Ein¬
richtung, die ihre Vorzüge, aber für den in die Wissenschaft noch nicht
genügend Eingeweihten etwas Verwirrendes hat, übrigens aber, unseres
Erachtens, im Athenaeum , 1873 Juni 28 p. 821 zu scharf getadelt wird.
Mit grösserem Rechte wird daselbst der Mangel an Unterscheidung
zwischen dem mehr und weniger Wichtigen gerügt, übrigens aber das
Buch als allen seinen Vorgängern bedeutend überlegen anerkannt.
296. A Biographical History of English Literature, being
an elementary Introduction to the greater English Writers. By
Dr. Mordl 8°. 560 p. 4 sh. 6 d.
Ein blosses Schulbuch und auch für ein solches höchst mangelhaft.
297. A Manual of English Literature, Historical and Critical.
With an Appendix on English Metres. By Thomas Arnold
3 d edit. revised. 8°. 567 p. 7 sh. 6 d.
298. A Comparative Estimate of Modern English Poets.
By J*. Devcy . 8°. 420 p. 10 sh. 6 d.
S. Athenaeum , 1873. Juni 7. p. 724.
299. Biographical and Critical Essays, reprinted from
Reviews, with additions and corrections. By A. Haytcard . New
Series. 2 vols. 8°. L. 1. 8 sh.
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Zur englischen Literaturgeschichte.
475
300. Archibald Constable and his Literary Correspondents,
a Memorial. By his son, Thomas Constable. Edinb. 3 vols. 8°.
1590 p. 36 sh.
Diese Lebensbeschreibung des bekannten Edinburgher Buchhändlers,
der auch Walter ScottB Verleger war, enthält viele für die englische
Literaturgeschichte seiner Zeit interessante Notizen. S. Athenaewn, 1873.
Nov. 22. p. 653.
301. Greene. — Robert Greene’s Leben und Schriften. Eine
historisch-kritische Studie von Wolfgang Bernhardt. Leipzig, 8°.
50 p.
302. Johnson. — The Life of Samuel Johnson by James
BoswelL New and complete edition, carefully revised from the
most authentic sources. Edited with Notes etc. by William
WäUace, M. A. roy. 8°. 560 p. 6 sh. 6 d.
303. Mllton. — The Life of John Milton, narr&ted in con-
nexion with the Political, Ecclesiastical and Literary History of
his Time. By D. Masson. [s. J. 1872. Nr. 566.] Vol. HI: 1643
—1649. 8°. 724 p. 18 sh.
Ueber diesen dritten Band des ausgezeichneten Werkes s. u. a.
Athenaewn, 1873. July 19. p. 73 f.
304. Shakespeare. — Jahrbuch der deutschen Shakespeare-
gesellschaft. Im Aufträge des Vorstandes herausgeg. von K. Ehe.
[s. J. 1872, Nr. 571]. 8. Jahrg. Weimar. 8°. IV, 398 p. 3 Thlr.
305. Shakespeare. — Shakespeare. Von G. G. Gervinus.
4. verb. Aufl. Mit ergänzenden Anmerkungen versehen von Rudolf
Gente. Leipzig. 2 Bde. 8°. XVI-612. V-594 p. 3% Thlr.
306. Shakespeare. — Vorlesungen über Shakespeare, seine
Zeit und seine Werke, Von Fr. Kregssig. 2. verb. u. verm. Aufl.
I. Bd. Berlin. 8°. 1% Thlr.
307. Shakespeare. — William Shakespeare’s Leben und
Dichten. Von Gustav Liebau. Gera. 8°. VII, 55 p. 15 gr.
308. Shakespeare. — Two dissertations on the Hamlet of
Saxo Grammaticus and of Shakespeare. By R. P. Latham. 8°.
150 p. 5 sh.
S. Athenaewn, 1873. Febr. 8. p. 173 f.
309. Shakespeare. — Zur Entstehungsgeschichte des Schlegel-
schen Shakespeare. Von Michael Bemays. Leipzig. 8°. VI, 264 p.
* l'/ 8 Thlr.
S. Literar. Centralbl. 1873. Nr. 16.
310. Shakespeare. — Complete Concordance to Shakespeare.
By Mrs. Cotoden Clarke. New and revised edit. roy 8°. 860 p.
L. 1. 11 sh. 6 d.
Diese neue Ausgabe des allbekannten Buches hat verschiedene Ver¬
besserungen erfahren.
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476
Bibliographie von 187&
311. Tennysou. — Notes and Marginalia illustrative of the
Public Life and Works of Alfred Tennyson. By Jephson Huband
Smith. 8°. 218 p. 4 sh. 6 d.
B.
312. Early English Text Society Publications for 1873. 8°.
1. Old English Homilies, Series II, from the unique IS* 1 » Century
MS. in Trinity College, Cambridge, with a photolithograph; three
Hymns to the Virgin and God, from a unique 13**» cent. MS. at Oxford,
a photolithograph of the music to two of them and transscriptions
of lt in modern notation by Dr. Rimbault and A. J. Ellis, Esq. F. R. S.;
the whole edited by the Rev. Richard Morris, LL. D. 8 sh.
2. The Vision of Piers Plowman, Text C (completing the three
versions of this great poem), with an antotype; and two unique allite¬
rative poems: Richard the Redeles (by William, the author of the
Vision) and The Crowned King; edited by the Rev. TK. W. Skeat,
M. A. 18 sh.
3. Oenerides, a Romance, edited from the unique MS., ab. 1440
A. D., in Trinity College, Cambridge, by W. Aldis Wright , Esq. M. A.,
Trin. College. Part. I. 3 sh.
, Extra Series for 1873. '
1. The Gomplaynt of Scotlande, 1649 A. D. with an Appendix
of four Contemporary English Tracts (1642—48), edited by J. A. H.
Murray, Esq. Part. II. 8 sh.
2. Onre Ladyes Myroure, A. D. 1530, edited by the Rev. /. H.
Blunt, M. A. with four full-page photolithographic fac-similes by Cooke
and Fotheringham. 24 sh.
313. Chaucer Society Publications for 1873. 4°.
First Series .
A Sixt-Text Print of Chaucer’s Canterbury Tales in parallel
columns from the Ellesmere, Hengwrt, Cambridge, Corpus, Landsdowne
MSS. Edited by Fr. J . FumwaXl , M. A. Part. V. The Clerk’s Tale.
The Merchant’s Tale.
Second Series.
Alberti Brixiensis Liber Consolationis et Consilii, ex quo haust«
est fabula gallica de Melibeo et Prudentia, quam anglice redditam
et The Tale of Melibe inscriptam, Galfridus Chaucer inter Canterbury
Tales recepit. Edidit T. Sundby.
314. Bailad Society Publications for 1873.
1. The Roxburghe Ballads. Part. V. With short Notes by W.
Chappell, Esq. etc. and with Copies of the original Woodcuts, drawn
by Mr. W. H Hooper and Mr. Rudolph Blind, and engraved by Mr.
Hooper and W. H. Rimbault.
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Zur englischen Literaturgeschichte.
477
2. Ball ad 8 from Manuscripts. Vol. II. Part. 2. containing Ballads
on Queen Elisabeth, Essex, Campion, Drake, Raleigh, Frobisher,
Warwick and Bacon, „the Candlewick Ballads“, Poems from the
Jackson MS. etc. Edited by W. R. Morfill, Esq., M. A. with an
Introduction to Nr. 8.
315. The Old Book Collector’s Miscellany. [s. J. 1872.
Nr. 586.] Vol. III. 8°. 17 sh. 6 d.
316. Ancient Songs and Ballads, written on various subjects
and printed between the years 1560 and 1700. Chief ly collected
by Robert, Earl of Oxford and purchased at the sale of the late
Mr. West’s Library in the year 1773. Encreased with several
additions. Edited by Charles Hmdley . Vol. I. 8°. 510 p. 12 sh. 6 d.
Es ist dies ein anderer Abdruck der unter dem Namen der „Roxburghe
Ballads“ bekannten Sammlung im Brittischen Museum. S. darüber
Athenaetm, 1873. Aug. 30. p. 271.
317. Scottish Songs and Ballads. By Joseph Ritson. New
and revised edit. with Glossary and Index. 18°. 410 p. 2 sh.
318. Two Enterludes: 1. Jack Jugeler, 2. Godly Queene
Hester, from the unique Originals in the possession of His Grace
the Duke of Devonshire. Edited with Introduction and Notes by
the Rev. Alex. B. Grosart. 12°. 88—66 p.
Zur „Fuller’s Worthies Library“ gehörig und nicht im Handel.
Jack Jugeler war in neuerer Zeit schon von Haslewood für den Roxburgh
Club wieder herausgegeben, das zweite Stück (aus dem Jahre 1561)
erscheint hier zürn ersten Male wieder in neuem Abdruck.
319. Leben Jesu, ein Fragment, und Kindheit Jesu. Zwei
altenglische Gedichte aus MS. Laud 108. Zum ersten Male herausg.
von Dr. C. Horsimarm. 1. Th. Leben Jesu. Münster. 8°. 69 S.
% Thlr.
320. Boswell. — Poetical Works of Sir Alex. Boswell, now
first collected and edited with Memoir by Robert Hotcie Smith.
Glasgow. 12°. 281 p. 5 sh.
321. Ch&pman. — The Dramatic Works of George Chapman.
Now first collected, with illustrative Notes and a Memoir of the
Author. 3 vols. 8°.
Es ist dies die erste vollständige Sammlung der Werke dieses
wichtigen Dramatikers, deren Verdienstlichkeit leider durch das Ver¬
fahren des ungenannten Herausgebers einigermassen geschmälert wird.
Derselbe hat nämlich nicht nur unseres Landsmanns Karl Elze Einleitung
zu seiner bekannten schätzbaren Ausgabe des „King Alphonsus“, aller¬
dings mit Angabe der Quelle, auszugsweise wiedergegeben, sondern sich
auch, wie es scheint, eines dreisten Plagiats schuldig gemacht, indem
er einen grossen Theil von Elze's Anmerkungen ohne Quellenangabe
aufgenommen hat. S. darüber Athenaeum 1873. p. 599, 630, 725.
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478
Bibliographie von 1873.
322. Crashaw. — The complete Works of Richard Crashaw etc.
Edited by the Rev. Alex. B. Grosart. [s. J. 1872. Nr. 603.].
YoL II. XC—387. 12°.
323. Davenant. — The dramatic Works of Sir William
d’Avenant, with prefatory Memoir and Notes, [s. J. 1872. Nr. 604].
Vol. 4 and 5. 8°.
324. Dekker. — The dramatic Works of Thomas Dekker,
now first collected. With IlluStrations, Notes and Memoir of the
Anthor. 4 vols. 8°. L. 2. 2 sh.
325. Donne. — The complete Poems of Dr. John Donne,
Dean of St. PauTs etc. Edited with Preface, Essay on Life and
Writings and Notes by the Rev. Alex. B. Grosart. [s. J. 1872.
Nr. 605.]. Vol. II. LYI—358 p.
Schlussband.
326. Fordnn. — Fojdun’s Chronicle of the Scottish Nation.
Edited by William F. Skene. Edinburgh. 2 vols. 8°. 1060 p.
L. 1. 10 sh.
327. Hemans. — Poetical Works of Mrs. Hemans. Edited
with a critical Memoir by W. M. Rossetti. 8°. 624 p. 3 sh. 6 d.
328. Enowles. — Dramatic Works of James Sheridan Enowles.
New edit. 8°. 460 p. 7 sh. 6 d.
Gleichzeitig erschien eine andere Ausgabe bei Routledge in 2 vols.
8° zum Preise von 8 ah.
329. James I (of Scotland). — The Poetical Remains of
King James the First of Scotland. With a Memoir and an Intro-
duction to the Poetry. By the Rev. C. Rogers LL. D. Edinburgh
(printed for the Editor). 8.
„This edition of the unfortunate monarch’s poexns is acceptable“.
Athenaeum , 1873, Nov. 8. p. 593.
330. Marvell. — The complete Works in Verse and Prose
of Andrew Marvell, M. P. For the first time fully collected and
collated with the original and early editions and considerably en-
larged with hitherto inedited Prose and Poems etc. Edited with
Memorial-Introduction and Notes by the Rev. Alex. B. Grosart .
In four Volumes. Vol. I (Verse) 1872. LXXIL479 p.—Vol. m
(Prose) 1873. 580 p.
Zur „Fuller’s Worthies Library“ gehörig und nicht im Handel. Der
2. Band der poetischen Werke ist nooh rückständig.
331. Milton. — Poetical Works of John Milton. Printed
.. from the original editions. With a Life of the author by the
Rev. John Mitford. 2 vols. 8°. 21 sh.
Ein neuer Wiederabdruck der bekannten werthvollen Ausgabe.
332. Milton. — Miltons Paradise Lost in ten Books; the
Text exactly reproduced from the first edition of 1667. 4°. 15 sh.
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Zur allgemeinen Literaturgeschichte.
479
333. Shakespeare. — A New Variorum Edition of Shakespeare.
Edited by Eoraee Howard Fumess. [s. J. 1871. Nr. 621.]. Vol. II.
Philadelphia. 8°.
Dieser zweite Baud der ausgezeichneten Ausgabe enthält Macbeth.
S. darüber Athenaeum y 1873. Aug. 9. p. 173.
334. Sheridan. —- Works of Richard Brinsley Sheridan
With Memoir containing extracts from the Life by Th. Moore.
Edited by J. P. Browne. 2 vols. 8°.
336. Sidney. — The complete Poems of Sir Philip Sidney,
for the first time collected and collated with the original and first
editions and MSS. Edited with Essay on the Life and Writings,
Notes and Illustrations by the Rev. Alex. B. Grosart . 2 vols. 12°.
LX-234. YII-313 p.
Zur „Fuller’s 'Worthies Library“ gehörig und nicht im Handel.
336. Smollett. — The Works of Tobias Smollett. With
Memoir of his Life by John Moore. Edited by J. P. Browne.
8 vols. 8°. L. 4. 4 sh.
337. Sterne. — The Works of Laurence Sterne. With a
Life of the author, written by himself. With Appendix containing
several unpublished Letters. Edited by J. P. Browne, M. D.
4 vols. 8°. L. 2. 2 sh.
338. Taylor. — Works of John Taylor the Water-Poet, not
included in the folio volume of 1630. [s. J. 1870. Nr. 127.].
Second Collection. Printed for the Spencer Society. 4°.
Enthält 17 verschiedene Schriften in Versen und Prosa, jede mit
besonderer Paginirung.
339. Thomson. — Poetical Works of James Thomson.
Edited with Critical Memoir by William Michael Bossetti. 8°. 530 p.
3 sh. 6 d.
Y. Zur allgemeinen Literaturgeschichte.
340. The Anglo-latin Satirical Poets and Epigrammatists of
the Twelfth Century. Now first collected and edited by Thomas
Wright. Published under the authority of the Lords Commissioners
of her Majesty’s Treasury, under the direction of the Master of
the Rolls. London. 2 vols. 8°.
S. Athenaeum 1873. Aug. 9. p. 175, wo gerügt wird, dass die Ein¬
leitung unvollständig und die Auskunft über die vom Herausgeber be¬
nutzten Handschriften ungenügend sei.
341. Ueber die nordischen Gestaltungen der Partenopaeus-sage.
Eine literar-historische Abhandlung von Dr. Eng. Kölhing. Strass¬
burg. 8°. 21 S. 8 gr.
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480
Bibliographie von 1873.
342. Riddarasögur. Parcevals Saga. Valvers Thattr. Ivents
Saga. Mirman8 Saga. Zum ersten Male herausgegeben und mit einer
literarhistorischen Einleitung versehen von Dr. Eugen Kölbing .
Strassburg. 8°. 2 Thlr. 10 gr.
343. Die Volkslieder des Engadin. Nebst einem Anhänge
engadinischer Volkslieder im Original und in deutscher UeberSetzung.
Von A. von Flugi. Strassburg. 8°. IV, 85 S. 24 gr.
S. darüber unsern Artikel oben S. 382.
344. Encore un mot sur le Barzaz Breiz. Lettre 4 Mr. J.
Sataun, par U. cTArbois de JubainviUe . Paris. 8°. 8 p.
VI. Philologie.
345. Grammaire de la langue d’oil (fran 9 ais des XII et XIII
siecles). Par M. Bourguingnon. Paris. 18°. VII—111 p.
S. über dieses Buch die strenge aber gerechte Kritik von Tobler im
Literar. Centralbl. 1873.
346. Recueil d'anciens textes bas-latins, proven^aux et fran^ais,
accompagnes de deux glossaires. Par P. Meyer. 1. Partie. Bas-
latin, proven^al. Paris. 8°.
S. darüber oben S. 111.
347. La maniere de langage qui enseigne 4 parier et 4
ecrire le fra^ais. Modales de conversations composees en Angleterre
4 la fin du XIV. si4cle et publies d’apr£s le MS. du Musee britannique,
Harl. 3988. par P. Meyer. Paris. 8°. 37 p. -
348. Entretiens sur la langue fran 9 aise par Hipp. Cocheris .
II. Origine et formation des noms de lieu. Paris. 18°. 268 p.
349. Essai sur lbrigine et la formation du patois picard.
par M . Jouancoux. Amiens. 12°. 64 p.
350. Un Vocabulaire latin-fran 9 ais du XLV. si&cle, suivi d’un
recueil d’anciens proverbes. Par Ulysse Robert.
In: Bibi, de l’Ec. des Chartes. Vol. XXXIV. p. 33 sq.
351. Syntactische Studien zu Marot, ein Beitrag zur Geschichte
der französischen Syntax. Von Prof. Frdr. Gluuning. Nördlingen.
8°. 50 p. % Thlr.
352. Etüde sur la langue et la versification de Malherbe.
Par Emil Beckmann. Elberfeld. 8°. 74 p. % Thlr.
353. Sur le langage actuel de Paris. Essai linguistique par
Dr. Louis Botron . Franf. a. 0. 4°. 12% gr.
354. Englische Grammatik von Eduard Mützner. 2. Aufl.
1. Th. Die Lehre vom Worte.. 1. Abth. S. 1—320. Berlin. 8°.
2 Thlr.
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Kulturgeschichte.
481
355. The Sources of Standard English. By T. L . Kington-
Oliphant. 12 °. 432 p. 6 sh.
356. A Dictionary of the Old English Language, compiled
from writings of the 12 th , 13 th , 14 th and 15 th centuries. By
Francis Henry Stratmam. 2. edit. 4°. 460 p. L. 1. 15 sh.
357. Our English Sumames: their Sources and Significations.
By Charles Warcing Bardsley. London. 8°. 550 p. 9 sh.
358. A Handbook of Proverbs, English, Scottish, Irish,
American, Shakespearean and Scriptural, and Family Mottoes, with
the Names of the Families by whom they are adopted. By James
Allan Mmr. 12®. 192 p. 1 sh.
359. The Dialect of Cumberland, with a Chapter on its
Place-names. By Robert Ferguson. 8°. 230 p. 5 sh.
Wir werden von diesem Buche noch eine Anzeige bringen.
360. Dizionario della lingua italiana, nuovamente compilato
dai Signori Nicolö Tommaseo e prof. Bemardo Bellini. [s. J. 1872.
Nr. 660.]. Dispensa 134—145. p. 257 — 576. (Yol. IV. 7 — 15).
TorinOi 4°. 4 1. 2.
361. Dizionario genovese-italiano da Giovanni Casaccia. Se¬
conda edizione accresciuta di 12000 4 piü voci e quasi tutta rifatta.
Genova. 8°. Dispensa 1—4. p. 1—128. 4 60 c.
Ist auf 30 Hefte berechnet.
362. Vocabolario dei dialetti bergamaschi antichi e moderni
da Antonio Tiraboschi. 2. ediz. Bergamo. 8°. 1436 p. 30 1.
363. * Vocabolario del dialetto Tarantino in corrispondenza
della lingua italiana. Per B. L. de Vicentiis. Taranto, 1872. 8°.
320 # p.
364. Beitrag zur Kunde der norditalienischen Mundarten im
15. Jahrh. Von Adolf Mussafia. Wien. 4°. 128 p. 2 Thlr. 4 gr.
Besonderer Abdruck aus den „Denkschriften der k. k. Akademie der
Wissensch.“
YIL Kulturgeschichte.
365. Myths and Myth Makers. Old Tales and Superstitions
interpreted by comparative Mythology. By J. Fiske 1 M. A. of
Harvard University. London. 8°.
S. Athenaeum, 1873. Febr. 16. p. 209 f. u. Rev. crit. 1873. Nr. 43. p. 266.
366. La Vie au temps des Trouväres. Croyances, usages
et moeurs intimes des XI. XII. öt XIII. si4cles, d*apr4s les lois,
chroniques, dits et fabliaux. Par M. Mcray. Paris. 8°. 333 p.
7 fr. 50 c.
Jahrb. f. rom. u. engl. Lit. N. F. II. 32
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482
Bibliographie von 1873.
367. Recherches historiques sur les fous des rois de France
et accessoirement sur Temploi du fou en general. Par M. Cand.
Paris. 18°. 325 p.
368. French Society from the Fronde to the Great Revolution.
By Henry Barton Baker . London. 2 vols. 8°. 660 p. 21 sh.
369. The University of Cambridge from the earliest times
to the Royal Injunctions of 1535. By James Bass Mullinger.
London. 8°. 720 p. 18 sh.
370. Clubs and Club Life in London; with anecdotes of its
famous Coffeehouses, Hostelries and Tavems, from the 17 ^ Century
to the present time. By John Timbs. London. 8°. 554 p.
7 sh. 6 d.
371. Lancashire Legends, Traditions, Pageants, Sports etc.
With an Appendix containing a rare tract on the Lancashire Witches.
By John Harland and T. T. Wilkinson. London. 8°.
S. Athenaeum, 1873. Apr. 19. p. 600, wo das Buch im Ganzen recht
günstig beurtheilt wird.
372. Traditions and Hearthside Stories of West Cornwall.
By William Bottrell. Second Series. London. 8°.
S. Athenaeum , 1873. Aug. 16. p. 207.
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Register.
Alliteration, in der deutschen und
englischen Poesie 311 ff. — bei
Chaucer, ebendas.
Amadis, älteste Ausgaben desselben,
164.
Araia, Etym., 173.
Atelier, Etym., 180.
Audric, Troubadour, 142 f.
Balladen, engl., aus d. 16. Jahrh.,
81 ff. 210 ff. 347 ff.
Bieling, H. Schrift von ihm angez.
246.
Bisbetico, Etym., 341.
Branca, Etym., 336.
Briscar, Etym., 177.
Brouailles, Etym., 181.
Canova, Etym., 176:
Cassare, Etym., 337.
Chaucer, die Alliteration bei ihm,
311 ff.
Christopher, St., Legende von dems.,
36.
Coiller, Etym., 337.
Coitare, Etym., 337.
Contrada, Etym., 337.
Coquet, Etym., 344.
Coriscar, Etym., 177.
Corisco, Etym., 177.
Corribo, Etym., 341.
Craindre, Etym., 181.
Bnnstan, St., Legende von ihm, 32.
Estobla, Etym., 340.
Estrun, Etym., 182.
Etouble, Etym., 340.
Ficelle, Etym., 346.
Flugi, A. v., seine Volkslieder des
Engadin, angez. 382.
Französische Sprache des XIV.
Jahrh., 298 ff.
Frayeur, Etym., 346.
Frusco, Etym., 176.
Girard von Roussillon, Roman von,
Beispiele aus Geschichte und
Dichtung in demselben, 1.
Gabbo, Etym., 174.
Gamba, Etym., 174.
Gavigna, Etym., 176.
Ghiado, Etym., 176.
Gronda, Etym., 338.
Gruzzo, Etym., 342.
Intuzzare, Etym., 342.
Jachöre, Etym., 182.
Laie, Etym., 183.
Landier, Etym., 346.
Lieder, englische, aus d. 16. Jahrh.,
81 ff. 210 ff. 347 ff.
Magagna, Etym., 176.
Manna, Etym., 177.
Maraud, Etym., 183.
Marcabru, Troubadour, 119 ff. —
Handschriften seiner Gedichte,
129 ff. — Liederanfänge, 131 ff.
— Leben nach seinen Liedern,
142 ff. 273 ff. — Seine Ansichten
über die Liebe, 276 ff. — Seine
Sprache, 288 ff. — Seine Vers-
kunst, 290 ff.
Marlowe, Chr., sein Faust und dessen
Verhältniss zu den deutschen und
englischen Faustbüchern, 43.
Mendoza, D. H. de. Ungedruckte
Poesien von demselben, 63 ff,
186 ff.
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484
Register.
Meyer, P., sein Recueil d’anciens
textes, angez. 111.
Mi&vre, Etym., 184.
Mula, Peter von, Troubadour; 150 ff.
Nasalität im Altfranzös.
Pantofola, Etym., 339.
Pantoufle, Etym., 339.
Papanti, Giov., sein Catalogo di
Novellieri, angez. 106. — sein
Dante secondo lä tradizione, an-
gezeigt 423.
Pequeno, Etym., 839.
Peritarsi, Etym., 342.
Piccolo, Etym., 339.
Provencalische Dichtung, volks-
mässige, 300 ff.
Quilma, Etym., 179.
Rebrousser, Etym., 336.
Refuser, Etym., 246.
Reventar, Etym., 179.
Rintuzzare, Etym., 342.
Rivista di filol. romanza, angez. 118.
Rochat, sein altladinisches Gedicht,
angez. 382.
Romania, Zeitschr., angez. 117 f.
383 f.
Russare, Etym., 177.
Salomone-Marino, seine Ausg. der
Baronessa di Carini angez., 240.
Sancochar, Etym., 344.
Scandeila, Etym. 340.
Seillere, Baron, seine Bibliothek,
161.
Serqua, Etym., 343.
Sima, Etym., 179.
Sobriquet, Etym., 346.
Sortir, Etym., 175.
Sortire', Etym., 175.
Soubrette, Etym., 346.
Spaldo, Etym., 343.
Stancare, Etym., 340.
Stoppia, Etym., 341.
Totovfa, Etym., 343.
Treper, Etym., 346.
Troubadours, Reihenfolge der älte¬
sten, 120.
Tuetano, Etym. 344.
Tutano, Etym., 344.
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